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Sonntag, den 5. Juli 193L

Gerichtsbekannt . . . .

Vor dem Einzelrichrer des Fuldaer Amtsgerichts fand am Freitag ein politischer Beleidi- gungs-Prozeß statt. Der aus Ostpreußen flammende, vor kurzem aus Mexiko zurückgekehrte Gärtner T o l k i, jetzt in Hünfeld wohnhaft, der leit dem Weggang des ehemaligen Junglehrers Jordan verantwortlich für das nationalsozialistische Wo­chenblatt „Fuldaer Beobachter" zeichnet, wurde zu 80 Mark Geldstrafe verurteilt. Wir sind die letzten, die Gerichtsurteilen in Beleidigungs p r o - z e f s e n entscheidende Wichtigkeit bemeisen für die Frage, ob einer recht getan hat oder unrecht Hun­derte von Urteilen in Beleidigungs-Prozessen der Dor- und namentlich der Nachkriegszeit, die bekannt geworden sind, geben genügend Anlaß, sich Gedan­ken zu machen und sich kritisch einzustellen. In der Abmessung der Strafe ergeben" sich bei Verglei­chungen oft Unterschiede, die den Laien geradezu verblüffen. Ein Augsburger Gericht erkannte we­gen Beleidigung Hitlers gegen einen Redakteur der „Augsburger Postzeitung" auf eine sehr hohe Geld­strafe, obwohl der Ausgangspunkt der gerügten Be­hauptung in einer entschuldbaren Verwechslung zweier gleichgerichteter Bücher lag. Mit Recht kri­tisierte jüngst die .Frankfurter Zeitung" ein Urteil des Gerichts iir Glatz, das einen nationalsozialisti­schen Stadtrat von der Beschuldigung der üblen Nachrede, die er gegen einen jüdischen Kaufmann verübt hatte, f r e i s p r a ch, indem es ihm Wah­rung berechtigter Interessen zubilligte. In der Be­gründung des Freispruchs hieß es u. a.:

Die guten Sitten standen dem Angeklagten insoweit nicht entgegen, als er im Wahlkampf — es war die letzte Woche vor der Wahl — seiner Partei neue Anhänger für die bevorstehende Wahl zuführen wollte, indem er durch die Aeußerung (durch die Wiedergabe eines unwahren Gerüchts!) den Versammlungsteilnehmern vor Augen führte, wie berechtigt und begründet der von seiner Partei gegen das Juden­tum geführte Kampf fei. Das war der Haupi- zweck seiner Aeußerung, nicht aber war es Hauptzweck seiner Aeußerung, den Privatkläger lediglich herabzu­würdigen. Die Kundgabe des Gerüchts, an das er glaubte, entsprach daher den berechtigten Interessen der Partei des Angeklagten, zu deren Wahrnehmung er als Ortsgruppenleiter befugt war . . . Seine Aeußerung war subjektiv und objektiv geeignet, den Interessen seiner Partei zu dienen . . Dem Angeklagten war daher der Schutz des § 193 St.G.B. zuzubiligen. Er hat sich mit­hin durch die von ihm über den Privatkläger verbreitete, nicht erweislich wahre, ehrenkränkende Tatsache nicht strafbar gemacht.

Drei Wochen Gefängnis erhielt in zwei Instanzen ein junges Mädchen, das Dorf-

Jte. 152.

Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt).

Sulda, den 4. Juli 1931

Vandern—Jugend—Herberge

Zum Jugend-Herbergskag am 5. Juli in Fulda.

Die Sehnsucht in die Ferne, die Sehnsucht zur Natur ist in den letzten Jahrzehnten in der deut­schen Jugend wieder wach geworden. Die Städte und ihre Not haben die jungen Menschen zur Na­tur zurückgeführt. Sonntag für Sonntag und m unserer Ferienzeit ziehen wir hinaus, erwandern uns die Heimat, machen uns stark und froh, da­mit wir in der Woche dann, wenn wir in dem Getriebe der Stadt stehen, kraftvoll genug find, nicht unterzugehen.

Deutsche Männer haben sech zusammengeschlos­sen und haben der deutschen Jugend Heime er­stellt, Heime, in denen sie zu Hause ist, die ihr zu eigen sind, Heime, derb und fest, mit viel Wasser, Luft und Sonne, mitten in der schönsten Gegend.

