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Nr. 149
2. IuN
Beilage zur Fuldaer Zeitung
Mutter.
In jedem Herzen schlummert unbewußt
Der Mutter Lächeln, wie es wachsam war, Und jede Mutter wahrt in tiefster Brust Des Kindes ersten Schrei, das sie gebar.
Und später bleibt im fernsten Land der Sohn Doch eng verbunden mit der alten Frau, Und spricht sein Scharfsinn ihrer Einfalt Hohn, Klingt seine Stimme wetterhart und rauh,
Wenn plötzlich Weh sein Innerstes bedrängt, Raunt er den Mutternamen ungewollt,
Die Greisin spürt, daß Gram sein Herz umfängt Und betet still, der Rosenkranz durchrollt
Die welken Finger ihrer dürren Hand, Ihr Antlitz leuchtet jung, des Alters bar;--
Still wird der Sohn und fühlt im fernsten Land Der Mutter Atem über seinem Haar.
Lotte Tiedemann.
Der Schul-Ausflug.
Was gehört eigentlich im Kindersinn alles zur rechten Ausflugsstimmung: Eisenbahnfähren ist eine Vorbedingung, Rucksäcke mit Brötchen, riesigen Broten, Wurst und womöglich einer Flasche Saft dienen der Vorsorge für den Magen, der den ganzen Tag aufnahmebereit ist. Natürlich dürfen gekochte Eier in allen Härtegraden nicht fehlen. Die hartgesotteten helfen Hals und Magen austrocknen, die weichgesottenen den Rucksack innen und in der Folge auch außen mit ihrem anfangs leuchtenden, später klebrigen Gelb verschönen.
Die meisten Kinder sind selbstverständlich schon eine Viertelstunde vor der festgesetzten Abmarschzeit auf dem Schulhof. Aber die eigentlichen Bummler der übrigen Tage kommen auch am Ausflugstage noch in Eilmärschen nachgerückt. Um Ausreden sind sie nie verlegen. So lasten sie den Siebenschläferruf über sich ergehen, um alsbald doch das große Wort zu führen. Fremde Gegenden, die sie bestimmt noch nicht betreten haben, kennen sie natürlich schon längst. Fragt man etwas verwundert, so heißt es kurzerhand: „Da bin ich doch schon mit meinem Vater gewesen." Will man sie auf ihren Schwindel festnageln, so ist die Ausrede nicht minder unfehlbar: „Ja, damals war ich noch klein, ich weiß das nicht mehr so genau, ich muß zu Hause erst mal den Vater fragen." An Zurufen: „Er schwindelt, er lügt" fehlt es dabei nicht. Aber die tut der Großsprecher mit einer Handbewegung ab. Er läßt sich in seine Welt nicht hineinreden.
Die meisten Jungen, wenigstens solche ohne einen besonders sangeslustigen Lehrer, können das Singen unterwegs durchaus entbehren, wenn sich nur ein lär» mender oder bewegter Ersatz bietet. Schinkenkloppen im Zug ist wesentlicher, Ringkampf auf der Wiese auch. Aber die Mädchen sind um so eher für ein Liedlein zu begeistern. „Wir wollen singen!" — und so schallt dann auch „Das Wandern ist des Müllers Lust" in den frühen Morgen hinaus. Aber auch des Mittags erscheint es in neuer Auflage und abends ist es noch nicht einmal erschöpft.
Ich hatte es als Kind immer leicht mit dem Mitgehendürfen auf dem Ausflug; denn mein Vater war ja selbst der Lehrer und es war stets ärgerlich, wenn die einen oder anderen Eltern ihr Kind nicht mitgehen lasten wollten. Warum manche Eltern ausgerechnet den Kindern die Ausflugsteilnahme verweigern wollen, weiß ich so recht nicht. Aber es kommt weit öfter vor, als man meinen sollte. Die Gründe sind meist auch danach. Man sollte denken, daß die Geldfrage die Hauptsache sei. Aber da beugen die meisten Lehrer schon vor. Es wird kaum einmal der Fall sein, daß ein Lehrer nicht einen kinderfreundlichen Spender oder einen Ausflugszuschuß der Gemeinde in der Hand hätte, um einem armen Tropf zu helfen. Auch ganz verschwiegen, ohne daß es die anderen merken. — Aber Ausreden wie diese: „Der Lorenz hals am Herz", sind doch merkwürdig für einen Sausewind, der Tag für Tag auf dem Spielplatz um die Ecken stiebt. Wenn das Schwesterchen dem Leh-
Welche Farbe macht blatz?
