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21 »Juni

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Ilr. 141

der freundliche,

Schüsse der Tscheka

um den

dort Der den

Sie

über dem grünen, welligen Hag? Sommer baute träumend an ihnen ganzen unendlichen Junitag.

beweisen. Ja, im Hinausgehen meinte er scherzhaft zu seiner Frau, daß er gar nicht ungern die Erholungsreise antrete: denn nun würde er wenigstens für einige Tage den täglichen Sorgen enthoben sein.

Schon über zwei Monate waren feit dem Antritt der

würdige Gesänge und frohe Lieder geschaffen haben. Die drei großen, bedeutsamen Oratorien sind schon früher in ihrem Unterschiede und ihrer Schönheit behandelt worden. Es mögen heute aus dem Schatze der Elisabethmusik die wichtigsten anderen alten und neuen Chorwerke und Lie­der aufgezählt und gewürdigt werden.

1. Elisabethossizien.

Schon bald nach der Heiligsprechung Elisabeths von Thüringen haben fromme Mönche und mit den kirchlichen Taggebeten vertraute Priester nach dem Muster der über­lieferten kirchlichen Offizien auch zu Ehren der neuen Heiligen ein eigenes Formular zum Gebrauche beim Got­tesdienste und den Chorgebeten zusammengestellt. In zahlreichen Antiphonarien, die schon im vierzehnten Jahr­hundert niedergeschrieben sind, findet sich bis auf kleine Unterschiede übereinstimmend ein solcher Offizium zum Feste der heiligen Elisabeth. Ort und genaue Zeit der Entstehung sind nicht bekannt. Wir gehen aber sicher nicht fehl, wenn wir die Entstehung schon sehr frühzeitig, vielleicht in die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts setzen. So finden wir in einem schöngeschriebenen Pergament­kodex der Fuldaer Landesbibliothek, der dem Anfänge des vierzehnten Jahrhunderts angehört, die Matutin, die Lauder und die zweite Vesper enthält. Mehr oder min­der vollständig findet sich dar gleiche Offizium in den An­tiphonarien, die in den Vibliölheken zu Kassel, Frankfurt Karlsruhe, Stuttgart, Berlin, München und Brüssel vor­handen sind. Ergänzt wird dar Offizium, das nur die Antiphonen und Responsorien enthält, durch die ange­zeigten, dazu gehörigen Hymnen, die in mehreren ande­ren Antiphonarien stehen. So erhalten wir ein ziemlich genaues Bild des Offiziums, das im Mittelalter in den ersten Jahrhunderten nach dem Tode Elisabeths vor allem benutzt worden ist. Wie oft sind die frommen Weisen dieses Elisabethoffiziums durch die Hallen unserer alten, gotischen Domkirche und Abtskathedrale geklungen. Wie viel hundertmal haben Priester und Benediktinermönche durch sie zur Verherrlichung der Landesheiligen beigetra-

