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Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.

Nr. 153

6 scheint sechsmal wöchentlich. Wochenöeilagen: »Die Welt m Bild' undBuchendlätter". Rotationsdruck und Verlag Oer Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrist- ::: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152.

Dienstag, 7. Juli 1931.

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Zahrg. 58.

Die Sachlieserungen verzögern die Einigung

Bilder vom Tage

bet sein.

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Reichskanzler Dr. Brüning hat anläßlich der Einweihung des Ehrenmals in Mainz an Frau Strefemann folgendes Telegramm gerichtet:

Da es mir aus dienstlichen Gründen unmög* lich ist, an der Feier der Enthüllung des Strese- mann-Ehrenmals in Mainz persönlich teilzuneh­men, möchte ich diese feierliche Stunde nicht vor­übergehen lassen, ohne Ihnen, sehr verehrte gnä- dige Frau, erneut zu versichern, daß ich mit der Mehrheit des deutschen Volkes in Dankbarkeit des großen deutschen Staatsmannes gedenke, der lei­der zu früh seiner Familie und dem Vaterlande entrissen worden ist. Strefemann hat an Deutsch­lands Zukunft geglaubt: er soll uns darin ein Vorbild sein."

Dienstag? Die Sitzung des

Dis Schlagzeilen manäzer Zeitungen von der in Paris bereits erzielten Einigung waren etwas voreilig. Auch am Sonntag ist noch on dem Einigungswerk gearbeitet worden und die Arbeit war nicht leicht. Jetzt ist nur noch der Meinungsstreit über die Sachliefe­rung zwischen Frankreich und Amerika in Gang Die geklärten Punkte der Verhandlungen sind in einer amerikanischen Denkschrift, die am Samstag in Paris übergeben wurde, festgelegt.

Das Washingtoner Staatsdepartement ver­öffentlicht diese Denkschrift worin es heißt:

Die amerikanische Regierung erfahre mit Freude, daß die französisch« Regierung jetzt in allen prinzipiellen Fragen mit tl)r übereinstimme.

Lmanuele ^iliberto von Savoyen.

Herzog von Aosta, der Vetter des Königs von Ita­lien, ist im Alter von 62 Jahren gestorben. Der Herzog von Aosta war während des Weltkrie­ges Oberbefehlshaber der 3. italienischen Armee«

Francois Poncek,

der in letzter Zeit auch als Nachfolger Briands ge­nannte Unterftvatssekretär, dessen Agrement ayt Botschafter in Berlin von der französischen Regie­rung nunmehr nachgesucht wurde.

Hoover bleibk fest. Konferenz derVoungplan-Signakare bereits Generalrats der Reichsbank.

nähme zum Sach lieferungsProblem wenig befriedigend sei. Eine Washing­toner Meldung, die von der Pariser Agentur Ra­dio verbreitet wird, geht jedoch noch weiter und behauptet, Präsident Hoover habe erklärt, die ranzösische Antwort sei nicht annehmbar. Das Pariser Journal sagt dazu: Der von Hoover getroffene Beschluß wird nicht verfehlen, die ofst- ziellen französischen Kreise zu überraschen, in denen es aus eine günstige Aufnahme unserer Ant­wort gefaßt war. Die Nichtaufnahme unserer Ant­wort schafft aufs Neue eine Krisen-Atmosphare. Man muß nun genauere Einzelheiten über die Maßnahmen abwarten, die die Washingtoner Re­gierung zu ergreifen gedenkt. Aber bereits jetzt kann man erklären, daß das Vertrauen, das die Welt gegenwärtig so sehr braucht, von der Wen­dung, die die Ereignisse meß)en, nichts zu ge­winnen hat."

