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MIMMÄMMM

Vellage zur Fuldaer Zeitung

Itr. 155

NILS

9. Iull

Die Seele.

Die Seel' ist ein Kristall, die Gottheit ist ihr Schein; Der Leib, in dem du lebst, ist ihrer beider Schrein.

Schließ mich, so streng du willst, in tausend Eisen ein, Ich werde doch ganz frei und ungefesselt sein.

Ich selbst muß Sonne sein, ich muß mit meinen Strahlen Das farbenlose Meer der ganzen Gottheit malen.

Wie töricht tut der Mann, der aus der Pfütze trinkt, Und die Fontäne läßt, die ihm im Haus entspringt.

Angelus Silesius.

Und hattet ihr die Liebe nicht...!

Die Zeiten sind ernst; groß ist die Not. Die Geißel der Arbeitslosigkeit liLgt schwer auf unserem Volke. Aus dunklen Gassen ruft es nach menschenwürdigen Wohnungen. Dünne Kinderhände strecktn sich euch ent­gegen aus dunklen Hinterhöfen und Baracken. Kinder­seelen schreien aus diesen Verhältnissen, von der Schat­tenseite des Lebens, um Hilfe, damit sie nicht in der Umgebung von Verbrechen und Unsittlichkeit verkommen.

Dor kurzem traf ich mit einer Mrsorgerin aus dem Industriegebiet zusammen. Cs waren schreckliche Bil­der, die sie mir entwarf, Bilder, die kaum eine Kinozen­sur passieren dürsten. Und doch Bilder aus dem Kino des Lebens, von ihm selbst gezeichnet. Ob ihr es glaubt? Glaubt, daß von 120 Sechs- bis Zehnjährigen 70 Prozent keine Vorstellung von einem Sonnenaufgang hatten, daß sie kein Aehrenfeld gesehen, kein Dorf, keinen Berg kannten? Oh ihr glaubt, daß von 2400 Kindern 1645 kein eigenes Bett hatten, 572 keinen Mantel be­sitzen? Doch dies sind Tatsachen, nackte Tatsachen. Schade", sagte mir die Fürsorgerin, ein gütiger, vor­stehender Mensch, ,-schade, daß unsere Welt so dahin­lebt, als ob es gar keine Not gebe, daß soviele über­haupt nicht drum wissen, sich nicht darum kümmern und soviele nichts davon wissen wollen, nichts ahnen von der Verbitterung und Verzweiflung, die aus diesen Menschen spricht."

Was helfen uns Plakate an den Säulen mit der Auf­forderungGebt euren Kindern Obst!" Ironie in die­sen dunklen Behausungen, wo man nicht genug Brot zu essen, keine Windeln hat, die Kinder einzuhüllen.

Gestern traf ich eine Dame, die braungebrannt von einer Erholungsreise in der Schweiz zurückgekehrt ist. Wißt ihr, was sie mir sagte?Schade, daß man so wenig Geld hat und nur so kurze Zeit bleiben konnte. Aber im Herbst reisen wir nach Italien." Ja, schade, daß man solchen Menschen nicht einmal die Augen öffnen kann, ihnen sprechen von Christi Wort, daß der­jenige, der zwei Röcke hat, dem einen geben soll, der keinen hat. Es gilt auch heute noch.

Wer heute so gemütlich seinen Schlendrian weiter­lebt und glaubt, sich nichts versagen zu brauchen, wenn er das Geld dazu hat, wer sich alles an- und umhängt, sich sein Heim nach der neuesten Mode ausstattet, ohne für andere einen Pfennig übrig zu haben, der ist von Christi Jüngerschaft weit entfernt. Die große körperliche und sittliche Not unseres Volkes legt uns eine große Verantwortung auf die Schultern. Greifen wir ein mit Wort und Tat verwenden wir einmal eine Summe, die wir für ein Vergnügen ausgeben wollten, dazu, einem armen Kind einen Ferienaufenthalt zu er­möglichen. Denn nur soviel bist du Christ, als du die Liebe hast, die Liebe zu deinen Brüdern!---

Vater, warum bin ich immer so allein?

