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Besucht das Elisabethsplel am ßalbarienberg!

Wander- und Wallfahrten.

Eines Geisser Lakeinschülers Ferienfahrl «ach den Pyrenäen und Alpen.

2) Von Peter Sri) mitt er.

Wir setzen unsere Reise in südlicher Richtung fort, um unserem Hauptziele Lourdes näher zu kommen. Die Strecke ist aber zu lang, um sie an einem Tage zurückzulegen. Deshalb fahren wir zunächst nur bis Bordeaux. Weinbau ist das Hauptgewerbe in der Umgebung. Daneben liefert den Anbau von Tabak den Bewohnern eine Einnahmequelle. Die Altstadt macht einen schmutzigen Eindruck. Oft sind keine festen Türen an den Häusern, sondern nur schwarze Fetzen, die einstmals bessere Zeiten gesehen haben, oder bunte Perlschnuren, die eine Tür markieren. Die Vorhänge sind beschmutzt. Der neuere Teil der Stadt ist sauberer.

Am besten läßt man sich in einer Pferdedroschke her­umfahren und die Sehenswürdigkeiten zeigen. Mir sind die Totenmumien in dem Turm vor der St. Michaels- kirche am eindrücklichsten im Gedächtnis geblieben.

Unser Kutscher springt plötzlich vor diesem Turme ab winkt uns mit lebhaften Gesten zu sich heran, und, da ich neben ihm meinen Platz hatte, bin ich zuerst bei ihm. Er gibt mir ein Zeichen, die Treppe hinunter zu gehen in ein schauriges Düster. Ich weiß nicht, was es hier zu sehen geben soll. Schließlich taucht ein dunkles Licht auf. Eine alte Frau und verschiedene Fremde stehen da. Die Runzelige sagtAugauche", (zur Linken). Ich be­folge die Aufforderung und schaue mich um, kann aber nichts erkennen, als nur schwache Umrisse von Gestalten, die mir wie Gips- oder Steinfiguren vorkommen. Nach­dem auch die anderen gekommen sind, leuchtet die Alte mit ihrer Laterne herum. Schaurig kalt überläuft es mich, die Gestalten sind Tote, die noch völlig erhalten sind. Ihre Haut ist wie Leder. Im ganzen sind es 70 Leichen, die ungefähr aus dem 15. Jahrhundert stam­men. Bei einigen sind die Füße bis zum Knie verwest. Bei anderen find sie noch erhalten, je nachdem ob sie in der kalkhaltigen erhaltenden Schicht gelegen haben, ober nicht. Noch lange nachher unterhalten wir uns über diese uns völlig unbekannte Sehenswürdigkeit.

Sehr groß ist der Hafen von Bordeaux, in dem un­zählige"'infäffer lagen und Holzschuppen zur Unter­

bringung der Waren stehen. Denn Bordeaux ist eine der größten Hafenstädte Frankreichs.

Als nächsten Aufenthaltsort wählten wir Biarritz am Atlantischen Ozean. Wir fahren durch düstere Fich­tenwälder, die zur Herstellung von Terpentin und zu­gleich von Harz dienen. Die Rinde an den lebenden Bäumen ist streifenweise entfernt und es hängen Gefäße an den Stämmen, um das herabfließende Harz aufzu­fangen. An der Strecke liegen vereinzelte kleine Dörfer und viele Elektrizitätswerke, da die Bahnen alle elektrisch betrieben werden. Auf den weiten Hutweiden sehen wir Schäfer auf Stelzen einherschreiten, um so besser ihre Herde überschauen zu können.

Vor Biarritz biegen wir um eine Ecke, und vor uns liegt das Meer mit seiner ganzen Größe. Wie ein Ge­birge, das im Nebel liegt, sieht es aus. Wohin man schaut nur Wasser, Wasser und Wasser. Am Horizont tauchen Schiffe auf und verschwinden. Die Schornsteine oder den Rauch der Schiffe erblickt man beim Heran- nahen zuerst. Wir gelangen über einen Steg auf einen schroffen Felsen, der im Meere steht. Eine weithin sicht­bare Statue der Muttergottes, der Beschützerin der Schiffer, krönt ihn. Schon viele Seeleute mag sie geret­tet haben aus den Gefahren des Leibes und der Seele.