Weniger pessimistisch urteilt der Außenpolitiker des Matin, der davon spricht, daß wohl Mei­nungsverschiedenheiten zwischen Amerika und Frankreich bestünden, die sich aber in der Haupt­sache auf Sachlieferungsprobleme bezogen. Zwei­fellos werde die Aussprache, die Flandin, Mellon und Edge Sonntag nachmittag gehabt hätten, Hoover neue Aufklärung geben und es wäre sehr überraschend, wenn an dieser rein technischen Frage trotz ihrer Bedeutung das Eesamtabkommen schei­tern sollte.

totb. Washington, 6. Juli .(Eig. 9ReIb.) In einer Erklärung von hoher amtlicher Stelle heißt es u. a.: Wenn die französische Regierung, nachdem sie durch die französischen Käufer der deutschen Sachliefe­rungen bezahlt worden ist, zustimmen würde, daß dieses Geld Deutschland wieder geliehen würde, dann läge dies im Sinne des Vorschlages des Präsidenten Hoover, ebenso tote die Znr-Ver- fügungstellung des Geldes für die Reichsbahn. Dies ist der einzige Punkt, über den gegen­wärtig zwischen den beiden Regierungen Mei- nungsverschiedenheiten bestehen.

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C. N.B. Paris, 6. Juli. (Eig. Meld.> Wie New York-Heratd erfährt, sollen die Verhandlun­gen der Youngplan-Signatare bereits schon mor­gen in Paris beginnen. Voraussetzung sei jedoch, daß die französisch-amerikanischen Verhandlungen zu einer Einig ung führen. Nach dem Blatt wurde es sich bei der morgen beginnenden Zu- fammenkunft um Vertreter der Länder der Haupt- siqnatare des Youngplanes einschließlich Deutschland handeln. Staatssekretär Mellon und Botschafter Edge würden als Beobachter da-

Die Regierung der Bereinigten Staaten nehme zur Kenntnis: ' Frankreich verzichte für ein Jahr auf die Zahlungen von Deutschland. Das Prinzip der Kontinuität der ungeschützten Zahlungen werde anerkannt, da Deutschland gleichzeitig entlastet werde. Nach dem Vorschlag 'der französischen Regierung sollen d-e Noung-Plan-Zahlungen der Deutschen Reichs- oahngesellschaft an die P. I. Z. wie bisher ge­leistet werden. Derjenige Teil der Zahlungen, der zur Verteilung an die verschiedenen daran be­teiligten Regierungen bestimmt ist, wird der Deutschen Reichsbahngesellschaft als Anleihe roic- vorgegeben und ihr für jede Verwendung, auch zu Anleihen an Die Deutsche Regierung, verfüg­bar sein. Die Zahlung der Deutschen Reichsbahn- gesellschaft nach dem Young-Plan schließe aber nicht den Zinsendienst für die deutsche äußere -= wes-Anleihe von 1924 ein, der von Deutschland selbst geleistet werden müsse.

Nach weiteren Einzelbestimmungen über Zin­sendienst besagt die amerikanische Denkschrift, die Regierung der Vereinigten Staaten nehme zur Kenntnis,' daß 25 Millionen Dollar von der un­geschützten Annuität, die an die B. I. Z. einge­zahlt worden seien, für Anleihezwecke an die mitteleuropäischen Staaten zur Ver­fügung gestellt werden sollen. Die amerikanische Regierung halte eine Annahme dieses Vorschlages durch die Vereinigten Staaten nicht für gerecht­fertigt, nehme aber zur Kenntnis, daß die fran­zösische Regierung einen Schritt seitens der Zen­tralbanken als angemessenen Ersatz für die ur­sprüngliche französische Anregung ansehe i/'e amerikanische Regierung weise jedoch daraus hin, daß ein Schritt der Zentralbanken nicht zum Ge­genstand einer Vereinbarung zwischen den Re­gierungen gemacht werden könne.

Was die Tilgung der ausgesetzten Zahlungen anbelangt, so nehme die amerikanische Regierung zur Kenntnis, daß die französische Regierung letzt bereit sei, sämtliche Rückzahlungen von dem Ende des Moratoriums an gerechnet auf zwei Jahre au = zuschieben. Sie sollen nach dieser Frist, so heißt es in der Denschrift, in einer Zeit von zehn Jah­ren in gleichen jährlichen oder halbjährlichen Be­trägen erfolgen. Die amerikanische Regierung sei mit dieser Tilgungsfrist einverstanden unter der Voraussetzung, daß gewisse andere Fragen in be­friedigender Weise erledigt würden.

Was den Garantiefonds anbetreffe, deute die französische Regierung jetzt an, daß sie diese Frage aus der Debatte /assen könne, soweit die amerikanische Regierung in Betracht komme.

