Jahrs. 58
Donnerstag, 11. Juni 1931
Die Heimkehr der deutschen Minister
Vormittags beriet im Reichstag
ver-
Außen
ihre Be- und die abwarten
nationale Hilfsaktion erheblich erschweren, wenn nicht stören würde.
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wtb. Pitts bürg, 10. Juni. (Eig. Meld.) Der ehemalige Botschafter Houghton, der bei der Semesterschlußfeier des Carnegie-Instituts of Technology sich für eine Herabsetzung der deutschen Zahlungen aussprach, führte u. a. folgendes aus: Deutschland ist meiner Ansicht nach an der Grenz e d es Mö glichen an gelangt. Ich kann keinen Vorteil für die Welt von einem vollkommenen Zusammenbruch Deutschlands sehen. Ich will nicht daran denken, was eintreten müßte, wenn in Mitteleuropa das Chaos herrschte. Jedenfalls würden solche Ereignisse weder uns noch anderen Nationen helfen, auf den Weg der wirtschaftlichen Erholung zu kommen. Ich bin überzeugt, daß es unsere Pflicht wäre, uns aus eine Hilfsaktion für Deutschland einzustellen.
Die Lage am Arbettsmartt.
Rückgang der Arbeitslosen um rund 144 000.
Nach dem Bericht der Reichsanstalt für die Zeit vom 16 bis 31. Mai 1931 war die Entwicklung des Beschäftigungsgrades in der zweiten Hälfte des Monats Mai nicht ungünstig. Die Zahl der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitslosen hat um 1 4 4 0 0 0 abgenomm e n. Am 31. Mai belief sie sich auf rund 4 067 000. 5n der Arbeitslosenversicherung wurden am letzten Stichtage nach einem Rückgang um
ning und Dr. Curtius in Berlin einen Gegenbesuch abstatten werden. Sollte die deutsche Regierung beschließen, den Plan eines baldigen dreijährigen Moratoriums bezüglich eines Teiles der Reparationen durchzuführen, so würde dieser Schritt wichtige Verhandlungen mit den alliierten Regierungen und dem beratenden Ausschuß des Poungplanes notwendig machen, da der Ioungplan nur ein zweijähriges Moratorium und Suspension der halben Annuitäten vorsieht. Unter diesen Umständen dürfte eine Art internationale Konferenz einberufen werden, da die Zuständigkeit des beratenden Ausschusses nicht ausreichen dürfte. Der Korrespondent fügt hinzu, Henderson wünsche die Besprechungen in Berlin u. a. deshalb fortzusetzen, weil in Chequers sehr wenig über die A b - r ü st u n g gesprochen worden sei. Allerdings sei in Chequers von dem geplanten Bau eines dritten deutschen Schlachtschiffes die Rede gewesen. Die deutschen Minister hätten erklärt, gegenwärtig seien sie nicht in der Lage, auf den Bau zu verzichten. Der bemerkenswerte militärische und politische Einfluß Frankreichs auf Zentral- und Osteuropa im Zusammenhang mit der Kleinen Entente sei ein weiterer Gesprächsgegenstand gewesen.
stärkeren Bedarf an Arbeitskräften entwickelt. Im Baugewerbe hat ftf) die Saisonbelebung in dem erwarteten schwachen Umfange weiter entwickelt.
Volksentscheid am 9. August.
In politischen Kreisen wird, wie die Blätter berichten, erwartet, daß der Volksentscheid über die Landtags auf lösung in Preußen am Sonntag, dem 9. August, angesetzt werden wird.
Petitionen.
Auch sie wollen wickderkommen!
Wie das nationalsozialistische Organ für die Mark Brandenburg mitteilt, werden die Nationalsozialisten für den Fall des Reichstags- zusammentritts. sich zunächst wieder an den parlamentarischen Arbeiten betei« lrgen. ,
Als am Dienstag nachmittag die Ankunft der „Europa" auf der Reede von Cowes gemeldet wurde, begaben sich der Reichskanzler, der Reichsaußenminister und ihre Begleiter an Bord des Torpedobootszerstörers „W i n - cheste r", dessen Mannschaft zu ihrem Empfang angetreten war. Nach kurzer Fahrt ging die „Winchester" längsseits der „Europa", neben deren Riesengröße sie nahezu verschwand.
