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Itr. 154

Beilage zur Fuldaer Zeitung

S. Juli

katholische Jugend in Trier

Don Studien-Assessor Dr.

theol. F. Murawski.

NILS

gegen den Plan der bürgerlichen Windthorstbund werden besonders daß man der jungen Generation nimmt, weil dann die Kreise, die

Parteien. Wir vom deshalb nicht dulden, jedes politische Recht schon vor dem Welt­

stisch, um zu glauben, daß die deutsche Jugend immer dem größten Schreier nachläuft. Wenn die Jungen, die in Not sind, spüren, daß Männer die Führung haben, die die Zeit verstehen und die etwas sind und können, dann werden sie ihnen begeisterter und entschlossener folgen als die Aelteren, die oft schon stärker durch die Interessen vom Hauptziel abgelenkt werden. Deshalb sollten diejenigen, die auf die Jugend schimpfen, weil sie vielfach den Radikalen nachgelaufen ist, lieber der deut­schen Jugend klar und deutlich das große Ziel zei­gen und sagen, welchen Weg sie für den richtigen halten. Und das große Ziel ist: die Erhaltung und Stärkung des deutschen Reiches, des deutschen -> Volksstaates und der Neubau Europas. Wenn man die deutsche Jugend in der rechten Weise zum Kampf für dieses Ziel auf­ruft, dann wird sie nicht auf die Soldatenspielereien der Rechtsradikalen und nicht auf die Klassenkampshetze der Linksradikalen hereinfallen, sondern zu einem Geschlecht heranwachsen, das Europa neugestalten kann.

Weil wir an die deutsche Zukunft glauben, sind wir

kriege politischen Einfluß hatten und außerstande sind, die Nachkriegszeit und ihre neuen Aufgaben mit fri­schem Mut und klarem Verständnis anzupacken, ihre Macht zum Schaden unseres, Vaterlandes noch weiter ausdehnen. Die Jugend steht vor den Toren und darbt, weil Deutschland durch die unkluge Politik der Männer der Vorkriegszeit so tief gesunken ist, währen- diese Kreise heute immer noch die viel zu hohen Pensionen beziehen und die Jugend von ihrem Weg in die Zu­kunft abdrängen möchten. Wir wisien, sie tun das nicht aus bösem Willen, sie wollen vielfach das Beste für Deutschlay-; aber ihnen fehlt das Verständnis. Wir Jungen wollen die breite Kluft, die zwischen den An­schauungen der alten und jungen Generation besteht, gewiß nicht noch vergrößern, im Gegenteil, wir möchten die Schroffheit der Gegensätze mildern. Aber wir ver­langen auch, daß wir, die wir die Folgen des Krieges in unserem ganzen Leben hart spüren werden, politisch nicht entrechtet werden.

Schon um 5 Uhr sind wir am Gare du nord von P a r is. Ein Bekannter ist mit seinem Auto am Bahn­hofe. Nach einer Erfrischung im Hotel fährt er uns durch die Stadt und zeigt uns die Sehenswürigkeiten. Unter diesen den Platz der Eintracht (Place de la concorde) mit einer ägyptischen Säule. Auf dem Platze de l'Etoile ist ein Triumphbogen zur Erinnerung an den Feldzug 1805=06. Unter diesem brennt seit dem Jahre 1920 das ewige Feuer derFlamme du souoenir", zum Ge­dächtnis desUnbekannten Soldaten", der hier beigesetzt wurde. Unter anderem sehen wir auch die Magdalenenkirche. Nachdem sie als Kirche angefangen war, wurde sie von Napoleon I. als Temple de la Gloire weitergeführt, 1840 aber endlich als Kirche vollendet. Sie hat die Form eines korinthischen Tempels. Von der Höhe der Treppe hat man einen herrlichen Blick auf den be­lebten Platz, Boulevard Madeleine und die Rue Royale. Im Giebelfeld ist das jüngste Gericht dargestellt.

