bringen. Ms Brehler und Neidert aber zahlen sollten, stellte sich heraus, daß sie keinen Pfennig Geld hatten. Daraus, daß Ritz dann die Vergleichssumme von 22 800 RM. mit den Geldern des 2. B. Neuhof zahlte, um Brehler und Neidert aus ihren Verpflichtungen loszube- kommen, kann man nicht schließen, daß Ritz an den Gründungsverhandlungen aktiv teilgenommen hat. Neuhof hatte allen Grund, reinen Tisch mit Dr. Klenner und Dr. Malchus zu machen, durch dessen Hände große Summen von „wilden Wechseln" (was ist das?) gegangen waren. Eine Untreue des Ritz gegen Neuhof komme also hier nicht in Frage. Interessant ist, daß Frhr. v. Malchus damals schon den Ritz bei seinem Aufenthalt in München vor Brehler gewarnt haben will. Er will zu ihm gesagt haben:
«Nehmen Sie sich in acht; es würde mir leid tun, wenn ich einmal erfahren müßte, daß Sie durch Brehler unter
die Räder gekommen sind."
Auch in dem Fall Fleiner Mühle lehnt Frhr. v. Malchus für seinen Mandanten den Dorwurf des Betruges ab. Zum Uhlmannblock meinte der Verteidiger, das ganze Geschäft sei eine Folge der Beziehungen Brehlers zu Münchener Geschäftsleuten minderen Schlages. Hesselberger und Engelberger seien Leute, bei denen man sagen muß: „Vorsicht angebracht". Dr. Scherer behauptet, daß er nicht gewußt habe, daß bei dem Kauf des Uhlmannblocks noch 36 000 RM. Barauslagen für Neuhof entständen. Er hätte sich aber sagen müssen, daß ein so wertvolles Objekt nicht einfach umsonst zu haben ist. Ritz hatte nicht die Absicht, Neuhof zu schädigen. Es steht doch fest, daß alle, Brehler, Ritz und Dr. Scherer von den Münchenern betrogen worden sind. Unbegreiflich sei es, daß Dr. Scherer später den Uhlmannblock einfach fallen ließ.
Man könne dem Ritz allein nicht die Schuld an den Verlusten, die für Neuhof eingetreten sind, zuschieben.
Auf die weiteren Ausführungen des Verteidigers zu den Straftaten des Ritz einzugehen, würde zu weit führen. Wir möchten nur noch einige allgemeine Bemerkungen wiedergeben. Frhr. v. Malchus stellte sich auf den Standpunkt, daß nach einer weniger rasch abgeschlossenen Voruntersuchung ein großer Teil der vorliegenden Beschuldigungen von vornherein nicht Gegenstand der Anklage geworden wären. (Die Voruntersuchung hat eigentlich lang genug gedauert!) Es ist Tatsache, daß der Komplex wirklich strafbarer Handlungen ein sehr enger ist. Zwischen leid)tfinniger Wirtschaft und strafbarer Handlung ist ein sehr weiter Unterschied.
Es war ein großer Unfug, daß man einem so jungen Menschen von 21 Jahren die Verwaltung von so viel Geld in die Hand gab, ohne ihn zu beaufsichtigen.
Das war ein Fehler der Menschen, die ihn mit der Abwicklung betrauten. Er ist ein Opfer der Erziehung s- und Aussichtslosigkeit geworden. „Lassen Sie, meine Herren Richter, den jungen Ritz nicht die Fehler entgelten, die unter den Augen der Leute begangen worden sind, die an verantwortlicher Stelle standen. Heute sagt Ritz selbst: „Es ist ein Glück für mich, daß ich nicht in den Verhältnissen geblieben bin. Sonst wäre ich ein Lump geworden!"
