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12. IuN

VeNage zur Fuldaer Zeilung

Jtr. 158

1A{lAtl ist sonderbar auf der Welt, es läßt sich jeder |

Set SaMizismus in Mllleldeulfchland

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Welcher von den beiden Rednern ist aber der falsche Prophet gewesen?

Richtig, es war der erste, den sie so lobten. Der hat den Leuten hübsch das vor­geredet, was sie gerne hörten, an­statt ihnen die Wahrheit zu sagen.

eins hervorgehoben werden, der wenigstens di« äußerste Not in vielen Fällen lindern konnte.

Doch das Werk ist trotz der Armut gediehen. Die 10jährige Aufbauarbeit im Mittelpunkt des Reiches verdient das Interesse aller Katholiken.

O st,e r f e st:

Christ ist erstanden von der marter alle;

Deh solle wir fro seyn, Christ will unser tröst seyn.

Kyrieleis.

Leben. Aber nicht nur da; wenn du Streit mit deinem Nachbar hast, und es kommt einer und sagt dir, du seiest in deinem Recht und der Nach­bar sei schuld an allem, so glaube ihm nicht, auch wenn es deinem -erzen wohltut, das zu hören. Denn er redet dir nur zu Gefallen und ist genau solch ein falscher Prophet, wie der Redner in der Versammlung oder wie einer von denen, die der -eiland meinte, als er das Wort zum erstenmal sprach.

Man kann fast allgemein sagen: wer dir sagt, was du gerne hör st, vor allem wer nur das zu sagen weiß, der sagt dir nicht die Wahrheit, dem mußt du mißtrauen. Wer dir aber auch Unangeneh­mes sagt, auf den höre, er meint es wahrschein­lich gut mit dir.

Das älteste W e ih nach t s l i ed, das uns halten ist, stammt aus dem 11. Jahrhundert und laute:

9. Jahrhunderts:

Unsar trohtin hat farsalt sancte petre ginnalt, daz er mac ginerian ze imo dingenten man. kyrie eleison! christe eleison 1

In neichochdeutscher Uebersetzung:

Unser -err hat übergeben

Sankt Peter die Gewalt, Daß er mag bewahren Den zu ihm hoffenden Menschen.

Herr, erbarme dich! Christe, erbarme dich!

Nu siet uys willekomen, -err Kriest, die ihr unser aller Herr siet.

Kyrieleison.

Nun ist Gott geboren, unser aller tröst, der die höllsche pforten mit seinem kreuz ausitoes. Die Mutter hat geheischen Maria, wie in allen kersten-büchern geschrieben steht.

Kyrieleison!

3.) Der -err ist hocherhaben, furchtgebietend, ein I Großer König, herrschend über alle Welt.

Epistel (Röm. 6. 1923).

Brüder! Ich rede nach Menschemveise um der Schwachheit eures Flei'ches willen. Wie ihr einst eure Glieder in den Dienst der Unreinigkeit und Zuchtlosigkeit gestellt und zuchtlos gelebt habt, so stellet jetzt eure Glieder in den Dienst der Gerech­tigkeit und lebet heilig. Als ihr Knechte der Sünde wart, wäret ihr aller Gerechtigkeit bar. Aber welche Furcht hattet ihr damals von den Dingen, deren ihr jetzt euch schämt? Das Ende von all dem ist ja der (ewige! Tod. Nun aber, da ihr, befreit von der Sünde, Knechte Gottes geworden seid, habt ihr als Frucht -eiligkeirund I äm Ende das ewige Leben. Denn der Sünde Sold in der Tod; die Gabe Gottes aber ist ewiges Le­ben in Christus Jesus, unserm Herrn.

Evangelium: hülel Euch von den falschen Propheten.

Falsche Propheten.

Detrachlung zum Sonntagsevangelium.