Nicht lange haben wir Zeit, an diesem weltberühm­ten Seebad zu verweilen, denn ein kleines Städtchen am Fuße der Pyrenäen zieht uns mehr an, als alle Kur­orte der Welt. Schon so viel habe ich davon gehört und mit größter Spannung warte ich auf das, was ich am Abend noch sehen soll. Allmählich kommen wir den Pyrenäen näher und schon rauscht uns der Gavefluß die ersten Grüße entgegen. Bald sehen wir die ersten Häuser von Lourdes. Alle Mitreisenden springen von ihren Sitzen auf an die Fenster, um zuerst von der höher liegenden Bahnlinie aus die Grotte und die dar­über aufragende Basilika zu sehen. Plötzlich hört man aus aller Mund dasselbe Wort:La Grotte". In vol­lem Lichterglanze liegt sie da im Halbdunkel des Abends. Vor ihr knien in Andacht die Pilger.

Kaum im Hotel angekommen, gilt unser erster Gang der Grotte. Es herrscht eine Andachtsstimmung, wie wir sie bis dahin in keinem Orte und keiner Kirche auf unserer ganzen Reise gesehen hatten. Auch der Ein- > druck von Kevelaer reicht nicht an den der Grotte von Lourdes heran. Mit ausgebreiteten Arryen beten Man- |

ner und Jünglinge, Frauen und Jungsrauen aus allen Völkern und Nationen. An die durch eine Platte kennt­lich gemachte Stelle, wo Bernadette während den Er­scheinungen gewöhnlich kniete, kommt man nicht leicht heran, weil sie meist von jemand eingenommen ist. So sehr drängen sich die Pilger an diese Stelle, um wie Bernadette zur Muttergottes zu beten. Wir denken darüber nach, wie im Jahre 1858 die Muttergottes acht­zehnmal einem armen 14jährigen Hirtenmädchen erschie­nen ist. Die Statue in der Grotte ist nach der An­gabe der seligen Bernadette gemacht, aber nach ihrem Urteil an Schönheit gar nichts gegen die wirkliche Er­scheinung, die Bernadettes Augen geschaut haben. Nicht viel sprach die Erscheinung, aber ihr Sprechen genügte, um Lourdes, ein bis dahin wenig bekanntes Städtchen, zu einem weltberühmten Wallfahrtsorte emporzuheben. Die Grotte ist durch das Erscheinen der Gottesmutter ge­heiligt, und die Quelle, die in den Gaue fließt, hat in Verbindung mit dem Vertrauen auf die Unbefleckte schon manchen geheilt. Wenn auch viele kranke Lourdespilger ungeheilt von bannen gehen, so sind sie doch nicht um­sonst dort gewesen, sie kehren mit innerem Tröste nach Hause und ertragen ihr Leid aus größter Liebe zu Gott mit christlicher Geduld und Verdienstlichkeit. Damit wird auch für diese Lourdes zur Gnadenquelle von ewigem Werte.

Links von der Grotte hängen viele zurückgelassene Krücken und Verbände und zeugen von den Heilungen, die hier geschehen sind. Erst vor kurzem wurde eine Deutsch-Schweizerin geheilt. Man hatte ihr schon das Geld zu den Begräbniskosten mitgegeben, in der An­nahme, daß sie nicht lebend in Lourdes ankommen würde. Sie war so krank, daß man sie nicht baden konnte, son­dern nur etwas waschen. Aber am letzten Tage wünschte sie gebadet zu werden. Mit ihren Kleidern legte man sie auf der Tragbahre ins eiskalte Wasser. Als sie her­ausgehoben wurde, rief sie plötzlich:Ich bin geheilt!" Und wirklich wurde diese "Heilung ärztlich bestätigt.

