MLS
19. 3uli
Beilage zur Suldaer Zeitung
Ar. 164
Achter Sonntag nach Pfingsten.
Eingangslied: Pf. 47, 10—11.
Wir haben, o Gott, Lein Erbarmen empfangen inmitten deines Tempels. Wie dein Name, o Gott, so reicht dein Ruhm bis an die Grenzen der Erde; von Gerechtigkeit ist voll deine Rechte. (Ps. ebb. 2.) Groß ist der Herr und lobwürdig über alles, in unsers Gottes Stadt, auf seinem heiligen Berge.
Epistel: Röm. 8. 12—17.
Brüder! Wir sind dem Fleische nicht schuldig, daß wir nach dem Fleische leben. Denn wenn ihr nach dem Fleische lebt, werdet ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die Werke des Fleisches ertötet, werdet ihr leben. Denn alle, die sich vom Geiste Gottes leiten lassen, sind Kinder Gottes. Ihr habt ja nicht Len Geist der Knechtschaft emp« fangen, daß ihr euch wieder fürchten müßtet, sondern den Geist der Kindschaft, in dem wir rufen: Abba, Vater! Denn der Geist selbst bezeugt un- serm Geiste, daß wir Kinder Gottes sind; wenn aber Kinder, dann auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi.
Evangelium vorn ungerechten Verwalter.
Ungerechte Verwalter.
„Gib Rechenschaft von deiner Verwaltung!" Die Aufforderung könnte manchen in Ungelegenheiten bringen. Ist nicht die Welt voll Ler ungerechten Verwalter? Du zitterst vielleicht selbst in diesen Tagen ob der wirtschaftlichen Zusammenbrüche und fürchtest für deinen kleinen Besitz. Und das Vertrauen wird wankend, wo es sicher verbrieft erschien. Große Konzerne kommen in Schwierigkeiten, Riesenunternehmungen brechen zusammen.
Du fragst dich: wie stand es um deren Verwaltung, wie ist das alles möglich? Von uns aus können wir nicht die rechte Antwort geben. Wir kennen Lie sachlichen Grundlagen zu wenig, um ein sicheres Urteil zu sötten. Aber so mancher Gedanke steigt doch in dir auf. Immer noch liegen Hunderte von Millionen Geldes in den Stahlverließen der Großbanken, derweil Millionen von Menschen darben und hungern. Liegt nicht ein Widersinn darin? — Dient die Erde noch zu Rußen und Frommen der Menschen, oder dienen die Menschen bereits dem Besiß, den Werten, die sie beherrschen sollten? Denn selbst die Verwalter sind mit in Len Strudel hineingerissen, sie sind es wider ihren eigenen Witten.
Hast du noch ein wenig Schau für eine religiöse Betrachtung solcher Zustände? Weil sie uns als Selbstverständlichkeit umgeben, deshalb erscheinen sie uns auch schon als berechtigt. Aber der Schein trügt oft. Gott gab dem Menschen die Erde, damit er sie bebaue; nicht damit der eine Mensch über Len anderen herrsche und ihn zum bloßen Mittel seiner Erwerbsmöglichkeit mache. Es gab Zeiten, wo mancher Arbeiter ohne Kündigung in dem Werk hätte bleiben können, wo nur eine kleine Lohnzulags die Lage mancher Familie hätte bessern können. Jetzt mag ja das alles vorbei sein. Und das Geld, die Verschuldung zwingt ganze Völker auf die Knie, und fast die gesamte'Welt wird bis in ihre fernsten Gebiete irgendwie dadurch erschüttert.
Einkommen und Besitz sollten nur ein Mittel zum Leben sein. Und ganz anders ist es gekommen. Um seiner Wachstum, um seines Ausbaus willen stellte der Besitz Menschen in seinen Betrieb ein und entließ sie nach seinem Gutdünken. Du hast das mitzugesehen und alles erschien auch dir in guter Ordnung.
