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die Arbeitsdienstpflicht sind ebenfalls nur 50 000 Mann bewilligt: die Trudowaken. Zur Arbeitsdienstpflicht wird ausgehoben wie zum Militär: wer nicht einrücken will, muß zahlen und einen Ersatzmann beibringen. Das tür­kische Wort „Jawasch", das für Bulgarien seit je Geltung hatte, und das sich mit „Nur nichts übereilen!" oder „langsam-langsam" treffend übersetzen läßt, fand hier keine Geltung! Die Trudowaken bauen Straßen, Eisen­bahnen, planieren das Land und erschließen den hohen Reichtum, den das 103 000 Quadratmeilen große Land (so groß wie Bayern, Württemberg und Baden zusam­men) bei planmäßigem An- und Ausbau birgt.

Aber sonst ist noch mitunter „Jawasch" kennzeichnend für das Leben und Arbeiten, z. B. bei einigen Behörden. Zur Anmeldung bei der Polizei muß jeder Fremde, selbst der Tourist, pe>fönlich erscheinen, und man wird mcht etwa gleich abgefertigt, sondern darf nach soundsoviel Stunden noch einmal wiederkommen. Dann ist es so weit, oder man muß noch etwas warten--

Karl Lütge.

Ällwiener Künstleranekdoten.

.Aus dem Junihest der illustrierten Familien­zeitschrift „Die Bergstadt" (Verlag Wilh. Gottl Korn, Breslau 1. Monatlich 1,50 Rm.)

Joseph Lanner, der Walzerfürst der Wiener Bieder­meierzeit, war ein Wienerkind im besten Sinne des Wortes. All die großen und kleinen Mängel, die dem lustigen Völklein der Phäakenstvidt anhafteten, besaß auch er, der lebensfrohe Meister des Walzers. Er war eine biedere Natur, in der Gesellschaft ergötzte sich alles an der Schlagkraft seines Witzes, in Kreisen aber, wo cs gespannt herging, fühlte er sich äußerst unbequem. Be­sonders schwer fiel es dem Meister, sich an die Etikette bei Hofe zu gewöhnen.

Einmal dirigierte Lanner die Tanzmusik in den Re- doutensälen der Wiener Höfburg. Nach einem langen und exakt ausgeführten Menuett trat die Erzherzogin Sophie auf ihn zu und sagte in huldreicher Weise:

„Jetzt haben Sie sich aber ordentlich angestrengt, Herr Musikdirektor."

Lanner war gerade damit beschäftigt, sich mit seinem Taschentuch den Schweiß abzutrocknen, und erwiderte im gemütlichen Wienerisch:

„Na, das glaub ich, kaiserliche Hoheit." Er schlug den Frack zurück und meinte: „Da greifen S' her, wia i schwitz!"

*

Der im Herbst 1846 an das Wiener Burgtheater en­gagierte Komiker Friedrich Beckmann hatte in einem Konversationslustspie! ein Huhn zu tranchieren. Er

machte das Geschäft des Tranchierens sehr schnell und verzehrte das Huhn fast zur Gänze auf offener Szene.

Bei einer der nächsten Veranstaltungen mußte Beck­mann, als die Szene mit dem Huhn kam, zu seinem Leidwesen feststellen, daß ihm nur ein Huhn aus Papp­deckel serviert worden war. Er ließ sich aber nicht stören und zerschnitt zum Nachteil der Direktion auch dieses Huhn, welches der Direktion nicht billiger zu stehen kam, als ein wirkliches. Man sann nun auf neue Mittel.

Als das Stück wieder einmal gegeben wurde und das unvermeidliche Huhn abermals erschien, war es nicht n,ehr aus schnödem Pappendeckel, sondern aus härtestem Eichenholz. Beckmann ließ sich auch diesmal nicht aus seiner stoischen Ruhe bringen, sondern langte, von der Härte dieses Holzes überzeugt, eine kleine Handsäge her­vor und begann unter dem Jauchzen des Publikums das Huhn in größter Ruhe nach allen Regeln eines Zimmer­mannes zu zersägen.

Bei der nächsten Ausführung des Stückes wurde ihm wieder das übliche wohlduftend gebratene Huhn serviert.