Nun will ich kurz einen Tag an diesem Gnadenorte schildern. Am Morgen sind in den drei über und hinter- einanberliegenben Kirchen, ber Basilika, ber Krypta unb Rvsenkranzkirche viele hl. Messen. Die einzelnen Nativ- nen haben Hochamt mit Prebigt in ihrer Muttersprache. Besonders am Altäre ber Grotte werben von früh an hl. Messen gelesen. Viele Stunden lang wird ununter»

I brachen die hl. Kommunion ausgeteilt. Danach wird der Rosenkranz vor den Piscinen, den Badehallen gebetet, während die Kranken gebadet werden.

Um 3 Uhr ist Andacht, oft mit Predigt. Um %5 Uhr ist die Sakramentsprozession. Die Kranken es waren zur Zeit 150 liegen ober sitzen in langen Reihen auf dem Platze vor der Rosenkranzkirche und werden einzeln mit dem Allerheiligsten gesegnet. Bei ber Prozession gehen vor bem Sanctiffimum nur Männer mit brennen­den Kerzen. Arn Schlüsse gehen auch Frauen. Es wird lateinisch gesungen, so lange sich die Prozession bewegt. Während der Krankensegnungen mit dem Allerheiligsten vor der Rosenkranzkirche werden die Anrufungen in den Sprachen der Pilger, die gerade anwesend sind, gebetet. Man glaubt sich in die Zeit versetzt, da der Heiland sicht­bar auf Erden wandelte, wenn man die uns aus ber hl. Schrift bekannten Worte von vielen Tausenben rufen hört:Jesus, Sohn Davids, erbarme dich unser; Herr, mache, daß ich sehe usw". Nach Beendigung der Kranken­segnungen ist vor dem Portal der Kirche feierlicher sakra­mentaler Segen. An einigen Tagen danach wird die Kreuzwegandacht gebetet, wobei man die Stationen am Kalvarienberge geht. Die Figuren des Kreuzweges sind aus Erz und stehen unter freiem Himmel. Auch von den Deutschen ist eine Station gestiftet. Jeden Abend ist die Lichterprozession. Die Pilger kommen in großer Menge mit Fackeln zur Grotte, sammeln sich und ziehen über die sanft ansteigenden Rampen durch die Esplanade bis wie­der zum Platze vor der Rosenkranzbasilika. Hier bewegen sie sich in Schlangenlinien bis zur Treppenanhohe. Un­terwegs werden die 60 Strophen des Liedes:

Die Glocken verkünden mit fröhlichem Laut, Das Ave Maria so lieb und so traut"

in den verschiedensten Sprachen gesungen. Aber am Schlüsse jeder Strophe bas Ave Maria klingt in allen Sprachen gleich. Als Abschluß ber Prozession wird bas Glaubensbekenntnis von allen gemeinsam gebetet. Ein herrlicher Augenblia, in dem man stolz ist, katholisch zu sein! Bei besonderen Anlässen wird die Krone, die sich auf der oberen Plattform befindet, die Rosenkranzkirche, die obersten Türme der Basilika und dieGekrönte Jung­frau" auf der Esplanade beleuchtet. Dabei leuchtet das Kreuz von der Höhe des Pic du Ier, darüber die funkeln­den Sterne.

(Fortsetzung folgt.)

zur Fuldaer Zeitung

22. Juli

(Fortsetzung folgt.)

zu sehen.

Die Bezirksleitung.

Ein Bauer schillt michLump", Ich lieg im Gras roegab, Ein Hund kommt wedelnd her Unb schnuppert ganz mich ab.

Verantwort!:ck> fürDas Blatt ber Jugend": Dr. oee. publ. Joseph Sauer- Fulda.

I dann sind wir auch Herr all der Eindrücke und Beein­flussungen, die von außen an uns herankommen. Ohne dies sind wir Ausbeutungsobjekt für Phrasenhelden in Versammlung, Zeitung und Meinung des Tages. Bildung I ist die Entdeckung des Menschen in uns als des Herrn der Schöpfung, ist ein Selbftbefinnen auf den Adel des Gotteskindes. Die Bildungsfrage ist im Letzten also eine stark religiöse, die jeden ganz persönlich angeht, die er I allein zu leisten hat.

