Anzeiger für die Stabt Julda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Nr. 152
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Sonntag, 5. Juli 1931.
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3a6tg. 58.
Em neuer Papst-Vries.
wtb. München, 4. Juli. (Eig. Meldg.). Der Bayerische Kurier veröffentlicht als erstes deutsches Blatt ein neues Rundschreiben des Papstes über die katholische Aktion an die Patriarchen, Primate, Erzbischöfe, Bischöfe und anderen Oberhirten der katholifchen Kirchs. In der Einleitung des Schreibens heißt es. daß es nicht notwendig fei, auf die Ereignisse, die in letzter Zeit in Rom und in ganz Italien stattgefunden hätten, im einzelnen einzugehen. Man habe versucht, tödlich zu treffen, was dem Papst als „Vater der Seelen" das Teuerste gewesen sei und immer sein werde und die Art, in der dies geschehen, sei äußerst verletzend gewesen. Deshalb fühle der Papst das Bedürfnis und die Pflicht,, sich a n den Katholizismus der ganzen Welt zu wenden, um die Wahrheit und Gerechtigkeit in einer Sache zu verteidigen, die die vitalen Interessen und Rechte der katholischen Kirche betreffe.
Das bisherige Pariser Ergebnis
Die Nationalsozialisten aber haben
der am Schluß des Films den letzten, nach dem > Die N a t l o n a l s o z, a l l ft e n Schmetterling greifenden jungen Helden abschießt I sich wieder einmal demaskiert . . . .
Englischer Flottenbesuch in Mel
die Ha- Die Pa-
wtb. Riel, 4. Juli. (Eig. Meld.) Zum ersten Male seit dem Kriege statteten heute englische Kriegsschiffe einem deutschen Hafen einen Besuch ab. Es handelt sich um das 2. britische Kreuzergeschwader, das am heutigen Vormittag nach einer längeren Kreuzerfahrt in der Ostsee, die es zuletzt nach Stockholm geführt hatte, zu einem mehrtägigen inoffiziellen Besuch in den Kieler Hafen einlief. Bald nach 9 Uhr kamen die Kreuzer Dorsetshir" und- „Norfolk", in Kiellinie fahrend, m Sicht, nachdem sie bereits bei Kiel — Feuerschiff die deutschen BegrützungSofstziere und Lotsen an Bord genommen hatten. Beim Passieren des Friedrichsorter Leuchtturmes feuerte das Flaggschiff des englischen Geschwaders, die „Dor- fetfhir", 21 Schuß Landungsfalut, während sogleich am Hinteren Mast die deutsche Flagge em-
zum 1. Juli 1931 gilt. Es scheine, daß das ganze System der zwischen Amerika und Frankreich erzielten Einigung die allgemeine Verständigung erleichtern werde, da die anderen Mächte weniger stark durch die Einstellung der Zahlungen Deutschlands in Mitleidenschaft gezogen würden.
Nunmehr müßten noch zwei Punkte geklari werden, erstens die 500 Millionen Goldmark, dis die ungeschützte Annuität darstellen, die Deursch- land an Frankreich entrichtet und die Frankreich durch Vermittlung der BIZ. Deutschland wieder zur Verfügung stellen wird, die aber nicht dem Reich als solchen geliehen werden, sondern der Deutschen Reichsbahngesellschaft, die deutsche Anleihe also einen kommerziellen Charakter haben werde. ..
Wenn Deutschland nach Ablauf der 12monau- gen Moratoriums-Zahlungspause ein neues Moratorium beantragen wird, wozu der Youngplan ihm das Recht gebe, würde Frankreich nicht auf- gefordert werden, weitere 500 Millionen Gold- mark bei der Internationalen Zahlungbank auf Grund des Artikels 199 des Youngplanes einschießen zu müssen; Frankreich stehe die Möglichkeit zu, von dieser Klausel befreit zu werden.
„Sei mir gegrüßt, du geiles Heuchlerpack, Die fetten Bäuche schweinisch vollgepreht; das scheinheilig in seinem Bettelsack des Landes Ehr und Glück verschwinden läßt.
