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Beilage zur Fuldaer Zeitung

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Zweiter Sonntag nach Pfingsten.

Eingangslied: Pf. 17, 1920.

Der Herr ward mein Beschützer, er entführte mich ins Weite und half mir; denn er war mir geneigt (Pf. ebd. 23). Ich liebe dich, Herr, meine Kraft. Der Herr ist mein Fels, mein Hort, mein Heil.

Epistel: Iah. 3, 1318.

Geliebteste? Wundert euch nicht, wenn die Welt euch haßt. Wir wissen, daß wir vom Tode zum Leben übergegangen sind, weil wir die Brü­der lieben. Wer nicht liebt, bleibt im Tode. Je­der, der seinen Bruder haßt, ist ein Menschenmör­der; und ihr wißt, daß kein Mörder das ewige Leben bleibend in sich hat. Daran haben wir die Liebe Gottes erkannt, daß er sein Leben für uns dahingab. So sollen auch wir für die Brüder das Leben hingeben. Wer die Güter dieser Welt hat, aber sein Herz verschließt, wenn er seinen Bruder Not leiden sieht, wie soll in dem die Liebe Got­tes bleiben? Meine Kindlein, laßt uns nicht bloß mit Worten lieben und mit der Zunge, sondern in der Tat und Wahrheit.

Evangelium: Luk. 14, 1624.

Gleichnis vom Gastmahl.

Das Gastmahl.

Besprechung zum Sonntagsevangelium.

Auch du bist zum Gast mahl des Herrn eingeladen. Gehörst du nun zu denen, die die Einladung ablehnen, weil sie keine Zeit für den Herrn haben, oder zählst du dich zu jenen, die dem Ruf des Herrn folgen? Daß ich mit die­ser Frage nicht über dich zu Gericht sitzen will, weißt du; denn ich würde die Betrachtung schwer­lich anstellen, wenn ich nicht auch jede Frage ge­wissenhaft an mich selbst stellte. Oder meinst du, über religiöse Dinge zu sprechen genügte schon an sich? Auch die Phariäser, denen Jesus auch das heutige Gleichnis wieder auf die Seele bindet, unterhielten sich tüchtig über die Auslegung der Schrift und führten manchen gelehrten Streit un­ter einander. Aber das schützte sie keineswegs vor dem falschen Weg.

Wir beide wollen diesen Umstand recht ernst nehmen. Denn was nutzt es uns, wenn wir Sonn­tag um Sonntag zusammen über das religiöse Le­ben sprechen und trotzdem oder gerade deshalb vom Herrn zu den Pharisäern ge­zählt werden müssen? Sieh, du bist viel­leicht Vater oder Mutter und ermahnst deine. Kin­der zur Rechtschaffenheit und lebst selbst nicht rechtschaffen Auch als Onkel und Tante oder Freund kommst du manchmal in die Lage, einem anderen einen Rat zu geben, du besprichst die Dinge mit dem Ton der tiefsten Ueberzeuqung lebst aber gar nicht danach. Oder du stehst an verantwortlicher Stelle, hast auf Menschen Ein­fluß, bist Seelenführer und belehrst und ermahnst, daß du dich selber an deinen Worten erbauen möchtest. Das alles taten auch die Phari­säer, die vom Heiland trotzdem verworfen wur­den. Also mit religiösen Unterhaltungen und Er- Mahnungen ist noch gar nichts getan, auch für dich und mich nicht. Auf den Geist unseres Le­bens kommt es an, auf unsere gesamte Lebens­haltung, die sich in jedem Augenblick bt* währen muß.

