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Förderung des freiwilligen Arbeitsdienstes

Die Ausführungsvorschriften zu § setzes über Arbeitsvermittlung und

139 a des Ee-

llm die Erhaltung der Sozialverflchemng.

In einer trefflichen Zusammenstellung schildert Fritz Meystre im Iunihest der „Deutschen Arbeit" (6/1931), der wissenschaftlichen Monatsschrift der christlichen Gewerkschaften, die Gegenwartslage der deutschen Sozialversicherung. In 6er Einleitung sagt er u. a. folgendes:

„Der Mensch, der sein Leben hindurch wertvolle Arbeit für sein Volk verrichtet hat, der durch Fleiß, Sachkenntnis und Pflichteifer — Eigenschaften, die man mit Recht dem deutschen Arbeitnehmer nach­rühmt — als Mitträger der deutschen Volkswirt­schaft zur Mehrung des Volksvermögens fein Teil beigetragen hat, hat ein sittliches Anrecht darauf, in Fällen unverschuldeter wirtschaftlicher Not ober im Alter von der Gemeinschaft so versorgt zu wer­den, daß er nicht in völliger Armut seinen Lebens­abend beschließen muß. Dieses an Stelle von Al­mosen tretende Anrecht auf Hilfe schließt aber in sich die Pflicht des einzelnen, selbst das Menschen­mögliche zu tun, um im Regelfall dieser Hilfe ent­sagen zu können. Würde er anders handeln, ei­gene Vorsorge in Blickrichtung auf später doch einsetzende Gemeinschaftshilfe unterlassen, so würde er sich einreihen in die Asozialen, für die die Ge­meinschaft nur die Armenpflege, die Almosen zur Verfügung haben kann."

„Hält man aber für diese Arbeiterschicksale nur die — vielleicht ausgebaute und verfeinerte — Wohltätigkeit offen, so endet dieser Weg in einer allgemeinen, mit Recht meist abgelehnten Staats­bürgerversorgung — ein Weg, der für die Wötzl- fahrtserwerbslosen bedauerlich weit bereits be­schritten ist, weshalb die Herausnahme der Wohl- fahrtserwerbslosen aus der Fürsorge und ihre Vereinigung mit den Krisenunterstützten in einer

Eine bezeichnende Weg-Genossenschaft.

Die Moskauer wollen mit den Anhängern Hitlers und Hugen- bergs für die Auflösung des preußischen Landtags stimmen. — Gehen den besonnenen Kreisen setzt die Augen aus?

Abgeblitzt.

Der „Stahlhelm" ist an die Unrechten geraten.

Dieser Tage hat der „Bayerische Kurier" mitge­teilt, daß das Stahlhelmbundesamt in Berlin an die Reichstagsabgeordneten der Bayerischen Volkspartei Zirkulare gerichtet, in welchen unter ebenso törichten wie dreisten Angriffen auf die Zentrumspartei um Unterstützung des P r e u ß i s ch en Volksentscheids ersucht wird. Da­zu äußerte sich der „Bayerische Kurier" wie folgt:

„Mit diesem Zirkular kennzeichnet sich der Stahlhelm lediglich selbst. In einer Zeit, m der, um im Stile des Stahlhelms zu reden, das „schwarze" Zentrum und der „schwarze" Reichskanzler sich unter größter Aufopferung bemüht, Staat und Wirtschaft zu retten, betreibt der Stahlhelm einen unsinnigen Abstimmungs- f t m m e I, der keinen anderen Zweck erreicht, als die Oeffentlichkeit zu beunruhigen und den deutschen Kredit im In- und Ausland noch mehr herabzusetzen, als es bisher durch das Treiben wildge­wordener völkischer Organisationen schon geschehen ist. Selbst wenn der Stahlhelm- Volksentscheid in Preußen durchginge, dann würde viel­leicht um 2 oder 3 Monate früher gewählt, als es sowie­so infolge des Ablaufs der Wahlperiode der Fall fein muß. Ist diese Zeitdifferenz die Aufregungen und Un­kosten wert, die der Stahlhelm mit seinen politischen Machenschaften verursacht? Auch einer der Hauptzwecke des Stahlhelms, die preußischen Prinzen wieder in den Sattel zu setzen, wird durch diese Aktion sicher nicht gefördert.

