Einzelbild herunterladen
 

ausdrücklich darauf hmgewiefen, daß sie in keiner Weife eine Verhandlungsbafrs abgeben könnten.

* Kein Reichskommissar für Finanzen und Wirtschaft. Durch die Blätter geht die Meldung, daß die Reichsregierung beabsichtige, den ersten Finanzdirektor der I. G. Farbenindustrie, Ge­heimrat Schmitz, zum Reichskommissar für Fi­nanzen und Wirtschaft zu bestellen. Es handelt sich hier um eine jener Meldungen, die in Krisen­zeiten aus Nervosität und Sensations- g e lüsten geboren werden. Der Reichsregierung ist von solchen Plänen nicht das geringste bekannt.

• Einführung einer Verfassung in Aethiopien. Der Generalsekretär des Völkerbundes hat aus Adis Abeba ein Telegramm des Außenministers von Aethiopien erhalten, worin dieser mitteilt, daß der Kaiser von Aethiopien aus freiem Ent­schluß eine Verfassung eingeführt habe und daß drese Verfassung mit großen Feierlichkeiten am 16. Juli unterzeichnet wurde. Der stellvertretende Generalsekretär des Völkerbundes, Dufour-Feronce, hat dem äthiopischen Außenminister für die Mit­teilung in einem Telegramm gedankt und erklärt, er bitte, bei diesem feierlichen Anlasse die besten Wünsche des Generalsekretärs für die gedeihliche Entwicklung Aethiopiens entgegenzunehmen.

* Große Waldbrände in Slowenien. Nach einer Meldung aus Laibach sind im Gotischer Ländchen bei Laibach auf dem Besitz des Grafen Auersperg große Waldbrände entstanden. Das Feuer breitet sich infolge der starken Dürre und des empfindlichen Wassermangels rasch aus, so daß der Schaden bereits in die Millionen geht, ohne daß Aussicht besteht, den Brand zu lokali­sieren. Die Behörden haben die Bevölkerung die­ses Gebiets ausgefordert, sich an den Löscharbei­ten zu beteiligen. Auch militärische Hilfe ist in Anspruch genommen worden.

* 41 Tote durch Verkehrsunfälle am sranzosi- schea Nationalfeiertag. Rach den letzten Ergebnis­sen ist die Statistik der Verkehrsunfälle beim sranzösifchen Nationalfest höher, als man zuerst annahm. Es sind 41 Tote und etwa 200 Ver­letzte zu verzeichnen.

* Reber das Schicksal der Besatzung der von den Mongolen beschlagnahmten Junkers-Maschine der deutschen Luftverkehrsgesellichvft „Eurasia" ist jetzt bei der Luft-Hania eine Meldung eingegan­gen, nach der der Pilot Rathje und der Funker­maschinist Kölber auf dem Wege nach Orga, der Hauptstadt der äußeren Mongolei sind. Anschei­nend sollen sie dort interniert werden, bis eine Entscheidung durch dje unter russischem Einfluß stehenden mongolischen Behörden erfolgt ist. Ue- ber die näheren Umstände der Beschlagnahme des deutschen Flugzeuges dürfte in absehbarer Zeit ein ausführlicher Bericht eintreffen.

Letzte Nachrichten.

Fortsetzung der Pariser Besprechung.

wtb. Paris, 17. Juli. (Gig. Meld.) Minister­präsident Laval hat heute morgen mit dem Kriegsminister, dem Finanzminister Flandin und dem Kolonialminister verhandelt. Um HX Uhr begannen beim Ministerpräsidenten Laval Besprez chungen, an denen Finanzminister Flandin, der amerikanische Staatssekretär Stimson und der bri­tische Außenminister Henderson und deren Mitar­beiter teilnahmen.

Bunte Zeitung.