Einer der schönsten Punkte bei unserer Rundfahrt ist derM ontmartr e", der Name des Hügels wird ab­geleitet vonMons Martyrum" (Berg der Märtyrer), da hier der Erzbischof von Paris, St. Dionysius mit seinen Gefährten Ende des 3. Jahrhunderts den Martyrertod starb. Hier legte der heilige Ignatius mit sieben gleich­gesinnten Genossen die ersten Gelübde ab und gründete somit den Orden der Gesellschaft Jesu. Die jetzige Kirche heißtB a s ili q u e du S a cre - C o eu r". Weithin ist ihr weißer Bau sichtbar. Sie wurde einst gelobt als Zeichen der nationalen Demut und Buße nach dem Kriege 1870-71, aber erst nach dem Weltkrieg vollendet. Einen gewaltigen Eindruck hinterlassen die herrlichen Fenster und ein gewaltiges Mosaikbild in der Kuppel des Chors. Von der Treppe vor dem Portal aus hat man am Abend einen herrlichen Blick auf die in unzähligen Lichtern strahlende Weltstadt. Der Himmel sieht aus wie ein feuri­ger Streifen. Interessant ist die Moulin rouge, eine alte Windmühle, die in ein Restaurant umgewandelt ist.

Das Straßenleben ist ganz anders, als bei uns. Fast möchte man meinen, die ganze Stadt würde am Abend noch belebter, als sie schon bei Tage ist. Nach 12 Uhr flutet die ganze Bevölkerung von Paris über die Straßen. So ausfallend, wie ein Deutscher es erwarten könnte, ist die Kleidung nicht. Deutsche fallen in Paris

auf durch ihre natürliche Gesichtsfarbe und wegen des Mangels an Schminke.

Da mildes Wetter herrscht, haben die Restaurants der Boulevards auf der Straße Tische und Stühle stehen, die meistens dicht besetzt sind. Daß bei den Franzosen das Theater sehr viel gilt, sieht man an der vielfältigen Licht­reklame, die für die verschiedenen Theater gemacht wird. Laufende Schriften in vielerlei Farben lenken die Auf­merksamkeit der Passanten auf sich. Hier steht ein Esel, der mit seinen Hinterfüßen Buchstaben wirft und dort sind 2 Tiger, die dasselbe tuen. Paris gleicht einem großen Lichtmeer.

Am folgenden Tage besichtigen wir den auf dem an­deren Seineufer liegenden Teil der Weltstadt. Wir gehen über eine Brücke und kommen zur berühmten Kirche Notre Dame de Paris". Sie ist eines der herr­lichsten gotischen Gotteshäuser Frankreichs. Im Inneren fesseln unseren Blick die schönen Fensterrosetten in den prächtigsten Farben, wie ich sonst noch keine gesehen habe. In der Sakristei ist der Kirchenschatz aufbewahrt, der aus wertvollen Monstranzen, Kelchen und Gewändern besteht. Sogar aus der Zeit Karls des Großen sehen wir noch Gegenstände.

Jeder, der Paris besichtigt, wird wohl auch den Ei f f e l t u r m besuchen. Er ist 300 Meter hoch, ganz aus Eisen gebaut und besitzt mehrere Stockwerke. Auf einer dieser Etagen ist die Radiostation. Leider ist es trüb, so daß es sich nicht lohnt, hinaufzufahren oder ihn zu ersteigen.

Weiter erwähnenswert ist der I n v a l i d e n d o m, in dem sich der Sarkophag mit den Gebeinen Napo­leons I. befindet. Und was uns Deutsche interessiert, neben dem einstigen Herrscher Frankreichs ist die Leiche seines Bruders Joseph, des Königs von Spanien und des Königs von Westfalen, Jeröme Bonaparte, beigesetzt, der einst in Kassel seine Residenz hatte.

Von Paris aus machen wir einen Abstecher nach Versailles". Ich bin schon sehr gespannt auf dem Wege vom Bahnhofe zum Schloß, wie es eigentlich aus­sähe. Denn ich hatte schon früher gehört, daß das Schloß meines Heimatstädtchens nach dem Vorbild des großen Palastes gebaut fei, was ich auch bestätigt finde. Aber