Wie steht es nun mit unserer Anteilnahme am Gastmahl des Herrn? Fürchte nicht, daß ich dich nun nach der Zahl deiner Kommunionemp- sänge frage. Ach nein, wenn dein selischer Hun­ger nicht nach dem Leib des Herrn, nach dem Der. eintsein mit Jesus von Zeit zu Zeit drängt, dann will ich dich nicht dazu auffordern. Freilich würde ich mich freuen, wenn ich durch meine Gespräche

mit dir ein wenig den Hunger nach Gott in dir stärken könnte. Aber nur der lieben Gewohn­heit oder auch der steten ^Aufforderung zu liebe, die von Vater oder Mutter oder deiner Frau an dich immer wieder ergeht, will ich dich nicht an den Tisch des Herrn rufen. Wenn du mit deinen Gedanken öfter mit mir über das Sonntagsevan­gelium nachdenkst, dann weißt du, daß mir nicht daran liegt, dich zur Religionsübung zu zwingen, sondern daß ich die Freude an deiner Religion in dir mehren macht«'

Was ist denn die G a st m a h l s f r e u d e an­deres, als die Teilnahme am Reiche Christi? Weil wir nirgends tieferen Frieden finden können, weil wir als wahre Christen die wertvollsten Freunde unserer Mitmenschen sein können, weil in Gott die Schöpfung erst den rechten Sinn hat, deshalb ladet uns Christus zu seinen Jüngern ein. Prüfe doch selbst, ob es praktischer ist und mehr Gewinn bringt, wenn du mit deinem Mitmenschen einen Streit an f ä n g st und gar mit ihm vor Ge­richt gehst, oder wenn du ihm im Geiste Christi 70 mal 7 mal verzeihst. Hast du schon ein­mal den Segen einer solchen Handlung verspürt? Wenn du verheiratest bist, so versuche als Gatte ebenso viel mal gut zu deiner Gattin zu sein und besprich alles mit ihr in Ruhe; siehe, du wirst mir dann schon recht geben, wenn ich sage, daß das geistige Gastmahl des Herrn, die prak­tische Lehre des Heilands, eine Erquickung für uns ist. Aber die meisten Menschen lehnen ab, sie wollen nicht teil am Gastmahl haben. Sie gönnen sich keinen Augenblick Zeit zum Nachdenken über den religiösen Sinn des Lebens, sie müssen Geschäfte machen, für sich, für Frau und Kinder sorgen, und am Ende ihres Lebens ist ihr Leben zerflossen und sie wissen gar nicht wie Es sind deren viele . . .

Vielleicht denkst du, daß du zu jenen gehörst, die vom Herrn nicht besonders eingeladsn. aber dann doch zum Gastmahl berufen werden. Glaube das nicht. Alle Christen gehören zu den Gela­denen. Die von der Straße Berufenen, das sind jene, die ohne eigene Schuld die Lehre Jesu und der Kirche nicht kennen, aber mit bestem Gewis­sen nach ihrer Lebensauffassung rechtsihaffen le­ben. Du aber gehörst zu den Geladenen und wir beide wollen uns recht ernst im Geheimen fragen, warum der Herr ein so nachdenkliches Gleichnis zu den Pharisäern den i-el'"''"»" «m-if-hen des Wortes und der Äußeren Religionsübung spricht, und warum er so wenig Geladene zu sei­nem Gastmahl die Zusage geben läßt. Was sagt deine Seele zu diesem Gleichnis, mein Freund?

Zubiläum des 5t Raphaelsvereins.

Sn diesem Jahre werden es 60 Jahre, daß es durch die unermüdliche Initiative des ehemali­gen Kaufmanns und späteren Abgeordneten Kom­merzienrat Peter Pank Cahensly zur Begründung desSt. Raphaels-Vereins zum Schutze katho­lischer Auswanderer" kam. Der Verein hat in den deutschen und in den größten ausländischen europäischen Hafenplätzen nach und nach seine Hilfsstellen aufgebaut und ist alsdann nach lieber» fee gegangen, um auch dort seine Vertrauensleute in den Hafenplätzen anzustellen, die den Einwan­derer mit Rat und Tat unterstützen. Der Verein ward nicht allein von religiösen und humanitären, sondern auch von vaterländischen Gedanken ge­tragen. Er ward einer der ersten und mutigsten Anwälte des Schutzes vonGlaube und Volks­tum" und führte feinen Kampf für das Deutschtum besonders in den Vereinigten Staaten von Nord­amerika, wo man nach feinem Gründer sogar den Begriff Cahenslyisrnus bildete, um damit das (freilich falsch verstandene) Bestreben zu bezeich­nen, die Rechte der deutsch-amerikanischen Katho­