*

Johann Nestroy, der Klassiker der Wiener Posse und Parodie, fürchtete sich vor nichts mehr als vor dem Sterben, lieber den Tod durfte in feiner Gegenwart nie gesprochen werden.

Als Nestroy im Jahre 1862 im Treumanntheater in seinem Stück „Lumpazivagabundus" auftreten sollte, brachte ihm der Theaterschneider eine Schminke in die Garderobe mit folgenden Worten:

„Eine schöne Empfehlung von Herrn Findeifen, er läßt sagen, daß alle Schminke frisch ist, sie trocknet erst in einem Jahr, und Herr Nestroy kann sie dann benützen, wenn Sie aufs Jahr noch leben und Theater spielen.

Nestroy starrte den Sprecher sprachlos an.

„Ruft mir den Obergarderobier!" rief er endlich. Als dieser erschien, fragte er ihn:

„Wie sehe ich aus?"

„Wie immer, Herr Direktor, gut . . . recht gut sogar."

„Also nicht wie ein Mann, der aufs Jahr nicht mehr Komödie spielen kann, der gar tot sein wird!?"

„Gott bewahre! Wer hat denn das gesagt?"

„Der dort! . . . Der dort!" und Nestroy wies zürnend auf den Schneider, der sich ängstlich in eine Ecke drückte. „Bringt den Kerl sofort aus meinen Augen."

Fünf Tage brachte Nestroy den unglücklichen Schnei­der nicht aus -dem Gedächtnis. Der Arme mochte es damals nicht geahnt haben, daß Nestroy Todesfurcht eine begründete fei. Der „Lumpazivagabundus" war fein letztes Auftreten im Treumanntheater und mit dem Schlußwort feiner Rolle „Feierabend!" war Nestroys künstlerische Tätigkeit in Wien für imemr abgeschlossen. Wenige Wochen nach dieser Begebenheit, am 25. Mai 1862, starb er.

IH

as in alter Zeil der Schützenkönig erhielt.

Von Alois Brunner.

Schützenfest! Allen neuen Anschauungen, allen Nöten der Zeit zum Trotz hat das Wort noch immer feinen ma­gischen Klang. Schützenfest ist Volksfest, Schützengeist der Geist echter Volksgemeinschaft, die keine ständifchen Unterschiede kennt, und schon vor Jahrhunderten wurde durch die Einführung des Schützenkönigs dem Gedanken Ausdruck verliehen: Freie Bahn dem Tüchtigen, einerlei aus welchen Kreisen er stammt!

Das Schützenkönigtum verkörpert auch heute noch die Huldigung vor der besten Leistung. Veränderte Zeiten und Not haben die alten Rechte der Schützenkönige auf ein Mindestmaß herabgedrückt. So ist heute in den mei­sten Fällen mit der Würde nur noch das verbunden, was dem König ursprünglich allein zugedacht war, eine Ehrung. Denn erst in späteren Perioden, als die Schützenfeste aus dem engeren Rahmen der Gilden her­aus zu wichtigen städtischen Angelegenheiten, zum All­gemeingut wurden, traten zu den Ehren des Schützen- königtums oft namhafte Einkünfte und eigenartige Pri­vilegien. Damit sollte die Bedeutung, die Bürgerschaft und Behörden dem Schützenwesen zufchrieben, auch ma­teriell zum Ausdruck gebracht werden.

Befcheiden waren die Vorrechte, welche die alte Freie Reichsstadt Mühlhausen in Thüringen ihrem Schützen­könig einräumte. Er durfte bei öffentlichen Banketten den Vorsitz führen und mit einem Holzhammer auf den Tisch schlagen, um im Notfälle Ruhe zu gebieten. Die Stadt Siegburg gewährte ihrem Schützenkönig schon einen kleinen materiellen Vorteil. Sie zahlte ihm zwei Gulden zur Anschaffung eines Kapuzenmantels aus. Den Cschweilern war ein Geldgeschenk für den Schützenkönig unbekannt. Dafür durfte dieser während seiner Re­gierung ein Schwein auf den städtischen Wiesen weiden lassen. Außerdem aber hatte er — wie in manchen anderen Städten auch — den ansehnlichen Vorteil, von allen Gemeindelasten befreit zu fein. Gotha schenkte feinem Schützenkönig acht Taler zur beliebigen Verwen­dung. Grätz gab ihm fünfzehn Taler „Trinkgeld", die freilich stets von den anderen Schützenbrüdern vertrun­ken wurden. Leipzig war in anbetracht seiner Größe noch sparsamer. Es schenkte dem König einen silbernen Becher im Werte von zwölf Talern. Dafür wurde auch anfänglich nicht verlangt, daß die Schützenmajestät aus