Der Gipfel politischen Irrsinns liegt aber wohl darin, daß man Reichstagsabgeordnete der Bayerischen Volks­partei für den Stahlhelm-Unfug einzuspannen versucht. Was bilden sich die Stahlhelmherrschaften in Berlin I eigentlich ein? Sie scheinen gar keine Ahnung davon zu haben, daß der Stahlhelm infolge seines gott­verlassenen Abirrens in das Gebiet der Politik in den Reihen der Bayerischen Volkspartei vollständig I ausgespielt f>at."

In dem erwähnten Werbeschreiben des Stahl­helms au Mitglieder der Bayerischen Volks­partei zum Zwecke der Unterstützung des preu­ßischen Volksentscheids war aber noch die Be- merkung enthalten, daß die „schwarz-rote Koalition

setzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosen­versicherung (freiwilliger Arbeitsdienst) sind nun­mehr vom Reichsarbeitsminister und Reichsfinanz­minister gemeinsam erlassen worden, nachdem sie len Reichsrat und den Verwaltungsrat der Reichs- Anstalt durchlaufen haben. Sie stimmen in den wesentlichen Erundzügen mit dem Entwurf über­ein,, der aus Anlaß der Besprechungen in der Reichsanstalt vor kurzem schon die Oeffentlichkeit beschäftigt hat.

Stärker als bisher ist die Freiwilligkeit betont, die den Arbeitsdienst grundlegend von der Ar­beitsdienstpflicht unterscheidet, sowie der Gedanke, daß Gegenstand des freiwilligen Arbeitsdienstes nur gemeinnützige und zusätzliche Arbeiten sein kön­nen, die als solche von der Reichsanstalt als der zur .Förderung berufenen Stelle anerkannt sind. Die Anerkennung wird von den Vorsitzenden der Lan­desarbeitsämter und zwar rm Benehmen mit ihren Verwaltungsausschüssen ausgesprochen. Die För- . derung selbst besteht in erster Linie in der Fort­zahlung der Unterstützung für die bisherigen Un­terstützungsempfänger, die im freiwilligen Arbeits­dienst tätig werden. Dabei kann die Unterstützung auf einen Pauschbetrag von höchstens 2 RM. wochentäglich festgesetzt werden. Sie kann während des fteiwilligen Arbeitsdienstes bis zu 20 Wochen gewährt werden, auch wenn dadurch die sonstige Höchstdauer der Unterstützung überschritten wird. Sie kann an den Träger der Arbeit gezahlt werden, wenn gesichert ist, daß dieser sie zugunsten der Ar­beitsdienstwilligen verwendet, was auch in Sachlei­stungen geschehen kann. Jugendliche, die wegen ihres

hugenbergs „russische Karte-.

Bisher ist sie nie zum Stich gekommen.

Vvr kurzem hat Hitler in ausländischen Blättern verbreiten lassen, daß die Nationalsozia- listen gar nicht so schlimm wären wie ihr Ruf. Sie würden, einmal ans Ruder gekommen, recht hübsch brav und artig sein.

Hugenberg war arg böse, daß chm Hitler in dieser Selbstempfehlung an das Ausland den Rang abgelaufen hat. Um sich von Hitler nun nicht ausstechen zu lassen, hat er der amerikanischen Associated Preß eine Erklärung über die Lage in Deutschland gegeben, die mit folgenden Worten schließt:

„Die Rechte wird in kurzem berufen fein, die Re­gierung in Deutschland zu übernehmen. Sie erkennt die privatwirtschaftlichen Verpflichtungen an, die dem Ausland gegenüber eingegangen sind. Sie lehnt es aber ab, die Notlage des deutschen Volkes durch die weiteren Auswirkungen des Versailler Vertrages noch vergrößern zu lassen. Gelingt es nicht, die jetzige Fi­nanzkrise zu einer Gesundungskrise werden zu lassen, dann haben wir in Deutschland den Bolschewismus. Es gibt nur ein Entweder-Oder.. Entweder eine starke, von den gesunden nationalen Kräften des Volkes getragene Regierung, oder Bolschewismus. Der Bolschewis­mus aber ist eine Pest, der an den Grenzen Deutschlands nicht Halt macht".

