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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt

Fit? 1,50 *m undLuchendlätter" Rotationsdruck und Verlag «*** der itnlhn»r 91rtionhrnl#orol In

Freitag, 3. Juli 1931

3«6tg. 58

Vergleichs-Plan der britischen Regierung?

Frankreichs Schutz gegen die Vernunft: Paragraphen, Paragraphen.

Sämtliche Gläubigerstaaten Deutschlands haben er

immer hartnäckig hinterheiligen" Paragraphen,

Frankreich: Laßt Paragraphen um mich fein!

wtb. London, 2. Juli. (Eig. Meld.) Der Pariser Korrespondent desManchester Guardian" meldet, die brttische Negierung habe einen Schritt in Paris unternommen, um ein Ueberein- tommen zu erleichtern. Der Vorschlag solle das Depot Frankreichs bei der B. 3. 3. im Falle eines Moratoriums nach Ablauf des Hoover- Jahres betreffen. Den Informationen des Korre- spondentm zufolge soll die englische Regierung bereit sein, einzuwilligen, daß Frankreich ganz oder teilweise dieser Verpflichtung enthoben werde unter der Bedingung, daß die französische Regie­rung den Vorschlag des Präsidenten Hoover in den übrigen Punkten annehme. Das würde, so meint der Korrespondent, bedeuten, daß Frankreich zustimme, daß die bei der D. 3.3. hinterlegten Beträge ausschließlich zugunsten Deutsch­

lands verwendet werden und die Rückzahlung innerhalb von 25 Jahren annehme.

Manchester Guardian" stellt fest, daß offiziell in London nichts zugegeben wird, meint aber, es bestehe guter Grund für die Annahme, daß Eng­land tatsächlich in Paris, und zwar in seiner Eigen­schaft als Unterzeichner des Joungplanes, inter­veniert habe.

Die Vereinigten Staaten haben, wie aus Was­hington gemeldet wird, Frankreich ernstlich darauf hingewiesen, daß ein Scheitern des Hooverplanes unzweifelhaft eine deutsche Moratoriumserklärung zur Folge haben würde.

Von links nach rechts: Finanzmlnister Flandin, Außenminister Briand, der amerikanische Botschaf­ter Edge, Ministerpräsident Laval, der amerikanische Schatzsekretär Mellon.

Die Verhandlungen zwischen dem amerikanischen Schatzsekretär Mellon und der französischen Re­gierung über den Hoover-Plan scheinen auf dem toten Punkt angelangt zu sein. Angeblich erwägt Amerika jetzt die Durchführung des Weltmoratoriums unter Ausschluß Frankreichs.

* Volksentscheid über Auflösung des Braun­schweigischen Landtages. Der amtlichen Feststel­lung zufolge hat die Vorabstimmung zu dem kommunistischen Volksbegehren auf Auflösung des Braunschweigischen Landtages mit den erforder­lichen Zehntel aller Stimmberechtigten die Rechts- Gültigkeit des Volksbegehrens ergeben. Bei 352721 Wahlberechtigten wurden abgegeben 36 079 Ja­stimmen gleich 10.2 Prozent. Da nicht anzuneh­men ist, daß der erst im September vorigen Jah­res gewählte Landtag seine Auflösung selbst be­schließt, hat nunmehr Volksentscheid stattzufinden. Ein Erfolg des Volksentscheids, zu dem die Mehrheit der Stimmberechtigten erforderlich wäre, ist nicht wahrscheinlich.

wtb. Paris, 2. Juli. (Eig. Meld.)L'Ordre" will erfahren haben, daß die Regierung entgegen anderslautenden Gerüchten das Parlament nicht morgen oder übermorgen in die Ferien schicken werde, sondern zunächst den Abschluß der mit Wa­shington geführten Verhandlungen abwarten wolle.

der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift ::: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::

Hoffnung hege, daß Deutschland kein Moratorium zu erklären brauche. Castle bestätigte, daß gegen­wärtig ein Plan für den Fall des Scheiterns der Pariser Verhandlungen erwogen werde. Er sei je­doch noch nicht spruchreif'und keiner anderen Re­gierung unterbreitet worden.

wtb. Paris, 2. Juli. (Eig. Meld ) Die von Schatzsekretär Mellon und dem amerikanischen Bot­schafter der französischen Regierung überreichte amerikanische Denkschrift* wird fast von allen Blät­tern eingehend wiedergegeben. Der allgemeine Eindruck, den die Morgenpresse wider­spiegelt, ist der, daß durch die Veröffentlichung der Denkschrift der Diskussion jetzt eine größere Grundlage gegeben worden sei.

