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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Julda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Ilr. 170

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Sie Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- ::: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. :::

Sonntag, 26. Juli 1931.

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3o6tg. 58.

Sie Aufgaben der Zurülkgekehrlen.

Reichskanzler Brüning findet in Berlin zahlreiche Probleme vor, -le es jetzt schnell zu lösen gilt. — Besuch des Kanzlers beim Reichspräsidenten von Hindenburg.

hinaus wird sie über die Rentenbankkreditanstalt zusätzliche Rediskontierungsmöglichkeiten, insbe­sondere auch für die Warengenossenschaften, ge­währen, um so die Finanzierung der Getreide­bewegung sicherzustellen.

Dieses Eingreifen der Reichsbank eröffnet den Weg für eine geordnete Abwicklung des Getreide- und Mehlverkehrs.

C.R.B Berlin, 25. Juli. (Eig. Meld.) Der Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsaußen­minister D r. Curtius sind heute vormittag ge­gen 8Vi Uhr mit den anderen Herren der Delega­tion in Berlin eingetroffen und auf dem Bahn­hof Ch a r l o tt e n b u r g ausgestiegen. Ursprüng­lich sollte die deutsche Delegation mit dem R^rd- erpreß um 8.37 Uhr auf dem Bahnhof Friedrichs- straße eintresten, hatte aber ihre Dispositionen ge­ändert. Die Absicht der Ankunft auf dem Bahn­hof Charlottenburg war so geheim gehalten wor­den, daß auf dem Bahnhof Friedrichstraße selbst die nächsten Angehörigen des Reichsaußenmini­sters, Frau Dr. Curtius, ein Sohn und der Schwiegersohn sowie Herren des Auswärtigen Amtes sich eingefunden hatten. Vor dem Bahnhof Friedrichstraße hatten zahlreiche Photographen Aufstellung genommen und die Polizei hatte um­fangreiche Absperrungsmaßnahmen getroffen, da sich das Publikum bereits eine Stunde vor An­kunft des Nordexpreß angesammelt hatte.

*

wtb Berlin. 25. Juli. (Eig. Meld.) Der Herr Reichspräsident empfing heute Reichs­kanzler Dr. Brüning zum Bericht über die Londoner Besprechungen und Pariser Verhand­lungen. Später empfing der Herr Reichspräsident den deutschen Botschafter in Washington D r. v o n Prittwitz und Gaffron.

Die Finanzierung der Ernte-Bewegung.

Amtlich wird mitgeteilt:

Die unter Leitung des Reichsernährungsmini- iters mit der Reichsbank, den zentralen landwirt- lchaftlichen Kreditinstituten und den Vertretern der Landwirtschaft geführten Verhandlungen haben folgendes Ergebnis gehabt:

Die Reichsbank hat sich bereit erklärt, den zur Finanzierung der Erntebewegung nötigen Re­diskontkredit für die Mühlen und die Ge- treidehändl^r zur Verfügung zu stellen. Darüber

Um 12 Uhr trat das Reichskabinett zu einer Sitzung zusammen. Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsaußenminister Dr. Curtius erstatteten über die Ergebnisse der Londoner Konferenz Be­richt und ließen sich dann Auskunft darüber geben, wie sich wahrend ihrer Abwesenheit die innerpoli­tische Lage entwickelt hat.

Attnisterrak in Paris.

wtb. Berlin. 25. Juli. (Eig. Meld.). In ei­nem hetkte vormittag unter dem Vorsitz des Prä­sidenten der S. P. D abgehaltenen Ministerrat er­statteten Ministerpräsident .Laval und die übrigen Delegationsmitglieder Bericht über die in Paris und London geführten Verhandlungen betr. die deutsche Finanz- und Währungskrise. Der Mini­ster dankte, wie es in dem offiziellen Kommunique heißt, einmütig den Delegationsmitgliedern und namentlich Ministerpräsident Laval für die Art und Weise, wie sie die Interessen Frankreichs und des Friedens aufgefaßt und verteidigt hätten.

Hoover für Sparsamkeit.

wtb. Washington, 25. Äuli. (Eig. Meld.) Da die Möglichkeit besteht, daß das amerikanische Budget zwei Jahre hintereinander einenFehl- betrag aufweist, hat Präsident Hoover alle Leüer der Regierungsdepartements aufgefordert, bei derAufstellungderBudgets für das nächste Steuerjahr strengsteSpar- famkeit walten zu lassen.

Ae französischen Kreisilabziige bei den Londoner Banken.

Eine SleNnngnahme des Daily Herold.

