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Donnerstag, 25. Juni 1931

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der Fuldaer Actiendruckerei tu Fulda. Fernrufe: Schrift. ::: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::

gerade erst dann, bekundet werden, wenn er den Verzicht auf 400 Millionen Mark fordert.

Der Mpdruck, der auf der Welt lastet, bedrängt Frankreich von allen Ländern am wenigsten. Aber auch dieses Land kann nicht sich dem Wahn hin- geben, als ser seine Existenz von dem Wohler­gehen oder dem Zusammenbruch anderer Völker unabhängig. Deutschland steht hart vor dem Bür- gerkrieg. Kommt es dazu, daß der organisierte

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Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Sie Welt

JlC 144 im Hild" und „Buchenblätter'. Rotationsdruck und ^Verlag

Reichskanzler Dr. Brüning sprach am Dienstag in später Abendstunde im Rundfunk über die politische Lage. Die ziemlich lasch improvi­sierte Ansprache, die vom Deutschlandsender auf alle deutschen Sender übertragen wurde, ist die erste amtlich« deutsche Kundgebung nicht nur zu .der Initiative Hoovers, sondern seit der Rückkehr aus Chequers überhaupt. Man hat den Eindruck — und dieser Eindruck dürfte von allen Hörern dieser ernsten und pflichtbewußten Ausführungen im In- und Auslande geteilt werden — daß es dem Kanzler vor allen Dingen um den außenpoli­tischen Teil seiner Darlegungen, die Ansprache an Frankreich, zu tun war, mit der er sei­ner Ueberzeugung Ausdruck gab, daß dis Schwierigkeiten nicht unüberwind­bar sind, die seit einiger Zeit zwischen den bei­den großen Nachbarvölkern bestehen. In ganz wenigen Worten hat er dabei den Kern des ganzen augenblicklichen Problems zwischen Deutschland und Frankreich ausgeschält: die Notwendigkeit, das Ver­gangene seelisch zu überwinden. Er hat sich be­reiterklärt zu einer großzügigen praktischen Zu­sammenarbeit. Er ist soweit gegangen, offenbar fußend auf Anregungen, die von verschiedenen Organen der Oeffentlichleit in jüngster Zeit ge­macht worden waren, seine ausdrückliche Be­reitschaft zur Benutzung einer Gelegenheit anzukündigen, wie sie neulich die Zusammen­kunft in Chequers für eine Erörterung zwischen Deutschland und England bot. Bei der zurückhaltenden Natur des Reichskanzlers und der ernsten Ueberlegung, mit der er alle seine Schritte vcrbereitet, darf man darin den Versuch erblicken, gewisse, trotz aller Hemmungen spürbar wer­dende Bestrebungen in Frankreich zu ermutigen und zu sördern, solche Bestrebungen nämlich, die hochherzige Initiative Hoovers auf dem einfach gangbaren Weg, also vor allem unter Vermei­dung von Rechtsfragen und Konferenzen überwin­den möchten. Man darf hoffen, daß die An­sprache Dr. Brünings an Frankreich Verständnis findet und zur Erleichterung und Vereinfachung der sich anbahnenden weiteren Erörterungen füh­ren werde.

Die Ausführungen des Kanzlers hatten fol­genden Wortlaut:

Alle Völker stehen unter dem tiefen Eindruck des histo­rischen Schrittes, den am Sonntag der Präsident

zehlschla« des üoouet-pkmcs untragbar

Sein Schellern wäre eine Katastrophe für Deutschland nnö die weit. Ernste englische Mahnungen an Frankreich.

Brüning bietet Frankreich die Hand.

Eine Rundfunk-Rede des Kanzlers zur innen-und außenpolitischen Sage. — Die erste amtliche Kundgebung nach Chequers und der Hoover-Votschast.