Jugend und Wandern und Herbergen gehören zusammen, sind eins in der neuen deutschen Gene-

ren die Wetter-Beobachtung den P. P.-Franzis­kanern auf dem Frauenberg anvertraut.

E'senbetonbrücke über den Fulda-Durchstich in der Fuldau.

Das Stodtbauamt Fulda hatte die Ausführung der Eisenbetonbrücke über den Fulda-Durchstich in der Fuldau — an der Frankfurter Straße — öf­fentlich ausgeschrieben. Die Spannweite der Brücke wird 11.50 Meter betragen. In dem am Donnerstag stattgefundenen Derdingungstermin lagen folgende Anaebote vor: Amand Schnei- d er-Fulda 9492,50 Mark, Sturm. Gro fch- Fulda 9 604.60 Mk., H. Hodes -Fulda 10 212,50 Mark, W. Ritzel-Fulda 10 267 Mark, Jgn. Hillenbrand- Fulda 10 972,20 Mark, Jean Stei n-Fulda 11 020 Mk., Gregor Hautumm- Fulda 11180,— Mark. Frentzell und Wit­ze l - Eichenzell 11 347,40 Mark, Ga. B e r n , u s- Fulda 11686 20 Mark, Herm. Weber-Fulda 11 860,20 Mark, Josef K o l l m a n n - Fulda 13222,65 Mark, H. Rommel-Fulda 13463,— Mark Leo Engel- Fulda 16405,50 Mark.

Patinen heraus!

apellieren, und ist die Katholische Aktion zu ge­schlossener gemeinsamer Stellungnahme da aufzu­fordern, wo der Einzelne nicht die Macht hat, dem gefährdeten Gebaren und den irreführenden Aus­streuungen gegnerischer Kreise wirksam entgegenzu­treten.

Es liegt Ursache vor, diele Forderungen hier weiteren Kreisen ins Gedächtnis gu rufen.

Zur Brofuerforgung.

Nachdem infolge der Ansteigens der Rog­genpreise im Laufe des vergangenen Winters die Gefahr einer Brotverteuerung bemerkbar wurde, hatte der Reichsernährungsminister in Ver­bindung mit dem preußischen Minister für Handel und Gewerbe und unter Mitarbeit der Reichs­forschungsstelle für landwirtschaftliches Marktwe­sen vorsorglich eine besondere Aktion unter Ein­setzung der Roggenbestände der Deut­schen G« t r e i d e h an d e l s g e s e l l scha ft eingeleitet. Wie dem Amtlichen Preußischen Pressedienst aus dem Ministerium für Handel und Gewerbe mitgeteilt wird, wird diese Aktion in der Weise durchgeführt, daß für den betreffenden Be-

Gegen Hflhaeraugen

von sehr

Aus dem Gerichtssaal.

De-- 25jährige Reisende H. W., gebürtig Horas. in Fulda wohnhaft, war in eine

Zum drillen Gausängerfest am 4. und 5. 3alt in Fulda.

Das 3. Gausängerfest des Fulda-Rhön- Sängergaues beginnt heute abend 8 Uhr mit einem Konzert des Männer-Ouar­tet ts 1912 Fulda im großen Stadtsaal. Die Ein­trittskarten zu dem Konzert berechtigen auch zur Teilnahme an dem anschließenden Kommers.

Das Wertungssingen am Sonntag be­ginnt um 10 Uhr im Stadtsaal. Das musikfceu- dige Publikum aus Stadt und Land hat Gelegen­heit. 24 Gesangvereine, darunter 2 gemischte Chöre, zu hören.

Das Festkonzert am Sonntag nachmittag wird sicher viele Zuhörer zusammenführen, da zu volkstümlichen Preisen (30 Pfg.) ein großes Fest­programm abgewickelt wird. An dem Konzert wirken ungefähr 1000 Sänger aktiv mit. Festbücher sind im Vorverkauf bei der Firma Mol­lenhauer u. Söhne, Friedrichsmarkt und an den Kassen im Schloßgarten zu haben.