Von Dr. Rudolf Ehrhardt.
Unsere Zeit der Städte sucht wie keine andere die Sonne, liebt ihr warmes Gold und ihren rötlichen Schein. Rot ist Blut, ist Leben. Kein Maler hat das Rot so gefeiert wie Rubens. Auf den Hellen Gliedern seiner Amphitrite, seiner Leukippostöchter leckt der Scharlachschein des Gewandes.belebend empor. Purpur aus dem Safte der Meeresschnecken war die geprie- senste Stoffarbe der Antike, beneidet, wer sie tragen durste. Goethe findet im Rot Ernst und Würde sowohl wie Huld und Anmut vereinigt. Nicht ohne Grund hat es seinen Platz auf Polstern und Wänden von Theatern und Festsälen behauptet, unter Lampions und Sonnenschirmen wärmt sein Schein. Grün ist nur pflanzliches Leben. Am grünen Tisch, an grünbeschirmter Lampe vollzieht sich die Arbeit des Geistes. Grüne Wiesen verlangen frischeste Gegensätze. Ein grüner Festsaal würde alles warme Leben aus sich verscheuchen; eine so lei- chenhafte Lichtattacke ist nicht einmal mit dem Rotstift zu parieren, der in grünem Licht ja schwarz erscheint.
Das Blau der gealterten Madonnen haben wir uns erlaubt, zu unserer Modefarbe zu dämpfen. Aber in dem blausilbernen Spiegelsaale von Amalienburg fühlen wir uns fremd-verloren, die Pompadour des Louvre ist uns zu vergeistigt in ihrem blaßblauen Büchersalon, den nur ein ziegelroter Buchschnitt belebt.
Niemand möchte heute blaß sein. Hatten jene Zeiten keinen Geschmack im Punkte Teint? Ja und nein. Blaß waren sie alle, soweit man die Galerien durch- schweift, mochten auch Leonardo und die späteren Venezianer ihnen etwas Gold anhauchen. Blaß sein war allezeit ein Attribut der vornehmen Klasse, bis nach Indien und Japan hin. Man puderte und färbte sich eher weiß als farbig. Erst unsere Zeit nahm Abschied von den schne^kühlen Jungfrauen und ging ins Sonnenbad.
Zum anderen ist der individuelle Mensch im eigenen Klein eine relativ junge Sache, eine Angelegenheit von Spinnmaschine und mechanischem Webstuhl, von Teerfarben und Kunstseide. Das hausgesponnene, teuer erworbene Kleid, das in der Truhe bewahrt noch auf die nächste Generation übergeht, läßt keinen Raum für die persönliche Note. Man nutzte, was man hatte.
rer berichtet, daß der Gustav nicht mitdürfe, „weil er immer nichts ißt", so ist uns das schon verständlicher. Hier läßt sich der Grund auch schon eher glauben; denn das kann die Mutter selber sehen. Wie sie aber bei dem Lorenz den Herzfehler festgestellt hat, weiß ich nicht; denn auf Medizin studiert hat sie doch nicht und ein Arzt hat den Lorenz nie gesehen. Manche der für das Kind schrecklichen Drohungen, daß es nicht mit dürfe, läßt sich bei trauter Zwiesprache unter vier Augen noch beheben.
Mitgehen sollen sie alle. Das gehört nun einmal zum Schulkind-sein. Und lebhaft müssen sie auch schon ein bißchen dabei sein. Gucken da manchmal die Mitreisenden auf dem Bahnsteig oder im Wagen so entrüstet auf die lustige Schar, daß man beinahe meint, sie wären gar keine Kinder gewesen, sondern gleich als gewichtige große Leute zur Welt gekommen. Es fehlt bloß noch, daß sie sagen: „Aber das Lustig- und Ausgelassensein schickt sich doch bei so ernsten Zeiten nicht!" Ach nein, den Spaß wollen wir den Kindern gönnen, die werden noch genug ernst in ihrem Leben sein müssen.