Vater, warum ist unsere Stube so dunkel und klein? Und andere Häuser sind hell und groß.

Und andere Kinder sitzen auf Mutters Schoß

Und unsere Mutter ist auf Arbeit bis in die Nacht. Und unsere Mutter hat keinen Abend gelacht.

A. Moll.

Der Säugling im Sommer.

Don Dr. med. Alfred Schuchardt -Köln.

Man kann unsere jungen Mütter nicht oft genug auf das aufmerksam machen, was im Hochsommer in der Säuglingspflege zu tun ist. Es gibt da gewisse Regeln, die man beachten und sich ein für alle Mal einprägen muß. Das erste Gebot lautete: Halte das Zimmer kühl Es muß fleißig gelüftet werden, der Fußboden ist feucht zu halten, was man am besten durch mehrmaliges Put­zen am Tage bewerkstelligt. Läden und Vorhänge schützen .das Kind vor direkter Sonnenbestrahlung. Das kühlste Plätzchen in der ganzen Wohnung ist für den Säugling gerade das am allergeeignetste. Bei Nackt sind natürlich die Fenster zu öffnen, jedoch hat die Mutter darauf zu achten, daß das Baby nicht direkter

Viola.

Don Charlotte Ursina.

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Viola war stehen geblieben mitten im Zimmer.

Ach, du?" sagte sie gedehnt, und endlich mußte auch sie lachen.

Mia" und plötzlich war es Viola peinlich, daß sie so neulich bei Mia Möllendorf angerufen. Wie gut, daß sie wenigstens nicht ihren Namen hinterlassen hatte.

Ja, da staunst du, was?"

Mia trat näher und schlug die Tür hinter sich zu.

Ich hätte dich tatsächlich nicht erkannt" gestand Viola.

,Zch auch nicht, Madame Heinzius! Ist ja auch eine junge Ewigkeit her, daß wir uns nicht gesehen haben. Das letzte Mal, wenn ich nicht irre, beim rührenden Ab- schiedssest auf der Penne, als alle auseinanderflogen."

Ja, ich glaube, so lange ist es wohl her" nickte Viola.

Aber willst du denn nicht Platz nehmen" Sie rückte Mia Möllendorf einen Sessel an ihren Fenster­platz.

Feines Wetter, was direkt zum malen!" Mia lachte.

Also, Madame Heinzius, ich will doch wenigstens et­was norddeutsche Kultur anlegen. Bitte also vor­erst mal vielmals um Entschuldigung, um dieses Her- «inpoltern, ohne Vijstenkarte ohne vom Zimmer­

