Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
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Donnerstag, 4. Juni 1931.
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lahtfl. 58.
Die Schlutzarbeilen an der Volverorduung.
Die Abreise nach London. —
CNB- Berlin. 3. Juni. (Eig. Meld.) Das Reichskabinett, das heute nacht bis gegen 2 Uhr beraten hat, ist um 10 Uhr vormittags erneut zusammengetreten, um die letzte Hand an die Notverordnung zu legen. Wie wir erfahren, sind nur noch einige Einzelfragen, namentlich auf dem G e- biete der Sozialpolitik, zu klären, während es sich im übrigen um die letzte Ueberarbei- tung der Verordnung handelt. Auf jeden Fall wird der Reich^'nzler die Verordnung heute nachmittag dem Reichspräsidenten vorlegen. Sie wird dann, da Dr. Brüning ja heute abend mit dem Reichsaußenmini st er nach London fährt, bereits die Unterschrift des Kanzlers tragen. Aus dem heutigen Besuch beim Reichspräsidenten darf jedoch noch nicht geschlossen werden, daß die Notverordnung heute auch veröffentlicht wird. Vielmehr dürfte der Reichspräsident sich zunächst eine genaue Prüfung vorbehalten. Man rechnet deshalb mit dem Erlaß der Notverordnung frühe st ens am Samstag. Die Kundgebung, mit der die Notverordnung der Oeffentlichkeit übergeben werden wird, wird übrigens auch in den heutigen Beratungen vorbereitet werden. Ein Berlin Morqenblatt will wissen, daß sie sich auf die Reparation?- frage bezieht. Diese Darstellung ist nicht ganz zutreffend; die Kundgebung hat nämlich das Ziel, dem deutschen Volk den Sinn der ganzen Notverordnung klar zu machen. Es liegt auf der Hand, daß in diesem Zusammenhang auch die Repara- tionsfrage gehört. Doch wäre es falsch, etwa anzunehmen, daß die R epa ra t i o ns fra g e das ausschließliche Thema der Kundgebung fei.
Die Kundgebung an das Volk.
Nach einer Mitteilung des R e i ch s v e r b a n - des der deutschen Industrie muß man annehmen, daß dieser Verband sich zu den Maßnahmen der Reichsregierung ablehnend oder zu mindestens äußerst kritisch verhalten wird. Der Verband weift nämlich schon jetzt, obwohl der Wortlaut der Notverordnung noch gar nicht vorliegt und noch gar nicht bekannt ist, darauf hin, daß die Kreise der Industrie enttäuscht und besorgt seien. Der Hauptstoß des Reichsverbandes der deutschen Industrie richtet sich gegen die K r i s e n st e u e r. Außerdem wendet sich der Reichsverband der deutschen Industrie gegen das staatliche Schlichtungswesen, indem er darauf hinweist, daß die Tarifverträge von dem politischen Zwange befreit werden und daß wieder wie früher Arbeitsverträge unter der ausschließlichen Verantwortung der vertragschließenden Teile zustandekommen müßten.
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Auf Grund der Pressemeldungen über die kommende Notverordnung hat der R e i ch s la n d- b u n d an den Reichskanzler und an den Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft zwei Schreiben gerichtet, in denen gegen gewisse der geplanten Maßnahmen Bedenken erhoben werden, namentlich gegen die Verdoppelung der Zuckersteuer und den Abbau der Getreidezölle. Gefordert wird ein stärkerer Schutz der Milch- und Molkereiproduktion, insbesondere die Erhöhung des Butterzolles und die Aufhebung des Nachtbackverbotes.
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Reichskanzler Dr. Brüning empfing im Dei- ser der zuständigen Reichsminister und des Reichsbankpräsidenten in der Reichskanzlei die Staatsund Ministerpräsidenten der deutschen Länder zu eingehender Aussprache über die von der Reichs- vogierung in Aussicht genommenen Sanierungs- maßnahmen. Die Aussprache diente lediglich der Orientierung. Beschlüsse wurden nicht gefaßt.
Sr. Schacht über die Reparalionssrage.
Aür den Vouug-Plan, aber gegen das Haager Abkommen.
Auf etn^r Tagung in Dresden sprach am> Mittwoch der frühere Reichsbank-Präsident Dr. Schacht über das Reparationsproblem und bemerkte einleitend, daß er sich nicht darüber äußern wolle, warum die Reparationen nicht bezahlt werden körnten, sondern über die Frage nach den Fo ^.erungen aus der erkannten Zahlungsunmög.ichkeit. Der Po ungplanhabe gegenüber dem Dawesplan zwe iVor- teile gebracht: Die Freiheit der deutschen Jni- üative und die Erhebung der Grundsätze wirtschaftlicher Vernunft zum intregi,erenden Bestandteil eines Vertrages. Dieser letzterer Vorteil sei dann durch das Haager Abkommen verfälscht worden und dies habe auch Ihm bestimmt, eine weitere Mitverantwortung abzulehnen, die er vom Poungplan auch heute noch üb er n ehme.
Dr. Schacht faßt die Gründe für feine Ablehnung in 3 Punkte zusammen: 1) in die Ein- sügung einer politischen Sanktionsklausel, die ein Moment der Bedrohung in einen solchen Vertrag hineinbringe; 2) die im Haager Protokoll erneut vorgenommene Beschlagnahme deutschen Privateigentums; 3) der gesetzliche Zwang für die Reichsbank, am internationalen Zahlungsausgleich mitzuwirken, was Deutschland in die Lage eines Verlragsteilnvhmers minderen Rechtes bringe. Alle diese 3 Punkte verstießen gegen die Schlußfolgerungen des Poungplanes. Diese Abkehr vom Poungplan müsse bekämpft und die seit 1924 erngeschlag e ne wirtschaftliche Grundlinie wieder ausgenommen werden durch eine wirtschaftliche Kampfmethode, die davon ausgehe, daß wir Tributlasten nur insoweit, als unsere Innen- und Außenwirtschaft einen entsprechenden Ueberschuß liefere, leisten.
Dr. Schacht ging dann auf die Unausgeglichenheit unseres Haushaltes ein, die eine naturgemäße Folge der durch eine 12jährige Tributpolitik völlig zusammengebrochenen deutschen Wirtschaft sei. Er könnte nicht durch Rechenkünste in Ordnung gebracht werden, sondern lediglich durch Inordnungbringung der deutschen Wirtschaft durch sinngemäße Durchführung der Wirtschaftsgrundsätze des Poungplanes. Die Ab- hängigmachung der kommenden Revisionsdebatten von der vorherigen Sanierung des Haushaltes berge die Gefahr, daß man sich nicht nur auf die wirtschaftlichen Grundforderungen des Poungpla- nes konzentrieren werde, sondern sich auch in einem Feilschen um die künftige Höhe der Tributziffern verliere. Nicht die absolute Höhe der Tributsumme sei ausschlaggebend, sondern die Möglichkeit, diese Summe zu erwirtschaften. Es komme nicht darauf an, eine Prüfung unserer Wirtschaftslage vorzunehmen, sondern darauf, ob unsere Gegner ihre vertraglichen Berpflichtungen aus dem Poungplan erfüllt hätten oder nicht. Auch die Begründung des Revisionsverlangens mit der sogenannten Goldklausel sei falsch. Dann hätte sie keine andere Konsequenz als eine 20-prozentige Reduktion der Tributlasten, also wiederum eine rein formale Zifferfestsetzung, die von wirtschaftlichen Gesichtspunkten völlig abgeht. Das größte Hindernis für das Ingangsetzen der Tributreoision liegt in der Befürchtung vorden Folgen einer Zahlungs- einstellu ng.
Dr. Schacht kann die Angst vor Kreditkündigungen, die in erster Linie befürchtet werden, nicht tei- "
len, da das Wesen des Doungkredites nicht darin bestehe, daß man ausgeliehenes Geld gerade dann wieder zurückbekommt, wenn man es haben möchte, sondern in schlechten Zeiten auf die Abwicklung der Kredite ohne Furcht und dann auch ohne Berlust warten muß.
Auf die Furcht vor politischen Gewaltmaßnahmen gebe es nur zwei Antworten: 1. daß Gewalt fein Geld bringe und 2. daß uns gar keine Wahl darüber bleibt, ob mir die Tributzahlungen einstellen sollen oder nicht. Die Aufnahme neuer Ausländsanleihen zwecks Hinausschiebung der Zahlungseinstellungsnotwendigkeit, sei es von privater Seite, fei es von politischer, muß unter allen Umständen abgelehnt werden, da sie der Zahlung von Kriegstributen auf einen weiteren kurzen Raum diene. Deutschland könne seinen Kredit nur aufrechterhalten dadurch, daß es schleunigst die Tributzahlungen e i n st e l l t, bis es sie auf einen Ueberschuß seiner Wirtschaft erübrigen kann. Dr. Schacht tritt auch der Ansicht entgegen, als ob Ausländsanleihen geeignet wären, die Wirtschaft anzukurbeln. Mit ausländischem Geld könnten nur solche Länder wirtschaftlich angekur- belt werden, die Waren aus dem Auslande, in erster Linie Produktionsmittel kaufen, um damit die heimische Produktion zu entwickeln. Allen Angriffen auf das Revisionsverlangen müsse die Herabdrückung der Lebenshaltung unserer breiten Bevölkerungsschichten entgegengehalten werden, sowie daß alle deutschen Versuche, die deuffche Ausfuhr zu erhöhen und damit eine Hauptvoraussetzung des Poungplanes zu erfüllen, an der Politik unserer Gläubiger gescheitert seien. Dies zeige auch der augenblickliche Kampf um die deutsch-österreichische Zollunion. Schließlich forderte Dr. Schacht auch noch, daß Deutschland die koloniale Frage mit aller Energie wieder aufrollen müsse, um zu einem erleichterten überseeischen Rohstoffbezug zu kommen.
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Ob Dr. Schacht eingeladen werden wird, fein Programm an verantwortlichen Stellen durchzuführen, ist noch unbekannt.
* Annahme der Dahlreformvorlage im englischen Unterhaus. In der Sitzung des Unterhauses wurde die Wahlreformvorlage mit 278 gegen 228 Stimmen angenommen.
Die Lage in Spanien.
Im Ministerrat in Madrid berichtete Außenminister Lerroux über die Genfer Tagung. Sein Bestrebon, die außenpolitischen Beziehungen Spaniens durch den Völkerbund enger zu gestallten, fand die Zustimmung des Ministerrats. Der Finanzminister teilte 'die von ihm getroffenen Maßnahmen gegen die Kapitalflucht mit. Die Exporteure müssen ihre Devisen laufend in Peseten umwechseln. Die Banken haben innerhalb 48 Stunden beeidete Aufstellungen ihrer spanischen und ausländisch sn Goldwerte und Devisen, auch der im Auslande hinterlegten, einzureichen. Bis zum Samstag müssen sie außerdem eine Uebersicht der Bewegungen ihrer Depositenkonten in den letzten drei Jahren vorlegen.
Treue-Kundgebungen für den Papst.
Wie die Christlich-Soziale-Nachrichtenstelle meldet, hat das Präsidium der Katholischen Aktion in Oe st erreich an den Papst eine von Kardinalbischof Dr. Piffl unterzeichnete Treue- und Gehorsamskundgebung gerichtet. In dieser heißt es zum Schluß: Die Katholiken Oesterreichs wollen arbeiten und beten daß die katholischen Werke und das katholische Leben in allen Ländern allen Schwierigkeiten mit Erfolg begegnen und sich weiter entwickeln möge.
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Nachdem vor einigen Tagen die Berliner Kath 'ktion ein Sympathieschreiben an den Papst gerichtet hat, sandte jetzt Bischof Dr. Schreiber folgendes Telegramm nach Rom:
Von einer Pastoralreise in Pommern zurückgekehrt, bekunde ich Euch. Heiliger Vater, zugleich im Namen des Domkapitels, des Klerus und des gläubigen Volkes im Bistum Berlin, unseren großen Schmerz über die Vorgänge gegen die Katholische Aktion in Rom und in Italien. Wir nehmen innigen Anteil an dem Kummer Ew. Heiligkeit und beten zu Gott um Abkürzung der Trübsal und Wiederherstellung der Freiheit.
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In einem Telegramm der K. V. aus Rom heißt es.: . e
Durch die staatliche Auflösung sämtlicher nichtfaszistischeu Jugendvereine sind auch der große Landesverband der katholischen Jugend Italiens, der blühende Verband der kathol. Universitätsstudenten sowie das ganze Netz weiblicher katholischen Iugendvereine mitbetroffen. Durch diese Maßnahme hat die Gesamtinstitution erneut eine schwere Verschärfung erfahren. Obwohl auch in dieser Sache Schritte des Heiligen Stuhles beim Quirinal schweben, über die strenges Stillschweigen beiderseits gewahrt wird, sehen doch objektive Beurteiler nach einem solchen Vorstoß des Staates die Grundlagen einer wirklichen Einigung dahinschwinden.
Gegen die Mord-Buben.
Eine bemerkenswerte Erklärung des Berliner PolizeipräsidentM.
Der der Beisetzung des am Freitag bei den kommunistischen Ausschreitungen am Senefelder Platz in Berlin erschossenen Polizeihauptwachtmeisters geentert auf dem Garnisonfriedhof führte Polizeipräsident Grzesinski, Berlin, in einer Ansprache folgendes aus:
Ein hochachtbarer Polizeibeamter sei das Opfer eines Mordbuben geworden. Gewiß feien politische Kämpfe nötig. Mit der Waffe in der Hand sei der politische Kampf jedoch ein gemeines Verbrechen, wogegen der Staat sich mit allen feinen Machtmitteln einsetzen müsse. Noch seien die Täter nicht festgenommen; aber man werde sie finden und einer hoffentlich schnellen und ganz schweren Bestrafung zuführen. Milde und Nachsicht fei hier nicht am Platze. Für Mord und gerade auch für Mord an Beamten im Dienst aus angeblich politischen Gründen gibt es keine Entschuldigung. Wann endlich wird sich eine geschlossene Front aller anständigen und gesitteten Menschen in Deutschland finden, die von Parteien, die hinter Mördern stehen, geschlossen ab rück en. Diese verruchte Art des politischen Kampfes muß infamiert werden von allen, die mit geistigen Waffen politische Ziele erringen wollen. Es sei vielfach die Meinung laut geworden, die Beamten ständen schutzlos solchen Angriffen gegenüber. Er erklärte am offenen Grabe eines der besten Polizeiwachtmeister, daß jeder Beamte, der beschimpft oder gar angegriffen werde, nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht habe, sich rücksichtslos, auch vorbeugend mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu verte idigen.Wer einen im Dienst befindlichen Beamten tätlich angreift, der greift den Staat an. Dagegen gebe es nur eine entschied ene Ab wehr, und er werde das decken.
Sozialdemokratischer Parteitag.
Der zweite Tag des sozialdemokrattschen Parteikongresses hat die beiden großen Referate von Breitscheid und Sollmann und die erste Hälfte der Aussprache über die aktuellen Probleme gebracht, die Die Sozialliemokratie augenblicklich bewegen. Es sind die großen Fragen der Tagespolitik, denen man allgemein großes Interesse entgegenbringt. Und so ist es durchaus natürlich, daß i)ie Debatte noch nicht zu Ende geführt werden konnte, sondern noch den ganzen Mittwochvormittag ausfüllt. Nachmittags werden dann die Abstimmungen stattfinden.
Der Verlauf hat bereits bestätigt, daß von dieser Abstimmung keine Ueberraschungen zu erwarten sind. Der Beifall, der die Ausführungen oppositioneller Redner begleitete, kam von der Galerie. Die Delegierten quittierten diese Ausführungen mit absolutem Schweigen — auch ein Zeichen dafür, daß Parteivorstand und Reichstagsfraktion die überwiegende Mehrheit des Parteitages hinter sich haben. So ist es denn sicher, daß die Entschließung angenommen wird, die zwar Wünsche — namentlich an die Adresse der Reichs- regierunq gerichtete Wünsche — enthält, die aber die Politik der Reichstagsfraktion billigt und die Entscheidung über die Notverordnung usw. in deren Hand legt.
Abg. Sollmann hat schon angekündigt, daß die Fraktion fofort nach Erscheinen der Notverordnung zusammentreten und sie eingehend prüfen wird. Da die Mehrheit zunächst weiter einem
vorsichtigen Kurs zuneigt, wenn es irgendrm» tragbar erscheint — was auf die Tolerierung der Reichsregierung hinausläuft —, so bedeutet der Sozialdemokratische Parteitag im Ganzen eine Entspannung der parlamentarisch-politischen Situation für das Reichskabinett, soweit es sich um das Verhältnis zwischen Sozialdemokratie und Regierung handelt. Die Parteiführung selbst geht angesichts der starken in der Aussprache immer wieder wiederholten Betonung der Notwendigkeit, Disziplin zu halten, mit einer erheblichen Stärkung aus der Tagung hervor. Sie kann ihre Entschlüsse nach der jeweiligen Lage fassen.
Stahlhelm und Gewerkschaften.
Der Reichstagsabgeordnete B a l t r u s ch (Volksnationale Vereinigung), ein bekannter Führer der christlichen Gewerkschaften, und zwar des evangelischen Teiles, schreibt über obiges Thema:
Dem Beobachter, der die Wirtschafts- und Sozialpolitik des Stahlhelms von vornherein verfolgte, wurde es immer klarer, daß diese bün- dische Organisationen mit ihrem Schlagwortkampf „gegen den Marxismus" in Wirklichkeit den Kampf gegen die gesamten deutschen Gewerkschaften führen will. Zu dem Zwecke zog der Stahlhelm die sog. „Stahlhelmselbsthilfe" auf, die weiter nichts ist, als eine Schutztruppe der Unternehmer und ein Kampfmittel gegen die Arbeitergewerkschaften aller Richtungen.
In Mannheim verkündete der Stahlhelmführer Haas auf einer Veranstaltung vor einigen Tagen, zu der auch Gäste aus Handel und Industrie geladen waren, vor kurzem, daß der Stahlhelm alle Arbeitnehmer, die auf dem Boden der nationalen Bewegung stünden, in seiner „Stahlhelmselbsthilfe" sammeln wolle, ohne daß diese Mitglieder überhaupt dem Stahlhelm selbst anzugehören brauchten. Außerdem kämpfe der Stahlhelm um die Beseitigung des sogenannten Tarifmonopols der Gewerkschaften.
Maa sollte es kaum für möglich hasten, zu welchen Torheiten sich der rückschrittliche Teil Des Bürgertums gegenüber der Arbeiterschaft hinreißen läßt. Es wird dem Stahlhelm niemals fein» fallen, sich in die Berufsorganisationen der Industrie, der Landwirtschaft, des Handels und der freien Berufe einzumischen. Aber den Berufsorganisationen der deutschen Arbeiterschaft steht er nicht nur innerlich ablehnend gegenüber, sondern wagt es sogar, sie durch Zersplitterungsbestrebungen mit der sog. „Stahlhelmselbsthilfe" zu bekämpfen, obwohl eine große, Millionen Mitglieder zählende christlich-nationale gewerkschaftliche Arbeitnehmerbewegung, die die Interessen der Arbeitnehmer ehrlich wahrnimmt, längst vorhanden ist.
Die fottgeschrittene deutsche Arbeiterschaft, dis den Wert eigener, selbständiger, gewerkschaftlicher Berufsorganisationen seit langen Jahrzehnten kennt, wird dafür Sorge tragen, daß die Schutztruppe des reaktionären Besitzbürgertums bei allen passenden Gelegenheiten genügend gekennzeichnet wird und daß die staatsgefährliche und volkszersetzende Einfluß der bekannten rückschrittlichen Drahtzieher des Stahlhelms weder in der Reichsregierung noch in den Länderregierungen zu stärkerer Geltung kommt.
Die ewig Gestrigen werden von der aufrechten und selbstbewußten deutschen Arbeiterschaft jetzt und auch in Zukunft als Führer abgelehnt.
lieber die Breslauer Stahlhelm-Tagung schreibt uns ein Mitarbeiter aus eigener Beobachtung:
Zwei Fronten zeigten sich in Breslau. Nicht zwar in den Paraden. Dort mag man sich vielleicht noch einig gewesen sein. Aber die zwel Fronten erstehen vor den Augen unseres Volkes in dem gleichen Augenblick, in dem es darüber nachzudenken beginnt, woher ihm Rettung werden soll und wird aus tiefer Not, aus Bedrückung und Verzweiflung. Da findet unser Volk aber nicht die Stahlhelmer in der Aufbaufront, in der Phalanx der Befreiungskämpfer. Da sind di« Herren in der Etappe, veranstalten Parademärsche, lassen Kapellen spielen, als ob jemals ein Volk dadurch gerettet und der Arbeiter sattwerden könnte. Als ob man so Arbeit und Brot zu schaffen in der Lage wäre.
Wie einfach ist es doch, wir haben das auch im Kriege gesehen, in der Etappe groß« Reden zu halten über Heldentum, Vaterlandsliebe und Opferbereitschaft, weil man dadurch ja nicht betroffen wird. Die Front jedoch, sie muß f ü t d i e Etappeausharren und durchhal - ten. Sie hat keine Zeit zu wohlfeilen Paraden. Sie führt den Freiheitskampf für das Volk. Sie sucht die Sammlung der Kräfte zur Bewältigung der W i r t s ch a f t s n o t und des A r b e i t s l o. f e n e t e n b 5, sie arbeitet unablässig an der Fundamentierung eines neuen und glücklicheren Reiches, in dem wir als freie Deutsche, gleichberechtigt unter den Mächten Europas leben können.
Zwei Fronten! Schauspiele und Theater auf der einen Seite, vorübergehend eine gewisse Augenweide für Volkskreise, die sich immer noch an rethorischen Wirkungen berauschen, vergessen haben, was hinter uns liegt, und nicht sehen wollen, worum es heute geht. Auf der anderen Seite die Front der st i l- l e n, aber t at e n t s chl o s s e nen Kämpfer, denen das Vaterland über alles geht, die nicht an sich zuerst, sondern bei allen Entscheidungen an das Volkswohl, an die Rettung aus Not und Elend denken, die auf billige Paraden verzichten, dafür aber vor der ganzen Welt den Beweis erbringen, daß wir ein starkes Volk trotz aller Fesseln bleiben» ein Volk, das mit den Waffen des Rechtes seine Frecheit sich erkämpft.