Stand ich da neulich auf einem Bahnhof wie ein Verkehrsschupo an der Wasserleitung inmitten des Kin- dergedrängs. Natürlich spritzte der Becher beim hastigen Füllen manchmal über auf die nächsten Gesichter, daß sie zurrückfuhren und es ein Geknäuel in der Schar gab. Ich lachte selber und war nicht einmal ganz unschuldig an dem Vorfall. Da tauchte die rote Mütze des Bahnhofsvorstehers an der Ecke auf und ich denke, jetzt kriegen wir alle zusammen die Meinung gesagt. Aber als der die Schnupftücher in den frisch beperlten Gesichtern sieht und die triefenden Haarsträhnen dazu, da lacht er selber und meint, es wäre doch gut. daß für so viel Durst eine Wasserleitung am Bahnhof sei. Da wischte ich mir behaglich noch den eigenen Spritzer aus dem Gesicht.
Irgend einen Höhepunkt muß der Ausflug natürlich haben. Das Tier mit den 5 Beinen ist schon so ein An
laß zum Bestaunen. Kinder wollen staunen. Sie sind noch nicht in ihrer Einbildungskraft so vertrocknet wie viele von uns Erwachsenen. Wenn der Elefant die Schokolade mit dem Papier frißt, dann ist das eine Außergewöhnlichkeit, die bestaunt werden muß. Würden die Kinder die Schokolade — freilich ohne Papier — nicht so gern selber essen, so könnten sie den ganzen Tag Elefanten zu ihrem größten Ergötzen damit füttern. Aber auch das Aeffchen, das sich die gekochte Kartoffel fein säuberlich vor dem Essen schält, genügt für die erste halbe Stunde. Bewegung muß da sein. Alles was sich nachmachen läßt, ist besonders geeignet. Vor allem für die Kleinen. Und wenn sie nur auf einem Hügel die Arme ausbreiten, um einen Segelflug nachzuahmen, den sie beobachtet haben.
Bloße Naturschönheiten genügen nicht. Wenn die Spielanleitung durch die Lehrpersonen nicht den rechten Halloh gibt, so schaffen ihn die Kinder schon selbst. Und die „in der Landschaft" schwärmende Lehrerin erlebt mit ihrer Schar eine Pleite, wenn sie auf die Empfänglichkeit für Naturschönheit ihre Hoffnung gesetzt hatte. Das schadet auch nichts. Denn wenn wir für all das Erdenschöne schon als Kinder eingestellt wären, so würde unser Leben in späteren Jahren dürftig sein.
Irgend etwas Besonderes, etwas Neues, irgend ein kleines Wunder des Erlebens wird der Ausflug schon bringen. Was sehen wir Große doch die Welt mit so stumpfen Augen an, wo das Kind noch staunend davor steht. Die Bäume springen am Eisenbahnwagen entlang, die Leute auf dem Feld winken dem Zug mit den vielen Kindern an den Fenstern zu und weit irgendwo in der Ferne wartet wie ein geheimnisvolles Märchen das Erlebnis des Ausflugs auf das Kindergemüt. Wie nüchtern sind wir Grroßen! Was Wunders, wenn das Kind uns um diesen besonderen Tag geradezu quält. „Der Himmel ist blau, das Wetter ist schön, Herr Lehrer wir wollen spazieren gehn." Wer wollte es ihnen wehren? —ck.
Was mutz die Frau vom Hitzschlag wissen?
Von Dr. med. F. Moser- Berlin.
