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Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda

Mr«. 58

Mittwoch. 3. Juni 1931

Der Breslauer Stahlhelm-Tag

Mussolini

150 000, 1. Exkronprinzesfin Geeilte, 2. der Exkron-

zu werden?

Das ist das Problem der Stunde, das ist die Frage des Tages, das ist die wirkliche Schick­salsfrage, die heute an jedem Tag, zu jeder Stunde an jeden Einzelnen von uns gestellt wird. Und wenn wir die Dinge so sehen, wenn wir sie richtig durch sehen und ihre weit über die jetzt lebende Generation hinausragende Bedeutung über­schauen, dann werden wir, so hart und schwer und niederdrückend, ja übermenschlich die Opfer auch scheinen mögen, die wir für das Leben unseres Vaterlandes und für die Zukunft unseres Volkes zu bringen haben, diese Opfer würdigen und uns fühlen als Träger der Zukunft eines glücklicheren, freien Deutschland!

geben müssen, verständliche Gegenwehr und, ein­fach durch die Notwendigkeit der Sicherung der eigenen Existenz bedingte, Abwehr Hervorrufen werden.

Aber bei allem müssen wir uns fragen: Zu welchem Zweck?

Zu welchem Zweck bringen wir die Opfer? Zu welchem Ziel soll ihre Leistung führen?

Hier aber ist der Punkt, an dem die Betrach­tungen des Tages sich scheiden. Die große Kern­frage wird nicht übersehen und nicht durchschcmt. Die Frage nämlich: Um w«s eigentlich geht es denn? Begreifen wir denn nicht, daß es sich ganz einfach darum handelt, ob unser Volk wirt- schaftlrch und politisch in seiner Eigen­existenz weiterleben kann oder üb es zwischen den Mühlsteinen des Fasch ismus einer­seits und des Bolschewismus anderer­seits zerrieben wird, um in Auswirkung der daraus sich entwickelnden inneren Kämpfe, die nicht ohne Blutvergießen geführt werden könnten, eine lehchte Beute des internationalen Finanz­kapitals

Faschismus und Kirche.

In Italien ist es zum offenen Kampf zwischen dem Vatikan und der Regierung gekommen. Nach, dem der Faschismus zunächst die wüsten Ausschrei, hingen seiner Anhänger gegen die Katholische Ak. Hon und gegen katholische Studenten geduldet hatte, schien es so, als wolle er jetzt sich auf seine Pflicht besinnen und weitere Krawalle verhüten. Aber es schien nur so. Längst haben die Angriffe gegen katholische Einrichtungen von Rom aus auf andere Städte übergegriffen. Ueberfälle auf Mit­glieder der Katholischen Studenten sind an der Tagesordnung. Ja, es ist geradezu zu aufrührerr- scheu Anschlägen gekommen. Man hat versucht, das Haus eines Erzbischofs in Brand zu stecken (Verona), und hatte wohl die Absicht, auch die nebenanliegenbe Kathedrale in Asche zu legen.

Mussolini ist jetzt so weit gegangen, die Prä- fetten anzuweisen, der Katholischen Aktion gegen­über das Gesetz über die, öffentliche Sicherheit an- zuwenden. Das zeigt, daß er noch nicht geneigt ist, Frieden zu schließen, sondern im Gegenteil die letzten Mittel gegen den Papst anzuwenden. Der Staat erhebt sich gegen die Kirche, und zwar in so brutaler Form, wie wir es in letzter Zeit nur in Rußland und in Spanien erlebt haben. Der Wesensunterschied zwischen dem Faschismus und dem Bolschewismus ist also auch in Italien in diesem Punkte nur sehr gering. Wah­rend in Spanien die Kommunisten sich mit dem Verbrechertum verbündeten, um das katholische Leben zu vernichten, und während in Rußland der Kampf gegen die Religion auf offizielle Anwei» jung des Staates eröffnet wurde, versucht jetzt

stenzmittel zu garantieren. Die Angestellten müßten aus Gründen sozialer Gerechtigkeit for­dern, daß in erster Linie die tragfähigen Schultern zur Ueberwindung der Krise herangezogen werden.

