Ar. 135
Beilage zur Fuldaer Zeitung
14. Iun
Dritter Sonntag nach Pfingsten.
Eingangslied. (Pf. 24, 16 und 18.)
Schau auf mich und erbarme dich meiner, Herr, denn einsam bin ich und arm. Sieh mich gebeugt und leidend, erlaß mir alle meine Sünden, mein Gott. (Ps. ebb. 1—2.) Zu dir, o Herr, erhebe ich meine Seele, mein Gott, auf dich vertraue ich; des werd' ich nicht erröten.
Epistel. (1. pelr. 5, 6—11.)
Geliebte sie! Beugt euch unter die starke Hand Gottes, damit er euch erhöhe zur Zeit der Heimsuchung. All eure Sorge werfet auf ihn, denn er sorgt für euch. Seid nüchtern und wachsam, denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen könne. Ihm widerstehet standhaft im Glauben, wohl wissend, daß eure Brüder draußen in der Welt dasselbe zu leiden haben. Der Gott aller Gnaden aber, der uns zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat durch Christus Jesus, wird uns nach einer kurzen Zeit des Leidens vollenden, stärken und festigen. Ihm sei Ehre und Herrschaft von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Spanien nnd die Religion.
Cs sieht in Spanien mit der Lage der Religion nicht glänzend aus. Wenn man mit gebildeten Spaniern redet, die über bie religiöse Lage nach- benfen, so hört man nur das eine Wort: „Bei uns herrscht bie Linke." Die furchtbarsten Reli- gionsfeinbe haben in Spanien großen Einfluß gewonnen. Man sieht mit Schrecken ber Zukunft entgegen. Noch zeichnen sich die verschiedenen Punkte der Entwicklung nicht deutlich ab, aber
So laßt mich enbli
Don Friedrich M u
Sind nicht wirklich der Worte genug gewechselt? Ist nicht auf Dutzenden von Konferenzen und Versammlungen, in ganzen Aktenstößen von Gutachten längst alles das herausgearbeitet, was geschehen kann und muß, um unserer Wirtschaftsnot erträglichere Zustände folgen zu lassen? Als jüngstes Dokument liegt die Enzyklika des H l. V a t e r s vor, und auch sie weist Wege, die aus dem Elend herausführen. Was nützen uns aber diese wertvollen Dokumente, was nützen uns die herrlichsten Massenversammlungen, was nützt uns alles Debattieren, wenn mir nicht zur Tat kommen! Wie soll das geschehen?
Einmal ist etwas Negatives zu leisten. Es ist unserem Volk klar zu machen, daß es mit dem bolschewistischen System nicht gehl.
Eine solche Aufklärung großen Stiles wäre die erste unumgänglich notwendige Vorbereitung zur positiven Arbeit. Vor einigen Tagen ging der Aufruf von 14 000 russischen Arbeitern durch bie Presse. Ein erschütterndes Zeugnis, das alles bestätigt, was wir von Sowjetgreueln bisher berichtet haben. „Im Februar 46 Grad Kälte in der Fabrikhalle und den Arbeitsräumen. Keine Kohlen, kein Naphta. das schlechte Essen. Kostenpunkt 29 Kopeken, Wasser, Kappus, Möhren, etwas Sonnenblumenöl, schlecht und schmutzig gekocht, Kappus voller Maden . . Wurden deswegen vorstellig. Ein von uns beauftragter Kollege wurde im Speiseraum, als er besseres und reichlicheres Essen für uns forderte, im andern Falle mit Niederlegung der Arbeit drohte, förmlich von der leichten Kavallerie und Kommunisten erschlagen .. . Den ganzen Tag Tempo, Tempo, Stoppuhrkontrolle, das kleinste Vergehen -ist Kontrerevolution. Nach Feierabend Gewehrübungen. Wir haben keine Gelegenheit, uns zu treffen und zu sammeln. Jede Versammlung über 8 Mann ohne Kenntnis und Aufsicht ber
niemand hat mehr Vertrauen in bie einzelnen Stufen bes Fortganges ber republikanischen Bewegung. In ber Presse spricht man nicht bavon, El Debate, bas führende Organ, hat das Losungswort der Anerkennung der Regierung ausgegeben. Man will keinen Bürgerkrieg, man betrachtet eine Entscheidung durch die Waffen als ein großes nationales Unglück.