Wieder trat die Mannschaft an, und die deutschen Herren verabschiedeten sich von dem Kommandanten, wobei sie für die Aufmerksamkeit der Admiralität, ein Kriegsschiff zu ihrer Verfügung zu stellen, ihren Dank aussprachen. Als die deutschen Minister an Bond der „Europa" gingen, wurden pe von dem Kapitän des Schiffes begrüßt. Die Musik spielte die Nationalhymne und viele der Passagiere, die dem Schauspiel mit großem Interesse zugesehen hatten, begrüßten die Neuangekommenen lebhaft. In der Zwischenzeit hatte die „Winchester" wieder abgelegt. Der deutsche Botschafter Freiherr von Neurath und Legationsrat R ü t e r fuhren an Bord eines Tenders wieder nach Southampton zurück.
Ankunft in Bremerhaven.
wtb. Bremerhaven, 10. Juni. (Eig. Meld.) Von ihrem England-Besuch heimkehrend, trafen heute Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsaußenminister Dr. Curtius mit ihrer Begleitung an Bord des Schnelldampfers „Europa" vom Norddeutschen Lloyd um 9 Uhr in Bremerhaven ein. Direktor Stadtländer vom Norddeutschen Lloyd hatte sich bereits in Southampton an Bord begeben. In Bremerhaven hatten sich an Bord zur Begrüßung im Namen des Senats die Senatoren Apel und Börners, sowie vom Norddeutschen Lloyd Generaldirektor Geheimrat Stimming begehen. Auf Einladung des Reichskanzlers wird der amerikanische Botschafter in Berlin, Sackett, der sich ebenfalls an Bord der „Europa" auf der Rückreise nach Deutschland befand, die Fahrt nach Berlin im Salonwagen mitmachen. Die Herren werden voraussichtlich mit dem Extrazug um 4 Uhr in Berlin eintreffen.
märtige, die auch int Auslande respektiert wird, noch weniger lieb als irgendeine andere. Aus diesem Grunde würde es nicht gut sein, wenn jetzt bald der Reichstag zusammenträte, um durch die radikalen Parteien der Welt wiederum das Schauspiel einer katastrophalen Uneinigkeit zu geben.
etwa 134 000 rund 1579 000 Unterstützungsempfänger gezählt. Die Belastung der Krisen- f ü r f o r g e hat sich weiter, und zwar um etwa 15 000, auf rund 929 000 Hauptunterstützungsempfänger erhöht.
lieber die Aufteilung der Gesamtzahl der Arbeitslosen nach der Art der gewährten Unterstützung liegen zur Zeit Zahlen erst für Ende April vor. Zu diesem Zeitpunkt wuckden von 100 Arbeitslosen im Reichsdurchschnitt 86,7 unterstützt, die Hälfte aus der Arbeitslosenversicherung, knapp ein Viertel aus der Krisenversicherung, etwas mehr als ein Viertel aus Mitteln der öffentlichen Fürsorge.
Im einzelnen sind u. a. am Arbeitsmarkt des Kohlenbergbaues Zeichen eines Stillstandes der bisherigen rückläufigen Entwicklung zu erkennen. Die Landwirtschaft hat besonders in den klimatisch begünstigen Gebieten etwas
Wiebetbeginn bet Vaclamenlsarbeik.
V. D. Z. Berlin, 10. Juni. (Eig. Meld.) Die neue Notverordnung hat das politische Leben im Reichstag wieder erweckt. Am Mittwoch begann bereits um 10 Uhr vormittags die Sitzung des sozialdemokratischen Fraktronsvor- ft a n d e s, an die sich nachmittags eine gemeinsame Sitzung mit dem Bundesvorstand des AK- gemeinen Deutschen Gewerkfchaftsbundes an- schließen wird.