Als klein Elisabeth von der Gesandtschaft des Land­grafen Hermann von Thüringen und Hessen aus ihrer ungarischen Heimat abgeholt und nach ihrem zukünftigen Drautort und Fürstensitz, der Wartburg, gebracht wurde, soll ihr Vater nach einer schönen Ueberlieferung aus der Nürnberger Gegend neben vielen anderen heimischen Begleitern und Dienerinnen auch die Harfnerin Adelheid mitgegeben haben, damit sie vor ihr auf der Harfe spiele und singe, wenn sie weinen müßte. Schweres Leid und bitteres Weh ist über die Fürstin gekommen. Da mag wohl oft die Musikantin Adelheid die Harfe in die Hand genommen haben und durch ein frommes Lied das Herz des weinenden Mädchens und der trauernden Gattin, der verstoßenen Fürstin und der schmerzvollen Witwe, be- ruhi^t und besänftigt haben, llnb als Elisabeth dem franziskanischen Ruse gehorchend alles verläßt, auf alles verzichtet, was Menschenherz erfreut, da geht sie hinab zu den braunen Brüdern des heiligen Franz nach Eise­nach, und in mitternächtiger Stunde erscheint die blasse, junge Witwe auf dem hohen Chore und statt aller Klage hat sie nur die eine Bitte auf den Lippen:Laßt uns, geliebte Brüder, ein Großer Gott mir loben dich anstim­men, denn, der meinen Gemahl des Kreuzzugtodes wür­dig hielt, ließ auch mich Anteil nehmen an seinem Kreuz und Leiden". In höchster Verlassenheit singt ihre Seele und ihre zarte Frauenstimme ein jubelndes Te deum 'm» damus. Und als sie zum Sterben kommt und die Schauer des Todes schon ihre Seele bedrohen, da vernimmt sie eines Vögleins jauchzendes Singen, und wie ein Vogel den anderen lockt, so stimmt auch sie sterbend mit ein in den Gesang des unsichtbaren Sängers der Nacht.Wie süß hast du gesungen", sagt zu ihr tröstend die bei ihr weilend« Magd. So scheidet dieses heilige Leben, vom weisen Sänger bei der Geburt aus fernem Land begrüßt, im Sterben singend hinüber in die Ewigkeit. Lied und Choral, Gesang und Musik, gehören zum Lebensbilde Sankt Elisabeths.

Es ist daher eine überaus schöne Liebespflicht, wenn die Musiker zur Verherrlichung der heiligen Elisabeth

Kompositionen der jüngsten Zeit, die denselben Stil» charakter haben. Dagegen bezeichne ich mit neuerer Elisa­bethmusik solche Kompositionen, die die Eigenschaften und Errungenschaften des musikalischen Fortschritts sich zu eigen gemacht haben, die also der modernen Kompo- sitionsart verpflichtet sind; das heißt, daß sie die alte harmonische Form aufgelöst haben und in mehr oder weniger dissonanten und atonalen Klangverbindungen schwelgen, daß sie ferner melodisch und rhythmisch sich von der alten Art unterscheiden, kurz in Form und Ge­stalt, in Harmonie, Melos und Rhythmus neue Bindun- gen eingegangen sind. Diese Dorausschickung einer we­sentlichen Definition des alten und neuen Stils erschien mir notwendig, um Irreführungen in der Besprechung einzelner Elisabethlieder zu vermeiden.

Don den älteren Elisabethliedern sei zuerst eine Kom­position von Clemens Breitenbach genannt, der das be­kannte Gedicht: Elisabeths Rosen von Bechstein vertont hat. Es ist eine einfache, schmucklose Komposition für eine Singstimme mit Klavierbegleitung. Gesang und Be­gleitung sind so einfach gesetzt, daß sie auch weniger ge­schulten Kräften keine Schwierigkeiten bereiten. Melodie und Begleitung schmiegen sich dem Inhalte des Gedichtes sinngemäß an. Das kleine Lied kann, von einer schönen Frauenstimme hübsch zum Vortrag gebracht, bei einfachen Verhältnissen eine freundliche Wirkung Hervorrufen. Es eignet sich zur Aufführung bei Elisabethfeiern in Jung­frauen- und Frauenvereinen.

Es ist auffällig, daß bei mehrstimmigen Elisabethlie» derv in erster Linie o-m den Komponisten Frauenstim- meri berücksichtigt word-n sind. So hat H-rmann Kipper eine Komposition geschaffen, die für zwei und drei Frau­enstimmen mit Begleitung des Klaviers bestimmt ist. Die leichte und frische Musik bringt die wechselnden Stimmungen des Gedichtes, das ebenfalls das Rosen- wunder zum Gegenstände hat, ganz getreu zum Ausdruck. Der Komponist empfiehlt sein Werk selbst in erster Linie Töchterschulen und Mädchenpensionaten. Der Regens­burger Cäcilianer Michael Haller hat zwei Elisabethlieder verfaßt, die ebenfalls für drei Frauenstimmen, zwei So­prane und Alt, gesetzt sind. Die Begleitung übernimmt die Orgel oder das Harmonium. Es sind leichte, ge- fällige, wohlklingende Lieder. Im Charakter etwas welt-

flieht kreischend ein Vogel vom hohen Sitz.