Es find Bestrebungen int Gange, eine starke Bewegung unter den Katholiken zu bilden, eine Art „nationaler Zivilaktion", die alle guten Kräfte des Landes zusammenfaßt. Ader nach den Erfahrungen ber letzten Monate kann man nicht mit einem blinden Glauben in bie Zukunft gehen. Es ist besroegen noch alles unsicher; sicher ist nur, daß sehr schwere Zeiten gekommen sind.
Die katholischen Stubenten, bie in einem großen katholischen Verbände zusammen- aeschlossen finb, hegen Befürchtungen wegen ber sch mehrenben Angriffe ber übrigen Stubenten« schäft. Unter den Professoren fühlen bie Liberalen, baß ihre Stunde gekommen ist. Für sie sind fortan alle Ehren und Auszeichnungen, ein Una- muno wird anerkannt als erfolgreicher Führer der Jugend. Die katholischen Professoren hingegen fühlen sich gedrückt und in den Hintergrund geschoben. Wenn es in dieser Entwicklung nicht noch schärfer zugeht, so deswegen, weil die Regierung einen provisorischen Charakter hat und noch einmal gewählt werden muß. Die Schwierigkeiten werden erst dann recht beginnen, wenn die einzelnen Punkte zur Diskussion gelangen. Dann werden die Gegensätze in ber Weltanschauung sich mit aller Deutlichkeit bemerkbar machen, bann werben auch die Leidenschaften mit südlicher Glut auflodern. Die Spanier legen sich alle Rechenschaft darüber ab, daß sie auf einen Weg gelangt sind, auf dem es nur Uneinigkeit geben kann.
Dr. Jos. Froberger.
lh Talen seh'«!...
ckermann S. I.
Kommunistischen Partei ist Kontrerevolution und wird in der Steppe von der GPU. abgeurteilt..." Für Kenner der Verhältnisse sind solche Nachrichten, bie unter Lebensgefahr aus bem Sowjetparadies herausgefchmuggelt werben, überflüssig. Aber das Volk muß darum wissen. Unfern Arbeitern muß es gefügt werden, welch unsägliches Elend sie über ihre Genossen in Rußland bringen, wenn sie dieses System unterstützen. In Flugblättern, die Millionenauflage haben, muß das verbreitet werden.
Don aller Art Kapitalismus ist doch der Staatskapitalismus der Sowjetunion der arbeiterfeindlichste,
den es gibt. Asiatischer Despotismus hat sich bei ihm verbunden rtit rationaler Methode. Der Haß gegen Gott wirkt sich darin immer furchtbarer aus in der Erniedrigung des feiner Würde und feiner göttlichen Herkunft beraubten Menschen.
Ist diese Vorarbeit notwendig, so ist noch wichtiger ein ganz kurzes aber durchschlagendes positives Programm. Es sollte nur jene Forderungen enthalten, in denen alle einig sein können. Solche Forderungen gibt es. Bis auf den heutigen Tag werden in den Kommunen Gehälter gezahlt, die zum Teil weit über den entsprechenden Ziffern der staatlichen Beamten liegen. Wir haben auch noch nicht davon gehört, daß die Direktorengehälter in der Industrie, bie ruhig ber Leistung entsprechend hoch bemessen. sein (mögen, wesentlich und allgemein herabgesetzt worden wären. Gerade diese Beispiele nenne ich, weil sie neben der wirtschaftlichen eine moralische Bedeutung haben. Ins Große zielen mehr jene
Jorberungen, die auf dem letzten internationalen Songreh der kathol. Arbeitervereine
aufgestellt worden sind. Kann bas alles auch
nicht zum Ziele führen, solange sich Europa nicht unzweideutig von Moskau abgekehrt hat und solange die gesamten asiatischen Märkte und die Ko. Icnien überhaupt durch den Bolschewismus zerstört werden, es wird doch gewaltige Erleichterungen schaffen.