eigener Tasche für die restlose Löschung des Durstes ihrer Getreuen sorgen sollte. Doch im Laufe der Zeiten wur­den die Königsessen in Leipzig derartig üppig, daß im Jahre 1684 der Stadtrat eine Verfügung erließ, die in unser heutiges Deutsch übertragen, ungefähr folgendes besagte: „Die Erfahrung hat gezeigt, welche großen und unnötigen Kosten demjenigen, der den Vogel abschoß, entstanden sind . . . Daher bestimmen wir: Wenn der König nach Hause begleitet wird, so soll er nicht mehr als einen Kuchen vorsetzen und Bier zum Trunk geben. Auch darf kein Schütze nach Begleitung des Königs mehr als zwei Stunden bei diesem bleiben oder von ihm länger aufgehalten werden. Sonst sind vier Taler Strafe zu zahlen. Bei der Königsmahlzeit soll nicht mehr auf­getischt werden als vier Gerichte, nämlich Voressen, Bra­ten, Gemüse, Nachspeise und zum Trunk Torgauisch Bier und rheinischer Wein, und wenn, der König auch noch so vermögend ist."

Aehnliche Zustände wie in Leipzig müssen auch in Breslau geherrscht haben, denn dort beschloß der Rat, den Schützenkönig von der Verpflichtung, einen Schmaus zu veranstalten, ganz zu entbinden. Uebrigens erhielt der Breslauer Schützenkönig die höchsten Bezüge im gan­zen Reiche. Zuerst erfreute er sich der Befreiung von verschiedenen Abgaben. Dann erhielt er vom Rat fei­nes schwarzes Tuch zu einem Rock und 36 Taler bar. Dazu kam ein kaiserliches Gnadengeld in gleicher Höhe und ein Geschenk der Bürgerschaft im Betrag von 72 Taler. Diese 144 Taler waren damals ein kleines Ver­mögen.

Berühmt ist auch das etwa alle zwei Jahre statt­findende Mindener Freischießen, an dem jeder Bürger teilnehmen kann: schon 1685 verfügte der Große Kur­fürst, der auch die Krone verlieh, daß den beiden Schützenkönigen je fünfzig Taler auszuzahlen seien und der gesamte Bierverbrauch finanziell zu erleichtern sei. — Aehnliche Vergünstigungen bestanden für verschiedene andere Städte, die auch die dem Schützenkönig geltende ein- oder zweijährige Befreiung von geroiffen Gemeinde­steuern zubilligten.

In verschiedenen Städten bestand die Belohnung für den Königsschuß im steuerfreien Bierbrauen. In Duder- stadt hieß der Schützenkönig aus diesem Grunde auch

der „Braugewinner". Konnte er von diesem Rechte kei­nen Gebrauch machen, so kaufte es ihm die Stadt für 50 Taler ab. Befaß der Bautzener Schützenkönig keine Stauanlage, so durste der beste brauberechtigte Schütze nach ihm steuerfrei brauen, wofür er dem König 40 Taler zu zahlen hatte. In Frankfurt an der Oder genoß der Schützenkönig das Recht, im Jahre feiner Regierung acht Gebräude gleich 330 Hektoliter Bier steuerfrei aus« zuschenken. Dieses Vorrecht würde — bestände es heute noch — angesichts der unsinnig hohen Biersteuern einen Wert von rund 6600 Mark darstellen. Doch damals waren die Behörden noch nicht auf den wirtschastsschädi- genben Einfall geraten, den Genuß des deutschen Volks- getränkes zu unterbinden, und der Wert des Privilegs wurde 1693 auf 50 Taler vevranfchlagt.

Ein Beweis für den guten Geist, der immer unter den Schützen herrschte, ist die Tatsache, daß wir nur we­nig von Streitigkeiten im Zusammenhang mit der Kö­nigswürde hören. So im alten Köln, wo es einmal des Königspreises wegen zu einer regelrechten Fehde kam. Die Kölner hatten ein Schießen ausgeschrieben, an dem sich auch Auswärtige beteiligen konnten, und ein Stuttgarter Schneider, Hans Ginbeifinger, gewann bas „Beste", hunbert Gulden in bar. Aber die Kölner wollten es ihm nicht auszahlen, und der Schneider wandte sich an Götz von Berlichingen. Dieser sagte den Kölnern Fehde an. Er „warf" ein paar Kölner Kauf­leute, tat den Pfeffersäcken sonst noch manchen Tort, kümmerte sich nicht um die Einmischung Kaiser Maxi­milians und erreichte es schließlich, daß der Rat der Stadt Köln dem Schneider 305 Gulden auszahlte, viel­leicht den höchsten Preis, den ein Schützenkönig in alter Zeit erhielt.

Mathematische Merkwürdigkeiten.

Auch in der Mathematik gibt es Gesetzmäßigkeiten, die zu überraschenden Ergebnissen führen. Eine Regel­mäßigkeit in dem Ergebnis gewisser Rechnungen hat

vor längerer Zeit der Mathematiker A. Hall veröfstnk. licht. Diese Regelmäßigkeit ist so überraschend, daß sj, verdient, der Vergessenheit entrissen zu werden. 5,,. ift fie:

1X9 4-

12X9 4-

123 X 9 4- 1234 X 9 4- 12345 X 9 4- 123456 X 9 4-

2 = 11

3 = 111

4 --- 1111

5 = 11111

6 = 111111

7

= 1111111

1234567 X 9 4-

8

-- 11111111

12345678 X 9 4-

9

= 111111111

123456789 X 9 +

10

--- 1111111111

Ein zweites Beispiel:

1X8+1=9

12 X * 4- 2 = 98

123 X 8 4- 3 = 987

1234 X 8 4- 4 = 9876

12345 X 8 4- 5 = 98765

123456 X 8 4- 6 = 987654

1234567 X 8 + 7 = 9876543

12345678 X 8 4* 8 = 98765432

123456789 X 8 4" 9 = 987654321

Die Ergebnisse die hier erzielt werden, sind gewiß verblüffend. Von oben nach unten, von links nach rechts, immer ergibt sich eine Regelmäßigkeit, die in Erstaunen fetzt, mit Hilfe der Zahlentheorie aber gelöst werden kann. A. A.

Heiteres»

Der kleine Philosoph. Der kleine Karl steht vor bem Käfig der Raubtiere in der Menagerie. Die Bestien schlafen. „Ja, warum brüllen sie denn nicht?" fragt er das Fräulein, welches ihm erklärt, daß Löwen und Ti- ger, wenn fie schlafen, nicht brüllen können. „Ja, warum denn nicht?" entschlüpft es ihm abermals in ungläubi­gem Tone „wenn Großvater schläft, brüllt er doch im­mer!" (Karlchen meinte er schnarcht!)

Fünf Minuten Denksport.

12

W

\19

16

10

H

Kreuzwort-Rälset.

Die Wörter bedeuten von links nach rechts: 1 Engi. Anrede, 3 Pflichtenkreis, 5 Schweinefutter, 7 Nutz­pflanze, 9 Fisch, 12 Blumengebinde, 13 Ruhelager, 14 Behälter, 15 Metall, 18 Wild, 19 Getränk.

Von oben nach unten: 1 Großer Raum, 2 Verstorbe­ner Schachspieler, 4 Sirup, 5 Schmuckstück, 6 Dtsch. Stadt, 7 Nebenfluß des Rheins in Baden, 8 Himmels­richtung, 10 Teil des Baumes, 11 Monat, 16 Weibl. Vorname, 17 Gittl. Begriff.

SUben-Räksel.

Aus den Silben: af, be, be, ben, cho, bau, der, der, di, e, ein, er, erb, fett, fin, ge, ger, gin, gly, haus, hi, hu, kom, krim, la, lan, le, lisk, men, mer, na, nef, nie, 0, or, phe, ra, renn, ri, ro, fter, tar, ticr, treib, u, ur, uf, wald, mun, sind 18 Wörter zu bilden, deren erste und dritte Buchstaben, beide von oben nach unten gelesen, den Anfang eines Wanderliedes ergeben (ch - ein Buchstabe).