Paul Boncour, der Frankreich vor dem Haager Schiedsgericht in der Anschlußfrage vertritt, nimmt imJournal" zu ihr Stellung. Vom französischen Standpunkt und von dem unserer Alliierten gese­hen, schreibt er, bedeutet der Anschluß eine tödliche Gefahr für die gegenwärtige Lage Europas. Er würde einen gegen Rumänien und Südslawien ge­richteten Block schaffen und vor allem die Tschecho­slowakei einkeilen. Um aber den Anschluß, der eines Tages unvermeidlich sei, von derartigen Ge­fahren loszulösen, um zu vermeiden, daß er sich mit allzu großen Ungelegenheiten für Frankreich verwirkliche, müsse zunächst Europa organisiert werden. Der Verzicht auf den Anschluß müsse in allererster Linie die Bedingung für das neue Opfer sein, das Frankreich in der historischen Nacht der Kammersitzung vom Samstag vergangener Woche gebracht habe.

Das Staatsdepartement tri Washington ver­öffentlicht gleichzeitig mit Paris das Memorandum, das der amerikanischen Botschaft in Paris gestern nacht gekabelt und von Mellon dem französischen Ministerpräsidenten Laval übergeben wurde. In diesem Memorandum wird der Standpunkt Ame­rikas zu den gegenwärtigen Verhandlungen so, wie wir ihn aus einer Schilderung von hoher Regic- rungsseite meldeten, schriftlich fixiert. Un­terstaatssekretär Castl bemerkte hierzu, diese Ver­öffentlichung bedeute keinen Abschluß der Diskussio­nen, sondern habe lediglich den Zweck, die ameri­kanische These ganz klar herauszuarbeiten in der Hoffnung, daß Frankreich daraus ersehe, daß Ame­rika in gewissen Punkten nachgebe und nachaeben werde, in anderen aber nicht nachgeben könne. Castle fügte hinzu, die französische Regierung habe das Memorandum durchaus freundlich ausgenom­men und eine Konferenz zwischen Mellon und Laval sei für Donnerstag abend anbe­raumt worden. Bezüglich der von Frankreich ge­orderten Konzession in der Frage des Garantie- onds wies Mellon darauf hin, daß 3mar der Poungplan eine rein europäische Angelegen­heit sei und Frankreich nur die Zustimmung der Bounavlonal^ubiger 3ym Verzicht auf die Garan­tiefonds benötige, daß aber, falls Frankreich ver­lange, Deutschland solle als eine Bedingung der Durchführung des Hooverplanes sich verpflichten, im Falle eines Moratoriums den jetzt geplanten Kredit plus den unaufschiebbaren Teil zu zahlen, J)ies für Amerika unannehmbar fei Der Geist des Hooverplanes lasse eine derartige Doppel­belastung nicht zu, selbst wenn man die bestimmte

Spartakiade.

