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Anzeiger für die Stadt Julda und denLandkreis Auida. Amtliches Kreisblatk.

Nr. 148

Erschein! sechsmal wöchentlich. Wochenbetlagen: ^Die Welt tm Bild' undLuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei In Fulda. Fernrufe: Schrift- ::: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. :::

Mittwoch, 1. Juli 1931.

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Zalirg. 58.

Bleibt Fianlreich halsstarrig?

Frankreich hat die große Stunde Europas nicht erkannt. Genau wie damals bei der Rhein- londräumung fand es auch gegenüber dem Plan Hoovers nicht die große genereuse Geste, die in diesem historischen Augenblick ihm vor aller Welt mehr genutzt hätte, wie alles diplomatische Drumherumreden und seltsame Betonen einer an­geblichen Friedensbereitschaft. Frankreich mußte sich von vornherein darüber klar sein, daß es sich bei der Aktion des amerikanischen Präsidenten gar nicht so sehr um Deutschland handelte, sondern um ganz Europa, einschließlich Frankreich. Präsi­dent Hoover sagte selbst zu seiner Botschaft:

Der Kern des Vorschlages ist, den Schuldnern Zeit zur Wiedererlangung ihrer nationalen Pro­sperität zu geben, und ich richte an die Amerikaner den Rat, in ihrem eigenen Interesse gute Gläu­biger und gute Nachbarn zu sein."

Deutschland, England und Italien haben vor­behaltlos sofort der Botschaft Hoovers zugestimmt und sich bereit erklärt, an der Verwirklichung der Hoover'schen Aktion, also an dem wirtschaftlichen Aufbau der Welt mit allen Kräften mitzuarbeiten.

Da kam aber Frankreich, das eifersüchtig über die Verträge wacht, sie unbedingt erhalten wissen will, obwohl es davon überzeugt ist, daß diese Verträge zwangsläufig zur Katastrophe jedes europäischen Staates, selbst der Welt, führen müs­sen, wenn sie nicht eine grundlegende Aenderung erfahren. Tagelange Ministerberatungen, stür­mische Kammersitzungen schufen nicht, wie man vielleicht hätte glauben können, einen Beschluß, der eine Rechtsoerwahrung auf Grund bestehender Verträge darstellt, sondern in kleinlichster Form solche Äbänderungswünsche gegenüber dem Hoo­ver'schen Plan bringt, die der von uns aufgezeig­ten Grundidee der Aktion des ameriknifchen Prä­sidenten in jeder Weise zuwiderlaufen.

Amerika kann und wird sich unnachgiebig ge­genüber diesen Aenderungswünschen Frankreichs zeigen müssen, auch aus Prestigegründen, ganz ab­gesehen davon, daß es sich bei den französischen Wünschen um rein machtpolitische Zielsetzungen handelt. Nun soll der französische Außenminister der deutschen Regierung den Wunsch übermit­telt haben, sie möge sich zu den französischen Vor- | Wgen äußern. Dazu kann sich aber unsere Reichsregierung nicht bewegen lassen, weil sie keinen Grund hat, sich in die amerikanisch-franzö­sischen Verhandlungen hineinziehen zu lassen, von denen wir immer noch eine Verständigung zwischen Amerika und Frankreich erwarten, der auch wir zustimmen können. Der Besuch Brünings und Curtius in Paris kann überhaupt erst erfolgen, wenn die Verhandlungen zwischen Frankreich und Amerika zu einem vollen Abschluß gebracht sind.

Es würde natürlich in Paris nicht ungern ge­sehen werden, wenn unsere Staatsmänner noch während der Anwesenheit des amerikanischen Schatzministers Mellon in der französischen Hauptstadt ihren Besuch machten. Wir müssen das, wie gesagt, ablehnen und darauf bestehen, daß unsere Staatsmänner erst nach der Been­digung der Konferenz Laval-Mellon nach Paris fahren.