Vielleicht lehntest du dich aber auch auf und gabst jenen recht, die den Besitz der Allgemeinheit wieder dienstbar machen wollten und wollen, indem sie die wenigen Besitzenden enteignen und den Besitz in die Hand Les Staates legen wollen. Der Gedanke eines Ausgleichs ist nichts weiter als gerecht; denn Gott gab die Erde Adam, dem Vertreter aller späteren Menschen zu eigen. Aber vielleicht ist in dir doch noch so
WilLiums-Wallfahrt nach Walldürn.
Am 29. Mai begann von K ü l l st e d t (Eichsfeld) aus die Wallfahrt zur Verehrung des heiligen Blutes. Da diese Wallfahrt nachweisbar seit dem Jahre 1706 aus- gesührt worden ist, so war die diesjährige Wallfahrt gleichzeitig die Feier des 225. Wallfahrtsjubiläums der Pilgerschaft.
Am frühen Morgen bereits, um 3 Uhr, herrschte bei der Antonius-Kapelle eine rege Tätigkeit. Der Hochw. Herr Pfarrer Horst Kemper begrüßte die Wallfahrer und entwarf ein Bild der Entstehung der Wallfahrt. In schwerster Not haben einst die Borfahren zum ersten Male diesen Bußweg gelobt. Die Verehrung des kostbaren Blutes wurde damals dem ganzen Gebiet zum Segen. Der schwere Weg sei bisher von einer kleinen, aber mutigen Pilgerschar ausgeführt worden, die vor keiner Gefahr und vor keinem staatlichem Verbot zurückgeschreckt sei, wenn die Bekennerfahne des hl. Blutes an ihrer Spitze voran ging.
Nach der Erteilung des hl. Segens begann dann um 3 30 Uhr der Abmarsch nach dem Hülfensberge. Zahlreiche HükfensberK-Wallfahrer gaben den Wattdüren- Pilgern das Seleit. Betend und singend zogen fromme Beter dahin, begrüßt von den Strahlen der ausgehenden Sonne. Gegen 6 Uhr wurde das Landesheiligtum erreicht. Er war gerade der Gedenktag der im Kriege gefallenen Söhne des Eichsfeldes. Darum fehen wir hier viele leiddurchfurchtete Gesichter, trauernde Menschen, denen der Krieg das Liebste genommen hat.
Nach dem Hochamt nahmen die Heilig-Blut-Wallfah- rer Abschied von den übrigen Wallfahrern und fuhren von Geismar aus nach Fulda. Am Bahnhof wurden wir von unserem Landsmann, dem hochw. Herrn Domkapitular Dr. M o ck herzlichst begrüßt. Nach einer kleinen Stärkung wunde der Frauenberg besucht. 3)ter wurde im Sakramente der Buße die Seele gereinigt. Darauf Besuch des Domes und der Bonifatiusgruft. Alsdann wenden die von der Bevölkerung Fuldas bereitwilligst zur Verfügung gestellten Privatquartiere bezogen.
Am anderen Morgen nehmen wir an der bereits um
viel gesundes Gefühl, daß bei all diesen rvirtschastl. Lösungen der Mensch immer wieder als Zahl, als Eelchäftsanteil, als Staatsaktie gedacht ist, daß einem um feiner Seelenlofigkeit willen angst und bange wird. Jetzt wirst du verstehen, warum ich immer wieder einmal in die Nüchternheit unserer Umgebung die Frage nach einem christl. Sinn unse- resLebens hineinwerfe und mit Lächeln deinen Stolz zurückweise, daß wir in einem jahrhundertealten „christlichen Abendland" leben. Es gibt da so vieles, was den übertünchten Gräbern gleicht.
Aber der Gottes- und Bruderliebe einer christlichen Weltauffassung an sich tut das keinen Abbruch. Wenn du nur selbst in deiner kleinen Welt die Liebe für die Menschen deiner
Umgebung bewahrst, dann wird dir in all der rechnenden Nüchternheit unserer Zeit wieder warm. Gottes Gebot sott dir ja keine Bürde sein, sondern ein Schatz, den du zu verwalten hast. Tu es nur einmal recht, so wirst du schon den Gewinn spüren; denn die Gnade spricht schon im Befriedigtsein nach einer guten Handlung in eigener Sprache zu dir, sie ist spürbar wie der Fluch der Sünde in ihrer Weife.