Mit allerlei vaterländischem'Lärm, wie er heute noch von gewih braven Leuten, aber doch nur von den ewig Gestrigen angestellt wirb, lassen sich weltwirtschaftliche Probleme nicht lösen.
Politisches Auftrumpfen, das mit militärischer Geste zu wirken vermeint, ist so lange ein Unsinn, als ber kleine Finger von Herrn Rotschild genügt, um eine österreichische (Kreditanstalt an den Rand des Konkurses zu bringen. Eine Massenbewegung aber, die sich in Stadt und Land einmütig hinter Reformen stellt, bie schon geistig verarbeitet und als notwendig erkannt finb, bas verspricht dennoch Hilfe. Will Brüning erst einmal Drbnung im eigenen Hause schaffen, soweit bas überhaupt möglich ist, so kann er bas nicht allein, wenn sich nicht eine Massenbewegung hinter ihn stellt. Das wirb auch ben Parlamentariern bie Kraft geben, die sie notwendig haben. Man kann hier wirklich von Propagandisten lernen, wie es Lloyd George oder Hitler sind. Sie sagen immer bas Gleiche. Sie setzen ihre Programme um in die Demagogie eines Sprechchores von Millionen. Darum geht es, was die Methode betrifft. Wenn der Irrtum künstlich auf solche Weise verbreitet werden kann, welche Chance wird sich für die Wahrheit ergeben!
Was ich also bie nächstnotwenbige Tat nenne, das ist eine
politische Mllensbilbung im breitesten Volke.
Man sage ihm bie volle Wahrheit. Es wirb ja doch herauskommen, wie es in Wirklichkeit um uns steht. Man behandle es nicht als Masse, sondern als urteilsfähig und innerlich stark. Man verwirre die Wahrheit aber nicht durch überflüssige Problematik. Ob das Abendland untergeht oder nicht, das ist für den Augenblick durchaus nicht so wichtig, wie jenes andere, ob wir nämlich das tun, was heute und morgen möglich ist, um diesen Untergang zu verhindern. Nicht einmal die Verständigung mit Frankreich ist unter diesen Umstän-
Nchtig juberatrt < irci Sllmutai gekocht) schmeckt fctrKathr einer
Oabei Ästet iasgaiye *Pfun6pafet nurSOpfg...
ben die wichtigste Frage, so entscheidend sie sein mag. Sie Verständigung unter uns Deutschen ist viel wichtiger. Warum setzen sich nicht die besten Kenner der wirtschaftlichen Verhältnisse hin und schenken uns ein solches Progratnrn, das alle einigen kann? Warum bringen sie nicht Punkt für Punkt die Formulierungen, bie wir burchs ßanb tragen müssen? Die Notverordnungen Brünings sind auf keine anbere Weise entstanden. Wie großartig wäre es, wenn das, was die Not dem Kanzler zu sagen gebietet, auch spontan aus dem gesamten Volke käme? Notverordnungen in ber Demokratie sollten boch
wirklich womöglich der Ausdruck des Dolkswillenz sein. Sie können es erst werden, wenn es einen solchen Willen gibt. Also schaffen mir ihn!
Wie geschieht dieses praktisch am besten? Die Vorsehung selber kommt uns zu Hilfe. Wir haben bie
neue Enzyklika des Hl. Dakers.
Wer sich je mit ben einschlägigen Fragen ernst beschäftigt hat, muß sagen, daß hier ein Meister- werk vor uns liegt. Gerade diese Enzyklika enthält vollkommen klare Forderungen, die vom gesamten Katholizismus vertreten werden können. Gestützt auf bie Worte des Stellvertreters Christi wirb jeder Redner an sich schon ein aufnahmebereites Volk vor sich finden. Da alles, was der Papst will, in der Enzyklika selber tief begründet wird, so hat man also auch schon die wich, tigften Motive beisammen. Da alles aus der Quelle der Religion fließt, so fleht auch nicht die heilige Weihe. Als einfachhin katholische Steuerung gilt der Inhalt dieser Enzyklika nicht nur für uns, sondern für alle Katholiken ber Welt. Das wäre nun mein Vorschlag, baß wir sofort beginnen, diese Enzyklika auszuwerten und bas katholische Volk in biefem Sinne zu aktivieren. Dieses unser katholisches Volk hat zwi- scheu all ben Radikalismen ber Gegenwart in be. rounbernsmerter Weise Disziplin und Einsicht bewiesen. Es hat jetzt die größere Leistung zu vollbringen, nämlich
fchöpferifch in ben Mrlschaftsprozetz einzugreifen.
