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Vie sollen wir unsere Kirchen bauen?

Beton- oder Stal, -Skelett-Bau. - Geist der Zeit. - Kirche und Brauerei. — Wer entscheidet? Typ und Schema. — Tradition.

Man braucht nicht Geistlicher zu sein oder einem Kirchenoorstand anzugehören, um sich wiederholt vor die Frage gestellt zu fühlen, was von dem modernen Kirchenbau zu halten sei, für welche Kirchenbcuform man sich entscheiden solle. Fast in jeder dritten Stadt stehen wenigstens die Ka­tholiken vor der Notwendigkeit, ■ eine neue Kirche bauen zu mässen. Aber wie — wenn man mit den vorhandenen, d. h. zur Zeit kärglichen Mit­teln etwas „Anständiges" erzielen will?

Da steht dann die Gemeinde im Trommelfeuer der Schlagworte: „Beton" oder ,,Stahl-Skelett­bau", „moder-.e Sachlichkeit", „Einheitsraum", „moderne Farbgevung" und dergl. mehr. Nun frage man aber jeden ehrlich Fühlenden, ob er s>ch in einem Bau mit den Formen einer Ma­schinen- oder Zeppelin-Halle so heimelig gesam­melt, traulich, geschützt, kurz: bei Gott geborgen fühlt — wie in unseren alten Domen oder Ka­pellen, von denen Wilhelm Pinder in seinem herr­lichen Buche „Deutsche Dome" sagt, das Innen­leben dieser Bauten sei von einer Stärke und kör­perlichen Nähe, die wir heute nicht mehr schaffen können!

Man sagt, wir müßten „mit der Zeit" bauen. Wenn das heißen soll, daß die Erfindungen un­serer Ingenieure und Architekten nicht umsonst gemacht sein dürfen, daß wir also heute nicht mehr so bauen sollen wie die Primitiven, so ist dieser Satz selbstverständlich. Wenn aber der G e i st der Zeit gemeint ist und dieser Geist gar keine Beziehung hat zu dem, für den wir das „Got­tes-Haus" errichten wollen, wenn er materiali­stisch-kapitalistisch ist, kurz jener Geist, der seinen echten Ausdruck findet in Bahnhofsbauten, Hoch­häusern und Fabrikanlagen? Wenn diese Bauten der „Sachlichkeit" auch die Formen der Kirchen be­stimmen, bann kommt es eben so, daß wir ein Kreuz an den Bauklotz kleben müssen, um den Nichteingeweihten darüber zu orientieren, dies sei eine Kirche und keine Brauerei. Früher be­stimmte der Kirchenbau den Profanbau, heute ist es noch in den meisten Fällen umgekehrt.

Wenn nur dieser „moderne" Baugeschmack von Dauer wäre!' Wer aber wollte leugnen, daß wir nicht heute schon wieder verwerfen, was wir gestern als „letzte Neuheit" erstrebten? Kirchen baut man 'ober nicht jedes Jahr neu. Wer will da einem Bau das Wort reden, der — wenn er nichts anderes ist als eben nur „modern" — schon für das nächste Geschlecht ein Stein des Anstoßes sein wird? Und zwar nicht nur in künst­lerischer Hinsicht! Er wird auch ein trostloses ver­düsterndes Hemmnis für das religiöse Leben der Gemeinde bedeuten. Und doch soll die Kunst des Heiligtums aufrichten, „den müden Geist neu be­leben, das leidschwere Herz erleichtern, die Seele bis in ihre Tiefe mit Freude füllen, den Blick aufwärts lenken zu dem Herrn, der die Geschicke der Welt und des einzelnen in seiner Hand hält, der erlösen und beglücken wird alle, die ihn su­chen. Eine mEngel des Trostes und der Freude gleich soll die kirchliche Kunst ihr frohleuchtendes Licht in das Dunkel des Erdenlebens hineintra- gen!"