Zugluft ausgesetzt ist. Selbstverständlich hält man auch das Kind nach Möglichkeit kühl. Die leichtesten Kleider werden den kleinen Strampelfritzen angezogen, um kei­nen Preis darf ein fester Wickel gemacht werden. Leichte Kleidung braucht der Säugling auch im Freien, ebenso leichtes Bettzeug, am besten eine Kolter, mehr nicht. Bei sehr großer Hitze wird das Kind auch ganz nackt in sein Bettchen gelegt, stets ist jedoch für einen Sonnenschutz des Köpfchens zu sorgen. Ein Bad täglich gehört zu den Selbstverständlichkeiten, für öfteres Baden wird jeder Säugling dankbar sein, denn die Ausdünstungen des Körpers verlangen nach sorgfältiger Reinigung. Stets ist frische Wäsche bereit zu halten. Das Trocknen der Win­deln im Winter ohne sie auszuwaschen muß schon als Schlamperei bezeichnet werden, im Sommer ist es ein hygienisches Verbrechen. Muttermilch wird von keiner anderen Nahrung im Sommer übertroffen. Wer sein Kind in der heißen Jahreszeit abstillt, handelt zum min­desten fahrlässig. Stillen im Sommer mag für manche Mutter Unbequemlichkeiten mit sich bringen, aber das Kind bleibt gesund dabei. Das muß schließlich die Hauptsache sein. Ueberhaupt kann man in der Ernäh­rung nur allergrößte Sorgfalt anraten. Keine Experi­mente machen! Höchste Vorsicht ist bei allen Obstsäften am Platz, lauwarmer ganz leichter Tee ist auch für den Säugling ein vorzügliches durststillendes und dabei gern genommenes Mittel. Die Milch soll stets frisch fein. Sie darf nicht lange herumstehen, sondern soll sofort nach der Lieferung abgekocht werden. Nach dem Kochen ist die Milch wieder abzukühlen. Daß die Milch auch kühl aufbewahrt werden muß, sollte überflüssig zu be­merken fein. Flaschenkinder sind besonders sorgsältig zu überwachen. Man gehe lieber einmal zu viel, wie einmal zu wenig mit ihnen zum Arzt. Es schadet auch garnichts, wenn der Säugling im Sommer jeden Tag gemessen wird, um Temperaturschwankungen sofort fest­zustellen. Ebenso darf das regelmäßige Wiegen nicht vergessen werden, dabei bedeutet aber eine geringere, wie die normale Zunahme nicht immer eine Störung der Gesundheit. Unter der warmen Witterung leidet natür­lich auch ein Säugling wie jeder andere Mensch. Er nimmt dann mitunter weniger Nahrung zu sich, verdaut auch schlechter usw. Daraus erklären sich dann die Mindergewichte, die als vorübergehende Erscheinu-ig nicht ttagisch genommen werden müssen. Zuguterletzt sei auch noch darauf aufmerksam gemacht, daß Mutter oder Pflegepersonen sich im Sommer besonderer Sauberkeit an ihrem Körper zu befleißigen haben. Man hat nämlich festgestellt, daß Kleinkinder sehr empfindlich gegen Aus­dünstungen, insbesondere Schweiß, sind, was mitunter zu verminderter Nahrungsaufnahme führt.

Etwas von der Wege der Ladekleiduug.

. Eine nur zu notwendige Mahnung.

Mit der Kleidung pflegt man im allgemeinen recht sorgfältig umzugehen, denn erstens steht ein ungepfleg­tes Kleidungsstück nicht schön aus und zweitens kostet die Neuanschaffung in heutiger Zeit viel Geld. Nur die Badekleidung ist im allgemeinen ein Stiefkind bei Jung und Alt, von einer pfleglichen Behandlung derselben ist keine Rede, obwohl doch heute ein guter Wollschwimm- anzug weit über 20 Mark kostet, also immerhin im Klei­derbudget einen Wertgegenstand darstellt. Sehr viele haben überhaupt keine Ahnung, wie man Badekleidung und Badewäsche behandeln muß, deshalb seien im Fol­genden ein paar Hinweise für die gegeben, die es an­geht. Wer sie befolgt, wird die Freude haben, daß tue Verkleidung jahrelang ihre schöne Form und Farbe behält und daß man demgemäß auch viel Geld spart. Vor allem darf das Schwimmtrikot nicht in der Sonne getrocknet werden, ein Fehler, der immer wieder gemacht wird. Nach dem Schwimmen wird es in klarem Wasser ausgewaschen, gut ausgewunden und auf die Rückseite gedreht. Das Trocknen darf nur im Schatten, niemals in praller Sonne geschehen. Von Zeit zu Zeit schadet es dem Badetrikot garnichts, wenn es einmal gebügelt wird, was zur Erhaltung feiner äußeren Paßform bei­trägt. Ueberhaupt ist es notwendig, alle Badewäfche vor neuem Gebrauch gut durchzutrocknen. Das Badetuch und der Bademantel müssen öfter gewaschen und gekocht wer­den, deshalb empfiehlt es sich, wenn man nicht weiße Stoffe wählen will, die immer noch die hygie­nischsten sind, wenn es Frau Mode auch nicht Wort haben will, indanthrenfarbige Gewebe zu wählen, die ein kräftiges Kochen vertragen. Gerade Badetücher und Bademäntel sind oft durch die Feuchtigkeit, die sie fortge­setzt bestimmungsgemäß aufsaugen müssen, wahre Brut­stätten für Bakterien und Keime aller Art, umsomehr wenn sie in Bade-Bassins benützt werden, wo im Laufe eines Tages mancherlei eingeschleppt wind. Farbige

mädchen meinen Besuch anmelden zu lassen, ohne ohne gehörige Besuchstoilette.