Wo stehen wir?

Was sich in den letzten Wochen beinahe täglich vielerorts im Reiche abspielt, erfüllt uns mit Ent­setzen und größten Sorgen. Kein Tag vergeht, an dem nicht schwere politische Zusammenstöße gemel­det werden, die leider auch zu Blutvergießen füh­ren. Man lieft bald von einem, bald von mehreren Todesopfern solcher politischen Ueberfälle.

Es sind die Radikalen von rechts und links, die die Schuld an diesen so beklagenswerten Verwilde­rungen der politischen Sitten tragen. Ihre Presse fordert ja geradezu zum politischen Meuchelmord auf. Keine.Achtung mehr der politischen Ueberzeu- gung des Gegners. Jeden, der sich nicht zu den revolutionären Ideen der oder jener Gruppe oder Bewegung bekennt, nennt man einenehrlosen Gesellen, einenLandesverräter", der beseitigt werden müsse. Staatliche Organe werden ver­leumdet und beschimpft, politische Führer persön­lich in der niederträchtigsten Weise angegriffen. Wir lesen andauernde Drohungen vonKöpfe rollen lassen". In jedem Artikel wird der Rachegedanke geweckt.

Das ist geradezu das scheußlichste in der radika­len Bewegung, daß sie in jedem einzelnen Falle dann immer den politischen Gegner noch als den Angreifer bezeichnet, die eigenen Anhänger als un­schuldig? Opfer hinzustellen sucht, die sich dochweh­ren" müßten. t ' ...

Natürlich muß das Vorgehen, das an und für sich schon verwerflich genug ist, auch noch einpo­litisches" Mäntelchen bekommen. Man greift den Staat an, indem man erklärt, nur die Ausnahme­verordnung habe zur Verschärfung der politischen Gegensätze geführt. Die Nationalsozialisten schrei­ben, daß sie'bezw. ihre Anhänger durch die Anwen­dung jener Notverordnung schutzlos geworden seien, während die Kommunisten in ihrer Presse wieder das Gegenteil behaupten. Dabei haben doch die Bestimmungen der Notverordnung nur den einzigen Zweck, vorbeugend zu wirken und von vornherein auch die Möglichkeiten zu po­litischen Gewalttätigkeiten einzuschränken oder aus­zuschalten. Aber die Radikalen denken ja gar mcht daran, auf den politischen Gewaltakt in ihrem Kampfe zu verzichten.

Tiefites Mitleid haben wir mit jenen armen Opfern, die durch politischen Unverstand und die radikale Hetze an Leib und Leben Schaden leiden. Wir achten und ehren jede politische Ueberzeugung, wenn sie ehrlich gemeint ist. Aber wir fordern schärfste Proteste gegen jene radikalen Versuche, die Gefühle der Kameradschaft für blutige politische Zwecke zu mißbrauchen. Wir fordern weiter noch schärfere Maßnahmen der Regierungen und der Behörden, ebenso schärfite Bestrafungen mcht nur der politischen Verbrecher, wenn sie gefaßt wer­den, sondern vielmehr der D r a h t z i e he r, die die Hauptschuldigen sind, der sogenannten Führer der radikalen Bewegungen, die auf Blut und Ter­ror ihre Macht aufbauen wollen.