Der Schluß der Denkschrift besagt: Aus dem allem geht hervor, daß anscheinend in der Haupt­frage die beiden Regierungen im wesentlichen übereinstimmen, nämlich: dem Prinzip der Kon­tinuität der ungeschützten Zahlungen; der Art, auf die man Deutschland vollkommene Entlastung durch die Rückgabe als Anleihe der bei der B.J.Z. eingezahlten Summe gewähre; dem Prinzip der gänzlichen Einstellung aller Zahlungen für die Dauer eines Jahres und der Zeitspanne für die Tilgung der eingestellten Zahlungen. Die anderen Fragen seien nicht mehr derart schwerwiegenden Charakters, daß sie einen Grund für die weitere Verschiebung einer endgültigen Vereinbarung zwischen den beiden Regierungen darstellen, vor allem, da sie schwierige Fragen im Zusam­menhang mit dem Young-Plan mit sich bringen würden,' an dem die Vereinigten Staaten nicht beteiligt feien. Die amerikanische Regierung meine, Haß man diese Fragen ruhig einem Sachverstan- digenkomitee der Finanzministerien der hauptsäch­lich beteiligten Mächte überlassen könne, daß sie aber im Geiste des Hoover-Vorschlags erledigt werden müßten. Die amerikanische Regierung biete eine positive Form der Beendigung der Ver­handlungen an, und zwar so, daß die französische Regierung den Vorschlag des Präsidenten an­nehme und alle technischen Fragen, in denen man sich bisher nicht verständigt habe, an ein Sach­verständigenkomitee wie das vorgeschlagene ver­weise diesem aber die Anweisung gebe, daß es die Fragen im Sinne des Hoover-Vorschlags er­ledigt.

Oie Sachlieferungen.

Am Montag vormittag wurde es in Paris klar, daß tn der Frage der Sachlieferungen Hoover mit den französischen Zugeständnissen noch nicht einig ging. ,

Die Pariser Morgenpresse bringt eine Was­hingtoner Meldung des Reuter-Büros, nach der an maßgebender Stelle erklärt werde, Mellon werde beauftragt werden, die französische Regierung da­von in Kenntnis zu setzen, daß ihre Stellung-

Gustav Strefemann, dessen Andenken durch die Enthüllung eines Strefemann -Denkmals in Mainz geehrt wurde. Das Denkmal ist sehr wirkungsvoll gehal­ten und hat feinen Platz am Rhein-Ufer erhalten. In trefflichen Reden wurde bei der Einweihung, u. a. durch den Reichstagspräsidenten Lüde, des langjährigen deutschen Außenministers gedacht. Er hat bekanntlich, nachdem er vor und während des Kriegs noch in nationalistischen Gedanken­gängen sich bewegte, allmählich eingesehen, daß zur Behauptung Deutschlands in der Welt nur Ver­ständigungs-Wille und Zusammenarbeit führen kann. So setzte er die Verständigungspolitik, die vor ihm von den Staatsmännern des Zentrums und der Linken bereits eingeleitet war, in geschick­ter Weise fort. Durch die vorzeitige Beseitigung der französischen Besatzung im Rheinland wurde er belohnt. Der deutlich sichtbare Erfolg hat freilich nicht verhindert, daß die Nationalisten gerade auch Strefemann, bei Lebzeiten und auch nach seinem frühen Tode, als Ziel ihrer krankhaften Haß- Ausbrüche betrachten. Die jetzige Ehrung in Mainz zeigte, daß im heutigen Deutschland für fachlich staatsmännische Arbeit doch noch nicht jedes Verständnis verloren gegangen ist.

ren aus der Arbeitslosenfürsorge, mit der gene- I reiten Kürzung der Arbeitslosenfürsorgesätze und bemängelte die Nichterstattung der zuviel bezahl­ten Lohnsummensteuern. Von dem im Oktober wie- I der zusammenttetenden Reichstag werde erwartet, I daß er eine entschiedene Haltung zeige, um der Lösung der Frage der Doppelverdiener und der der hohen Pensionen näherzukom­men. Es wurde eine Entschließung angenommen, die sich anerkennend äußert zu der Festigkeit in der Führung der Politik durch den Reichskanzler Brüning. In dem Bestreben der Reichsregie­rung, die Finanzlage des Reiches in Ordnung' zu I bringen und aufrechtzuerhalten, erblicke man die I notwendige Voraussetzung zur Anbahnung einer Festigung und Erstarkung der Wirtschaft. Man erwarte von der Reichregierung, daß sie sämtliche Härten der Notverordnung, die sich empfindlich I auswirken, auf die ohnehin schon große Notlage der arbeitnehmenden Schichten beseitigt. Don allen Volkskreisen werde für die Zukunft eine I stärkere Berücksichtigung der Gemeinwohl-Gerechtig- I kett verlangt. \

Reichsarbeitsminister Dr. Sfegertvalö über die weiteren Aufgaben zur Sanierung von Staat und Wirtschaft.