Kurz und gut, gestern angekommen, lese ich eben beim Frühstück aus voller Faulheit und Nichtunterneh­menkönnen in der Hotelliste nach Viola Heinzius krabbeln Na, so was denk ich! Und Zimmernummer geb. ter Gruiten Ich denk' mich sollt das Aeffchen 4? Also meinem Laden schnurgerade gegenüber Was hat da ein Zimmermälxyen anzumelden? Was täte da eine Visitenkarte noch nützen und ein Be­suchsanzug bei .dem Wetter? in dieser idyllischen Be­haglichkeit und ob ein Pyjama etwa kein Gewand zum Besuche machen wäre, also kurz und gut Ma­dame Heinzius,"

Mia schnellte mit einem gehörigen Wupp aus dem Sessel, verneigte sich vor Viola.

Meine Aufwartung, Madame Heinzius! Meine un­tertänigste Aufwartung."

Bist also immer noch die alte? lachte Viola hell auf.

Immer noch die alle, die meschuggene, bas Mal­weib kurzweg gesagt! Stimmt, Diolchen!" Mia plumpste wieder in den Sessel, daß er in den Sprung­federn krachte.

Aber ich freue mich wirklich, dich mal wiederzu­sehen!" sagte Viola aufrichtig und reichte Mia ihre kleine Hand.

Ganz auf meiner Seite; selbstverständlich, Madame Heinzius!" und Mia drückte diese kleine Hand zwischen ihren knochigen, groben Fingern, daß Viola am liebsten aufgeschrien hätte.

Hier trifft man sich also wieder!" meinte Viola etwas nachdenklich.

Bademäntel dürfen ebenfalls nicht im Schatten getrock­net werden. Bügeln erweist sich auch hier von Zeit zu Zeit als notwendig Die Badeschuhe werden am besten sofort nach dem Verlassen des Wassers mit trockenen Strandschuhen vertauscht. Dies empfiehlt sich insbeson­dere in Bädern mit stehendem Wasser in Becken, da durch die Badeschuhe mancherlei Schmutz eingeschleppt wird. Man halte sich also ein Paar Wasser- und ein Paar Strandschuhe. Die Wafserschuhe werden gut aus­geschüttelt, leicht gedrückt, damit möglichst viel Wasser entfernt wird und dann an der Lust frei, hängend ge­trocknet. Auch die Badekappe verlangt ihre Pflege. Beim Einkauf derselben achte man schon daraus, daß man keine verlagerte Ware bekommt. Der beste Gummi ist für die Badekappe gerade gut genug. Deshalb lege man lieber etwas mehr an, es macht sich durch verlän­gerte Haltbarkeit bezahlt. Die Gummibadehaube wird nach jedesmaligem Gebrauch mit einem Leinenlappen abgerieben außen und innen und an der Luft ge­trocknet. Alle paar Tage reibt man die Außenseite mit etwas Salatöl und einem weichen Wolläppchen ab, um die Geschmeidigkeit des Gummis zu erhalten. Die gleiche vorbeugende Maßnahme wird auch im Herbst angewandt, wenn die Badekappe im Winter nicht gebraucht werden soll. Sehr vorsichtig sei man mit dem Dehnen und Aus- weiten jeglicher Badekleidung. Man tut da leicht des Guten zu viel und nichts sieht unschöner aus, wie ein schlecht sitzendes Badetrikot.

Vorsicht beim Trinken im Sommer.

In heißen Sommertagen hat jeder Mensch mehr als das Bedürfnis zu trinken als zu essen. Zu viel trinken ist nicht gesund, denn es belastet den Magen und in nichr geringem Grade das Herz. Durst zu leiden, ist nicht angenehm; darum soll die Hausfrau für die Sommer­tage für ein durststillendes, gesundes Getränk sorgen. Reines, klares Wasser ist für die meisten Menschen zu­träglich, aber gerade in heißen Sommertagen nicht im­mer von einwandfreier Beschaffenheit. Und dann ist es auch nicht nach jedermanns Geschmack.