Mit diesem Worte des bekannten Abtes von Maria-Laach, Ildefons Herwegen, kommen wir aber der Lösung der verzwickten Kirchenbau-Fvage schon recht nahe. Wir sehen: Nicht darauf kommt es an, ob der Bau modern oder nicht modern ist. Die Frage lautet: Kann er jenes seelische Glücks- gefühl in uns zum Singen bringen? Worüber man natürlich ebensowenig, wie einen modernen Sachlichkeitsfanatiker, eine Kloppe entscheiden las­sen wird, — die Gemeinde, aber nur die kerni­gen Menschen in ihr. nicht die Feigen, die aus Furcht, altmodisch zu erscheinen, vor einem Nein bange sind, — die wirklich religiösen Menschen, deren Gewissen von dem Bewußtsein durchdrun­

gen ist, daß die Kirche Wohnung fein soll des Allerhöchsten. Wer sich von diesem Gedanken füh­ren läßt und davon überzeugt sein darf, daß der Künstler selber aus religiösem Empfinden heraus schafft — was mehr ist, als einen diesbezüglichen Taufschein oorweisen können! — der wird dann auch solchem Architekten Glauben schenken, wenn dieser einen Entwurf vorlegt, der einem zunächst „fremd" dünkt. Das Genie .ist immer original, d. h. irgendwie neu, gewiß nicht originell oder gar sensationell. Der echte Kirchenbauer faßt sein Schaffen als einen Gottesdienst auf, er will nicht sich, seinen Launen nachgehen, sondern durch sein Bauwerk den Menschen näher zu Gott helfen. Deshalb schafft der echte Architekt nie rücksichtslos, er fühlt sich als Exponent des Volks­tums. Das beweist die Geschichte. Warum se­hen die Kirchen in Hamburg anders aus als in München, in Breslau anders denn in Münster? Die Romantik, die Gotik, Renaissance und Ba­rocke waren wohl europäische Stile, aber ein Be­such in Dresden, Mailand, Paris, Oxford zeigt, daß pie alles andere als international waren. „Kul­tur erblüht nur auf dem Boden der Heimat, an die sie pflanzenhaft gebunden bleibt". Das sagt der Verfasser vom „Untergang des Abendlandes", Oswald Spengler. Die Frage kann also nie sein: Beton ober Stahl. Vielmehr geben die boden­ständigen Baustoffe, das Klima, die Lebensge- wahnheiten den Äusfchlag schon im „Elementa­ren". Damit ist aber auch schon die Verbindung mit der Tradition irgendwie gesichert. Das gilt auch für die Gegenden, die wie di« Industrie­gebiete traditionslos zu fein scheinen. Ganz ab­gesehen davon, daß gerade die in Zweckmässigkeit gefesselt» Seele des Industriemenschen sich sehnt nach Schönheit, also nach Bauten, die ganz an­ders find als feine Kokereien und Walzwerke, spürt der Feinfühlende immer wieder, wie sehr in dem Land der Schlote und Hämmer an der Ruhr immer noch das Niederdeutsche lebendig ist und deshalb das sächsische oder schlesische oder westfälische Industriegebiet auch Kirchen verlangt, die mit diesen Stammeseigenarten irgendwie har­monisch zusammenklingen. Wenn es also schon keinen Typ „Jndustriechkirche" gibt, sollte man dann in einem Dorfe bauen dürfen wie in einer Großstadt. \

Man sieht, es gibt beim Bau einer neuen Kirche mehr Fragen als nur die eine: Beton oder Stahl-Glas-Kirche. Dabei Haden wir die zwar selbstverständlichen, aber so oft übersehenen noch nicht einmal angedeutet: Bauplatz, seine Lage und Größe, Grundrißanordnung, Wettbewerb oder nicht und bergt mehr. Wer nicht erst bann, wenn es zu spät ist, sehen will, welches Knäuel von Fragen sich beim Kirchenbau zusammenwickelt und auf diese Vielfalt der Fragen auch möglichst prak­tische Antworten haben will, dem tut das soeben (bei Herber, Freiburg) erschienene griffig ange­legte Buch von Dipl.-Ing. Baurat Karl F r e ck - mann bie besten Dienste, sowohl mit seinem umfaffenben Text wie ben beispielhaften Abbil­dungen. Es vermittelt dem Laien — und das ist letztlich das Entschieidende — auch Einblicke in die Gesetze der Schönheit, Wahrheiten, bie gelten, solange Menschen künstlerisch gebaut Haden. Die Schönheit entzieht sich gewiß den Worten; das ge­hört sogar zu ihrem Wesen. Und doch hat der große Benediktinerkünstler Desiderius Lenz recht: „Das Einfache, Abgeklärte, Typische, das feine Wurzeln in ben einfachen Zahlen unb Maßen hat, bleibt bie Grunblage aller Kunst". Das Wort Platos ist absolut: Wenn man das, was Btaß, Zahl unb Gewicht ist, von ber Kunst hin- megnimmt, so ist bas, was übrig bleibt, nur noch Handwerk. So verstehen wir den Ausspruch bes Rembranbt-Deutschen: „Das letzte Ziel nationaler Kunst wie Bildung bleibt stets: Monumentalität, Stil, Gebundenheit." Hermann Binder.