C.R.B. London, 25. Juli. (Eig. Meld.) „Daily Harald" beschäftigt sich heute eingehend mit der Zurückziehung fran.zösischer Kredite vom Londoner Markt. Man schätze, schreibt das Blatt, daß Frankreich in England untergebrachte Kre­dite vor Ausbruch der deutschen Krise etwa 150 Mill Pfund Sterling betragen hätten, wovon bisher etwa 40 Mill, gekündigt wor­den seien. Diese Maßnahme der französischen Banken, so meint das Organ der englischen Re­gierungspartei weiter, brächten den Erfolg der Londoner Konferenz in ernste Ge­fahr, denn die Londoner Banken, die bereit seien, ihre Kredite in Deutschland stehen zu lassen, miißten nun zusehen, wie ihre Mittel durch die französischen Forderungen immer mehr zurückgin- grn Die Tatsache, daß trotz des auf der 7-Mächte- Konferenz gegebenen Versprechung freundschaft­licher finanzieller Zusammenarbeit und trotz der Erhöhung des englischen Dankdiskontsatzes vom letzten Donnerstag die Goldabzüge andauerten, rufe in den britischen politischen und finanziellen Kreisen geradezu Ueberraschung und Bestürzung hervor. Wenn die Dinge so weitergingen, dürfte eine weitere Erhöhung des Diskontsatzes der Bank von England auf 4'A Prozent in der nächsten Woche 'wahrscheinlich sein. Montagu Norman solle die Regierung unterrichtet haben, daß dra­stische Maßnahmen notwendig seien, um diesen Goldabfluß zu unterbinden. Gewisse Beobachter seien der Auffassung, daß der Zurückziehung der Kredite die Absicht zu Grunde liege, die englische Regierung und die englischen Banken daran zu hindern, Deutschland Hilfe angedeihen zu lassem es sei denn in Verbindung mit Frankreich und auf der Grundlage der fran.zösischen Bedingungen.

„Daily Herald" deutet dann noch die Möglich­keit eines anderen Grundes dieser französischen Finanzpolitik an, nämlich, daß Frankreich sein Vertrauen in die finanzielle Stabilität und den Kredit Englands verloren habe. Dieser Verlust des Vertrauens hinge mit dem kürzlichen Pariser Besuch Hendersons zusammen. Die Franzosen hegten gegen den britischen Außenminister — und nicht ganz ohne Grund — den Argwohn, daß er die Abrüstungsfrage allzusehr in den Vor­dergrund der Verhandlungen habe rücken wollen. Außerdem hätte Frankreich Macdonald und Snowdon in Verdacht, daß sie den Hinterge­danken einer gründlichen Revision des Poug-Planes hegten. Daß die Fran­zosen sich schließlich doch zur Teilnahme an der Londoner Konferenz entschlossen, sei auf die sen­sationelle Beschreibung der finanziellen und wirt­schaftlichen Schwierigkeiten Englands zurückzufüh­ren, die Henderson ihnen gab. Dieser solle sogar die Möglichkeit angedeutet haben, daß Eng­land selbst ein Moratorium crfläiVi müsse, wenn Deutschland ein solches erklären würde. Daraufhin sei eine Pan ik in fran­zösischen Bankkreisen entstanden.

Die Mitteilungen über die finanzielle Lage Englands sind zweifellos überspitzt.

♦ Volksentscheid um den Rigaer Dom. In der Nacht zum Donnerstag wurde unter Spannung und nach erbitterter Redeschlacht das Gesetz über die Enteignung der deutschen Domkirche zu Riga im lettländischen Parlament in geheimer Abstim­mung mit Stimmengleichheit abgelehnt.

Ein mutiges Programm

Der Hauptvorstand des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften Deutschlands beschloß in seiner Sitzung am 23. Juli in Berlin folgende Kundgebung:

Die Verhandlungen der Staatsmänner haben gezeigt, daß das deutsche Volk und seine Wirt­schaft hauptsächlich a uf si ch se l bst anaewie- |en sind Wir kennen und müssen deshalb schleu­nigst alle Mittel ergreifen, um mit den uns noch zur Verfügung stehenden Kapitalien und Zah­lungsmitteln auszukommen und die deutsche Wirt­schaft und die staatliche Ordnung zu erhalten. Da­zu ist notwendig, daß:

1. Die Bemühungen über das Reparatwnsfeler- sahr hinaus zu weiteren außenpoltt ischen Entlastungen zu kommen, energisch wer- tergesührt werden. ~

2. Die Reichsreform und die Verwal­tungsreform nunmehr unverzüglich mit dem Ziele einer Vereinfachung und weitgehenden V er- brlliaung in Reich, Ländern, Gemeinden sowie sonstigen öffentlich-rechtlichen Körperschaften und in der Sozialversicherung in Angriff genommen und durchgeführt werden. .

