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Fuldaer Land und Aachbargeblek

--- Horos bei Fulda. Man schreibt uns. Am Sonn» tag nachmittag fand der seit Jahren übliche Sommer» ausflug des hiesigen Gartenbauvereins statt. Diesmal ging es nach Schloß Adalfseck. Wohl an 100 Personen stark marschierte man, unter Vorantritt einer Musikkapelle, mit Sang und Klang wenn auch bei drük- kender Sonnenglut, frohgemut hem Ausflugsziel zu, wo man gegen 4Uhr anlangte. Rasch entfaltete sich hier in der Gartenwirtschaft Stock frohbewegtes Leben und Treiben. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete eine Besichtigung der großartigen Parkanlagen unter Füh­rung des Schloßverwalters, Herrn Fischer. Einem, leider nur kleinen Teil der Beschauer kamen dabei auch einige Hirsche (darunter auch ein weißer) zu Gesicht. Gegen 8 Uhr wurde, wieder mit Musik und Gesang, vom Großteil der Ausflügler der Rückmarsch angetreten, der von einer kurzen Rast in Edelzell unterbrochen, in vorgerückter Stunde in der Heimat endete. Allen, die zum guten Gelingen der Veranstaltung beigetragen ha» den, sei bestens gedankt.

3n die Fulda gefallen und ertrunken.

— Welkers (Kr. Fuld). Samstag abend fiel hier ein 3 Jahre altes Kind beim Spielen in die Fulda und ertrank, ehe Hufe gebracht werden konnte.

Die Anruhen in Saffet

Das vierte Todesopfer. — Einige Kommunisten vor dem Schncllrichter. — Jugendliche Radaubrüder stiften erneut Unruhe.

— Kassel. Die blutigen Ereignisse am Dienstag abend in der Altstadt Kassels haben Freitag mittag vor dem Schnellschöffengericht bereits eine teilweise Aufklärung erfahren. Unter Anklage gestellt waren der am Dienstag abend feftgenommene 25 Jahre alte Arbeiter Koch und die auf freiem Fuß befindlichen 20 und 32 Jahre alten Arbeiter Herr und Knoll. Die Zugangswege zum Altmarkt waren von großen Menschenmengen belagert, weshalb der kommandierende Polizeioffizier die Räu­mung der Straßen befahl. Am Judenbrunnen hatte ein Hauptwachtmeister das Kommando, der bereits zwei­mal zur Räumung des Platzes aufgefordert hatte. Als die sechs Polizeiwachtmeister, die einer Menge von etwa 250 Menschen gegenüberstanden, eine Kette bildeten und die Menge zurückdrückten, wurde eine in der vordersten Reihe befindliche Frau etwas scharf angefaßt, weshalb entrüstete Zurufe laut wurden. Ein unerkannt ent­kommener Mann, der eine Binde um die rechte Hand trug, unter der wahrscheinlich ein harter Gegenstand verborgen war, hatte den Polizeiwachtmeister Kuckuck mit einem Hieb auf die Rase zu Boden gestreckt. Der Angeklagte Koch hatte bann auf den am Boden liegen­den Wachtmeister noch mehrfach eingefchlagen. Bestrebt zu entfliehen, stürzte Koch und konnte, wenn auch mit großen Schwierigkeiten, festgenommen und zur nahe­gelegenen Renthofwache transportiert werden. Vor dem Schnellschöffengericht bestritt Koch, irgendwie ge­schlagen zu haben. Zwei Wachtmeister, die in unmittel­barer Nähe waren, überführten ihn jedoch einwandfrei. Der Staatsanwalt beantragte unter Versagung mildern­der Umstände gegen Koch zwei Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust, gegen die beiden andern Ange­klagten wegen Teilnahme art einer Zusammenrottung je acht Monate Gefängnis und Erlaß eines Haftbefehls. Das Schnellschöffengericht verneinte die Frage des § 115, weil eine Gewalttätigkeit der Menge mit ver­einten Kräften nicht vorliege. Es verurteilte Koch we­gen Widerstandes gegen die Staatsgewalt aus § 113 StGB, zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis. Die beiden andern Angeklagten wurden freigesprochen, weil bei Abschluß dieses Vorfalles bie- britte Aufforderung des Befehlshabers der Schutzpolizei an dieser Stelle noch nicht ergangen war, die das Gesetz der Annahme der Be­teiligung an einem Aufruhr unter Nichtbefolgung des Befehls zur Räumung einer Straße zugrunde legt.