Wir wollen im Geiste eine Versamm­lung besuchen. Vielleicht ist es eine Bauern­versammlung, es könnte aber genau so gut eine 1 Arbeiterversammlung sein oder irgend eine an­dere. Der Redner spricht von der Notlage des Bauern in der heutigen Zeit, zeigt an -and vie­ler Zahlen, daß der Bauernstand am meisten mu Steuern und Lasten bedrückt sei, während es an­deren Volkskreisen gut ginge. Daß es so nicht wei­ter gehen könne, daß der Staat die Pflicht und Schuldigkeit habe, dem Bauernstand zu Helsen, und daß in dieser -insicht bisher wenig genug ge­schehen sei. Daß nunmehr aber die höchste Zen sei, wenn der Bauer durch die Schuld des Staates nicht vor die Hunde geben solle.

Nicht wahr, da würden die Zuhörer Besial. klatschen und würden dann unter sich sagen:Das ist ein Mann, der weiß, was uns fehlt, und re­den kann der. wie ein Buch. Der hats nun aber einmal richtig gesagt." . ~ .

Angenommen, es hätte ein anderer Redner da gestanden, und der hätte etwa Folgendes gesagt:

Cs ist richtig, daß es uns Bauern heute mcht sonderlich gut'geht. Aber so schlecht, wie es me e machen, ist es noch lange nicht Es gibt weite Volkskreise, denen es noch west schlechter geht. Und es ist falsch, all die Schuld an den schlechten Zeiten dem Staat in die Schuhe zu schieben, iwe das meistens gemacht wird. An der heutigen Not­lage sind wir zum großen Teil-auch selber schuld Und der Redner hätte nun angefangen und hatte das im Einzelnen gezeigt.

Ich brauche nicht zu fragen, welche si^de den Leuten besser gefallen hätte. Das wäre bestimm die erste gewesen, und bei der zweiten hatten sie wahrscheinlich gedacht, daß man den Kerl hinaus-

Dresden. Juni 31.

Dreieinhalb Jahrhunderte lang war seit dem Einzug, der Reformation in die Mittel­deutschen Länder die größte katholrj che Diaspora Deutschlands verwaist ge­wesen, als vor nunmehr 10 Jahren, am 24. Juni 1921, das Bistum Meißen von neuem er­richtet wurde. Der gesamte Freistaat Sachsen und Teile Großthüringens wurden damals zu einer Diözese zusammengefaßt und dem neugeweiyten Bischof Dr. Christian Schreiber unterstellt. Unter rund 5 Millionen Protestan- ten lebten etwa 200000 Katholiken, Angehörige oller Stände und Berufsklassen, die sich'über'das ganze Gebiet verteilten. Die: Kerro bevölkerunq des Landes hatte an diesen 200 000 einen verhältnismäßigen geringen Anteil, eine sehr große Zahl stellten die aus dem katholischen Böhmen, Oesterreich und Schlesien Emgewander- ten. Die Süd- und Ostgrenze des Landes stand dem ständigen Zustrom der katholischen Nachbar­völker offen, Industrie- und Landarbeiter vor al­lem waren es, die entweder Sachfen als ihre neue Heimat betrachteten oder auch nur als Durch- aanqsland, um nach ihrer Weiterwanderung an­deren Platz zu machen. So bot dieses Diaspora- gebiet von vornherein die größten Schwierigkei­ten- auf der einen Seite die iirößte Zer­streu t h e i t der Katholiken, nur mit Muhe er­reichbar und aufzufinden, auf der anderen der st ä 'n d i g e Wechsel durch Zuzug und Abwan­derung.

Der erste Bischof mußte sofort die Zerrissenheit seiner Diözese an sich selbst erfahren. Er erhielt den Titel eines Bischofs von Meißen, nahm seine Residenz in B a u tz e n und hatte eine: der schönsten Domkirchen in D r e s d e n. Diese Drei­teilung erklärt sich so: In Meißen wurde ,m Jahre 968 von Otto dem Großen der erste Bifchofsstuhl errichtet, damit von hier aus das Christentum ge­gen die Slaven und Sorben nach Osten vorgetra­gen werde, hundert Jahre später saß schon cm I Heiliger auf dem Bischofsstuhl, der hl. Benno der die schweren Kämpfe mit dem kirchenfeindlich-n Kaiser Heinrich IV. austrug und das sächsische und päpstliche Danner so lange verteidigte, bis Hein­rich seinen Büßergang nach Canossa antrat Dana residierten alle Bischöfe bis zum Ausbruch der - formatiert in der Stadt Meißen, 40 an der Zahl, * der hohe gotische Dom neben der Albrechtsburg

chöflichen Stadt.

