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Der Konflikt in Rom.

Papst Pius XL hat zwei Reden kn sehr scharfer Form gegen die Auflösung aller nichtfascistischen Zugendverbände Stellung genommen, wo­bei er vor dem römischen Missionarklub für italie­nische Auswanderer gegenüber dem offiziellen KommuniguL, in dem es hecht, die Auflösung sei St den geringsten Zwischenfall erfolgt, auf die

en „Zwischenfälle, Schmähungen, Sequestrie­rungen und Vandalismen" hinwies, die sich in der letzten Zeit ereignen konnten, trotzdem die Katholische Aktion unter dem Schutze eines Staats- Vertrages stehe. Vor einem mexikanischen Pilger­zug wiederum widerlegte er die Verleumdungen, die Mitglieder der katholischen Jugendverbände wären staatsgefährliche Personen. Immer und überall sei vielmehr das Gebot des Papstes, keine Politik zu betreiben, befolgt worden.

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Der Vorstand der Fascistischen Partei hielt eine Sitzung unter dem Vorsitz Musso­linis ab. Im Hinblick auf die letzten Vorkomm­nisse erklärte der Vorstand seine tiefe Ehrer­bietung für die katholische Religion, ihr Oberhaupt, ihre Priester, ihre Kirchen, aber auch^seinen festen Willen, nicht zu dulden, daß der Antifascismus unter irgendeiner neuen oder alten Fahne Schutz und Zuflucht finde.

Aus Anlaß der traurigen Angriffe kn Italien und Rom gegen die Freiheit unserer heiligen Kirche und des Heiligen Stuhles ordnete Kar­dinal Schulte in Köln öffentliche Gebete an.

Der Au gustinus-Verein zur Pflege der katholischen Presse sandte folgendes Telegramm nach Rom:

Der Augustinus-Verein zur Pflege der katho­lischen Presse Deutschlands beklagt, mit Euerer Heiligkeit das rechtswidrige Vorgehen der staat­lichen Gewalten in Italien gegen die Katholische Aktion und protestiert öffentlich gegen die Ver­letzung geheiligter Rechte. Die vermehrten Angriffe gegen unsere heilige Kirche werden uns um so mehr befestigen und stärken in der unver­brüchlichen Treue und Ergebenheit gegen den Apostolischen Stuhl und den geliebten Statt­halter Christi auf Erden. Chefredakteur Dr. K. Koeber (Köln), Vorsitzender, Verleger Fr. Klagges (Bochum), stellv. Vorsitzender, Franz Weber (Düs- seldorf), Generalsekretär.

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In Italien haben zum Zeichen des Protestes gegen die Diktatur des Fascismus auf religiösem Gebiet die Fronleichnams-Prozessionen nicht im Freien stattgefunden.

Schluß des Leipziger Varleilags.

Vrückeneinsturz in Frankreich.

Letzte Nachrichten der Iuldaer Zeitung

Brünings England-Reise. stürzte einen *0 Meter hohen S a h n x

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- London. 5. Juni. Don Southampton fuh­ren die deutschen Minister mit dem deutschen Bot­schafter und ihrer Begleitung nach London, wo die Ankunft im Waterloo-Bahnhof für 2,43 Uhr nachmttags angesetzt ist. Hier werden die deutschen Gäste begrüßt werden von Außenminister Hen­derson, dem ständigen Unterstaatssekretär im Foreign Office, Vansittart, dem gesamten Stabe der deutschen Botschaft in London, Vertretern der protestantischen und katholischen deutschen Geist­lichkeit sowie zahlreichen Vertretern der deutschen und auswärtigen Presse. Zu dem Lunch, dar zu Ehren des deutschen Besuches in Chequers veran­staltet wird, sind dem Vernehmen nach auch Bernard Shaw und Galsworthy, die beiden englischen Dichter, geladen.

Der „Nautilus“ auf Fahrt.