„Ritz hak viel guk zu machen, urteilen Sie nicht zu hark, sonst zerbrechen Sie ein junges Menschenleben, das wieder ausgerichtet werden könnt"
Sicher könnte Ritz seine Position in dem augenblicklichen Strafprozeß verbessern, wenn er Zugeständnisse machte, aber weder Ritz noch er seien in der Lage, etwas zu sagen, was sie zu sagen nicht berechtigt wären, weil die Zurücknahme Der ausgestellten Behauptungen eine Unwahrheit wäre. Ich verteidige Ritz nicht, wo er im Unrecht, sondern da, wo er im Recht ist. Ritz ist kein Mensch, der andere verleumdet; er ist kein Schuft. Man hat ihn mit einer großen Aufgabe betraut, der er nicht gewachsen war. Er hat nicht die großen Kenntnisse, die ihm der Staatsanwalt andichtet. Und dann ging er in die Schule des Herrn Brehler. Als dann der Zusammenbruch gekommen war, wurde der junge Ritz in Untersuchungshaft genommen, die anderen blieben m der Freiheit. Im Frühjahr des Jahres 1930 griff Dr. Scherer in die Neuhofer Sache ein, die im Gange war. Es wäre Ritz bei der Leichtigkeit, mit der er in Kassel Geld bekommen konnte, nicht schwer gefallen, wenn er gewollt hätte, viel Geld beiseite zu schaffen. Denn mit dem (Selbe wurde anfangs geradezu geaast. Auf einmal versiegte der Strom und der Zusammenbruch war da. Der Junge war zu großspurig geworden. Das Geld, das er in Händen hatte, ließ in ihm einen unseligen
Machtdünkel und eine Großmannssucht groß werden. Ritz ist nicht so abgefeimt und nach einem bestimmten Plan oorgegangen, wie es ihm der Staatsanwalt vorwirft. Brehler, der doch überall dazwischen steckte, hätte ihn aufmerksam machen müssen, wenn er fehlte.
Zum Schluß bat der Verteidiger um ein mildes Urteil und beantragte Bewährungsfrist für feinen Schützling.
Der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Bellenberg, bemerkte, in der Verteidigungsrede des Frhrn. v. Malchus feien einige Ausdrücke gefallen, die hierzulande vor Gericht nicht gebräuchlich sind. Er habe sie aber nicht gerügt, weil sie offenbar in Bayern ein Bestandteil! der Umgangssprache feien.
Der Sfaafsanroatf
nahm in einer kurzen Erklärung Stellung zu den Ausführungen des Verteidigers hinsichtlich Der juristischen Fragen. Die Ansicht, daß zum Begriff der Untreue die Absicht die Schädigung notwendig sei, fei unhaltbar. Es genügt, daß der Angeklagte das Bewußtsein der Schädigung gehabt hat. Weiter bemerkte der Staatsanwalt,
et habe in seiner langen Anwalkskäkigkeik noch nie erlebt, daß ein Angeklagter so viele grundlose Verdächtigungen und Anklagen gegen andere Menschen erhoben habe, wie
der junge Ritz.
Noch kurz vor der Hauptverhandlung habe Ritz jun. wieder einmal ein „Geständnis" ablegen wollen, es bestand in einer Anzeige gegen D r. Scherer.
Nach der Mittagspause, die eine halbe Stunde dauerte, fand sich um 1 Uhr der Gerichtshof wieder zusammen, um zunächst die Verteidigungsrede des
Rechtsanwalt Lump für den Angeklagten Brehler entgegenzunehmen. Er beantragte Freispruch. Auch der Verteidiger des Angeklagten S e m m l e r, Justizrat Pfeiffer, plädiert für Freispruch feines Mandanten. Rechtsanwalt Dr. Wieser- Kasfel führte in einer logisch klar aufgebauten Rede aus, daß
Oberbuchhalter Sachse
aus Kassel von der Raiffeisenbank in Kassel nur deshalb auf der Anklagebank sitze, weil ervonRitzin derun- glaublichsten Weise verleumdet worden s e i. Sachse habe deshalb seine Stellung verloren. Auch er beantragte Freisprechung des Sachse. Ebenso endete das Plädoyer des Rechtsanwalts Lump über die Anklagepunkte der früheren Vorstandsmitglieder des DV Neuhof, Möller und Heil mit dem Antrag auf Freisprechung der beiden Angeklagten.
Um allen Angeklagten gerecht werden zu können, werden wir morgen auf die Verteidigungsreden noch näher eingehen.
Frhr. v. Malchus nahm danach noch einmal kurz Stellung zu den heftigen Angriffen der übrigen Verteidiger,
Wie wird das Wetter?
Das Druckgefälle über Mitteleuropa hat sich durch die Auffüllung des ozeanischen Tiefdruckgebiet sehr abgeflacht. Bei ziemlich hohem Luftdruck hat daher die Niederschlagstätigkeit fast völlig ausgehört und bei vielfach aufgeheitertem Himmel erreichten die Temperaturen in Süddeutschland am Donnerstag stellenweise 30 Grad. Die starke Erwärmung führt allerdings zur Ausbildung flacher Druckstörungen, die stellenweise örtliche Gewitterbildung begünstigen, doch wird sich im ganzen die ein- getretene Schönwetterlage noch befestigen.