Nun wirft zum Abschied der Sommertag trunken auf Burgen und Türme den lodernden Brand. Sie sprühen, sie flammen, in zündenden Funken hin schmilzt die weiße, drohende Wand.

Noch st'yl»nmern ja Blüten, und Knoten zagen, noch sind die Halme so jung und so fein, noch können die Flügel den Nestling nicht tragen, und jetzt erst erblüht der schüchtert Wein---

Die Sonne sank. Ein Strahl der Gnade schoß in der Schäfchenwolken erglühendes Herz. Der Chor der Grillen geigt eine Serenade--

Gott zu Füßen liegt schlafend der Schmerz.

Volksleben verwachsen und vertraut ist mit seinem Füh­len und Denken wie kaum ein anderer. Weder die knor-

-Nein, Sie brauchen sich um den Gefangenen keine Sorge zu machen. Ich rechne täglich mit seiner Ent­lassung, denn es liegt absolut kein belastendes Material vor."

So lautete der telephonische Bescheid, den wir vom Untersuchungsrichter derDeijabinskaja" berüchtigtes Tschekagefängnis in St. Petersburg) erhielten. Trotz­dem zitierten wir um das Wohl unsere»Konter­revolutionärs", der nun schon über zwei Monate im Gefängnis schmachtete.Konterrevolutionär", hieß es, als man ihn verhaftete. Unter dieser Bezeichnung pflegt sich der gesittete Bürger einen Menschen vorzustellen, der mit Bomben, Chiffrierdokumenten und Attentaten die bestehende Staatsform zu unterwühlen oder gar zu stür­zen sucht. Im heutigen Rußland aber find Sie schon Konterrevolutionär, wenn Sie das Pech hatten, von an­gesehenen oder gar wohlhabenden Eltern auf dieser Welt empfangen worden zu, fein. Wehe Ihnen, wenn Sie sich außer diesemDelikt" noch einer weiteren Straftat schuldig gemacht und z. B. die Heereslaufbahn einge­schlagen haben und gar noch in einem vornehmen Regi­ment Dienst getan haben. So nämlich war es in dem 'Falle, von dem ich Ihnen erzählen will.

Den Namen des Betreffenden will ich Ihnen aus Rücksicht aus die noch lebenden Angehörigen desKon­terrevolutionärs" nicht nennen. Er war Soldat, schlug sich im Kriege tapfer, wurde verschüttet und mit einem Nervenleiden als Invalide aus dem Heeresdienst ent­lassen. Später kam die Umwälzung. Auf die Zaren­regierung folgte das Regime Kerenski, dieser wieder mußte den Bolschewisten den Platz räumen. Eines Tages wurde hart an die Tür des Invaliden geklopft. Draußen stand ein Auto der Tscheka. Er mußte von den Seinen Abschied nehmen. Nur mit einem Kopf­kissen und der Zahnbürste bewaffnet, bestieg er noch unter lustigen Bemerkungen das Auch, in dem festen Glauben, sehr bald die Haltlosigkeit des Haftbefehls zu

Juni-Abend.

Don I. Endringer.

flehst du die weißen Burgen mit goldenen Zinnen

Fiebervisionen dauernd die Hinrichtung ihres Bruders sah. Der Zustand der Kranken verschlimmerte sich un­aufhaltsam. Schließlich verweigerte sie jede Nahrung mit den Worten:Seht Ihr denn nicht, wie mein Bruder erschossen wird. Es wäre eine Sünde, wenn ich jetzt noch essen wollte." Nach einigen Tagen verstummte die Kranke für immer. Wir beschlossen, diese Trauer­botschaft dem Gefangenen nicht zu übermitteln, da er ja nach seiner Entlassung noch früh genug vom Tode seiner Lieblingsschwester erfahren mußte.