Der Fahnenaufmarsch setzt sich Sonn­tag nachmittag 2.30 Uhr vom Gelellenhaus in Bewegung und führt durch die Buseck-, Brauhaus-, Karlstraße, Buttermarkt. Markt-, Friedrichstraße, Pauluspromenade zum Schloßgarten.

zirk den vornehmlich in Betracht kommenden Müh­len Roggen aus den Beständen der Deutschen Ge­treidehandelsgesellschaft Zur Verfügung gestellt werde. Grundlätzlich ist dabei angestrebt wanden, den niedrig st en Winterpreis des Bro­tes zu halten oder wieder zu erreichen. Diese Aktion ist zunächst dort eingeleitet, wo In­dustrie. insbesondere starke Massen ansässig sind, und die Gefahr einer Brotoerteue- r u n q bei der großen Anzahl von Arbeitslosen besonders fühlbar werden mußte. Es besteht kein Zweifel, daß auftretende lokale Störungen schnell und reibungslos beseitigt werden und eine aus­reichende und völlig» Versorgung der Bevölkerung mit Brot gewährleistet werden kann.

Wir möchten annehmen, daß auch in Fulda die zuständigen Stellen dieser auch hier nicht be­langlosen Angelegenheit ihr Augenmerk schenken.

7.

Der Sommer neigte sich feinem Ende zu. Herbstlich war es geworden. Das Laub der Bäume hatte sich ver­färbt, — golden und rot, — braun und stellenweise ver­brannt hing es an den Zweigen, sank beim leisen Wind­zug auf die Erde und raschelte sein herbstliches Lied.

In den Gärten blühten die allerletzten Rosen nur noch vereinzelt, dafür entfalteten die bunten, leuchten­den Astern ihre köstliche Pracht.

Noch glühte die Sonne in den Tag, aber die Abende waren kühl geworden. Ein frischer Wind strich von der See herüber.

Längst war die Ferienzeit verstrichen, und in der Stadt herrschte das gewohnte Leben und Treiben.

Dr. Jürgen Heinzius war länger im Sanatorium non Professor Dr. Guttenberg geblieben, als es nötig gewesen. .

Als es ihm endlich besser gegangen, als jebe Gefahr für die Sehkraft des linken Auges behoben, unb nur eine kleine Narbe über demselben zurückgeblieben war, hatte sich Heinzius dennoch schwer entschließen können, seinen Aufenthalt zu wechseln.

Er hatte nicht recht gewußt wohin —

In die Lindenallee, in die es ihn zweifellos am stärksten zog, — wollte er nicht!

Als Dippelmann ihm von der gnädigen Frau Doktor erzählt hatte, wie er sie beim Nähen der Babywäsche angetroffen — da hatte Jürgen Heinzius Herz so heftig zu schlagen und zu hämmern angefangen, daß er die Hände unter seiner Bettdecke zu Fäusten geballt hotte.

Denn was er im stillen in diesen Wochen feiner Krankheit gewünscht, heimlich gehofft hatte, — daß Viola und Lautenschläger sich am Ende doch geirrt haben mochten — das also war nicht eingetroffen.

Und Jürgen Heinzius hatte unablässig an das Kind gedacht.

Grotzfeuer in Sickels.

Ein ganzes Anwese« eingeäschert. — Brennender Holzstapelplatz. — Beträchtlicher Schaden.

Ein Großfeuer, das gestern abend gegen ’/< 6 Uhr bemerkt wurde, legte die sämtlichen Gebäulichkeiten des Sägewerks Schwendner in Sickels in Asche. Daneben verbrannten auch fast alle Holzvorräte, die auf dem Stapelplatz gelagert waren. Bei der Hitze der letzten Tage waren sämtliche Materia- Iren, die dem Feuer reiche Nahrung boten, so aus- getrocknet, daß an eine umfangreiche Bekämpfung des schnell um sich greifenden Feuers unmöglich war. Die Fuldaer Feuerwehr, die mit sämtlichen Zügen angerückt war, sah sich ohnmächtig dem ver­heerenden Element gegenüber, da außer einem Brunnen, der in kürzester Zeit teer gepumpt war, kein Wasser mit den Schlauchleitungen zu er­reichen war. Wie man hört, soll das Feuer im Kesselraum des Sägewerks auf noch ungeklärte Weise entstanden sein, von wo es zunächst die Ge- bäude in Brand setzte und mit rasender SchnMig- teit auf den Holzplatz Übergriff. Der ganze Platz war ein Feuermeer. Ziemlich spät erst ging man daran, mittels Pferden die noch nicht brennenden Langhölzer hinwegzuschleifen. Das Material, das aut diese Weise dem Feuer entrissen wurde, ist jedenfalls sehr gering. An Möbeln in dem Hause selbst war fast nichts mehr zu retten. Eine alte kranke, in dem Hause in Miete wohnende Fran konnte noch mit Mühe in Sicherheit gebracht wer­den. Die übrigen Bewohner waren bei Ausbruch des Feuers auf dem Felde. Das Feuer brannte fast die ganze Nacht durch. Der entstandene scha- den ist sehr beträchtlich und soll nur zum kleine- ren Teil durch Versicherung gedeckt sein.___________