Dieser französische Zweckwunsch läßt schon heute sagen, daß Frankreich auch in diesem Punkte noch lange nicht gewillt ist, zu einer wirklichen Ver­ständigung mit Deutschland zu kommen. Als der Reichskanzler Dr. Brüning in seiner Rund­funkrede eine persönliche Zusammenkunft und Aussprache mit den französischen Staatsmännern im Sinne von Chequers vorschlug, wollte er vor allem betonen, daß das Europa von heute andere Mittel braucht, um zu einer friedlichen Zusam­menarbeit, zu einer wirklichen Verständigung un­ter den Völkern Europas zu kommen, als inter­nationale Konferenz und diplomatischer Noten­wechsel. Die Staatsmänner sollten sich vielmehr frei von Hemmungen, wie sie durch Verträge und machtpolitischeTradition geschaffen, zu einer freund­schaftlichen Aussprache zusammensetzen, um rückhaltlos und offen die Lage in den einzelnen Ländern zu besprechen, die Atmosphäre des Miß­

trauens zu bereinigen, unter die Vergangenheit einen Strich zu machen und Wege und Mittel einer Aufbauarbeit im Interesse jedes einzelnen Landes zu beraten.

Aber auch das scheint Frankreich nicht zu wollen. Der französische Ministerpräsident hat in seiner Kammerrede sehr hochtönende Worte gegen­über dem deutschen Vorschlag eines französischen Chequers gebraucht. Er hat sich in innerdeutsche Angelegenheiten dabei eingemischt, die ihn gar nichts angehen, er will scheinbar von der deutschen Regierung einen Rechenschaftsbericht über be­stimmte Vorgänge in Deutschland fordern. Dazu brauchen wir in einer Zeit, in der die ganze Welt von der Botschaft Hoovers die Anbahnung einer Weltverständigung, die Schaffung einer Basis vertrauensvoller Zusammen- und Aufbauarbeit er­wartet, nicht nach Paris zu fahren.

Wir wollen nach wie vor eine Ser» ständigung mit Frankreich, da ohne diese niemals eine Befriedung Europas und der

Die französisch-amerikanischen Besprechungen in Paris, die am Sonntag unterbrochen worden ,roaren, wurden am Montag vormittag im franzö­sischen Innenministerium wieder ausgenommen. Ministerpräsident Laval empfing den amerikani­schen Schatzamtssekretär Mellon und den Botschaf­ter der Vereinigten Staaten, Edge. An der .Unter­redung nahmen teil: Außenminister Briand. Fi- nanzminister Flandin und Unterstaatssekretär Francois-Poncet. Minister Pietry war durch die Kammersitzung verhindert.

Um 21.30 Uhr fand eine zweite Konferenz statt. Diesmal wohnten außer den oben Genannten auch Minister Pietry sowie zwei Diplomaten der ameri­kanischen Botschaft den Besprechungen bei.

Nach einer Mitteilung aus dem Büro des fran­zösischen Ministerpräsidenten werden Schatzsekretär Mellon und Botschafter Edge nunmehr über den Stand der französisch-amerikanischen Verhand­lungen nach Washington berichten. Eine neue Zusammenkunft der französischen und der amerikanischen Unterhändler ist für Mittwoch vormittag in, Aussicht genommen.

*

Nach demMalin" zweiselt man in französi­schen Kreisen nicht daran, daß die französischen Mi­nister und die amerikanischen Vertreter sich über die Inkraftsetzung des Hooverschen Vorschlages ei­nigen werden. Jedoch sähe man, auch wenn die Franzosen und die Amerikaner sich verständigen könnten, noch keine Verständigungsmöglichkeit zwi­schen Deutschland und Frankreich. Das Blatt aber hofft, daß auch diese sich in einigen Ta­gen ergeben könnte.