Die Welt geht ihren Gang. Derweil die Rechenschaftsberichte der nüchternsten Kalkulation gefordert werden, wollen auch wir uns unsere Abrechnung vorlegen. Und das Gewissen mag der Richter sein. Wehe um unsere Seele, wenn es heißt, „du kannst nicht länger Verwalter sein",.
kommnisse aus dem praktischen Leben. die beweisen, daß Las Christen- tum nicht „versagt". Man soll nicht Bewährtes über Bord werfen ober sonst beseitigen wollen, wenn man nichts Besseres an seine Stelle zu setzen weiß. Ein Satz, der auf alles Irdische angewendet wird. An einer göttlichen Institution sollte sich erst recht kein armseliger Mensch vergreifen. Er könnte etwas auf Lie Finger bekommen.
Dort im Frankenlande, wo so viel „Opium" anzutreffen ist, gibt es auch die Menschen, die wegen ihrer Religion, wie alle Katholiken, von der anderen Seite gern als weniger gute Deutsche'angeschwärzt werden. In diesem Frankenlande sinL auch jetzt in Deutschlands größter Not die Menschen treu. Sie arbeiten Sie ganze Woche hindurch unverbrl^s. sen weiter und gehen Sonntags in die Kirche und beten für ihr Vaterland, während andere räsonieren und Kla- mauk machen. Dieses Klamaukmachen gerade schabet Deutschland sicherlich viel mehr als es nützt. Was würden wix als deutsche Mili» tärmacht wohl tun, wenn mir Len Krieg gewonnenhätten und in Frank, reich'„vaterländssche" Verbände sich erlauben wollten, ein en Zauber 3 u entfalten, wie unsere Stahlhelmer ihn in Koblenz und Breslau aufge. macht haben. Was hätte Bismarck mit ihnen gemacht, wenn die Franzosen nach 1871 sich soviel herausgenommen hätten? In Stillen haben die Franzosen die „Revanche" vorbereitet. Sie waren aber zu klug, ihr nicht nur geliebtes, nein ihr angebetetes Vaterland Lurch Tölpelhaftigkeit und Großsprecherei zu schädigen. Im demokratischen Deutschland allein darf man ungestraft der schwer um den Fortbestand des Reiches ringenden Regierung in den Rücken fallen. Wenn aller Unfug, alle Dummheit der Nachkriegszeit gebüßt werden müßte, so würde es manchen Machern recht schlecht ergehen. Viele kämen aus dem Heulen nicht mehr heraus.
. Was unsere Karilasauslalleu leisten!
Der Karitasverband für die Diözese Münster lenkt in seinem Diözesanbericht 1930 die Aufmerksamkeit auf einen besonderen Abschnitt karitativer Arbeit, nämlich auf eine große Anzahl Gratisiei- stungen bzw. auf die gegen ein ganz geringes Entgelt im Jahre 1930 geleistete Arbeit in einer Reihe karitativer Anstalten. Nur teilweise ist es aller- dings gelungen, aus den verschwiegenen Winkeln des Wohltuns zahlenmäßige Angaben zu erhalten. Es ist wohl auch das erste Mal, daß diese Seite der Caritasarbeit statistisch erfaßt wurde Aber angesichts der bauernden Angriffe, die unsere karitativen Einrichtungen täglich und stündlich über sich ergehen lassen müssen, mußte einmal auf diese Arbeit hingewiesen werben.