Die erste Etappe ist London.

wtb. provincetown, 5. Juni. (Cig. Meld.) Da Boot Nautilius ist nach Beendigung seiner Probefahrt planmäßig um 23 Uhr nach London in See aeaana?» Bon London wird es nach Spitzbergen gehen unh von dort aus seine Nordpolfahrt antreten. Sir fiuh«! Wilkens und eine Anzahl Wissenschaftlicher befind sich an Bord.

hinunter. Dabei erlitten eine Frau Herino » m lin, ihre 8jährige Tochter, sowie ihre Schw-N'^-r. lein Dr. Behrendsen schwereVerletzunoen o u* andere Kinder und der Chauffeur wurden leicht' ^n>ei Das Unglück ist dadurch entstanden, daß der die Signale des Triebwagens überhört hatte ring ist inzwischen den Verletzungen erlegen.

Kraftwagen gegen Eisenbahn.

Ein Todesopfer. — Zwei weitere Insassen schwer verletzt.

wtb. Schleswig, 5. Juni. (Eig. Meld.) Beim Bahn­übergang bei St. Jürgen ereignete sich gestern ein schwe­rer Zusammenstoß zwischen einem Triebwagen der Kreis­bahn und einem Kraftwagen. Der Kraftwagen tburde von dem Triebwagen erfaßt und 50 Meter mitgeschleift. Die Karosserie des Kraftwagens wurde abgerissen und

im Laufe des Vormittags zu einer zweiten Fahrt in die Schweiz gestartet, an der 20 Pass«, giere teilnehmen. Die Landung dürfte Freitaa I abend gegen 6 Uhr erfolgen. “

* Zeppelinfahrtan nach der Schweiz.

Meld.) Rach einer Meldung aus Friedrichslws.» ist das Luftschiff „Graf Zeppelins das bereits Freitag früh gegen 5 Uhr zu einer etwa dreil stündigen Fahrt in die Schweiz aufgestiegen war im Prtitfo hoS nt einar ■

Der Rachfolger Hermann Müllers im Parkeivor- siand der Sozialdemokratischen Partei.

Auf dem Sozialdemokratischen Parteitag In Leipzig wurde am Mittwoch nachmittag der An­trag des Parteioorstandes, der das Verhalten der neun Neinsager bei der Panzerkreuzerabstim­mung mißbilligt und die Fraktion ermächtigt, Fraktionszwang zu beschließen, und zugleich frft- ftetit, daß Zuwiderhandlungen als pärteischadi- sende» Verhalten gelten, mit 324 gegen 62 Stimmen angenommen. Zu irgendwel­chen Kundgebungen kam es nicht. Mit großer Mehrheit mürbe auch die vom Parteivorstand un­terstützte politische Entschließung Aufhäuser-Künst. (er angenommen, kn der am Schluß festgestellt wird, daß die Sozialdemokratische Partei in ihrer künftigen Haltung zur Reichsregierung sich davon bestimmen lassen werde, daß es gelinge, die le­benswichtigen Arbeiterinteressen zu sichern. Ebenso wurde ein Antrag angenommen, wonach der Par­teitag anerkennt, daß die Fraktion unter den schwierigen Umständen die Idee des Sozialismus und der Demokratie wirksam vertreten hat, end­lich der Antrqg des Parteivorstandes, wonach der Parteitag Kenntnis davon nimmt, daß die Reichs» tagsfraktion alsbald nach dem Erlaß der neuen Notverordnung zusammentreten und unter Be­rücksichtigung der gesamten politischen Situation Über die Frage der Einberufung des Reichstages entscheiden werde.

Reichstagsabgeordneter Johann Vogel. Franken, der auf dem Leipziger Parteitag als Nachfolger Hermann Müllers zum 3. Parteivor­sitzenden der SPD. gewählt wurde.

• Zusammenschluß Otko Sfraffer-Sfennes. Die früheren Mitglieder der NSDAP., Hauptmann Stennes und Dr. Otto Strasser teilen mit: Wir fhtb seinerzeit aus der NSDAP. Adolf Hitlers ausgetreten, weil die Entwicklung dieser Partei zmn Verrat von Nationalismus und Sozialismus geführt hat. Nachdem die or­ganisatorischen Anfangsschwierigkeiten überwun­den sind, haben wir uns zu gemeinsamer Arbeit als nationalsozialistische Kampfgemein­schaft Deutschlands zusammengeschlossen. Haupt­mann Stennes übernimmt in der Gesamtbewegung dieReichs-Führung.