„Hoovers Kriegsschuldenvorschlag in Gefahr!", „Frankreich steht im Wege!", unter diesen Ueber- schristen weist Daily Herald auf die Drohung Frankreichs hin, Hoovers Vorschläge durch die Weigerung ihrer Annahme zum Scheitern zu bringen. Ueberall sonst in der Welt, so schreibt das Blatt, hat der Schritt Hoovers eine Welle des Vertrauens geschaffen, die um hunderte von MBionen Pfund Sterling den Wert der Papiere und der Kapitalanlagen erhöht hat. Wenn Frankreich den Plan zum Scheitern bringt so wird es v o n d e r ganze nW elt verurteilt werden. In London geht die Ansicht maßgebender Kreise dahin, daß die Ein­stellung der ungeschützten Zahlungen Deutschlands em integraler Teil des Hooverschen Planes ist, der ohne sie bedeutungslos sein wird, denn Deutsch­land den Aufschub für 12 Monate von Zahlungen anzubieten, die es auf jeden Fall sogar auf zwei Jahre einstellen kann, ist völlig sinnlos.

Es sieht danach aus, als ob Frankreich ver­suchen werde, Zeit zu gewinnen, und als ob die französische Regierung vielleicht eine Konferenz Vorschlägen wolle. Aber eine Verzögerung rst kaum möglich; rasches Handeln ist wese ntlich, und Hoover hat vorgeschlagen, daß die Zahlungsaussetzung am 1. Juli in Kraft tre­ten soll. Meldungen aus Washington deuten darauf hin, daß der Präsident ein kurzes oder Nein auf feinen Vorschlag erwartet.

Auch die konservative als franzosenfreundlich geltende „Morning Post" äußert sich m dem glei­chen Sinne wie der „Daily Herald über die Hal­tung Frankreichs. Sie findet es nicht überraschend, daß "der Moratoriumsvorschlag Hoovers in Frank­reich mit geringer Begeisterung begrüßt wird. Das Blatt hebt jedoch hervor, daß die entgegenkom­mende Haltung Frankreichs sür den Erfolg des Planes unentbehrlich sei. Es sei sicher, daß es Hoover nicht leicht sein werde, die öffentliche Meinung in Amerika mit sich zu reißen, wenn sich nicht andere Länder bereitfänden, die vollen Lasten des Opfers zu tragen. Das Scheitern des Vorschlages Hoovers würde eine Kata-

Bolschewismus unsere staatlichen Machtmittel überrennt, dann wird auch Frankreich sehr erheb­lich in Mitleidenschaft gezogen, und ganz Europa wird die Folgen eines deutschen Chaos katastrophal spüren. Der Vorschlag Hoovers eröffnet einen Ausweg, und zwar den letzten. Wer er muß so­fort beschritten werden. In Wochen würden wir vielleicht nicht mchr Herren der Lage bleiben können. .

strophe nicht nur für Deutschland, son­dern auch für die übrige Welt ein­schließlich Frankreichs bedeuten. Jedes beteiligte Land, das nicht mitwirkt und ein Schei­tern des Planes verursacht, würde einen Verlust erleiden, der umso größer wäre, als jedes vorüber­gehende Opfer, das der Preis seiner Mitarbeit sein würde, zur endgültigen Gesundung der gan­zen Welt beitragen würde. Ein Fehl sch lag des Hoover-Planes ist untragbar; aber seine baldige Einleitung ist für den Erfolg des Planes wesentlich. Wir hoffen, daß alle interes­sierten Länder ihre Entscheidungen so beschleuni­gen werden, daß der 1. Juli der Beginn des Zahlungsfeierjahres sein wird.

Die liberale „News Chronicle" schreibt: Frank­reich hat nicht zwischen dem amerikanischen Mora­torium und der Depression der Wirtschaftslage zu wählen, sondern zwischen dem amerikanischen Moratorium und einem deutschen Moratorium, das zweifellos das Ende aller Zahlungen be­deuten würde.

Ebenso kommt im Leitartikel der „Times" die Sorge über die Haltung Frankreichs zum Aus­druck. Je mehr Hoovers Vorschlag erörtert werde, so führt das Blatt aus, umso fester werde die Ueberzeugung von dem Mut und der Bedeu­tung dieses Vorschlages zur Wiederherstellung der wirtschaftlich desorganisierten Weltlage. Prä­sident Hoover, so bemerkt das Blatt, hat im Na­men des amerikanischen Volkes gesprochen und Europa eine Atempause angeboten. Es kann nicht daran gezweifelt werden, daß, wenn Europa eine Einheit wäre, die mit einer einzigen Stimme sprechen könnte, es chm die „herzliche Zustim­mung" wiederholen würde, mit der die Wort­führer der Parteien Englands den Vorschlag Hoovers begrüßten. „Times" schließt: Es steht zu hoffen, daß Europa mit besonderer Beschleuni­gung dem Beispiele folgt, das die Vereinigten Staaten gegeben haben. Es ist undenkbar, daß aus irgend einem Grunde das amerikanische An­gebot nicht in dem Geiste angenommen wird, der