Witterungsau-sichten für Samstag: Weiterhin warmes und vorwiegend trockenes Wetter wahrscheinlich.
vor allem von Dr. Wieser-Kassel und Rechtsanwalt Lump-Fulda. Er müsse die Ausdrücke, wie „ehrlos" und „charakterlos" und ebenso den Vorwurf, daß Ritz gewissenlos und systematisch verleumdet habe, zurückweisen. Ebenso sei die Behauptung unbewiesen, Ritz sen. habe seinem Sohne etn einträgliches Pöstchen zuschiel> en mol- len, indem er durchsetzte, daß Ritz jun! mit der Abwicklung betraut wurde, unbewiesen. Man habe zuerst Etzel die Abwickelung übertragen wollen, dieser habe aber ab« gelehnt. Zum Schluß
gaben die Angeklagten kurze Erklärungen
ab. Brehler führte aus, daß er nie etwas zum Nachteil Neuhofs getan habe und daß Neuhof durch ihn auch keinen Schaden erlitten habe. Er beantragte für sich Freispruch. Möller sagte, er sei sich nicht bewußt, eine strafbare Handlung begangen zu haben. Hätte er gewußt, welch große Verantwortung er als Vorstandsmitglied trage, so hätte er die Arbeit nicht auf sich genommen. Sachse versicherte, daß er nie eine strafbare Handlung begangen tjabe.
R i tz bat um ein mildes Urteil und um die Berücksichtigung feiner wirtschaftlichen Verhältnisse.
Nach fast zehnstündiger Dauer der Verhandlungen vertagte sich bann bas Gericht a u f Montag vormittag 9% Uhr zur Urteilsver- k ü n b u n g. ________________
Aus dem Gerichtssaal.
2 Jahre 6 Monate Gefängnis für einen Mokorrad- bieb. — Sofortige Verhaftung wegen Fluchtverdachts im Sitzungszimmer.
Der trotz feiner 27 Jahre schon sehr häufig mit Gefängnis, in 1925' auch mit 1 Jahr 3 Monaten Zuchthaus vorbestrafte Wohlfahrtsarbeiter Hch. Beck, gebürtig von Hilders, hier wohnhaft, stand gestern vor dem Großen Schöffengericht. Ihm wurde nicht nur der Diebstahl von 3 Motorrädern, sondern auch der Diebstahl von 3 Fahrrädern, die er in Fulda begangen hatte, zur Last gelegt. In der gestrigen Verhandlung konnte ihm nicht nachgewiesen werden, daß er bei dem Diebstahl der 3 Fahrräder beteiligt war, sie sollen von dem jugendlichen S. ausgeführt worden sein. Bezüglich der 3 Motorräder gelang es, B. zu überführen. Es handelt sich um folgende Motorraddiebstähle: am 16. Februar d. I. von der Kegelbahn auf Hohen- zollern, am 6. März aus der verschlossenen Stal-
Gottesdienst-Ordnung
Berlin.
wurde aus dem reichte N. eine
n Grunde verworfen. Nun üniqung des Kulturamtes
Evangelische landeskirchliche Gemeinschaft, Fnlda.
Sonntag, 14. Juni, abenbs 8 Uhr Evangelisationsversammlung: „Sieger im Kampfe der letzten Zeit". — Freitag abend 8.15 Uhr Bibel- und Gebetstunde.
Die übrigen Wochentage um 7.05 hl.Messe m. Komm.-Austg Frauenberg. Heilige Messen von 5 bis 7 Uhr. 8 Uhr Bruberfchastsmesse mit Predigt und Murg. Gebeten. 9 Uhr Hochamt mit Predigt. Nachmittags l'=3 Uhr Predigt und Andacht für die Frauengemeinde des 3. Ordens mit Einkleidung und Profeß; Erteilung des Päpstlichen Segens. Abends *'18 Uhr Herz-Jesu-Andacht mit kurzer Predigt. (Während des Monats Juni findet jeden Abend, an den Werktagen um 8 Uhr, an den Sonn- und Feiertagen um 1/88 Uhr eine öffentliche Andacht zum göttlichen Herzen Jesu vor dem ausgesetzten Allerheiligsten statt, am ersten und letzten Juni, sowie an den Sonn- und Feiertagen mit einer kurzen Predigt. — Die Nachmittagsandachten an den Dienstagen und Freitagen fallen in diesem Monat aus.) - Neuenberg. V«9 Uhr Amt mit Predigt. Dielershan. 8 Uhr Amt mit Predigt. Lehnerz. 7»10 Uhr Amt mit Predigt.
das Ueberhandnehmen derartiger Fälschungen schärfer vorgegangen werden müßte. Das Urteil lautete auf 3 Monate Gefängnis. Mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte geständig war, soll ihm nach Verbüßung von einem Monat Gefängnis bet guter Führung der Rest der Strafe ausgefetzt werden.