X Unglücks stelle

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St Denis j. Pili

Zehn Tote, 19 Verletzte.

Eine Brücken-Einsturzkatastrophe ereignete sich am Mittwoch in der Nähe von Bonzac (Frank­reich). Ws über die neu erbaute Hängebrücke über die Jste zehn mit Sand beladene Lastautos fuh­ren, um die Belastungsprobe auszuführen, brach die Brücke zusammen. Zehn Tote und 19 Verletzte wurden unter den Trümmern hervorgezogen.

* «Der Angriff- für einen Monat verboten. Der Polizeipräsident von Berlin teilt mit: Die nationalsozialistische Tageszeitung „Der Angriff" wurde bis einfchl. 4. Juli 1931 aufgrund der Not. Verordnung des Reichspräsidenten zur Bekämp­fung politischer Ausschreitungen verboten. Das genannte Blatt hat trotz der eingehenden amt­lichen Darlegungen über das sogenannte Femebild erneut dem Polizeipräsidium Berlin eine Fäl­schung vorgeworfen. Weiterhin hatte das Blatt in Besprechung der Vorgänge anläßlich der Ent­hüllung des sogenannten Schlageter-Denkmales zur Verprügelung Andersdenkender aufgefordert.

Sie sind wieder ha!

Nach dem Breslauer Stahlhelm-Tag wurden zwei Stahlhelm-Männer als vermißt gemeldet. Man befürchtete in den Bundeskreisen das Schlimmste. Jetzt liegen folgende Meldungen vor:

Ludwig Hammann, einer der beiden Stahst helmleute, die an dem Breslauer Stahlhelmtag teilgenommen haben und, wie gemeldet, seit dem 31. Mai vermißt werden, ist wieder in seinem Heimatort, Neustadt a. d. H., eingetroffen.

Der vom Stahlhelm als vermißt gemeldete Stahlhelmer Haferland aus Soest i. W. ist, wie fetzt aus Soest mitgeteilt wird, gar nicht zum Stahlhelmtag nach Breslau gefahren.

* Ankunft des Skrakosphärenflieger viccard in Brüssel. Piccard ist am Donnerstag in Brüssel ein» getroffen. Er wurde vom Prinzen Leopold, vom Verkehrsminister, dem Vorstände der Belgischen Stiftung für wissenschaftliche Forschungen, mehre­ren Professoren der Universitäten Brüssel und Lö­wen sowie zahlreichen Persönlichkeiten feierlich empfangen. Eine große Menschenmenge begrüßte ihn begeistert. Ingenieur Kipfer, der nach Brüs­sel auf dem Luftwege zurückgekehrt war, traf mit Prof. Piccard am Bahnhof wieder zusammen.

Do X an der brasilianischen Küste.

Zu 12x|2 Stunden von den Kapverdischen Znfeln nach Fernando do Noronha.

Das deutsche Flugschiff Do X, dar am Donnerstag mittag in Praia (Kapverdische Inseln) zum Flug über den Südatlantik startete, ist Freitag früh 2.12 Uhr pro- grammäßig in Fernando do Noronha (Insel an der äußersten Südspitze von Brasilien) glatt gelandet.

Das Flugschiff hat die 1429 Seemeilen lange Strecke von den Kapverdischen Inseln nach der Insel Fernando do Noronha in 12 Stunden und 26 Minuten

zurückgelegt. Die Mannschaft wie die Fluggäste bei Flugschiffes äußerten sich begeistert über den Flug. Dst Motore arbeiteten ausgezeichnet bei einem Brennstoff, verbrauch von stündlich 1700 Liter. Der portugiesische Ad, miral Gago Coutinho betonte, daß der Flug glatt verlau, sen sei.

Do X wird nach Einnahme neuen Brandstoffes nach dem 300 Seemeilen entfernten P e r n a m bu c o auf dem südamerikanischen Festlande weiter fliegen.

Handel und Wirtschaft.