Es wirkt geradezu komisch, daß diese Erklärung Hugenbergs in einem Augenblick erfolgt, in wel­chem die Deutschnationalen Seite an Seite m i t den Kommunisten in Preußen zusammen- marschieren, um dort den Volksentscheid zum Siege zu bringen. Der Bolschewismus ist offenbar für die Deutschnationalen solange kerne „Pest", als er ihnen selber zur Erreichung ihrer parteipoliti­schen Ziele dienlich ist!

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Im übrigen weiß jeder, der die Außenpolitik genauer verfolgt, daß die sogenannte „russische Karte", der Hinweis auf den auch für Deutsch­land drohenden Bolschewismus, in den internatio­nalen Diskussionen nicht die Wirkung getan hat und tut, die man sich in deutschen Rechtskreisen davon verspricht. Hugenberg hält immer noch, wie seit Jahren, diese Karte für sehr aussichtsvoll. Viele andere sind der Meinung, daß man sich schon den Kopf zerbrechen muß, einmal im außenpolitr- schen Spiel andere Karten auszuspielen. Die ewige Wiederholung des Hinweises auf den Bol­schewismus, in der sich Hugenbergs außenpolitisches Gedankengut erschöpft, bringt uns nicht weiter.

Dee „Rote F a h n e" verkündet den einstimmi­gen Beschluß des Zentralkomitees der Kommunisten, „den Volksentscheid gegen die Braun-Severing-Regierung durchzuführen". Auch an anderer Stelle des Blattes wird mit Nachdruck hervorgehoben, daß die Kommunisten nunmehr die Führung des Volksentscheids über­nehmen würden. Die ganze Aktion ist bekanntlich eingeleitet, um den Marxismus in Preu­ßen niederzuringen. Dieser Kampf vollzieht sich also jetzt unter Leitung der schärfsten Ver­treter des Marxismus, den zu besiegen der Stahlhelm ausgezogen war. Nun werden sich ohne Zweifel die Herren Duesterberg und Seldte bald mit dem Anspruch melden, daß die Führer- schaft bei ihnen verbleibt. Zunächst werden wir demnach einen „Führerstreit" erleben und da­neben das erbauliche Schauspiel genießen, daß zwer Heerhaufen, die einander bis,auss Messer bekämpfen, gemeinsam gegen den Feind ins Feld ziehen wallen. Nehmen wir ein­mal an, dieser seltsame Heereszug hätte Erfolg (die eigentlichen Volksbegehrensparteien verfügen in Preußen über neun Millionen, die Kommunisten über vier Millionen, und 13 Millionen Stimmen sind für das Gelingen des Volksentscheids notwen- drg), so entstünde am Tage darauf die Frage: Bekommen wir nun das Dritte Reich oder; den Sowjetstaat in Preußen? Oder solsten sich vielleicht, was allerdings näher läge, die Sieger von gestern in die Haare geraten und sollte nicht vielleicht statt einer Erlösung „aus den Fesseln der preußischen Koalition" ein allgemeiner Bürgerkrieg werden?

Die Nationalsozialisten und der ihnen verwandte Teil der Deutschnationalen werden sich natürlich über den kommunistischen Zuzug freuen. Aber sollten die Deutsche Volkspartei, der C h r i st l i ch n a t i o n a l e V o l k s d i e n st und die Vokkskonservatrven sich nicht endlich ein­mal die Frage vorlegen, was die Kommunisten mit ihrem lauten Einschwenken in die Front Seldte- Duesterberg-Hitler bezwecken? Der „Derunet Lokalanzeiger" befürchtet offenbar, dckß solche Ueber- legungen in seiner Leserschaft angestellt werden und gibt deshalb für das Verhalten der Kommu­nisten folgende „Erklärung": Gegen ihren Wil-. len sei die kommunistische Führung durch die Stim­mung der breiten Masse in Deutschland gezwungen worden, sich dem Volksentscheid anzuschlleßen. Der Samen, den dre nationale Opposition gesät habe, sei aufgegangen und beginne Früchte zu tragen. Im Ernst glaubt der „Berllner Lokalanzeiger" natür- llch selbst nicht, daß die deutschnationale Saat ausgerechnet bei den Kommunisten aufgehen sollte.