WährendMalin" sich über die am Samstag abend durch Ministerpräsident Laval mit Botschaf­ter von Hoesch eingeleiteten Verhandlungen nicht ausspricht, gibtJournal" folgende Zusammen­stellung über die französischen Forderungen:

1. Fortsetzung der Sachlieferungen, soweit noch Verträge laufen.

2. Zinsenzahlungen für die ungeschützten Annui­täten.

3. Verteilung der Annuitäten nicht nur zugun­sten Deutschlands, sondern an alle durch das Feier­jahr geschädigten mitteleuropäischen Staaten.

4. Abmachung über die Rückerstattung der ge­stundeten Jahreszahlungen, die, wie es scheine, Frankreich schon 1932 fordere, was für das Finanz­jahr 1932-33 eine doppelte Young-Jahreszahlung ausmachen würde.

WieL'Ordre" zu wissen glaubt, habe Bot­schafter von Hoesch bereits mitgeteilt, daß die deutschen Minister sich nicht dazu be- r e i t f i n d e n würden, die wirtschaftliche oder finanzielle Frage mit der all­gemeinen Politik Deutschlands in

Welt, eine Beseitigung der Wirtschaftskrise und ein Wiederaufbau möglich ist. Wir wollen aber diese Verständigung nicht durch alle möglichen Konzessionen erkaufen. Wir verlangen vielmehr unsere Freiheit und Gleichberechtigung unter den europäischen Völkern, wir fordern eine Beseitigung der Vertragsbestimmungen, die unsere Freiheit be­drohen und unmöglich machen.

Frankreich verkennt die wahre Stimmung des deutschen Volkes. Es glaubt immei ;.;J) auf seinem Machtslandpunkt verharren zu können, Rüstungs­und Wirtschiaftsmouern um Deutschland errichten zu sollen, obwohl es damit für das eigene Land schlimmste Gefahren heraufbeschwört und seine weltpolitische Isolierung herbeiführt. Zum letzten Male hat dieses Frankreich von gestern die Ge­legenheit, die Stunde des Heute zu erkennen. Es kann in feinem Interesse die entscheidende Wen­dung zum Frieden und zur Verständigung schaffen, oder aber die Riesenschuld eines Zusammenbruches von ganz Europa auf sich laden.

Verbindung zu bringen oder anders ge­faßt, diese wirtschaftliche oder finanzielle Frage nicht unter dem Gesichtswinkel betrachten zu lassen, daß sie einen direkten Einfluß auf die Außenpolink haben könnte.

Amerika bleibk fest.

Nach einer längeren Konferenz mit Hoover gab Unterstaatssekretär Castle am Montag 6L positive Erklärung ab, daß Amerika keinen Vorschlag annehmen werde, der nicht dem Sinn und dem Zweck des Hoover-Plans voll­kommen entspreche. Wie in Washington verlautet, hat Mellon dieses Verlangen Montag vormittag dem französischen Ministerpräsi­denten unterbreitet, der daraufhin einen M i - nist errat einberief und mit Mellon eine wei­tere Konferenz nach Ende der Kabinettssitzung verabredete.

Das Weiße Haus erwartet daher Montag abend die Entscheidung darüber, ob die fran­zösische Regierung zu einem Eingehen auf den Plan Hogoers bereit ist. 9Itcn betrachtet die Lage in Washington zwar als delikat, aber nicht als hoffnungslos, doch ist man sich darüber im Klaren, daß das amerikanische Parla­ment n i e auf den Plan Hoovers eingehen werde, wenn er zu sehr verwässert und fein eigent­lich er Zweck einer völligen Atempause für Deutsch­land vereitelt werde. Dies wurde der französischen Regierung heute ganz klar zum Ausdruck gebracht.

Wie ,^Jntransigeant" berichtet, habe es den Anschein, daß Washington den französischen Vor­schlag der Verwendung der von Deutschland zu leistenden Zahlungen des ungeschü tzten Teils der Youngannuitäten nicht angenommen habe. Aus diesem Grunde trete der Ministerrat zusammen, um die n eugeschaffene Lage zu beraten.