Als die Reformatoren fast ganz Mitteldeutsch­land gewannen, trat 1587 auch der Bischof >io- I Hannes von Haugwitz zur neuen Lehre über und legte sein Bischofsamt nieder. Er war der letzte auf dem Bischofsstuhl zu Meißen, und da der Dom in den Besitz der Protestanten kam und bis heute verblieb, so konnte 1921 nur der Name des alten Bistums entliehen werden, zum Bischofssitz wurde Bautzen bestimmt. Hier in Bautzen be­stand nämlich schon ein sog. Domstift, das die Apostolische Präfektur der Oberlausitz verwaltete. Damit war der Grundstock für ein neues Bistum I bereits vorhanden. Bautzen ist neben Meißen eine der schönsten Städte des Landes und liegt an der I Spree. Sie hat eine verhältnismäßig, starke katho­lische Bevölkerung und liegt zugleich im Grenz­gebiet der katholischen Wenden. Die Domkirche, die dort zur Verfügung steht, ist aller­dings «ine Simultankirche, sie gehört yaiv den Katholiken und halb den Protestanten und wird von beiden Konfessionen zum Gottesdienst benutzt. Bei besonders feierlichen Anlässen kommt d-r Bischof nach Dresden und zeelbriert in dem berühmten Dom, der Katholischen Hofkirche, die ein Meisterwerk des italienischen Barocks ist.

Don Anfang an stand das neue Bistum in ei­nem besonderen Zeichen: im Zeichen der Ar­mut. Das Bistum Meißen erhalt kerne Staatszufchüffe, es ist auf sich ,selbst angewlesen Was an Wertpapieren irgendwie aus dem ererb­ten Domstift in Bautzen vorhanden war, wurde durch die Inflation fast restlos vernichtet. Es be­gann ein Leben der Entbehrung. Pfrundenoesitz aab und gibt es fast gar keinen nur Jur em einziges Prozent aller Pfarrämter. Meviele Pfarrer hatten am Monatsersten kein Gehalt, wieviele wußten ihre Mitarbeiter mcht zu entloh­nen, ihre Kapläne und Pfarrgehilfen. Da die Mehrzahl der Katholiken arm ist, mußte auch die größte Vorsicht bei der Einziehung von Kirchen­steuern beachtet werden. Diese Armen befanden sich unter einer radikalen Arbeiterschaft, die den Kirchenaustritt gerade auch aus Gründen der Steuererhebung heftig betreibt, trotzdem sind manche Kirchengemeinden gezwungen wenichtens im allgemeinen, eine 20prozentige Kirchensteuer u erheben. Es muß an dieser Stelle die außer- ordentliche Wichtigkeit des B ° n, f a t, u s v e r -

aend wer. Es ist ja auch so angenehm, alle Schuld auf die anderen abzuwälzen, anstatt sich eininal ernstlich zu fragen:Wieweit liegt das Alles an mir. und was habe i ch zu tun, daß es vei- er D^Wahrheit sagen, ist schwer, aber die Wahr­heit hören, ist noch schwerer. Und weildieMen­schen lieber das hören, was ihnen gefallt, jo wiro ihnen meistens auch nur das gesagt. Die das aber tun, das find die falschen Propheten

Gewiß, die gibt es am meisten im öffentlichen

Am Pfingstfeste sang man:

Nun bitten wir den heiligen geist umb den rechten glauben allermeist, daz er uns behuete an unserm ende, so wir heim sule varn uz diesem ellende.

Kyrieleis.