Auf der in Hamm abgehaltenen Ta­gung der Vertrauensleute der katholischen Arbei­tervereine Westfalens ergriff auch Reichsarbeits­minister D r. Stegerwald das Wort. Er führte u. a. aus, mit der letzten Notverordnung I sei der Sanierungsprozeß von Staat und Wirt­schaft noch nicht beendet. Der Reichskanz­ler hat, erklärte der Minister, schon mehrfach aus­gesprochen, daß Der Staat willens fei, aus den Fehlern der Vergangenheit offen die Folgerungen I zu ziehen, daß aber damit noch wenig genützt werde, wenn nicht in der Privatwirt­schaft ein Gleiches geschieht. Die deutsche Privatwirtschaft hat mit vielen Milliarden kurz- I friftigen Schulden Investierungen in ihren Be­trieben vorgenommen und zahlt weiterhin damit teilweise von Woche zu Woche ihre Löhne. Das ist ein unmöglicher Zustand. Damit wird jede zielbewußte und planmäßige Außen­politik unmöglich gemacht. Ein großer Teil der kurzfristigen Kredite muß in langfristige Schulden umgewandelt werden. Auch das Aktien- und Dank- I wesen bedarf einer gründlichen Refonn. Die deutsche Privatwirtschaft ist vielfach in ihren lei­tenden Stellen noch stärker aufgebläht und noch mehr bürnfratifieri als die öffentliche Wirtschaft. Auf dem Gebiete der Ueberkaprta- Itfierung und Ueberrat i ona >lisie - rung gibt es noch viel zu ordnen. Die Dinge sind nicht zu ordnen durch bloßen ein­seitigen Sturm auf die Löhne, das Schlichtungs- I wesen und die Sozialversicherung. Ich lehne es ab, Lohnfrage und Sozialversicherung immer wie­der isoliert traktieren zu lassen.

Die Reichsdank-Generalrals-Sitzung.

Die für Sonntag anberaumte Sitzung des Gene­ralrates der Reichsbank, an der nur ein Teil der Mitglieder des Generalrates teilnahm, war von kurzer Dauer. Allem Anschein nach stand diese Sitzung bereits im Zeichen des französisch-ameri­kanischen Ausgleiches, was teils daraus her­vorgeht, daß in der so plötzlich einberufenen Sitzung des Generalrates feine einschneidenden Beschlüsse gefaßt worden sind. Was die in Aussicht genommenen Maßnahmen betrifft, so han­delt es sich auch jetzt noch um die bereits einge- leiteten Kreditrestriktionen, die je nach der Lage eine Steigerung oder Abschwächung erfahren sollen. Außerdem wurde neben dem Problem der der in Aussicht zu nehmenden Maßnahmen auch die Kreditfrage behandelt und in diesem Zusam­menhang die Her einnehmung des Gold- drskont-Kredits tn Höhe von 50 Mill. Dollar beschlossen. Die Frage der P r o l on- gterung des Rediskont-Kredits ist da­gegen, wie wir erfahren, in der Generalratssitzung nicht erörtert worden.

Die Frage der Herabsetzung der Deckungs­grenze im Rahmen der heutigen Erörterungen hat gleichfalls keine Rolle gespielt.

Unbegründete Besorgnis.

Das Staatsdepartement in Washington ver­öffentlichte ein Telegramm des amerikanischen Bot­schafters in Berlin Sackett, in dem es heißt, Reichskanzler Dr. Brüning habe zugesagt, den I Betrag der auszufetzenden Schuldenzahlungen nicht für Rüstzwecke, sondern in feiner ganzen Hohe I zur Ausgleichung des Reichshaus­halts zu verwenden.