I den Anlaß zu dem Angebot gegeben hat.

der Vereinigten Staaten unternommen hat, um der un- qeheuren Krise, die über fast alle Volker hereingebrochen ist, zu steuern und denen Hilfe zu bringen, die ihr zu er­liegen drohen. Das deutsche Volk und die deutsche Re­gierung haben mit herzlicher Dankbarkeit die Vorschläge des Präsidenten Hoover angenommen.

Eine neue Hoffnung für Europa und Deutschland sehen wir aus diesem Vorschläge erwachsen.

Er bringt Deutschland eine Hilfe in einem entscheiden­den Augenblick seiner Geschichte, in dem die Schwie­rigkeiten bis zum äußersten sich aufge­türmt haben. Der erste wirksame Anfang für erne bes­sere Zukunft ist erfolgt: aber warnen muß die Reichs- regierung vor dem Glauben, als ob durch diesen Vor­schlag des amerikanischen Präsidenten, wenn er von allen in Frage kommenden Nationen angenommen wird, wir über die Gesamtheit der uns bedrängenden Nöte hin­weg seien.

Wenn die Reichsregierunq in den wiederholten har­ten Maßnahmen der Notverordnung vom Dezember und der letzte nNotverordnung versucht hat, die hereinbrechenden Gefahren zu meistern, gezwungen war, dem deutschen Volke das Aeußerste an Lasten und Einschränkungen zuzumuten, um über die kommenden Monate und vor allem über den nächsten Winter hinwegzukommen, so war sie sich dessen bewußt, daß

das Jahr 1932 aller Voraussicht nach den Höhepunkt der finanziellen Schwierigkeiten bringen

würde. Wenn auch die Reichsregierung den Haushalt des Reichs für den Fall, daß nicht eine weietre Verschlechte­rung der Wirtschaftslage eintritt, für das laufende Etats­jahr ausgeglichen hat, wenn sie sogar einen erheblichen Betrag für die Gemeinden verfügbar machte, um ihnen die wachsenden Lasten für die Arbeitslosen zu erleichtern, die weder von der Versicherung noch vom Reich unterstützt werden, so

bleibt zunächst im Jahre 1931 die Lage der Länder und Gemeinden noch ungeklärt.

Die vom Reich überwiesenen Steuern werden nach der Schätzung der Reichsregierung umhunderte Millionen zurückgehen. Dazu treten die großen Ausfälle ,die bei den Ländern und Gemeinden in­folge der schlechten Wirtschaftslage bei G e w e r b e st e u- ern, Grundvermögens st euern und H a u s- zins steuern zu erwarten sind. Das Sinken der Ein­kommen und Löhne im Jahre 1931 wird dazu führen, daß im Jahre 1932 erst die volle Wucht der Steueraus- sälle die Haushalte von Reich, Ländern und Gemeinden belasten wird.

Dazu kam die akute Gefahr, die wir in den vergan­genen zwei Jahren wiederholt durchlebt haben, daß in Verfolg einer Reihe von wirtschaftlichen Vorgängen sich

Der Alpdruck.