Tagtäglich klopfen viele Noitel- dende an bie Türen der 21 n ft alten und Schwesternhäuser. (Oft sind es solche, bie an anberen Stätten meist über bie „Pfaffen" unb Klöster schimpfen.) Zählt man, soweit Angaben vorliegen, bie Mahlzeiten, bie im Laufe bes Jahres 1930 von bett katholischen karitativen Einrichtungen der Diözese Münster unentgeltlich verabreicht wurden, so ergibt sich bie stattliche Zahl von 1 812 701. Diese Zahl verteilt sich mit 1 238 112 auf die großen Anstalten, Krankenhäuser usw., mit 574 589 auf die Schwesternhäuser. Täglich wurden demnach 4964 unentgeltliche Speisungen ausgegeben. Von jeder Einrichtung der geschlosse- nen Fürsorge wurden durchschnittlich täglich 10 Mahlzeiten an Bedürftige verabreicht. ©atei sind Liese Zahlen durchaus nicht vollständig. Hier ist nur die Rede von den im Diözesanbericht erwähnten Anstalten, in dem z. B. die K l öste r und Pensionat« nicht erfaßt sind.
Außerdem sei noch ganz besonders darauf hingewiesen, Laß im Laufe des Jahres in allen Anstalten und Schwesternhäusern viele karitative Arbeit unentgeltlich oder nur ge-
Main und ziehen nach dem lieblich gelegenen Ma ria- Grünthal. Dieser berühmte Gnadenort ist schon allein die Mühen der Wallfahrt wert. Wie beim Ein- zug läuten die Glocken wieder, als wir fortziehen nut dem Liede „Maria zu lieben". Dann geht es über den Main. Eine Andacht zur Ehre des hl. Antoinus folgt zur Erinnerung an bas Jahr 1861. An dieser Stelle ist eine mit Wallfahrern besetzte Fähre untergegangen. Auf die Fürbitte des hl. Antonius hin, der angerufen wurde, sind alle Pilger damals gerettet worden. Abends übernachten wir in Unterleimbach.
Am Dienstag ist in Greußenheim ein Hochamt für die Pilger mit gemeinschaftlicher hl. Kommunion. Zuvor war bei einem Kreuz im Walde eine Ansprache des Führers. Dann geht es durch die Kampfgefilde von 1866. Am Mittag wieder Segensandacht in Neubrunn. Nachmittags wird die badische Grenze erreicht. Bei Gamburg kommen wir in das Taubertal. Don hier aus geht es, den Kreuzweg betend, in den Odenwald. Im malerischen Städtchen Külsheim beziehen wir Nachtquartiere.
Am Mittwoch morgen ziehen wir nach Hardheim. Hier finden wir die schönste Kirche auf dem ganzen Wege vor. Wir erhalten den Segen mit dem Allerheiliasien. Dann ziehen wir über Höpfingen nach Wakldiiren. Beim Anblick der Gnadenstätte knien die Pilger zum Gebete der hl. Fünf-Wunden nieder. Dor Walldüren empfangt uns der hochw. Herr Stadtpfarrer der uns herzlich begrüßt und seiner Freude über bie große Anzahl der jungen Leute Ausdruck gibt. 297 Pilger seien mit unserer Fahne mutig und opferfreudig den weiten Weg vom Eichsfeld und Fulda bis hierher gepilgert. Dann ziehen wir unter dem Jubelklang aller Glocken in das lang ersehnte Heiligtum. Mit ausgespannten Armen flehen wir zum hl. Blute um Erhörung in unseren Anliegen.
Dann beziehen mir unsere bereits fürsorglich durch die Leitung bestellten Quartiere. Nach gründlicher Reinigung des äußeren Menschen gehen mir an die Reinigung der Seele im hl. Bußsakramente. Abends ist Predigt und Sakramentsandacht. Immer neue Prozessionen
Religion — Opium für das Volk?
In der Zeitschrift „Der Weckruf" macht L. Heinemann treffende Ausführungen zu dieser Frage. Wir veröffentlichen sie besonders auch deshalb, weil sie gut zu dem Bericht eines Wallfahrers nach Walldürn passen.