überwältigend war diese Kundgebung der inneren Einheit. Der Festzug führte 15000Jungmannen durch die Straßen Triers nach dem Dom; der Gedanke an das Vaterland durchdrang noch einmal in einem Fest­spiel die Seelen. Die Sturmbanner wogten, die Lieder schallten froh; beim Vorbeimarsch vor dem Bischof grüßte die Jugend in ihm die Kirche mit frischemTreu Heil!" Die starken Abteilungen der Sturmschar, der Pfadfinder, nicht zum wenigsten die Schar der Präsides sie alle kündeten von dem großen Jugendreich Deutschlands, des­sen Vertreter sie waren, zum Erstaunen so mancher Leute, denen die katholische Jugend noch eine unbekannte Größe war. Zum Schluß segnete Christus selbst im

Zuge durch das Dorf zur Gesellentagung im Rieserschen Saale. Kaplan Sauer konnte nach dem zündenden Pro­log eines Gesellen außer dem Herrn Generalpräses, den Herrn Landrat Freih. v. Gagern, viele Präsides und eine stattliche Anzahl Ehren- und Schutzmitglieder un­serer Vereine begrüßen. Es waren väterliche Worte, die der Generalpräses unter der größten Aufmerksamkeit der Anwesenden in fast einstündiger Rede an die Versam­melten richtete. Ein außergewöhnlicher Beifall bekun­dete dem Generalpräses, wie sehr seine Rede die Her­zen seiner Gesellen ergriffen hatte. Auch der Herr Landrat sprach prächtige Worte über die Bedeutung bei Kolpingsarbeit unter den Jugendlichen unserer Zeit Volk und Vaterland hätten den größten Nutzen davon. Sprechchor und Lieder gaben den Gefühlen der begei­sterten Gesellen trefslichen Ausdruck. Der Familienabend des Fliedener Vereins gab dem Herrn Generalpräses Gelegenheit, gerade den Eltern und insbesondere auch

nicht nur das Schloß gleicht diesem, sondern man sieht, daß auch die Gartenanlagen denen des Parkes als Vor­bild gedient haben. Dem kleinen Falkenluster Jagd­schößchen entspricht ungefähr das große Trianon, in dem Maria Antoinette von Oesterreich lebte. Dahinter liegen um einen See prachtvolle Bauernhäuschen. Wohl am bekanntesten ist in Versailles der Spiegelsaal, in dem 1871 die Kaiserproklamation Wilhelm I. und 1919 die Unterzeichnung des Versall- l e r D i k t a t s ftattfanb. Er ist nach den großen Prunk- spiegeln, die zwischen den Pfeilern eingelassen sind, be­nannt. Die inneren Räume des einstigen Fürstenpalastes sind in ein historisches Museum umgewandelt. Auf der Schloßterrasse befinden sich verschiedene Wasserspeier. Von hier aus haben wir einen herrlichen Blick auf die Parkanlagen mit dem großen Kreuzsee, den vielen Mar­morstatuen und den prächtigen Gebäuden.

Einen weiteren Abstecher machen wir nach L i s i e u x, einem der größten Gnadenorte Frankreichs. Es ist er­greifend, wie alle Nationen der Erde, Europäer, Asiaten, Amerikaner oder Aftikaner in den mannigfachsten Trach­ten und mit den verschiedensten Anliegen hier Zusammen­kommen und die kleine Theresia vom Kinde I e s u um Erhörung bitten. An den Wällen der Kirche kann man die vielen Dankesbezeugungen lesen für die Hülfe, die auf Fürbitte der jugendlichen Heiligen den Gläubigen zuteil wurde. In einer Kapelle, in der ein mit Gold reichlich verzierter Glasschrein die letzten Ueber- refte der Heiligen birgt, drängen sich die Pilger in gro­ßen Scharen. Neben der Kirche ist ein Zimmer, in dem verschiedene Erinnerungen an die Heilige aufbewahrt werden. Dicht aneinandergedrängt durchschreiten die Pil­ger diesen Raum, um die Reliquien zu besichtigen.

Wenn wir weiterwandern durch die Straßen und engen Gäßchen, in denen noch Häuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert stehen, so gelangen wir fast am Ende der Stadt zum einstigen elterlichen Hause Theresias. Wie eigenartig mutet eine mder Gedanke an:Hier wandele ich durch Räume, in denen erst vor einem knappen Men- schenalter eine jugendliche Heilige gelebt, gebetet, gelernt, gearbeitet, gespielt hat". Denn es erinnern Möbel, Spiel­sachen, Bilder und Briefe an ihr Leben und ihre Tätig­keit in diesem Hause und im zugehörigen (Barten.

der Mädchenwelt die Bedeutung der erzieherischen Ar­beit des Gesellenvereins aufzuzeigen.