Die Tatsache, daß Polen und die Tschecho­slowakei dem Plan Hoovers zustimmten, wurde in Washington mit großer Befriedigung auf­genommen. Die Zustimmung Oesterreichs wurde von dem österreichischen Gesandten dem Unterstaatssekretär Castle in einer formellen Rote überreicht. Die Antwort der belgischen Regie­rung enthält die grundsätzliche Annahme des'Hooverschen Vorschlags, drückt aber kurz die Hoffnung aus, daß Amerika die besondere Lage Belgiens gegenüber dem Reparations­problem und der schwierigen belgischen Finanzen verstehen werde. Im Unterhause erklärte Mac- donald, alle Dominions und Indien hätten Hoovers Vorschlag herzlich begrüßt.

Wie verlautet, hat der amerikanische Schatz- sekretär Mellon im Verlause des Montag­nachmittag der französischen Regierung die drin­gende Bitte übermittelt, die amerika­nischen Vorschläge endgültig anzu­nehmen. Dem Vernehmen nach gehen diese Vorschläge darauf hinaus, daß Deutschland die ungeteilte Nutznießung auch des ungeschützten Teils der Reparatio­nen zinslos gesichert werden soll-

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wtb. Washington, 30. Juni. (Eig. Meld.) Nach einem amerikanischen Kommunique über die Pariser Verhandlungen Mellons haben jetzt sämt­liche Regierungen im Prinzip dem Plane Hoovers zugestimmt mit Aus­nahme der französischen Regierung. Es haben sich einige Schwierigketten ergeben, den französischen Standpunkt mit dem Geist des Vor­schlages des Präsidenten Hoover in Uebereinstim- mung zu Bringen.

Das Ergebnis des Mluislerrals.

Heber den französischen Ministerrat, der Mon­tagabend unter dem Vorsitz des Präsidenten Dou- mer im Elysee stattfand, wurde lediglich folgen­des Kommunique ausgegeben:

Ministerpräsident Laval hat über den Stand der Verhandlungen mit dem amerikanischen Schatzsekretär Mellon und dem amerikanischen Botschafter in Paris Edge Aufschluß gegeben.

Paris, 29. Juni. (Wolff). Zu dem heute abend abgehaltenen Ministerrat, der sich mit dem Vorschlag Hoovers beschäftigte, berichtet die Havas- Agentur:

Das Kabinett hat sich einmütig über die Notwendigkeit geeinigt, daß die fran­zösische Regierung sich nach der Abstimmung in der Kammer an den TextihrerAntwortvom 2 4. Juni halten müsse. Die Meinungsver- schiedenhesten, die Paris und Washington trennen,

Die Besprechungen Mellons in Paris.

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Der Empfang durch die französische Regierung.

Don links nach rechts: Pietrr (als französischer Budgetminister ausschlaggebend für die Mora­toriumsverhandlungen), Ministerpräsident Laval, Schatzsekretär Mellon, Außenminister Briand, amerik. Botschafter in Paris Edge, franz. Fininzmmister Flandin.

SasRlngen zwischen Paris und Vashlngkou

Noch immer keine Einigung über den Hooverplan.

sind bekannt. Frankreich schlägr vor, daß die durch das Moratorium verfügbar werdenden Summen nicht nur zur Besserung des Kredites Deutschlands, sondern auch der anderen mitteleuropäischen Län­der verwendet werden, bei denen die Aussetzung der Aoung-Zahlungen finanzielle und wirtschaft' Uche Störungen Hervorrufen kann. Die Vereinigten Staaten dagegen wollen ihre Bemühungen lebig« lich auf die Wiedererhebung Deutschlands richten.