Der große Volksprediger Bruder Berthold von Re- gensburg ließ mit Vorliebe diese Leis vor seinen Predig­ten singen und sagt in einer Predigt von ihr:Cs gar ein nüzz Jane, ir sult es immer desto gerner singen und« sult es mit ganzer andacht und mit innigem Herzen hin ze gote singen unde ruesen. Es war gar ein guo sunt, unde er was ein wiser man, der dazselbe bet v erftß oant"

Da zu den Originalschöpfungen sich llebersetzungen kirchlicher, liturgischer Texte - besonders der Hymnen und Sequenzen gesellten, und das deutschen Kirchen I lieb vom Volke begeistert ausgenommen wurde, ver mehrte sich rasch die Zahl der deutschen Gelange . «° konnte schon im Jahre 1148 der Propst von Reichersberg Gerhoch schreiben:Die ganze Welt Melt das Lob d -eilandes, auch in Liedern der Volkssprache; am - ften unter den Deutschen ist dies der Fall, deren Sp ch zu wohltönenden Liedern besonders geeignet ist.

Nicht nur Frömmigkeit, Glaubenswut und Gottes- liebe schuf geistliche Lieder, auch 'N Kampf« Krieg und vor blutiger Schlacht entstanden solche E nige Beispiele seien angeführt: Bor der £

Tusculum im Jahre 1167 stimmte der Erzbischof Chri stian von Mainz den mächtigen Gesang an.

Christ, der du geboren bist,"

ein Jahrhundert später (1278) ertönte auf dem Lechfelde das ergreifende Lied:

Sant Mari, munter undde mait. All unfriu Not si dir gekielt", (= geklagt) bei Akkon im Jahre 1291 und 7 Jahre später bei Göll­heim:

In gotes nama fara wir"-

Im Bistum Meißen sind heute rund 150 Weltgeistliche tätig. 90 Pfarrstellen ver­teilen sich auf das ganze Land und suchen von bestinmmten Zentren aus die Bevölkerung zu er­fassen. Da nicht in allen Pfarreien und überall dort, wo die Katholiken zahlreicher ansässig sind, Kirchen und Kapellen bestehen, so wird der Got­tesdienst häufig in Gastwirtschaften, Kinos, in Fabrikräumen. Scheunen und Tanzsälen abgehal­ten wo immer sich eine einigermaßen würdige Gelegenheit bietet. Man hat da keine große Aus- wähl und muß nehmen, was vorhanden ist. An­derwärts baut man profane Bauten zu kleinen Kapellen um. Auf dem Kamm des Erzgebirges z. B wurde eine alte Gasanstalt erworben und in eine Kapelle verwandelt. Sie trägt den Na- menSt. Maria im Gebirge". Infolge der auf- reibenden Arbeit auf vorgeschobenen Posten tarn- men unter den Geistlichen schwere Erkrankungen vor, wodurch die Zahl der Seelsorger sich immer wieder vermindert. Da im vergangenen Jahr das Theologiestvdium außerdem von 5 auf 6 Jahr ver- längert worden ist, so macht sich gerade tm Mo­ment der Priestermangel stark bemerkbar. Erst Ostern 1932 wird die nächste Priesterweihe im Priesterseminar zu Schmochtitz stattfinden. Auch dieses Priesterseminar ift eine Errungenschaft der ersten 10 Aufbaujahre. Es ist in einem kleinen wendischen Bauerndorf, eine Stunde von Bautzen entfernt, aus einem ehe- maligen Rittergut entstanden. Damit erhielt das Bistum die Möglichkeit, die Alumnen rm eigenen Lande für die praktischen Aufgaben der Diaspora entsprechend vorzubilden. Ueberhaupt ist auf den Ausbau und die Förderung katholischer Lehr­anstalten von Anfang an das «rotzte Augenmerk oerichtet worden. Während m der Blschofsstadt Bautzen eine katholische Oberschule nut Aufbau- klassen besteht, hat Dresden sogar em eige. ne s katholisches Gymnasium erhalten. Rund 300 Schüler und Schülerinnen besuchen es, es besitzt die volle staatliche Anerkennung und alle Rechte. Auch eine weibliche Studienanstalt besteht in Dresden. Rund 7 00 ka t h o l if che L e h r- t r ä f t e gibt es in der Diözese, die allerdings nur zum Teil an den wenigen, katholisch verölte- | denen Schulen tätig sein können. _ ,