Es ist eine ausfallende und nicht nur den Aerzten bekannte Tatsache, daß nicht alle Menschen die sommerliche Wärme, insbesondere dann, wenn sie sog. Tropentage, d. h. Temperaturen über 30 Grad im Schatten bringt, gleichmäßig gut vertragen. Dem einen Individuum macht die Hitze garnichts aus und das andere glaubt schon bei 20 Grad verschmachten zu müssen. Aus dieser Ueberlegung heraus resultiert, daß auch nicht alle Menschen ohne weiteres zum Hitzschlag oder zum Sonnenstich, diese beiden Erkrankungen sind wohl in den meisten Fällen identisch, neigen. Die ärztliche Wissenschaft hat sich bisher vergeblich bemüht, festzustellen, welche tieferen Ursachen der Hitzschlag hat. Man ist da immer noch auf gewisse Vermutungen angewiesen. Richtig dürfte wohl die Ueberlegung sein, daß die Stoffe, die dem Körper als Nahrung zugeführt werden, bei der Arbeit im allgemeinen wieder verbraucht werden. Bei dieser Umwandlung der Nahrungsstoffe wird im Körper Wärme erzeugt, die er wieder an die ihn umgebende Luft oder auch an das Wasser abgibt, wenn der Mensch zufällig schwimmt. Nun tritt an sehr heißen Sommertagen die Lust schon so sehr mit Wärme gesättigt an den Körper heran, daß sie nicht mehr in der Lage ist, neue Wärme aufzunehmen. Die Körperwärme hat also keine Verflüchtungsmöglichkeit mehr, es tritt ein Rückstau in den Gefäßen ein, der so stark werden kann, daß sich ein erheblicher Blutandrang nach dem Gehirn und eine Aufhäufung der Stoffwechselgifte ergibt, daß die Funktion einzelner Körperteile gehindert wird. Es tritt dann meist nach einem leichten körperlichen Unbehagen, das auch mit Uebelkeit aus dem Magen, also mit Erbrechen, Durchfall usw. verbunden sein kann, Hitzschlag ein, d. h. der Patient wird in der Regel bewußtlos, bei hochrotem Gesicht, keuchendem Atem und Körperzuckungen. Hitzschläge können sehr gefährlich werden, besonders bei Öen Personen, deren Herz nicht gesund ist. Deshalb schleunigst den Arzt rufen! Inzwischen aber darf die Umgebung des Erkrankten nicht un
tätig fein. Man bringt den Patienten vor allen Dingen in einen kühleren, nicht kalten, in Dämmerlicht gehaltenen Raum, öffnet alle beengenden Kleider — bei Fragen und Mädchen ist vor allem auf die Deffnung des Korsetts, der Leibbinden und Strumpfbandhalter zu achten — legt den Kopf hoch und sorgt durch Fächeln mit Zeitungsblättern, wenn kein Ventilator vorhanden ist, für Zufuhr frischer Luft. Kehrt der regelmäßigere Atem wieder, nimmt die Rötung des Kopfes ab, den man zweckmäßigerweise mit kalten Kompressen umwickelt, bann wird der Patient rasch völlig entkleidet und mit einem ziemlich nassen Schwamm kalt abgewaschen, leicht nachfrottiert und zu Bett gebracht. Man sorge auch dann noch für dauernd frische Luftzufuhr, mache weitere Kopfkompressen und halte jedes Geräusch nach Möglichkeit fern. Tritt nach einer Stunde nicht völliges Bewußtsein ein, gehört der Erkrankte in ein Krankenhaus. Schließlich befolge man fehr genau die Ratschläge des Arztes. Vor allem muß darauf geachtet werden, daß kein Fieber eintritt, daß sich keine Sprachstörungen ufrö-bemerkbar machen, was daraus hindeuten würde, daß das Gehirn stärker in Mitleidenschaft gezogen ist. Hitzschläge und Sonnenstich wiederholen sich gern. Deshalb wird man bei einem einmal von diesen Sommer- krankheiten Betroffenen darauf achten müssen, daß er feinen Lebenswandel etwas danach einrichtet, d. h. daß er vor allem mäßig lebt. Alkoholgenuß, starkes Rauchen und Übermäßiges Essen an sehr heißen Tagen befördern den Hitzschlag.
3S&tosrer die für eine Mahlzeit benötigte Menge fr t\ufel-\e für ein Kind bis zum 6 Monat. Es ist auch das Beste
Ghirlandajo stellte blasse Frauen in Gewändern unbedenklich dissonierenden Rots nebeneinander, Dürer gibt einer rotgekleideten Beterin eine blaue Kapuze mit orange Jnnenfutter, dazu ein grünliches Kopftuch. Die Puderköpfchen der Reifrockzeit schweben wie eine Sache für sich über den modisch getönten Stoff-Ungetümen. Der Körper steckt nur im Kleid. Es dient ebensowenig seiner Form wie seiner Farbe.