Die Breslauer Stahlhelmveranstaltung hat na­mentlich in der französ scheu Presse ein leb­haftes Echo gefunden. DerTemps" schreibt: Kund­gebungen wie diese werden das internationale Ver­trauen in den Friedenswillen des deutschen Volkes nicht kräftigen. Durch derartige Demonstrationen kompromittiert Deutschland seine eigene Sache, und daß die Deufichen so kurz vor dem Besuch des Reichskanzlers und des Reichsaußenministers in Thequers eine derartige Parade wagen, beweist ihren großen Mangel an politischem Gefühl. DasJournal" schreibt: Man mußte zwangsläufig vor allem an die Sicherheit denken, als die Stiefel der Stahlhelmleute im provozierenden und rythmischen Gleichmaß im vergangenen Jahre an den Ufern des Rheins erklangen. Heute erklingen sie in demselben Gleichmaß an den Ufern der Weichei (das Blatt verwechselt Weichsel und Oder). Die Deutschen brauchen es sich selbst zuzuschreiben, wenn sie entdecken, daß sie nicht durch ein derar­tiges Vorgehen die Unterstützung erhalten werden, deren Dringlichkeit zwecks Beseitigung der Wirt­schaftskrise sie zuerst anerkennen müßten.Ere Rouvelle" schreibt: Diese nationalistischen Kund­gebungen erleichtern natürlich nicht die Aufgabe der Cheguers-Pilger. Der Stahlhelm hat gestern sei­nem Lande einen sehr schlechten Dienst geleistet.

Prosaische Arbeit!

Die wir erfahren, hat das R e i ch s k a b i n e 11 in feiner Montag-Sitzung, die von Mittag bis über

Mehr Disziplin!

Ein Anfrns zu den Tages- und Aeilereignisse«.

Aus einer besonderen Feder.

le die Sozialdemokraten es sehen.

Aufschlußreiche Rede auf dem Leipziger Parteitag der Sozial demokraten. Sozialismus und Faschismus.

sich gegen die Auffassung, daß zwischen MuMini und Brüning ein Unterschied nicht bestehe. Durch solche Auffassungen werde der Kampf gegen die faszistische Gefahr erschwert. Der Faszismus ser eine Bewegung zu einer Staatsform, bie ttn Gegensatz zur Demokratie die oberste Gewalt int Staate und das Recht zur politischen Willens­bildung nicht der Gesamthe it der gleich- berechtrgten Staatsbürger, sondern ement einzelnen ober einer bevor r e ch t i gte n Minderheit zuerkennt. Auch in einer Diktatur des Proletariats sei die Demokratie ausge- schaltet. Vom staatsrechtlichen Standpunkt aus gesehen, gebe es daher zwischen Moskau und Rom keinen Unterschied.

Das Elend der dauernden Arbeitslosigkeit, die Verarmung breiter Schichten habe die Zahl den Anhänger des Faszismus nach und nach m »er Nachkriegszeit immer mehr erstarken lauen. Aber ebenso wie in Italien waren es außer dem Luru- pen-Proletariat in der Hauptsache mittel st and- lerische Schichten, die dem Hakenkreuzbanner folgten. Was die Bewegung Neues brachte, war im wesentlichen die Lebhaftigke it der Pro- paganda und die Romantik der Ziele der Methoden. Ob die Hitlerianer ,wenn sie zur Macht kommen, die praktischen Konsequenzen aus ihren so laut vertretenen Ideen ziehen würden, fit zum mindesten zweifelhaft. Die Programmlosig- feit, mit der man sich noch gelegentlich besonders brüstet, ist eines der Bindemittel für die hetero­genen Bestandteile. Ein Mann ist an die spitze gestellt, der künstlich mit dem Mythos der post- Hschen Unfehlbarkeit umgeben wird und unbebtng* ten Gehorsam fordert. Disziplin, die auf diese Weise hergestellt wird, ist der Zustimmung aller derer" gewiß, für die politisches Denken und eigene politische Urteilsbildung eine grausame Anstren­gung bedeutet.

Die Führer der Hitler-Partei sind sich durch­aus bewußt, baß sie auf die Dauer weder di^ch eine zu starke Betonung des Charakters ihrer B^ togung als einer Arbeiterbewegung, noch durch bas Festhalten an nebelhaften Formulierungen sich über Wasser halten können Sie suchen des­halb, wenn auch vorsichtig, so doch mit vollem Be- wußtsem den Anschluß an die kapital i- (Fortsetzung am Schluß des redaktionellen Teils),

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Mitternacht dauerte, die Aussprache über die ge­planten Finanzsanierungsmaßnah­men zum Abschluß gebracht. Die Redaktion der I Notverordnung wird am Dienstag erfolgen. Ihre endgültige Verabschiedung durch das Kabinett ist für Mittwoch vorgesehen.