Der zweite Fall betraf den 40jährigen verhei. rateten, erwerbslosen I. N. wohnhaft in B. N., der über 16 Morgen Land besitzt, war im Dezember o. Js. um Arbeitslosenunterstützung beim Arbeitsamt Fulda eingekommen. Der Antrag wurde abschlägig beschieden. Auch der Einspruch N.'s bei der Spruchkammer des Arbeitsamtes
Evangelischer Gottesdienst.
' Sonntag, 14. Juni (2. Sonnt n. Irinitas).
Bäder und Kurorte.
= Die Saison in Bad Orb. Em Beweis dafür, daß sich das Interesse des Publikums immer mehr auf bie tatsächlichen Heilbäder konzentriert, ist die steigende Frequenz des idyllisch gelegenen, meigen seines überaus gesunden Klimas und seiner vortreftlichen Quellen bekannten Speffartb.abes Orb. Die Trinkkuren, bie Kurkonzerte und die Babehäuser zeigen regen Verkehr. Bis zum 1. Juni 1931 sind allein schon 2842 Kurgäste gezählt worden. Einen besonderen Zustrom hat bie erste Juniwoche gebracht. Die Kurkonzerte werben vom Leipziger Philharm. Orchester bestritten, und bas Ensemble des eigenen Kurtheaters ist glücklich gufammengeftellt. Symphoniekonzerte mit erstklassiger Solistenbesetzung und Arien- und Liederabende von Kammersänger Gläser, Frankfurt a. M. und Lohmann, Darmstadt sind für die nächsten Wochen vorgesehen. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich bie Kurparkbeleuchtungen, bei denen der ganze Park in 9000 lebenden Lichtern erstrahlt.
Hersfeld ein, aus der jedoch drei Posten vorher ausgeschnitten waren, sodaß darnach N. nur 12 Morgen Land besitzen sollte. Auch diese äußerst plumpe Fälschung war von dem Arbeitsamt Fulda sofort entdeckt worden. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte gegen den Angeklagten insgesamt 5 Monate Gefängnis. Das kleine Schöffengericht verurteilte N. wegen Urkundenfälschung und versuchten Betrugs zu drei Monaten Gefängnis und wegen Beamtenbestechung zu 20 Mark Geldstrafe Cs erging weiter der Beschluß, daß nach Verbüßung von 14 Tagen Gefängnis die weitere Gefängnisstrafe ausgesetzt werden soll.
verstoß gegen das SprengstoffgHeh.
Auf Grund einer Mitteilung erfuhr die Landjägerei, daß der jetzt erwerbslose 37jähr. Maurer A. B. aus der Nähe von Tann Sprengstoffe auf« bewahre. Bei einer Haussuchung fanden die Beamten auch in einer alten Kiste, eine Anzahl Patronen sowie ein Stück Zündschnur. Wegen Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz wurde der Angeklagte vom kleinen Schöffengericht zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt. Mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte noch nicht vorbestraft ist und nur aus Leichtsinn und Unerfahrenheit gehandelt hatte, soll ihm bei Zahlung von 15 Mark Buße die Strafe auf zwei Jahre ausgesetzt werden.
lung des Pferdehändlers Katzmann und am 14. März aus der verschlossenen Werkstatt der Firma Wald u. Link. Die beiden ersten Motorräder wurden von Beck und S. abmontiert und einzelne bessere Teile für zusammen nur 28 Mark verkauft. Die wertlosen Teile wurden in die Fulda geworfen. Mit dem 3. Motorrad machten Beck u. S- gemeinsam Vergnügungsfahrten nach Offenbach und nach anderen Orten, bis es wegen eines größeren Defektes auswärts abgestellt wurde. B. behauptet, die Diebstähle aus Not begangen zu haben. Wegen der 3 Fahrraddiebstähle beantragte der Vertreter der Staatsanwaltschaft selbst die Freisprechung, dagegen wegen der 3 Motorräderdiebstähle mit Rücksicht auf die Vorstrafen des B. eine Gesamtzuchthausstrafe von 3 Jahren 6 Monaten. Das große Schöffengericht verurteilte den Angeklagten wegen zweier schwerer und eines einfachen Diebstahls im Rückfalle zu einer Gesamtgefängnisstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten. Bezüglich der gestohlenen 3 Fahrräder erkannte auch es auf Freisprechung. Mit Rücksicht auf die Höhe der Strafe und da Fluchtverdacht vorliegt, erließ das Gericht sofort einen Haftbefehl. Der Verurteilte, der mit dem Urteil nicht zufrieden ist. wurde sofort in Untersuchungshaft abgeführt. Unter wüsten Schimpfworten gegen die Justiz verließ er in Begleitung des Strafanstaltsbeamten das Sitzungszimmer.