liken in Kirche und Religion zu schützen. So ist der St. Raphaelsverein, der übrigens auch in einer Reihe anderer europäischer Staaten in eigenen Vereinen Nachahmung sand, seit zwei Generatio­nen zu einem der ältesten und verdientesten Cari- taswerke geworden. Mehr als zwei und eine Halbe Million Auswanderer gingen allein durch die Hände des deutschen Vereins. Nach dem Kriege verstand es der Verein unter der Führung von Männern wie Werthmann, Georg Timpe und be­sonders Bischof Dr. Berning, sich den neuen Auf­gaben des Auswandererschutzes und der Auswon- dererberatung anzupassen. Die Leitung des Ver- eins ward nach Hamburg verlegt. Hier gelang die Begründung einer eigenen Dereinszentrale und eines Auswandererheims und von hier aus wird bis heute in einem Netz von Auswandererbera­tungsstellen den Katholiken Deutschlands das Auswanderungsproblem deutlich gemacht. Der St. Raphaelsverein hat auch feine auslandsdeutsche Tradition hochgehalten. 1921 entstand in Ham­burg in seinem Schatten das Katholische Auslands­

sekretariat als Archw- und Werbefrelle für das katholische Deutschtum in aller Welt, und führte mit Geschick und Erfolg seine Arbeiten fort, bis es 1927 nach Berlin zum Reichsverband für die katholischen Ausländsdeutschen verlegt ward. 1924 ward vom Leiter des kathol. Auslandssekretariats, Dr. Max Größer PSM. im Verlag des St. Ra« phaelsvereins die erste katholische auslandsdeutsche ZeitschriftDie Getreuen" begründet, die seitdem in Verbindung mit dem St. Raphaelsblatt er­scheint.

Eine bescheidene Feier des Jubiläums wird mit der großen Arbeitstagung de- St. Raphaels- vereins verbunden werden, die vom 23. bis 25. Juni in Stuttgart stattfinden wird. Meldungen zum Besuch der für alle Volkswirtschaftler, Kom­munalpolitiker, Caritasarbeiter und Seelsorger wichtigen Tagung in der schönen Hauptstadt des Schwabenlandes sind zu richten an den St. Ra­phaelsverein, Hamburg 5, Große Allee 42 und an den Ortsausschuß beim Caritasverband, Stutt- gart, Weißenburgstraße 13.

Hm die kalh. Auffassung derWellereigulffe.

Don Friedrich M u ck e r m a n n S. I., Münster.*

Wie kommt es nur, daß in der heutigen Si­tuation der Weltkatholizismus keine Rolle spielt, daß er nichts zu sagen weiß, daß er nicht einmal einen Willen hat?

Drei Ursachen möchten wir in aller Kürze kenn­zeichnen. Es kommt einmal daher, daß der Liberalismus und der Laizismus überall auf der Welt mehr ode, weni­ger auch in die katholischen Reihen ein. gedrungen sind. Man hat allzu ruhig zu- geschaut, wie sich auch in katholischen Kreisen eine verhängnisvolle Trennung zwischen Religion und Politik, zwischen Religion und Wirtschaft, zwi­schen Religion und Kunst und Wissenschaft mehr und mehr ausgebildet hat. Cs gab auch katho­lische Fabrikanten, die sagten:Herr Pfarrer, al­len Respekt vor Ihnen, aber bitte bleiben Sie in Ihrer Sakristei, wie ich in meiner Fabrik." Da­durch hat man den Einfluß verloren, der von der Religion kommt; dadurch ging es mit der Kul­turfreudigkeit zu Ende und schließlich blieb üb­rig ein resigniertes Volk, das sich in feine Sa­kristeien, in seine dumpfigen Vereinslokale, in fein religiöses Privatleben zsurückzog, das aber die öffentlichen Verhältnisse den Strö­men überließ, die heute darin herrschen.