Der Kanonenkugel-Baum. Ein Baum, dem die son­derbare Gestalt seiner Früchte seinen Namen gegeben hat, ist der Kanonenkugel-Baum (Couropita guianensis), der hauptsächlich in Guayana vorkommt. Schon dadurch ist der hohe Baum merkwürdig, daß er seine Blüten und Früchte überhaupt nur am untersten Teil seines Stam­mes ausbildet, so daß sie zum Teil auf dem Erdboden aufliegen. Die glattschaligen Früchte aber zeichnen sich ihrerseits wieder durch eine ganz sonderbare Gestalt aus: sie sehen nämlich aus wie große Kugeln, und weil sie noch dazu steinhart sind, ähneln sie tatsächlich Kanonenkugeln. Wer während eines Sturmes, der die Früchte von den Bäumen reißt, unter einem solchen Baum steht, ist wirk­lich seines Lebens nicht sicher, da er von einer ihn tref­fenden Kugel ganz gut erschlagen werden kann.

Indische Sparkassen. Die indischen Maharadschas dürfen sich rühmen, die sichersten Aufbewahrungsorte für ihre Schätze zu besitzen. Die einbruchsicheren „©afes" bestehen aus großen Wasserbasins innerhalb des Pala­stes, in welche die Kleinodien, Gold- und Silberwaren, die in eigens ausgehöhlten Baumstämmen verwahrt wer­den, versenkt sind. Als Hüter der Schätze bedienen sich jedoch die Fürsten keiner Menschen, sondern großer Kro­kodile. Daß bei solchen Wächtern nur wenig Lust nach dem fürstlichen Golde herrscht, ist verständlich.

Skemzertmenschen in Südamerika

Eine Fahrt zu unbekaunken Indianern. — Die Brautwerbung mit der Keule. Auch hier „weifte Indianer"?

Von Hermann Petersen.

Von den großen Strömen ist heule wohl der Orinoko der einzige, dessen Quellgebiet man noch nicht genau kennt. Man weiß zwar, daß er auf dem Pic de Lesseps, an der Grenze zwischen Venezuela und Brasilien, entspringt, seine Quelle selbst hat aber noch kein Weißer gesehen. Auch eine von der amerikanischen Heye-Stiftung ausgesandte, unter Führung Herbert S. Dickeys stehende Expe­dition. der die Erreichung der Orinokoquellen als Aufgabe gestellt war, ist kürzlich, ohne ihr Ziel erreicht zu haben, aus dem Innern wieder heimgekehrt. Immerhin hat sie die beschwerliche Reise nicht vergeblich unternommen, gelang es ihren Teilnehmern doch, als erste Weiße mit einem bisher so gut wie unbekannten Judianer- starnrn in nähere Berührung zu treten, den Gua- h a r r b o s, die bisher jede Annäherung von Frem­den mittels Pfeil und Bogen zurückwiesen.

Der niedrige Wasserstand hatte die Weiter­fahrt aus dem Orinoko selbst unmöglich gemacht, unch die Forscher waren mit ihrem Boot in einen kleinen, aus den Karten nicht verzeichneten Wasser­laus eingebogen, um ihn näher zu untersuchen, als man am User ein Stückchen Geflecht vus Palm­fasern bemerkte. Unzweifelhaft stammte es von Eirsgeborenen, die nicht weit entfernt sein konnten, denn die Fasern waren noch frisch. Man forschte eifrig nach den Herstellern des Flechtwerks, jedoch erst am dritten Tage wurde plötzlich eine Schar safrangelber, fast unbekleideter Indianer von klei­ner, aber wohlgebauter Gestalt sichtbar, die, ihre riesigen Bogen schwingend, aus dem Urwald auf­tauchten.