Ein angenehmes, erfrischendes und des Zuckergehaltes wegen auch nährendes Getränk sind Limonaden aus Fruchtsäften. Vorzügliche gesundheitsfördernde Er- frischungsgetrüinke ergeben Ausgüsse von däni­schen Teekräutern: getrockneter Waldmeister, Brombeerblätter, Salbei, Huflattich, Lindenblüten, Stief­mütterchen, Pfefferminze und noch viele andere bieten reiche Abwechslung und können einzeln ober gemischt ge­braucht werden.

Man stellt solchen Tee recht dünn her, viel dünner, als man ihn zu Heilzwecken brauchen würde. Er schmeckt bann ausgezeichnet, wenn er leicht gesüßt wird. Fügt man ihm etwas Zitronensaft oder einen anderen sauren Fruchtsaft etwa aus frischem Johannisbeer-, Stachel- beer- oder Rhabarberkompott bei, oder Himbeersaft, Kirschsaft, Orangeade, so erhält man ein einzigartiges Mischgetränk, bas die übliche Limonade an Wohlge­schmack um vieles übertrifft. Namentlich in der Zeit der ersten frischen Früchte sollte die Hausfrau einen großen Steintopf von der herrlichen Tee-Limonade Herstellen und kalt werden lassen, so daß jedermann im Hause bei Bedarf ein schön gesüßtes, kaltes Getränk vorfindet.

H. K.

Die Dame zahlt...

Die Anpassung der fernöstlichen Völker, der Japaner und Chinesen, an europäische Sitten und Ausfassungeo schreitet immer mehr voran, in Japan schneller, in Chino langsamer und unter erbittertem Widerstand vieler, bi sich ihr Volk ohne die alten Traditionen nicht denken kön­nen. Bei der Einführung europäischer Begriffe und Sit­ten kommt es jedoch zuweilen zu ergötzlichen Stilwidrig- teiten kein Wunder: europäische Gebräuche lassen sich nicht vereinzelt, gewissermaßen löffelweise, einführen, wenn daneben alte, eigene Traditionen in Menge be­stehen bleiben. Dafür ein Beispiel. Im alten Japan und China gab es das, was wirAusgehen" nennen, kaum. Jedenfalls nicht für Frauen. Auch die Männer der oberen Klaffen besuchten nur sehr selten einmal ein Teehaus, das sich mehr als Sammelstätte des gewöhn­lichen Volkes erhielt. Neuerdings jedoch ist in Japan kommen. Es gibt jetzt alenthalben schon schön einge­kommen. Es gibt jetzt allenthalben schon schön einge­richtete Lokale nach europäischer Art. Und zwar nimmt

der ausgehende Japaner ober Chinese auch seine Frau mit. Aber es gibt eine alte schwierige Tradition zu überwinden: nämlich im fernen Osten führt die Frau das Portemonnaie, nicht der Mann. Die Frau macht sämt­liche Einkäufe, bestreitet den Haushalt, bezahlt die Miete soweit es so etwas gibt. Der Mann hat nur mit der

Vermögensverwaltung im großen zu tun; das Porte­monnaie in der Rocktasche ist ihm etwas Ungewohntes. Wer was macht das? Mann und Frau gehen aus. und am Ende des Abends winkt eben die Frau denOber" heran, zieht ihr zierlich gesticktes Portemonnaie und drückt dem dienstbaren Geist das Verzehrgeld nebst dem Trinkgeld in die Hand. Der Eheherr ober straft diesen Vorgang mit völliger Nichtachtung; es wäre ja auch ganz gegen seine Würde, wenn er mit ein paar lächer­lichen kleinen Silbermünzen klapoern und sich darum kümmern wollte, daß der Tee bezahlt wird, den er trinkt ....

Der Relsekoffer wird gepackt.

wie macht man es praktisch.

Don Maria Kossenhaschen -Leipzig.