Noch mehr, man machte aus bem Versagen so­gar noch eine Tugend. Da sind wir bei der zweiten Ursache, die wir in einer Art Pie­tismus nennen, in der Haltung jener Frömmig­keit, die der Meinung zu sein scheint, Christus habe seine Apostel in die Thebais geschickt, nicht aber zu den Völkern der Erde. Wehmütig stimmt man Jer emi ad en an über bi e döse W elt, über die Fortschritte des Bolschewismus, über das Regiment des Satans. Christentum ist für diese Art von Leuten oft nichts anders mehr als eine gewisse, schwächliche Sehnsucht, die in einer Art von facro egoismo von den Wohnungen im Himmel träumt, als hätte Christus gesagt, diese herrlichen Wohnungen im Himmel seien notwen­dig verbunden mit schleckten Wohnungen auf Er­den. Dieser Pietismus scheint jenen Trieb über­haupt nicht zu kennen, den Trieb des Menschen, der auch schon auf Erden den Segen seiner Reli­gion erfahren soll, und den, wenn er nach Got­tes Gebot lebt, in der Regel auch schon hinieden ein bescheidenes Glück erwartet. Don diesem Trieb des Menschen, der in der Zeit des prole­tarischen Massenelendes doppelt stark wird, scheint dieser Pietismus nichts zu wissen, und er über­

läßt infolgedessen die Sorge für die Neuordnung des sozialen Lebens den Bolschewisten und den Sozialisten, die er noch obendrein Materialisten nennt, was sie in der Tat ja auch sind.

Endlich ist da noch ein dritter Grund. Oft geschieht es, daß der Katholizismus mit den Mäch­ten, die nun einmal das Schicksal der Wirtschaft und der Politik bestimmen, einen allzu inni» gen Bund schließt. Die Folge davon ist ein falscher Konservatismus, der kostbare Früchte be­wahrt, auch wenn sie schon faul geworden sind, und der Leichen galvanisiert, die schon vier Tage im Grabe liegen.

Es ist interessant, zu beobachten, wie maß­gebende Führer des kapitalistischen Wirt- schastssystems an der ewigen Dauer dieses Systems heute zweifeln, während katholisch« Moralisten sich bemühen, mit der Moral der Bergpredigt schützend vor Güterverleilungs- verhallnisse zu treten, die voll von Ungerech­tigkeit, heidnischer Harte und ekelhaftesten Duchergeistes sind.

Dieser Katholizismus scheint oergeffen zu ha­ben, daß die Ewigkeit zwar der Kirche Christi verheißen ist, nicht aber irgendeiner anderen In­stitution auf Erden.

Die ganze Welt fühlt, daß die A u s e i n a n* Versetzung zwischen Bolschewismus und Zivilisation mit Riesenschritten heran* rückt. Man glaube doch nicht, daß dieser Kampf auf unserer Seite von Menschen geführt werden kann, deren Christentum liberalistisch, pietfftisch oder konservatistisch geschwächt ist.

Rur ein männliches Christentum kann «ns retten, ein Christentum des Willens und der Tal.

P. Coloma berichtet uns in feinem schönen Buch über Juan d'Austria von der hl. Theresia, die nach dem Ausscheiden Englands aus der ka­tholischen Gemeinschaft sich bei Gott beklagte, daß er so etwas zugelassen habe, worauf dann Gott seiner Heiligen die Antwort gab:Ich wollte schon, Theresia . . ., aber die Menschen wollten nicht. Wird Gott seinen Heiligen von heute, die sich über die dauernde Zunahme des Weltheidentums beklagen, eine andere Antwort geben können?

* (AusSchönere Zukunft", Wien XIX.)

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katholische Jungen-Zeltlager?