Es dauerte lange, bis man das Mißtrauen der Wilden so weit überwunden hatte, daß sie einer Annäherung keine Hindernisse in den Weg Legten. Schließlich aber entwickelte sich allmählich eine Art freundschaftlichen Verkehrs, der mit einem Tauschhandel begann und mit einem längeren Palaver endete. Die Verständigung war allerdings nicht leicht, doch unter Zuhilfenahme der Zeichen­sprache und einiger Worte des Mariquitari-Dialekts, die Dickey unterwegs aufgeschnappt hatte und die auch den Guaharibos geläufig waren, wurden dre Schwierigkeiten überwunden.

Das Tauschgeschäft vollzog sich zu gegenseitiger Zufriedenheit. Willig gaben die Wilden ihre pri­mitiven Knochen- und Bambusmesser, ihre rohen Steinbeile gegen stählerne Taschen- und Buschmesser her. Dagegen machten dis Tor­pedopfeifen, von denen sich Dickey eine besondere Wirkung versprochen hatte, nicht den geringsten Eindruck.

MImählich begannen die Guaharibos dann auch zu erzählen, zunächst von den Guaicas, den „weißen Männern", ihren erbittertsten Fein­den. Seltsam, daß auch hier das Gerücht von weißen Indianern im Innern Südamerikas wie­der auftaucht. Wie Dickey erfuhr, hatten seins

neuen Freunde Jahr für Jahr unter den ließet» fällen eines mächtigen Stammes zu leiden, dessen Mitglieder, von Heller Hautfarbe, bärtig, aber ebenso wenig bekleidet wie sie selbst, ihre Dörfer überfielen, mit schweren, .polierten, dreieckigen Keu­len die Männer erschlugen, Ernte und Frauen aber mit sich sortschleppten. Ihre zahlenmäßige Unterlegenheit machte es den Guaharibos un­möglich, Vergeltung zu üben, und "so wird es verständlich, daß sie von allen Fremden, selbst wissenschaftlichen Expeditionen, nichts wissen wollten.

Im übrigen ist es ein seltsames Völkchen. Wie Bet den meisten südamerikanischen Jndianerstämmen herrscht auch hier die Vielweiberei. In eigen­artiger Weise wird dabei das junge Mädchen „an den Mann gebracht". Der Vater einer Neuge­borenen zieht mit ihr im ganzen Stamme umher, bis er jemand findet, der geneigt ist, seinen nicht viel älteren Sprößling als künftigen Gatten hin- zugeben. Natürlich nicht umsonst, einige Bogen und Pfeile, einen ober zwei Körbe mit Früchten oder ähnliche Schätze muß der Bewerber schon draufgeben. Damit gilt die Ehe aber auch als geschlossen.

Es ist nur natürlich, daß später der junge Guaharibo mit der ihm zugeteilten Eheliebsten nicht immer ganz zufrieden ist. Dann geht er seinerseits auf die Brautschau, um seinen Haus­stand zu vervollständigen. Zu diesem Zwecke be­sorgt er sich zunächst eine große, schwere Keule, die er dem Vater oder Gatten der von ihm er­wählten Schönen überreicht. Ist dieser mit dem gebotenen Preise zufrieden, so haut er mit der Keule dem Bewerber gehörig eins über den Schä­del, und die Sache geht in Ordnung. Die Maid oder junge Frau zieht mit dem Glücklichen ab; als erste Hausfrauenpflicht obliegt es ihr, ihm die — Beule auf dem Kopfe zu kühlen.

In großen, kegelförmigen Hütten leben die Guaharibos zusammen, jedes Dorf unter der Herr­schaft eines Nettesten, des „Quiritschaua", dessen Wott, außer in Eheangelegenheiten, für alle Ge­setz ist. Er ordnet an, wer fischen oder jagen,, wer den Acker bestellen oder die großen, sägebockartigen Brücken bauen soll. Daneben bekleidet der Quirit­schaua noch die Aemter des Medizinmannes,, Scharfrichters und Totengräbers.