ration. Die Herbergen sind uns Sammelpunkte geworden, Stützpunkte im ganzen Wanderplan. Sie sind noch mehr geworden. Wenn an den Abenden brüderlich nebeneinander sich die verschiedenen Gruppen treffen, gemeinsam die schönen deutsck)en Lieder singen, gemeinsam sich unterhalten und plaudern, dann sind unsere Herbergen eine Schule gegenseitigen Verstehens und Achtens, und wenn wir dann am Morgen auseinander gehen, dann rufen wir uns ein „Heil" zu, einen Glückwunsch für die Fahrt, der uns echt und ehrlich gemeint ist.

Jugendherbergen sind Gesundbrunnen unseres Volkes. Helfen wir doch zusammen, daß diese Brunnen nicht vertrocknen in der Hitze der Not, helfen wir zusammen, daß diese Brunnen immer mehr fließen, damit an ihnen ein gesundes Ge­schlecht wachse, verbunden mit der Heimat, aufrecht und stolz, voll Lebenslust und Freude.

Uns Katholiken ist die Aufgabe gegeben, in diesem Geist der Herbergen das „Katholische" hin­einzutragen, nicht negativ, nein, positiv, indem wir mitsorgen, mitfdjaffen und uns einsetzen für eine gesunde, gute Weiterentwicklung des Iugerid- berbergswerkes. Wir Katholiken wollen nicht hin- fenanftefjen, wir wollen auch Bauleute sein. Un­sere deutsche katholische Jugend wird uns dafür danken, sie wird wachsen und die Aufgaben der neuen Generation meistern, die, weil sie schwer sind, starke Menschen braucht.

Allen Kämpfern für das deutsche Iugendhe--- bergswerk einen Ruf zum weiteren getreuen Schaffen! Wir wollen einander die Hände reichen -m Werke für Deutschlands Zukunft und Deucsch- tends Jugend. * 5- St.

Heute abend um 8 Uhr werden die Samm- f e r und Sammlerinnen auf den Schloß- hof gebeten zurAusgabe derSammel- b ü ch f e n. —

(Ein Dankschreiben des Vatikans.

Erzbischof Klein in Paderborn erhielt aus Rom folgendes Telegramm: Der Hl. Vater hat die von Eurer Erzellenz im Namen der Paderborner Kir­chenprovinz mit solcher inniger Anteilnahme zum Ausdruck gebrachten Gesinnungen treuester Erge­benheit in diesen Tagen mit besonderem Trost ent­gegengenommen und spendet Eurer Exzellenz als Metropoliten, den Hochwürdigsten Suffraganbi- schöfen, dem gesamten Klerus und Volke aus der Fülle seiner Liebe den Apostolischen Segen. Car­dinal Pacelli.

Vom Gymnasium.

Herr Studienrat Dr. Gille, bisher an der Aufbauschule in Pr. Friedland (Grenzmark) tätig, ist ab 1. August an das hiesige staatl. Gymnasium versetzt.

Für freue Arbeit in der Wetter-Beobachtung!

Herrn Rektor i. R. W e b e r in Hünfeld wurde von dem preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung die Hellmann- Medaille des Meteorologischen Instituts mit einem Diplom überreicht als Anerkennug für die dem Meteorologischen Institut in 40jähriger B--- obachtungstätigkeit geleisteten wertvollen Dienste. Die Hellmann-Medaille wurde gestiftet am 3. ^uli 19’9 am 75 Geburtstage des Professors Dr. Hell­mann, des großen Organisators der meteorologi­schen Beobachtungen. — In Fulda n

Hornhaut, verdickte tzornschwielen an Händen und hat W J3eolin“ab jaub erstes und bequemstes Mittel ?ur gründlichen Beseitigung aller harten Hautwucherungen bestens, bewert. Packung für mehrmaligen Gebrauch mit genauer Eebrauchsan- weifung 60 Pf. Sn allen Tblorodont-Verdmfsstellen zu haben.