Mit wachsender Aufmerksamkeit lauschten die Anwe­senden den Ausführungen des jetzigen Gesellenvaters, die mit köstlichem Humor gewürzt waren. Anspornende Worte lieber Gäste, gemeinsam gesungene Lieder und ein Theaterstückchen trugen mit den ausgezeichneten Dar­bietungen der Fliedener Musikkapelle dazu bei, daß alle Besucher des Abends mit großer Befriedigung auf diese Veranstaltung zurückblicken. Ganz sicherlich hat die Flie­dener Gesellentagung der Kolpingssache im Fuldaer Land und weit darüber hinaus neue Kraft gegeben, auf dem bisher beschrittenen Wege weiterzugehen, sich durch alle Schwierigkeiten der heutigen Zeit nicht verdrießen zu lassen, sondern unter dem Segen des Gesellenvaters Kolping zum Wohl der katholischen Jugend weiterzuar­beiten unter der Parole:

Treu Kolpinz!"

Wander- und Wallfahrten.

Eines Geisser Lakeinschülers Ferienfahrt nach den Pyrenäen und Alpen.

Von Peter S ch m i 11 e r.

Viel heißt es, zum ersten Male eine weite Reise zu machen, bis zum Atlantischen Ozean, an Spaniens Grenze und zum Mittelländischen Meere. Und dieseFreude sollte mir in meinen Ferien bereitet werden, weit in frem­des Land hinein zu fahren, fremde Sitten, Gebräuche und Sprachen kennen zu lernen.

Am ersten Tage fahren wir über Aachen, der deutschen Grenzstation und Herbesthal der belgischen, wo Paßrevi­sion ist. Wir müssen uns noch ein Visum fürBelgien geben lassen. Am Bahnhofe liest man französisch, flämisch und deutsch. Daß wir uns am Grenzübergange befinden, kommt uns zum Bewußtsein, als sich ein Geldwechsler mit feiner Kasse nähert. Er wechselt deutsches, belgisches, englisches, holländisches und französisches Geld um. An einem Tische ist eine Tabelle, worauf die Geldkurse ver­zeichnet sind.

Die Fahrt geht durch eine industriereiche Gegend. Die Kamine rauchen. Diele Fabrikschlote und Schachttürme ragen zum Himmel. Zahlreiche Abraum-Hügel erblickt man rings herum. Auch Kanäle sehen wir, auf denen Kohlenschleppkähne langsam einher fahren. Fast hoben wir den Eindruck, wir seien im Ruhrgebiet. Die nächste Station ist Verviers, hieraus folgt Pepinster und Lüttich.

Immer näher kommen wir der französischen Grenze. Das Gebiet wird ärmlicher und schon sind wir über die belgische Grenzstation Erke linnen hinaus und kom­men nach Jeumont, der ersten französischen Station. Wiederum ist Paßrevision. Eine Frau geht durch den Zug und fragt nach Tabak, Zigarren und Zigaretten. Das Treiben am Bahnhof ist nicht so rege wie in Herbeschal.

Wir fahren durch die Schlachtfelder des Weltkrieges; zerfallene Häuser, zerschossene Bäume und alte Schuppen aus Wellblech erinnern noch an die furchtbare Zeit. Wir kommen über Maubeuge, der Stadt, der sich wohl viele erinnern können und deren Namen ich schon aus dem Munde vieler Kämpfer des Weltkrieges gehört habe.

Der Gesellentag in Flieden.

Es gibt Leute, die gemeint haben, man sollte in der jetzigen Zeit solche Tagungen und Zusammenkünfte, wie sie der Gesellenverein Flieden auf den 4. und 5. Juli einberufen hatte, lieber unterlassen. Es ist das sicher richtig, wenn es sich um sogenannte Feste handelt, wie sie leider Gottes in ihrer ganzen Oberflächlichkeit und Inhaltslosigkeit noch genug in Stadt und Land aufge­zogen werden. Aber die Tagung der katholischen Gesel­len des Fuldaer Landes und der benachbarten Gebiete war mehr als ein bloßes Zusammenlaufen zur Unter­haltung und zum Vergnügen. Dafür bürgt schon die Anwesenheit des Generalpräses Msgr. Hürth und die ganze Programmfolge der Tagung. Schon am Sams­tag nachm. hatten sich 60 Gesellen as 24 Vereinen der Diözese zum Führerkursus in Flieden zusammengefun­den.