Weg mit alter Müdigkeit! Deutschland kann gerettet werden, Deutschland muß gerettet werden. An Einsichten, wie es zu machen ist, fehlt es nicht. Was fehlt, bas ist der Wille, der Wille eines ber Schwere feiner Schickfatsstunbe gewachsenen Volkes.
Apostel bei Aussätzigen.
Der unter dem Namen „Bruder Joseph" bekannte Aussätzigenapostel und frühere amerita- nische Hauptmann Joseph Dutton starb kürzlich in Honolulu im Alter von 87 Jahren. Schon 1861 zeichnete er sich im amerikanischen Sezessionskrieg durch Tapferkeit wie durch seine Sorge für die verwundeten Soldaten aus. Später fand er in stiller Zurückgezogenheit den Weg zur katholischen Kirche und trat dann bei ben Trappisten von Gethsemani (im Staate Kentucky) ein. Balb daraus zog er nach ber Sübsee, um bem bekannten P. Damian auf ber Insel Molokai (Hawaii-Inseln) zu helfen. Er würbe fein Nachfolger und verbrachte hier vierzig Jahre im Dienste ber Aussätzigen. Erst im vergangenen Jahre verließ er fein Wirkungsfeld, um in Honolulu Heilung von feinem Augenleiden zu suchen. Fast ganz erblindet, starb er hier im St. Franziskus-Hospital. Die Stadt Pittsburg in Pennsylvanien hat ihm ein Denkmal errichtet.
Kardinal ßienart, Bischof von Lille, überreichte Schwester Maria Antonia von ber hl. Johanna von Orleans (Franziskanerin Missionarin Mariens) im Auftrage ber französischen Regierung das Kreuz der Ehrenlegion. Die Schwester hatte über dreißig Jahre im Dienste der Aussätzigen in Mandalay und Rangoon (Birma, Bri- tisch-Indien) verbracht und noch kurz vor ihrem Weggang ein Aussätzigenheim in Bhamo gegründet.
Meine Mitteilungen.
Ein ehemaliger Sozialist als Priester.
Einer ber Führer ber sozialistischen Bewegung in der Schweiz, M. Fr. G e n a z, ehemaliger Präsident bes sozialistischen Jugendverbanbes, ist in Freiburg von Msgr. Besson zum Priester geweiht worben. Bei der ersten Messe, die er zelebrierte, kommunizierte der Chefredakteur des „Courrier be Genve", ber sein Parteigenosse gewesen war unb kurz nach ihm zur katholischen Kirche übertrat.
St. Antonius unser Vorbild r
Wieviel glanzvolle Feiern mag der heilige Antonius an seinem heutigen Fest- und Jubeltage gesehen haben, wieviel mag er noch sehen am morgigen Tag und im ganzen Verlaus dieses Jahres. Wie mag er sich freuen droben im Himmel über all die Verehrung, die in d-esen Tagen unb in diesem Jahre sich 3ut--n—■»rbrä-'qt. Ist es nicht ermutigend zu sehen, wie des Heiligen stiller, treuer Dienst Gottes noch heute nach 700 Jahren, auch in unsren Tagen noch, so viel Anerkennung findet?
Diese Anerkennung muß sich aber in erster Linie äußern in der Nachfolge des Heiligen. Daß wir heute noch auf den großen Prediger hören, auf den treuen Diener Gottes schauen, wie es die Menschen vor 700 Jahren und so viele in den Jahrhunderten seitdem getan haben. Das hören wir in diesen Tagen von allen Kanzeln, das spricht zu uns aus als den Büchern, Zeitungen und Zeitschriften, die in diesem Jahre des großen Weltheiligen gedenken, das hat lange schon der Heilige Vater in seinem Rundschreiben zum Ausdruck gebracht: „Es ist durchaus nötig, daß nicht so sehr äußere Feiern begangen werden unb äußere Ehren dem Heiligen zuteil werden; es muß mit aller Kraft bahn ge- strcht werben, daß man bes Heiligen herrliches Tugenb- leben sieht unb daß es immer wieder zur Nachahmung hingeftellt wirb. " Und weiter sagt er, daß manche nur den Wundertäter in Antonius sehen, dabei aber das wundersame Tugendleben des Heiligen gar nicht kennen.