Die einfache Wahrheit ist vielmehr,"daß die Kommunisten hier eine Gelegenheit wittern, Un­ordnung und womöglich das Chaos herbeizuführen. Nur dann kann ja der kommunistische Weizen blü­hen. Es zeigt sich eben jetzt, daß mit dem V o l ks-

noch einmal ihre Diäten für einen Monat gerettet habe."

Eine abgrundtiefe Heuchelei spricht aus diesen Worten. Denn die mit dem Stahlhelm marschje- renden Deutschnationalen und Nationalsozialisten haben sich ja ihren Pflichten als Volksvertreter durch ihre Flucht aus dem Parlament bewußt ent­zogen. Sie haben es aber nicht für unter ihrer Würde gehalten, sich trotzdem vom deutschen Volke dafür, daß sie n i ch t s t u n , durch Diäten bezahlen zu lassen. Bis jetzt hat kein einziger dieser Abgeordneten auch nur auf einen Pfennig dieser ihrer Diäten verzichtet. Im Gegenteil: wenn auch nur um einen einzigen Tag die Aisendung der Diäten sich verzögert, dann setzte es von bestimmten Seiten die schärfsten Vorwürfe an die Reichstags- oerwaltung ab!

entscheid den Kommunisten direkt in dre Hand gearbeitet wird. Nachdem so ganz offensichtlich der Gedanke der Volksbefragung durch die neueste kommunistische Aktion diskreditiert wor­den ist, sollte es für die Deutsche Volkspartesi den Christlichsozialen Dolksdienst und die Volkskonser- vativen eine Unmöglichkeit fein, in dieser national- sozialistisch-kommunistischen Gesellschaft werter zu verharren. Dem verständigen Teil der Anhänger des Volksbegehrens gibt diese Entwicklung Ge­legenheit, sich aus einer Gemeinschaft zu lösen, dre ihm im Grunde doch sehr wesensfremd fein muß. ____________________

Alters noch keine Arbeitslosen- oder Krisenunter­stützung erhallen, können während desArbeitsdienstes aus besonderen Reichsmitteln eine entsprechende Un­terstützung beziehen. Zuschüsse zu den Material- kosten der Arbeiten sind nicht vöraesehen. Eine Förderung ist unzulässig, wenn ein Mißbrauch des Arbeitsdienstes fstr politische oder gar für staats­feindliche Zwecke zu befürchten ist. Wenn auch die Beschäftigung im Arbeitsdienst kein Arbeitsverhält­nis begründet, so sind doch alle Arbeitsdienstwilli­gen gegen Krankheit versichert und dem Arbeits­schutz unterstellt; auch gelten die Vorschriften über Unfallversicherung. Die Gemeinden können ver­pflichtet werden, bei Arbeiten in ihrem Bezirk Unterkunft und Verpflegung für die Arbeitsdienst- willigen gegen angemessene Entschädigung bereit­zustellen. Arbeitsdienstwilligen, die bei volkswirt­schaftlich wertvollen Arbeiten beschäftigt werden, ist die Möglichkeit eröffnet, einen Zuschuß für die spätere Ansiedlung oder zum Erwerb eines Eigen­heims zu erlangen; nach zwölfwöchiger Beschäfti­gung werden ihnen rückwirkend für jeden Arbeits- tag 1.50 RM. im Reichsschuldbuch gutgeschrieben, die mit 6 v. H. verzinst werden.

Die gutgeschriebenen Beträge können innerhalb von zehn Jahren seit der ersten Gutschrift für die genannten Zwecke verwendet werden. Anträge auf Förderung bestimmter Arbeiten werden zweckmäßig bet dem Arbeits- oder Landesarbeitsamt einge­reicht, in dessen Bezirk die Arbeit ausgeführt werden soll. Die Vorschriften treten am 3. Ang. in Kraft. Sie werden im Reichsarbeitsblatt Heft Nr. 20 vom 25. Juli 1931 veröffentlicht werden.

„ausschließenden Fürsorge" von grundlegender Bedeutung ist. Der geschichtlich in Deutschland gewordene Weg der Vorsorge für die in abhängi­ger Lohnarbeit befindlichen Volksteile ist die deutsche Sozialversicherung, die das Anheimfallen der Erfaßten an die allgemeine Fürsorge dadurch zu verhindern erstrebt, daß sie die in Frage ste­henden Kreise in der Form der „Zwangsoerfiche, rung“ zu eigener Vorsorge für die Wechselfälle des Arbeitslebens anhält und entsprechende Ein- richtungen schuf."