Um 11 Uhr trat ferner die Reichstagsfraktion der Bayerischen Volks Partei zu einer Sitzung zusammen. Für. 1 Uhr ist die Land- volksraktion einberufen. Der Parteivorstand der Wirtschastspartei hält heute gemein» sam mit der Reichstags- und der Landtagsfraktion int Preußischen Landtagsgebäude eine Sitzung ab.
Der Aeltestenrat des Reichstages versammelt sich erst gegen Abend. Er wird keine ent
scheidenden Beschlüsse über die Reichstagseinberufung fassen können, da die Parteiführer nicht selbständig vorgehen, sondern zunächst sprechungen mit dem Reichskanzler Stellungnahme ihrer Fraktionen dazu wollen.
wtb. Bremen. 10. Juni. (Eig. Meld.). Der Extrazug des Norddeutschen Lloyd mit den Passagieren des Schnelldampfers Europa traf um 12 Uhr hier ein. Kurz nach 12 Uhr setzten Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsaußenminister Dr. Curtius die Reise nach Berlin fort.
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Es ist anzunehmen, daß im Laufe des Abends eine Kabinettssitzung stattfindet, tn 'her Reichskanzler Brüning über die Englandreise berichten wird. Am Freitag wird der Reichskanzler den Reichspräsidenten aufsuchen, der auf seinem Gut Neudeck den Sommerurlaub verbringt, und ihn über die Besprechungen von Chequers unterrichten.
Vor der Reise nach Neudeck dürfte der Reichskanzler auch die Führer der Parteien bei sich sehen und bei dieser Gelegenheit auch zum Ausdruck bringen, wie er über die Frage der Einberufung des Reichstags denkt.
Falsche Gerüchte.
Amtlich wird mitgeteilt:
Gegenüber Meldungen, nach denen die Reichsregierung in den nächsten Tagen bereits Beschlüsse bezüglich der Ankündigung eines Transfermoratoriums treffen würde, wird von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß diese Mitteilungen jeglicher Begründung entbehren.
Die Reichsregierung hat keinerlei Beschlüsse gefaßt. Sie wird sich auch durch derartige Fehl- me'ldungen nicht zu voreiligen Handlungen drängen lassen.
Es kann allerdings nicht verschwiegen werden, daß Informationen solcher Art geeignet sind, die Reichsregierung in ihrer Handlungsfreiheit zu beeinträchtigen und Schaden a n i u r i <f) t e n.
Der englische Gegenbesuch.
Auch IHacbonalb kommt nach Berlin.
wtb. Conbon, 10. Juni. (Eig. Meld.). Der diplomatische Korrespondent des Daily Telegraph schreibt: In amtlichen Kreisen wurde gestern bestätigt, daß Macdonald wahrscheinlich und H e n - derson bestimmt binnen kurzem Dr. Brü-
Premierminister Macdonald hat auf das Abschiedstelegramm, das Reichskanzler Dr. Brüning an ihn gerichtet hat, mit folgendem Telegramm geantwortet: „Mein lieber Herr Reichskanzler! Vielen Dank für Ihr freundliches Telegramm. Es war für meine Kollegen und mich eine sehr große Freude, Gelegenheit zu haben. Sie und Dr. Curtius in England persönlich kennen zu lernen. Ihr ergebener Ramsey Macdonald."
Frankreich und die deutsche englische TNinisier- zusammenkunfk.
wtb. Paris. 10. Juni. (Eig. Meld.). Der Außenpolitiker des Echo de Paris, der sich noch in London befindet, beschäftigt sich mit den Auswirkungen der deutsch-englischen Ministerzusammenkunft in Chequers und schreibt u. a.: Macdonald und Henderson hätten den beiden deutschen Ministern den Rat gegeben, die Reparationsfrage, die sie für angebracht hielten, vor dem Genfer Studien ausschuß für die Europa- Union vorzubringen. Fraglich sei allerdings, so fährt der Außenpolitiker des Echo de Paris fort, ob Frankreich zulasten könne, daß die Reparationsangelegenheit von 27 europäischen Staaten behandelt werden soll und ob Amerika nicht verärgert werde, wenn die Schuldenfrage, selbst in vager Form durch „Pan-Europa" geprüft werde.