Opium für bas Volk? Den Ungläubigen, die meistens ben Stempel des Unglücks oder lächerlicher Ueberheblichkeit, vielleicht auch der Verbitterung im Gesicht tragen, ist alle Religion ein Dorn im Auge, und sie sind bemüht, bem Volke den Gottesglauben aus bem Herzen zu reißen. Wir wollen nur biese Tatsache hier nennen, ohne zu untersuchen, wer Lie Schuld baran trägt, baß es eine Gottlosenbewegung ber üblen Art gibt, bie auf russischem Boden wächst und auch auf das übrige Europa verpflanzt wird. Wir wollen die Wahrheit Wahrheit sein lassen und Len Dingen ins Auge sehen, d. h. die Gefahr nicht unterschätzen und mit Schaudern uns vorstellen, welchen Kulturrückschritt es bedeuten würde, wenn die antichristliche Propaganda wirklich bie Massen in größerem Umfange erfassen sollte, wenn sie gar politischen Einfluß bekäme. Nüchtern geprüft, be- beutet bie Entthronung Gottes Zerfall und Untergang, ben Sieg des Teufels, den man allerdings ebenfalls ablehnt.
Die Gottesleugner müssen a-He vor unserer Zeit gewesenen Menschen, die Gottsuchten und fanden, für Lumm halten. Zweifler hat es auch früher gegeben. Sie waren gewöhnlich aber nicht so verbohrt, andere mit ihren Seelenschmerzen zu behelligen. Und wenn sie durch eigenes Nachdenken zu der Ueberzeugung kamen, baß es boch wohl einen Gott geben muß, so waren sie doppelt dankbare GotteskinLer. Heute wird aus dem Unglauben, wie aus so vielem, eine „Bewegung" gemacht. Gerade hierin liegt die große Gefahr. Ein- zelmenschen lassen sich belehren, überzeugen, einmal verhetzte Massen nicht. In einer verhetzten Masse schießt auch die Bestie schnell empor.
Die Heiden in den noch nicht kultivierten Weltteilen suchen unb formen sich ihre Gottesbegriffe. Sie fühlen unb wissen, daß kein Gesetz ohne Gesetzgeber fein kann, sehen aber mit ihren unverdorbenen Augen, Laß in ber Natur sich alles Leben nach Gesetzen vollzieht. Den Schöpfer der Erde und ihrer Gesetze beten sie an — ohne ihn näher zu kennen. Die überkultivierten Got- tesfeinbe aber genießen täglich Gottesgeschenke, leben von Gott unb leugnen, hassen ihn. Religion nennen sie Opium für das Volk, ein Volksbetäubungsmittel also. Daß dies nicht nur wissenschaftlich. sondern auch praktisch ein ungeheÄer- licher Unsinn ist, kam mir in diesen Tagen sehr klar zum Bewußtsein, als ich durch das Land der Franken wanderte. Da war ich auch in der großen und schönen Kirche zu Vierzehnheiligen. Ich sah Pilger ohne Zahl und beobachtete diese Menschen, wie ich anöerwärts die Menschen beobachtete, die aus FreiLenkeroersamm- lungen unb von Demonstrationen kommen. Unb ich glaube einen Blick für bas Positive auf ber einen unb das Negative auf der andern zu tyv ben. Diese erkennen bie zehn Gebote als Lebens-
5 Uhr abgehaltenen Mai-Andächt in der Klosterkirche aus dem Frauenberge teil. Dicht gefüllt bis auf den letzten Platz ist die Kirche schon bei unserer Ankunst. Em glaubensfrohes Bild!
Nach dieser herzerhebenden Andacht gehen die Pilger gemeinsam zum Tische des Herrn. Um 6 Uhr ist ein Hochamt zur Ehre des kostbaren Blutes.
Don den freundlichen Gastgebern verabschieden wir uns nun, begleitet von ihren herzlichen Wünschen für unsere Reise. Wohl hat uns hier in Fulda die herzliche Gastfreundlichkeit getan. Möge diese zur Festigung des freundschaftlichen Berhältnisses zwischen den beiden Gebieten beitragen.