„Sie. Einrichtungen, die durch ihre Zweckset- zung von größter allgemeinpolitischer Bedeutung sind, laufen Gefahr, durch die wirtschaftlichen und politischen Ereignisse der letzten zwei Jahrzehnte finanziell zusammenzubrechen; für ihre Erhaltung sich einzusetzen, ist nicht aus „klassenpolitischen" Gründen, sondern aus Gründen der Volkswohl­fahrt unbedingt notwendig."

Letzte Nachrichten.

Eisbrecher Malagln an der Küste des Franz 1 Josephs-Landes.

wtb. Moskau. 25. Juli. (Eig. Meld.) Der Eis- brecher Malogin hat die Küste des Franz Josephs- Landes erreicht und nahm sofort die Verbindung mit der Radio-Station der Insel Hooker auf. Die meteorologische Station der Insel teilte dem Eis­brecher mit, daß die Einfahrt in die Stille Bucht frei fei.

Wieder Selbstmord eines Bankdirekkors.

wtb. Berlin, 25. Juli. (Eig. Meldg.). Einer der Direktoren der Deutfch-füdarnerika« Nischen Bank, der 53 Jahre alte Wilhelm Tang, hat sich heute morgen im Garten seiner Villa in der Grunewaldallee in Zehlendorf er- hängt. _____________________

♦ Bei Abbrucharbeilen in Werk I des Großkraft­werkes Hirfchfelde der Sächsischen Werke A.-G. ist das Gerüst im Innern des zum Abbruch bestimm- ten Schornsteines zusammengebrochen. Dabei wurde ein Arbeiter getötet und ein an­derer schwer verletzt. Zwei andere Arbeiter konn­ten sich im letzten Augenblick noch in Sicherheit bringen.

* Fünf Arbeiter auf dem Grunde der Themse verunglückt. Aus Dagenham wird gemeldet: Fünf Arbeiter, die nachts in einem Rohr auf dem Grunde der Themse beschäftigt waren, fielen plötz­lich in den Schlamm auf dem Boden des Rohres. Sie zu Hilfe gerufene Feuerwehr hat bis jetzt vier Mann tot geborgen.

Bulgarische Sprichwörter.

Gesammet von Harro E s s i n g h. i

Gottes Hände sind weich wie Wolle, aber auch schwer wie Blei.

Gott gibt uns zwar das Korn, aber er bringt es nicht für uns in die Scheuer.

Selbst dem blinden Huhn gibt Gott ein Versteck.

Das Huhn labt sich am Wasser — und blickt dabei gen Himmel.

Es hat noch keiner mit einem Stein nach Gott get warfen.

Wer dem Leben Ins Auge gesehen, kennt nicht mehr die Angst vor dem Tode.

Die Zeit ist das schnellste Pferd; weh dem, dem es nicht gelingt, es an der Mähne zu fassen.

Auch französische Schienen-Ommuibusse.

Dorführung eines neuen Schienenmnnibusses in St. Arnoult.

Nachdem schon in Deutschland erfolgreiche Der» suche mit dem Omnibuswagen auf Schienen ge­macht wurden, hat jetzt eine französische Firma gleichfalls Autobusse mit Gummireifen auf Eisen­bahnschienen laufen lassen. Die Fahrtgeschwindig­keit soll mit dem neuen Verkehrsmittel sehr hoch sein und das Reifen eine besondere Annehmlichkeit.

Menschenjagd in Kanada.

Hetze quer durch den Kontinent. — Drei Jahre auf Der- brecherfang im Polargebiek. — Rache des Degradierten.

Von Harry W i l k i n s -Milwaukee.

Nur einen Wahlspruch kennt die Berittene Kanadische Polizei, und der lautet: „Fang den Verbrecher!" Einer­lei, wie schwierig die Aufgabe ist, sie muß erfüllt werden, oder der „Monnty" wird mit Schimpf und Schande aus dem Korps ausgestoßen. Entschuldigungen erkennen die Vorgesetzten weder an, noch versucht einer der Rottöcke sie vorzubringen.