Berliner Freitags-Börse.

Lustlos und etwas schwächer.

wtb Berlin, 5. Juni. (Eig. Meld.) Die Fortsetzung der Erholungen in Newyork hatte zur Folge, daß man im Berliner Vormittags- und vorbörslichen Verkehr ziemlich freundlich gestimmt war und mit zumindest gut behaupteten Eröffnungskursen rechnete. Später zeigte sich jedoch eine stärkere Unsicherheit, da die an­haltenden Devisen-Anforderungen — der Dol­lar stieg im Freiverkehr auf 4,2130 — verstimmend wirk­ten. So zeigten die Anfangsnotierungen bereits über­wiegend kleine Rückgänge; die Umfatztatiakeit war nicht sehr groß, da die Spekulation, die augenblicklich Haupt­trägerin des Geschäftes ist, zur Zurückhaltung neigte. Die Aussichten für Chequers wurden im In- und Aus­lande nicht ungünstig beurteilt und es scheint so, als ob sich auch in den Gläubigerstaaten langsam die An­sicht durchsetzt, daß eine Aenderung der Repa- rationrzahlungsplans notwendig sei. Trotzdem wurde diese Entwicklung in Börfenkreisen nicht für besonders anregend erachtet, da man mit langen und schweren Verhandlungen rechnen zu müssen glaubt. Im übrigen liegen die anhaltenden Kreditkündigungen keine rechte Unternehmungslust aufkommen. Die Ab­weichungen waren im allgemeinen ziemlich gering, nur Berger und Allgemeine Lokal und Kraft verloren ca. 3% Prozent. Vereinzelt waren auch kleine Gewinne fest­zustellen, die jedoch nicht über W» Prozent hinausgingen. Oestererichische Siemens Schuckert zogen auf die unver­ändert 8prozentige Dividende um 3 Mk. an. Farben notierten mit 120 Prozent bei Berücksichtigung des Di­videndenabschlages unverändert gegen den gestrigen Schluß. Im Verlaufe bröckelten die Kurse bei lustlosem Geschäft weiter a b. Die europäischen Aus- landsbörsen meldeten gleichfalls schwächere Kurse, so daß die Tendenz auch von hier keine Stütze erhielt. An eini­gen Märkten griffen allerdings die Banken etwas ein. Nordwolle waren in Erwartung scharfer Bereinigunge- beschlüsse auf der bevorstehenden Abschlußsitzung weiter angeboten und bis auf 29 Proz. gedrückt. Im übrigen gingen die Verluste nur selten über 1 Proz. gegen Anfang hinaus. Anleihen uneinheitlich, von Ausländern waren Bosnier schwächer, Mexikaner fest, Pfandbriefe und Reichsschuldbuchforderungen bis H Proz. nachgebend. Devisen stark gefragt, Schweiz international leichter, Ma­drid erneut gebessert. Die Geldsätze blieben unverändert.

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Der Prioatdiskont wurde für beide Sichten um je 16 Proz. auf 5 Proz. erhöht.

= Unveränderte Maispreise bis zum 12. Iuni. Wie der Fwd. von der Geschäftsstelle der Reichsmaisstelle

hört, wurde in der Sitzung des Verwaltungsrates der Reichsmaisstelle beschlossen, die Verkaufspreise und Be­dingungen unverändert beizubehalten, und zwar voraus, sichtlich dir zum 12. Juni.

— Bevorstehende Ausgabe neuer amerikanischer Schah. EHeine. Der amerikanische Schatzamtssekretär Mellon gibt etannt, daß am 15. Juni 3Ä> proz. Bonds im Ge­samtbeträge von 800 Millionen Dollar zum Verkauf aufgelegt werden sollen. Sie wer, den im Jahre 1949 fällig und können vom 15. Juni 1946 ab eingelöst werden.

--- Die amerikanische 800 Millionen Dollar-Anleihe achtmal überzeichnet. Die 800 Millionen amerikanische Dollar-Anleihe, die zu einem Zinsfuß von 3^ Prozent ausgenommen wird und deren Ertrag den Fehlbetrag des diesjährigen Haushaltes decken soll, wurde am Mitt« woch, wie aus Washington gemeldet wird, mehr all achtmal Überzeichnet. Die gezeichnete Summe erreicht sechs Milliarden Dollar.

viehmürkte.