Das Echo, das der Vorschlag des amerikanischen Präsidenten Hoover in der ganzen Welt geweckt hat, zeigt auch denjenigen, die sich über politische Verwicklungen keine tieferen Gedanken zu machen pflegen, wie sehr die ganze Welt unter den Fol­gen des Weltkrieges noch leidet. Denn das ist keine Frage: das ganze Elend, die Arbeitslosig­keit und die Herabdrückmrg des Lebensstandards bet den Völkern, die besiegt worden sind, kommen daher, daß der Krieg die Staaten in ihren wirt­schaftlichen Kraftquellen ausgepurypt hat. Und der Jubel, so kann man geradezu sagen, mit dem die Oeffentlichkeit die amerikanische Botschaft be- grüßt, ist ein deutlicher Ausdruck für das allge­meine Aufatmen, das durck die ganze Welt geht. Es ist ein grauenhafter, undemokratischer und un­menschlicher Zustand, daß ein einziges Volk, weil es einer Uebermacht erlag, die Gesamtkosten tragen und auf Jahre, ja auf Jahrzehnte hinaus der Schuldner aller anderen Staaten bleiben soll. Es mag einmal hervorgehoben werden, daß Deutschland in dem am 1. Juli beginnenden Schuldenjahr viele Millionen auch an Rumänien, Serbien, Griechenland, Portugal, Japan und Polen zu zahlen hätte, an Staaten also, mit denen uns keine unmittelbaren Beziehungen verbinden, und die nur darum die Nutznießer unserer Niederlage wurden, weil sie während des Krieges zur Front­stellung gegen uns gepreßt wurden. Hierzu kom­men die eigentlichen großen Gläubigerstaaten: Eng­land, Italien, Belgien, Frankreich; schließlich auch die Vereinigten Staaten von Amerika selbst. Aue diese Völker sind aber untereinander wiederum zu Schuldentilgungen verpflichtet, zuletzt wieder­um an Amerika. Die Vereinigten Staaten haben in dem kommenden Jahr von den während des Krieges mit ihnen verbündeten Ländern eine Summe von 954 Millionen zu fordern. Frank­reich wiederum schuldet England 255 Millionen, während es an Amerika 288 zu zahlen hätte, das alles, wohl gemerkt, nur in einem einzigen Jahr. Das ist ein Alpdruck von finanziellen Lasten, den Amestika durch die Botschaft seines Präsi­denten jetzt Mit einem Schlage beseitigen oder doch wenigstens aufschieben will. Dabei muß her- vorgehoben werden, daß Amerika selbst auf die ihm zustehenden Summen nicht etwa leichter Hand verzichten kann, sondern selbst bei seiner ange­spannten Wirtschaftslage und bei der Arbeits- losigkeit, die es so stark bedrängt wie Deutschland, ein großes Opfer bringt. Wir haben es also mit einem großherzigen Entschluß zu tun, der nur möglich war, weil Hoover die gegenwärtige Lage als unhaltbar erkannt hat und weil er als Poli- tiker Format genug besitzt, den Tatsachen, ins I Auge zu sehe^ und sich von kleinlichen Gefühlen frei zu machen.

Aehnlich liegen die Dinge in England. Auch in London hat man begriffen, daß es so wie bisher nicht weitergehen kann, daß vielmehr die Welt der Wirtschaft zum mindesten eine Atempause braucht, um wieder zu sich selbst zu kommen. Wir wollen es Macdonald nicht vergessen, daß er durch die persönlichen Besprechungen mit dem Reichskanzler sich ein klares Bild von der Lage in Deutschland zeichnen ließ, die gewonnenen Ein­drücke an den amerikanischen Schatzsekretär Mellon weitergab und im Unterhause am Montag die Erklärung verkündete, er stimme dem Vorschläge Hoovers aus ganzem Herzen zu. Das ist ein neuer Ton in der Sprache der internationalen Politik, und es ist besonders hervorzuheben, daß die Führer der beiden anderen englischen Par­teien, BaldwG und Lloyd George, sich mit die­ser Erklärung des Ministerpräsidenten zufrieden geben und ihr zustimmten. England marschiert also mit der Sache des Friedens. Das gleich« scheint man von Italien annehmen zu können.

Lediglich Frankreich ist unzufrieden. Ein franzö­sisches Blatt hat ausgesprochen, daß es der franzö­sischen Regierung nicht darauf ankomme, selbst zu waren, sondern nur darauf, daß Deutschland zahle. Das ist die Sprache der Mißgunst, der Schaden­freude, der Gehässigkeit, der Philistrosität. Frank­reich fühlt sich mitten in der Weltkrise zufrieden, wenn der besiegte Feind ihm Tribute bezahlt, Tribute bis zum Weißbluten. Es scheint noch zu hoffen, sich der Beteiligung an der amerikanischen Hilfsaktion entziehen zu können. Es versucht, die Entwickelung zu verzögern, indem es sich auf einen langwierigen Notenwechsel einrichtet und am lieb­sten die Einberufung einer internationalen Kon­ferenz zur Beratung des amerikanischen Vorschla­ges sähe. Aber es wird damit nicht durcheo,,. men. Wir trauen Briand Klugheit genug zu um zu erkennen, daß Frankreich sich hoffnungsio. isolieren würde, wenn es in dieser Stunde sich nicht mit den übrigen Ländern solidarisch erklä­ren würde. Es hätte ja in der Tat Veranlassung genug, aus früheren Beispielen der Geschichte zu lernen. Schon heute betrachten seine früheren Verbündeten die Haltung der Pariser Regierung mit Mißtrauen und Mißfallen. Frankreich würde sich, wenn es Hoovers Anregungen ablehMe, un­ter einen internationalen Druck stellen, den es nicht lange auszuhalten vermöchte. Kein Land kann es auf die Dauer ertragen, von allen ande­ren Staaten, ob mit Recht oder mit Unrecht, als Störenfried angesehen zu werden.