WegenVerdunklungsgefahr" «ar es keinem von uns gestattet, denStaatsverbrecher" im Gefängnis zu besuchen.Großherzig" hatte man uns lediglich erlaubt, telephonisch Erkundigungen über ihn einzuziehen. Hier­von machten wir natürlich regen Gebrauch und erhielten immer wieder die beruhigende Antwort, daßnach Er­ledigung der üblichen Formalitäten" (I) die Freilassung bald erfolgen werde. Wie eine Granate schlug er da­her bei uns ein, als plötzlich auf unsere-übliche Frage der Bescheid erteilt wurde, wir dürften nicht mehr an­rufen, da die Untersuchung einem anderen Dezernenten überwiesen sei, der sich weigere, Auskunft zu geben. Es vergingen bange sieben Tage, vierzehn Tage---

da, am 19. Tag endlich wurde bei uns an die Haustür geklopft, ein älterer Herr trat ein und stellte sich ver­legen als Kommissar vor, der die Untersuchung gegen den Verhafteten geführt hatte. Aus seinem nervös zuk- kenden Gesicht war nicht schwer zu erraten, daß er mit einer Hiobsbotschaft zu uns gekommen war. Er sprach

gen. Ich hoffe, in einem spätern Aufsatze dieses mittel­alterliche Eltsabethoffizium nach Inhalt und Musik noch besonders würdigen zu können. Ich beschränke mich, heute nur darauf hinzuweisen, daß sowohl die poetischen Texte, Antiphonen und Hymnen, als auch die den Text tragen­den Choralweisen, auch von einer solchen Schönheit sind, daß sie es verdienen, wieder zu neuem Leben erweckt zu werden. Könnte das mittelalterliche Elisabethofsizium nicht einmal bei einer liturgischen Feier, bei einer kirch­lichen Vesper, wieder gesungen werden? Wäre es nicht eine Dankespflicht gegen den mittelalterlichen Dichter und Musiker, der es in Verse und Töne gesetzt hat. Wäre es nicht eine Ehrung der Mönche und Priester, der frommen Sänger, die nach der Heiligsprechung Elisabeths als die ersten in ihren Taggebeten und Chorstunden das Lob der Heiligen verkündet haben. Wäre es nicht ein mächtig ernstes kirchliches Lied zum Preise und zum Anrufe der Heiligen, deren siebenhundertsten Todestag wir in diesem Jahre festlich begehen?

In neuerer Zeit haben die Franziskaner der thürin­gischen Ordensprovinz sich durch die Benedektiner von Solesmes ein Offizium zum Feste ihrer Ordensheiligen zusammenstellen lassen. Officium et missa sanctae Elisa­beth hungariae fratrum minorum thuringiae provinciae patronae inclytae. Diese Choralweisen sind durchweg von solcher Schönheit, daß sie mit den alten gregorianischen Choralmelodien wetteifern können. Ebenso zeichnen sich die Texte, vor allem die Hymnen, durch außergewöhnliche Schönheit und dichterische Würde aus. Wenn es irgend wie möglich sein sollte, an dem Festtage oder an einem anderen geeigneten Tage ein Choralamt oder eine kirch­liche Vesper abzuhalten, bann wird man gut daran tun, sich dieses Offizium zu verschaffen und beim Gottesdienste zu verwenden.

2. Keltere Llisabethmusik.

Unter älterer Elisabethmusik verstehe ich diejenigen Elisabethlieder und Chorwerke, die vor dem Jubiläums­jahre erschienen sind und stilistisch betrachtet jener musi­kalischen Richtung angehören, die auf der Grundlage des Tonikadreiklangs ihre Harrnonisation aufbaut, die also durchweg harmonisch gestaltet sind, die sogenannte schöne Melodie bevorzugen und auch im herkömmlich natürlichen Rhythmus sich bewegen. Ich rechne daher auch Lazu, die

deutschen Volksseele gehören.