Die Wörter bedeuten: 1 Uebernatürliches Ereignis, 2 Klassenlehrer, Altägyptisches Schriftzeichen, 4 Kutsch­wagen, 5 Gemütserregung, 6 Nachtvogel, 7 Teil der Hand, 8 Göttertrank, 9 Spitzsäule, 10 Seuche, 11 Futter­pflanze, 12 Naturkatastrophe,^ 13 Gewächshaus, 14 Haus­tier des Eskimo, 15 Dichter ungangbarer Wald, 16 Ver­lorene Schlacht, 17 Lammfell als Pelzwerk, 18 Verdienst.

Der letzte Wunsch!

Kaethe Ria C. Binse

Stettin

Auf dem Bahnhof in Stettin. Inhaberin obiger Be­suchskarte bringt ihre Mutter zum Zug-Abteil. Die Ab­

fahrtszeit ist gekommen. Die Namensträgerin reicht noch in letzter Minute der Mutter ihre Besuchskarte mit den Worten: „Während der langen Fahrt stelle sämtliche Buchstaben meiner Karte um. Du wirst dann einen Wunsch entziffern, um dessen Erfüllung ich höflichst bitte." — Der Zug fuhr ab. Es dauerte nicht lange, da war die Lösung gesunden.

Auflösungen aus der letzten Sonnlagsnummer.

Auflösung des wabenrätfels.

Lösung des Silbenrätsels.

1 Uhland, 2 Notturno, 3 Galgen, 4 Longwy, 5 Ulti­matum, 6 Eislauf, 7 Chevreau, 8 Kokarde, 9 Iller, 10 Smaragd, 11 Tribüne, 12 Oberon, 13 Fabel, 14 Trom­pete, 15 Eboli, 16 Ibach, 17 Nachhut, 18 Perseus, 19 Sakristei, 20 Estragon, 21 Urban.

Der Spruch lautet: Unglück ist oft ein Pseudonym für den Leichtsinn.

Auslösung des Rösselsprungs:

[Anfanff

(Lessing: Lied aus dem Spanischen.)

Gestern liebt’ ich, heute leid' ich, morgen sterb ich: dennoch denk ich heut und morgen gern an gestern.

Auslösung des Rätsels „Paradox";

Die Rase.

Auflösung der Scherzfrage;

Der w — achtel.

Blut in den Adern erstarren. Von dem Gebirge her wälzte sich eine Schar berittener Kurden talabwärts. Meiner Ansicht nach konnte es nur Mustafa mit seinen Leuten fein. Jetzt war rascher Entschluß. an Platze. Ich bat den Scheich, sich mit einigen seiner Leute auf den Weg zu machen, um Mehmed so rasch wie möglich nach rückwärts zu schaffen. Währenddessen wollten wir die Banditen in Schach halten. Nur ungern willigte der Scheich ein, machte sich aber sofort daran, den Rück­marsch anzutreten.

Der Reitertrupp rückte näher. Ich nahm mein Zeiß­glas und erkannte Mustafa, den Bandenführer. Seine Leute waren mit Vorderladegewehren und Säbeln aus­gerüstet. Ich und Achmed hatten moderne Waffen. Dies ließ mich hoffen, die Banditen so lange aufzuhalten, bis Mehmed in Sicherheit war.