(Rabelais)"
wtb. Paris, 4. Juli. (Eig. Meldg.). Die Morgenblätter suchen bei Besprechung des Kommuni- quees und den sich aus ihm ergebenden Möglichkeiten nachzuweisen, daß man Frankreichs Forderungen in einem gewissen Grade gerecht geworden sei.
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wtb. London, 4. Juli. (Eig. Meldg.). Die h»ute morgen in London veröffentlichten Pariser Nachrichten über die französis'ch-amerikamsck>en Verhandlungen sind im allgemeinen auf eine optimistischere Note abgestimmt.
Wie aber steht es mit dem Film und seiner Beurteilung? — Ist er ein „Totenschänderfilm ? „Besudelt" er „das Andenken unserer Weltkriegstoten, das opfermütige Sterben unserer Kameraden" 2 — Die Wirkung im Ausland ist bekannt: „A bas la guerre!" (Nieder mit dem Krieg!) haben sie im großen Kino in Paris gerufen; stumm und ergriffen gingen sie in Holland und Belgien zu Tausenden aus der Vorstellung heraus; „ne pas tirer!" (nicht schießen) rief verzweifelt eine französische Mutter dem französischen Kopfschutzen zu,
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Nach dem amtlichen Kommunique über amerikanisch-französischen Besprechungen gibt vas eine Mitteilung aus, in der es heißt:
wtb. Washington, 4. Juli. (Eig. Meld.). Un- terstaatssekretär Castle erklärte Pressevertretern gegenüber, solange Frankreich nicht alle Punkte angenommen habe, auf denen die amerikanische Regierung bestehe, kann von einer Einigung noch nicht gesprochen werden. Präsident' Hoover hat seine Wochenendreife verfchoben, um das Ergebnis bet heutigen Sitzung des französischen Ministerrates abzuwarten,
Zusammentritt des Reichskabinetts.
CNB Berlin, 4. Juli. (Eig. Meldg.). Wie wir erfahren, ist das Reichskabinett heute vormittag um 11 Uhr zu einer Sitzung zusammengetreten, in der sowohl die außenpolitische Lage w'e innerpolitische Fragen besprochen werden.
den Gruß und hißte ihrerseits die englische Flagge. Mit halber Fahrt liefen die Kreuzer nun in den Hafen ein, der von zahlreichen Booten bevölkert war, während sich an dem Föhrde-Ufer viele Schaulustige eingefunden hatten. Als die „Dorsetshlr , das erste der an den Booten inmitten des Hafens ankernden deutschen Kriegsschiffe erreicht hatte, begrüßte sie die Flagge des deutschen Flottenchefs, Vizeadmiral Oldekopp, mit einem Salut von 15 Schuß. Gleichzeitig konzertierten die Bord- kapellen die beiden Nationalhymnen. Die Besatzung der Kriegsschiffe hatte gleichzeitig Paradeaufstellung genommen. Das Festmachen der schisse, flankiert von zwei deutschen Kriegsschiffen, ging nunmehr mit Unterstützung zweier deutscher Kutter glatt vonstatten. Kurze Zeit darauf begab sich der englische Generalkonsul Sheyhard zur Begrüßung feiner Landsleute an Bord der „Torfetshli .
und verbilligen, und auf diesem Gebiet darf die Regierung vor keinem Schritt zurückschrecken. Daß wirklich berechtigte Stammesetgentüm- lichkeiten bei einer Reform geschont werden müssen, ist selbstv erständlich. Wir smd sogar der Meinung, daß ein klar und übersichtlich gegliedertes Reick solche Eigenarten noch besser und sinnvoller pflegen könnte, als manche jetzigen Zwergstaaten, die leicht Stammesbewuht- fein" und vereinsmeierischen Loka l Patriotismus miteinander verwechseln. Die jetzige Reichsreqierung ist diejenige, von der das deutsche Volk Besserungen in jeder Hinsicht erwartet Sie wird sich daher nicht scheuen wollen, auch das heiße Eisen der Reichsreform beherzt anzufassen.
Reichsreform?