Die Unruhen haben inzwischen ein weitere, vi e r t e s Todesopfer, gefordert. Der Korbmacher Heinrich Mengel, der durch einen Bauchschuß verletzt wurde, ist seinen schweren Verletzungen erlegen.

Aus Oberhessen.

— Marburg. Der Reisende Lothar Nohbom aus Hannover, der am Donnerstag abend nebst zwei andern Personen in ber Deutschhausstraße von einem betrunke­nen Autofahrer umgeriffen, mitgeschleift unb dabei schwer verletzt wurde, ist, ohne das Bewußtsein roieberertangt zu haben, in ber Klinik gestorben. Notbom war 31 Jahre alt unb unverheiratet.

Zugzusammenstoß. — 2 Reisende schwer verletzt.

mtb. Wiesbaden, 15. Juni. (Gig. Meld.) Im Bahnhof Bahnhof Auringen. — Medenbach auf der Strecke Wies­baden-Limburg stieß heute vormittag 9 Uhr ein Per­sonen zug auf ein en haltenden Güterzug auf. Zwei Reifende wurden schwer, mehrere leicht ver­letzt. Die Strecke wurde vorläufig für zwei Stunden ge­sperrt. Der Betrieb wird durch Pendelverkehr aufrecht erhalten. Die Ursache des Zusammenstoßes ist noch nicht geklärt. Untersuchung ist eingeleitet.

--- Wiesbaden. Die hiesige Aerztin D r. Muller wurde wegen Verdacht eines Vergehens gegen den Pa­ragraphen 218 des Strafgesetzbuches in mehreren Fällen verhaftet und dem Untersuchungsrichter zugeführt.

Aeues aus Frankfurt.

=ä Der Frankfurter kreditschwindetversuch. Der versuchte Kreditbriefschwindel in Frankfurt entpuppt sich jetzt als eine sehr genau vorbereitete Sache in­ternationaler Gauner. Das Kreditbriefpapier ist echt und wurde von einem ungetreuen Bankbeamten in Montevideo (Uruguay) den drei Gaunern geliefert, die etwa 30 Kreditbriefe auf Beträge von 300 bis 4000 englische Pfund fälschten. In Hamburg angekom­men, nahmen sie einen Zug nach Frankfurt a. M. Zwei

von den Burschen wurden, wie bereits gemeldet, durch die Achtsamkeit der Bankbeamten gefaßt, einer entkam. Es handelt sich hier um den Kopf der Bande, den 31 Jahre alten Pedro Gomez, der auch einen auf diesen Na­men ausgestellten Paß mit sich führt» Gomez ist der einzige, der noch über einige Geldmittel verfügen dürfte. Es besteht die Vermutung, datz er nach Paris bezw. Genua reifen wollte. Die dahingehenden Fahndungs- mahnahmen sind bereits getroffen worden.

= Die Gabel als baffe. Sei einer Streitigkeit unter Hausbewohnern stach ein Arbeiter mit einer Gabel auf einen Mitbewohner ein. Der Verletzte mußte mit erheb­lichen Verletzungen am rechten Auge nach dem Kranken­haus gebracht werden. Es steht zu fürchten, daß er das Auge verlieren wird.

(Ein Radfahrer vom Lastauto getötet.

— Wörth (Main). Hier wurde ein Radfahrer von einem Lieferwagen aus Aschaffenburg angefahren, so daß er vorn Rad stürzte. Im Krankenhaus zu Klingen­berg erlag der Verunglückte seinen Verletzungen.

Dom Starkstrom getötet.

— Arzbach (Unterwesterwald). Beim Besteigen eines Mastes der Hochspannungsleitung kam ein 19jähriger mit der Hochspannungsleitung in Berührung. Der Tod trat auf ber Stelle ein.

Bäder und Kurorte.