Dr. Brünings Erklärung betreffend Nlchtver- I wendung der gestundeten Beträge für Rüfttingen erweckte in den Washingtoner amtlichen Kreisen große Befriedigung. Man nimmt an, daß da­durch in Verbindung mit der theoretischen Ein­zahlung des unaufschiebbaren Teils der Repara­tionen'in die B. I. Z. allen berechtigten franzö­sischen Wünsche nach politischer Sicherung weit- möglichst entgegengekommen worden fer und Frankreich keine weiteren Forderungen polittfd>er. Art stellen werde. *

Kann wirklich ein vernünftiger Mensch glau­ben, Deutschland wäre heute in der Lage, für Rüstungszwecke Geld auszugeben? Wir sind froh, wenn wir unsere drückendsten Schulden ei­nigermaßen ausgleichen können. Daß die Welt mit einem so " krankhaften Mißtrauen gegen Deutschland geladen ist, gehört zu dem Traurigen, was wir u. a. dem Radau-Nationalismus der Vor- und Nachkriegszeit verdanken.

* Der König des Irak wird am Montag aus Bagdad in Angora eintreffen, um Mustafa Kemal' einen offiziellen Besuch abzustatten. Der Besuch gilt als ein Zeichen der guten Beziehungen, i die jetzt zwischen den Ländern herrschen.

Aus Washington wird gemeldet: Präsident Hoover hat den amerikanischen Schatzsekretär Mellon instruiert, keinem Vorschlag zuzu­stimmen, her den Sachverständigen freie I Hand bei der Regelung der noch nicht erledigten technischen Einzelfragen läßt^ Hoover wünscht viel­mehr, daß die Sachverständigen nur im Sinne sei­nes Vorschlages, also ohne Belastung des deutschen Haushaltes, entscheiden wür­den.

Prälat Kaas über die Notverordnung.

Auf einer Zentrumsversammlung in Trier nahm der Vorsitzende der Deutschen Zentrums­partei Prälat Dr. Kaas u. a. auch Stellung zu der neuen Notverodnung. Auch das Zentrum fei sich über die Schönheitsfehler der neuen Notver­ordnung von vornherein klar gewesen. Diese mußte aber in Kraft gesetzt werden, weil sie die einzige Rettung vor dem f inan stel­len Zusammenbruch bedeutete. Sobald die finanzielle Auswirkung der Notverordnung gesichert sei, werde auch von Zentrumsseite auf 'die Abstellung der Härten gedrängt werden, weil das Gerechtigkeitsgefühl dies verlange. Mai' könne überzeugt fein, daß, wenn in diesen Tagen nicht so gehandelt worden wäre, wir heute schon wünschen würden, gehandelt zu haben. Der Kanz­ler habe schweigsam, nur von realpolitifchen Ge­sichtspunkten geleitet, gehandelt. Ein handelnder Kanzler und ein handelnder Parteiführer seien im Augenblick wichtiger als ein sprechender Kanz­ler und ein sprechender Parteiführer. Die Folge­richtigkeit aller Handlungen des deutschen Kanz­lers,'um den das Ausland uns beneide, ergebe sich aus der Hooveraktion.

Am Schluß der Versammlung wurde dl« Ab­sendung eines Telegramms an den Reichskanzler beschlossen, in dem Darauf hingewiefen wird, daß es gerade mit Rücksicht auf die Härten der Not­verordnung nicht mehr lange angängig fei, die Inangriffnahme her Reichsreform hinaus- zufchiebeu. Es feien alle Mittel anzuwenden, um eine Vereinfachung und Verbilligung der Verwal­tung herbeizuführen. *

. In großen Kund gehangen, die am Sonntag in den Städten Hamm, Bocholt, Duis­burg, Aachen und Bochum ftattfanhen, nahm der Verband der katholischen Arbeitervereine West­deutschlands Stellung zur Wirtschafts­lage und zur Notverordnung des Reichskabinetts. Sämtliche Versammlungen forderten eine baldige Erleichterung einer Reihe Bestimmungen für die arbeitnehmenden Schichten. Die Kritik in den Versammlungen beschäftigte sich insbesondere mit der Staffelung der Krisensteuer, der Herausnahme der Jugendlichen unter 21 Jah-

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