Das ist das selbstverständliche Fundament, auf dem jenes Bildungsideal der neuen kllthol. Jugend aufbaut, das wir mit feinem Inhalt näher umschreiben wollen. Aber wenn man von der Welt Beachtung finden will, dann muß man auch ihre Fragestellungen kennen unb andererseits wissen, wie man als Christ wenigstens grund­sätzlich darauf zu antworten hat. Dazu können uns Bü­cher Hilfsmittel und Führer sein. Wenn mir aber nicht mit glühend heißer Seele unser Weltbild zubauensuchen, wird uns kein Buch und keine Bil­dungsanstalt etwas nützen. Denn es handelt sich dabei nicht um ein bloßes Wissen um die Dinge, sondern um ihre rechte Einschätzung. Es handelt sich um eine Locke­rung und Treffsicherheit desBlickes", um die christliche W elt-an-fchauung" im echten Sinne.

So wollen wir nun die einzelnen Bezirke durchwan­dern. Wir werden jedesmal einige Bücher nennen unb kurz artöeuten, wie sie uns Führer fein können. Die Aus­wahl wird immer eine gewiffe Willkür besitzen, da es sehr schwer fein dürfte, immer die beste Literatur zu kennen. Aber diese Zusammenstellung macht auch keinerlei An­spruch auf Vollständigkeit. Auch wird es da keine sche­matische Aufreihung geben, die man als den Bildungs­inhalt bezeichnen könnte. Es wird immer nur bei An­regungen bleiben müssen, die es dem einzelnen überlassen, wie er sie aufnimmt.

Eine schwierige Frage wird es dann noch sein, an die aufgeführten Bücher heranzukommen. Die aus der Landesbibliothek entleihbaren sind mit *, die aus dem Borromäusverein, Schulstraße mit ** versehen. Man­ches wird sich gewiß auch in der Bibliothek des Pfarrers, Kaplans oder Lehrers finden. Es wäre gut, wenn sich die Vereinsbibliothek in dieser Richtung ergänzen ließe. Für jeden Fall wird es gut fein, die Besprechung auszuschnei- 6en und aufzuheben.

Das Lildungskdeal der kalhol. Zueend.

Wir Menschen von 1931 gestalten die Gegenwart. Ge­wiß spielt Moskau dabei eine bedeutende Rolle. Aber wir Christen haben auch noch mitzureden. Jeder von uns hat, da wo er steht, Einfluß auf das Weltgeschehen. Eine schwammige Masse setzt keinen Widerstand entgegen, wird anderen Gegenständen niemals ihre Form aufzwin­gen. Nur der Charakter, die Persönlichkeit wird ihre Umwelt formen können. So ist Voraussetzung für jeg­liche aufbauende Arbeit: der in sich gefestigte, geformte Mensch.

Es stecken in jedem Menschen ein Heiliger und ein Tier; der eine, der ihn zur Höhe zieht, das andere, das ihn in die Tiefe reißt. Nach dem ewigen Idealbild, das Gott von dem Menschen hat, soll die niedere Natur von der höheren beherrscht werden. Je weiter wir diesem Ideal nahe kommen, um so mehr sind wir diesem göttli­chen Urbild nachgebildet, um so mehr besitzen wir also die wahre Bildung. Daß wir uns also selbst in der Gewalt haben und nicht zum Sklaven un­sere Bedürfnisse und Begierden herab­sinken, daß in uns der Geist regiert und nicht das Fleisch, das macht uns zu einem edlen Menschen. Nur

Vezirksverband Neuhof der kath. Iungfrauenvereine.