Organifation des Friedens.

Wie kein anderer Staat ist Deutschland seit dem Weltkrieg zum Vorkämpfer des Rechtsgedan- kens im Leden ber Völker geworden. Das gebot ihm, vor allen ideellen Erwägungen abgesehen, allein schoß sein eigenstes Interesse. Entwaffnet, tm Herzen Europas gelegen, ohne gesicherte natür­liche Grenzen, inmitten schwer gerüsteter Nach­barn mußte es alles daran setzen, gegenüber dem Machtgedanken in ber großen Politik den Rechts- gebanten mehr unb mehr zur Geltung zu brin­gen. Es mußte insbesondere Vorkehrungen tref­fen, um jeglichen Streitfall mit aitberen Staaten durch richterliche Entscheibung ober durch Ver­gleich beizulegen. Es mußte den Frieden organi­sieren, um ben Frieden zu sichern.

Was ist auf diesem Gebiet bisher geschehen? Deutschland hat vor allem eine große Anzahl von Schiedsgerichts- und Vergleichsver­trägen abgeschlossen; seit 1921 nicht weniger als 16. Unb zwar mit folgenben Staaten: mit ber Schweiz (1921), mit Schweben (1924); Finnland (1925), Estland (1925), mit Frankreich, Belgien, Polen unb ber Tschechoslowakei (1925), mit den Niederlanden (1926), mit Dänemark (1926), Li­tauen (1928), den Vereinigten Staaten (1928), Rußland (1929), der Türkei (1929), Luxemburg (1929). Diese Verträge sehen regelmäßig bei ju- ristischen Streitigkeiten, z. B. bei Konflikten über Auslegung unb Anwendung eines Vertrages usw., bie obligatorische Schiebssprechung (Schiebs- gerichtsverfahren) vor, bei politischen Strei­

tigkeiten hingegen die obligatorische Vermittlung (Vergleichsverfahren) insbesondere nach den Grundsätzen ber Billigkeit und gütlichen Ueber- einkunft.

Darüber hinaus hat Deutschland — abgesehen von ben Möglichkeiten, die die Dölkerbundssatzung selbst für dieRegelung von Streitigkeiten bietet — als erste Großmacht die freiwillige Schieds­gerichtsklausel des Weltgerichtsho' f e § im Jahre 1927 unterzeichnet. Sämtliche Staa­ten, die diese Klausel angenommen haben, — es sind bisher insgesamt 34, darunter auch Großbri­tannien — sind verpflichtet, alle R e ch t s st r e i - tigkeiten untereinander dem Weltgerichtshos zur Entscheidung zu unterbreiten. Und schließ­lich fei in diesem Zusammenhänge nicht vergessen: Deutschland Hot mit in erster Reihe den Vertrag zur Aechtung des Krieges, den sogenannten Kel­logg - P a k t unterzeichnet, einen Vertrag, dem bis heute die ganze zivilisierte Welt beigeireten ist, abgesehen lediglich von 7 süd- und mittelamerika­nischen Ländern.

Durch bie Vorgänge auf der letzten Ratstagung bes Völkerbunbes in Genf hat noch ein allgemei­nes Vertragswerk von sich reden gemachit: bie sogenannte „Generalakt e". Ihr sinb neuer» bings Großbritannien, Frankreich und einige an­dere Staaten beigetreten. Um was handelt es sich

babei? Im Jahre 1928 hat die Vollverlam^r des Völkerbundes auf Grund befonberer ^Iun9 miffionsarbeiten einen allgemeinen Bert™ Om= aufgesetzt, der eine friedliche Slustraguna nnn* 1 * 3 4 *e'?'t Hinten zwischen ben Völkern doB urh ?x°n* sich ^ber Staat burch Unterzeichnung m kann. Deutschland kann sich jedoch Reichsaußenminister erst kürzlich in GenfzumA, druck brachte, aus g r u n b s ä tz l j ^s-

g u n g e n mit dieser Generalakte nichteinn ° standen erklären. Sie sieht nämlich _ ab ® •’ fhenb von allen bisher von Deutschland abqeffWn ’ lenen Schiedsgerichts- unb Vergleichsverträgen vor, baß auch politische Konflikte zwischen Völkern auf Grund der bestehenden in ternationalen Verträge durch S ch i As* fpruch endgültig zu entscheiden sind Das bedeutet praktisch: jede lebendige Entwicklung im Leben ber Völker wirb dadurch abgedrosselt da» politische Geschehen würde auf ber Grundlage be­stehender Verträge zur Erstarrung gebracht von Verträgen die zum Teil alles andere als gereckt sind. Für Deutschland, das unter dem Zwangs­system des Versailler Friedensvertraaes leidet ist das völlig untragbar. Es wird daher zur Orga­nisierung feines Friedens den bisher mit ben Schiedsgerichts- und Vergleichsverträgen beschrit­tenen Weg auch in Zukunft weitergehen.

III

as will der Zeppelin am Nordpol?

Einige Zeitungen behaupten mit großen Schlag­zeilen: das Luftschiff fährt zu einem Stelldichein mit dem Wilkens'schen Unterseeboot „Nautilus" - also ein „Meeting am Pol". Es ist richtig: Die Führung des „Graf Zeppelin" beabsichtigt, den „N a u t i l i u s" in der Gegend des Pols zu treffen. Die Durchführung dieses Planes hat jedoch eine wesentlich tiefere Bedeutung als bie eines sensationellen Rendenz-vous an der nörd­lichen Kappe des Erdballs. Gelingt es nämlich — wozu selbstverständlich ber Funk bas größte Teil beizutragen hat —, ben „Nautilus" zu finben, so ist damit ein schlagender Beweis für die Sicherheit der Navigation auch in hohen Breiten erbracht, in denen Magnet unb Kreiselkompaß mit zuneh­mender Breite immer mehr versagen, ein Beweis, auf den die Aeroarctic (Gesellschaft zur Erforschung ber Arktis mit Luftfahrzeugen) infolge des von ihnen ausgestellten Arbeitsprogramms besonderen Wert legen muh. Diese erstmalige Studienfahrt des „Graf Zeppelin" in die Arktis dient vor allem der Prüfung folgender Aufgabenstellung: Ist es möglich, in einem späteren Zeitpunkt, sowohl auf ber Festlanbperipherie, als auch auf geeigneten Eisfeldern des Polarbeckens feste Radiowetter­stationen vom Luftschiff aus auszusetzen und.see mit dem Luftschiff zu überwachen, zu versorgen bezw. in Notfällen rechtzeitig zu unterstützen?

An einem solchen Netz von Beobachtungs­stationen in ber Arktis bat nicht nur bie Wissen­schaft, sonbern auch bie Wirtschaft ein großes In­teresse. Wissenschaftlich gilt es, eine ganze Reihe sehr wichtiger Probleme, meteorologische, o’eano» graphische, luftelektrische, erbmaanetisch«, Polar­lichterscheinungen usw. ihrer Lösung näher zu bringen. Besonbers wichtig aber sinb hierbei bie meteorologischen Beobachtungen, weil sie von einer eminent wirtschaftlichen Bebeutung sind, da die Nähe des eisbedeckten Polarbeckens von aus­schlaggebendem Einfluß auf das Klima der nörd­lichen Erdhälste ist. Hier, im Polarbecken, wird „bas Wetter gemacht", unb sobald wir dort ein synoptisches Netz von Beobachtungsstationen be­sitzen, wird unsere Wettervorhersage, auch auf längere Zeit hinaus, mit größter Sicherheit ge­stellt werben können, — eine Ansicht, bie immer wieder von Bjerknes unb Napier Shaw vertreten worden ist.

Die F l u g I i n i e bes „Graf Zeppelin" schnei­det etwa folgende Punkte: Von Leningrad aus wird Archangelsk angeflogen, bann Nowaja Sem» lja, bie Hooker-Insel auf Kaiser-Franz-Ioseph- Lanb, der nördlich vom Kaiser-Franz-Iofeph- Land stehende Eisbrecher „Malygin", ber Pol, der „Nautilus", dann wird ber erst zu einem geringen Teil bekannte Norblanb-Archipel umfahren und überquert, Kap Tscheljuskin angesteuert un dar­auf die Rückfahrt über Nowaja Semlja bezw. entlang der sibirischen Küste angetreten. Die Ex­peditionsschleife bes Luftschiffs hat eine Ausbeh- nung von etwa 10 000 Kilometer, bie in rund 100 Stunden zurückgelegt werden.

Auf der Hooker-Insel hat bie Sowjetunion 1929 eine ftänbige Beobachtungsstation errichtet unb astch auf ber Kamenew-Insel, welche 1930 von ber Sebow-Expebition mit Otto Julius Schmidt, Samoilowitsch unb Wiese an Bord ent­deckt wurde, ist eine Station errichtet worden, die unter Leitung von Urwanzeff steht. Urwanzeff und seine drei Gefächrten, die mit 60 Hunden — sie dürften sich inzwischen auf bas Doppelte ver­mehrt haben — unb Proviant und Kohlen für drei Jahre versehen sind, haben die Aufgabe, den

Norblanb-Archipel, von dem nur kleine Teile der Ostküste bekannt sind (Wilkitzky-Expedition), nach Westen hin zu durchdringen und zu ver­messen und dann über Kap Tscheljuskin nach der Heimat zurückzukehren. Es soll nun versucht wer­den, mit dem Luftschiff das ganze Forschungs­gebiet des Professors Urwanzesf zu umfliegen und ihm nach Möglichkeit Mitteilungen über die Er­

gebnisse dieser Ueberfliegung zu machen. Interes­sant ist in diesem Zusammenhang, daß bereits

Nobile beabsichtigt hat, bie Landung einzelner

Leute — wie Dr. Leonid Breitfuß in Zeidlers „Polarfahrten" mitteilt (Deutsche Buchgemeinschast Nr. 215) — mittels eines kleinen pneumatischen,

an Seilen hängenden Bootes durchzuführen. Auch die Zeppelinexpedition führt Schlauchboote mit.

vielleicht ist es möglich mit Hilfe einer solchen Einrichtung Professor Urwanzeff' an Bord zu nehmen und ihm in wenigen Stunden einen Ein­blick in sein Expeditionsgebiet zu verschaffen, zu dessen Erforschung er zu Fuß Monate braucht.

Zur Navigation des Schiffes wird man sich aller Hilfsmittel bedienen; erwähnenswert ist un­ter ihnen der seinerzeit für Amundsen zum ersten Male gebaute Eoerz-Boykowsche Sonnenkompah. Der Objektiokopf dieses kleinen Instrumentes wird von einem Uhrwerk in 24 Stunden um 360 Grad gedreht. Dieses „Kompaßperiskop" folgt also genau dem Laus der Sonne, die während des Polartages in fast gleicher Höhe um ben Horizont kreist. Mit geeigneten optischen Einrichtungen wird ein verkleinertes Bilb der Sonne auf die Mattscheibe projiziert, und es bleibt nur noch übrig, nachdem an dem Objektivkopf jeweils der gewünschte Kurs eingestellt ist, die kleine künstliche Sonne auf einem Steuerstrich zu halten, so hat man ein „Leuchtfeuer", welches ber Führung des Schiffes den Weg zeigt.

Ein anderes, auf dieser Expedition zum ersten Male verwendetes Instrument ist der von dem Russen Moltschanoff entwickelte Meteorograph, ein kleiner Freiballon, welcher einen Kurzwellensender trägt, der in bestimmten beliebig einstellbaren Zeitintervallen vollkommen selbständig Luftdruck, Temperatur und Luftfeuchtigkeit sunkentele- graphisch übermittelt. So erhält bas Schiff ohne Schwierigkeiten während ber Fahrt wichtige me­teorologische Serienmeffungen in oerschiebenen Höhen. Auch biese Messungen haben wieder nicht nur ein wissenschaftliches Interesse, sondern sind von bedeutsamem Wert für die Schiffsführung, weil ber „Funkfpruch" bes „fliegenben Meteoro­graphen" dem Schiff bie Höhenlage angibt, in ber bie Vereifungsgesahr, bie Nobiles Katastrophe herbeiführte, auf ein Mindestmaß beschränkt, wenn nicht-ausgeschlossen ist.

Es ist zu hoffen, daß diese erste Studienfahrt bes „Gras Zeppelin" ber Auftakt ist zur beschleu­nigten Lösung ber arktischen Probleme, und daß bie­der ersten Studienfahrt der Aroarctic mit dem „Graf Zeppelin" bald die des wesentlich größeren, zur Zeit im Bau befindlichen „LZ. 128" folgen wird. Herr Dr. Eckener, der Nachfolger Fridtjof Nan­sens in ber Leitung ber Aeroarctic, hat bann auch in diesem Punkte bas Erbe Zeppelins angetreten, ber bereits im Sommer 1910 mit einer Anzahl Forschern erkannte, baß bie arktischen Gebiete für bie Verwenbung des Luftschiffes besonders ge- eignet seien, sobald die Luftschiffe soweit vervoll­kommnet fein würben, baß sie mehrtägige Fahr­ten mit Sicherheit burchfiihren könnten. Das Luftschiff hat inzwischen den Erbball umkreist!

Hans D e r ft r o f f.

Frankfurter Radio-Programm.

Sonntag, 14. Juni.

7—8: Hafenkonzert aus dem Bremer Freihafen: Das große Geläute vom Bremer Dom. Präludium und Cho­ral aus dem Bremer Dom. Wach auf, Chor aus der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg". Volksszene aus „Der Cvangelimann". Aufzug der Stadtwache. Bre­mer Marsch. 8.15: Morgenfeier veranstaltet von der evangel. Freiheiter Gemeinde zu Kassel. 9.15: Stunde des Chorgesangs: „Liebe", „Wie die wilde Ros' im Wald", „Abends", „Horch, die alten Eichen rauschen". Ausführende: Gesangverein Frohsinn, Frankfurt a. M.» West. 10.45: Jugendtag der christlichen Gewerkschaften:

1. Dorspruch: „Hymne des Werkvolkes" von Heinrich Lersch. 2. Chor: „Die Himmel rühmen des Ewigen

Ehre". Gesungen vom Gesellenchor Oberursel. 3. An­sprache vom Reichsjugendleiter Voß, Berlin. Anschlie­

ßend aemeinschastliches Lied „War wir schreiten". 4. Spruch: „Das Volk der Arbeit" von Kessing. 5. Lied des Jugendchors „Wir sind jung". 11.30 von Leipzig: Reichssendung: Kantate zum 2. Sonntag nach Trini­tatis (G. A. Nr. 76). „Die Himmel rühmen die Ehre Gottes" von Joh. Seb. Bach. Mitwirkende: Das Städt. und Gewandhaus-Orchester, Leipzig, der Thomanerchor. 12.15: Schallplattenkonzert: Puccini-Konzert: 1. „Ma- non Lescaut". 2. „Madame Butterfly". 3. „Tosco".

4. „La Boheme". 5. „Turnadot". 14: Stunde des San» des: 1. „Die richtige Heuernte". 2. „Entlastet die Haus­frau!" 15: Stunde der Jugend. 16 aus Wiesbaden: Konzert des Kurorchesters: Ouvertüre zur Oper „Rienzi". Scenes Hongroises (zweite Suite). Fantasie aus der Oper „Die verkaufte Braut". 18: Erlebte Geschichten von Andreas Zeitler: 1. „Creß ertrinkt". 2. Erlebnis am schwarzen See. Vorgelesen vom Verfasser. 18.25: aus der Elisobethenkirche Marburg. 19.30: Bunter Abend. 20.45 aus Cannstadt: Blasmusik des Philhar­monischen Bläserorchesters. 22 aus Mannheim: Jazz auf zwei Flügeln. 22.50—24: Tanzmusik.