Urkundenfälschungen zwecks widerrechtlicher Erlangung von Arbeitslosenunterstützungen.
Es mehren sich wieder die Fälle, in denen sich die Erwerbslosen selbst falsche Bescheinigungen aas- stellten, um Erwerbslosen-Unterstützung zu erhalten. Das gestrige kleine Schöffengericht hatte sich mit zwei derartigen Fällen zu beschäftigen. Im ersteren Falle handelte es sich um den 34jährigen verheirateten W. H. aus Sch. Das Arbeitsamt erkannte die Fälschungen jedoch sofort. Die Folge war, daß H. keine Erwerbslosenunterstützung erhielt, dafür aber eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen Urkundenfälschung und versuchten Betrugs. Der Vertreter der Staatsanwaltsckaft beantragte eine Gesamtgefängnisstrafe von 4 Monaten. Das Gericht war gleich dem Vertreter der Staatsanwaltschaft der Ueberzeugung, daß gegen
Deutscher Liedertag
am 28. 3unl.
Im letzten Heft der Deutschen Sängerbundeszeittmg erschien ein Aufruf des Vorsitzenden bes DSB., Geheimrat Dr. Kari Hammerfchmidt, dem wir folgenbes entnehmen:
„Der erste Liebertag hatte einen erfreulichen Erfolg. In der weiten Sängerschaft hält man es darum bereits für selbstverständlich, daß aus dem wohlgelungenen Versuch eine bleibende Einrichtung werden muß. Einmal im Jahre, wenn die Natur vom frischen Grün und in Blüten prangt, sollen allüberall. in Stadt und Land volkstümliche Lieber im Freien erklingen und der aufhorchenden Menge von neuem zu Gemüte führen, welches Kleinod das deutsche Volk in seinen alten und neuen Weifen besitzt. Wir wollen mit unseren Liebern den Weg auch zu den Volksschichten finden, die nicht die Konzertsäle aufsuchen und auch anderen gesanglichen Veranstaltungen fern bleiben. Sie sollen hören und empfinden, daß der Gesang auch ein bedrücktes Herz zu edler Freude erhebt und seine Sorgen und sein Leid zu mildern vermag. Zumal in unserer bösen Zeit, wo äußere u. innere Not die Menschen zu verbittern und zu verkümmern droht, soll das Lied als stärkste Ausdrucksform des Innenlebens, unter freiem Himmel in frohen Klängen uns bedeuten, daß wir nicht erliegen dürfen, sondern uns aufrecht erhalten müssen, für uns selbst und für eine bessere Zukunft unseres Vaterlandes. Vom zweiten L i e b e r t a g, der aus Sonntag, den 28. Juni angefetzt ist, dürfen mir sicherlich nach dem Umfang der Beteiligung und in der ganzen Ausgestaltung einen bedeutsamen Fortschritt erwarten. Am Liebertag kann und muß auch so recht sichtbar in Erscheinung treten, daß der Pflege des Liedes eine einigende und ausgleichende Kraft innemohnt, die uns fühlen läßt, daß wir in der Tat San» gesbrüber find. Wir geben uns der frohen Hoffnung hin, daß der Liebertag überall, wo deutsche Sänger zu» fammengefchlossen find, wiederum ein Ehrentag des deutschen Liedes werben und diesem viele neue Freunde gewinnen möge!" ______________
Die Probleme der Krebsbehandlung.
Zwei Vorträge aut der Tagung des Landesverbandes Hessen und Hessen-Nassau Im tzaupkverbande deutscher Hrankenkassen in Hanau.