Mit den Wallfahrern des Fuldaer-Landes versammelten sich die Eichsfelder um 9.30 Uhr in der Heilig- Geistkirche. Herr Pfarrer Rübs am eröffnete die Segensandacht mit einer herzlichen Ansprache über Zweck und Ziel unserer Wallfahrt. Nach dem Seren mit dem Allerheiligsten wurde das Reisegebet der Pilger gebetet. Mit dem Gesänge „Kommet, laßt uns wieder wallen jetzt hinauf zum heil'gen Blut", begann der Abmarsch von Fulda. An der Spitze unserer Wallfahrtsfahne mit einem aoldenen Kranze, in dem die Zahl „225" eingearbe!- tet war. Eine Musikkapelle begleitet die schonen Wall- fahrtslieber. Bei dem Kreuze hinter Loschenrod wird das Fünf-Wundengebet mit ausgespannten Armen gebe- tet. Mittags rasteten mir in Rothemann. Jlbenbs wird im romantisch von Bergen umgebenen Ort Speicher) em-
Am anderen Morgen beginnt der Weitermarsch um 4 Uhr nach dem VolkerLberg. Wir gehen alle zum Tische des Herrn. Darauf wird bei den Pattes Kaffee getrunken. Etwa 50 Pilger aus der Umgebung schließen sich an. Um 6.30 Uhr setzt sich die Prozession in Bewegung. Mit dem hochw. Herrn P. Superior in unserer Mitte gehen wir zu der neuerbauten H e i l i g - Blut-Kapelle. Von den Spenden der Pilger wurde diese zur Erinnerung an die diesjährige Jubiläums-Wallfahrt, nach einem Entwurf von Herrn Reichsbahn-Assistenten Aug. König, ausgeführt. Die Kapelle ist aus weißem Sandstein hergestellt. Die Schwestern haben sie mit Girlanden, Blumen und Kerzen geschmückt.
richtschnur an, jene machen sich ein eigenes Programm. Nun kommt es darauf an. was sich bewährt. Christus unb seine Jünger mußten unb haben es tausendmal gesagt, Laß die menschliche Gesellschaft auf Erden nicht vollkommen wird. Es soll aber jeder nach Vollkommenheit streben unb ihr möglichst nahe zu kommen suchen. Täten es alle Christen, so hätten bie Gegner keinen Grunb, immer von neuem zu sagen: „Seht doch Lie schlechten Kerle an, die es unter euch gibt! Der Verbrecher X war Katholik, der Erzlump P Protestant." Wir müssen dieLücken zugeben und brauchen nichts zu verschleiern. Aber wir sind ja nicht im Himmel und sotten ihn erst erkämpfen. Wie wollen die FeinLe Gottes und der christlichen Kirche mit ihrer Kultur beweisen, daß eine Welt ohne Gott besser aussehen würde als die christliche? Sind es etwa Idealzu- stände, die sich in Rußland entwickeln? Ober f in b bic Anfänge in Deutschlanb verheißungsvoll?