Reisen wäre eine schöne Sache, wenn nur bas Pak­ten vorher nicht sein müßte. Und ba diese Tätigkeit meist in übergroßer Bescheidenheit von den Männern der lieben Hausfrau überlasten wird, muß man toiffen, wie man es anfängt. Dor allem gehört zum Packen Zeit. Es darf nicht in allerletzter Minute damit degon- nen werden, denn das rächt sich schwer an Kleidern und Wäsche, die so sorgsam wie möglich verpackt wer­den müssen, um alle unnötigen Falten usw. zu vermei­den. Doch packen wir einmal schön der Reihe nach!

Ganz unten in den Koster kommen, das weiß wohl jede Frau, die schweren Sachen! Also Schuhe, Bücher, Schreibmaterialien, bas Reisebügelesten, Kleider- und Schuhbürsten, überhaupt alles, was einen Schups ver­tragen kann und nicht zerbrechlich ist. Da der Raum aber im Koffer knapp stt, nutze man allen verfüllbaren Platz aus, d. h. die Schuhe werden mit den Strümp­fen fest ausgeftopft, das hat den Vorzug, daß man bei manchem Stiefelpaar den schweren Leisten zuhause las­sen kann, denn in der Sommerfrische tut zusammen ge­knülltes Zeitungspapier in die Schuhe gesteckt oft die gleichen Dienste. Auch alle leeren Eckchen werden mit Strümpfen, Taschentüchern usw. ausgestopft, es darf nichts beweglich fein, soll im Koffer nicht ein wüstes! Tohuwabohu entstehen.

Hat man bann die Schuhe verstaut, kommt dis Wäsche an die Reihe und zwar die wollene und baum­wollene Unterwäsche der Herren zuerst, dann die Nacht­wäsche, hieraus die Tageswäscke der weiblichen Fami- lienmitglieder und zuletzt die Tageswäsche des Gattern die schon sehr sorgfältig gepackt werden muß, sollen dis Hemdenbrüste nicht unansehnlich am Bestimmungsort ankommen. Die Lücken werden wieder mit Wollsachett Pullower, Strickjacken, Shawls usw. ausgefüllt. In die­ser Abteilung werden auch die Toilettesachen unterge­bracht, wenn man nicht vorzieht, für diese Zwecke einett kleinen Koffer zu unterhalten, was gleichzeitig den Vor­zug hat, daß man bei einmaligem Uebernachten nicht immer den großen Koffer auspacken muß.

Hat die Wäsche ihr Plätzchen gefunden, folgen dis HerrenkleDer. Jetzt heißt es achtgeben und größte Sorfalt anwenden, will man nicht ein greuliches Et­was in der Sommerfrische auspacken. Zuerst kommen die Westen. Sie werden nach innen in der Mitte auf« einandergelegt. Auch die Hofen lassen sich noch verhält­nismäßig leicht verstauen, da sie nur in den Bügelfalten liegen müssen, wobei man die Hose in ihrem oberen Teil noch einmal zusammenlegt, jedoch so, daß die Bruch­stelle nach Möglichkeit beim Tragen unter den Rock kommt. Mit den Jaketts der Herren hat man bann seine Last. Sie werden am besten nicht nach innen ge­wendet, sondern zugeknöpft. Die Aermel legt man seit­lich über den Rock, den man bann flach ausgebreitet und nicht mehr zusammengesaltet in den Koffer legt. Der nächste Rock wird ebenso behandelt, jedoch mutz man darauf achten, daß Knöpfe auf Knöpfe zu liegen kom­men, da es sonst leicht böse Druckstellen gibt.

Ganz zu oberft folgen schließlich die leichten Damen­kleider, Kostüme zuerst, dann Sommer- und Waschkleid- chen, möglichst lang gelegt. Der Koffer wirb bann zum Schluß entweder mit einem Bademantel ober ei­nem Leinentuch abgedeckt, um die Kleider vor etwaigen Witterungs- und Staubeinslistsen zu schützen

Vergiß aber auch nicht in den Koffer die Adresse bet Sommerfrische und der Heimatwohnung zu legen, eine Vorsichtsmaßnahme, die sich schon oft ausgezeichnet be­währt hat.