Wie Spürhunde hängen sich die Berittenen Polizisten an den Verfolgten. Einst war der Gehetzte ein älterer Trapper, der drüben in Alberta am Fuß der Rocky Mountains einen Farmer im Streit erschossen hatte. Ein Rotrock erhielt den Befehl, den Täter festzunehmen. Achtzehn Monate lang hörte sein Inspektor nichts mehr von ihm. Er machte sich aber darum keine Sorgen, und tatsächlich meldete sich der Polizist nach mehr als andert­halb Jahren wieder zurück. Mit ihm kam der gefesselte Trapper. Der Rotrock selbst legte nur mit trockenen Worten Rechenschaft von seiner Menschenjagd ab, Don Alberta war die Hetzjagd nach Osten gegangen. Von einer Siedlung zur anderen floh der Trapper vor dem Verfolger. Aus Verstecken, die er für unauffindbar hielt, wurde er von ihm aufgestöbert. Jede Stunde Rast, bic er seinem müden Körper gönnen mußte, wurde ihm zur Qual, weil er immer die Faust des Rotrockes am Halse zu spüren fürchtete. Der frühe Winter zwang den „Mounty", sein Pferd zurückzulassen. Zu Fuß und im Schneetreiben holte er den Verfolgten ein. Das war nach Monaten drüben an der Grenze von Labrador, drei­tausend Kilometer von Alberta entfernt. Der Trapper lag im Hinterhalt und schoß den Polizisten nieder. Er ließ ihn für tot liegen. Doch der Rotrock.war nur schwer verwundet und konnte sich zur Hütte eines Felljägers

schleppen. Dort lag der Verletzte ein halbes Jahr, durch den Winter von der Außenwelt völlig abgeschnitten, bis endlich der Frühling tarn und der Polizist sich kräftig genug fühlte, um die Verfolgung wieder aufzunehmen. Von anderen Felljägern erfuhr er, daß in. einem entfern­ten Eskimodorf ein Fremder den Winter zugebracht hatte. Ein paar Tage später war der Verfolger in der Siedlung: doch eine Stunde vorher hatte der Trapper, von irgendeiner Seite vom Auftauchen einer roten Jacke benachrichtigt, das Dorf verlassen. Den ganzen Sommer über jagte der Polizist den Täter durch die Steppen von Labrador. Er gönnte sich kam eine Stunde Ruhe und stellte endlich den Gehetzten. Der riß die Büchse an die Schulter und ließ sie wieder sinken. Er starrte den Rot­rock an, von dem er glaubte, die blankgenagten Knochen lägen weit hinten im Westen, und ließ sich fesseln: „Lieber baumeln als noch weiter gehetzt zu werden und vor Angst den Verstand verlieren!"

Ein anderes Mal erfuhr die Leitung der Polizei in Winnipeg gerüchtweise, im Uukon-Bezirk seien zwei weiße Goldgräber von Eskimos erschlagen worden. Ein Sergeant erhielt den Auftrag, das Gerücht an Ort und Stelle nachzuprüfen und die etwa Schuldigen nach Win­nipeg zu bringen. Monate dauerte es allein schon, bis der Polizist mit Dampfer und Schlitten die Eskimosied­lung an der kanadischen Nordküste erreichte, von der aus das Gerücht seinen Weg nach Süden genommen hatte. Doch niemand konnte ihm dort etwas Näheres über die Tat mitteilen. Nicht einmal ihr Schauplatz war be­kannt, noch weniger die Namen der Mörder. Die Auf- gabe des Sergeanten schien undurchführbar. Doch der Polizist wußte, daß er nicht unverrichteter Sache zurück- kommen durfte. So blieb er im Eskimo darf, bis er die Sprache der Eingeborenen genügend beherrschte. Dann reifte er von einer Siedlung zur anderen. Doch nirgends trat der Verfolger der Mörder auf, weil er diese sonst zu verscheuchen fürchtete, sondern gab sich für