Schon in altersgrauer Vorzeit breitete die Linde ihre weitgeöffneten Hefte über den Giebeln deutscher Häuser, denn die altgermanischen Vorfahren hatten sie der Hü­terin und Göttin des häuslichen Glückes, Frigga, der Göttin der Liebe, geweiht und sie in die Nähe der menschlichen Wohnung gepflanzt, da dieserheilige" Baum Schutz gewährte vor Blitz und anderen Unwetter­schäden. Und damals schon kannte man auch die heil- wirkende Kraft, di« all ihre Telle zum Segen der Leiden- den ausströmten. Man wußte, daß sie Krankheiten heilte und Hexereien fernhielt, daß sie böse Geister verscheuchte, daß die jungen Lindenblätter, unter den ersten Brei des kleinen Kindes gemischt, es vor Zahnschmerzen bewahrten und daß die Lindenasche dar Ungeziefer vertrieb, wenn sie auf die Felder gestreut wurde.

Und so hat die Linde das deutsche Volk aus der Ur­zeit hinüber geleitet ins Mittelalter, wo sich die Dorf­ältesten unter ihrem Blätterdach zur Beratung der Ge­meindeangelegenheiten zusammensanden und sich das junge Volk zu gemeinsamen Spielen und Scherzen ver­sammelte. Lindenbäume war es, unter deren ausladen­der Krone die schreckhaften Fem- und Dolksgerichie ab­gehalten wurden. So mancher von ihnen mag noch in unsere Tage hineinragen als ein lebendiger Zeuge menschlicher Kurzsichtigkeit, Bosheit und Ungerechtigkeit. Erzählen könnte er von so furchtbarer Grausamkeit und so manchem harten Urteil über Leben und Tod eines blühenden Menschen.

In allen Teilen unseres Vaterlandes habe ich die Dorflinde im Mittelpunkt der Städte und Dörfer gefun­den. Auf dem Eichsfeld gibt's wohl kaum einen Dorf­anger, über dem nicht der Schatten altersgrauer Linden lastet. In Thüringen, Hessen und Bayern habe ich sie

stürmen den Himmel, belagern die Sonne, die grauen Wände, scheint's, bergen den Blitz. Der Baum im Felde erbebt, aus seiner Krone

gefunden. Und auch in meinem Heimatstädtchen stand die Linde am Brunnen vor dem Tore, unter deren Blätterdach ich der Kindheit schönste Tage verlebte. Berühmt ist die Linde in Allendorf an der Werra, in deren Schatten Wilhelm Müller das Lied vom Linden­baum dichtete. In Neustadt am Kocher kündet eine solche das Jahr 1558, in dem sie von dem damaligen Herzog gepflanzt wurde.'

Wer von uns könnte nicht die Sage vom gehörnten Siegfried, dem beim Bad im Drachenblut ein Linden­blatt auf die Schulter flog, wodurch diese nicht vom Blute berührt wurde, sodaß eine verwundbare Stelle entstand, die für den herrlichen Helden so verhängnisvoll werden sollte. Im Schatten einer Linde gab ihm Hagen, der Grimme, den Stoß mit dem Speer, der dem Gatten Kriemhildsam Brunnen, von der Linde beschattet," den Tod gab.

Und doch beschleicht mich Wehmut, o Lindenbaum, wenn ich dich sehe und den köstlichen Duft aus deinen Blütendolden genieße! Altersgrau und altersschwach sind deine Artgenossen geworden. Junge stehen kaum an deiner Seite, wenn es auch kaum ein schöneres, ein heimatlicheres Dach zu heißer Sommerzeit gibt als das deine, in dem die lieben Vöglein wohnen. Bist du nicht immer wieder die stille Mahnerin zu Häuslichkeit und Fleiß, den beiden Pfeilern edlen Familienglückes?

Drum schließe ich mein schlichtes Lied auf Dich mit den Worten Hoffmann von Nauborns:

Schau ich dich, Linde, an, Du Baum aus alten Tagen, Dann bricht mein Lied sich Bahn In Zorn und Schmerz und Klagen. Ich möcht' von Strand zu Strand Der Linde Preis verkünden Und fingen rings im Land: O pflanzet wieder Linden!"

Carl Walter.

stockend, langsam, wiederholte sich oft, als wenn es ihm schwer fiele, alles das zu sagen, was sein Gewissen be­lastete.