©remsbütt —? Was tat sie in die, em neu eroauien Vorort, in dieser Siedlung -? Er war zu keinem rech- ten Begriff gekommen.

Und plötzlich, als Heinzius in Gedanken verloren tn seinem Hotelzimmer saß, fiel ihm Enk Thorsen em Weiß Gott! wie er daraus kam. Er hatte ihn eigentlich ganz vergessen. Diese Geschichte war aus der Welt ge- ftogen und hatte keine Spur hinterlassen. Damals, als Thorsens Tod in den Zeitungen gestanden ^"e es Heinzius gehörig gepackt, weniger um Thorsen selber, als darum, daß er ihm, als sich Thorsen noch einmal ,U ihm bemüht und um eine zweite Anstellung bei „ter Gruiten u. Heinzius" gebeten, rundweg abgeschlagen, ja mehr noch, ihm erklärt hatte, daß er nicht begreifen könne, wie ein Mensch wie Thorsen, nachdem er tn einer Firma derartige Schwierigkeiten hervorgerufen cs überhaupt noch wagen könnte — und daß es bas bette für einen Menschen von feinem Schlag wäre, sich die Kugel in den Kopf zu jagen —

Und daß denn auch Thorsen wirklich also gehandelt fyatte __? Heinzius trommelte nervös mit den Fingern

auf der Rauchtischplatte.

Warum fiel ihm das nur wieder heute ein —? Sc- rabe am Reisetag -? Merkwürdig! Und wo hatte man ihn denn eigentlich beerdigt -? Er versuchte sich Zu be­sinnen. Ach, ja, ja! er erinnerte sich. Aus dem Frieb. Hof in Stötten hatte man ihn beigefetzt. Und ob LYvr fen diese unselige Tat nicht begangen hätte, wenn er 'hm —? Heinzius wurde unruhig. Aber was war denn schließlich noch daran zu ändern -? Dieser Thorsen mar eine total verkrachte Existenz! Em Mensch, der mit den bedeutendsten Fähigkeiten nichts anzufangen ge­wußt hatte! Der ein Vagabundenleben durch tue ganze Welt geführt hatte. — — .

Heinzius war nervös aufgesprungen. Ms er an das Telephon trat und seinen Horchwagen bestellte, sah er auffallend bleich, eingefallen, eigentlich um em I 9

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1« Immer («.»« Ml. ™

Welt gesehen hatte, war plötzlich beweglich geworden, verriet jede Stimmung.

(Fortsetzung folgt)

Katholik und Badewesen.

Die Bischöfe stellen in Bezug auf das öffentliche Badewesen Kraft ihrer oberhirtlichen Autorität, d,e von keinem treuen Katholiken bestritten wird, fol­gende ganz bestimmte Forderung en:

Bei jeder Art von Baden muß die Trennung der Geschlechter durchgeführt werden.

Bei öffentlichem Baden und in den sogenannten Freilichtluftbädern ist aus a n st ä n d i g e Bade- k l e i d u n g zu dringen. .

Zu verlangen ist eine genügende und wirksame Aufsicht, die für die Wahrung der Ordnung und Schamhaftigkeit verantwortlich ist. ,

Zu verurteilen als schamlos ist der Leicht­sinn solcher, die den Badeplatz und Badestrand verlassen, sogar in Badekleidung bis in die Ver­kehrswege vordringen o der unterschiedlos unter den Geschlechtern im Badean­zug gesellig zu verkehren suchen.

Die sogenannten Familienbäder widersprechen der christlichen Sitte, wirken abstumpfend auf das natürliche Schamgefühl, vermindern die Ehrfurcht der Kinder gegen Vater und Mutter und geben sehr oft Anlaß zu schlimmen sittlichen Versuchungen, da sie das edlere Empfinden für sittliche Reinheit in Blick und Gebaren zu verdrängen geeignet sind.