Eben trat der Scheich den Rückmarsch an. Der Ver­wundete schrie laut auf vor Schmerzen. Auch die Ban­diten mußten die Klagelaute vernommen haben. Sie hielten ihre Pferde an. Mustafa gab einige Zeichen mit der Hand. Dann schwangen sich die Banditen von ihren Rossen. Am Boden nahmen sie im Kreise um Mustafa Platz. Die Beratung währte fast eine Stunde. Dann bestiegen die Gesellen ihre Pferde und ritten vorsichtig auf die Schlucht zu. Nun galt es, den Räubern den Mann zu zeigen. Ruhig nahm ich mein Gewehr an die Wange und zielte. Ein Schuß brach das Schweigen der Berge. Mehrfaches Echo. Dann wälzte sich Mu­stafa unter dem Leide feines getroffenen Pferdes. So­fort ritten die Banditen ihre schäumenden Rosse zurück. Auch Achmed gab einen Schuß ab. Wieder stürzte ein Pferd. Die Räuber erkannten den Ernst ihrer Lage und ritten ein Stück zurück. Mustafa kam hinkend nach. Es begann abermals eine Beratung. Es wäre uns leicht gewesen, die Räuber nacheinander aufs Korn zu nehmen, aber ich wollte keinen Menschen töten. Auf einmal er­scholl von den Bergen her wildes Geschrei. Wieder sprengte eine Reiterschar daher. Der Staub wirbelte unter den Hufen der Pferde. Waren es Freunde oder Feinde? Wir wußten es nicht Erst als sich Mustafa mit feinen Leuten der Reiterschar entgegenwarf, erkann­ten wir die Lage. Es kam zu einem Reiterkampf. Pferde.

stürzten, Reiter sanken zu Boden, Schwerter blitzten und klirrten. Um den Räubern in den Rücken zu fallen, verließen wir die Anhöhe und gingen im Tale vor. Bald lagen wir in Stellung und nahmen ein Pferd nach dem anderen aufs Korn. Dies ging eine Weile, aber bann geschah etwas Unerwartetes. Die Banditen spreng­ten in rasendem Tempo auf uns zu. Ich wollte mich erheben, es war zu spät. Die wilde Horde ist über uns weg. Ich spürte einen dumpfen Schlag am Hin­terkopf. Dann wurde es Nacht um mich, ich verlor das Bewußtsein.

Als ich erwachte, befand ich mich in einem dunklen Raum. Mein Kopf schmerzte, auch die Hände und Füße, denn sie waren gebunden . Allmählich erinnerte ich mich wieder an den Kampf mit den Räubern. — Also war ich gefangen! Wo aber war mein Achmed? Ich rief feinen Namen, alles blieb still. Mit den gebundenen Händen tastete ich die Wände des Raumes ab. Dann schob ich mich zentimeterweise am Boden vor. Der Boden war uneben. Steine und Knochen lagen wirr durcheinander. Die Atmosphäre in dem Raum war furchtbar. Es roch nach verwestem Fleisch. Ich vermochte, meiner Berechnung nach, etwa drei bis vier Meter vorgekrochen sein, da schlug mir ein fast atemberaubender Gestank entgegen. Die Moderluft lag mir so schwer auf der Brust, daß ich unwillkürlich auffchreien mußte. — Was war das? Der Schall meines Schreies klang fo dumpf. Ich glaubte in einem Keller zu fein. Ich drückte mich weiter am Boden vor. Der Boden horte auf. Ich fühlte eine Leere. Es war mir möglich, etwas tiefer zu greifen und konnte jetzt die Rundung einer Zisterne feststellen. Ich nahm einen Stein und warf diesen in die Grube. Der Ausfall klang dumpf. Nun wußte ich genug. Welch ein Glück, daß ich gebunden war, sonst wäre ich unbedingt in die Todes­grube gestürzt. Schnell wunde ich aus meinen Gedanken gerissen, denn ich vernahm den Schrei eines Menschen. Der Schrei kam aus der Zisterne. Laut schrie ich jetzt Achmeds Namen in die Grube hinunter. Kirchhofstille. Dann hörte ich „Efsendi" (Herr) rufen. Jetzt wußte ich, daß mein Achmed in der Zisternt lag. Mir schwindelte vor Erregung und Schmerzen. Der Gedanke, wehrlos dazuliegen, ohne Achmed helfen zu können, machte mich fast wahnsinnig.

In diesem Zustande lag ich wohl einige Stunden. Dann hörte ich Stimmen. Ein schwerer Gegenstand fiel zu Boden und gleich darauf wurde eine Holztür geöffnet. Im Tageslicht erblickte ich einige wild aus­sehende Männer. Zwei davon kamen auf mich zu uni schleppten mich ins Freie. Die Fuhfesscln wurden mir abgenommen. Erst nach und nach konnte ich mich wieder an das Tageslicht gewöhnen. Die Umgebung kam mir fremd vor. Es hat nicht das enge Tälchen, wo wir den Scheichsohn befreit hatten. Ich befand mich in einem Bergdorf. In dem riesigen Talkessel erblickte ich etwa dreißig Lehmhütten. Heber dem Dorf lagen starke Rauch­schwaden.