Heute gilt die persönliche Gesamterscheinung. Unsere Farbenreihe hat sich zu einer Klaviatur feinster Uebergänge ausgedehnt. Aber wer spielt sie?
Die Brünette wird selten falsche Tasten anschlagen; goldbraune Haut schreckt weder vor Vergleichen mit lebhaftestem Rot zurück noch vor ihrem spektralen Gegenüber Violett und Blaugrün, und gedämpfte Mischfarben heben ihre Wärme sogar noch. Ein brauner Nacken von duftigem Heliotrop eingefaßt, vergißt sich schwer.
Auch den Blasseren unter der Brünetten steht vieles noch zu Gesicht, was eine ausgesprochen Blondblasse kaum tragen kann. Man denke an bunte spanische Schals, an indische Kattune, an das giftige Grün und das krasse Blau, das gelbliche Niggergirls sich mit Effekt umwerfen. Die Haarfarbe ist dabei eine zweite Frage; eine fahle Südländerin kann empfindlicher fein gegen Farben als eine frische Blondine vom Ostseestrande.
Was bleibt den Blassen übrig, den pigmentarmen Schmerzenskindern der Mode, die von der See oder vom Gletscher höchstens einen Sonnenbrand, aber keine Farbe davontragen? — Man denkt zunächst an die farblosen Tone Schwarz, Weiß und Grau. Schwarz und Weiß haben sich durch alle Zeiten neutral erhalten, im Gesellschaftsanzug des Herrn ist wie in der alten spanischen Tracht die Teintfrage glücklich ausgeschaltet.
Vom reinen Weiß laufen die Möglichkeiten weiter auf zwei Linien zum Cremeweiß und Beige, zum Grau und Silber. Ein fahles Gelb gibt noch gute Wirkungen, solange es sich nicht zu weit von der Gesichtsfarbe entfernt. Drange und Lachsrosa sind die deutlichsten Vergleichsmaßstäbe für die Wärme der Haut; eine ausgesprochen Silberblonde wird sie nur wählen, um etwa ihre Eigenart noch besonders zu unterstreichen.
Auf der anderen Seite beginnt die Gefahr bei den Farbgegensätzen: je bläulicher das Grau, um so mehr läßt es seine orangene Ergänzungsfarbe vermissen. Für das menschliche Auge, das (nach Goethe) stets zu einer
Beftiedigung in der Totalität strebt, ergänzen sich zu Weiß die Farbenpaare Blaugrün und Rot, Blau und Drange, Blauviolett und Gelb, Violett nud Gelbgrün. Das weihe Resultat dieser „Farbenaddition" läßt sich beobachten am Farbenkreisel, am Verschwimmen von Farbfleckchen in pointillistischen Gemälden u. dgl., nicht aber in der Durchsicht farbiger Gläser oder in der Farbmischung auf der Palette: hier ergibt Grün und Rot Schmutziggrau bis Schwarz.
Stärker, bleibender wird stets die Vergleichs- und die Kontrastwirkung sein. Gainsboroughs blue boy bedarf schon eines warmen Fleischtones, um gegen feine blaue Seide nicht zu blaß abzufallen. Von dem stereotypen Himmelblau und Rosa sind wir in unfern Kinderkleidern gottlob abgekommen.
Don Rot find zunächst die gelblicheren Scharlach und Hellrot, wenn auch schon etwas gewagte Vergleiche, noch eher am Platze als volles Rot. Schon Goethe bemerkt in feiner Farbenlehre, „daß Frauenzimmer bei ganzen Farben in Gefahr kommen, eine nicht ganz lebhafte Gesichtsfarbe noch unscheinbarer zu machen, wie sie denn überhaupt genötigt sind, sobald sie einer glänzenden Umgebung das Gleichgewi-4>t halten sollen, ihre Gesichtsfarbe durch Schminke zu erhöhen". — Der Rotmangel eines nicht einmal allzu blassen Gesichtes, das selbst in Schwarz noch ganz munter erscheint, kann durch ein gegengesetztes Rot unter Umständen erst zum Vorschein kommen. Wer mochte der blassen Eleonore von Toledo des Kaiser- Friedrich-Museums in Karmin begegnen?
