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Ar. 138

Beilage zur Airldaer Zeitung

IT. Iuni

Und zuletzt die Hausfrau und Mutter:

Wir werden in diesem Jahre zuhause bleiben müssen. Die wirtschaftliche Lage hat sich so verschärft, unser Pa» pier- und Schreibwarengeschäft geht so schlecht, daß mein Mann erklärt hat, es geht beim besten Willen nicht. Schadet aber nichts! Wir, d. h. die Kinder und ich, viel­leicht manchmal sogar der Pater, wenn es das Geschäft erlaubt, werden trotzdem schöne Ferien verleben. Bor allem machen wir so oft es geht Ausflüge in die nähere Umgebung. Wir wandern im Stadtwald, fahren mit einem gemieteten Boot den Fluh hinunter. Schwimmen und plantschen nach Herzenslust im Wasser und kehren abends stohgemut und gebräunt nach Hause zurück. Der Proviant wird mitgenommen, jeder meiner drei kleinen Burschen hat seinen eigenen Rucksack und muß als Ka­valier die wenigen Habseligkeiten der Mutter tragen hel­fen. Dann und wann wird draußen auch einmal abge­kocht, Kartoffelsuppe, Reisbrei und was dergleichen leckere Dinge mehr sind; wir nehmen noch ein paar Nach­barskinder mit und dann geht eine Räuberlesschlacht int Wald vonstatten, daß man glauben könnte, ganze In» dianerheere seien im Anmarsch. Wieder an anderen Ta­gen wird ein Buch laut vorgelesen. Sie sollten einmal sehen, wie die kleine Gesellschaft aufmerksam zuhört und wenn dann einmal ein Regentag die Wanderung unmög­lich macht, dann hole ich zuhause im Haushalt mit ge­steigertem Arbeitseifer das nach, was an unseren Wan­dertagen versäumt wurde. Meine Buben und ich selbst entbehren keineswegs die Ferienreise, wir entdecken eben die Heimat und das ist auch sehr schön. Vielleicht ma­chen es ein paar Mütter nach, betÄ m diesem Jahre auch das Geld zur Ferienreise fehlt, tes kommt nur auf die Probe an. ,,. .

Der erste Schritt.

Glückselig schützest du dein Kind im Arm, Das sorglos schläft am Mutterherzen warm — Nun strebt es fort und nimmt dein Wünschen - mit Bei seinem ungeschickten, ersten Schritt!

Wächst dann der Knabe, der dich sieht als Mann, Erwacht sein Mut, er schnallt den Ranzen an Und in die Schule geht dein Hoffen mit Bei seinem festen, ersten Lebensschritt!

Bald zieht den Jüngling Tatendurst hinaus Weil ihm zu eng dünkt seiner Ahnen Haus;

Der Eltern Segen leitet jeden Tritt, Führt in die Fremde ihn der erste Schritt!

Loreley.

Zartgefühl und Takttostgteit.

Von Dina Ern st berge r-Neunkirchen.

Takt, dieses zarte Feingefühl im gesellschaftlichen Le­ben ist ein wichtiger Faktor im Verkehr. Wir können ihn uns nicht geben und er kann uns nicht durch moralische Belehrungen beigebracht werden. Taktgefühl muß in uns liegen, wenn es sich nach außen hin bemerkbar ma­chen soll. Menschen mit dem besten Wissen und der sorg­fältigsten Erziehung können trotzdem in Gesellschaft recht taktlos sein und überall anstoßen, weil sie es nicht ver­stehen, das rechte Wort, den richtigen Ton zu finden. Das gleiche Wort kann Freundschaft knüpfen und zerstören; es kommt ganz darauf, wann, zu wem und in welchem Ton es gesprochen wird. Gerade im Tonfall äußert sich oft die feinste Schwingung des Taktgefühls.

Von der Frau verlangt man vor allem Taktgefühl, mehr als vom Mann. Sie ist int allgemeinen mit Zart­sinn besser begabt wie er, bei dem Stärke und Mut die vorherrschenden Eharaktereigenschaften sind. Eine Frau, der Herzenstakt fehlt, wird in der Gesellschaft überall gemieden werden. Bei modernen Frauen vermissen wir mehr oder weniger Zartsinn. Dort ist das Taktgefühl zu sehr dem Zeitgeist und der Mode unterworfen. Echtes, feinstes Taktgefühl aber bleibt sich immer gleich, das ver­ändert weder Zeit noch Mode und wer es sein Eigen nennt, der besitzt eine kostbare Gabe, die ihn bei allen Menschen, modernen und unmodernen, liebenswert macht.

Zartgefühl ist unabhängig vom Stand. Ost finden wir unter dem Bauernkittel erstaunlich viel Takt, und manche Frau in geflickter Arbeitsschürze könnte einem sogenannten Salonhelden Zartgefühl lehren. Die Gabe, verborgene Herzenswunden zu sehen und sie nicht zu berühren, weil dies dem andern wehe tut; peinliche Ge­spräche über irgend eine heikle Sache zu umgehen oder sie zu suchen, um den andern das Unangenehme der Un­terhaltung zu erleichtern, dies leise, feine Verstehen der Seelenschwingungen der Menschen unseres Verkehrs kann nicht gelehrt und gelernt werden, wenn ihr der Keim zur Weiterentwicklung fehlt. Oft lernen wir Menschen kennen mit der besten Erziehung und den feinsten Umgangs­formen und im näheren Verkehr waren sie entsetzt, wie wenig Takt und Zartgefühl ihnen eigen war. Es gibt ja wohl einen anerzogenen Takt, aber er ist nur äußer­lich; — Bronze, die eben nur glänzt, solange man in Ge­sellschaft ist und Formen konventioneller Höflichkeit in Frage kommen. Niemals ist er gleichwertig mit dem angeborenen Takt, der immer und überall das gleiche Gesicht, die gleiche Farbe behält und auch dem einfach­sten Mann aus dem Volke eigen sein kann.

Frau und AattonalsoziaNsmus.

Nationalsozialismus ist Weltanschauung, das sagt der Nationalsozialismus von sich selber; er will nicht nur eine politische Partei sein; er ist mehr — er ist eine Lebensbewegung, eine Weltanschauung.

Das bedeutet, der Nationalsozialismus hat sich eine besondere Anschauung vom Sinn des Weltgeschehens, vom Wert des Lebens und des Menschen gebildet, die sich von anderen, herrschenden Anschauungen unterschei­det.

Der Wert eines Menschen wird für den National- sozialismus nicht darin gesehen, daß er überhaupt Mensch ist, Menschenantlitz trägt, Verstand, Empfinden und Vernunft besitzt und, wie die Christen glauben, eine un­sterbliche Seele hat, zur ewigen Seligkeit berufen ist und teil an dem Erlösungswerk Christi hat — nein, der Wert des Menschen richtet sich int Nationalsozialismus nach seiner Zugehörigkeit zu einem Volk — zu einer Rasse.

Die Tatsache der Verschiedenartigkeit der Menschen, ihr Zerfallen in unterschiedliche Völker und Rassen be­deutet für den Nationalsozialismus ohne weiteres ein Zerfallen in verschiedene Werte. Für ihn ist die An­dersartigkeit eine Anderswertigkeit. Er maßt sich ein endgültiges Urteil über den Wert einer Raste an. Die­ser Wert kommt nicht aus der Leistung des Volkes für eine Kuüur, aus seinen Verdiensten um große Erkennt­nisse und Fortschritte der Menschheit, sondern die Wert­unterschiede liegen im Blut.

Der Nationalsozialismus unterscheidet zwischen ed­lem und unedlem Blut; höchsten Wert hat also die ger­manische Rasse, das deutsche Volk. Wem deutsches Blut in den Adern rollt, der ist ein wertvollerer und höherer Mensch als andere. Er braucht nur eines zu tun, um sich dieses Wertes würdig zu machen, fein Blut rein zu erhalten und rein fortzupflanzen. Ganz konsequent wird für die Geschlechter daraus eine Verpflichtung abge­leitet, sich der „nicht reinrassigen" Verbindung zu ent­halten, die nach der Sittenlehre des Nationalsozialismus die einzige Sünde ist, die nicht verziehen wird, dagegen in rassereiner Verbindung — mag sie ehelich oder unehe­lich sein — dem Volk Kinder zu schenken.

Die Frau, die nicht Mutter edelrassiger Kinder wird, hat keinen Lebenswert, auch wenn sie geistig, sittlich und menschlich einen vollen Wert haben mag. Die Frau ist noch weniger als der Mann als Einzelwesen daseins­berechtigt, sie hat nur Anspruch auf Beachtung und An­erkennung, wenn sie der Vermehrung ihrer Rasse dient. Dienst am Volk wird von ihr vorwiegend als Geschlechts­wesen verlangt. Vor diesem Rassegesetz muß das christ­liche Moralgesetz zurücktreten. Uneheliche Mutterschaft hat den höheren Rang vor der Jungfräulichkeit.

Es gibt für die Rasse überhaupt keine allgemein bin­denden Lehren und Regeln. Religion ist ja nicht ein Teilhaben an einer göttlichen Wahrheit und Offen­barung, die für alle Völker in der gleichen Weise gelehrt und verwaltet wird. Religion ist dem Nationalsozialis­mus ein ganz persönliches Herantreten an eine göttliche Erscheinungsform, die z. B. in der Natur, im deut­schen Wald oder in der Person Christi erlebt werden kann. Der Mensch ist es selber, der auf das Göttliche zugeht, es anspricht und ergreift; er ist nicht ein in Demut Wartender, der sich nur bereit hält, von Gott angesprochen und ergriffen zu werden. Beim Menschen liegt also auch das Bestimmende und Ausschlaggebende von Form und Inhalt seines Verhältnisses zu Gott. Gott ist so, wie der Mensch ihn sich denkt. Der Mensch des edlen Blutes, der hohen Raste hat also auch den höheren, edleren Gott und kann seine Religion nicht mit Menschen anderer Rasse teilen. Der Deutsche muß zu einem „deutschen Gott" finden innerhalb einer deutschen Volkskirche, die unabhängig von einer die Völker um­spannenden allgemeinen, d. h. katholischen Kirche ist.

Das Volk einer reinen und edlen Rasse ist unab­hängig. Es lehnt jede Lehre, Offenbarung, Wahrheit und jedes Gesetz, auch wenn es das Zeugnis Gottes für sich hat und im göttlichen Auftrag gegeben wird, ab — wenn es von anderen Völkern und Rasten verkündet wird. Der Nationalsozialismus bindet Gott an ein Volk, und Gott hat noch einen anderen Gott: die deutsche Rasse, neben sich.

Aus diesem Irrglauben muß vorerst eine traurige Verwirrung der Geister, ein unedler Hochmut und stei­gende Ungeistigkeit erwachsen. In besonderer Weise wird die Frau diesen Rückfall in den Aberglauben der Rasse schmerzlich zu spüren bekommen. Einmal ist sie zurückgewiesen mit ihren Leistungen, durch die sie sich einen anerkannten und ehrenvollen Platz im Leben er­werben kann, allein in das Bereich des Geschlechtlichen, der leiblichen Mutterschaft. Die Überstarke Betonung der leiblich-mütterlichen Leistung brauchte noch nicht ver­hängnisvoll zu werden, wenn die Umwelt der Frau ein Bemühen und Geistiges nahelegte. Aber im National­sozialismus herrscht kein Sinn für die Verfeinerung des Leiblichen in das Geistig-Seelische. Man befürchtet stets eine Beeinträchtigung der ungehemmten Lebenskraft der Raste; man kennt das Geistige nicht als das Leben­erweckende und Kraftspendende, sondern nur als ein kränkliches Sichentfernen vom Leben. Und Leben, Da­sein, stärker und kräftiger als andere zu leben, die Welt mit diesem wachsenden, lebenskräftigen Geschlecht zu er­füllen und ihm untertan zu machen, ist oberstes Gebot der Rasse. Das setzt einen unbekümmerten Machtwillen und rücksichtslosen Trieb der Selbstbehauptung voraus.

Wird die Frau davon ergriffen — und sie wird keine Möglichkeit haben, sich dem zu entziehen —, ]o bleibt sie nicht im Bereich des Edel-Natürlichen der Geschlecht­lichkeit und Mütterlichkeit, sondern gerät unter den Bann ihrer Dämonie. Der Begriff der weiblichen Zucht, die von innen her bindet, geht damit verloren. Er ist nicht zu erzielen durch eine nur männliche Zucht, die ein äußeres Einordnen in eine größere Macht ist, an der man durch die Einordnung Anteil hat. Die Frau ist nicht in eine nur äußere Ordnung einzufügen. Sie wird zurückgeworfen in eine rohe Welt, die nur in sich selber befangen ist.. Die Frau wird ärmer in ihrem Le­ben und enger im Fühlen und Denken, unb' mit ihr wirb ihr Volk unb bie Menschheit ärmer. K. F.

Die Iran mutz sich zu helfen wiffen.

Das unmoderne Sommerkleid.

Von Erika Schön- Berlin.

Wohl haben wir es in den ersten heißen Tagen getragen das Sommerkleid vom letzten Jahre, unb wir glaubten, es geht so noch einmal mit, zumal es doch so hübsch aussah und vielleicht gar erst im vergangenen Spätsommer beim Saisonausverkauf wohlfeil erstanden war. Aber wir fühlen uns doch nicht so recht wohl darin! Der Rock ist eben zu kurz ober gar noch zipfelig unb manchmal hinten sogar länger. Nun rüsten wir zur Sommerreise. Da sollen unsere Kleider modern und nett fein. Um des Gatten Portemonnaie aber ist es in diesen schlechten Zeiten nicht gut bestellt, so daß wir ihm Sommerreise und neue Kleider nicht zumuten wollen und können. Wir müssen also zusehen, wie wir möglichst billig Altes neu erstehen lassen. Mit ein wenig Nach­denken und ein bißchen Geschicklichkeit gelingt dies auch vortrefflich.

Ein geblumtes Kleid läßt sich gut durch einen Strei­fen unifarbigen Stoff unten am Rockfaum anfetzen. Be- sonders nett sieht es aus, wenn dies in Bogen geschieht. Am besten wählt man den anzusetzenden Stoss in der Grundfarbe des Kleides, ist diese jedoch weiß, so wirkt eine andere im Muster des Stoffes hauptsächlich ver­tretene Farbe besser. Fertigt man dann aus dem neuen Stoff auch noch Kragen, Gürtel unb Aermelaufschläge, so ist mit geringen Mitteln ein hübsches Kleid neu ent­standen. Wer ganz besonders geschickt ist, schneidert sich vielleicht gleich ein passendes Jäckchen dazu, das man, wenn noch Nestchen von dem geblümten Stoff vorhanden sind, damit auspaffepoilieren kann.

Eine andere Möglichkeit zur Verlängerung und Mo­dernisierung besteht darin, daß man einen neuen uni­farbigen Rock arbeitet, darüber fällt bann von ber Taille ein Glockenvolant. Ein unifarbenes Kleib läßt sich selbst­verständlich mit gemustertem Stoff leicht verlängern. Mit Zacken ober Bogen setzt man den neuen Stoff an ber Taille an unb läßt ihn zu einer tiefen Hüftpasse aus­laufen, an der bann das Glockenröckchen angefetzt wird.

Bei ber großen Vielseitigkeit der diesjährigen Mode gibt es eine Menge Möglichkeiten, aus einem alten ein modernes Kleid erstehen zu lassen. Nur ein wenig Nachdenken und frischer Mut gehören dazu, bann wird es schon gelingen.

Spiel unb Arbeit.

Von Rosa Hamacher- Bopparb.

Vielleicht ist kein treffenderes Wort über das Spiel gesagt worden als das von Schiller: „Der Mensch spielt nur da, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist unb er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt." Er hätte ebensogut sagen können, bah ber Mensch in dem seinen Fähigkeiten entsprechenden Beruf die Arbeit spie­lend meistert.

Die Arbeit der Menschen im Paradies bestand darin, die Erde zu beherrschen. Die Sünde zerstörte diese Har­monie und seitdem bringt bas Lanb als Frucht müh­seligster Arbeit oft Dornen unb Disteln. „Arbeite nur, bie Freude kommt von selbst," sagt Goethe. Wenn einer­seits reinstes Menschentum in ber spielerischen Betäti­gung ber Menschemräfte liegt, andererseits die menschen­würdige Freude nur durch ernste Arbeit erlöst werden kann, so dürfen wir mit Sicherheit darauf schließen, baß ber weise Schöpfer dem einzelnen Menschen besonbere Anlagen und Fähigkeiten verliehen hat, bie zu einer harmonischen Entfaltung brängen. Hierauf Bedacht zu nehmen, ist bie Pflicht ber Eltern und Erzieher. Ein anderes Mittel gibt es nicht, um dem Kind den kom­menden Lebenskampf zu erleichtern. Nicht ein Last­träger sei der Mensch, sondern Herr und Meister der Schöpfung. Weil aber bie Elemente bas Werk seiner Hänbe hassen, muß er sich zu biefem Kampf rüsten. „Wer mit bem Leben spielt, kommt nie zurecht." Was bie

Vle verleben Sie Zhre Serien? I Cine Frage unb bie Antworten von vier Frauen.

Von Theobor ten Brink-Hannover.

Der Hochsommer steht vor ber Tür unb bamit bie Reise- und Ferienzeit. Viele werden in diesem Jahre we­gen der Wirtschaftsnot und ber baburch bedingten Ein­schränkungen zuhause bleiben müssen, andere werden statt der großen Reise in die nächste Nachbarschaft ihres Wohnortes aufs Lanb fahren, um so die wenigen Tage der Ausspannung nach einem harten Arbeitsjahr zu ge­nießen. Wie verlebt nun die Frau ihre Ferien, was fängt sie mit ihrer Freizeit an? Charakteristischer wie lange theoretische Erörterungen sind wohl die Antwor­ten auf diese Frage, die mir von vier Frauen ganz ver­schiedenartiger Berufsstände unb sozialer Schichtung ge­geben würben.

Die Caboranfin sagt:

®a ich nur zehn Tage Ferien hohe, werde ich sofort nach Dienstschluß im städtischen Krankenhaus, wo ich seit drei Jahren von früh sieben bis nachmittags um 5 Uhr beschäftigt bin, aufs Land zu meinem Bruder fahren, ber dort ein Pachtgut besitzt. Dort will ich ganz ber Natur leben, will im Fluß schwimmen, auch ein wenig mit mei­nen Neffen unb Nichten wandern, im Wald in der Hängematte ein schönes Buch lesen, da ich in der Stadt sehr selten zu diesem Vergnügen komme. Ich habe näm­lich ein leeres Zimmer gemietet und es mit den ererbten Möbelstücken meiner Eltern ausgeftattet. Ich muß nach der Dienstzeit für alles selbst sorgen, habe mein Zimmer aufzuräumen unb nähe mir den größten Teil meiner Kleider selbst. Selbstverständlich werde ich auch meiner Schwägerin an bie Hand gehen, ihr in der Küche unb im

Stall helfen, werbe früh aufstehen, wenn es fein muß, im übrigen aber auch einmal nach Herzenslust ausschla­fen. Wissenschaftliche Zeitschriften unb Krankengeschichten interessieren mich im Urlaub garnicht, außerbem lege ich auch keinen Wert auf Nachrichten von „zuhause", wenn man bie Kolleginnen in ber Klinik ober bie Hauswirtin überhaupt ein „zuhause" nennen kann. Und bann freue ich mich unenblich auf bie wenigen Tage fröhlichen Fa­milienlebens im Hause meines Bruders, denn in der Großstadt ist man trotz des großen Bekanntenkreises, den ich besitze, eigentlich immer allein und in seinen Herzens­angelegenheiten auf sich selbst gestellt.

Die Hausangestellte berichtet:

Mir stehen vierzehn Tage Urlaub zur Verfügung. Ich bekomme meinen Lohn und das Kostgeld dazu, außer­dem, zahlt mir meine Herrschaft die Heimreise zu meinen Eltern, wo ich meine Ferien verbringe. Ich habe noch vier kleinere Geschwister, von denen drei noch zur Schule gehen. Wir haben zu Hause eine kleine Landwirtschaft, zwei Kühe und zwei Schweine, bie bie Familie nicht ganz ernährt. Vater ist beshalb noch Holzfäller unb schnitzt in seiner Freizeit Lössel unb anderes Haushaltgerät. Die Mutter versieht einen großen Teil ber Landwirtschaft. Mägde ober gar einen Knecht können sie zuhause nicht halten. Alle Arbeit wird von den Eltern unb den Ge­schwistern geleistet. Es geht ihnen nicht schlecht, trotz­dem wartet die Mutter schon, bis ich nach Hause komme, um die Kleider der Geschwister in Ordnung zu bringen, der Mutter ein neues Kleid zu nähen und was derglei­chen Arbeiten mehr sind. Ich habe Nähen in der Haus­haltungsschule gelernt. Drei Tage werden auch zum Be­such von Schulfreundinnen in ber Nachbarschaft meiner Heimatgemeinde nötig fein, bie inzwischen verheiratet

sind. Sie werben mich mit großer Freude erwarten, ba sie vom Leben in ber Stabt berichtet, haben wollen. Schließlich soll noch ein Tag für eine Wallfahrt übrig bleiben, die alljährlich von ben Frauen meiner Heimat unternommen wirb, an ber ich aber feit mehreren Jahren nicht mehr teilnehmen konnte.

Die Stenotypistin sagt:

Ich fahre an bie See! Es ist meine erste größere Reise überhaupt unb die erste Reise, die ich ganz allein machen darf. Wenn wir früher als Kinder zu der Groß­mutter in das nahe Dorf gefahren sind, hat uns immer der Vater begleitet oder der Großvater mußte uns ab- holen. Vorige Ostern habe ich ausgelernt und Vater hat mir von meinem ersten Gehalt — Mk. 80 monatlich be­trägt es — an jedem Ersten Mk. 15 zurückgelegt, 15 Mk. durfte ich noch als Taschengeld bestallen unb Mk. 50 mußte ich für Kost und Wohnung bezahlen. So habe ich 180 Mk. erspart unb fahre nun mit zwei Freunbinnen in ein Ferienheim an bie Ostsee, was einschließlich ber Fahrt für vierzehn Tage rund 110 Mk. kostet. Den Rest des Geldes werden wir für Dampferfahrten, Besichtigun­gen, den so sehr geschätzten Nachmittagskaffee, für Bäder, ein paar gute Reiseführer u|ro. anlegen, doch verlangt Vater, baß ich genau Buch über meine Ferienausgaben führe. Er sagt zu mir, sieh bir nur alles genau an, überall muß man fernen, bie Well ist groß unb ein jun­ges Mädel kann gar nicht genug wissen. Das wollen wir drei Mädels denn auch tun und wir freuen uns so auf diese Reise, daß wir uns schon vor vielen Wochen einen besonderen Kalender konstruiert haben, auf bem wir Tag für Tag abstreichen, wielange es noch bis zum 2tbreifetermin ist. Heute zeigt er noch 18 Tage oder 18 mal neun Stunden Schreibmaschinenschreiben.....

Schule dem Kind an Ernst erspart, das fordert das Le­ben unerbittlich nach. Wenn sie erreicht, jedes Kind nach seiner Eigenart, em gegebenen Talent gemäß erziehen, so ist ein schönes Ziel gewonnen: w

„Erfreue dich ber Gott verliehenen Gaben, Froh wie er bich erschuf, will er dich haben!"

Der Holunder blüht.

Auch in ber Küche ist er geschäht.

Ueberall lachen uns eben bie Holundersträucher mit ihren herrlichen, buftenben Blüten an. Aber nicht nur bas Auge, sondern auch der Gaumen erfreut sich ber weißen Blüten, wie nachstehende Rezepte zeigen.

holundersträubelchen.

Man schneidet die Holunderblüten mit bem Stiel ab, wäscht sie und läßt sie gut abtropfen. Dann be­reitet man wie üblich einen süßen Omletteteig, taucht bie Blütensträubel bis zum Stiel hinein und bäckt sie in Fett in der Pfanne goldgelb. Man reicht dazu, wenn man will, Fruchtsaft ober Kompott.

holunberblütentrank.

In einen Steintopf legt man 15—20 Holunderblüten, dolben, gibt 2 Pfund Zucker, 2 in Scheiden geschnittene Zitronen, Vi Liter Essig und zuletzt 10 Liter frisches Wasser dazu. Man läßt den Trank 3 Tage zugedeckt an einem kühlen Orte stehen, seiht ihn durch unb füllt ihn auf Flaschen. An heißen Tagen wirb der Trank eine willkommene, wohlschmeckende Erfrischung sein.

holunberkuchen.

Man bereitet wie üblich einen Hefenkuchenteig, bringt ihn auf ein Backblech unb gibt einen Belog, ben man aus Holunderblüten, Butter, Zucker und Rahm berei­tet, daraus. Der Kuchen wird in der Röhre goldgelb ge­backen.

Holunberblükenkee.

Holunberblütentee ist bekanntlich außerordentlich schweißtreibend. Man wendet ihn gerne bei allen Er­kältungskrankheiten, insbesondere aber bei Husten unb Heiserkeit an. Weiter ist er ein beliebtes Blutreinigungs- niitteL Zur Teebereitung entfernt man bie Blüten vom Stiel unb trocknet sie in ber Sonne.

Ratschlüge für Haus und Rüche.

Schlagsahne im Sommer.

Wie köstlich unb erfrischend schmecken Erdbeeren oder frische Obsttorten mit Schlagsahne. Wie oft mißrät auch an heißen Tagen die Schlagsahne unb der süße Rahm wird beim Schlagen zu Butter. Woran liegt das? In der Regel ist der Grund darin zu suchen, daß der Rahm nicht genügend gekühlt war. Hat man kein Eis zur Verfügung, so kühle man den Rohrn etwa 2 Stunden in fließendem kalten Wasser. Den Zucker füge man am besten erst am Schlüsse zu, da, wenn es doch Butter geben sollte, diese dann wenigstens verwendet werden tarnt. Sollen Torten mittels Spritzbeutels mit Sohne verziert werden, so menge man zweckmäßigerweise etwas festgeschlagenes Eiweiß unter bie Sahne. Der Ge­schmack bleibt der gleiche, aber bie Garnitur wird fester und verläuft nicht so leicht.

Vorsicht mit Kristallglas.

Das herrlich glitzernde, kostbare Kristallglas ist vielen Hausfrauen sehr ans Herz gewachsen. Um ihm seine Schönheit zu erhalten, muß es aber vorsichtig behandelt werden. Bleikristall ist nämlich sehr weich und empfind­lich. Man soll es niemals übereinander und auf keine harte Unterlage stellen. Es darf niemals mit anderem Geschirr zusammen abgewaschen werden. Soda ist zu vermeiden. Am besten -nimmt man gute Seifenflocken ins Wasser. Noch dem warmen Waschen wird mit war» mem Wasser gespült und sofort mit einem recht weichen Tuch blank gerieben.

Kristallflaschen und Blumenvasen, die innen schmutzig ind, füllt man mit etwas Seifenwasser, bem Salmiak» geift zugesetzt wird. Wirb bie Flasche burch kräftige» Schütteln nicht sauber, dann kann man mit kleinen Kar­toffelstücken nachhelfen. Auch Seifenspiritus kann zur Reinigung genommen werden. Nachher gründlich warm nachspülen.

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