Der Entschluß Hoovers ist erfolgt, noch bevor Hindenburgs vertrauliches Telegramm, das seine Berechtigung und Notwendigkeit bestätigte, in Washington ankam. Trotzdem gibt es französische Stimmen, die zu behaupten wagen, Hoover habe sich von Hindenbura ins Boxhorn jagen lassen. Hier manisestiert sich eine Gesinnung, über die kein Wort zu verlieren ist. Frankreich weiß besser als irgend ein anderes Land, wie es in Deutlch- land aussieht. Es hat jetzt Gelegenheit, die Auf­richtigkeit der vielfältigen Briand'schen Friedens­beteuerungen zu beweisen. Es genügt nicht, wenn immer wieder schöne Reden gehalten werden. Der wirkliche Friedenswille muß auch dann noch, i«

eine ungeheure Unruhe bemerkbar machte und aus dieser Unruhe heraus vom Ausland her

gewaltige Mengen kurzfristiger Kredite plötzlich ab­gezogen

wurden. Mit einem Schlage zeigte sich in ihrer ganzen Größe die feit langem vorausgesehene Gefahr, daß die deutsche Wirtschaft in den Jahren der Scheinblüte zu einem erheblichen Teil mit inländischen und ausländischen Mitteln aufgebaut wurde, die nur auf kurze Zeit gegeben oder in Unternehmungen investiert sind, aus denen sie nicht von heute auf morgen herausgezogen werden kön­nen. Der Versuch, der nunmehr zum dritten Male ge- macht wurde, große Teile dieser kurzfristigen Kredits plötzlich aus Deutschland abzurufen, hat den Sturm der heute als beschworen angesehen werden kann, her­beigeführt. Dieser Sturm hat aber gleichzeitig allen Ein­sichtigen

in drastischer Schärfe die Verbundenheit der wirt­schaft im Positiven und im Negativen vor Augen

geführt.

Er hat aus der Not einzelner Völker, und besonders Deutschlands eine Not der ganzen Welt gemacht. Er hat gezeigt, daß die Lebenshaltung bedingt ist durch die Lebenshaltung auch anderer Völker. Wenn em Land schwer leidet, können auf die Dauer andere Volker, die mit ihm in wirtschaftlicher Verbindung stehen, ihre Pro­sperität nicht erhalten.

Zu glauben, daß nach Annahme des Vorschlages des ; Präsidenten Hoover alle Nöte in Deutschland beseitigt s wären, wäre die gefährlichste Illusion, in die sich das

deutsche Volk hineinwiegen könnte.

Die Reichsregierung hat die harten Maßnahmen zur Rettung der Finanzen ergreifen müssen und mutz an ihnen festhatten, weil das Durchhalten auch ohne Repa- rationszahlungen in den nächsten anderthalb Jahren außerordentliche Anforderungen stellen wird. Sie yal erklärt und hält daran fest, daß sie

bereit ist, Härten und besonders drückende Maßnah­men der Notverordnung abzuändern.

Sie ist aber nicht in der Lage, i r g e nbmi e a n dem gesamten finanziellen Ergebnis der Notverordnung rütteln zu lass en. Nur un­ter Sicherung ihres finanziellen Gesamtergebnisses werde bei Annahme der Initiative des Präsidenten Hoover es möglich fein, die oben erwähnten weiteren Emnahmeaus- fälle des Jahres 1932 auszugleichen. ,

Das deutsche Volk würde sich um ,edes Verständnis der Welt und um jedes Vertrauen bringen, wenn es nicht festhatten würde an dem Grundsatz einer absoluten, auch unter Opfern durchzuführenden Sanierung unserer öffent­lichen Finanzen.