Also doch katholische Ferienlager? Dollen wir Katholiken wirklich um jeden Preis die So­zialisten kopieren? Diesem Einwand begegnet man immer noch, wenn vorn Ferienlager die Rede ist. So gut er gemeint sein mag, ist er doch von wirklicher Sachkenntnis wenig getrübt. Das Ferienlager ist nämlich gar feine sozialistische Erfindung! Bevor geschickte Propaganda und der bekannte Vorstoß der Sozialisten ins katho­lische Rheinland (Namedy) die rote Kinderrepublik bekannt machten, zelteten die Neudeutschen und die katholische bündische Jugend (Quickborn, Kreuz­fahrer, Sturmschar) in vielen Lagern, ohne viel Aufhebens davon zu machen. Der erste Versuch im letzten Jahr mit 10 katholischen Ferienlagern für 1214jährige Jungen konnte vor ernster Ver­antwortung gut bestehen (siehe: Auf, laß die Fah­nen wehn, Kommissionsverlag der Katholischen Schulorganisation, 80 Rpf.).

Die die günstigen Erfahrungen des letzten Jahres ermuntert, hat darum die kathol. Reichs­arbeitsgemeinschaftK i n d e r w o h l" die Dor- bereitunx-er Ferienlager unter Beachtung der bewährten, von den großen katholischen Verbän­den gutgeheißenen Richtlinien für Ferienlager rüstig aufgenommen. Wir rechnen mit einem nicht unbedeutenden Anwachsen gegenüber dem Jahre 1930. Viele Priester, katholisches Jungvolk und auch einige Pfarrgemeinden haben ihr In­teresse schon bekundet. Eine sieghafte Kraft wohnt dem Zeltlagergedanken inne, vor allem aus drei­fachem Grund. .

Das Zeltlager gewährt ähnlich wie die Fahrt das Erlebnis der schlichten, natürlichen Einfachheit. Die moderne städtische Zivilisation hat vielfach

den Sinn für Schlichtheit und Echtheit getrübt und geschwächt und damit auch viel Gewachsenes und Gesundes im Volks- und Familienleben zum Ab- sterben gebracht. Das Lagerleben in freier Na­tur stellt die Menschen in eine neue jungfräuliche und von Künstelei und Stadtkultur unberührte Welt. Da wird der Blick für die Alltäglichkeiten des Lebens wieder geöffnet, jeder Tag will neu gestaltet und geformt werden, jede Situation ruft schöpferische Kräfte auf, fördert Selbständigkeit und Einfachheit Und dies in einem Lebensalter, das folch einfachen Urverhältniffen primitiverer Lebensweise besonders zugeordnet erscheint und in dem unsere Jungen von solch einem selbstgeschaf­fenen Reich träumen.

Gleiches Erleben, zumal auf der Grundlage der katholischen Weltanschauung und bei einem ge­wissen Maß von Mitverantwortung und Mitge- ftaltung des Lagers auch durck die Jungens selbst vermag aber auch eine hohe Schule für das Ge­meinschaftsleben zu werden. Die Einheit des gan­zen Lagers wird erlebt am Opferaltar, am Lager, feuer, beim Fest, Sprechchor, Geländespiel; die aufgeloderte Einheit und das Gliedsein im Schas­sen und lieben der Zeltgruppe, der Spielschar, des Arbeitskreises und im Einzeldienst. Führer- tum und Gefolgschaft, Wetteifer und soziales fi* Einordnen, Autorität und Freiheit, straffe Zucht und lösendes Spiel werden als sachliche Ersor- dernisse empfunden und verlangt. Wie dem in sich zweckfreien Sviel eine anerkannte Bedeutung für die spätere Entwicklung des Menschen zu­kommt, so vermag auch das kleine Zeltlager in einem gar nicht gering einzuschätzenden Ausmaß Volk und Dolksordnung, Reich und Kirche er­fahrbar und damit zu einem viel tiefer erfaßten Seelengut zu machen.