Die Lebensbedingungen am Oberlauf des Ori­noko sind nicht leicht, für Kranke, Alle und Schwächliche, ist hier kein Platz. Jeder, der dem Stamm zur Last fällt, muß daher beseitigt werden. Wen dies Los trifft, bestimmt der Quiritschaua. Auf seinen Befehl führt man das zitternde Opfer in den Urwald, bindet es auf ein flaches, manns­hohes Gestell und schießt ihm dann einige giftige Pfeile in den Leib. In den Tropen verwest das Fleisch schnell, die zurückgebliebenen Knochen wer-

Frankreichs kolonialsoldaken paradieren in Paris.

(Eine Singhalesentruppe beim Parademarsch anläßlich des Nationalfeiertags in Paris.

*

W ......

W |

w

A Ä

WM - M H.

Am Nationalfeiertag fand in Paris eine französische Truppenparade statt, an der auch far­bige Abteilungen, wie sie Frankreich während des Weltkrieges gegen Deutschland einsetzte, teilnah- men. Unser Bild zeigt eine Abteilung Singhalesen ans den französischen Kolonien in Indo-China.

den später mit Blättern umwickelt in die Erd» vergraben.

Der Guaharibo macht sich das Leben durch seine unglaubliche Angst vor bösen Gei­stern schwer, vor allem den in Flüssen hausenden. Freiwillig geht er daher nicht ins Wasser, kann deshalb auch weder schwimmen noch ein Boot bauen, und beim Fischen wagt er sich nut an bi« flachen, natürlich weniger fischreichen Stellen. Aus dem gleichen Grunde werden die einfachen Brücken so hoch wie möglich über die Flüsse geführt, damit auch der größte böse Geist nicht von unten hinauflangen und den die Brücke Benutzenden am Fuße zu sich in die Tiefe ziehen kann.

Nicht viel weniger als die Dämonen fürchten die Guaharibos ihre südlichen Nachbarn, die schon erwähnten „Weißen Männer". Daß es sich bei diesen um wirklich weiße Indianer handeln sollte, ist schwer anzunehmen; es würde der ganzen Anthropologie gewissermaßen ins. Gesicht schlagen. Aber an dem Gerücht muß doch wohl etwas Wah­res sein, sonst könnte es sich kaum mit solcher Hartnäckigkeit erhalten. Dikey tiertritt die Ansicht, daß zur Kcmquistadorenzeit ein größerer Trupp Spanier ins obere Orinokagebiet verschlagen wurde und man in den weißen, bärtigen, nackten und wilden Guaicas die Nachkommen jener zu sehen habe. Falls sich das Vorhandensein eines hell­häutigen Volkes in jener Gegend bestätigen sollte, hat diese Annahme des amerikanischen Forschers wohl noch die größte Wahrscheinlichkeit für sich.

Der Joffesche Sonnenmokor.

Line umwälzende Erfindung in der Energie- Erzeugung. i

Von Eberhard Göschen.

Unter den Sraftguellen der Zukunft nimmt die Sonne, sobald erst einmal eine wirtschaftliche Ausnutzung ihrer auf die Erde gelangenden Ener­gie gelungen ist, einen hervorragenden Platz ein. Dies wird sofort verständlich, wenn man bedenkt, daß unser Planet Sekunde für Sekunde eine E ner- giemenge von 600 Billionen Pferde­stärken von feinem Zentra lge st irn er­hält. Eine ungeheure Menge, und doch nur der zweirnilliardste Teil der gesamten, von der Sonne in den Raum ausgestrahlten Kraft. Es ist daher von größter Bedeutung, daß dem russischen Pro­fessor Joffe vom aktinometrischen Institut zu Le­ningrad die Herstellung eines Apparates gelungen sein soll, der das lange gesuchte Problem der un­mittelbaren Umwandlung von Sonnen­strahlen in elektrischen Strom endlich löst. Sollte sich diese Nachricht bestätigen, so wäre damit eine Erfindung gelungen, deren wirtschaft­liche Auswirkungen sich heute noch gar nicht über» sehen lassen.