Don geschätzter Seite wird uns geschrieben:
Bei der Rundfunkrede, die Reichskanzler Dr. Brüning am Dienstag voriger Woche hielt, ist in der Presse fast aller Parteien zum Ausdruck gebracht worden, wie sehr dieser Mann es verstanden hat, sich überall Achtung zu verschaffen, und daß man ihm die Bewältigung auch der schwierigsten Aufgaben zutraut, wenn er sie anfaßl. Das „Berl. Tagebl." schrieb, Brüning verstehe von politischer Regie mehr als die meisten, die sich bisher in Deutschland Regierende nannten. D'e „Franks. Ztg." stellte fest, daß dieser Kanzler sich bei allem, was er sage, auch etwas zu denken pflege, und daß er das, was er wolle, weil er es als richtig erkannt habe, auch durchsetze. Man muß sich an diese öffentliche Auffassung erinnern, wenn man auf die Gerüchte achtet, die von einer bald bevorstehenden Inangriffnahme einer Reichsreform wissen wollen. Daß sie dringend nötig ist, wird ernstlich nur noch in Bayern geleugnet, und auch dort würde die Meinung vermutlich zu ändern fein, wenn einige Würdenträger einmal nicht mehr am Ruder wären, Würdenträger, deren bayerisches Herz erst Jahre nach ihrer Geburt entdeckt worden ist.
Ein Staatsmann, wie Brüning, der sich für die gesamte Reichspolitik verantwortlich fühlt und all seine nicht geringe Kraft daran setzt, sie aus jedem Gebiet in Ordnung zu bringen, kann sich selbstverständlich nicht darüber täuschen, daß ein nickt geringer Teil unseres wirtschaftlichen, aber auch unseres politischen Elends seine Quelle in der Viclstaaterei hat. Die unerhörten Schwierigkeiten von politischen Gernegroßen her, wie wir sie in Sachsen, in Oldenburg, in Braunschweig, in Thür in gen beobachtet haben, wären nicht möglich, wenn so kleine Länder vernünftig einem großgesührten Ganzen eingegliedert würden. Welch lächerliche Verhältnisse bei uns noch herrschen, mag man daraus ersehen, daß in diesen Tagen der preußische Ministerpräsident andere Länder angeregt hat, ihre Gesandtschaften bei Preußen einzuziehen. Das sind Verhältniffe, die auf feindliche Ausländere-en schließen ließen. Haben wir nicht das Deutsche Reich nach dem unsere Großväter sich sehnten? Wahrscheinlich würde eine Reichsreform zunächst nur etappenweise durchgeführt werden können, .ober sie muß angefaßt werden, und mir trauen es Brüning und Wirth zu, daß sie den richtigen Weg finden, um wenigstens für verheißungsvolle Anfänge die notwendigen Mehrheiten zu erhalten.
Es heißt, ein entsprechender Gesetzentwurf sei beim Reicksinnenministerium ausgearbeitet worden und solle demnächst dem Kabinett zugehen. Wir würden eine Bestätigung dieser Nachricht sehr begrüßen. Es läßt sich sehr vieles vereinfachen
Verhandlungen, die feit über eine Woche in . ris zwischen dem amerikanischen Schatzsekretär Mellon und den französischen Ministern geführt wurden, haben zu einer E i n i g un g geführt, die der französische Ministerrat am Samstag noch zu ratifizieren haben wird. Die zu treffende Regelung bestätige den wesentlichen Grundsatz des französWen Gegenvorschlages, nämlich die Unantastbarkeit der Bezahlung der ungeschützten Annuität durch Deutschland, d. h. die Bezahlung der Reparationen. Nunmehr müsse man die Zustimmung der anderen an den Reparationen interessierten europäischen Mächten zu den Durchführungsmodalitäten des Hoover-Moratoriums erlangen und ferner die Wiederinkraftsetzung des Youngplanes nach der einjährigen Zahlungs- paufe, die nach dem amerikanischen Vorschlag dis
— abschießen muß, weil es seine Pflicht ist: C'est la guerre! — Ja, das ist der Krieg; so ist er — mindestens so, eigentlich noch viel schlimmer und grausamer. Der Film bat das deutsche Ansehen im Ausland nicht geschädigt — nur das Verbot hat das Ausland aufhorchen lassen. Warum? Weil man sich fragte, ob Deutschland vielleicht aus militaristischen Interessen heraus Sorge trug, dem Volke ein Stück des wahren Antlitzes des Krieges zu zeigen. Aber dieser Grund war nicht der Anlaß des Verbotes; vielmehr ein Ausweichen vor dem Terror der Straße, eine vorübergehende Kapitulation vor dem Mob, der ohne den Film gesehen zu haben, durch Aufhetzung randalierender Parteigruppen — die Straße beherrschte und die Polizei bis zum letzten Mann übermäßig in Anspruch nahm.