3 Die Reichsregierung unnachsichtlich auf Grund der geschaffenen gesetzlichen Handhaben die ge­flohenen Kapitalien zur Rückkehr zwingt

der christlichen Arbeiter.

und daß die Möglichkeiten, die die Verordnung über die Kapital- und Steuerflucht bieten, voll ausgenutzt werden.

4. Die meist völlig unmotivierten Ab­hebungen bet den Geldinstituten auf­hören und die abgehobenen Beträge schleunigst wie­der eingezahlt werden.

5. Das deutsche Bankwesen und gleichzeitig auch das Kartellwesen einer schärferen Aufsicht und Kontrolle unterstellt werden, und insbesondere die Leitung der D e u t s ch e n R e i ch s b a n k von thren weitgehenden Machtbefugnissen gegenüber den Banken den entschiedensten Gebrauch macht.

6. Alsbald die notwendige Reform des Aktien­rechts vorgenommen wird.

7. Die im Artikel 165 der Reichsverfassung vor­gesehenen Wirtschaftskörper-gebildet und insbeson­dere die bestehenden Wirtschaftskammern pari­tätisch zusammengesetzt werden.

8. Die drückendsten sozialen Bestimmungen der Notverordnung baldmöglichst geändert werden, und daß allen sozialreaktionären Bestrebungen auch staatlicherseits entgegengetreten wird.

9. In dieser Notzeit alle gesetzlichen Handhaben benutzt werden, um die Ruhe und Ordnung im Innern aufrecht zu erhalten, und daß gegen Hetzer und Ruhestörer, — gleichgültig wo

sie stehen — auf Grund der Gesetze und Verordnung schärf st ens vorgegangen wird.

Diese erneut über das deutsche Volk herein- gebrochene Not wird und kann nur bann überwun­den werden, wenn das Parteigezänk zu­rückgestellt wird, und alle Stände und Schichten der Bevölkerung, insbesondere auch die Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen- stehen und gemeinsam Hand ans Werk legen.

Sozialdemokratische Angriffs-Signale.

Sollmann auf einer Versammlung der S.P.D. in Köln.

C N.B. Köln, 25. Juli. (Eig. Meld.) Der sozial­demokratische Reichstagsabgeordnete Sollmann, der Führer der S.P.D im Rheinland, nahm hier in einer Versammlung der sozialdemokratischen Partei zu den gegenwärtigen Wirtschaftsproble­men Stellung. Er forderte u. a. eine starke wirtschaftliche Offensive der gesam­ten Arbeitnehmerschaft, -denn das bis­herige Wirtschaftssystem Deutschlands sei so stark erschüttert, daß man nicht mehr zu den Verhältnissen vor dem 13. Juli zurückkehren könne. Die weltanschaulichen und poli­

tischen Gegensätze in der Arbeiter-, Angestell­ten- und Beamtenbewegung müßten vor der Größ^ des zu lösenden Problems zurücktreten. Die Führer müßten wissen, daß Deutschland un­mittelbar vor Entscheidungen stünde, die das Wirtschaftssystem auf Jahrzehnte hinaus formen könnten. Die wirtschaftliche Erschütterung, so fährt der Redner fort, könne den Staat nicht unberührt lassen, sei doch seine Macht gegenüber der zerrütteten Wirtschaft bereits rasch und bedeutend gewachsen. Wer die deutsche Wirt« schäft, so erklärte Sollmann zum Schluß, beein­flussen oder gar beherrschen wolle, müsse dem Volk Ziele zeigen, welche die Hoffnung belebten und Auswege eröffneten, und zwar könnten solche Ziele nur durch, die g e sammelte Kraft der Bolksmassen verwirklicht werden.

Hoffentlich werden durch Programme, die in der Praxis nicht erprobt sind, die paar Möglich­keiten, die wir noch haben, nicht nun auch noch zerschlagen. __

* Aufhebung der Sklaverei in Abessinien. Ras Tafari hat beschlossen, in seinem Lande hie S f I a- d e r ei abzuschafsen. Die Zahl der abessi­nischen Sklaven, die ihre Freiheit wieder erlangen, wird auf zwei Millionen geschätzt.

Schwere Vrandkatastrophe in Wsvurg.