Bitte, hören Sie den Bericht dieses Mannes:

. . nachdem ich mich gründlich davon überzeugt hatte, daß kein belastendes Material vorliege, ordnete ich die unverzügliche Entlassung des Verhafteten an. Sollte meine Anordnung jedoch in Kraft treten, so mußte sie auch die Unterschrift meines Kollegen tragen. Ich ging zu ihm hin, teilte ihm meinen Wunsch mit. Doch statt der Unterschrift erhielt ich die abweisende Antwort, . . . ich befände mich unbedingt im Irrtum, wenn ich glaube, daß ein ehemaliger Offizier der Zarenarmee sich keiner Übertretung der bolschewistischen Gesetze schuldig gemacht hätte." Danach versuchte ich meinen Mitarbeiter zu überzeugen, daß man dem Verhafteten auch nicht das kleinste Vergehen vorwexfen könne. Aber ich fand kein Gehör! Voller Aufregung über diese Ungerechtigkeit begann ich zu drohen, um auf diese Weise die Freilassung zu erzwingen. Ohne ein weiteres Wort zu entgegnen, verwies mich der Genosse aus dem Zimmer.----

In meinem Zimmer angelangt, beschloß ich, mein Amt als Untersuchungsrichter niederzulegen. Mir wurde ein Zettel in mein Büro hereingebracht mit der Bemerkung, daß ich kein zuverlässiger Beamter sei und daß der Schreiber der Zeilen bereit wäre, mir am nächsten Mor­gen um 5 Uhr zu zeigen, wie man die Interessen ber Bolschewiften-Regierung zu vertreten habe. Ich wußte sofort, was Liefe lakonische Notiz bedeutete . . .

Arn nächsten Morgen kam ich zur vorgeschriebenen Zeit zum Gefängnis. Auf dem Hof wurde schongear­beitet". Etwa 5060 Gefangene, nur mit einem Hemd aus Sackleinen bekleidet, wurden auf zwei Lastautos auf- geladen. Auf zwei weiteren Lastwagen folgten ebenso- oiele Rotgardisten mit Karabinern bewaffnet. Ich mußte mit zwei Kommissaren, meinemKollegen" und einem Offizier in einem Personenwagen Platz nehmen. Wozu sollte ich mich weigern? Ich hätte die Fahrt doch mit- machen müssen, nur mit dem Unterschied vielleicht, daß ich statt im Personenauto mit im Lastwagen gesessen hätte. Wir fuhren los, ein Todeszug voller beftiali- scher Grausamkeit. Die Fahrt verlief zu schnell, bald waren mir auf demHeißen Feld" angekommen. Die Verurteilten" wurden ausgeladen. Jeder von ihnen erhielt einen Spaten. Jetzt wurde eine Reihe gebildet. Dann erhielten die Armen den grauenvollen Befehl, je­her solle für sich ein Grab von dreiviertel Meter Tiefe ausheben . . .

Ich kann Ihnen nicht erzählen, welche Schreckens- szenen sich jetzt abspielten. Die einen meinten und schrieen, die anderen waren vollkommen ruhig und still und mit vor Verzweiflung zusammengebissenen Zähnen, duraunter auch Ihr Bekannter, gingen sie an die furKt- bare Arbeit. Einige, die sich wie toll gebärdeten und nur langsam mit ihrerArbeit" weiterkamen, wurden von den Soldaten mit Kolbenhieben und Faustschlägen zur Eile angetrieben.--Nach einer halben Stunde

mar die Reihe der Gräber fertig, die einen tief und groß, so daß die Schaufelnden kaum noch zu sehen waren, die anderen kaum einen halben Meter tief. Jetzt würbe der Befehl erteilt, mit dem Gesicht zu den Henkern Aus- ftellung zu nehmen. Sie hätten diese Gesichter sehen müssen! Viele, sehr viele waren in der kurzen Zeit um Jahrzehnte gealtert, auch aus demKonterrevolutio­när" mar ein weißhaariger Greis geworden. Nach einem kurzen Kommando begann die Exekution.