Steigende Kurfrequenz in Bad Hersfeld

Unter ber tatkräftigen unb umsichtigen Leitung des leitenben Badearztes Dr. Range erfreut sich Hersfeld in den letzten Jahren einer steigenden Beliebtheit. Be­merkenswert ist, daß trotz der außerordentlichen Ver­schärfung der Wirtschaftskrise bie Zahl der Kur­gäste gegenüber ber vorjährigen Saison gestiegen ist. Wenn auch diese Tatsache zum Teil darauf zurückzuführen fein mag, daß bas Publikum in wachsendem Maße aus den teuren Luxusbaoern in die preiswerteren kleineren Bäder rbroi'nbert, so ist sie auf der anderen Seite doch auch unstreitig eine Auswirkung ber überraschend günstigen Heilerfolge, die in den letzten Jahren durch eine individualisierte, systematische, die Er­gebnisse der modernen baineologischen Wissenschaft aus­nutzende terapeuthische Behandlung erreicht worden sind. Während ber „L u l l u s b r u n n e n", der im 30jiihrigcn Krieg verloren ging und im Jahre 1904 wieder entdeckt wurde, eine seiner chemischen Zusammensetzung nach fast genau dem Karlsbader Brunnen entsprechende alkalilch- sulsatische Glaubersalzquelle darstellt und eine heilende Wirkung bei allen Erkrankungen des Verbauungsappa­rates unb des Stoffwechsels hat, ist ber im Jahre 1928 gefundene „S i n g g b r u n n e n" infolge feines Gehaltes an Jodion und Bromion vornehmlich bei Arterienverkal­kung unb Erkrankung des Herzens wirksam.

Das erst im vorigen Jahre fertiggeworbene aufs modernste eingerichtete Kurhaus bietet neben dem unter fachmännischer Leitung stehenden Sanatorium Wigberts- hähe und einer großen Anzahl von guten Hotels und freundlichen Privatpensionen den Kurgästen eine behag­liche und angenehme Unterkunft. Die reizvolle Um­gebung mit ihren schönen Anlagen unb schattigen Wäl­dern lockt zu Spaziergängen unb Wanderungen. Hers- feld, das neben Fulda eine ber ältesten deutschen Kultur­stätten ist, weist noch manche Zeugnisse seiner bebeut« samen Vergangenheit auf. Vor allen Dingen erweckt die alte romanische Stiftsruine mit ihren gewaltigen Aus­maßen die staunende Bewunderung des Beschauers. Aber auch die Umgegend bietet Gelegenheit zu fultur« unb baugeschichtlich interessanten Entdeckungen.

Als eine besondere Eigentümlichkeit des Kurbades Hersfeld mag noch die auf wissenschaftlicher Grundlage beruhende, in dieser Art einzig dastehende D i ä t Ver­pflegung erwähnt werden. Die jeweils ärztliche Kostform wird von auf eigener Diätschule ausgebildeten Schwestern in der Küche des Kurhotels, des Kursaals und des Sanatoriums bereitet. Jrn Speisefaal steht eine aufsichtführenden Diätschwester den Kurgästen bei der Auswahl der Speisen ratend zur Seite.

Freistaat Hessen.

Jagdhauseinbrecher vor Gericht.

— Gießen. Im vorigen Jahre wurden in den Krei­sen Büdingen und Friedberg zahlreiche Einbrüche in Jagdhäuser verübt, ohne daß es damals gelang, die Täter ausfindig zu machen. Jetzt hatte sich eine Bande wegen einess Jagdhauseinbruchs bei Blofeld (Kreis Bü­dingen) vor dem hiesigen Schöffengericht zu verantwor­ten. Einer ber Täter, der auch noch rückfälliger Ein­brecher ist, erhielt für den Jagdhauseinbruch ein Jahr Zuchthaus. Sein Komplize, ein Melker, erhielt acht Monate Gefängnis, während dessen Geliebte, die an der Geschichte teilgenommen hatte, für drei Monate ins Gefängnis wandert.

Richt an Autos anhängeni

— Vilbel. Zwischen Frankfurt a. M. und Vilbel, einige Meter vor der preußisch-hessischen Grenze, er­eignete sich ein bedauerlicher Unglücksfall. Ein junger Mann aus Massenheim, der sich mit seinem Fahrrad an einen Gefangenentransportwagen angehängt hatte, wurde von einem überholenden Personenauto ersaßt und zu Boden geschleudert. Hierbei wurde ihm der Hinter­kops völlig aufgerissen. Der Unglückliche war sofort tot.

Die Lampertheimer Landfriedensbrecher vor Gericht.

— Darmstadt. Sechs Kommunisten aus Lam­pertheim, darunter ein kommunistischer Gemeinderat, hatten sich vor dem Bezirksschöffengericht wegen Land­friedensbruchs, Hausfriedensbruchs, Diebstahls, Wider­stands, Bedrohung ufro. zu verantworten. Am 6. Ja­nuar hatten die Nationalsozialisten im „Rhei­nischen Hof" in Lampertheim eine Versammlung ange­

kündigt. Die Kommunisten waren in den Saat einge­drungen, ohne Eintrittsgeld zu bezahlen. Es kam zu einer wüsten Schlägerei, wobei drei Teilnehmer ziemlich erheblich verletzt wurden. Einer der Angeklagten be­nutzte die Gelegenheit, um im Gedränge die Kasse mit 4 RM. Inhalt rnitzunehmen. — Das Gericht erkannte gegen den Gemeinderat auf 7 Monate Gefängnis, gegen drei weitere Angeklagte auf 10, 8 und 6 Monate Ge­fängnis, gegen zwei Angeklagte auf Freisprechung. Der zu 10 Monaten Gefängnis verurteilte Angeklagte, der sich die schwersten Körperverletzungen hat zuschulden kommen lassen, muß außerdem an einen Nebenkläger 75 RM. Buße, drei weitere Angeklagte zusammen 25 RM. an einen zweiten Verletzten zahlen. — Die Ver­teidiger der Angeklagten haben Berufung angemeldet.

— Friedberg. Die Grundsteinlegung für den Er­weiterungsbau der katholischen Kirche in Dorn- As s e n h e i m fand am Freitag in feierlicher Weife statt. An der Finanzierung des Baues find in hervorragen­dem Maße der aus Dorn-Affenheim stammende unb nach Amerika ausgewanderte Juwelier August Rack sowie die hier begüterten Standesherren Frhr. o. Fran­kenstein und Graf v. Schönborn beteiligt. Die Bau­leitung hat Architekt Preis-Mainz, von dem auch die Pläne stammen.

(Ein Polizeibeamter durch Messerstiche schwer verletzt.

=■ Darmstadt. In den Palast-Lichtspielen in der Grafenstrahe wurde am Samstag abend als Nachtvor­stellung ein Film der Internationalen Arbeiterhilfe vorge­führt, der nach Mitternacht zu Ende ging. Mit Rücksicht auf die Vorkommnisse vom Freitag abend war die Zu- gangsstraße durch einige Polizeiposten gesichert. Am Ausgang des Kinos brach die Menge, als sie der Polizei ansichtig wurde, in Rufe wie: „Nieder mit der Hunger- I regtmmg!", „Nieder mit den Bluthunden!" aus. Es kam zu schweren Ausschreitungen gegen die Beamten, die I

von den Kommunisten sich die schlimmsten Schimpfwort« gefallen lassen mußten. Die Beamten wurden von der Menge bespuckt unb schließlich tätlich angegriffen. Dabei erhielt der Oberwachtmeister Zöller einen Stich in den Rücken. Er wurde von ber inzwischen alarmierten Rettungswache ins Städtisch« Krankenhaus verbracht, wo er schwer verletzt darnieder» liegt. Ein Kriminalbeamter wurde mit Steinen beworfen. Cs gelang, diesen Täter festzunehmen, während der West serheld bis jetzt noch nicht gefaßt werden konnte. Nach (Eintreffen des Ueberfallkornmandos war die Ruhe so« fort wiederhergestellt.

Heber eine Million Postscheckkonten.

Trotz ber Wirtschaftskrise wächst die Zahl ber leit« nehmer am Postscheckoerkehr dauernd. Die Kontenzahl, die schon einmal unb zwar gegen bas Ende der Inflation, auf eine Million gestiegen war unb bann wieder auf 626 000 gesunken war, hat wieder stetig zugenommen. Ende Mai betrug die Zahl ber Postscheckkon­ten 100129 6. Deutschland steht bamit bei weitem an der Spitze aller Postscheckverwaltungen. Frankreich folgt mit einer halben Million, Belgien mit einer viertel Million. Das ständige Anwachsen der Kontenzahl ist nur dadurch möglich geworden, daß sich die Einrichtungen des Postscheckoerkehrs stets bewährt haben. Trotz der günstigen Entwicklung ist der Postscheckverkehr noch sehr steigerungsbedürftig. Gerade aus den der Wirtschaft nahestehenden Kreisen müßte hie Beteiligung viel stärker werden, denn nur 560 000 Postscheckkunden gehören den Wirtschaftskreisen an, während nach der Statistik ein Vielfaches dieser Zahl an Wirtschaftsbetrieben vorhanden ist, die noch kein Postscheckkonto besitzen.

kein Ms ohne Fuldaer Zeitung'.

Aus der Thüringischen Rhön.

Aus Geisa und Umgebung.

Skadkrak-Sitzung in Geisa.

Zu Beginn der öffentlichen Stadtratssitzung am 12. Juni gab der Vorsitzende bekannt, daß der Vergleich zwischen der Stadt Geisa und dem Herrn Bürgermeister von der Auf­sichtsbehörde genehmigt wurde und Herr Bürger­meister Hohmann somit am 3. Juni aus seinem Amt ausgeschieden ist. Zur Führung der Ar­beitsgeschäfte wurde Herr Beigeordneter D i t t - mar ernannt.

Zu dem von Herrn Aug. Hohmann geplan­ten Neubau wurde der Verkauf einiger Quadrat­meter städtischen Bodens zum Preise von 4 Mk. pro Quadratmeter genehmigt.

Der vom Bausachverständigen vorgelegte Ent­wurf zu einem Ortsstatut über Bürger- steiganlagen wurde der Stadtverwaltung zur Ueberprüfung und Wiedervorlage überwiesen. Vorliegende Gesuche auf Anlage eines Bürger­steiges sollen nach Genehmigung des Ortsstatutes berücksichtigt werden.

Die Entsendung von Arbeitslosen zur Ausbes­serung von Holzabfuhrwegen in dem Forstort Sachsenburg wurde nachträglich genehmigt.

Ein Unterstützungsgesuch mußte infolge schlech­ter Finanzlage der Stadt abgelehnt werden.

Es wurden ferner vorgelegt die Mitteilungen des Thür. Kreisamtes über die hohen Krisenfür­

sorgekosten sowie über -die zu erwartenden Mn« vereinnahmen aus Einkommen- und Umsatzsteuer.

Genehmigt wurde der Abschluß einer Feuer* Versicherung für etwa 90 Hektar Waldbestände aus den Forstorten Schleidsberg und Sachsenburg.

Die umfangreichen Verhandlungen über die Mietwohnung in dem landwirtschaftlichen Schulgebäude wurden dem Stadtrat bekannt

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gegeben und einstimmig gutgeheißen Nach Eingang weiterer Auskünfte der Haupt­landwirtschaftskammer Weimar soll die Sache end­gültig entschieden werden.

Landbundführer Höfer gestorben.

wtb. Weimar, 15. Juni. (Eig. Meldg.). Der Parteiführer des deutschen Landvolks (Christlich- nationale Bauern- und Landvolkpartei), der thü­ringische Abgeordnete Ernst Höfer-St. Bernhard, der zur Erholung nach einer schweren Kopfgrippe in Konstanz am Bodensee weilte, ist gestern abend plötzlich gestorben.

Die Einweihung der Fordschen Riesenfabrik in Köln.

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Generaldirektor Heine (1) erklärt Oberbürgermeister Dr. Adenauer (2) und Geheimrat Duisberg 3) einen interessanten Arbeitsvorgang.

In Köln wurde die große Fovdfabrik eröffnet, die täglich 1500 Automobile fertigstellen kann. Auch hier ist überall das Ford'sche System des laufenden Bandes" angewendet. An dem Einweihungs. akt nahmen Vertreter zahlreicher staatlicher und kommunaler Behörden ^sowie führende Persön­lichkeiten der Industrie und des Handels teil.