Zwischen der gelb-rötlichen und der bläulichen Reihe steht das pflanzenhafte Grün. Sein Widerschein ist ebenso unvorteilhaft wie das Fehlen seines Komplements Purpur. Was sich draußen viel bewegt, Jäger und Lodentourist, kann grün vertragen. Ist nun die Wangenröte aber da, so scheint sie uns Heutigen zu reinem Grün ein ähnlich trivialer Akkord wie die süße Terz der „zweiten Stimme". Dürers Rot und Grün, Vermeers Blau und Gelb find dem Geschmack von heute oft allzu komplett-harmonisch. Modenbilder des Biedermeier zeigen noch eine Borliebe für ein Nebeneinander von Grün und Rot, Meergrün und Rosa in der Kleidung. (Eine eiene Wirkung erzielt die Dame in Grün mit ihrem brandroten Haar auf Krauß' bekanntem Pierrotbilde. In der Tat bleibt lichtes, namentlich gelbliches Grün eine Möglichkeit für die Blassen, aber selbst bas blasse Mandelgrün läßt das Verlangen nach einer frischeren Haut nicht ganz
Ein paar Aphorismen zur Mode.
Von Leni W ü st.
Modegebote sind da, um einfach umgangen zu wer» den. Es gehört zum Verdienst vernünftiger Frauen, allzustarke Extravaganzen mit List und Feinfühligkeit zu vermeiden.
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Mannequins sollen wohl Beispiel, aber niemals Vorbilder fein.
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Es gibt Prachtbände, deren äußere Ausstattung wertvoller ist als ihr Inhalt. Bei mancher Frau in großer Toilette läßt sich das Gleiche konstatieren.
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Man behauuptet, die Mode sei eine uralte Angelegenheit. Irrtum! Die Mode Hot eine sehr kurzlebige Konstitutionen, sie lebt durchschnittlich ein Vierteljahr und wird in diesem Zeitabschnitt von der Textilindustrie und der Konfektion stets neu erzeugt.
Aber, meine Damen, die Söckchen..
Wissen Sie, daß sie nicht zu jedem kleid passen? '
Von Hermine K l ü b e r t-Dresden.
Die Damensöckchen haben sich im letzten und mancherorts auch schon im vorletzten Sommer überraschend schnell durchgesetzt und man kann mit ihnen auch durchaus einverstanden sein, da sie im Tragen billiger sind wie der billigste Strumpf, umsomehr als sie den weiteren Vorzug haben, an heißen Tagen außerordentlich lustig und bequem zu sein.
Soweit wäre also alles in Drbnung! Nun kommt aber auch hier, wie bei allen anderen Dingen des Lebens, die Einschränkung. Das Damensöckchen, so nett es auch manchmal aussehen mag, kann nicht überall getragen werden, man muß vielmehr genau wissen, wenn es am Platze ist und wenn nicht. In diesem Jahre sind auch die Straßenkleider vielfach länger geworden. Sie reichen bedeutend über das Knie. Nichts sieht nun unschöner aus wie das Söckchentragen zu einem so langen Kleid. Das darf es einfach nicht geben! Das Söckchen ist aus der Sportbewegung heraus entstanden, dort haben es mit gutem Recht die Damen auch zuerst getragen. Und diese Herkunft darf man nie vergessen, wenn man sich dieses praktischen Strumpfersatzes bedient. Zu kurzen Straßenkleidern, zu Sportkleidern, zur Bluse und zum Faltenrock sieht das Söckchen, das man am besten weiß wählt, immer nett und freundlich aus, bei allen anderen Kleidern ist es fehl am Platze. Auch zum Regenmantel, zum Wander- und zum Gummimantel kann es getragen werden, zum Schneidermantel paßt es wiederum nicht. Es gibt Grenzfälle, bei denen eine Frau einmal zweifelhaft sein kann, aber diese sind verhältnismäßig selten. Und bann noch eins, verehrte Damen, nehmen Sie es mir bitte nicht übel! Das Säckchen ist eine Angelegenheit der Jugend, des Jung- mädchens und der jugendlichen Frau. Die Großmutter trägt besser die altbewährten Strümpfe. Die Entscheidung, wer sich noch zur Jugend rechnen darf, soll Ihnen selbst überlassen bleiben. Ein strengerer Maßstab kann dabei aber nichts schaden, denn man läuft sonst leicht Gefahr, der Lächerlichkeit anheim zu fallen. Und Lächerlichkeit tötet bekanntlich.