— Wächtersbacher Nutzviehmarkt am 3. 3uni. Der Markt brachte einen Auftrieb von 256 Kühen, Kalbinnen und Jungrindern und 66 Kälbern. Trotz reichlichen Am gebots an guten, frischmelkenden Kühen war der Markt, verlauf schleppend und die Preise gaben denen des letz, ten Marktes gegenüber wiederum etwas nach. Es ver« blieb geringer Ueberstand. Preise: für hochtragende und frsichmelkende Kühe 1. Sorte 450—540 X, für mittlere Kühe 350—450 X, für geringere Kühe 250—350 X, fü< Jungrinder halb- bis einjährig 125—225 X. Nächster Markt: Mittwoch, den 24. Juni.

Vorbericht de» Berliner Schlachtviehmarkte».

— Berlin, 5. Juni. (Eig. Meld.) Es wurden bezahlt für einen Zentner Lebendgewicht: Rinder 16—46, Käst der 25—66, Schafe 27—50, Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgew. 44—45, vollst. Schw. von 240 bis 300 Pfd. Lebendgew. 44—45, vollst. Schw. von 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 44—45, vollst. Schw. Dort 160—200 Pfund Lebendgew. 41—43, vollst. Schwein! von 120—160 Pfund Lebendgew. 38—40, Sauen 40—4fi Aufgetrisben waren: Rinder 2355, Kälber 1785, Schaf! 9343, Schweine 10 078. Marktverlauf: Bei Rinder« und Kälbern ruhig, bei Schafen ziemlich glatt, bei Schweinen glatt.

Der Teichschreck.

Skizze von Wilhelm Hochgreve.

Der alte Fifchmeister des gräflichen Gutes war außer Rand und Band. Gestern hatte er einen fünfpfünbigen Hecht am Ufer eines der Teiche gefunden, das heißt einen Hecht, der einmal fünf Pfund wog, jetzt aber nur noch aus Kopf, Gräten und Schwanzflossen bestand. Und wenn der Alte auch froh war, den Räuber los zu sein — denn der paßte ihm gar nicht in den Zuchtteich — so kamen die fünf Pfund Hecht doch keinem anderen als dem Grafen ober dem Fischmeister zu. Dieser Fall indessen erregte ihn nicht so sehr wie die unglaubliche Tatsache, daß heute morgen am Ufer des großen Karpfenteiches zwei Kar­pfen im Gewichte von sechs und acht Pfund lagen, ver­mindert um je anderthalb bis zwei Pfund der besten Rückenstücke. Das war denn doch die Höhe: Ein Otter in den Teichen! Schon war der Alte auf dem Wege zum Gutsförster, als er plötzlich kehrt machte und nach seiner Behausung zurück ging. Die Bälge standen hoch im Preise, und er hatte den Aerger, und darum wollte er den Otter selbst erbeuten. Er wühlte die Gerätekammer durch und förderte bas gesuchte Tellereisen, ein starkes Dachs- unb Ottereisen, zutage. Das brachte er nach dem Teiche und legte es am Ausstiege des Fischmarders kunstgerecht au» — so wie er es beim fürstlichen Fischmeister am Harze, seinem Lehrherrn, gelernt hatte. Darauf ging er feiner gewohnten Beschäftigung nach, und am Abend freute er sich auf den Morgen, denn bann würbe ja der kostbare Balg in den Bügeln hängen.

Schlicker, der Otterrüde, dachte anders über diesen Punkt.