Neben den Weltpriestern sind Angehörige ver­schiedener Orden und Genossenschaften nach Sachsen gekommen. So die Jesuiten und Dominikaner, die Oblaten und Pallotmer Frei lick stellen sie nur eine kleine Zahl von Patres, dw mit Arbeit überhäuft sind. Man hat den Wun^ in Sachsen, die Niederlassungen mochten sich vergrößern, damit so in etwa den

die Last etwas erleichtert werde. Katholtzche Or- densschwestern sind ebenfalls eifrig tätig: die Grauen ©dimeftern, Franziskanerinnen und Na Mtetbtoroeftern die Borromaerinnen, Zisterzien- ferstmem Vinzentmerinnen, die Schwestern von der Genossenschaft Jesu Maria und die Magde

Wunebald beigefetzt wurden.

Als der Leib des heiligen Bonifatius von Mainz nach Fulda übertragen wurde, sangen die Gläubigen, die den Weg säumten, das Kyrieleis. Die ganze Inbrunst inniger, wahrer Frömmigkeit drückte das Volk in diesem himmelanftürmenden Bittrufe aus. Und er wurde der Zellkern, aus dem sich das deutsche Kirchenlied bildete: Man stellte ihm gesungene, deutsche Texte voran; das daraus entstandene Lied nannte man ,,Le>s'. Die älteste uns überlieferte Leis ist ein Lied Sankt Petrus und stammt aus der zweiten Hälfte

Sa"5erfte Jahrzehnte der Arbeit ist getan fchof Dr. Schreiber, der nun Bischof von Berlin ist, kann von sich sagen, daß er d«e des ganzen Landes in höchstern Matze erworben hat. Sein Nachfolger, der neu geweihte Bischof D r. G r ö b e r aus 5er gretbur- qer Erzdiözese wird es

folgen; die deutsche ^etztH^ Gedanken der lateinische fort, z. B.:

In dulci jubilo (In süßem Jubelschall)

Nu singet und fit froh! Unsres Herzens Wonne .

Suit in praesepio (Liegt im Hirtenstall)

Und leuchtet als die Sonne

Matris in gremio

Alpha es et O.

In den Glosfenliedern mirb ber lateinische Gedanke in dem folgenden deutschen Verse wiederholt und erläutert:

Ave maris stella

bis gegrueßt ein Stern im meer.

Tu verbi Bei cella, Du Gottesmuoter her."

Schließlich sind noch die Lieder zu erwähnen deren Berte® °n traf acta (= Gegenstücke) sind Um die schöne Melodie eines weltlichen Liedes m: der Küche nerwenden zu können, wandelte man den weltlichen T xk ÄS völlig neuen Text unter. So wurde aus dem Liebes lieb' ,chen liebsten Buhlen, den ich han das fromme Lied:den liebsten Herren, den ich hab! Aus

Jnspruck, ich muß dich lassen, ich fahr dahin mein straßen, in fremde Land dahin."

I entstand:

O Welt, ich muß dich lassen, ich fahr dahin mein straßen ins Ewig Vaterland."

1 Auch die Melodie des Liedes

O Haupt voll Blut und Wunden"

I ist einem zarten Liebesliede entlehnt worden.