Die Gesundung der Finanzen ist eine der wichtigsten s Voraussetzungen für die Schaffung des vertrauens.

Der Vertrauensbeweis, der in dem weltgeschichtlichen Schritt des Präsidenten Hoover liegt, kann nur frucht tragen, wenn das deutsche Volk fest entschlossen s> eigener Kraft den Weg der größten Sparfamkeit auf allen Gebieten weiterzugehen. t hes

Der außenpolitische Teil der Ausführungen Kanzlers hatte folgenden Wortlaut:

Das Dorgefd)lagerte Feierjahr fall nach der Pro- klamation des Herrn P r ä f i d e n t e ” e t ® niqten Staaten nicht nur der Wiederherstellung des internationalen Vertrauens auf wirtschafttichem Ge- biet und damit dem wirtschaftlichen Wiederaufbau der Welt dienen, es verfolgt gleichzeitig den Zweck,

die politischen Beziehungen zwischen den Ländern von zerstörenden Spannungen zu befreien

und eine auf überzeugter Zusammenarbeit Staaten beruhende sriedliche Weiterentwicklung 3U ?orbern unD -u festigen. Beides steht in einem notwendigen Wechsel Verhältnis. Ohne Gesundung der Wirtschafts- u«d6 nanibe,Ziehungen ist keine Beruhigung der politischen Lage, ohne diese politische Beruhigung keine Beseitigung der Wirtschaftsnot denkbar.

Das Gedeihen Europas und der Welt hängt davon ab, daß diejenigen, die ein tragisches Geschick im Weltkrieg zu Feinden werden ließ, nunmehr ent­schlossen und weitsichtig aus beiden Seiten sich zu den Entschlüssen ausrasfen, welche die beklemmende Not der Stunde von allen Regierung und Volkern fordert.

Für dieses große Ziel wird der amerikanische Vorschlag Raum schaffen, wenn er von den in ^age kommend^ Ländern in demselben hochherzige"® aemadit genommen wird, in dem er von feinem Urheber gemacht roorben ist. ? Regierung ist bereit, mit allen Kräften an der Erreichung dieses Zieles der amerikani­schen Initiative mitzuarbeiten. Sie hat den

aufrichtigen willen, auch von der politischen Seite her zusammen mit allen Regierungen an die Losung der Fragen heranzugehen, die für die Beruhigung

Europas von Bedeutung sind.

Je mehr die schwere wirtschaftliche und soziale Not sich mildert unter der das deutsche Volk leidet umso starker s sä-ä

die E°ihr 3fkf)ieelrgebeSnbe Verant wörtlich kett Msstn mich ?ieiemSnbieUfür "dieHmmung AMUchen Mei- nung von maßgebendem Einfluß sind, sich ewuß ben, von welch entscheidender Beden tun g n diesem Augenblick Maßhaltung und C e I b ft»11 3 plin bei allen unseren Volksgenossen in allen Aeuße- rungen und Kundgebungen sind für Deutsch!« b

Ür Dst^dratsche Regierung ist sich bewußt, daß bet alle­dem der zukünftigen Gestaltung der

Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich eine besonders wichtige Rolle zusällt.

Wenn m der Entwicklung dieser Beziehungen manch« Schwierigkeiten und Hemmungen hervorge- treten find, wenn es in der Oesientlich^it ?us beide« Seiten der Grenze vielfach zu bewegten Auseinander,et zungen gekommen ist, so hatte ich trotzdem an der Ue­berzeugung fest, daß all das nicht unüberwindbar ft, daß vielmehr bei beiderseitigem guten Willen sich ->* *■ tel und Wege finden lassen werden, um das Ueber ein stimmende und Gemeins am e in ben Vorbergrund zu bringen unb im Bewußt fein ber beiben Völker fo zu verankern, baß es die Ge- währ ber Dauer in sich trägt .

Weil ich davon überzeugt bin, daß eine wirklich aus­geglichene und fruchtbare, Zusammenarbeit untef OCB

■ einzelsonimi io M. (mir Mllr. Beilage 15 VM

MaerZertung

Anzeiger für die Staöf Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblafl.