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Die schöne Sommerzeit.

Viel Freuden mit sich bringet die schöne Sommerzeit; int grünen Wald jetzt singet wiedrum in Freudigkeit ohn Unterlaß mit Hellem Schall aus ihrem Hälslein zart "ehr schön und fein Frau Nachtigall ->in Müh und Fleiß sie spart.

Volkslied aus dem 16. Iahrh.

Alammenzeichen!

Der Kampf um die Freiheit der katholischen Jugend.

Der Kampf entbrennt immer stärker. Den Verbänden der katholischen Jugend in Italien ist durch den faszi- stischen Staat der letzte Rest von Freiheit genommen. Sämtliche nicht-faszistischen Jugendvereinigungen sind jetzt restlos von staatswegen aufgelöst, darunter der große Jungmänneroerband, der Katholische Verband der italie­nischen Jugend, des weiteren der Verband der katholi­schen Universitätsstudenten und der Verband der katho­lischen Frauenjugend. Dies alles trotz der Rechte der katholischen Jugend, trotz Einigung und Konkordat zwi­schen Staat und Kirche!

Wir grüßen die Jugend Italiens und ihre katholischen Verbände. Wir stehen zu ihnen in junger Kameradschaft und katholischer Verbundenheit. Wir hof­fen mit ihnen, für sie und alle andere unterdrückte katho­lische Jugend, auf den Tag der Wiederherstellung voller Frecheit.

Für uns katholische Jugend in Deutsch­land sind die letzten Vorgänge in Italien erneuter An­sporn zu höchster Wachsamkeit und Bereitschaft. Fänden wir in Deutschland im Ernstfälle Freunde und Bun­desgenossen, die mit uns unsere Freiheit verteidigten? Gab es in Deutschland nicht unter Führung liberaler und nationalistischer Kreise einen Kulturkampf, unter dem auch die Vereine katholischer Jugend geknechtet wurden? Gibt es in Deutschland nicht rechts- und linksradikale Be­wegungen, welche die unumschränkte Diktatur und All­macht des Staates über alle Bereiche des Lebens wol­len? Verkünden nicht die Nationalsozialisten ,chas Sitt- lichkeits- und Moralgefühl der germanischen Rasse" als höchsten Richter über die religiösen Bekenntnisse? Ein Gefühl, das der Kern ihrer Weltanschauung ist, die, um mit chitlet zu reden, restlose Anerkennung und „vollkom­mene Umstellung des gesamten öffentlichen Lebens" for­dert. Bon Nationalsozialisten wird festgestellt, daß der erstrebte völkische Staat sich von niemandem das Recht nehmen lasse, „ine Erziehung der gesamten Jugend ein­heitlich zu regeln". Und schließlich hat sich der Katholiken­tag in Münster 1930 nicht ohne Grund gegen manche sozialisierenden Erscheinungen in der öffentlichen Jugend-

Reichskaguug des Zungmünnerverbandes

Donnerstag abend 20.15 Uhr Rundfunkübertragung.

Die große Reichstagung des Jungmännerverbandes findet bekanntlich in dieser Woche in Trier statt. Die Eröffnungsfeier am Donnerstag, 18. Juni, wird durch Rundfunk übertragen und zwar über alle deut­schen Sender!

Die Uebertragung beginnt 20.15 Uhr und dauert bis 21 Uhr. Sie wird eingeleitet mit einer Ouvertüre von Mozart, ausgeführt vom Streichorchester des Bischöf­lichen Knabenkonviktes. Es folgen der Vorspruch, das Grußwort des Diözesanleiters von Trier, ein Lied der Sturmschar: „Es war einmal ein deutsches Reich!" Dann richtet der Generalpräses, Msgr. L. Walker, seine An­sprache an die zur Reichstagung versammelte Führer­schaft des Verbandes, an die Freunde und Gäste, an die Vertreter aus den volksdeutschen Gebieten außerhalb des Reiches und aus dem Ausland. Mit dem gemein­samen Lied: „Und wenn wir marschieren", schließt die Uebertragung.