. . , Herr Pfarrer Thiel- Dienstag 8 Uhr abends Kirchenchorprobe im Gemeindehaufe. — Mittwoch keine Andacht im Altersheim „Emmus". 8 Uhr abends Bibelstunde im Schwefternhaufe. Donnerstag 3 Uhr nachm. Ausflug des Mütterverein nach der Grillenburg. — Bad Salzschlirf: Donnerstag 5.45 Uhr nachm. Bibelstunde in der Kirche.
fung der Krebskrankheit ins Leben gerufen worden. Die Wissenschaft ringt hier, so führte Professor Dr. Caspary zum Schluß aus, mit einem überaus mächtigen Feind. Ihr Stand ist ein schwieriger, aber es steht fest, daß auf diesem Gebiet mit Aufbietung aller geistigen Kräfte, und zwar in allen Kulturländern mit Hochdruck gearbeitet wird. Ob und wie weit diese Arbeiten von einem endgültigen Erfolg gekrönt sein werden, das müssen wir bescheiden der Zukunft überlassen.
Anschließend sprach Obermedizinalrat Dr. Kupf erbe r g-Mainz über das Thema:
Die Krebskrankheiten und ihre Bedeutung in der Sozialversicherung.
In seinen ebenfalls mit großem Interesse aufgenommenen Ausführungen erwähnte der Redner, daß in Deutschland stündlich 8 Menschen an Krebskrankheit sterben. Die Sterbefälle an Krebs seien heute schon höher als diejenigen an Tuberkulose. Was die Behandlung des Krebses erschwere, sei die Angst vor dem Messer. Das ganze Geheimnis der Krebsbehandlung stehe und falle mit der frühzeitigen Behandlung. Heute könne man sagen, daß bei 80 Proz. aller Krebskranken die Behandlung zu spät vorgenommen würde. Uebrigens würden alle Krebsformen, die mit dem Finger und dem Auge erfaßt werden könnten, durch Bestrahlungen erfolgreicher behandelt als mit dem Messer. Von hohem Wert fei die Radiumbestrahlung. Da nun Radium sehr teuer fei (das Gramm kostet 250 000 Mk.), fei zu beachten, daß das in Deutschland hergestellte Mesothorium (das Gramm kostet 180 000 Mk.) die gleiche Heilwirkung besitze. Wenn auch die Anschaffungspreise für Bestrahlungsmaterial beträchtlich feien, so müsse doch andererseits berücksichtigt werden, daß bei frühzeitiger Behandlung von Krebskranken durch Strahlenbehandlung den Kaffen enorme Kosten für Krankenhausbehandlung und Operationen erspart blieben. In 20 bis 30 Jahren fei die Strahlenbehandlung so weit vorgeschritten, daß keine Operation bei Krebskranken mehr notwendig sei. Der Krebs werde in Zukunft die Krankheit fein, die die Krankenkassen am stärksten belaste. Aufgabe der Krankenkassen sei es, aufklärend zu wirken, auf die Ursachen und Gefahren des Krebses aufmerksam zu machen und vor allem darauf hinzuweisen, daß nur bei frühzeitiger Behandlung der Krebs dauernd geheilt werden könne. Das Unglück des Krebses fei, daß er in den ersten Jahren der Erkrankung keine Schmerzen bereite und somit der Krebskranke nicht sofort ärztliche Behandlung aussuche. Vom vierzigsten Jahre ab müßten sich eigentlich alle Menschen wenigstens jährlich einmal untersuchen lassen, um festzustellen,ob sie nicht krebskrank sind, i
Tagungen.
--- Tagung der öffentlichen Arbeitgeber Deutschland«. Die 11. Mitgliederversammlung des Reichsverbandes kommunaler und anderer öffentlicher Arbeitgeberverbände Deutschlands findet am 13. Juni in Marburg a? d. Lahn statt. Ueber die Arbeit des Reichsverbandes im Geschäftsjahr 1930-31 und künftige Ausgaben, insbesondere im Hinblick auf die neue Notverordnung, wird auf der Tagung, die unter dem Vorsitz von Bürgermeister Dr. Elsaß-Berlin steht, Stadtrat a. D. Dr. Stern« berg-Raafch-Berlin berichten. Neben internen Fragen sieht die Tagesordnung u. a. vor die Bildung eines Tarifoerbandes aller öffentlichen Arbeitgeber (Reich, Länder und Gemeinden): das Referat hierüber hat Senatsrat Dr Kaven-Hamburg Stadtrat und Oberbau« direktor Sametfchek-Augsburg spricht zum Thema „Arbeitszeitverkürzung in den Verwaltungen und Betrieben der öffentlichen Hand." Die Frage des „Urlaubs für Jugendliche" behandelt Bürgermeister Dr. Wempe« Schwerin. Einen Bericht zur Verordnung vom 10. 12. 20 wird Oberbaurat Staude-Bremen erstatten. Der Vorstand des Reichsverbandes hält am 12. Juni ebenfalls in Marburg eine Sitzung ab. Die Arbeitsausschüsse treten am 11. 6. zusammen.
Zuschriften aus unserem Leserkreis.
Für die hier erfolgenden Veröffentlichungen übernimmt die Schriftleitung nur die durch das Preßgefetz vorgeschriebene Verantwortung.
Störung im Rundfunk. Seit einigen Tagen werden, die Rundfunkhörer im Kohlhäuserfeld, Moselstraße, Mainstrahe, Ronsbacherstraße usw. in ganz unerhörter Weise beim Empfang gestört. Besonders kraß waren die Störungen, die wahrscheinlich von einem Nähmaschinenmotor oder einem Heilgeröt ’yrrü'bren, ant Sonntag, den 7. und Mittwoch, den 10. Juni. An beiden Tagen war ein Empfang infolge dieser Störungen ganz unmöglich. Dem Störer scheint nicht bekannt zu sein, daß eine derartige Handlung strafbar ist. Die maßgebende Behörde bitten wir, hier mal nach dem Rechten zu sehen. (Folgt Unterschrist.)
katholischer Gottesdienst.
Sonntag, den 14. Juni 1931.
Fulda. Dom. Beichtgelegenheit: Samstag morgens oon 7.6 Uhr an, nachm. von 2—3 Uhr für die Kinder, *'s5—7f und von */i8 Uhr an für die Erwachsenen, Sonntag morgens von ’/»6 Uhr ab. Gottesdienste: 7,6, 6, 7s7 und 7 Uhr hl. Messen mit Gelegenheit zum Empfang der hl. Kommunion. *'«7 Uhr Messe und Kommunion des Jungmänneroereins in der Marienkapelle. 8 Uhr Pfarr- amt mit Predigt und Kommunion des 6. Schuljabres. *'»10 Uhr Kathedralamt mit Predigt. ‘ <11 Uhr Christen- lehre für die Jünglinge. 7*12 Uhr letzte heil. Messe mit Predigt. */»2 Uhr Muttergottes-Andacht. 4 Uhr nachm. Predigt und Andacht. Um 7 Uhr abends Herz-Mariä- Bruderfchastsandacht mit fafram. Segen in der Marienkapelle. Werttagsgottesdienste: Jeden Morgen von */»6 bis 7 Uhr halbstündlich hl Messen mit Komm.-Austeilung. 71/» Uhr Pfarrgottesdienst mit Komm. 9 Uhr letzte hl. Messe mit Komm. Momag abend 7,8 Uhr Herz-Jesu-Andacht. — Stadtpfarrkirche. Beichtgelegenheit: Samstag nachmitt, von 3—7 Uhr, 7'/,—87, Uhr, Sonntag früh 6—7 Uhr. Sonntagsgottesdienste: 6 Uhr heil. Messe. 63,< Uhr heil. Messe und Kommunion des Jugend- und Iungmänner- Vereins, sowie der Jugend» und Jungmännerabteilung des KKV. 8 Uhr Sinbergottesbienft, Predigt und Kommunion des 6. Schuljahres. 9*/» Uhr Pfarramt und Predigt. 11 Uhr zweiter Sinbergottesbienft unb Predigt. 27, Uhr Bruderschaft von der Todesangst des Herrn. Die heilige Kommunion wird von 6—7*/» Uhr jede halbe Stunde gespendet, außerdem um 8V» Uhr und 97* Uhr. Werttagsgottesdienste: 6 Uhr, 7*/* Uhr und 8 Uhr heilige Messen Mittwoch, Freitag und Samstag früh 6 Uhr Beicht- gelegenheit. Freitag abends um 8 Uhr Segensandacht. — Pfarrkirche jum Hl. Geist. 7 Uhr Frühmesse, während derselben Komm, der Jünglinge u. Jungmänner, Ansprache. 8 Uhr Hochamt und Predigt, Komm, des 6. Schuljahres. "All Uhr Kindergottesdienst u. Ansprache. 7,12 Uhr Christenlehre für die Jungfrauen. 8 Uhr Herz-Jesu-Andacht. — St. Sturmius-Pfarrkirche. Gemeinschaftliche hl. Kommunion für die Jünglinge und die Kinder des 6. Schuljahres. V»8 Uhr Frühmesse mit Ansprache. 7,10 Uhr Hochamt mit Predigt. Anschließend Christenlehre. 7,2 Uhr Segensandacht. Werttags - Gottesdienst morgens 7 Uhr. Donnerstag abends 8 Uhr kirchliche Versammlung der Jungfrauen. Beichtgelegenheit Samstag von 3 Uhr an. — Friedhofskapelle am Franzofenrväldchen. Um 67* Uhr hl. Messe mti Ansprache unb Kommunion-Austeilung.