Da auf jeden Delinquenten nur ein Mörder kam, und nicht alle Kugeln bei der ersten Salve ihr Ziel trafen, mußten die schlechten Schützen noch ein zweites und drittes Mal anlegen. Ihr Bekannter wurde gleich von der ersten Kugel getroffen, jedoch leider nicht tödlich. Sich in Schmerzen windend, bettelte er um einen ®na- denfchuß. Mit unflätigen Schimpfworten wurde ihm dieser verweigert. Noch lebend wurde er in die Grube geworfen, mit Kalk übergossen und verscharrt ..."

*

Der ehemalige Untersuchungsrichter stand auf und verließ mit Tränen in den Augen unsere Wohnung.

N. Iurschewitsch

Erholungsreise" vergangen. Unsere Sorge ........

Verhafteten stieg von Tag zu Tag, um so mehr, als feine an einer schweren Grippe erkrankte Schwester in ihren

Die Linde blühk....

Kein schöner Land zu dieser Zell

' Als wie das unfre weit und breit,

Wo mir uns finden Wohl unter Linden Zur Abendzeit!" -

So klang's zu mir ins stille Studierstübchen an einem lauen Sommerabend neulich herein. Junge Menschen waren's, die das alte Lied mit ihren Hellen Stimmen fangen und mit ihren Klampfen so wohllautend begleite­ten.

Und seitdem klingt mir die schmiegsame und doch so einfache schlichte Melodie noch immer in den Ohren, und mehr als einmal habe ich sie in versonnenen Abendstun­den vor mich hingesummt, wenn ich nach des Tages Last und Mühen mit einem wonnevollen Frieden im Herzen unter dem weiten Blätterdach der nahen Dorflinden einherschritt.

Gerade in diesen Tagen treibt es mich immer wieder zu den mächtigen Bäumen. Sie erleben jetzt ihre Feier­stunden. Jetzt tragen sie ihr schönstes Kleid, und zu keiner anderen Zeit ist es in ihrem Gezweig so lebendig wie jetzt.Die Linde blüht!" So tlingts heraus aus den Melodien der alten und jungen Vögel hoch oben in den dicht verschlungenen Aesten.

Die Linde blüht!" summen die vieltausend Bienen, die aus den wonnesam duftenden Blütenkelchen den be­rauschenden Honigseim rauben und ihn in den kunst­vollen Bauten ihres geordneten Bienenstaates als den besonders geschätzten Lindenhonig aufstapeln für des Winters Notzeit und des Menschen Erquickung.

Die Linde blüht!" jauchzen die Buben und Mäd­chen, die kein schöneres Plätzchen für ihr nimmermüdes Spiel zu finden wissen als die weitausladende Krone des mächtigen Baumes, die mit dem milden Grün der herzförmigen, dicht aneinandergedrängten Blätter in des Hochsommers Gluthitze so kühlen Schatten spendet.

Die Linde blüht!" raunen sich die Alten ins Ohr, die aus eigener Erfahrung wissen, daß die Gummi, Zul­ker und Gerbstoff enthaltenden Blüten in manigsachen Krankheiten durch ihre schweißtreibende, krampfftillende und leicht reizende Kraft der leidenden Menschheit schät­zenswerte Dienste leisten.

Die Linde blüht!" So jubelt's auch in meiner Prust. Denn ich habe ihn gern den Baum mit dem dichten Blattgezelt, dessen süß duftende Blütendolden die Lüfte ringsum mit Wohlgeruch erfüllen. Dicht vor mei­nem Fenster raunen Dutzende von Linden in der leicht­bewegten Morgen- und Abendluft ihr altes Lied, und tagsüber senden sie die mit ihrem Duft geschwängerte Luft durch die weit geöffneten Fenster in alle Räume meines stillen Landlehrerhauses herein. Und darum habe ich ihn so lieb, den Daum, der mit dem deutschen

rige, ehrfurchtgebietende Eiche, noch wundermilde Apfelbaum erfreuen sich einer ähnlichen Wertschätzung, obwohl auch sie zu den Lieblingen der

Chorwerke und Lieder M Ehren der heiligen Elisabeth

Don Richard Zentgraf.