Gegen 1500 Lieder sind nachgewiesen, die von der Reformation gesungen wurden. Dar- unter ist mancher minderwertige Erguß, m der Ze,i der Gärung, de- Wachsens ganz natürlich - es 6ehn den sich aber sehr viele Gesänge darunter, die uns Neck und Ehrfurcht einslöhen vor ber Zeit, m ber solche L-e ber entstehen konnten. Ein herrliches Denkmal hat sich die deutsche Volksseele in ihren frommen Liedern g^etz, ein Denkmal, das zeugt von starkem Glauben: und G : vertrauen, von echter Marienmmne und wahrer From i migteit

Im 13. Jahrhundert führten die Mi NN es an ge r I herrliche Perlen dem Schatze des deutschen Kirchenlie­des zu. Besonders fang der trefflichste unter ihnen, Walther von der V°g°lwe,de des Allerhöch­sten und vor allem der Gottesmutter Lob und feuerte die Ritter zum Zuge nach Jerusalem an durch seine kraftvollen Kreuzeslieder: »Viel sunge wäre Minne undNu alreft leb ich mir werde, (- Nun erst bin ich mir wert.)

Im 14. Jahrhundert sucht Hungersnot und Pest das deutsche Vaterland heim. Furcht und Not läßt die gequälten Herzen erbeben, dieGeißler durch­ziehen die Lande, um durch strenge Buhe den erzürnten Himmel zu besänftigen. Immer dunkler ward km-> Ge­schick für Deutschland. Wegen Ludwigs von Bayern Streite mit der Kurie traf der Fluch des Interdiktes das I deutsche Land. Das Herz des deutschen Mannes wurde zerrissen von dem Zwiespalte zwischen der Treue zu feinem König und der Treue zum Papste. Froher «ang verstummte, nur die schaurigen Lieder der Geißler er­regen und erschüttern die Seele des Bottes tn ihren Tiefen.

Und doch zeigen sich schon in dieser trüben Zeit die Boten eines neuen Frühlings für das Kirchenlied, d Mystiker. Unbekümmert um die Wirren der Zett schaffen sie gefühl-tiefe Lieder; alle uberstrcchlt Jo- I Hannes Tauler mit feinem anmutigen Gesänge.

Es kornpt ein Schis gefahren".

Wundersame Gesänge schenkte uns der Mönch von Salzburg, der viele Hymnen und Sequenzen m «e deutsche Sprache übertrug, z. B.:Dem sande spnttu inKum sanfter troft, heiliger geyst , ,-Ut Oueartt lax, indas hell ausklymmen, deiner diener stymmen, Pange lingoa" inLobt all zungen des erereidjen , 'Lauda, Sian, falvatorem" in Lob, o syon, deinen

I Hailer".

In das 15. Jahrhundert führt uns Heinrich von Laufenberg. Ihm haben wir nebst vielen Origmal- schöpsungen zahlreiche llebersetzungen lateinischerz tttur- chscher Texte zu danken, z. B.:Dem rebemptor gen tiirm" (Kum har, erlöfer Volkes 1^),Agnoscat faecuhim" (Bekenn nun alle weite schon)Ave maris stella" (Bis gegrüßt, stern im mere).

Aus der nachhaltigen Beschäftigung mit ben latei­nischen Gesängen erklärt sich, daß so viele Lieder latei­nisch-deutscher Mischpoesie vorkommen: b,e Misch-" undGlosfenlieder". Mischlieder sind solche >n | denen lateinische pick deutsche Berszeilen aufeinanber*

Deutsche Kirchenlieder vor der Reformation |

d.E° «°ch-»o-d m d-m M». I M. M-l-d.- M I

gelange entsprossen, der mit dem Heimischwerden des Christentums in Deutschland eingeführt wurde. Dos | sangesfrohe, gläubige Volk übernahm aus der Liturgie basKyrie eleison"! und verwandte es bei allen mög­lichen Gelegenheiten: vor und nach der Predigt, bei Wallfahrten und Prozessionen, bei Nachmittagsandachten und Betstunden, beim Empfang, hoher Persönlichkeiten, ja sogar vor der Schlacht erscholl dieser Bittruf aus dem Munde des Volkes. Er ertönte aus der versammelten Menge, als im Jahre 777 die Gebeine des heiligen

Die erste Etappe einer Aufbauarbeit. - 10 Jahre Bistum Meisten.

auf ragendem Felsen war das Wahrzeichen der bt-

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