Nach einer Information derKöln. Ztg." plant sowohl Reichskanzler 2>r. Brüning als auch Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald noch in diesem Monat eine Reise in den Westen des Rei­ches, nicht nur, um sich über die augenblickliche Lage aus eigener Anschauung zu unterrichten, sondern auch, um über Sinn, Notwendigkeit und Auswirkungen der Notverordnung zu sprechen. Der Kanzler, der im Januar in | Köln gesprochen hat, wird diesmal einer Einladung der katholischen Arbeitervereine folgen und in Dm- borf sprechen. Als Tag ist der 23. Juni in Aus­sicht genommen. Der Reichsarbeitsmmister wird in Cleve und in Elberfeld-Barmen zwei Reden hal­ten. Die Kölner christlichen Gewerkschaften wollen versuchen, den Minister auch zu einem Vortrag m Köln zu bewegen.

Die Sorgen der Angestellten.

Der Gewerkschaftsbund der Angestellten hat an Reichskanzler Dr. Brüning ein Telegrmnm ge­richtet, in dem er sich vor der endgültigen Beschluß­fassung der Reichsregierung gegen alle Plane einer Behebung der Finanznot durch unsoziale Spar­maßnahmen" wendet. Im besonderen wird die Krisensteuer für die Angestellten als un- annehmbar bezeichnet; die Angestellten feien, so wird ausgeführt, durch Kürzung des, Tarff- gehaltes, Abbau übertariflicher Zulagen Gehalts­kürzung infolge Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit in ihrer Lebenshaltung Hefei herabgedruckt worden als andere Berufskreise. Weiter wird gegen den etwaigen Plan einer Beseitigungder Lohn- steuerr ückerst attun g Stellung _ genommen, die um so ungerechter sei, als die Rückerstattung für andere Einkommensteuerpflichtige aufrecht­er halten werden falle. Der Arbeitslosenschutz dürfte nicht gedrosselt werden. Die Allgemeinheit müsse verpflichtet bleiben, allen nnver schul- bet Erwerbslosen ausreichende Exr-

Das Wort, daß wir in einerSchicksalsstunde" len ist in den letzten Jahren und Monaten J gebraucht, aber auch viel mißbraucht worden.

Mn aber ist's an dem:

Die Bedeutung der Stunde, ht der wir stehen, und die sich kennzeichnet durch die Zuspitzung der 'nnervolitischen und innerwirtschaftlichen Lage einer» lekts und durch den Versuch unserer verantwort- »cksn Staatsmänner, mit den Führern der eng­lischen Politik andererseits über eine Entwirrung der nachgerade zu einer Weltkatastrophe drängen­de Spannungen zu verhandeln, kann gar nicht emft genug eingeschätzt werden.

Zn einer solchen Stunde, in der das natio­nale Schicksal für Jahre und Jahr­zehnte aus dem Spiele steht, muß ein Mik, wenn es die Prüfung bestehen soll, einig nnd geschloss en sein im Willen und im Wollen. Eine ungeheure, schier übermensch­liche Kräfte erforderliche Disziplin ist das Zeichen einer solchen Stunde, das Zeichen aber auch dafür, ob der Ernst und die Bedeutung dieser Stunde von dem Volk in allen seinen Schichten verstanden mld gewürdigt werden!

Wir haben in den letzten Tagen nicht gerade immer erfreuliche Beweise für die Einigkeit und Geschlossenheit dieses Willens und Wollens und für bas Verständnis um Selbstzucht und Disziplin wahrgenommen. Wir sind gewiß nicht diejenigen, die schweigend Opfer zu bringen verlangen. Kritik muß sein und soll sein. Und immer und alles und jedes, was der Staat zur Statuiemng und Stabi­lisierung seiner Sicherheit verlangt, wird in die Lebens- und Bewegungssphäre eines jeden Em- seinen einschneiden. Auch diesmal wird das Volk in allen seinen Schichten vor Opfer und Prü­fungen gestellt, die nach all dem, was wir an Tn- ' buten dem Vaterland in den letzten Jahren haben

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Sie Welt

im Bild' undBuchenblätter'. Rotationsdruck und Verlag Tt* 14V der Fuldaer Actiendruckerei ln Fulda Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

- d ' 1 SNMlliWim ro W. Mil Mstr. Verlage 15

FuldaerZettung

I Oftiipinpr für die Stadl Fulda und denOandkreis Fulda. Amtliches kreisblatt.

4)<e Ehrengäste während des Vorbeimarsches der prinz, 3. Generaloberst a. D. von Seecki.

Die Bundesführer des Stahlhelms haben fol­gendes Telegramm an das Ehrenmitglied des Bundes, den Reichspräsidenten von Hindenburg, gerichtet:Die zum 12. Reichsfrontsoldatentag in Breslau versammelten Frontsoldaten übersenden ihrem hochverehrten Ehrenmitglied, Generalfeld- marschaA und 'Reichspräsidenten in Treue die auf­richtigsten Grüße aus der deutschen Ostmark, gez. Seldte. gez. Duesterberg."

Hindenburg dankte mit folgendem Anrwort- tekegramm:Herzlichen Dank für freundliches Meingedenken und allen alten Frontsoldaten meine kameradschaftlich en Grüße, gez. Generalfeldmar- schall von Hindenburg, Reichspräsident."

Der erste Tag der eigentlichen Verhandlungen des Sozialdemokratischen Parteikongresses hat noch nicht die endgültige Entscheidung über den Kurs der Partei gebrächt- Vielmehr wird die eigentliche Schlacht" erst geschlagen werden, wenn durch die Referate von Sreitfdjeib und S o 11 m a n n und in der daran anschließenden Aussprache die aktuellen politischen Probleme erörtert werden, die mit der Stellung der sozialdemokr«ti­schen Reichstagsfraktion zum Kabi­ne 11 B r ü n i n g, zum Panzerkreuzer und zu der neuen Notverordnung zusammenhängen. Dabei ist aber schon zu beachten, daß das Kernproblem der Verhandlungen des Parteitages überhaupt nur die Stellung zum Kabinett Brüning, ist, wahrend Pan­zerkreuzer und Nowerordnuna nicht Probleme, ion- bern nur Symptome find.

Schon in der Debatte am Montag hat sich gezeigt, baß ber Parteivorstand eine kompakte Mehrheit von mehr als Dreiviertel aller Delegierten hinter sich hat. Die Opposition, die von den bekannten neuen Abgeordneten geführt wird, ist zwar recht rege gewesen, ihr haben sich aber Männer wie z. -o. Crispien entgegengestellt, deren Name auf dem linken Flügel der Sozialdemokratischen Partei einen guten Klang haben. So konnte Otto Wels am Schluß des erften Tages feststellen, daß die Tar- now'sche Entschließung einstimmig ange­nommen worden war. Bei der Gegenprobe hatte sich keine Hand erhoben. In Kreisen die über die Stimmung unter den Delegierten gut un­terrichtet sind, gilt es denn auch als ftdier, daß die überwältigende Mehrheit hinter der Führung te- hen wird. Das ist um so eher anzunehmen, als z. B. Dr. Breificheid die Absicht bat, Jemen Partei­freunden auch die Gefahren des ietzigen Kurses des Kabinetts Brüning mit aller Offenheit ausein­ander zusetzen. Praktisch bedeutet diese Entwicklung, daß von sozialdemokratischer Seite ein Antrag auf Einberufung des Reichstages nicht zu erwarten ist. Darin dürfte die Reichspolitik das wesentlichste Moment und die Bedeutung des Leipziger Partei­tages liegen.

wtb. Leipzig, 2. Juni. (Eig. Meld.) Die heuti- I gen entscheidenden politischen Beratungen auf dem Parteitag der Sozialdemokraten wurden emgelet« tet durch die Berichte des Vorsitzenden der Reichs- fagsftaktion Dr. Breitscheid und des Ab- geordnetenSollmann.

Dr. Breitscheid sprach zunächst über bie 1 Bekämpfung des Faszismus. Er wandte

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