Die jetzige Form der Freigabe für geschlossene Veranstaltungen sucht eine Wiederholung dieses Skandals zu vermeiden — und nach der bisherigen Praxis in der Tat mit Erfolg. Es geht in Ruhe — und Taufende auch des deutschen Volkes lernen dieses Bild des Krieges kennen. Taufende auch in un« fererni Vaterlande find erschüttert, Tausende auch von katholischen Staatsbürgern quittieren die Besichtigung mit dem Schweigen der Erschütterung, mit dem Gefühl der Schmach für eine Zeit, die ftch auf ihre Kultur und Zivilisation etwas embtlbet und doch diesen Irrsinn heroordringt.
Gewiß: es ist k e i n k a t b o l i s ch e r Film, und vielleicht kann man der Meinung fein, daß die eine oder andere Szene noch gekürzt werden könnte — aber mit der Frage des deutschen Ansehens hat das nichts zu tun; und ob man der Wahrheit einen Dienst erwiese, wenn man gewisse Dinge noch weniger anbeutete, als der Film es bereits tut, ist noch sehr die Frage. P. Friedrich Muckermann schrieb damals über den Film: . . .Dies alles aber dient nur dazu, das eine mit unerhörter Wucht auszusprechen: das Grauen des Krieges. Gewiß, man fühlt sich berührt von dem Flügelschlag des Schicksals, das um die Erhabenheit großer Tragik schwebt. Aber zutiefst empfindet man: Wehe dem Menschen, der solches Grauen heraufbeschwort! Tu du alles, um einen neuen Krieg zu verhüten! Sage es Dir immer wieder, sag es der Jugend vor allem, was Krieg bedeutet. Räume hier rücksichtslos auf mit jeder Schönfärberei und Lüge! Verkünde es dieser Zeit, die wieder ein Rüstungsfieber m allen Ländern erlebt, daß Krieg nicht Besserung der Lage bedeutet, sondern nur Grauen, Blut, Tod, Entsetzen, Untergang!" — Hier — in dieser von Fr. Muckermann feftgeftellten und von vielen Tausenden bestätigten Wirkung des Films — liegt der Grund für die Wut der Nationalsozialisten. umtz er uns das Grauen des Krieges schildert und die falsche, lächerliche Maske alter Kriegsromantlk her- imterreißt, das können diese. Herren die beim „Flötenkonzert von Sanssoueis" begeistert Bravo klatschen und sich noch immer etwas vorn frisch- fröhlichen Krieg vorerzählen, nicht verkneifen. Jedem seine Meinung! Aber: ist das ein Grund z» solchen Unverschämtheiten im Ton und 3nbim, rote sie oben roiebergeaeben worben sinb? Wir Katholiken haben bas Recht, diesen Film zu sehen, und wir werden es uns nicht nehmen lassen, und auch unsere Priester werden sich weiter diesen Film an- sehen und in ihrem priesterlichen Herzen Stellung dazu nehmen, weniger in Bezug auf Einzelheiten, als in' Bezug auf das Ganze.
kennenzulernen. Zwecks Durchführung der Veranstaltung wurde ein Prospekt gedruckt, der den Sachverhalt auseinanderfetzt und Mitteilung über Vorstellung und Kartenverkauf gibt. Dieser Prospekt ist von führenden Mitgliedern der Berliner Ortsgruppe des Friedensbundes Deutscher Katholiken, darunter dem geistigen Führer der Bewegung, P. Franziskus Stratmann, ferner Stadtbaurat. Dr. Adler und auch Monsignore Lichtenberg unterzeichnet.