Spartakus war ein Sklavenbefreier des römi­schen Altertums, und nach ihm haben die Kom­munisten, die ja während der Revolution in Deutschland unter akademischer Führung standen, sich benannt. Sie wollten damit zum Ausdruck bringen, daß sie als Vertreter des vier­ten Standes sich als Sklaven fühlten und nun ihre Freiheit zu erkämpfen gedachten. Von dieser ge­schichtlichen Wortableitung ging der Berliner Po­lizeipräsident aus, als er vor einer Reihe von Tagen das unter dem Namen Spartakiade ange- kündigte kommunistische Sportfest verbot, und fei\ Auffassung schien uns allen umso einleuchtender, als zu gleicher Zeit auch die Nationalsozialisten eine sportliche Veranstaltung im Deutschen Sta­dion planten, die ebenfalls untersagt wurde, weil sie ganz offensichtlich den Sport nur als Deckman­tel für eine politische Demonstration benutzen wollten. Aber dann kam die deutsche Gründlich­keit zu Wort und wies nach, daß man die Be­zeichnung Spartakiade nicht von Spartakus, son­dern von Sparta, dem Urbegrisf körperlicher Manneszucht und turnerischer Tüchtigkeit, abzu­leiten habe, Spartakiade wurde in Parallele zu Olympiade gesetzt, und diese Deduktion leuchtete den Berliner Behörden umsomehr ein, als zu gleicher Zeit kommunistische Führer im Polizei­präsidium erschienen und glaubwürdig versicherten, es handle sich wirklich nur um ein sportliche Ver­anstaltung. Jede volitische Note sollte vermieden werden.

Aber was heißt bei unseren Radikalen glaub­würdig? Der politische Gegenspieler des Kommu. nismus, Adolf Hitler, hat es uns oft genug vor Augen geführt, daß Glaubwürdigkeit bei ihm mit Unglaubwürdigkeit durchaus gleichzusetzen ist. Und bei den Kommunisten liegen die Dinge, wie die letzten Tage gezeigt haben, nicht anders. Die ^deutsche Opposition, stehe sie rechts oder links, muß sich nachfagen lasten, daß ihr die Wahrhaf­tigkeit ein unbekannter oder ein bewußt umge­bogener Begriff ist. Bei den Zusammenstößen in Berlin am Dienstag abend, die wieder einem pflichttreuen Beamten das Leben kosteten, sind die kommunistischen Demonstranten zum Teil mit dem Abzeichen der Spartakiade erschienen, die dar­aufhin erneut verboten worden ist. lieber die Bedeutung des Wortes kann also jetzt kein Zweifel mehr sein, die politischen Philologen und Sprachforscher haben sich gründlich geirrt. f

Spartakus versucht wieder, die Straße zu be­herrschen. Rechts und links, bei den Kommuni­sten wie bei den Nationalsozialisten, stoßen wir auf organisierte Bürgerkriegspro­paganda. Bei den Nationalsozialisten war sie seit langer Zeit zu beobachten, obwohl Hitler vor einigen Wochen wieder einmal die Legalität sei­ner Bewegung beschworen hatte. Bei den Kom­munisten, die in ihren Zielen und vermutlich auch in ihrer Hartnäckigkeit viel gefährlicher sind als die Hakenkreuzler, wird mehr und mehr ein kla­rer Aufruhrplan festgestellt, der aus dem Hinter­halt dirigiert wird. Die Vorfälle in Berlin am Dienstag abend haben diese Planmäßigkeit ganz deutlich erwiesen. Bei den Nationalsozialisten da­gegen scheint der Geist des Spartakus oder was sie dafür halten, sich mehr selbständig in kleine­ren Gruppen zu betätigen. Hitler selber ist wahr, scheinlich nicht mutig genug, um zum Angriff zu blasen, wenn er auch kürzlich noch erklärt hat, er werde notwendigenfalls allein marschieren. In Wirklichkeit tritt er wohl immer nur auf der Stelle und läßt das junge Volk, das ihm nachläuft, auf eigene Kosten sich die Finger verbrennen. Bei den Kommunisten ist es anders. Sie stehen unter der Moskauer Knute und werden vom Kreml her immer wieder zum Landesfriedens­bruch aufgepeitscht. Sie haben auch ein klares Ziel. Die Diktatur des Proletariats ist schon eine Sache, bei der man sich etwas denken kann. Bei den Nazis aber denkt sich jeder etwas anderes, und die SA.-Leute, die ja dafür bezahlt werden, machen halt mal hier und mal da Krach. Das wird sich ändern, wenn einmal die wirtschaftlichen Verhältniffe sich bessern und die jungen »Leute, die wirklich von nationalen Dingen träumen, ihren Verstand soweit entwickelt haben, daß sie die phrasenhafte Verlogenheit ihrer Führer durch­schauen. Auch der Kommunismus wird natürlich viele Anhänger verlieren, wenn die Lage Deutsch­lands etwas hoffnungsvoller wird. Aber er wird solang leben, wie das bolschewistische Regiment sich in Deutschland hält, und dessen Ende ist bei der Stumpfheit und Dumpfheit der russischen Ge- amtbevölkerung vorläufia noch nicht abzusehen.