Die dritte große Bedeutung des Lagers liegt in der Stärkung und Festigung des Gottesglau­bens und übernatürlichen Lebens durch das Er­lebnis der gottesbeweisenden Natur. Umfragen von Religionslehrern haben ergeben, daß von Ju- geitzdlichen selbst als häufigste Begründung für ihre Gottgläubigkeit die Antwort erfolgt, das Er­lebnis und der Anblick der Natur gebe ihrem Gottesglauben den stärksten Halt. Man muß die Feier des hl. Meßopfers im Blüten gatten der Na. tur, das Abendgebet im Lager selbst erlebt haben, muß gespürt haben, wie die Sterne des Firma­mentes in schweigender Nacht von selbst zu Kün­dern der unermeßlichen Größe und Allmacht Got- tes werden, die Sonne, die Gerechte und Böse auf Erden bescheint, zum Gleichnis der Liebe Got­tes wird, die niemand ausschließen will; wie das wogende Aehrenfeld uns zum Gleichnis wird für das eucharistische Lebensbrot, wie die Feier der Eucharistie am frühen Morgen sich in den Rhyth­mus des natürlichen Tages wundervoll hinein- schmiegt, wie das auffteigenbe Tagesgestirn den Anstieg der Seele zu Gott, zur Zentralsonne christ­lichen Ledens und Glaubens, begleitet und in ganz eigener Weise das Gotteserlebnis verstärkt. Da werden Natur und Uebernatur nicht mehr als ge, gensätzliche oder heterogene Größen empfunden. Die Natur selbst wird Zum Sinnbild, zum Weg und Transparent der Uebernatur.

Vielleicht vermag gerade der deutsche Mensch über die Natur und ihr Erleben, leichter als an­dere zu Gott zu finden. Die Kirche war in ihren weitsichtigsten Baten und Vertretern immer be­strebt. ihren Missionsauftrag in Berücksichtigung der Eigenart der Völker zu erfüllen. Wie sie die germanischen Heiligtümer zu christlichen Weihe­stätten umgestaltete und die Flurgänge mit christ­

lichem Gehalt füllte, so wird auch aufgeschlossene Seelsorge moderner Jugend den Kampf um Rein­heit und Gottesglauben dadurch erleichtern, daß sie dieser Jugend das Erlebnis der Gottesnatur und der Gottesschöpfung in ihrer Größe und Herrlichkeit zugänglich macht.

An Kinderdörfern haben wir Katholi­ken nur Marienruhe. Katholische Schullandheime gibt es nur fünf. Große Wanderungen und Fahrten verbieten sich für die meisten Jungen im volksschulpflichtigen Alter aus naheliegenden Gründen. Die Heimentsendung wird von den Städten statt gedrosselt und kommt auch für die an und für sich gesunde Jugend kaum in Be­tracht. Da können die katholischen Zeltlager eine Lücke ausfüllen. Sie haben den Dorzua arößt"r Sparsamkeit bei nachgewiesenem beträchtlichen ge­sundheitsfördernden Wert und erzieherischem Er­folg. Sie vermitteln das Erlebnis einfacher, schlichter Lebensgestaltung, gefinnungsoerbunbe. ner Christusgemeinschaft unb gottgeschaffener Na- tur in einer längeren Dauer unb verbürgen bet guter vorangehender Gruppenerziehung unb ent« sprechender Nachbereitung eine Nachhaltigkeit bie» fes Erlebnisses.

Nicht für alle mag bas Lager sich eignen, nicht alle sollen hierburch erfaßt werden, aber vielen jungen Menschen kann unb will das Lagerleben unb Lagererlebnis helfen, zu sich selbst, zu ihrer Umwelt unb zu Gott bas rechte Verhältnis zu finben unb Religion unb Leben roieber mitein« anber unzertrennlich zu oerbinben. Sie werben, in ihre Umgebung zurückgekehrt, als Sauerteig mitten unb widerstandsfähiger an Leid unb Seele unb aufgelockert für den Lebensstil der neuen Jugend, befähigt fein, mitzubauen an einem neuen Reich und an der Kirche Christi. Paul Pfister.