• Montag, 15. 3uni.

7.30 aus Bad Orb: Konzert des Kurorchesters. 11.50: Schallplattenkonzert. 16.30 aus Schlangenbad: Konzert

des Kurorchesters: Csardas aus der Oper „Der Geist des Wojwoden" von Großmann. Fantasie aus der Oper „Cavalleria rufticana. Potpourri aus der Operette „Das Veilchen von Montmartre" von Kalman. „Wir 13 Mann", Marsch aus dem Tonfilm „Die letzte Kompag­nie" von Benatzky. 18.15: Vollmenfch und Rollmensch in Henrik Ibsens „Brand" und „Peer Gynt", Vortrag von Clemens Taesler. 18.45: „Vom Fliegen", Gespräch zwischen Kapitän, Leiter eines großen Flugplatzes und Fahrgast bei Rückkehr von transalpiner Strecke. Vor­trag von Ernst Fuhrmann. (In Zusammenarbeit mit der Frankfurter Zeitung.) 19.45: Konzert des Rundfunk­orchesters. Ouvertüre zu „Les deux vieilles gardes" von Leo Delibes. Konzertstück op. 39 für Harfe mit Or­chesterbegleitung von G. Pierne. Ouvertüre zu „La perle du Brksil" von Felicien David. Auoertüre zu „Fo- tinitza von F. v. Suppe. Operettenlieder. 21.20: Die Ede'rtalsperre (Hörbild). Leitung und einführende Worte: Dr. Paul Laven. 22: Nach Leipzig: Zeitbericht. 23—24: Tanzmusik.

Dienstag, 16. Juni.

7.30 aus Bad Orb: Konzert des Kurorchesters. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20—15.50: Hausfrauen-Nach- mittag, veranstaltet vom Frankfurter Hausfrauenverein e. D. 16.30: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. Einzug der Gäste auf der Wartburg aus der Oper „Tann­häuser" von Wagner. Ballettmusik aus „Rienzi" von Wagner. Liebesgedicht, Walzer von Waldteufel. Ouver­türe zur Operette „Flotte Bursche" von Suppe. 18.15: „Der erste Sozialist (Saint Simon)", Vortrag von Dr. Ludwig Marcuse. 19.15: Hörbericht aus dem Kriminal­museum. 20: Unterhaltungskonzert des Philharmoni­schen Orchesters Stuttgart. 20.45: Frech wird der Junge auch noch! Hörmodell von Wolf Zucker und Walter Benjamin. 22.15 aus Karlsruhe: Deutsches Dolkslicderfpiel von Hermann Zilcher.

Mittwoch. 17. Juni.

7.30 ans Bad Salzschlirf: Konzert des Kurorchesters. 10.20: Schulfunk: „Wo machten Deutsche Welt­

geschichte?", Vortrag von Professor Fedor Schneider. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20: Stunde der Jugend. 16.30: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. Ouvertüre zur Oper „Die Nürnberger Puppe" von Adam. Ouvertüre zur Oper „Der Kalif von Bagdad" von Boieldieu. Suite von Verhey. Telefunken-Pot­pourri von Morena. Heute stehl ich deine Liebe, Tango von Meisel. 18.15: „Statistik in Bildern", Vortrag von Otto Neurath, Direktor des Gesellschafts- und Wirt- fchastsmuseums, Wien. 18.45: „Die Suche nach dem Eldorado", Vortrag von Fritz Jäger, Stuttgart-Leipzig. 19.15: „Schulbegabung, Studienbegabung und Berufs­begabung", (Vortrag des akademischen Berufsamts Tü­bingen). Don Dr. Vreitinger. 19.45: Heitere Plauderei von Gustav Jacoby. 20.20 vom Kurhaustheater Bad Homburg: Sinfonie-Konzert. Ouvertüre zu „Die ver­kaufte Braut" von Fr. Smetana. Violin-Konzert Nr. 4 d-moll, op. 31 von Henri Dieuxtemps). Symphonie in D-Dur, op. 60 von Anton Dvorak). 21.45: Die Hand, die Samstags ihren Besen führt . . . Ein heiteres Spiet für verträgliche Leute von Hans Funk.