In einem Hirtenwort des Hochw. Herrn Bischofs von Fulda vom Mai 1930 heißt es:

Je mehr die christentumsfeindlichen Kreise alle Rücksicht auf christliche Sittsamkeit verachten und durch Verhöhnung zum Schweigen bringen wollen, desto treuer sollen katholische Eltern und Er­zieher dahin wirken, daß das heiligste Erbgut un­seres Volkes nicht zugrunde gehe. Mit Entschieden­heit müssen katholische Männer und Frauen der Irreführung der öffentlichen Meinung entgegentre­ten und jene Behörden unterstützen, die beim Schutze der Volks s i t tlichkeit einen schweren Stand gegenüber den Fein­den christlicher Schamhaftigkeit haben. Insbesondere ist an die katholischen Väter und Mütter sowie an den katholischen Frauenbund zu

Es hatte Stunden gegeben, in denen er fest über­zeugt war, daß es sein Kind sei — daß es gar keine andere Möglichkeit geben konnte, so wie er Viola kannte unb zu kennen glaubte. — Und roieber waren bie Zwei­fel gekommen, — ja, wie sollte es denn überhaupt mög­lich sein —? Unb gerabe nachdem er sie mit einem Fremden im „Brüx" getroffen —?

Dieses Hin und Her hatte Heinzius' Nerven zerwühlt, zerrüttet. Seine gefebäftlirfjen Interessen waren plötz­lich oollftänbig in ben Hintergrund gedrängt worden. Wenn Hörbringer jeden Mittag unb jeben Abend nach Geschäsisschluß zu ihm ins Sanatorium gefahren tarn, um die Berichte des Tages zu bringen, vorzulesen, über dieses und jenes zu fragen — Heinzius war zerstreut gewesen, mißlaunt, aufgebracht, erhitzt, — um im näch­sten Augenblick eine völlige Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit zu zeigen. Es war sogar vorgekommen, daß er Hörbringer Knall und Fall vor die Tür gesetzt und ihn zwei — drei Tage lang nicht zu sprechen ge­wünscht hatte. — Die Herren von „Mörser u. Tilgen" hatte er nicht empfangen. — kurz und gut, Dr. Jürgen Heinzius war mit einem Schlage ein Sonderling ge­worden!

Michael Dippelmann war der einzige, ben er um sich bulbete, — bem er sich auch hin und wieder gewis­sermaßen anvertraute. — Die Settern Troeger, die ab und zu gekommen, hatten sich in der letzten Zeit auf- fallend von ihm zurückgezogen. Es war sein sonder- liches, nahezu abstoßendes Wesen, was sie alle, auch die übrigen Familienmitglieder und alle nächsten Freunde und Bekannte von Heinzius abstieß. Und er, — er schien es nicht einmal zu merken, ober wollte es nicht merken!

Er hatte Dippelmann noch verschiedene Male in die Lindenallee geschickt, ihm diese und jene Bücher aus seiner Bibliothek zu holen unb schließlich war Dr Jür­gen Heinzius wieder' ganz unb gar in die philosophische Ideenwelt eingegangen, die ihn früher, als ganz jungen Menschen so gefesselt hatte.

Endlich, eines Tages hatte er Auftrag gegeben ihm zwei Zimmer im Esplanade zu mieten, unb er war aus dem Sanatorium dorthin übergesiedelt. Bei „ter Gruiten 1 u. Heinzius" hatte er sich nur wenig sehen lassen, alles

Mola.

Don Charlotte Ursina 25] . ------------

schlechte finanzielle Lage geraten unb von einem Gläubiger zur Leistung des Offenbarung s- e i d e s geladen worden. Nun hatte W. vor län­gerer Zeit von feinem Bruder ein Darlehen von 2000 Mark zu Bauzwecken erhalten und die­sen Betrag auf seinen Namen bei einer hiesigen Stelle sichergestellt. Um diese Summen bei der Leistung des Offenbarungseides nicht anzuqeben. ging W. her und ließ das Gelb auf den Namen feiner Ehefrau überschreiben. Weil er durch diese Handlung einen Bestandteil seines Vermögens ab­sichtlich bei Seite geschafft hatte, wurde W. vom Einzelrichter zu 50 Mk. Geldstrafe ober 20 Tagen Gefängnis verurteilt.