Der Kommunismus ist daher zweifellos die chärfere Gefahr, und es erhebt sich ange- ichts feiner jüngsten Ausschreitungen wieder ein­mal die Frage, ob nicht der Staat ihn viel zu lange hat gewähren lassen Die eigentliche Spar­takiade ist ja nun glücklicherweise zum zweiten Male und damit wohl endgültig verboten, aber wenn man genauer zusieht, was in Deutschland seit Monaten tagtäglich geschieht, so muß man erkennen, daß wir in Berlin und in anderen Großstädten schon lange die Spartakiade qm lausenden Bande haben. Der Staat überschätzt den sittlichen Imperativ des demokratischen Ge­dankens, wenn er immer wieder den Radikalis­mus bis hart an die Grenze des Aufruhrs sich betätigen läßt Auch das gilt für das Hakenkreuz ebenso wie für den Sowjetstern. Neuerdings hat der Spartakusgeist ja in verschärfter Form auch Gruppen des studentischen Lebens ergriffen, und es ist bezeichnend, daß die Unruhen an den Universitäten, feie hier von Kommunisten und dort von Hakenkreuzlern ausgehen, das gleiche Ge­präge haben und von nichtakademischen Elementen organisiert und geschürt werden.

Es scheint wirklich an der Zeit, daß der Staat zugreift und die so oft von den Jnnenminisbcrn abgegebene Erklärung, daß er über alle Macht

kamst, daß der ausgezehrten deutschen Wirtschaft um keine Konzessionen machen zu müssen, durch ein Moratorium Schutz und Ruhe gewährt werden müsse; nur Frankreich verschanzt sich noch

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Schutz gegen die Ehrabschneider!

Wollen wir uns wirklich damit abfinben, baß in Deutschland Menschen von ebelftem Wollen unb von lauterster Absicht trotz aufopferungsvollsten Wirkens in gerabezu unerhörter Weise mit Schmutz beworfen werben? Unb zwar von Elementen, die nur deshalb so kräftig mit Schmutz werfen können, weil ihnen eine klare Einsicht in bas Verwerfliche unb Niedrige ihres Tuns infolge des gering entwickelten Reinlichkeits-Gefühls, der mangelnden Geistes- unb Herzensbilbung nicht ge­geben ist? Man schüttelt sich vor Widerwillen, wenn man die Ausschreitungen ber Verleumdung, die Roheit unb Geistlosigkeit bes politischen Kamp­fes unserer Tage betrachtet. Es sollte aber nicht nur ein Gefühl des Abscheus, es sollte auch eine gerechte Entrüstung in jedem anständigen Menschen höchsteigen, und er sollte es sich zur Ehre anrech­nen, dem Beleidigten und Geschmähten moralische Deckung zu gewähren.

Gemeinste Verleumdungen sind gegen Heinrich Brüning in systematischer Weise verbreitet. Bald soll er gut getafelt, bald soll er geradezu gezecht haben. Schließlich hat einer entdeckt, er habe sich verlobt.

Lauter Schwindel! Das fft aber harmlos gegen­über den niedrigen Schmähungen, die sich die Nazi-Blätter in Wiesbaden und Frankfurt a. M. geleistet haben.

Der Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau hat sich soeben genötigt gesehen, die in Wiesbaden erscheinende TageszeitungR h e i n w a ch t" (Nassauer Beobachter) und deren Kopfblatt, die in Frankfurt a. M. erscheinende TageszeitungFrankfurter Volksblatt" (Frank­furter Beobachter) wegen Uebertretung de^ Verordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Aus­schreitungen vom 28. März 1931 auf die Dauer von sechs Wochen verboten. In dem Verbot heißt es u. a.:

In der Ausgabe derRheinwacht" vom Samstag, dem 27. Juni 1931, wird in einem mitD i e Ge­ächteten" überschriebenen Artikel dem auf Grund seines heldenhaften Kampfes für die Befreiung seines Volkes von dem Feinde Napoleon geächteten ff rei­be r r n vom Stein in bewußt herabwürdi­genden Gegensatz der derzeitige Reichs­kanzler Dr. Brüning gegenübergestellt, der seinerseits gleichfalls geächtet fei, aber nicht wie vom Stein Dorf dem Feinde ber deutschen Nation, sondern von seinem eigenen Volke, das mit Mißtrauen und Haß dem in Chequers und Paris herzlich willkommen geheißenen Kanzler die Interessen des deutschen Volkes an seine Feinde verraten sehe. Die Verächt­lichmachung des Artikels gipfelt in den Ausführungen: Und was die Briefe anbelangt, die er schrieb, so muß er sich davor hüten, daß sie einem nicht in d i e Hände fallen, dem deut­schen Volk, weshalb auch der Brief Hin­denburgs an Hoover nicht veröffentlicht wird." In schwerster politischer Stunde dem Leiter des zur Zeit mit den früheren feindlichen Ländern um die Existenz Deutschlands kämpfenden Kabinett gegenüber derartige Verdächtigungen in breitester Oeffentlichkeit kundzugeben, bedeutet eine grobe Beschimpfung und böswillige Verächtlichmachung des höchsten Beamten des Reiches, die gemäß § 1 Absatz 1 Ziffer 2 der Notverord­nung des Reichspräsidenten -zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 28. März 1931 nicht unbeanstandet bleiben darf. Bereits in derselben Zeitung wurde in der Ausgabe vom 20. Juni 1931 in einem anderen Ar­tikel, überschriebenPyrrhus II." der Reichskanzler in einem Vergleich mit Kemal Pascha in ähnlicher Weise beschimpft und verächtlich zu machen versucht, indem u. a. zum Ausdruck gebracht wurde:Den einen (Kemal Pascha) hält das Vertrauen seines Volkes im Amt, das in ihm den Garanten- feiner Freiheit sieht; den anderen das Vertrauen der Feinde feines Volkes, denen er als der sicherste Garant ihrer Kredite erscheint." Es erhellt daraus, daß der Verfasser der Artikel bewußt und böswillig darauf ausgeht, den Reichskanzler als Feind des durch ihn vertretenen Deut­schen Reiches, also der Achtung der Volks­genossen unwürdig hinzu st eilen. Die beiden erwähnten Artikel sind gleichzeitig auch imFrankfurter Volksblatt" vom 20. bezw. 27. Juni erschienen. Die Zei­tungen mußten deshalb verboten werden, und zwar im Hinblick auf die sich wiederholenden Verfehlungen und das bereits vor kurzem erlassene zweimalige Verbot für die Dauer von sechs Wochen."

Wir begrüßen die Maßnahmen bes Oberpräsi- benten. Es ist eine energische Aktion in bem not­wendigen Kampfe gegen bie krankhafte Schmäh­sucht der Radikalen. Gehen wir gegen dieses Uebel nicht an, so ist Deutschland in Kurzem aus den Reihen der Kultur-Nationen gestrichen. Es kommt ja nicht darauf an, ob wir uns alsArier" für die vollkommenste Erscheinungsform ber Gat­tungMensch" halten. Eigenlob stinkt! Die an­dern aber werben sagen: was finb bas für Geister, die ben Repräsentanten bes Volkes, den Kanzler, der sich durch seinen Verstand und seinen Charakter die Achtung ber Mächtigen ber ganzen Erbe erworben hat, behanbeln, als ob er ber letzte Knecht unb dazu noch ein Schurke sei. Einem solchen vernichtenden Urteilsspruch der Kulturwell sollte sich Deutschland nicht aussetzen. Es wäre gleichbedeutend mit bem Verlust unserer natio­nalen Ehre. Unglück kann ein Volk haben. Seine Würbe muß es unter allen Umstänben zu wahren wissen. Das liegt nur bet ihm. Aus dem deutschen Blätterwald, auch aus bem r a b i k a l e n, hülfen keine Töne kommen, die an den Urwald er­innern.