forbert andererseits vor Ablauf des zwonmonc- gen Moratoriums die Prüfung van Maßnahmen, die deutscherseils im Hinblick auf die Wiederaufnahme der Zahlungen ergriffen werden müssen. Hinsichtlich dieses wichtigen Punktes hat, wie es scheint, Frankreich, der Hauptgläubiger Deutschlands, weder von den Vereinigten Staaten noch von Deutschland die erforderlichen beruhigen­den Versicherungen erhalten. Das Angebot des Präsidenten Hoover legt Wert darauf, daß d'e von .Deutschland 1931=32 m bezahlende Annuität erst nach 25 Jahren geleistet werden soll. Die fron« zöfische Regierung hat dagegen in ihrer Antwort erklärt, daß dieser Betrag am Ende des zwölf­monatigen provisorischen Moratoriums fällig wer­den müsse. Die französische Regierung hat heule abend in einem Entgegenkommen beschlossen, dieie Frist von einem Jahr auf fünf Jahre Zu verlängern; aber das ist, wie es scheint, das einzige Zugeständnis, das der Mi« nifterrat zu seinem anfänglichen Plan annehmen zu müssen geglaubt hat, ohne daß das Recht Frankreichs auf Reparationen beeinträchtigt wird. Ministerpräsident Laval und feine Kollegen wer­den das Ergebnis ihrer Beratungen und die Gründe ihrer Haltung im Verlaufe der Montag­abend flaltgefundenen Besprechungen mit den amerikanischen Vertretern auseinandersetzen.

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wtb. Paris, 30. Juni. (Eig. Meld.) Minister» Präsident Laval wird heute nachmittag im Senat vermutlich die Interpellation L^-mery über den Plan Hoover beantworten. Der Auswärtige Ausschuß dürste sich vor der Sitzung ebenfalls damit befassen.

Unterredung zwischen hoesch und Briand.

Der deutsche Botschafter in Paris, von Hoe ! ch, der bereits am Monlagnachmillag eine Unterre­dung mit Briand hatte, wurde am Abend zum zweiten Male vom französischen Außenminister empfangen.

Besuch des französischen Staatspräsidenten in der deutschen Botschaft.

Montag nachmittag um 4 Uhr stattete der Prä­sident der französischen Republik Paul D o u m e r dem deutschen Botschafter v. Hösch einen of­fiziellen Besuch ab, wie dies beim Amtsantritt ei­nes neuen Präsidenten üblich ist. Seit dem Jahre 1914 war es das erste Mal, daß ein Präsident der französischen Republik das deutsche Botschafts­gebäude betrat.

Dr. Sthamer gestorben.

wtb. Hamburg, 30. Juni. (Eig. Meld.) Der frühere deutsche Botschafter in Lon­don, Senator a. D. Dr. Stalin er, ist in der vergangenen Nacht im 75. Lebensjahr einem Herz­schlag erlegen.

Friedrich Stahmer war als Sohn einer alten Hamburger Patrizierfamilie am 24. November 1856 auf einem väterlichen Gut bei Lauenburg geboren und begann seine Laufbahn als Rechts­anwalt in Hamburg. Im Jahre 1901 wurde ec

Dr. Friedrich Sthamer.

Mitglied der Bürgerschaft und bereits 3 Jahre später Senator. Im Senat führte er jahrelang den Vorsitz über die Deputation für Handel, Schsts- fahrt und Gewerbe und vertrat dann Hamburg als Bundesratsbevollmächtigler in Berlin. 5tflt Kriege, während dessen er selbst drei Söhne ver­lor, versah Dr. Stahmer das Amt des Zivilgou­verneurs von Antwerpen und später das Reichs­kommissariat für die Uebergangswirtschaft. Rach dem Kriege war er erster Bürgermeister Ham- burgs für das Jahr 1920, übernahm aber bereits im Januar des gleichen Jahres zunächst als Ge- schaftsträger und vom 27. August 1920 ab als Botschafter die diplomatische Vertretung des Rc 's in London. Bon diesem Zeitpunkt ab bis M seinem Rücktritt am 1. Oktober 1930 hat er in steter, stiller und planmäßiger Arbeit Außeror- dentliches für die deutsch-englischen Beziehungen getan. Die deutsche Nachkriegsdiplomatie erhielt in Dr. Stahmer eine ihrer wertvollsten und mar­kantesten Persönlichkeiten.