Der Heimabend des Fliedener Vereins stand unter dem Thema2 er Geselle in der Wirtschafts - not u,nf er er Tag e". Präses Kaplan Sauer stellte die charakteristischen Gesichtspunkte heraus, die bei der Uederwindung derselben maßgebend sein müssen. Die Aussprache lenkte auf den Kern des Problems hin, den mammonistischen Gei st des heutigen Wirt­schaftslebens, der nur durch die christlichen Grundsätze Überwunden werden kann.

Der Fackelzug des Abends mit dem Flammenspruch des Landessekretärs Joseph B a g u s <mb den zünden­den Worten des Generalpräses bleibt nicht nur den Gesellen, sondern auch der zahlreich anwesenden Be­völkerung noch lange in Erinnerung.

Am Sonntag morgen feierte der Herr Generalpräses unter Assistenz zweier anderer Präsides ein feierliches Hochamt. Diözesanpräses Becker hielt die Predigt über das gerade heute so wichtige ThemaKeine Menschenfurcht sondern Christ en stolz!" Bei der anschließenden vaterländischen Kundgebung hielt Kaufmann Flemming (Bad Homburg) die Ge­dächtnisrede für unsere Gefallenen. Ein dreifaches Hoch auf den alloerehrten Herrn Reichspräsidenten und das ganze Vaterland fand freudigen Widerhall.

Nach der feierlichen Nachmittagsandacht formierten sich an die 400 Gesellen mit über 40 Bannern zum

Sakrament seine Jugend, daß sie wieder hingehe und für ihn kämpfe.

Am Montag fand noch eine Jungland-Ta­gung statt, wieder in Gegenwart des Bischofs. Sie fiel äußerlich nicht auf, ergriff dafür aber umso tiefer die Herzen aller Teilnehmer.

Die Tage von Trier sind vorüber. Manche Einzel­heit ließe sich noch berichten, die das Auge hier oder dort erspähte. Manche Einzelheit wird noch deutlicher wer­den, wenn erst einmal der Film läuft, der während des Tages gedreht worden ist. Die Trierer haben sich auch Mühe gegeben, zum Gelingen der Tagung mitzuhelfen, durch Schmuck der Stadt, Stellung von Quartieren. So wohnten z. B. bei den Barmherzigen Brüdern fünfzig Jungens, dreihundert erhielten am Sonntag dort ihr Mittagessen ohne Vergütung.

Wenn man nun aus all den vielen bunten Bildern einen Gesamteindruck machen und beschreiben soll, dann möchte man sich etwa so ausdrücken:

Die Reichstagung hat wohl in jedem Teilnehmer herzliche Freude an unseren prächtigen Jungen und Jungmännern, herzliche Liebe zu ihnen und Begeisterung für die Sache der Jugend neu geweckt und belebt. In froher Brüderlichkeit fanden wir uns, im Geiste ver­eint mit den vielhunderttaufend, die dem Verband angehören. Keiner wird von Trier nach Haufe gefahren fein ohne den festen Vorsatz, sich bis zum letzten zu opfern für die Christusjugend.

Ja, fürdieChristusjugend! In erschüttern- den Worten wurde uns wieder gezeigt die vielfache Not unserer Jugend, seelische und leibliche Not. Und ebenso wurde uns klar unsere Aufgabe im Dienst des Volkes und der Menschheit. Dieser letzte Gedanke sprang am deut­lichsten hervor, als wir die Vertreter der katho­lischen Jugend aus Belgien, Frankreich, Luxemburg und Polen begrüßen durften. Bei all dem wurde es von neuem jedoch zur tiefsten Gewiß­heit, daß es aus all dieser Not keinen anderen Ausweg gibt als den an der Hand Christi und seiner Kirche. Das Iugendreich der wahren Freude liegt nur im Ju­gendreich der Gnade und der Gotteskindschaft.