Dar er denn vom Flusse zum Strome, bann nach dem Bache und den gräflichen Fischteichen gewandert, um seine Haut zu Markte zu tragen? Hatte er nicht den Fluß darum aufgegeben, weil der Jagdhüter ihm keine Ruhe mehr ließ und der Rauhhaar schon viermal hinter ihm war im Uferschilf? Ungern verließ er seine Heimat, ungern das stille Wasser mit den Schilfwäldern und Er- lenbeftanben an seinen Ufern. Der Jäger und sein Hund hatten ihm die Heimat verleidet. Der Strom aber, den er zuerst aussuchte, war wohl fischreich, fein Ufer jedoch

baumlos und glatt. Darum zog der Otter weiter und fand den Bach und die Teiche und wieder Teiche und rings­umher ganze Schilf- und Weidenwälder mit uralten Erlen und Pappeln. Fische gab’s so reichlich, daß fein Marder­blut sich auf der Fischweid austoben konnte. Auch war reichlich und bequem Abwechslung zu haben, schmackhafte WarMblifter, Wildenten und Wasserhühner und am Ufer äsende Fasanen. Den ersten stärkeren Hecht hatte er noch ganz verputzt, da er von der weiten Wanderung aus­gehungert war. Danach aber brauchte er von den Diel- pfünbern nur die besten Stücke zu verzehren; soviel Beute tarn ihm in den Fang.

Voll und rund spiegelte der Mond sich im Teiche und neben ihm die Wipfel der Bäume, die fast alle schon blatt­los waren. Schlicker lag auf dem Stamme einer Schwarz­pappel, die der Sturm vor Jahren ins Wasser niederbog, und verdaute eine Schleie. Der andere Ausstieg, wo er die beiden schweren Karpfen in der letzten Nacht gelandet und aufgefressen hatte, kam ihm nicht geheuer vor, weil er die beiden Karpfen vermißte. Der alte Fischmeister hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Wenn frei­lich der Mond nicht so hell herab geleuchtet hätte, wäre Schlicker vielleicht doch in das unter der Wasseroberfläche auf einem eingcrammten Pfahle lauernde Eisen geraten. So aber sah die Otter noch rechtzeitig die Gefahr.

So lang wie Schlicker war, lag er auf dem Baum­stämme und döste in die vom Mondlicht versilberten und vom leichten Nachtwinde geschaukelten Fluten; der breite Kopf war auf den Stamm gedrückt. Wie tot lag Schlicker da. Plötzlich aber fuhr er kopfüber ins Wasser hinein, wo er hin- und herschoß, um bald ohne Beute wieder auszusteigen.

Er hatte sich getäuscht. Der Fisch, den er unter sich im Wasser wähnte, war nur das Spiegelbild eines Blat­tes gewesen, das vom Baume herab flatterte.

Schlicker lag wieder auf der Pappel und verdaute die andere Hälfte feiner Schleie. Genau um die Zeit aber, da der Fifchmeister feiner Alten im Traum erzählte, was er sich und ihr von dem Erlös aus dem schönen Fell an- schaffen wollte, rutschte der Fischotter wieder in sein Ele­ment hinunter und jagte fein Schuppenwild. Hin und her ging die Jagd unter Wasser. Nur bann und wann tauchte der bärtige Fang über die Oberfläche des Teiches,

sog der Windfang die Lungen voll Lust, und wieder gings hinunter in die Fluten und auf die Fischweid. Was ihm an Kleinzeug in den Fang kam ,fraß er an der Ober­fläche schwimmend auf, größere Beute schleppte er an Land auf die Fraßplätze oder auf die alte Windbruchpap­pel. Satt war er schon längst, aber er jagte weiter, roeil’s ihm so angeboren war und weil'» sich in der Mondnacht so herrlich jagen läßt. Jetzt stöberte er einen Riesenkarp­fen in einer Bucht des Teiches auf. Der alte Bursche war so breit, daß er ihm nicht den Fang quer Über den Buckel zu schlagen vermochte. Aus dem Rücken schwim­mend jagte Schlicker unter dem Zwölfpfünder dahin, riß ihm den Bauch auf und schleppte seine schwere Beute am nächsten Ausstiege an Land.

Dreimal fand der Fischmeister sein Ottereisen teer, an anderen Uferstellen aber immer wieder neue Zeichen da- für, daß der Fischmarder noch da war. Der Alle dachte an die hellen Mondnächte, putzte feine alte Flinte auf, baute sich am Ufer des Hauptteiches, in dem der Otter mit Vorliebe hauste, einen Ansitz und nahm schon in der Dämmerung hinter der Wand aus Röhricht feinen Platz ein. Lange mußte er warten. Hoch stand der Mond über den Erlen, und kalt war die Nacht, aber der Alte hielt aus.