Die für den 26. Juli cmgesehte Bezirkskagung in Neuhof fällt aus. Dafür beteiligen sich die ein­zelnen Vereine an der D i ö z e s a n t a g u n g in Fulda am 15. 21 u g u ft. Es wird noch bemerkt, daß den Teilnehmerinnen an diesem Tage auch Gelegenheit ge­geben ist, das ElisabethspietDie Herrin der Wartburg"

Ich streck im Grase mich, Der Köter halt zu mir. Der Bauer brummt noch fort, Er platzt vor Aerger schier.

des vergeblichen Suchens und Irrens nach Führung ruft. Wir können auch verstehen, daß sie dem ersten folgte, ber sich ihr in auffälliger Form als Führer anbot und sich mit dem Pomp des Führers umgab. Daß es so kam, daran sind diejenigen, denen die Jugend weglief, selbst schuld. Die Parteien und die Parlamentarier hat­ten nicht den Mut zur Führung, sondern sie richteten sich nach den Wünschen ihrer Wähler. Man hatte nicht die Kraft, nach der Ueberwindung des Zusammenbruchs und der traurigen Revolution von 1918 eine klare Marschroute einzuschlagen. Man manönerierte zu viel, ließ die Dinge treiben, bis das Unheil über dem deut­schen Volke zusammenzuschlagen drohte. Man war zu human", ließ der Unterwelt und den Kreisen, die in Deutschland endgültig abgewirtschaftet haben müßten, zu viel freien Raum, so daß sie immer von neuem Un­ruhe stiften und eine Besserung der Verhältnisse er­schweren konnten. Wir wollen gerecht sein und zu- gestehen, daß man an verantwortlicher Stelle von dem idealen Gedanken ausging, daß alle Deutschen ehrlich an dem Ausbau des Volksstaates Mitarbeiten würden. Das war ein Trugschluß. Viele benutzten die Freiheit, um aus eigennützigen Gründen den Volksstaat zu unter­graben und die Massen, die unter den Nachwirkungen des Krieges schwer leiden, in der schändlichsten Weise zu verhetzen. Mißstände, die sichtbar wurden, erleid)-

Ich schneide Brot und Speck Und ruf den Hund heran, ' Er frißt es hungrig weg Wir schließen Freundschaft dann.

Rudolf Hans Düne.

Die Gemeinschaft der ersten Christen war auf Liebe aufgebaut, eingedenk des Wortes Christi: Daran will ich erkennen, daß ihr meine Jünger feid, wenn ihr einan­der liebt.

Der heutige Kommunismus macht die Ausübung die­ser Liebe unmöglich. Oder kann der Genosse dem Ge­nossen noch was geben, auf das dieser nicht schon An­spruch hätte? Der eine hat gar nichts, was nicht zugleich auch dem anderen gehörte.

Die Gerissenheit, mit der das System des Kommunis­mus ausgearbeitet ist (er gebraucht fast dieselben Worte wie das Christentum und ist doch das genaue Gegenteil) läßt fair erkennen, wer fein Vater ist. Christus aber mit dem Kommunismus in Verbindung bringen zu wollen, würde die gleiche Sünde bedeuten, wie sie die Pharisäer begingen mit der Behauptung: Durch Beizebub treibt er die Teufel aus.

I terten die Wühlarbeit der Hetzer von rechts und links. Die Regierungen und die Parteien, die die Verant­wortung trugen, sahen diesem gefährlichen Treiben der politischen Brunnenvergifter mit allzu großer Langmut zu, bis sie sich in der Republik starke Positionen ver­schafft hatten. Und so braucht man sich nicht zu wun­dern, daß die Reaktion einen so starken Rückhalt hat, in der Großindustrie, in der Bürokratie und in der Reichswehr. Mit einem Satz: Dem deut­schen Volke fehlte lange die Führung, die klug und rücksichtsvoll, aber wenn es nicht anders ging, auch mit der nötigen Härte ihren Weg ging. Dieses Fehlen der Führung hat der Sache des Volkes, den breiten, schaffenden Schichten, viel geschadet und die vorsichtige Neuorientierung des staatlichen, wirtschaft­lichen und gesellschaftlichen Lebens verhindert. Chaotisch stürmten eine Unmengeneuer Ideen", zügelloser Re­klame und großsprecherische Programme auf das durch die Not geistig zermürbte Volk ein.