Der 26jährige Friseur L. D. von hier, halte für sein uneheliches Kinb Alimente zu zahlen. So lange er Arbeit hatte, kam er feinen Verpflichtun­gen nach. Dann wurde er arbeitslos unb konnte keine Zahlungen leisten. Der Lebensunterhalt des Kindes mußte von dem Vater der Kindesmutter bestritten werden. Im September v. I. trat D. bei dem I. B. hier in Arbeit. Wiederholte Auf­forderungen zur Erfüllung feiner Verpflichtungen waren erfolglos. Der Vormund bewirkte deshalb Pfändungsüberweifungs-Befchlüsse auf Einhal­tung eines Betrages von wöchentlich 7,50 Mk. von hem Lohne D's. Um den Vormund zu schädigen, machte D. mit seinem Arbeitgeber einen Schein- vertrao, nach dem er weniger Lohn bezog, als ihm tatsächlich ausgezahlt wurde. Wegen des mit B. abgeschlossenen Schetnvertrages erhielt D. 20 Mk Geldstrafe. Strafmildernd für D. kam tn Betracht, daß er Anfang Februar ds. Is. die Km- desmutter heiratete. Weil B. beim Abschluß des Scheinvertrages eBihilfs geleistet haben sollte- er­hielt er eine Geldstrafe von 15 Mark.

*

Wegen Uebertretung der Polizeiverorbnung betr. Hauskehrtchtabfuhr erhielt die Ehefrau R. D. hier eine Geldstrafe von 1 Mk.

*

Freispruch erzielte der 21jährige erwerbslose Kaufmann H. G. und der 20jährige ermerbsio,e Arbeiter L L., beide in Horas wohnhaft. Sie wurden beschuldigt, öfters die Fensterscheiben eines Hausbesitzers in Horas mit Schmutz beworfen zu haben._________ _____

lag in ben Händen des gewiegten Prokuristen Hör­bringer.

Sa waren denn bie Tage langsam bahingegangen, immer mit einem heimlichen Warten unb Hoffen, einem gewissen Sehnen unb Verlangen, ob Viola nicht am Enbe doch einmal —?

Aber nichts, gar nichts war von Biolas Seite erfolgt.

Da chatte er tage- unb nächtelang gegrübelt, wie es denn märe, wenn er einen Schritt ihr entgegen träte ? Wenn er gewissermaßen auf eine Erklärung bringen würde —?

Ja, er hatte Sanitätsrat Lautenschläger anklingeln wollen — unb — er hatte nichts, nicht bas minbefte unternommen.

Plötzlich aber hatte ihn die Nachricht von ber schwe­ren Erkrankung feines Dakers aus allem Grübeln auf« geschreckt.

Der alte Johann Matthias Heinzius war auf einer Nordlanbreise schwer erkrankt. Eine Lungenentzündung, bie in seinem hohen Alter besonders gefährlich, hatte ihn in Oslo auf bas Krankenbett geworfen unb Dr. Jürgen Heinzius war auf bas -eiegramrn, bas er von seines Vaters altem Diener erhalten, unverzüglich nach Oslo abgereift. Aber ber alte Herr hast- »-'--rw-rtet erholt, einen mehrmonatlichen Aufenthalt im Süben hatten ihm bie Aezte allerbings bringen!» angeraten unb als Vater unb Sohn roieber in ihre alte Heimatstadt ge­kommen, war es eine ausgemachte Sache gewesen, baß Dr. Jürgen seinen greisen Vater in ben Süden begleiten würde, zumal ihm selbst eine Erholung und Ausspan­nung unbedingt nötig war.

Es war am Vormittag des Reisetages. Vater und Sohn hatten noch vieles zu, erledigen gehabt. Jürgen hatte Dippelmann wieder unb immer wieder in die Lindenallee hinausschicken müssen, um dieses und jenes zu besorgen, ihm in bie Stabt zu bringen. Bon Viola hatte er jcbesmal so gut wie nichts zu erzählen gehabt, sei es, baß er sie nur ganz flüchtig ober auch gar nicht gesehen hatte, — sei es, daß, wenn er jemand im Hause so ganz beiläufig nach ber gnädigen Frau Doktor ge­fragt hatte, es einfach geheißen, die gnädige Frau sei in Gremsbütt! Das ungefähr war so alles gewesen.

Gremsbütt —? hatte sich Heinzius gefragt, -