Aus dem Röhrichthaufen auf der festen Schlammbank schlängelte Schlicker sich wie ein Aal heraus, und fast lautlos glitt er ins Wasser.

Eine lange, vielgezackte, vom Mondlicht versilberte Pfeilspitze durchschnitt den Wasserspiegel. Der alte Fisch- meister riß die Augen auf und die Flinte hoch. Der Schuß dröhnte in die stille Nacht, das Wasser spritzte auf — und wurde glatt. So schnell es feine vom tqngen Ansitz steif gewordenen Glieder zuließen, eilte der Alte in den bereitftebenben Kahn, paddelte sich an die Anschußstelle und suchte mit Hilfe eines Keschers das Wasser ab. Ver­geblich war feine Mühe. Noch eine halbe Stunde war­tete er, ob feine kostbare Beute wohl emportauchen würde, aber — Schlicker hatte den Schuß, obwohl der Hagel ihn nicht traf, so übet genommen, daß et unter Wasser zuerst und bann über Land davon flüchtete. Die gräfliche Fischerei war ihm nun nicht mehr geheuer. In den Werden der Fasanerie riß er ein Kaninchen, und mit dieser Wegekost im Leide wanderte et die ganze Nacht.

Die alte Heimat zog ihn. Feinde sind überall. Sterbe« kann man überall. Darum wohnte Schlicker wieder iit der Heimat ,am Waldfluß. Sie sah sein erstes junges Le­ben und mochte auch fein letztes Tauchen sehen, wenn's anders nicht fein sollte. Nur ein Sehnen hatte er noch- Eine weiße, mondhelle Hornungnacht wollte er noch er­leben, sich mit hellem, jauchzendem Pfiff eine Fähe her­an pfeifen und mit ihr über den flimmernden Schnee tol­len, über die blitzende Eisdecke schlickern, durch die wohlig« kalten Fluten schießen. Nur so lange sollte der Säget warten. Damit sie nicht ausfterben, die freien Herren der Seen und Flüsse.

— Der Schaben, den der Rost anrichkek. Nach un­gefähren Berechnungen, die sich auf die letzten 23 Jahr« erstrecken, sind auf der ganzen Welt allein durch Ver­rostungen der Eisenteile an Eisenbauten für etwa 80 Milliarden Mark Schäden bezw. Verluste entstanden.

— Die Urgeige. Harald Sherida beschreibt im Wist senschaftlichen Journal von Kairo ein altes Musikinstru­ment .das schon zur Zeit der Kreuzzüge aus dem Orient nach Europa gelangte. Die Araber nennen es Rababa^ Rebab ober Rebeck. Diese Urgeige hat sich offenbar aus der einfältigen Lyra, die im Altertum mit dem Finger gezupft wurde, gebildet. Es kam dann eine zweite Saite hinzu, ein Sogen in primitiver Form — und das Streich­instrument war fertig. Noch die Troubadoure im zehnten Jahrhundert begleiteten ihre Gesänge auf der zweisaitigen Geige. Rebeck ist auch in der Gegenwart in Aegypten noch in Anwendung; man muß die äußerst einfache und kunstlose Herstellung bewundern. Ein langer Eisennagel eine Kokosnuß ,ein paar Pferdehaare, eine Fischhaut und einige Stücke Holz — das ist das ganze Material, bessert der ägyptische Amati zur Erzeugung seines Musikinstru« mente» bedarf. Das Holz leimt er grob zusammen, bst Kokosfrucht wird halbiert und bildet, von der feuchtes Fischhaut straff überspannt, den Körper des Jnsirumen tes. Die Nußschale wird dann mit Einschnitten versehe« die den Ton regulieren, und je zahlreicher die Einte« bungen sind, um so lauter ist der Klang. Dieser erfährt J eine Modulierung auch noch durch Verschieben des Sw- ges.