einen von der kanadischen Regierung entsandten Lehrer aus, der in jedem Dorf Vorbereitungen für die Errich­tung einer Schule treffen sollte. Gleichzeitig ernannte er aus eigener Befugnis je einen ihm geeigneten Orts- Polizisten, mit der Aufgabe, Streitigkeiten zu schlichten und den Eingeborenen einen Begriff von der weitreichen, den Macht der fernen weißen Regierung zu vermitteln. Darüber vergaß er nicht, unauffällig Erkundigungen nach den Mördern einzuziehen. Schließlich erfuhr er, welches Dorf der Schauplatz der Tat gewesen war. Als er dort eintraf, stellten sich ihm die Täter von selbst, weil das Gerücht vom Einstuß feiner Persönlichkeit jeden Fluchtversuch unnütz erscheinen ließ. Sie erklärten, in Notwehr gehandelt zu haben, und die vom Sergeanten eingeleitete Untersuchung bestätigte ihre Behauptungen. Doch der Polizist mußte seinen Auftrag ausführen und die Täter nach Winnipeg schäften. Die Verhafteten sträubten sich nicht, und drei Jahre, nachdem er zur Verfolgung aufgebrochen war, meldete sich der Ser­geant mit den Gefangenen in Winnipeg. Die Eskimos wurden abgeurteilt, aber sofort begnadigt, einige Mo­nate lang unterrichtet und bann als Hilfspolizisten in ihre Tausende von Kilometern entfernte Heimat entlaf- fen. Den Sergeanten ernannte die Regierung zum In­spektor.

In Alberta gelang es einmal einem anderen Serge­anten, einen Pferdedieb zu fangen. Der Gauner behaup­tete, ein Geheimnis zu kennen, und führte den Polizisten nach einer verlassenen Blockhütte, wo er aus der Herd­asche einen halbverbrannten Totenschädel hervor kratzte. Den Augenblick aber, in dem der Rotrock den Fund untersuchte, benutzte der Dieb, um mit dem Pferde des Sergeanten zu fliehen. Sein« Unadjtfamteit trug dem Polizisten die Degradierung ein. Sein ganzes Sinnen unb Trachten galt nun natürlich dem Wiedereinfangen des Flüchtlings, der in der Unendlichkeit der kanadischen Steppen untergetaucht zu sein schien. Gleichzeitig war

der Degradierte davon überzeugt, daß der Dieb auch bei der Tötung des Unbekannten, von der nur jener halb- verbrannte Schädel zeugte, die Hand im Spiel gehabt hatte Durch Zufall erfuhr der Polizftt, daß vor Jahren eine blutige Pelzmütze gefunden worden war, die von einem Drama zu sprechen schien, deren einstiger Trä­ger aber unauffindbar blieb. Der Rotrock ließ sich die Mütze geben und entdeckte, daß die Blutspuren in der gleichen Richtung verliefen wie eine Hiebwunde in der Schädeldecke des Totenkopfes. Durch monatelang« Nach­forschungen konnte der Polizist in Erfahrung bringen^ daß ein Farmer vor Jahren von zwei Leuten — bie Beschreibung eines der beiden paßte auf den entlaufenen krummbeinigen Pferdedieb — ein Gespann gekauft hatte. Ein paar Tage später war er dem Krummbeinigen allein begegnet, und dieser hatte ihm auf die Frage nach Joe Hindahl, seinem Begleiter, erklärt, er sei in den Staat Minnesota, seine Heimat, zurückgekehrt. Der Degradierte ließ sich nach den Vereinigten Staaten beurlauben und trat in Minnesota als kanadischer Farmer auf, der Land kaufen wollte. Der Zufall führte ihn mit einem Makler zusammen, der ihm erklärte, ein gewisser Joe Hindahl wünsche feine Felder loszuschlagen. Joe Hindahl, der nach des Rotrocks Ansicht ermordet war, dessen Pelzmütze und Schädel auf der Heimatstation des Verfolgers la­gen! Der Kanadier ließ sich zu Joe Hindahls Haus führen und erkannte in dem angeblichen Landbesitzer sei­nen entlaufenen Pferdedieb. Die Pistole des Polizisten krachte den Bruchteil einer Sekunde früher als die des Gauners und machte den falsche Joe kampfunfähig. Vor einem amerikanischen Richter gestand der Pferdedieb, den richtigen Hindahl in Alberta erschlagen zu haben. Der Degradierte erhielt die Erlaubnis, feinen Gefangenen zur Aburteilung über die Grenze zu bringen, und tauschte in der Heimat der Dieb und Mörder gegen feine red­lich verdienten alten Sergeantentreffen ein.