lieber diesen Tatbestand ergeht sich — nach den genannten Ueberschriften nebst Motto — der Artikel des „Angriff" in einer Fülle von Schimpfwor- ten. Die „Strichjungen Judas" bekommen außer dieser liebenswürdigen Ehrenbezeugung noch manches zu hören; bann wirb festgestellt, baß ber Termin ber Aufführung gerade mit dem von Versailles übereinftimme, und bann gehts erst richtig los: „Am Tage ber Versklavung läßt Herr ßicbtertberg, hoher geistlicher SBürbenträger, Arm in Arm mit bem Rassejuben Dr. Adler (Anm.: Stadtbaurat Adler ist Borstanbsmitglieb ber Katholischen Aktion Berlin! D. Verf.) ben Totenschänberfilm aufführen." — Nach einem Appell an Bischof unb Ordinariat von Berlin wirb bann „das beiitschberoußte Berlin" aufgefordert, „eine so freche Provokation „millionenstimmig" mit bem Ruf zu beantworten: „Raus, zum Tor hinaus mit Monsignore Lichtenberg!" (in Fett- unb Sperrdruck, damit es sich ein« prägt!!). — Um diese Kernstücke ranken sich dann noch etliche Drohungen unb B-s-kftmvsiin-'en.
Zwei Fragen stellen wir: Zunächst: Müssen wir uns berartige Ueberschriften, Schimpfworte unb Drohungen gefallen lassen? .Man kann empört sein über biefe Form — man kann auch lächeln über einen Schreiber, ber anscheinenb im Eifer bie Nerven verloren hat. Er unterzeichnet „Dr. v. L." unb bürste identisch fein mit bem Rebakteur Dr. v. Seers, ber im „Angriff" verantwortlich zeichnet für „Unterhaltung und Belehrung" (ausgerechnet!!). Wenn dieser „Dr. v. L." „seine Eminenz, ben Herrn Bischof von Berlin" (aber bitte: es heißt „Seine Exzellenz", Herr Dr.!) fragt, „warum Herr Lichtenberg noch heute in Berkin amtieren barf", bann dürfte die Gegenfrage an Herrn Hitler mehr Berechtigung «haben: Warum darf Herr v. Seers noch als Redakteur amtieren, wenn er die Annähe- I rungsversuche ber Nazis an ben Katholizismus so besudelt? Nach dem „Theoretiker" des Nazi-Kulturprogramms Rosenberg kommt hier wohl ber „Praktiher" zum Vorschein?! . . .
Wir fragen ferner inhaltlich, wo in der Handlung des Prälaten Lichtenberg und des Friedens- bunbes Deutscher Katholiken bas „Non plus ultra ber moralischen Verpestetheit!" (übrigens schönes „Deutsch", Herr v. L.!), wo eine „ber nieberträch- tigften, ber verkommensten Verhöhnungen" des „beutschbewußten Berlin" festzustellen ist. Der Film „Im Westen nichts Neues" ist von der Reichs- I jcnfur frcigcflcbcn — mit SRütffid)t auf SRobauIuft unb weiße Mäuse ber Nazis jedoch nur in geschlossenen Veranstaltungen von genau bezeichneten Organisationen. Der Friedensbund Deutscher Katholiken Berlin hat bas Einverstänbnis fast aller in Betracht tommenben katholischen Organisationen, an deren Mitglieder heranzutreten und ihnen Gelegenheit zur Besichtigung und damit zur eigenen Urteilsbildung zu geben.