30 Tote und 20 Vermißte in einem katholischen Altersheim in Nordamerika.

wtb. piffsburq (Pennsylvanien), 25. Juli. (Eig. Meld) Das Altersheim im hiesigen Minoriten- Kloster ist durch einen furchtbaren Brand vollstän­dig zerstört worden. Die Ordensmitglieder haben Uebermenschliches geleistet, um im Verein mit der Polizei und der Feuerwehr ihre Pfleg­linge aus dem bereits lichterloh brennenden Gebäude zu retten. Das Altersheim war mit 600 Personen belegt. Vielen waren bereits die Flucht­wege abgeschnitten. Sie mußten aus den Fen­

stern springen. Durch die riesige Rauchentwick­lung wurden die Rettungsarbeiten ungemein er­schwert. Nach den letzten Meldungen über die Brandkatastrophe im katholischen Altersheim find 30 Personen ums Leben gekommen. 20 Personen werden vermißt. Der Brand brach aus, während die Insassen des Heims schliefen. Die Oberin des Altersheims mußte, als sie zu- rückkehrte. um bei dem Retiungswerk in dem brennenden Gebäude zu helfen, mit Gewalt zu- rückgehalten werden.

Verdiente Anerkennnng.

„Offervakore Romano" über Reichskanzler Brüning.

Ans Rom wird gemeldet: „Offervatore Ro­mano" widmet dem Reichskanzler Dr. Brüning, seinem Werdegang und seiner Kanzlertätigkeit ei­nen längeren Artikel. Bei der Uebernahme seines Amtes habe fast niemand gewußt, was für eine starke Persönlichkeit Brüning sei, über welche Ar­beitskraft und welchen Mut er verfüge. Mit sel­tener Fähigkeit sei er den Schwierigkeiten nach den letzten Reichstagswahlen entgegengetreten und schrecke auch heute vor der Unpopularität nicht zu­rück, wenn er von der Notwendigkeit bestimmter Maßnahmen überzeugt sei. Auch als jetzt die Pa­nikstimmung selbst die ruhigsten Gemüter ergrif­fen habe und viele damit rechneten, noch von einer Revolution überrascht zu werden, habe Brüning außergewöhnliche Tatkraft, Kaltblütigkeit und Wil­lenskraft bewiesen. „Osservatore Romano" wür­digt dann noch besonders die Bemühungen des Reichskanzlers um eine deutsch- französischen Verständigun g und stellt fest, wie er sowohl in Paris als auch in London das ganze Gewicht seiner Persönlicheit habe zur Geltung bringen können. Wenn das nicht erreicht worden sei, was er für fein Vaterland erwünscht hatte, so müsse jedermann zugeben, daß die Gründe nicht bei ihm gesucht werden könnten.

Kampf der Kapitalfiucht.

Der Feldzug des Reiches gegen die Kapitalflucht hat begonnen. Er wurde notwendig, um das all­mähliche Versickern des inländischen Kapitalstroms zu verhindern. Er tut doppelt not in einem Lande, das feit Jahren unter großer Kapitalknappheit lei­det und alles daran setzen muß, vorhandene Ka­pitalmittel her heimischen Wirtschaft nutzbar zu machen. Leicht wird es allerdings nicht fein, der Kapitalflucht Herr zu werden. Lange Zeit über­wog sogar vielfach die Auffassung: gegen dieses verhängnisvolle Hebel sei mit staatlichen Macht­mitteln kaum anzukommen; das anpassungsfähige, elastische, bewegliche Kapital könne durch die Ma­schen eines Gesetzes, wenn es wolle, hindurch- schlüpfen. Die Zuspitzung der Notlage Deutsch­lands ließ jedoch ernsthaft auf Mittel sinnen, wie diesem Vorgang, der vom nationalen Standpunkt ebenso beschämend, wie er aus volkswirtschaftlichen Erwägungen beklagenswert ist, mit Aussicht auf Erfolg begegnet werden könne.