Ein Löwenschicksal.

Skizze von Paul S ch l e n z k a.

Dor den beiden großen Felsen, bie mitten im dichten Busch eine Höhle bilbetcn, lag die große Löwin und nährte ihr Junges, einen allerliebsten runden Ballen wolliger, gelber Haare mit großen, schwarzen Flecken. Sie hatte sich in ber warmen Sonne auf die Seite ge­legt und hielt mit der großen Tatze ihr einziges Kind­chen fest, als befürchte sie, eine unsichtbare Macht würde ihr auch noch dieses letzte der kleinen Wesen rauben.

Drei so kleine wollige Ballen bildeten einst den Stolz unb bie Freude ber Eltern. Aber bas Jahr war dürr unb trocken, bas Wild wechselte viele Kilometer nach Norden, unb so kam es, baß bie Löwin, selber unterernährt, nicht genügend Milch hatte, um drei hung­rige kleine Wesen zu stillen. Dann kam plötzlich ein kalter Regen, unb bie Jungen erkrankten. Nur Simba, der stärkste, blieb übrig. Die zwei Töchterchen starben.

Die Löwin wußte nicht, was ihren beiden Kinder­chen zugestoßen war, denn den Tob kannte sie nicht. Unermüdlich ging sie neben ben beiben leblosen Körper­chen auf unb ab. winselnd unb wimmernd. Hin unb toieber blieb sie stehen und stieß mit ber Schnauze die kleinen wolligen Ballen an, um sie aus dem Schlaf zu wecken, aber sie wollten nicht aufwachen. In dumpfer Ahnung, daß etwas Furchtbares geschehen sei, hob sie den Kops unb brüllte ihren Schmerz zum Himmel.

Dann nahm sie behutsam bie leblosen Körper einzel- $eln zwischen die Zähne und trug sie etwas abseits von der Höhle. Sie beleckte ihre Tatzen noch einmal und kehrte zum letzten der kleinen Wollballen zurück, der ihr geblieben war. Ihr ganzes Herz gab sie nun dem klei­

nen Simba unb hütete ihn wie ihr Leben. Ihr Ge­fährte, der große, schwarzmähnige Löwe, war nicht zu­rück gekehrt. Zwei Tage vorher hatte er eine große Antilope geschlagen und zur Höhle geschleppt. Dann war er auf neue Jagd ausgezogen. Nun lag die Lö­win mit halbgeschlossenen Augen unb träumte von ber Rückkehr ihres mächtigen Herrn unb von bem zarten Fleisch, bas er bringen würbe.

Plötzlich hob sie ben Kops. Ein kaum vernehmbares Geräusch war zu ihren Ohren gedrungen. Sie spitzte bie Lauscher unb wartete auf eine Wiederholung. Dann prüfte sie ben Wind mit zitternden Nüstern. Es wehte nur ein leiser Hauch, doch chre geübten Ohren unb Nüstern sagten ihr beutlidj, daß sich etwas aus sie zu bewegte. Immer näher kam das fremde Wesen, und bie Löwin, unruhiger werdend, legte sich auf den Bauch. Dadurch entzog sie dem Kleinen die Nahrung. Aergerllch ob dieses unsanften Schlusses seiner Haupt­beschäftigung, fing Simba an, feinen Protest in kur­zen, sich überfd) nappenben Lauten kundzugeben, doch ein wildes Knurren der Mutter brachte ihn sofort zum Schweigen. Die Löwin sprang auf unb starrte auf ben Busch vor sich.

Da trug ihr der Wind Witterung zu. Aus dem Gesicht einer bangenden Löwenmutter wurde plötzlich die wilde, zähnefletschende Fratze der wütenden Be­stie. Sie hatte einen Menschen gewittert. Regungslos stand sie da, mit weit offenem Rachen, unb peitschte nervös mit ihrem langen Schweif den Sand. In ber Sprache ihrer Gattung gdb sie dem Kleinen zu verste­hen, tr solle sich hinlegen und warten, da sie gleich zu­rück käme. Dann schlich sie geräuschlos mit geducktem Körper in ben Busch, entschlossen, ben Störenfried zu stellen.