Ist ber Katholik nicht auch ein freier Staatsbürger? Hat er bemnach nicht auch bas Recht, diesen sich zu diesem Zweck etwa in eine sozialistische 33er« :,tel umstrittenen Film kennenzulernen? Soll ei sich zu diesem Zwecke etwa in eine sozialistische Versammlung einschleichen? — Nein, also wird der Film für diese katholischen Vereinsmitglieder unter der technischen Vermittlung und Verantwortung des katholischen Friedensbundes aufgeführt, Gele- I genheit geben, daß auch Katholiken den Film sehen — das ist der entscheidende Anlaß der Vorführung. Jedem Katholiken steht bas Recht zu, nach Besichtigung ben Film zu kritisieren, abzulehnen, ober sonstwelche Folgerungen zu ziehen. Wenn also Mitglieber des Friedensbundes einen Prospekt unterzeichnen, ber biesen Zweck hat, so Haden sie über den Film selbst zunächst noch gar» nichts gesagt.
Man muß sich Gewalt antun, um diese Zeilen zu wiederholen; aber bas katholische Volk, bas ja nicht wenige seiner Glieder in den Rechen der Nazis zu suchen hat, muß ro i s f e n, auf welcher Stufe ber Gemeinheit bie Nazi-Presse immer unb immer roieber ben Kampf führt; es muß wissen, baß nicht nur in den Berliner Kommunisten- unb Bolfchewistenblättern, fonbern auch in der Presse dieser „nationalen" Kreise mit übelsten Stinkbomben gegen unsere kirchlichen Würdenträger nickt gespart wird.
Und was bringt diesen „Deutschen" so in Harnisch, daß er seine.primitivste Kinderstube vergißt? __ Der Berliner „Friedensbund Deutscher Katholiken" hat sich erlaubt, den von der Reichszensur für geschloffene Veranstaltungen freigegebenen Film „Im Westen nichts Neues" für diejenigen Ä" I ÄWM
Schamlose Hetze
gegen einen Berliner prälalen.
Von hervorragender katholischer Seite wird uns geschrieben:
„Viehische Totenschändung'.!" — „Prälat Lichtenberg verhöhnt unsere Gefallenen!" — „Separa- tisten-Zentrum für den Remarquefilm". — Das sind die drei Ueberschriften, mit denen der „Angriff", das Berliner nationalsozialistische Blatt, feine Leser am 26. Juni (Nr. 126) beglückt, unb mit denen es dokumentiert, in welchen Formen es die Auseinandersetzung und die Zusammenarbeit mit dem Katholizismus zu führen beliebt.
Diesen Ueberschriften folgt sogleich folgendes Motto:
wtb. New York, 4. Just. (Eig. Meld.) Die New Yorker Blätter heben heute hervor, daß bie bisher tn Paris er re r chte Verständigung noch nicht als ausreichend und für Washington annehmbar anzusehen sei. New York Times und Heralb Tribüne betonen in ihrem anläßlich des heutigen Unabhängigkeitstages erscheinenden Leit- arttkel fast übereinstimmend, daß die Vereinigten Staaten ihre Unabhängigkeit und ihre daraus erwachsene Stärke jetzt dazu benutzen müssen, um mit der übrigen Welt zusammenzuar beiten. Die Zeiten des mißtrauischen Beiseitestehens feien endgültig vorüber. Herald Tribüne sagt, die Begrüßung ber Vereinigten Staaten als größte Nation auf Erden durch den englischen Premierminister bringe zum Ausdruck, daß beide Nationen auf bem gemeinsamen Boden ber Gleichberechtigung und Offenheit ftünben, ber eine Zusammenarbeit ermögliche. New York Times betont, baß kein förmlicher Vertrag notwendig fei, um es Amerika zu ermöglichen, für die großen Forderungen von Frieden und Freiheit mit Eroß-Britan- nien und den Nationen des Kontinents zusammen- zugehen.
Glückwunschtelegramm des Reichspräsidenten zum amerikanischen Unabhängigkeitstage.
wtb. Washington, 4. Juli. (Eig. Meld.) Reichspräsident von Hindenburg sandte an ben Präsidenten Hoover ein Glückwunschtelegramm zum Unab- hängigkeitstage, das mit den Worten schließt: „Ich hoffe aufrichtig, daß sich die zwischen ben Vereinigten Staaten unb Deutschlanb bestehenden freundschaftlichen Beziehungen immer mehr festigen unb daß bie von Ihnen eingeleitete hochherzige Aktion sich für bie ganze Welt segensreich auswirken werde."