Nun wurden mir die Augen verbunden. Man führte mich nach rechts und links, dann wieder zurück. Ich sollte getäuscht werden. Minuten vergingen, bann wurde eine Tür aufgestohen. Es ging durch einen Raum. Abermals eine Tür. Jetzt nahm man mir die Binde ab. Ich war in einem nicht gerade Hellen Gemach.

Der Raum war nicht groß. An den Wänden hingen Bärenfelle. In der hintersten Ecke des Raumes war eine Erhöhung aus Holz, die auch mit Fellen bedeckt war. Auf diesem Holzgestell lag Mustafa, der Bandenführer. Er rauchte die Opiumpfeife und hatte neben sich einen riesigen Holzbecher stehen, der wahrscheinlich mit Feigen­wein gefüllt war.

Mustafa musterte mich mit finsteren Blicken und richtete dann einige Worte an mich, die ich aber nicht verstehen konnte. Rasch gab Mustafa einige Befehle an seine Leute. Die Kurden verließen die Hütte.

Wohl zehn Minuten vergingen, dann öffnete sich die Türe wieder und Achmed wurde in den Raum geschleppt. Aber wie sah der treue Kerl aus? In seinem Gesicht und an den Händen klebte Blut, seine Kleidung war in Fetzen gerissen. Kaum hatte mich Achmed erblickt, da stieß er einen Freudenschrei aus. Er wollte mich umarmen, aber dies ging ja nicht, seine Hände waren gefesselt. Mu­stafa warf einen verächtlichen Blick auf Achmed und fing an mit den Worten:

„Wer bist Du?"

Achmed besann sich eine Weile und erwiderte bann mit heiserer Stimme:

„Ich 'bin ein gläubiger Moslem, meine Heimat liegt am Nil."

„Wer ist dieser Ungläubige?" fragte Mustafa unb zeigte mit der Hand auf mich.

„Das ist ein vornehmer Effendi aus dem Abendlande. Mein Herr ist edel und gutmütig, sonst wärest Du längst nicht mehr am Leben, denn fein Befehl bei dem Kampfe mit euch lautete: keinen Menschen töten. Ich habe meinen Herrn durch Asien und Afrika begleitet und werde ihm auch folgen, wenn Du ihn zu Tode schickst."

„Du sprachst, dein Herr tötet keinen Menschen und doch wollte er mich zum Scheitan schicken, denn du siehst, ich bin verwundet."

Mustafa hob mit verzerrtem Gesicht den Fuß etwa» hoch und fuhr fort mit den Worten:

„Das Feuerrohr deines Herrn hat mir eine Wunde beigebracht, welche mehr schmerzt als alle Qualen der Hölle, meine Medizinmänner können mich nicht heilen; frage deinen Herrn, ob er ein Hakim (Arzt) ist."

Achmed lächelte. Dieses Lächeln war ein Hoffnungs­strahl für mich. Dann nahm er eine vornehme Stellung eines Scheichs ein und erwiderte dem Bandenführer:

„Du hast eben Worte gesprochen, die unwahr sind. Die Kugel, welche dich getroffen hat, kam nicht aus dem Feu­errohr meines Effendis. Das Auge meines Herrn ist so scharf, wie das eines Wolfes, fein Schuß verfehlt nie. Da mein Effendi bei Strafe verboten hat, auf Menschen zu schießen, kann dich die Kugel nur durch Zufall getroffen haben. Du fragst mich nun, ob mein Herr ein Arzt ist. Ja, er ist ein Arzt, wie keiner bet euch in den Bergen zu finden ist. Er hat dem Sohn des Scheichs der „Beni Afif" das Leben gerettet, der ein großes Geschwür hatte, auch viele andere Moslem verdanken ihm ihr Leben."

Ich mußte über Achmeds Prahlerei unwillkürlich lä­cheln, während Mustafa sprach:

„Dann sage deinem Herrn, er soll mich hellen!"

Achmed warf sich immer mehr in die Brust und ent­gegnete scharf:

(Schluß folgt.)