Deshalb war die ganze Tagung bewußt durch und durch katholisch. Das hl. Opfer vereinte am Morgen alle Teilnehmer und gab ihnen den rechten Geist für alle Ar­beit. Die Reichstagung hat uns wieder ein Stück weiter gebracht in der Verinnerlichung des Verbandes und feiner Jugendarbeit, und das ist vielleicht der größte Gewinn dieser Tage. Wir können die echte Jugendfreude nur finden bei Gott; wir können aber auch dem deutschen Volk und der ganzen Menschheit aus ihrem Weltfrieden nur heraushelfen, wenn wir selbst auf unerschütterlichem Boden stehen: der aber ist unser Glaube und das Bewußtsein unserer Gotteskindschast. Da stehen wir zusammen mit der Ju­gend der ganzen Welt, wir, die Christusjugend.

Das Wichtigste aber ist: Trier darf nicht erledigt fein! DasLichtundFeuervomApostelgrabmuß hineinleuchten und tjineinbrennen in je de Stadt und jedes Dorf. Wo in Deutschland ein katholischer Junge oder Jungmann ist, da muß er er­griffen werden von diesem Feuer. Seine Augen müssen

Der Knabe.

Ich möchte einer werden so wie die. Die durch die Nacht mit wilden Pferden fahren, Mit Fackeln, die gleich aufgegangnen Haaren In ihres Jagens großem Winde wehn.

Vorn möcht ich stehen wie in einem Kahne, Groß und wie eine Fahne aufgerollt. Dunkel, aber mit einem Helm von Gold, Der unruhig glänzt. Und hinter mir gereiht Zehn Männer aus derselben Dunkelheit Mit Helmen, die wie meiner unstet sind, Bald klar wie Glas, bald dunkel, alt und blind. Und einer steht bei mir und bläst uns Raum Mit der Trompete, welche blitzt und schreit. Und bläst uns eine schwarze Einsamkeit, Durch die wir rasen, wie ein rascher Traum. Die Häuser fallen hinter uns ins Knie, Die Gassen biegen sich uns schief entgegen, Die Plätze weichen aus: wir fassen sie Und unsre Rosse rauschen wie ein Regen.

R. M. Rilke.

Dom Windthorstbund.

_>egen eine Heraufsetzung des Wahlalters auf 25 Jahre.

In der letzten Zusammenkunft der Fuldaer Windthorstbündler kam man bei der Aus­sprache über , die politische Krise in Deutschland auch auf die verschiedenen Vorschläge zur Wahlrechtsreform zu sprechen. Dabei lehnte man einmütig den Plan einer Heraufsetzung des Wahlalters auf 25 Jahre ab. Wenn die bürgerlichen Parteien glauben, sie könnten ihr Herabsinken zur Bedeutungslosigkeit verhindern, wenn sie erreichten, daß die Jugendlichen das Wahlrecht ge­nommen bekämen, so sind sie im Irrtum. Sie können mit solchen taktischen Schachzügen den Radikalis­mus nicht erledigen. Vielleicht kann man durch ein Heraufsetzen des Wahlalters vorübergehend die parla­mentarische Stellung der radikalen Parteien schwächen, in Wirklichkeit werden diese aber weiterwachsen, wenn man nicht in der Lage ist, die Jugend für ein greifbares und großes politisches Ziel zu begeistern. Der Wunsch nach Ausschaltung der Jugend entspringt der Angst und ist zugleich das Eingeständnis, daß die bürgerlichen Parteien sich nicht mehr die Kraft zutrauen, die deutsche Jugend zu führen. Woher sollten die Parteien, wie die Wirtschaftspartei, das Landvolk, die Deutsche Volkspartei usw. auch die Kraft zu dieser Führung nehmen. (Auch in der Zentrumspartei sind immer noch Menschen aus der Vorkriegszeit mit an führenden Stellen, die unsicher ge­worden und deshalb für die Ausschaltung derpolitisch unreifen* Jugend sind. Dabei hat doch gerade die Zen­trumspartei den geringsten Grund, dem Verlangen dm bürgerlichen Parteien nachzugeben; denn die er­wachte katholische Jugend hat sich in ihrer überwältigenden Mehrheit hinter die Partei gestellt, aus der Männer wie Brüning und Stegerwald her­vorgegangen sind.) Die Kraft zur Führung, die Kraft zur schöpferischen Neugestaltung der verworrenen wirt­schaftlichen und politischen Verhältnisse in Deutschland und Europa ist aber erforderlich, um die Jugend dem Radikalismus zu entreißen. Wir sind nicht so pessimi-

Fuldaer Iugendkag

am 30. August.