Bereits vor Joffe gab es eine Reihe sogenann­ter Sonnenmotoren, sogar schon in praktischer Tä­tigkeit, die aber keineswegs befriedigen. Sie ar­beiten durchweg nach dem Grundsatz, mittels gro­ßer, durch Uhrwerke dem Lauf der Sonne ange­paßter Hohlspiegel die von dem Gestirn ausgehen­den Wärmestrahlen aufzufangen, auf einen wasser- gefüllten Kessel zu konzentrieren und aus dem so erzeugten Wasserdampfe Energie zu gewinnen. Abgesehen davon, daß derartige Apparate prak­tisch nur in Gegenden mit dauernder Sonnenein­strahlung, wie in einzelnen Teilen der Tropen, er­folgreich arbeiten können, weisen sie bis heute noch sämtlich den Nachteil erheblicher U n Wirtschaft­lichkeit auf. Man ist heute durchweg über­zeugt, daß sich auf diesem. Wen.» ^as Problem nicht lösen läßt.

Der russische Gelehrte schlägt nach dem, was über seine Arbeiten an die Oeffentlichkeit gedrun­gen ist, einen ganz anderen Weg ein. Er folgt dem Beispiel des deutschen Forschers Lange, der kürzlich mit Hilfe photochemischer Zellen, die er dem Sonnenlicht aussetzte, elektrische Ströme er­zeugte, allerdings von so geringer Stärke, daß an eine praktische Verwendung des Verfahrens zur Kraftgewinnung nicht zu denken war. Joffe hat ebenfalls die photochemische Zelle benutzt, um nach einem Verfahren, über das bislang noch nichts verlautbar wurde, elektrische Ströme von größerer Intensität hervorzurufen. Sollte sich seine Methode, wie von Leningrad aus behauptet wird, auch für die Ausnutzung im großen als geeignet erweisen und zudem wirtschaftlich arbeiten, so stän­den wir vor einer Umwälzung in der Energie­wirtschaft, wie sie größer und einschneidender kaum zu denken ist. Lassen sich doch alle Kraftmaschi­nen der Erde allein von der auf die Schweiz ent­fallenden Sonneneinstrahlung treiben, vorausge­setzt, daß ihre restlose Ausnutzung gelänge.

— Mainz. Ein Eisendreher, Peter Moll, wollte am Mittwoch nachmittag seine im Krankenhaus liegende Frau besuchen. Am Linsenberg stieß er mit seinem Rad gegen die Straßenbahn und wurde auf das Pfla­ster geworfen. Er starb nach einigen Stunden im Kran­kenhaus an den dabei erlittenen Verletzungen. Die Tochter war Zeugin des schweren Unfalls, wußte aber nicht, daß ihr Vater der Verunglückte sei.

Im Senkkasten.

Erlebnisse eines Werkstudenten.

Von Wilhelm Aufsermann.

Technische Gewerbeschule, 1923, In einer Stunde, in der ich ausnahmsweise acht gab:

„. . . Meine lieben Hörer! Ich nehme ein leeres Trinkglas, drehe es um, so daß die Oessnung nach unten zeigt u.nd tauche es nun in das Wasser des Behälters ein. So . . .! Wir sehen nun, daß das Wasser nur wenige Millimeter in das Glas eindringt, hingegen der weit größere Teil des Glasinneren wasserfrei bleibt. Die Kompression der Luft im Glase bedeutet eine Steigerung des Druckes, die dem Wasserdruck das Gleichgewicht hält. Könnte ich das Glos zwanzig Meter tief tauchen, so würden wir feststellen, daß das eindringende Wasser zwei Drittel des Glasinnern füllen würde. Legen wir daher aus irgend welchem Grunde Wert darauf, daß der Wasserspiegel indem untergetauchten Glase gerade Mit dessen Ronde abschneidet, so müssen wir durch ein Röhr­chen mehr Luftmengen von oben in das Glas einpressen. Meine lieben Schüler, das wäre so das Schema der Taucherglocke und des Senkkastens.