Im Frankenlavbe finden wir herrliche Kirchen, und es packt mich, wenn ich die Pilger in Vierzehnheiligen beten sehe. Dieser große Glaube, diese Hingabe an Gott kommt sicherlich nicht von ungefähr. Ich habe Lie felsenfeste lieber« zeugung, daß Menschen dieser Art bewußt kein Unrecht tun und ihreSchwä- chen abzulegen trachten. Da ist ein Pilgerführer, der Tausende nach Vierzehnheiligen gebracht hat und nun behauptet, noch nie eine Unehrlichkeit unter öen Wallfahrern festgestellt zu haben. Er geht soweit, daß er behauptet, mehr Fundsachen erhalten zu haben, als verloren gemeldet worden sind. Einen Fall, den er erst in diesen Tagen erlebte, erzählte er folgendermaßen: „Bald nach Ankunft meiner langen Prozession kam eine schlichte Landfrau zu mir und meldet weinend, sie habe habe unterwegs ihre gesamte Barschaft, etwa 35 bis 40 Mark, verloren. Ich tröstete die Frau und sagte: „Sie bekommen jeden Pfennig wieder, falls der Geldbeutel von unseren Leuten gefunden sein sollte." Die arme Frau war weniger zuversichtlich unö ging, immer noch weinend, von dannen. Etwa eine Stunde später ging ich zur Basilika. Unterwegs erzählte ich einem Bekannten über den Verlust des Geldes. Er antwortete. irgendein Mann habe ihm gesagt, daß er Geld gefunden habe und mir Meldung erstatten wolle.' Ich ging so durch bie große Kirche, daß mich jeder sehen konnte. Ein Mann raunte mir zu: „Ich habe Geld gefunden, 40 Mark können es sein." Er übergab mir das Täschchen. Im gleichen Augenblick kam ein junges MäLchen und flüsterte: „Meine Tante hat Geld verloren." „Wo ist sie?" „Dort, am Gnadenaltar!" Die Frau war beim Wiedersehen ihrer Geldbörse so ergriffen, daß sie dem Finder am liebsten den ganzen Inhalt geschenkt hätte. Der aber wies sogar Len Dank ab und antwortete, es sei doch wohl selbstverständlich, daß ein anständiger Mensch und Christ gefundenes Gut zurückgebe.
Ist die Religion La auch Opium? Eine Kette ähnlicher Dinge könnte der Führer erzählen. Und eine Kette weiterer Dinge, die auf anderen Ge- bieten liegen, konnte er anfügen. Alles V o r- Der Herr Superior hält eine warmherzige Ansprache über die Liebe Gottes, die uns durch das hl. Blut unseres Erlösers den Weg zum Himmel freigemocht hat. Er dankt der Pilgerschaft für die Erbauung dieses Ehren- mals an biefe Stelle. Daraus wirb von ihm, auf xln® ordnung des hochw Herrn Bischofs von Würzburg, die kirchliche Weihe vorgenommen. Darauf wird der heil. Segen erteilt. Eine unübersehbare Menge aus den um» liegenden Ortschaften hat sich zur Einweihung eingefunden. Nach dem Choral: „Gott Vater, schau auf deine Kinder die jetzt vor dir versammelt sind" ergreift Herr Aug. König das Wort und dankt allen treuen Mithelfern am Gelingen dieses Denkmals. Als bann die Pilger niederknieten, um für die verstorbenen Wallfahrer die hl. Fünf-Wunden zu beten, sah man in manchen Augen Tränen der Ergriffenheit glänzen. Diese Feier war ein Erlebnis und wird unvergeßlich bleiben bei den Wallfahrern.
Die Wallfahrer zogen dann nach dem Kurort Briik- kenau. Der herrliche Weg in der frühen Morgen- 'stunde wird singend und betend zurückgelegt. Vor der Stadt werden wir von einem Geistlichen und Minislran- ten mit Kreuz und Fahnen abgeholt. In der Kirche erhalten wir den hl. Segen. Dann wohnen wir dem Hochamt bei. Dann folgt auf der großen Freitreppe eine Ansprache an die Bevölkerung, um für die stets liebe- volle Aufnahme und Teilnahme zu danken, die den Wallfahrern hier erwiesen wurde. Eine große Menge zieht mit den Wallfahrer bis vor die Stadt. Der Weg führt durch die herrlichen Waldungen der bayerischen Rhön. Eine Andacht löst die andere ab, ein Gesang folgt dem andern. Die Bewohner der anliegenden Dörfer, oft 500—600 Personen, gehen stundenweit mit der Prozession und stimmen in das Lob Gottes mit ein. Rührend wirkt es, daß junge Burschen und Mädchen ber Ortschaften ben Wallfahrern ftunbenlang die Rucksäcke fragen. Abends wirb bie Stadt Hammelburg erreicht.
Montag um 4.30 Uhr ist am Gnadenorte M a r i a Steinthal ein Hochamt durch einen Pater aus dem Kloster. Altstadt. Am Nachmittag kommen wir an den