Zur Gesichts-Brämmn

W Ä Ä SB ÄSSwaM s-x 60 Pf. Zu haben in allen Chlorodont-Verkaufsstellen.

Man wohnt in ein und derselben Stadt und sieht sich nie und ausgerechnet hier" sie schüttelte lächelnd den Kopf.

Bstt du ganz allein hier, Violchen?"

Natürlich!" sagte Viola und wurde etwas besangen.

Mein Mann ist mit meinem Schwiegervater in den Süden gereift. Der alte Herr ist schwer krank gewesen.^

Und Madame Heinzius ist nicht mitgefahren?" Nein!" sagte Viola kurz, und es klang hart. Mia schien etwas verstanden zu haben.

Ist auch hier schön, vielleicht doch am allerschönsten in der weiten Welt" Mia schaute sinnend hinaus in Wetter und See.

Liebst du dieses Helgoland auch so sehr?" fragte Viola eilig.

Schnickschnack! Und ob ich es liebe! Ist doch das erste Stückchen Land, das ich als neugeborener Wurm unter die Wiege kriegte!"

Viola blickte sie erstaunt an.

Wieso?" fragte sie lächelnd.

Na, das war so eine Geschichte! Stelle dir vor, acht vergnügte Monate fristete ich schon ein dunkles Leben int Schoße meiner guten Mutter, ba kriegte mein herzensguter, naturliebender Vater den schnurrigen Ein­fall, sein Kind ich sollte doch selbstverständlich ein Sohn werden, also fein Sohn, sollte auf Helgoland bas Licht der Welt erblicken. Das fand er romantisch! Na, schön und gut, Babykorb unb Kinderwagen, Win­deln und Wickelbänder wurden auf das feudale Schlachtschiff, dieNixe", geladen, die damals noch den Verkehr zwischen Festland und Insel bediente, dazu ka­men Vaters Bildhauerutensilien in Kästen verpackt und dazu noch sonstige nützliche Md unnützliche Mamotten,

und die Ehegatten Möllendorf gondelten auf derNixe" in die Weite. Bis Cuxhaven soll alles tadellos gegan­gen fein. Meine Mutter hatte nicht piep gesagt und mein Vater hatte behaglich seine Pfeife geraucht, da gleich beim zweiten Elbfeuerschiff gings los. Poseidon hatte es mit der Wut gekriegt. DieNixe" machte Bocksprünge, der Sturm spielte Fangball mit ihr und die Wellen Kreisel. Meine arme Mutter wurde in eine Koje bugsiert der Papa warf seine Pfeife vor Angst über Bord. Kein Arzt an Bord, feine Hebamme nichts, gar nichts das einzige, was mein Papa tun konnte, er ließ sich den Windelkoffer holen, er fiel über ihn, stand auf, er mußte meine arme Mutter in ihrer Koje festbinden, damit sie nicht herausgeworfen wurde bei den Tänzen und Sprüngen, die dieNixe" voll­führte. Mit einem Mal schrie mein Vater ganz fürch­terlich auf ausgerechnet mein Vater und ich war mitten auf dem Meer zur Welt gekommen!

Das ist natürlich eine Sensation für das ganze Schiff und eine Stunde später für das Boot, in das wir alle hineingebootet winden und schließlich für ganz Helgoland gewesen.

Na, ja! Geschadet hat uns allen dreien, d. h. mei­nem Vater und meiner armen, allerdings furchtbar elen­den Mutter und mir die ganze Geschichte aber gar nichts. Wir blieben ein halbes Jahr auf Helgoland, unb lch habe mich vorzüglich entwickelt."

Viola mußte wirklich lachen. Diese brastische Artz mit der Mia zu erzählen wußte, griff tatsächlich die Lachmuskeln an.

Das finde ich köfllich, Mia! Das paßt so ganz und gar zu dir!" Viola klatschte wie ein Kind in die Hände.

(Fortsetzung folgt.)