Antonius soll seine Wunderkraft vor ollem darin betätigen — und dahin soll unser Beten unb Streben gehen — daß sein Geist auf uns unb auf bie Menschen unserer Tage übergehe, daß er uns sittlich förbere, daß er unseren Glauben lebendiger werden lasse. Der Heil. Vater sagt: „Wie unser Heiliger seine Zeit, deren Säten auch verderbt waren, mit dem Lichte der christlichen Weisheit und der Milde seiner Liebe erfüllt, so ist zu hoffen, daß auch unsere Zeit, wenn jein Andenken
in vieler Herzen wieder lebendig wird, sich auf das Größere und, Edlere wieder besinnt, zu dem wir ja geboren finb, unb zwar angezogen durch sein Beispiel — unsere Zeit, bie des ewigen Gottes Güte oft so uneingebenf ist bie von ber Glut ber Lust hin- unb hergeworfen wird unb wahnsinnig nach menschlicher Vollendung strebt."
Das ist ber Hauptruf ber Heiligen an unsere Zeit, nicht zuletzt bes heiligen Antonius, der so viele übernatürliche Kräfte in feinen Verehrern schon auslöste: Mehr Besinnung auf bas Größere unb Eblere, mehr Sinn für bas Geistige und Uebernatür- lich e! Von einem wahnsinnigen Streben nach menschlicher Vollendung spricht der Heilige Vater und denkt dabei wohl an die vielen, die in dem Fortschreiten her Technik alles Heil sehen, die mit rein natürlichen Mitteln und unter Ausschaltung ber übernatürlichen Kräfte ein Paradies auf Erden herbeiführen wollen, die in Sport unb Leibespflege und Rekordwahnsinn aufgehen und kein anderes Interesse haben. Immer mehr wird das lieber« natürliche ausgeschaltet, immer heidnischer wird unsere Welt, immer materialistischer und seelenloser. Da tut dieser Ruf nach der Besinnung aufs Geistige, aufs Ue- bernatürliche bitter not, da bekommt das Jubiläumsjahr des Weltheiligen einen tiefen Sinn, und es ist der Mühe wert, daß wir diesem Ruf ein Echo geben in unserer Seele, in unserem Leben, in unserer Stimme, daß er viele andere erreiche.
Daß der Sinn fürs Geistige so schwindet, bas ist heute unser größtes Uebel. Daß er wieder geweckt werde, unsere dringendste Ausgabe. Er wird sich bann von selber auswirken in der Tat, im Leben. „Da wo Siebe ist", lagt ber Papst in diesem Zusammenhang mit dem heil. Augustin, „muß sie auch wirken; und der Glaube selbst muß in der Liebe tätig sein!" Einiges nennt der Heil. Vater bann ausdrücklich in feinem Rundschreiben, was St. Antonius in feinem Leben in vollendeter Weise ausgeprägt hat, was auch uns heute besonders not tut:
Reinheit! Sie hat bem Heiligen die Sitte in die Hand gedrückt, die wir auf saft allen seinen Bildern
sehen. Daß sie nicht kampflos erhalten wurde, vor allem in seinen jungen Jahren, bas betont der Hl. Vater ausdrücklich. So ist Antonius heute allen ein Ideal, das anzieht, aber auch ermutigt, die hierin irgendwelche Proben bestehen müssen.