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Deutschlands Volkswirtschaft steht und fällt mit ihrer Kapitalversorgung. Von zwei Seiten wurde sie durch die allgemeine schwere Ver­trauenskrise der letzten Wochen bedroht. Auslän­dische Geldgeber zogen die unserer Wirtschaft ge­liehenen kurzfristigen Kredite zurück. Gleichzei­tig führte die Panik im Lande zu verstärkter Ka­pitalflucht und zur Devisenhamsterei. Wie würde man wohl noch vor Jahresfrist über einen Ge­schäftsmann geurteilt Haden, der Vermögenswerte aus Geschäft, Betrieb ober sonstigen Anlagen her­auszieht, um sie im Ausland gegen wesentlich ge­ringere Verzinsung anzulegen? Was hätte man ferner wohl zu dem Einfall gesagt, vorhandene Geldbeträge in ausländische Zahlungsmittel um­zutauschen und sie dann, in Form von Dollars, englischen Pfunden u. a. m., in der Schublade auf- zubewahren. unfruchtbar, zinslos? Solch unklu­ges Verhalten erschien jedoch in den letzten Wo­chen vielen,, leider zu vielen Deutschen, als der

Weisheit letzter Schluß. Man übertrug große Ka­pitalbeträge ins Ausland, nahm dort das erheblich geringere Zinsniveau in Kauf, ja verzichtete so­gar im Einzelfalle auf jegliche Verzinsung. An­dere wiederum hamsterten im Inland Devisen und ausländische Zahlungsmittel, scheuten nicht Zins- verlust und. die Spesen der Hmwechslung. Hnd das alles geschah aus völlig unbegründeter Angst vor einer Entwertung der Reichsmark, wurde in Szene gefetzt, obwohl man bei ruhiger Heberle­gung hätte einsehen müssen, daß keine sachliche Veranlassung zur Jnflationsfurcht vorhanden ist. Die ohnehin kapitalarme deutsche Volkswirtschaft wurde durch diese unnötige Panik weiterhin ge­schwächt, die Blutarmut unseres Wirtschaftskör­pers nahm beängstigende Formen an.

*

Mit einschneidenden Maßnahmen wird nun­mehr gegen alle diese Vorgänge durch die Not­verordnung vom 18. Juli vorgegangen. Sie er­faßt sowohl die eigentliche Kapitalflucht — hieüber« tragung von Vermögenswerten ins Ausland — als die Devisenhamsterei. Um nur einiges wich­tige knapp anzudeuten: Die Steuerpflichtigen müs­sen ihre ausländischen Zahlungsmittel (Bankno­ten, Schecks, Wechsel usw.) und ihre Forderungen in ausländischer Währung grundsätzlich bei der Reichsbank anmelden und auf Verlangen verkau­fen und übertragen. Eine besondere Anzeigepflicht ist ferner bei den Steuerbehörden vorgesehen. Zu­widerhandlungen werden mit schweren Freiheits­und Geldstrafen bedroht. Eine Steueramnestie ist in die Notverordnung eingebaut worden; ver­schärfte Bestimmungen über die Steueraufsicht sind erlassen. Im ganzen gesehen wird durch diese Not- oerordnuna dem umsichgreifenden Hebel der Ka­pitalflucht Einhalt geboten werden können. Dar­über hinaus ist die Annahme begründet, daß eine Rückkehr geflüchteter Kapitalwerte und eine Ab­gabe gehamsterter Devisen zum Wohl des Volks­ganzen erreichbar sein wird.

Stimsons Berliner Besuch.

C.R.B. Berlin, 25. Juli. (Eig. Meld.) Der amerikanische Staatssekretär S t i m s o n trifft heute nachmittag 17.17 Hhr auf dem Bahnhof Friedrichsstraße ein. Der Staatssekretär wird Montag vormittag 11 Hhr vom Reichspräsidenten empfangen werden und am Montag mittag feine Reife fortfetzen.

Der englische Ministerpräsident Macdonald wird Montag abend gegen 6 Hhr auf dem Tem- pelhofer Flugplatz erwartet, während Staatssekre­tär Henderson bereits 8.28 Hhr vormittags auf dem Bahnhof Friedrichstraße eintrifft. Diens­tag vormittag 11.30 Hhr ist ein Empfang beim Reichspräsidenten vorgesehen. Henderson reift Denstag abend 22 Hhr mit dem Zuge wieder ab, während Präsident Macdonald Mittwoch früh mit einem Flugzeug Berlin wieder verlassen wird.

* Japanische Flieger in Berlin. Auf dem Flughafen in Berlin-Tempelhof landeten, aus Königsberg kom­mend, zwei japanische Flieger, Kurimura und Prof. Kumarava, die sich auf einem Europarundflug befin­den. Sie werden sich etwa eine Woche in Deutschland aufhalten, um sich dem Studium des deutschen S e g e l f lu ge s. zu widmen. Von Berlin aus beab­sichtigen die Flieger über Brüssel, London, Paris und Rom nach Neapel zu fliegen, von wo sie mit dem Dampfer die Heimfahrt anzutreten gedenken.