Jahre später. Ich habe mich als Sandhoggs, „Sand­schwein", beim Brückenbau in Hobboken anwerben lasse». Auch in Amerika nimmt man heute, was man bekommt. Die Bezahlung ist fabelhaft, die Arbeit soll höchst unge­sund fein. Ich vertraue meinem kräftigen Körper.

-Aus dem Trinkglas ist wirklich ein Senkkasten ge­worden. Aus dem Luftzuführungsröhrchen eine Luft- schleuse für die Ein- und Ausfahrt der Arbeiter und für das Ein- und Ausbringen von Materialien.

Um acht Uhr morgens trete ich mit noch fünf Ange­worbenen die Arbeit an. Der Vorarbeiter hat uns auf der Plattform vor der Schleufentür erwartet. Mein Blick fällt auf ein Manometer. In der Schleusenkammer herrschst eine halbe Atmosphäre Ueberdruck. Ein kleiner Kerl neben mir — er heißt Gerber — tut mir leid. Der

Aufseher hat ihn gewarnt. Gerber schüttelte nur den Kops. Eine halbe Atmosphäre, das bedeutet, daß sich die Kanten des Senkkastens gut fünf Meter unter dem Grundwasserspiegel befinden. Das bedeutet weiter, daß wir ausgezeichnete feungen haben müssen.

Ein leises Pfeifen. Der Zeiger des Manometers zittert zurück, wackelt ein wenig um die Null herum und die Schleusentür öffnet sich. Sechs Leute, die Nachtschicht, machen uns Platz. Hinter uns donnert die Tür ins Schloß. Auch hier ein pfeifendes Manometer Der Zeiger tastet wieder langsam höher. Ein Knistern in den Ohren zeigt den steigenden Druck an. Die Luft wird dick. Die Haare in den Nasenlöchern biegen sich beim Atemholen, kitzeln unangenehm. Am Halse spüre ich ein Würgen. Der Aufseher ruft uns zu: „Luft schlucken!" Wir schlucken Luft, bis der Bauch dick ist, und spüren Erleichterung, eine sofortige Entlastung des Trommel­fells.

Die zweite Schleusentür wird geöffnet. An einer schmalen eisernen Leiter klettern wir durch einen rohr­förmigen Schacht in die liefe. Es beginnt nach Algen, Heringen, nach Wasser zu stinken und wir stehen auf feuchtem Sand, auf freiem Boden, lieber uns, um uns, die eisernen Wände des Senkkastens. Schemenhaft zeichnen sich unfere Schatten vom Licht der Wolfram­lampen ab.

Schaufeln werden ausgeteilt. — „Arbeiten!"

Langsam füllt sich eine Tonne nach der anderen, wird von einem Flaschenzug durch einen zweiten Schacht hoch- gezogen, leer zurückgeschleust. Eine Tonne, zwei Ton­nen .... zehn Tonnen! Eine Stunde, zwei Stunden . . . noch sechs Stunden! Wir schaufeln, schaufeln. Mer­ken nicht den Erfolg unserer Arbeit. Der Raum wird nicht größer, behält seine Höhe ständig gleich bei. Mit seiner ganzen Masse sinkt der eiserne Kasten jedem Spa­tenstich nach. Und in dem Senkkasten sind wir, wie Mäuse in einer Falle, und schaufeln, schaukeln. Starren stumm auf das Fleckchen Sand, in das die Schaufel sticht. Es ist, als ob man eine Straße wandert, deren Ende nicht abzujehen ist. - । । .

Ein Kompressor erneuert die Lust, macht sie noch dicker: „Luft fchlucken!" mahnt neuerdings der Vor­arbeiter. Wir fchlucken Luft und dann und wann ein Stückchen Brot. Rauchen dürfen wir nicht.