Amerikas plan.
Geht es voran?
Die Presse der nationalen Opposition in Deutsch- | ■ land hat gegenwärtig die vornehme Aufgabe, die letzten Reserven heranzuholen, um das Kabinett Brüning zu Fall zu bringen. Sie bedient sich dabei vorwiegend zweier Methoden, indem sie auf der einen Seite die Verhandlungen von Chequers als ergebnislos hinstellt und auf der anderen die H * in der Notvorrdnung enthaltenen scheinbaren Ungerechtigkeiten mit dem Raffinement eines Zauberkünstlers und Fingerakkrobaten heraussucht k . und sie gläubigen, aber urteilslosen Lesern als einen Beweis für die völlige Unfähigkeit und Parteilichkeit des Reichskanzlers vorsetzt.
|h Es ist einleuchtend, daß mit diesen Methoden f in einem Lande, dessen Bevölkerung selbst politisch denken kann, keine Seide zu spinnen wäre. Wer die Berichte aus London liest, wer die Notverordnung studiert, erkennt, was ist und was i nicht ist. Die Notverordnung ist ein sehr hartes f Ding, und es ist fein Zufall, daß sie in der gan- V zen Welt bestürzend gewirkt hat. Aber sie ver- | teilt die Lasten, soweit da überhaupt genaue Einteilungen möglich sind, nicht ungerecht. Wenn ein Kleinhändler und ein Beamter oder Angestellter nebeneinanderstehen und man wollte jenem dieselben Steuerlasten auferlegen wie diesen, so wäre • der Kleinhändler doppelt betroffen, denn er müßte ja nicht nur die Steuern zahlen, sondern würde ■ außerdem noch die Einnahmen verlieren, die er sonst aus den Warenkäufen des Angestellten hatte. Denn wenn der Angestellte weniger veitdient, kaust er auch weniger, und das wirkt sich selbstverständlich auf die Verkäufer aus, eine Ueberle- gung, die so naheliegend ist, daß ganz natürlich keine Regierung an ihr vorübergehen kann. Aber | die deutschnationale Presse und leider auch andere Blätter geben sich alle Mühe, diesen einfachen Tatbestand zu verdunkeln.
Wenn man von Ergebnissen der Wochenend- k konferenz in Chequers sprechen will, so ist das vielleicht ein zu voreiliger Wunsch, schon darum, weil es in der Natur der Sache liegt, daß die k Beteiligten sich mit Andeutungen über den Inhalt L ihrer Gespräche begnügen und bei weitem nicht k alles sagen werden, was erörtert worden ist. Man r darf ein Ergebnis im Wortsinne auch darum nicht in die Welt posaunen, weil so schnell bekanntlich nicht nur die Preußen, sondern auch die Engländer nicht schießen. Die internationale Lage ist f seit 10, 15, ja 20 Jahren so fürchterlich ineinander verknäult, daß es selbstverständlich unmöglich ist, sie im Laufe eines freundschaftlichen Frühstücks- Gespräches zu lösen. Das ist schon darum unrnög- ' .lich, weil alle Mächtd in die Krise so verstrickt sind und jede einzelne ihre besonderen Interessen bedroht sieht und natürlich bei der weiteren Entwicklung möglichst viele Vorteile herausschlagen möchte. Selbst wenn England und Deutschland sich restlos einigten, würden Frankreich und die ihm durch dick und dünn folgenden Staaten noch ihre besonderen Ansprüche anmelden.