So kann alle katholische Jungenschaft und Jungmann­schaft an der Eröffnungsfeier der Trierer Reichstagung teilnehmen: im Rundfunk, am 18. Juni, abends 20.15 Ufjr, daheim in der Familie oder in der Gemeinschaft des Vereins.

I arbeit gewandt, die letztens auf ähnliche Zustände hinaus- I laufen können.

Allen diesen Ideen und Bewegungen gegenüber kämpft die katholische deutsche Jugend für das Eigenrecht, die Selbständigkeit, Unabhängigkeit, Freiheit'und Selbstver­waltung ihrer Bünde und Verbände. Mannes- und Frauenjugend, Industrie- und Bauernjugend, Werk­tätige und Studenten sind sich in diesem Kampfe völlig eins. Nicht weniger aber als für dieses unser Recht und unsere Freiheit kämpfen wir für das Lebensrecht unddie Freiheitunferes Volkes, für die Er­haltung und den Aufbau desStaates, reihen wir uns ent­schlossen in die Front für Deutschlands Zukunft ein. Mag kommen, was mag, unser Volk wird uns immer unser Volk sein; Deutschland uns immer Deutschland. Dafür aber kämpfen wir bis zum Letztn: daß unser Volk und sein Staat, das Deutsche Reich, von Kräften gebaut und geführt wird, die nicht zuletzt aus einem echten, hinge- benden, die Dinge lösenden Einsatz der deutschen Katho­liken kommen und in jeder Hinsicht vor dem christlichen Gewissen bestehen. Dabei sind wir uns wohl darüber klar, daß in Volk und Staat und von heute und morgen nicht jeder, jede Gruppe und Bewegung tun und lassen kann, was sie will. Es geht um Einordnung in das Ganze; um eine Einordnung steilich, die nicht von libe­raler, sozialistischer oder faszistifcher Willkür bestimmt wird, sondern von den sachlichen Notwendigkeiten, den Rechten und Pflichten des Staates und feiner Bürger, wie sie in der menschlichen Ordnung gesetzt sind. Das wissen wir: die katholische Jugend, die für Volk und Reich ihre Pflicht tut, wird immer zu den Gruppen ge­hören, die sich zur Einordnung in das große Ganze be­kennen, aber auf ihre unveräußerlichen Rechte der Frei­heit und Selbständigkeit nie verzichten.

Eine weitere Forderung ist uns die nach der Neube­gründung der Juventus Catholica, der Internatio­nale der katholischen Jugend. Die kommen­den Kämpfe fordern ein Wissen um einander, ein Zusam­menstehen, eine gemeinsame Front der Jugend der Welt­kirche. So erheben wir erneut den Ruf nach der internationalen Gemeinschaft der katholischenJugend G. W.

Werdendes Volk — vor verschlossenen Toren.

Da kommt von irgendwo ein Gedicht als Antwort auf einen Brief.

„Freund, glücklich preise ich dich, daß du noch singen kannst den Traum vom Glück. Ich hab's verlernt.

Auch ich träumte einst wie du. Vorbei! Die Zeit schritt weiter, sie schritt über Menschen, Nicht achtend des Blutes und Lebens in ihnen. Vielleicht war ich zu schwach, den Kampf mit ihr zu wagen!

Doch ich steue mich, daß du noch singst vom Glück, Flog meine Seele doch einst wie deine, alles Erden­schwere vergessend.

Mit starker Sehnsucht empor über den Alltag. Flügelgebrochen liegt sie am Boden.

Ausgestoßen bin ich wie ein Aussätziger vom heiligen

Gral. * j.

An die Liebe glaube ich noch immer, ans Glück nimmer."

Das ist einer aus der großen Millionen« armee der Jugend, die schaffen will und es nun seit Jahren nicht kann. Noch hat er Kraft, sein Leid hinauszuschreien. Ein Jahr noch, vielleicht nur ein hal­bes, dann ist er still.

„Jetzt ist alles tot in mir" — „Mir ist alles schnuppe" — „Nur Angst vor der Einsamkeit, vor Gedanken hab ich" — „Nur keine freie Zeit haben zum Nachden­ken" — „Innerlich alles erloschen, äußerlich voll Ge­schäftigkeit und Humor" — „Herrgott, ist das ein Le­ben!?!" — „fjab ich doch eine Braut und wir warten aufeinander — vielleicht ewig."

Das sind andere Stimmen aus Briefen junger Ar­beitsloser. Junge Generation fiel vor Langemark. Ihr Tod steht als Kraft über uns. Junge Generation stirbt langsam im Stellungskrieg der Wirtschaftsmächte, und alle jene, die draußen in guten Stellungen, z. T. gar als Doppelverdiener stehen, wissen kaum darum. Man gibt etwas her, man opfert etwas. Aber man gibt das Beste nicht, sein „Mit-Leid", sein „Mit-tragen". Das mögen

etliche tun. Und weil so wenig Liebe gesät wird, im Tun, hat der Haß Raum zum Wachsen.

' In'den nächsten Jahren stehen 130 000 junge Aka- demiker vor den Toren. Verschlossen. — Nur noch das „sehr gut" hat Aussicht bei mehrfacher „Protektion".

Hier wächst der Geist der Zerstörung und bereitet sich Bolschewismus vor. Mit Kursen helfen mir, Gott dank, sehr viel; aber eine Lebensordnung ists nicht, immer auf Schulbänken zu sitzen. Wir hoben von der Jugend aus die Frage: Gibt es denn keine Mög­lichkeiten trotz -er Arbeitslosigkeit in der Industrie neue Formen zu finden, da­mit wir „schaffen" und „wirken" können?

Gebt Land her, was um den Städten brachliegt, damit wir dort gestalten können und so unseren Wirt- schastsraum erweitern! Wir wollen den freiwil­ligen Arbeitsdienst, damit unsere Kraft wenig­stens ein wenig dem Volke Heilung bringen kann. D. G.

»ArbeUsdienstpfiicht".

Ein Work an die deutsche Jugend!

Die Not unseres Volkes ists heute, ddß jeder Versuch, Jugend des Volkes in gemeinsamer Aufgabe im Dienste des Volkes anzusetzen, zumeist schon im Anfang poli- tisiert und von Partei- und Interessengruppen beschlag- ahmt wird. Ein Gleiches dürste von der Arbeitsdienst- Pflicht gelten. Für die Volksjugend ist damit keineswegs die Frage erledigt, auch bann nicht, wenn viele feftge- fahrene „Meliere" in „ihrem Namen" Erklärungen ab­geben.

Die Situation in der Jugend, in der arbeitenden so­wohl wie in der arbeitslosen ist so, daß in ihren Jung- führern und in den Herzen und Köpfen der Vorwärts­drängenden unter ihnen das Verlangen und die Sehn­sucht steht, nicht im Alltag zermürbt zu wer­den und gar, wie es bei Hunderttausenden der Fall ist, in eigener Lebenskraft, die nicht angesetzt werden tonn, zu ersticken.

Diese Jugend will und verlangt, daß ihr vom Volke Aufgaben gesetzt werden, worin sie zur Mannbarkeit heranreifen tonn. Sie will, daß man ihr Raum gibt, nationales und Volksschicksal dort zu gestalten, wo nur Jugendkraft, Hingabe und Begeisterung die Werke zu schaffen vermögen.

Sie will aber auch bluthast erfahren, daß deutsches Volk nur wachsen kann, wenn deutsche Not, deutsches Schicksal gemeinsam von einer aufbaubereiten Jugend ge­tragen wird. Gerade auch in katholischer Jugend, der werktätigen sowohl wie der studierenden, sind viele, die in größter Freiwilligkeit bereit sind, in erster Front zu stehen, wenn zur freiwilligen Arbeits- Dienstpflicht gerufen würde. Sie werden sicher die Möglichkeiten herzhaft anpacken, die sich jetzt ergeben. G.

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Auch auf der letzten Tagung des Führerrings der katholischen Jugend Deutschlands wurde die Frage der

Arbeitsdienstpslicht eingehend behandelt. G. Wagner gab ein einleitendes Referat. Er berichtete über die Entwicklung des Gedankens einer Slrbeitsbienftpfnau und eines freiwilligen Arbeitsdienstes, die Beweggründe für ihn, die Vorschläge für Art, Durchführung, Arbeits- leistung, den Stand der Dinge nach den letzten Vespre- chungen im Reichsarbeitsministerium, der Brauns-Kom- Mission, der Sitzung unter Minister Treoiranus und die aktuellen Möglichkeiten, wie sie jetzt vor allem dSrch die neue Notverordnung der Reichsregierung in Verbindung mit dem Gesetz für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosen­versicherung gegeben sind. In der Aussprache wurde ein freiwilliger Arbeitsdienst, vor allem der arbeitslosen Jugend unter und über 21 Jahren wegen, und um eines Einsatzes brachliegender Kräfte für den Gemein­nutz des Volkes willen bejaht. Die in der Notver­ordnung gegebene Möglichkeit soll rasch aufgegriffen werden. Jetzt sofort anpacken, fei es zunächst auch in kleinen Kreisen, das war die Losung! Die Einzelheiten für die praktische Arbeit der katholischen Iugendverbände im freiwilligen Arbeitsdienst soll eine von 21. Winkler einzuberufene Besprechung ausarbeiten.

Wegbereikung für Europa)

Im Kolpingsblatt (vom 1. Juni), das ganz dek ersten Tagung des Generalrats und Generalseniorats des Katholischen Gesellenvereins in Köln gewidmet ist, wird in einem Artikel „Der nächste Gesellentag" mitgeteilt, daß der nächste Gesellentag verschoben wird. In den be­merkenswerten Ausführungen heißt es zum Schluß:

„Die Herzen müssen in unseren Zentralverbänden mehr auf die große europäische Aufgabe eingestellt wer- den. Solange man sich noch an Kleinigkeiten stößt, so- lange man immer von Mentalität redet, die unbedingt geschützt werden muß, solange man nicht seine eigene völ­kische Kraft in den Dienst eines großen Ganzen stellt und historische Aufgaben gern anerkennt, solange man sich nicht rückhaltlos freut, daß Gott der Herr durch feinen Diener Adolf Kolping nicht nur wertvolles Ge­dankengut, sondern auch stärkste Gemeinschastskrast und Gemeinschaftsform, die Kolpingsfamilie uns gegeben hat. solange sind wir noch nicht reif, in wirksamer Weise für diesen großen Gedanken Europas einzutteten. Es kommt nämlich nicht darauf an, daß von diesem Pro­blem in glänzender Weise geredet wird, sondern auf dem nächsten Gesellentag muß Europa nicht nur ge­predigt, sondern erlebt werden, und zwar in den Tau- enden von Gesellenherzen als eine Wirklichkeit und als heiliges Ziel zugleich.

Es wird um Zollunionen gekämpft, im Völkerbund ollen Zwistigkeiten bereinigt werden, alles dies ist nütz­liche Vorbereitung für die Befriedung der Völker. Wichtiger aber noch als diese Bemühungen ist die Her­zensbereitung der Menschen. Damit aber die Herzen bereitet werden, müssen auch die Augen ge­öffnet werden, damit man sieht, wohin die Fahrt heute geht und damit über die Enge des heimischen Kirchturms hinaus der Blick geweitet wird für die großen Fragen der heutigen Zeit."

Der erste Flugpofibrief aus dem Fernen Osten.

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Der erste Flugpostbrief.

der mittels des jetzt eröffneten deutsch-asiatischen Flugverkehrs Shanghai—Berlin aus Ostasien ehe- traf. Der Brief, der in Shanghai aufgegeben wurde, erreichte Berlin in 10 Tagen, das bedeutet 6 Tage weniger als bei Beförderung durch die Eisenbahn.

N,t®<iche,

Altbewährt bei Störungen der Verdauung«- und Harnorgane und bei Stoffwechsel Krankheiten (Gicht, Diabetes) __

Tippelsahrk durch M-Deukschland.

Von einem Kolpingsbruder aus Ulmbach (Kreis Schlüchtern) wird uns geschrieben:

Da jetzt wieder die Wanderzeit beginnt oder schon begonnen fyat, will ich im Folgenden meine Erlebnisse auf der vorjährigen Wanderschaft schildern. In der schönen unterfränkischen Haupfftadt Würzburg hatte ich 8 Wochen gearbeitet. Wegen Auftragsmangel wurde ich dann entlassen. Ich gab mir alle Mühe, wieder Arbeit ZU bekommen, aber es blieb beim Versuch. Was nun anfangen? Eines blieb mir noch übrig: auf die Wan­derschaft zu gehen. Ich setzte meinen Gedanken in die Tat um.

Am 7. August tippelte ich von Würzburg in südlicher Richtung los. Am Abend tarn ich in Uffenheim an, mußte aber leider auf die „Penne", da in dem Städt­chen kein Gesellenoerein ist. Die erste Nacht war des­halb auch die schlechteste. Wir mußten mit 14 Mann auf dem Heuboden schlafen. Schlafen habe ich gesagt, nein, es war kein Schlafen mehr. Nie ist mir eine Nacht so lange geworden wie die in Uffenheim.

Der zweite Tag brachte mich nach Rothenburg o. d. Tauber; die schöne alte Stadt mit ihren Stadtmauern und Türmen gefiel mir sehr gut. Im Gasthaus „Zum Gpldnen Stern" (dem Vereinslokal des katholischen Ge- -ellenvereins) bekam ich ein gutes Nachtessen und Sager. Weiter ging es noch Ansbach, der Haupfftadt von Mittelfranken Dort blieb ich den ersten Sonntag auf der Wanderschaft und zwar im Kath. Gesellenhaus. Dann ging es über Weißenburg, Eichstätt nach Ingol­

stadt an der Donau. Ingolstadt war eine starke Festung. Nun ging es in die Hollertau (Hopfengegend). Ich hatte Glück, denn ich konnte mit noch 7 Kolpingsbrüdern Hop­fenpflücken in Au in der Hollertau. Wir hatten 12 Tage Arbeit und bekamen, was die Hauptsache war, wieder etwas Geld in die Tasche. Denn das „Fechten" fiel uns allen ein bißchen schwer. Der Hopfenbauer war ein freundlicher Mann. Das Essen war gut. Wir schliefen alle 8 Mann in der Scheuer. Daß es da manchmal etwas laut zuging, kann sich jeder denken. Zum Schluß gab der Bauer noch ein Faß Bier zum Besten. (Hopfenmahl ge­nannt).

Don Au ging es über Freising nach der bayerischen Hauptstadt München. Dort blieb ich drei Tage. Der erste Tag galt dem Deutschen Museum; ich war einen ganzen Tag dort, habe aber noch nicht alles gesehen. Am zweiten Tag ging ich zur Oktoberwiese. Das Oktoberfest hatte aber noch nicht begonnen, man war noch mit der Aufstellung der Hallen beschäftigt. Ich besuchte u. a. die Bavaria, die Frankenkirche, Schloß Nymphenburg usw. Am 7. September verließ ich München, ich wollte gern die Passionsspiele in Oberammergau sehen, hatte aber leider kein Glück, denn bei der Verlosung zog ich eine Niete. Schweren Herzens verließ ich Oberammergau und tippelte über Kempten im Allgäu nach Lindau. Es gibt dort im Gesellenhaus keine Verpflegung mehr, weil Lindau zu viel besucht wird. Nun kam die Zeppelin- Stadt Friedrichshafen. Ich besichtigte den „Graf Zeppe­lin".

In Meersburg bekam ich wieder Arbeit im Handwerk. In Meersburg, dem idyllischen Felsennest am Bodensee hat Deutschland größte Dicherin, Anette o. Droste-Hüls-

hosf" lange gewohnt, und ist auch dort gestorben. Nach 3 Wochen war meine Arbeit leider wieder beendet. Ich zog über Konstanz, Singen durch den Schwarzwald nach der Heimat.

Im übrigen ist die Romantik der Landstraße ver­schwunden. Wer heute noch auf Wanderschaft geht, tut es nur aus Not, Arbeit bekommt man nicht.

Joseph Jo.

AngesteMen-Iugend?

Man schreibt uns:

Jugendarbeit ist Prinzip eines jeden Verbandes und Vereines geworden. Jede Gewerkschaft hat ihre Ju- genbdbteilung und strebt nach Verbreitung ihrer Ideen. So ist auch der G. d. 21. (Gewerkschaftsbund öe r Angestellten). Der G. d. A. organisiert alle weiblichen und männlichen, kaufmännischen und tech­nischen Angestellten, und stellt mit seinen 350000 Mit­gliedern die einzige Einheitsorganisation der Angestell­ten dar. Er ist parteipolitisch und konfessionell neutral. Sein Ideal ist eine freie deutsche Nation, deshalb nennt er sich freiheitlich-national. 45 000 Lehrlinge sind in feinem Jugendbund vereint, um ihr berufliches Können zu fördern. Dieser Aufgabe dienen die Veranstaltungen seiner über bas ganze Reich verbreiteten Gruppen, wie Vorträge, Lehrgänge unb Besichtigungen von Instituten, Museen unb Industrie- und Handelsbetrieben. Die be­rufliche Aus- und Fortbildung wird auch durch „6djeinfirmen", die innerhalb des Jugendbunbes bestehen und die nur scheinbar Geschäfte abschließen, ge­fördert. Die oft nur einseitige Ausbildung während der

Lehrzeit wird durch diese Scheinfirrnen-Arbeit ergänzt. Sie verrnitelt einen Einblick in die sonst für den Lehr­ling verschlossenen Gebiete.

Nicht nur Ertüchtigung des Geistes, sondern auch die Ertüchtigung des Körpers durch Sport, Spiel unb Wan­dern hat sich der Bund zur Aufgabe gemacht. „Wer wandern will, der darf nicht stehen, der darf niemals nach hinten sehen . . .", so erklingt es in den wandern­den Gruppen, unb froher, kameradschaftlicher Geist hebt bie Lust an allem Guten uno Schönen. Viele lange Abenbstunden werden durch Heimabende verkürzt.

Auch in Fulda besteht eine derartige Gruppe, bie ihre Heimabende jeden Donnerstag in der Berufsschule veranstaltet. Sie arbeitet nach den Grundsätzen des Bundes, die schon im Jahre 1920 folgendermaßen zu- sammengefaßt wurden:

Wir wollen mithelfen, daß unser Volk und unsere Jugend aus der Wirrnis der Niederlage, der Bedrückung und Selbstzerfleischung wieder emporkommen. Wir wol­len daran mitarbeiten, indem wir unseren Beruf als unsere erste und wichtigste Lebensaufgabe betrachten, die unser ganzes Leben erfüllen soll. Wir wollen als höch­sten Leitsatz unserer Berufsarbeit das Wohl der Gesamt­heit betrachten. Wir wollen rein und gesund bleiben, geistig und körperlich, um zu dieser Arbeit fähig zu sein. Wir wollen wurzeln im deutschen Geist und Leben, SBer« föfjnung und Vertrauen zu allen Volksteilen fassen und erneuern. Wir wollen uns gegenseitig fördern unb an- eifern, baß hingebende Arbeit und reine Freuden uns über bie Jugenbzeit hinweg zu einem rechten Lebens­weg führen.