Die Zeit will nicht vergehen. Cs sitzt einem in der Kehle. Die Hände werden blasig, die 'Blasen zerspringen, brennen wie Feuer. Draufgespuckt, weiter!

Gerber, der kleine Kerl, setzt oft aus, fährt sich mit dem Rücken der Hand über die Augen, wischt den Schweiß fort und starrt nach oben. Seine Gedanken klettern wohl durch den Schacht, dazu verzerrt sich immer krampfhafter fein Gesicht Der Vorarbeiter ist aufmerk­sam geworden. „Sos, schaufel!" sagt er, „es dauert nicht mehr lange." Er beobachtet ihn. Kennt das.

Plötzlich passiert das, womit der Vorarbeiter schon rechnete. Gerber legt vorsichtig die Schaufel zur Seite und will nach oben klettern. Der Vorarbeiter packt so- fort zu und hält ihn fest. Da beginnt der kleine Kerl zu toben, schlägt zu und schreit, zittert an allen Gliedern. Nach längerem Zureden und Drohen tritt ihm der Vor­arbeiter mit den schweren Stiefeln gegen den Leib. Wir geben unserem Mißfallen unverhohlen Ausdruck. Müssen aber erfahren, daß uns der Herzschlag treffen könnte, wenn in der Schleusenkammer plötzlich die Tür geöffnet wird. Ernste Gesundheitsschäden wären unaus- bleibbar. Gott sei Dank wird Gerber wieder vernünftig.: Er braucht nicht mehr zu arbeiten, darf sogar eine Zi­garette rauchen.

Nun wird die Luft noch stickiger. Es dauert nicht mehr lange, dann werde auch ich schlapp machen. Ich beiße die Zähne zusammen . . . drei Stunden noch . . . drei Stunden noch . . .

Wie ein Wurm kriecht die Zeit durch den Senkkasten. Da, endlich! Ein Glockenzeichen! Schichtwechsel! Wir klettern hoch, als letzter der kleine Berber. In der Schleusenkammer singt schon der Manometer, der Zeiger zittert von anderthalb Atmosphären auf Null zurück- Der Druck weigt langsam von Kops und Brust. Die Tür

fliegt auf, Lust, wunderbare Luft! Gerber beginnt lachen, lacht wie ein Kind.

Ich erfahre, daß die Maurer den auf den Senkkasten ruhenden Brückenpfeiler vier Meter höher führten, wäh­rend wir ihn vier Meter unten einbuddelten. Oben steht er noch genau so hoch wie früher aus.

„. . . Legt man daher aus irgendwelchem Grund Wert darauf, daß der Wasserspiegel in dem unterge­tauchten Glas gerade mit dessen Rand abschneidet, fa müssen wir durch ein Röhrchen mehr Luftmengen von oben in das Glas einpressen. — Meine lieben Schüler, das wäre so das Schema der Taucherglocke und des Senkkastens ..." —

Ich habe die Nase voll davon!! —-

Dom Tier.

Don Richard von Schaukak.

Das Tier erkennt sich nicht im Spiegel. Weil es sich nicht kennt, das heißt nicht die Gabe besitzt, sich zu be­obachten, sich anzuschauen, sich zuzuschauen. Darum bleibt es immer natürlich, unbefangen, wahr und wahrhaftig in jedem Ausdruck seines ihm unbewußten Zustandes der natürlichen Gnade.

*

Das Tier ist nicht boshaft: es fügt nicht Schaden zu um des Schadens willen.

*

Das Tier hat keine Sorgen. Aber es kann auch nicht lachen.

*

Das Tier drückt sich aus, teilt sich mit, aber es spricht nicht; Vorzug und Vorteil zugleich: es verschont seines­gleichen mit dem Lästigsten, was der Mensch ausgebildet hat: dem Geschwätz.

*

Das Tier vergleicht sich nicht mit andern: es kennt dies Ueberhebung so wenig wie die Demütigung.