Trotzdem ist das Ergebnis von Chequers, wenn wir das Wort beibehalten wollen, nicht gering anzuschlagen. Zunächst einmal muß die äußerliche Tatsache festgehalten werden, daß, wie auch die englische Presse hervorhebt, seit 30 Jahren deutsche Staatsmänner in England nicht mit solcher Aufmerksamkeit, mit solchem Respekt, ja man darf auch sagen: mit solcher Herzlichkeit empfangen worden sind, wie Brüning und Curtius. Man ist zweifellos in London bis hinauf zum König bestrebt gewesen, den Kanzler als den Vertreter einer großen befreundeten Nation zu empfangen und zu behandlen, und es ist immerhin von Bedeutung, daß sich zum erstenmal seit dem Kriege in der deutschen Botschaft die Londoner Gesellschaft jetzt wieder zusammengefunden hat, um dem deutschen Reichskanzler ihren Respekt zu bezeugen. Wer sich darin erinnert, mit welcher Kühle vor einigen Jahren der Kanzler Dr. Marx in London ausgenommen wurde, von schlimmen Erlebnissen deutscher Minister ganz zu schweigen, der wird diese Veränderungen der Atmosphäre zu würdigen wissen, lieber diese äußeren Dinge hinaus ist aber auch das, was über den Inhalt der Wochenendgespräche verlautbart wird, nicht ohne Bedeutung.' Die deutschen und die englischen Minister haben in ihren gemeinsamen Mitteilungen zwar keine umstürzlerischen Tatsachen und Beschlüße bekanntgegeben, aber wer nicht schwerhörig und nicht böswillig ist, muß herauslesen, daß'man zu Vereinbarungen gekommen ist, die uns wahrscheinlich doch einen großen Schritt weiterbringen. Es ist zu erwarten, daß die deutsche Regierung in den nächsten Tagen der Bank für Internationale Zahlungen eine Mitteilung machen wird, die zwangsläufig und automatisch den Zusammentritt ieiner neuen Reparations - konferenz zur Folge haben wird. Dabei muy besonders der Umstand mit erwogen werden, datz die englische Regierung durch ihr offiziöses Blatt dem Reichskabinett diese Mitteilung an die BIZ. nahegelegt hat. Daraus ist also zu schließen, datz England selbst den Zeitpunkt für gekommen erachtet, in dem Deutschland den im Poungplan vorgesehenen Zahlungsaufschub beantragen muß. Auch der Aufruf, mit dem die deutsche Regierung die Veröffentlichung der Notverordnung begleitete, hat ja diese Wendung bereits angekündigt.
Die internationale Politik ist also, alles in a- lem stärker in Fluß gekommen. Das können wir' nach allem, was wir mit unserer geliebten Oppositionspresse erlebt haben, auch aus deren Haltung herauslesen. Das parlamentrische System Deutschlands unterscheidet sich von dem anderer Länder ja bekanntlich dadurch, daß es nicht über eine loyale Opposition verfügt, sondern daß diese Opposition böswillig und antinational eingestellt ist. Sie will nicht mit anderen Mitteln das gleiche wie die Regierung, nämlich die Befreiung des Vaterlandes von den Lasten der Reparationen, sondern sie arbeitet auf den Umsturz im Innern hm, und darum ist ihr eine Regierung wie die gegen«
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Skahlhelmdeballe in Frankreich.
Line außenpolitische Rede Driands.
In der Sitzung der französischen Kammer am Dienstag gab es eine längere Aussprache über beit Zeitpunkt für die Beratung verschiedener Interpellationen.
Der Abgeordnete Lorin (Fraktion Maginot) verlangte die baldige Diskussion seiner Jnterpel» lation über die Breslauer Stahlhelmkundgebung, die eine Provokation dargestellt habe, und an der sogar der Kronprinz, der Kandidat für die Nachfolge Hindenburgs sei, teilgenommen habe. Er wolle die Eigenschaften des deutschen Volkes anerkennen, aber Deutschland sei gegenwärtig panger» monistisch und bedrohe den Frieden Europas.