Das wäre alles nicht so schlimm, wenn der stille I Freiheitskampf des deutschen Volkes da­durch nicht gefährdet würde; deshalb brauchen wir ge­rade heute straffe Führung. Haben wir diese? Wir sagen: Ja. Wir spüren die überlegene, unauf­fällige Führung des Reichskanzlers Brüning. Er geht seinen schweren Weg, unbekümmert darum, ob ihn die Gegner schmähen! Er verliert die Nerven nicht, selbst wenn alles um ihn zusammenzubrechen droht. Er weiß, daß er mit seinen Maßnahmen keinen Beifall findet, aber er greift durch, weil er das große Ziel:D ie Ret- t u n g Deutschlands" im Auge hat. Nicht derjenige ist Führer, der um die Gunst und den Beifall der Menge buhlt und fein Handeln und Reden nach , der Stimmung der Massen richtet. Nein, der Führer muß die V e r a n t m o r tu n,g selbst tragen können, er muß feinen Willen auch gegen die gefährliche Stimmung der Massen durchsetzen können, wenn es für Deutschland not­wendig ist. Die Führung muß auch die Kraft haben, ein­mal rücksichtslos gegen diejenigen vorzugehen, die die Not ber Massen ausnutzen. Sie darf nicht dulden, daß radikale Agitatoren und herzlose Geldmenschen das Volk zur Verzweiflung treiben. Sie muß alle Kräfte für das eine und höchste Ziel einspannen können.

Wir hoffen, daß Brüning fein Ziel weiter mit der gleichen Treue verfolgt. Dann wird auch das Ver­trauen wachsen, zumal Brüning so zurückhaltend ift und nie seine Person in den Vordergrund stellt. Wie ganz anders ist er als jener, der sich alsErneuerer I Deutschlands" fühlt u,nd imBraunen Haus" mit einer uniformierten Leibgarde umgibt. Schon an dem äuße- I ren Auftreten der Männer kann man erkennen, wer wirklicher Führer ist und wer nur die Pofe einesFüh­rers" annimmt.

Raft.

Ich bin auf weiter Flur Mit Sommerglut allein, Im Felde leuchtet Mohn, Am Wege brennt Gestein.

Der Heiland ein Kommunist?

Aus dem Leserkreis desBlatt der Jugend" wird uns im Hinblick auf die starke Propaganda, die in letzter Zeit die Kommunisten in den Dör­fern des Fuldaer Landes machen, geschrieben:

Christus war der erste Kommunist und die Apostel befolgten feine Lehre; denn fo heißt es in der Apostelge­schichte 2. 44: Alle Gläubigen hielten zusammen und hatten alles miteinander gemeinsam". Mit derartigen Worten gehen die Kommunisten gerne unter den Katho­liken krebsen. Sie haben recht, wenn sie auf die ersten Christen schauen. Wenn je, bann muß man aus ihrem Leben am besten den Geist Christi erkennen. Sie haben recht, wenn sie die brüderliche Liebe der ersten Christen über alles erheben. Es war in ber Tat eine herrliche Zeit, diese Zeit wahrer, brüderlicher Gemeinschaft. Es war ein Stück Paradies auf Erden. Nur dürfen unsere heutigen Kommunisten nicht meinen, daß sie die Nach­folger dieser ersten Christen wären, daß sie in deren Fußtapfen wandelten. Man kann sich hier gar keinen größeren Gegensatz denken, als den zwischen den heuti­gen Kommunisten und den ersten Christen. Ein Buch wäre dazu notwendig, diesen Gegensatz ganz herauszu- stellen. Heute nur einige Gedanken dazu:

Ehristi Geist ist es, wenn die ersten Christen sa­gen: Was mein i ft, i ft auch Dein.