Armut unb Demut! Das Ideal der freiwilligen Armut, des Verzichts auf Sob und Anerkennung von fetten ber Welt, wie zeitgemäß ist dieses für unsere Zeit der Not, ber Arbeitslosigkeit, der immer schwieriger werdenden wirtschaftlichen Verhältnisse. Wenn da Antonius viele lehrte, aus der Not eine Tugend zu machen! Wenn er viele bewegte, für sich selber genügsamer zu werden, um anderen zu helfen, einmal einen Anfang zu machen mit tätiger Siebe und Brüderlichkeit, anderen mitzuteilen, ohne durch ein Notopfer dazu gezwungen zu sein! Christliche Bruderliebe, die nicht mehr haben will als andere, die das Hauptgebot Christi fortlebcn lassen will, die dafür zeugen will, daß Christi Geist noch nicht ausgeftorben ist, die ein Beispiel geben will, Gläubigen und Ungläubigen, ist ber Grunb für die freiwillige Armut ber Orden, ber Grund für die Armut eines heiligen Antonius. Und etwas von diesem Geist muß heute hinaus über bie Kloftermauern, muß heute übergehen vom heiligen Antonius auf alle Glieder ber Kirche, wenn die trüben Aussichten, die sich uns f)eute darbieten, ein wenig sich aushellen sollen.
Das ist zugleich eine unb nicht die letzte Aeußerung eines apostolischen Eifers, ben uns Antonius nach ben Worten bes Papstes weiter lehren soll. Den Gliebern ber katholischen Aktion, ben jungen insbesondere, stellt ber Hl. Vater hierin Antonius als Beispiel vor bie Augen. Die Priester reichen heute nicht mehr aus, die Kirche ist in den Kämpfen und Schwierigkeiten von heute auf alle ihre Gläubigen angewiesen unb 'Ile soleln von ihm lernen, mit ganzer Seele unb glühenden Eifer für ihren Glauben unb für bie Kirche einzutreten. Voraussetzung dafür ist, daß sie vorher den Glauben, die Glaubenswahrheiten kennen zu lernen, darin
einzudringen suchen daß sie dafür warm werden, daß sie auch befähigt werden, dafür einzutreten.
Das Setzte, worin Antonius uns nach der Erklärung des Hl. Vaters Sehrmeister fein kann und soll, ist der Geist des Gebets. Beten haben ja viele von Antonius gelernt, zum Beten hat er viele angeregt, zum inständigen, eindringlichen Beten. Nur muß es so sein, daß der letzte und tieffte Inhalt unseres Gebetes immer die Verherrlichung Gottes unb die Cr- höhung unserer heiligen Mutter, ber Kirche, das Heil ber Seelen, unsrer unb vieler andrer, ist, unb daß unser Gebet nicht an uns selber und nicht an äußeren, irdischen Dingen hängen bleibt.
Wenn Antonius nur eines von diesen Dingen in uns wirkt, wenn er dies oder jenes Samenkorn in uns legt oder,stärker wachsen läßt, bann war sein Jubiläumsjahr nicht unfruchtbar für uns. Wenn er eine von den Tugenden, die der Heilige Vater genannt hat, zur volleren Entfaltung bringt, wenn er ben Sinn für bas Geistige in uns lebenbiger werben läßt, wenn er uns wie- ber etwas mehr Vertrauen fassen läßt auf Gotter Vatergüie. Daß sie „des ewigen Vaters Güte oft so uneingebenf ist", sagte der Papst von unsrer Zeit. Antonius soll uns wieder daran erinnern. Uns wieder daraus Hinweisen, in all ber Not ber Arbeitslosigkeit, ber schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse, in aller sonstigen Erbennot, baß boch ein gütiger Vater über uns wohnt, ber uns nicht enttäuscht, wenn wir an ihn uns halten, baß es etwas gibt, was uns in aller äußeren Not nicht genommen werden kann, was aber die Quelle tiefsten Glückes unb Friedens für uns ist, eines Glückes, das so wertbeständig unb dauernd ist wie der Name unb die Verehrung des Heiligen, ben jetzt nach 700 Jahre" noch jedes Kind kennt unb verehrt. Man kann Antonius nicht in Wahrheit ehren, ohne für diese Dinge wieder mehr Verständnis unb Wertschätzung zu bekommen, ob11® beeinflußt zu werden durch seine Predigt und sein Beispiel. Unb bas eben ist ber Sinn seines Jubeljahres.
N. K- ;