Sodann sprach der sozialistische Abgeordnete Grumbach. Ex sagte u. a., er wolle den Ernst der nationalistischen Gefahr nicht verkennen, forderte ober auch Beachtung der sozialdemokratischen Macht.
Außenminister Briand
ging in feiner Antwort auf die Vorredner ein. Seine Ausführungen gestalteten sich zu einer
größeren außenpolitischen Kund«, g e b u n g.
Die Redner auf den Stahlhelmkundgebungen bewiesen nicht gerade pazifistischen Geist. Und besonders in Breslau, wo übrigens nicht 150 000, sondern nur 50 000 bis 60 000 Teilnehmer gewesen seien, seien in Anwesenheit von Marschällen, Generalen und Prinzen besonders bedauerliche Worte gefallen. Zum mindesten müsse man die dortigen Vorfälle als bedauerlich bezeichnen. Die französische Regierung habe diese Bewegung mit Interesse verfolgt und den für die Außenpolitik zuständigen deutschen Stellen erklärt, was sie von einer solchen Kundgebung halte. Derartige Kundgebungen entsprächen nicht dem Geist der Zusammenarbeit zwischen beiden Völkern für die Organisierung eines festdauernden Friedens. Wenn derartige Zwischenfälle sich ereigneten, müsse man sie kaltblütig und vernünftig betrachten, indem man sie auf ihr richtiges Maß zurückführe. Die Politik des Friedens und der europäischen Zusammenarbeit weise Deutschland seinen Platz zu. Es genüge, einen Blick auf die geographische Lage zu werfen, um zu erkennen, daß es sich bei Deutschland um ein mächtiges Volk handelt, das mit dem franzö, fischen Volk für den Friedensgedan. fen zusammenarbeiten müsse. Er habe sich oft gefragt, ob der in Deutschland zu beobachtende Mangel an psychologischem Verständnis eine Voreingenommenheit bedeute, die ihn entmutigen müsse. Er glaube es nicht. Die Zukunft beider Völker liege in einer Zusammenarbeit. Man müsse unaufhörlich die Aufmerksamkeit der deutschen Regierung auf derartige Kundgebungen lenken und sie bitten, mit allen verfügbaren Mitteln einzuschreiten, um eine öftere Wiederholung derartiger Kundgebungen zu verhindern. Frankreich könne allen Ereignissen ruhig entgegensehen und leine Kaltblütigkeit behalten, selbst wenn es unangenehmen Ereignissen, wie denen, die der Abg. Lorin erwähnt habe, gegenüberstehe. Briand wies weiter darauf hin, daß der Friedensgedanke in Deutschland unleugbare Fort (chritte gemacht habe
Man dürfe nicht vergessen, daß das Recht auf Frankreichs Seite sei und auch nicht, txg Gas
auch der
Kr i e g sb esch ä d i gt en - A u s sch u ß Id eitere
In Bestätigung der bereits gemeldeten schiedenen Anzeichen der letzten Zeit, daß sich eine Neuorientierung der a m e r i t a n i f d)en
' Politik bezüglich der internationalen Schuldenfrage und der Liquidierung des Weltkrieges vorzubereiten scheint, wird aus Washington gemeldet, daß dort der Entwurf eines Planes ausgearbeitet werde, durch den die Weltdepression gemildert werden könnte, und zwar offenbar mittelst gleichzeitiger Herabsetzung von Rüstungen, Reparationen uni> alliierten Kriegsschulden. Eine amtliche Bestätigung sei vorläufig nicht zu erwarten, da Präsident Hoover noch keine festen Entschlüsse gefaßt habe, sondern die Ergebnisse von Stimsons Europareise und die dadurch erhoffte Einwirkung auf den Kongreß und die öffentliche Meinung abwarten wolle. Hoover hoffe, daß die deutsche Regierung keinen formellen Schritt tun werde, der, solange nicht die Der einigten Staaten auf die oben erwähnte Umstellung und Verknüpfung der drei Punkte hinreichend vorbereitet seien, die in Bildung begriffene inter-
FuldaerZeitung
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