Die heutigen Kommunisten aber sagen: Was Sein i ft, i ft mein.

Die ersten Christen fragten sich: Bruder, was kann ich Dir geben von bem Meinigen?

Die heutigen Kommunisten verlangen (wo sie können mit Totschläger unb Pistole) Genosse, bas mußt Du mir geben.

Die ersten Christen handelten aus Liebe, brachten Opfer, wenn sie von dem Ihrigen etwas gaben, übermanbten den niederen Menschen in sich.

Die heutigen Kommunisten lassen den niedrigen Ge­lüsten freien Sauf, wenn sie ihre Augen voll Begehrlich­keit auf das Eigentum des Nächsten richten, sie handeln aus Habsucht.

Die ersten Christen hatten eine hohe Achtung vordemGutdesNächsten. Kaum 2 Kapitel hin­ter der oben angeführten Stelle heißt es in der Apostel­geschichte 5, 4Blieb es nicht Dein eigen, wenn Du es nicht verkauftest? Unb wenn Du es verkauftest, konn­test Du nicht frei über den Erlös verfügen?" So fragte Petrus den Ananias unb aus dieser Frage geht deutlich hervor, daß die ersten Christen Privateigen- tum hatten.Sie hatten alles gemeinsam unter ein­ander" soll bann heißen: sie verwerteten ihr Eigentum nur im Dienste des Nächsten.

Die heutigen Kommunisten aber erkennen Privateigentum nicht an. 1

Was der Schüler oom Dichter verlangt.

Die Dichter rührt es nicht.

Unter den nachgelassenen Papieren Emanuel (Seibels fand man einen Brief eines Lü­becker Schülers, den dieser am 11. Februar des Jahres 1882 an Seibel gerichtet hat.

Der Brief lautet:

Hochgeehrter Herr Seibel! Wir haben heute Ihr Ge­dichtFrühlingshoffnung" zu Ende gelernt. Bor acht Tagen haben fünf nachsitzen müssen, weil fies nicht konnten, unb heute haben zwei mit bem Stock bekommen, weil fies nicht konnten. Daran haben Sie wohl nicht gedacht, als Sie das Gedicht machten. Sie sind noch einer von den kurzen Dichtern, Schiller ist am längsten, der ist aber in ber 1. Klasse. Der Lehrer sagt, das Gedicht sei sehr schön; es gibt aber so viele schöne Gedichte, unb wir müssen sie alle lernen. Wir möchten Sie darum bitten, machen Sie nicht noch mehr Gedichte! Kriege gibt es auch immer mehr, unb wir müssen die Schlachten lernen. Geographie ist besser, da kann man immer mal nach der Karte sehen, aber die Gedichte und die Schlachten sind am schlimmsten. Und bann hat jeder Dichter auch noch einen Lebenslauf mit Geburts­jahr und Todesjahr! Bei Ihnen brauchen wir noch kein Todesjahr zu lernen. Wir wünschen Ihnen ein recht langes Leben! Hochachtungsvoll unb im Auftrage Karl Beckmann, Klaffe 2.

Führung!

Es gibt in Deutschland eine Partei, die nach außen hin einen wahren Kult um den hrer" treibt. Je­des mit irgend einem Pöstchen in der Parteiorgani­sation betraute Mitglied dieser Partei fühlt sich mit Stolz als Unterführer unb tritt nach außen hin mit der entsprechenden Würde unb Selbstsicherheit auf, weil es glaubt, damitdem Volke" imponieren zu können. Unb in ber Tat, dieserFührerkult" übt auf gewisse Schich­ten unseres Volkes große Wirkung aus. Und man muß gestehen, es sind nicht immer die schlechtesten, die in Treue zu diesen Führern stehen. Besonders dis. Jugend drängt sich um sie. Man rümpft oft die Nase über diese Jugend, die blindlings einemTrommler" nachläuft unb äußert sich verächtlich über ihren geistigen Tiefstand. Man sollte aber gerecht sein. Wir können verstehen, daß die junge deutsche Generation nach langen Jahren