Nach Erledigung bes geschäftlichen Teiles der San- desversämmlung des Landesverbandes Hessen und Hessen- Nassau im Hauptoerbande deutscher Krankenkassen sind zwei die Krebskrankheit behandelnde, hochwichtige Vorträge gehalten worden, aus denen einiges besonders Interessante erwähnenswert ist. Professor Dr. Caspary- Frankfurt a. M. sprach über „Die.Ärebstranf- heit, ihr Wesen und ihre Bekämpfung" und betonte am Schlüsse seiner Ausführungen, es sei kein Zufall, daß gerade diejenigen Leute häufig an Krebs erkranken, die wenig ober gar keine Infektionskrankheiten durchgemacht haben und daß man überall mit dem Rückgang der Tuberkulose, die ja meist den Menschen in relativ jungem Aller befalle, ein Anwachsen bes Krebses, der ja vorwiegend die älteren Jahrgänge treffe, beobachten könne. Nach Aufnahme einer Statistik in Amerika seien die dortigen Autoren zu der Ueberzeugung gekommen, baß die Krebssterblichkeit in einem bestimmten Stande oder Beruf um so geringer ist, je größer die körperliche Arbeit sei, die mit der beruflichen Tätigkeit verknüpft ist. Auf der anderen Seite werde man prophylaktisch gegen den Krebs wirken können, wenn man möglichst bie Schädigungen vermeidet, die die Krebskran k- heit begünstigen. Hier möchte ich, fo betonte der Referent, folgende Punkte erwähnen: 1. Vermeidung der Heirat von Personen, bie in ihrer Antecebenz stark mit Krebs belastet sind. Denn wenn wir auch den erblichen Verhältnissen keine übertriebene Bedeutung beimessen, so darf man doch angesichts der Tatsache, daß es wirklich auch beim Menschen zu ausgesprochenen Krebsfamilien kommt, diese Prophylaxe nicht vernachlässigen. 2. Vermeidung chronischer Schädigungen. Hierzu gehört sorgfältige Prophylaxe in all denjenigen Fabriken, bei denen die Arbeiter der Gefahr ausgesetzt sind, Krebs zu erwerben. So beim Blasenkrebs der Anilinarbeiter und dem Hautkrebs der Paraffin-, Teer- und Brikettarbeiter usw. In dieser Beziehung geschieht in Deutschland noch lange nicht genug. Ferner muß man auch andere Schädlichkeiten vermeiden, so z. B. die gewohnheitsmäßige Aufnahme übermäßig heißer Nahrung, ferner ist hinzuweisen auf die Gefahren, die nicht nur bei Aufnahme von tierischer Rohkost, sondern auch bei gehäufter pflanzlicher Rohkost durch Parasiten dem Menschen erwachsen können. Ganz besonders bann, wenn die pflanzliche Rohkost auf gedüngten Feldern oder gar auf Rieselfeldern in engster Berührung mit dem Dung- material gewachsen ist. Aber all dies genügt nicht. Es sind gesetzgeberische Maßnahmen notwendig. In allen Kulturnationen macht sich jetzt das Bedürfnis der Organisation des Kampfes gegen den Krebs geltend. Auch in Deutschland ist her Reichsausschuß zur Bekämp-
Verantwortlich für die Schrtftlettung: L P Dr Kari üluftermann; für den Anzeigenteil: Johannes Parzeller* Direktor der Fuldaer Actiendruckeret.
Fulda: 8 und 9.30 Uhr Predigtgottesdienst Pfarrer Schuchardt-Wehrda. Kollekte für die Anstatt Bethel bei Bielefeld. 11 Uhr Sinbergottesbienft. 2 Uhr nachmittags Asfluug des Kirchenchors mit Familie nach der Grillenburg. Treffpunkt: Leipzigerstr.—Ecke Kurfürstenstraße. Der Ausflug findet bei jeder Witterung statt. 8 Uhr abends Jungmännerverein im Bibliothekzimmer. 8 Ul)t abends Jungmädchenverein im Schwesternhaus. Amtswoche: Pfarrer Hattendorff. — Großenlüder: 9.45 Uhr vorm. Predigtgottesdienst Pfarrer Hattendorff. — Bad Salzschlirf: IQ Uhr vorm. Predigtgottesdienst Kreispfarrer Weber. — Fulda: Montag abend 8-15 Uhr Bibelkreis der Schüler höherer Lehranstalten im Pfarrhause.