Donnerstag, 18. Juni.

7.30 aus Bad Salzschlirf: Frühkonzert des Kur- orchefters. 10.30: Schulfunk. 11.50: Schallplattenkon­zert. 15.20: Stunde der Jugend. 16.30: Nachmittags­konzert des Rundfunkorchesters: Ouvertüre zu Goethes „Egmont": Freudvoll und leidvoll; Die Trommel gerüh-

ret. Musik zu einem Ritterballett von Beethoven. Arie aus „Gärtnerin aus Liebe"; Arie der Despina aus „Cosi san iutte" von Mozart. Ouvertüre zu dem Schauspiel ' „Die Zauberharfe" von Schubert. Die Teilung der Erde von Haydn. Archibald Douglas von Löwe. 18.15: Das vornehme Hotel. Eine Oeschichte von Zesider Koszto- lany. Dorgelesen vom Autor. 18.45: „Politische Vor­aussetzungen der Demokratie", Vortrag von Frank Glatzel, M. d. R., Berlin. 19.15: „Sophokles in unserer Zeit", Vortrag von Studiendirektor Dr. Weinstock, Frank­furt a, M. 19.45: Amerikanische Marsch-Musik. 20.15

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von Trier: (Nach München): Reichstagung des kath.Män­ner- und Jungmännerverbandes. 21: Thomas Mann lieft aus feinem unvollendeten Roman „Joseph und feine Brüder". 22.20: Stunde der Kammermusik: Sonate in h-moll für Klavier und Violine von Bach. Sonate in A-Dur für Klavier und Violine von Mozart. 23.15 bis 24: Tanzmusik.

Jreifog, 19. Juni.

7.30 aus Bad Nauheim: Frühkonzert des Kur­orchesters. 11.50: Schallplattenkonzert. 16.30 Nachmit­tagskonzert. 18.10: Stunde des Films: „Douglas Fair- banks" oder Aesthetische unb ethische Möglichkeiten des Kinos, Vortrag von Horace Melon. 18.45: Aerztevortrag: „Malaria". 19.15 von Freiburg: Volksmusik des Frei­burger Handharmonika-Clubs und Freiburger Zither- quartetts. 19.15: 's Urahndl. Ein Hörspiel von Rudolf Greinz. 20.15: Symphoniekonzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 21.15: Schwedischer Abend. Zu­sammengestellt von Fritz Wilm Wallenborn. Schwe- bischer Armeemarsch und Reveille. Einleitende Worte. Schwedische Lieder für eine Altstimme mit Klavierbeglei­tung. Schwedische Lyrik. Das Mädchen, das Gold aus Lehm und aus Schütten Stroh spinnen konnte. Schwe­dische Volkssage. Aus Upland. Volkstänze (für 2 Gei­gen). 22.35—24 aus Cafe Wilhelmsbau: Tanzmusik der Kapelle Farkas Miska.

Samstag, 20. Juni.

7.30 aus Bad Nauheim: Frühkonzert des Kurorche- fters. 10.20: Schulfunk. 11.50: Schallplattenkonzert,- 15.20: Stunde der Jugend. 16.30: Stadtpark Mainz: Anläßlich der Gutenbergfeier: Konzert des Mainzer Be­rufsmusiker-Orchesters. Nachmittagskonzert des Rund­funkorchesters: Ouvertüre zur Oper „Die Jialienerin tn Algier" von Rossini. Fantasie aus bet- Oper „Madawe Butterfly" von Puccini. Intermezzo sinsonico aus der Oper „Cavalleria rufticana" von Mascagni. Csardas aus der Oper „Der Geist des Woiwoden" von Groß­mann. 18.10: Ein Dreigespräch zwischen Gymnasiasten und Direktor Majer-Leonhardt. 19.45: Anekdoten, ge­lesen von Theodor Brandt. 20 aus dem Nationaltheawr Mannheim: Cosi fan tutte. (So machens alle.) Storni!®6 Oper in 2 Akten von W. A. Mozart. Nach dem Ita­lienischen des Lorenzo da Ponte. 22.50: Tanzmusik.