Der Stadtjugendpfleger teilt mit:

Führer und Führerinnen werden sich bewußt sein, welche Aufgabe ihnen obliegt für das Gelingen un­seres Jugendtages im Schloß garten, bezw. Irrgarten. Deshalb heran an die Vorbereitungen! Programm­punkte A, B 2 u. 3 sind noch nicht in Angriff genom­men. Vollständige Bekanntgabe muß noch vor den Fe­rien erfolgen.

Letztmalig erfolgt die Bekanntgabe der gemein« f a m e n 2 i e b er: 1. Wer recht in Freuden wandern will (2ftg. 3 Str. Tandaradei). 2. Es tönen die Lieder, der Frühling kehrt wieder (Kanon, Spielmann). 3. Wenn die Nachtigallen schlagen (Tandaradei). 4. Sitzt a klan's Vogerl im Tannenwald. (Spielmann). 5. Luget vom Berg und vom Tal. (Singeschiff u. Tandaradei).

Geiger und Lautenspieler, die die Lieder begleiten, kommen später zur gemeinsamen Uebung im Konvikt zu­sammen, ebenfalls die Singegruppen.

T a u b e l, Stadtjugendpfleger.

Das war ein sonniger Tag, als wir nach Trier fuhren zur Reichstagung des Jungmänneroerban- d e s. Die Sonne mußte ja auch niederlachen, wenn so- viel Jugend sich zusammenfand. Die alte Kaiserstadt an der Mosel ist berühmt durch ihre Altertümer: die Kaiser­thermen, die Konstantinsbasilika, die Porta Nigra. Aber diese Altertümer verloren ihren Glanz vor dem Glanz der Jugend, die vom 18.22. Juni die Stadt erfüllte un­beherrschte. Ueberall wehende Fahnen; unter ihnen die Kluf der Sturmschar, die Uniform der Pfandfinder, der schwarze Rock der Präsides, daran silbern das C h r i- stuszeichen blinkt. Draußen vor der Stadt die Zelt- lager der Sturm} d;ar und der Pfadfinder. Das große Vereinshaus derTreviris" gleicht einem Heerlager, so wogt es aus und ein. Ueberall strahlende Jugend, frohe Grüße. Man findet sich schnell, Herz zu Herz wir sind ja Brüder!

Die Eröffnungsfeier, vom Rundfunk über die Welt verbreitet. Begrüßungsansprachen, mit stürmischem Heil"-Gruß ausgenommen. Nach diesem Auftakt dann am Freitag eine Vollversammlung, die die religiöse Stel­lung des Verbandes festlegt; es spricht der Bischof von Trier, der dauernd sich an den Sitzungen beteiligte, und der Generalpräses. Nachmittags Arbeitskreise, in denen wichtige Fragen des Jugendlebens umrissen werden. Abends die Geselligkeit des echten Jugendsrosinnes. Am Samstag gilt die Arbeit der Vollversammlung unserer Stellung zu unserem deutschen Volk. Als ihr feierlicher Abschluß erfolgt die Aufnahme der Pfadfinder St. Georg in den Reichsoer- b anb. Der Nachmittag bringt neue Arbeitskreise.

Der Abend dieses Tages sah die ergreifende Feier der Apostelweihe: am Grab des hl. Apostels Mathias segnete der Bischof das Licht, das dann durch die Diözesanleiter weitergegeben wurde an alle Vertre­ter. Der Zug der lodernden Fackeln trug das Licht Christi durch die stillen Straßen zur Porta Nigra dort stand vor dem Denkmal des Altertums kampfsroh die Christusjugend der neuen Zeit; und über der Porta Nigra leuchtete der Name Christi und uns zur Mahnung, uns zur Freude, uns zum Siege.

Der Sonntag bildete dann mit Pontifikalamt, Festversammlung und Festzug den Süßeren Höhe- punktder Tagung. In der Festversammlung war das wichtigste die Verpflichtung der Führerschaft und

das Grundgesetz des Verbandes