Wer ber kleine Simba war ungehorsam. Auch er hatte den Menschen gewittert. Zwar wußte er nicht, was das für ein Wesen war, aber wie der Geruch sagte, mußte es ein Feind fein. Die wolligen Haare auf fei­nem kleinen Rücken sträubten sich, fein kleiner Rachen stand weit offen, unb mit gurgelnden Lauten begann er tolpatschig seiner Mutter zu folgen. Auch er wollte dem Feind zu Leibe gehen.

Dor der Höhle tag dichter Busch, durch den sich die Großkatzen im Lause ber Zeit einen tunnelartigen Gang gebahnt hatten. Erst als die Löwin aus diesem Gang trat, sah sie den Gegenstand ihres Hasses, einen schwarzen Krieger. Zu einer anderen Zeit hätte sie sich nicht um den Menschen gekümmert, sondern ihn vorbei­gehen lassen ober wäre davongeschlichen. Heute aber war sie wild, in größter Sorge um den letzten ihr ge­bliebenen Sprößling. Wie ein Pfeil stieß die wütende Katze mit weit aufgerissenem Rachen auf ben Schwarzen zu. Es blieb ihm kein Ausweg, er mußte kämpfen. Che er noch weiterdenken konnte, sprang die Löwin. Da stieß er ihr seinen schweren Speer mit aller Kraft mit­ten in bas Herz.

Durch die Wucht des Sprunges stürzten die beiden Kämpfer. Ihre Muskeln zuckten noch eine Zeit lang, .bann lagen sie beide still. Die Löwin hatte mit ihren furchtbaren Zähnen ben Schädel des Schwarzen zertrüm­mert. Mit fragenden, neugierigen Augen stand Simba da und sah diese erste große Katastrophe feines jungen Lebens. Nun wollte er zu feiner Mutter, aber die na­türliche Furcht vor dem Menschen, der neben ihr lag, hielt ihn zurück. Dann fing er an zu wimmern. Er wußte, dieses Wimmern brachte stets sofort die Mutter an [eine Seite. Doch diesmal rührte sie sich nicht, sie

hob nicht einmal den Kops, um ihn anzusehen. Er konnte gar nicht verstehen, was geschehen war. 3n seiner Angst unb Verlassenheit fing er an zu heulen. Endlich faßte er Mut, schlich an bie Seite der toten Löwin unb beschnupperte sie. Sein Heulen unb Wim­mern würbe stärker. Er schlug mit seiner kleinen Tatze auf den Kopf ber Leblosen, sie rührte sich nicht. Da überkam ihn bas Gefühl, feiner großen starken Mutter sei etwas Unfaßbares geschehen. Er drückte sich fest an die noch warme Leiche und heulte sich in den Schlaf.

Die Sonne hatte sich schon weit nach Westen geneigt, als Simba jäh durch lautes Reden aus dem Schlum­mer geweckt wurde. Vor ihm standen zwei weiße Männer unb eine Anzahl Schwarzer. Er sah, wie die Neger an einer langen Stange einen großen Löwen trugen, seinen Vater, der den beiden Jägern zum Opfer gefallen war. Plötzlich ließen die Schwarzen ihre Last fallen, unb mit bem Schrei „Simba, Simba!" stürzten sie sich auf ihn. Aber er gab sich so leicht nicht gefan­gen, kratzte und kämpfte wütend um feine Freiheit.

Doch was nützte es bem kleinen Kerl, er unterlag doch. Hungrig unb matt kam er in ben Besitz der wei­ßen Jäger. Dann begann für ihn ein neues Leben, läge» und wochenlang zog er mit der Karawane der Küste zu. Zuerst verweigerte er jede Nahrung. Später, als er sich an seine Umgebung gewöhnt hafte, wurde er von einer großen Hündin genährt. Schließlich brachte ihn ein Dampfer nach Europa. Er war gerade acht Monate alt, als feine lange Reise zu Ende ging und mehrere Männer ihn in einen großen Käfig trugen.

Jahre vergingen. Simba wuchs heran unb wurde ein prächtiger, schwarzmähniger Löwe, der Stolz des Zoos.