Die Frau in der Küche.
Kirschsuppe.
Ein Pfund Kirschen wird mit Zitronenschale und etwas Zimt ganz weich gekocht, durch ein Sieb passiert, mit 80 Gramm Zucker vermischt, ein Liter Wasser dazugegeben, mit einer Prise Salz abgeschmeckt und zum Schluß mit drei Eßlöffeln Kartoffelmehl eingedickt. Man kann die Kirschsuppe auch als Kaltschale essen. ,
Moderslecken aus Büchern zu entfernen. 1
Die Moderflecken in Büchern werden leicht angefeuchtet und mit einem weichen Tuch etwas Schwesel-Ammo» ntum darauf verrieben.
schweigen. Der blau- und flaschengrüne Anzug steht am besten zu brauner Haut und schwarzem Scheitel.
Vom physikalischen Gesichtspunkt aus harmlos, von der Mode aber mehr dem Alter und — der Geistlichkeit vorbehalten ist der andere Mischling: Blau-Rot, Violett. „Die weibliche Jugend", bemerkt Goethe, „hält auf Ro- senfarb und Meergrün, das Alter auf Violett und Dunkelgrün. Die Blondine hat zu Violett und Hellgelb, die Brünette zu Blau und Gelbrot Neigung, nud sämtlich mit Recht." Wieder begegnen hier gepaart die dem Teint nächststehende und die zugehörige Komplementärfarbe. Aus dem Violett soll weder das konkurrierende Rot noch das gegnerische Blau zu laut gegen das empfindliche Blaß antönen; wir neigen zum matteren Lila bis Lavendel. Auch wo nach dem Dunkel hin das Rot sich ins Weinrot verliert, scheint es seine Schärfe zu mildern und von seiner Wärme sogar wie scheidende Sonne dem Körper etwas mitzuteilen.
Aehnlich zweischneidiger Natur ist das vieldeutige Braun vom stumpfen Schwarzbraun über die rötlichen Mitteltöne bis zu den fahlen gelbverwandten, die an Beige angrenzen. Selbst Terrakotta und Rosenholz bergen noch einige rötliche Tücken in sich; wie milchblaß wirkt Romneys junger Kavalier in seinem zimtbraunen Rockk Schokoladenbraun vermag eine wahre Gelbsucht hervorzurufen. Nicht jeder Büromensch ist für solche Stoffe qualifiziert, mögen sie auch noch angenehm an Kaffee nud Zigarren erinnern. Ein blasser Kops zeigt sich viel sympathischer in Grau oder in Beige. Dhne viel Vorteil ist mancher Großstädter versehentlich in braune Knickerbocker gestiegen. Gegen das Dunkel hin wird das launische Braun zahmer, ähnlich dem Weinrot, bis im Schwarz sich alle Gegensätze versöhnen.
Und dann sprachen wir ganz allgemein nur von einfarbigen Flächen. Wo nicht gerade Stoff an Haut stoßt, wo Kragen und Besätze Trennungsstreisen oder lieber« gänge schaffen, ist viel an Farbigkeit erlaubt. Bis das Auge von Schuh und Gürtel zum Teint hinfindet, hat es manch andere Welle in sich aufzunehmen. Daß Farbe überhaupt erst als Fleck im neutralen Rahmen zur Geltung kommt, mahnt die Dame ebenso zur Vorsicht, wie es den nüchternen Herrn mit seiner farbigen Krawatte tröstet. Eine leise Melierung, ein zarter Webstreifen oder schottisches Karo — und wir fühlen uns farbiger als die purpurnste Dame der Renaissance. —