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Amtliches kreisblakt
3«6tg. 58.
Dienstag, 2. Juni 1931
hier werden sich die deutschen Minister mit dem engl. Premier unterhalten
Marinewache am Tage der Skagerrakschlacht.
I (Sticheinl sechsmal wöchentlich Wochenbeilagen: „Die Weit im Bild' und „Buchenblätter' Rotationsdruck und Berlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152. Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
Kultur-Kampf in Italien?
Die „Frankfurter Zeitung" bringt ernste Nachrichten über Konfliktstimmung zwischen Musiolmr und dem Vatikan. Der Heilige Vater, der am Sonntag seinen 74. Geburtstag feierte, hat in einer Ansprache an die Lehrer und Schüler des Ordens der Salesianer erklärt, dieser Geburtstag sei der traurigste seines Lebens. Als Vater und als römischer Bischof müsse er die zügellose Bestialität beklagen, mit der das, was er am meisten liebe, nämlich die „Azzivne Catho- itca und ihre Jugend, derfolgt werde.
Selbstverständlich berufe er sich auf die bestehenden Verträge und das Konkordat. Auch kündigte der Papst an, daß er bereits entsprechende diplomatische Schritte und Proteste unternommen habe. Mit der Versicherung, daß niemand den Bischof von Romzum Schweigen bringen könne und daß er sich lieber das Leben nehmen lasse, als zu schweigen, schloß der Papst seine Ansprache.
Der Papst hat durch seinen Nuntius bei der italienischen Regierung Protest eingelegt gegen die vorgekommenen Ausschreitungen gegen Studenten und Institute sowie gegen die Verletzung des vertraglich festgelegten t)eiligen Charakters der Stadt Rom sowie das Eindringen von Demonstranten in extraterritoriale Gebäude. Außerdem hat der Papst zum Protest gegen die bei öffentlichen Kundgebungen vorgekommene Schmähung seiner Person die Reise seines Kardinal- Legaten nach Padua zu den dortigen großen
Das Reichskabinett wird wahrscheinlich heute noch einmal alle Punkte der Notverordnung durchsprechen. Ob dabei noch gewisse Motifikat'onen der bereits vereinbarten Beschlüsse erfolgen, läßt
Die Beamten beim Kanzler.
CNB. Berlin, 1. Juni. (Eig. Meldg.). Wie vir erfahren, hat Reichskanzler Dr. Brüning heute wrmittag vor der Kabinettssitzung, die um 12 Uhr Jegann, die Vertreter der Beamtenspitzenorgani- ftionen empfangen. Bei dieser Aussprache han- rlt es sich um das bekannte Vorbringen der Be- mten über die Pressemeldungen von iehaltabbau und Krisenfteuer sowie ie Unterrichtung der Beamtenvertreter über die
Arbeit ernst nimmt und wohl auch ehrlich genug ist, um den Kurs, den tzr in vollem Einvernehmen mit dem Reichskanzler begonnen hat, ohne allzu viele Rücksicht zu Ende zu steuern.
Man würde vielleicht den Gerüchten, die um Dietrichs Person Herumspielen, überhaupt nicht soviel Wert beilegen, wenn man nicht kürzlich die bösartigen Manöver gegen den Außenminister Turtius erlebt hätte. Es steht sehr danach aus, als ob auch jetzt wieder die gleichen Leute die Hand im Spiel hätten, die vor zehn Tagen Cur- tius beseitigen wollten. Ob die Einzecheiten, die gemeldet werden, zutreffen, mag dahingestellt bleiben. Wir müssen es uns aber verbitten, wenn die Dinge so gedreht werden, als handle es sich darum, einen Zentrumsfavoriten an Dietrichs Stelle zu schieben. Daß der rheinische Oberbürgermeister, der als künftiger Finanzminister genannt wird, Mitglied der Zentrumspartei sei, war uns bisher nicht bekannt. Man merkt deutlich die Absicht, wenn jetzt gesagt wird, er habe sich von der Sch w e r i n d u st r i e in eine Richtung drängen lassen, die dem uns ebenfalls unbekannten testen Zentrumsflügel entsprechen.
, Das Zentrum empfindet nicht das geringste Bedürfnis, noch weitere Ministerämter zu übernehmen. Es gibt im Gegenteil in seinen Reihen viele Stimmen, die meinen, wir hätten ihrer jetzt schon zuviel. Hoffen wir, daß die Gerüchte Gerüchte bleiben und Dietrich sein Amt weiterführt. Wir wünschen das umsomehr, als wir nicht einsehen können, warum die deutsche Politik gerade in den Zeilen schwerster sozialer Not von Kräften entscheidend beeinflußt werden soll, deren stärkste Seite niemals das soziale Empfinden war. Das Kabinett und nötigenfalls der Reichs- tog müssen sich gegen Versuche jener Stellen, die Politik nach sch werinbuftriellen Gesichis- sunkten zu beeinflussen, stark halten. Es geht um das Gesamtvolk und um die Gesamtwirt- chaft, nicht aber um einige Großindustriellen mb auch nicht um einige schwerkapitalistische Un- ernehmungen, zumal man von ihnen manchmal licht weiß, ob sie nicht mit ihren Mitteln Dinge "örbern, bie bem Staat unmöglich nutzen können.
Dienstag die redaktionelle Festlegung der gesamten Notverordnuna erfolgen, bie Dienstag nachmittag den Ministerpräsidenten der Länder zur Kenntnis gebracht wird. Man rechnet damit, daß der endaültiae Ab'cklluß der Kabinetts- beratungen am kommenden Mittwoch erfolg
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Der Einladung waren u. a. gefolgt der ehemak. Kronprinz mit Gemahlin, die Prinzessinnen Alexandrine und Cäcilie von Preußen, Prinz Louis-Ferdinand von Preußen, Frau Erbprinzelsin Salm, ferner Eeneralfeldmarschall v. Mack e n- s e n, Generaloberst a. D. v. Se eckt, die Generäle G r a f v. d. Goltz, von Hutier, Kaden, Freiherr v. Littwitz. Oberstleutnant a. D. Duesterberg begrüßte bie Erschienenen und legte bie Ziele des Stahlhelms bar. Generalfeldmarlchall v. Mackensen hielt im Namen ber Ehrengäste die Erwide- rungsansprache, in der er u. a. ausführte: Der Stahlhelm sei ein Grund- und Eckstein des Wiederaufbaus, an den fest und unerschütterlich geglaubt werde. Das, was vor allem not tue, sei Mut. Diesen Mut zur Tat habe der Stahlhelm in großartiger Weise bewiesen, und dieser Mut werde der Stahlhelm und alte vaterländischen Deutschen beseelen, wenn es endlich dazu kommen werde, aus den Erkenntnissen unserer Zeit bie Folgerungen zu ziehen.
An dem Einmarsch und Appell zum Reichsfront- öldatentag am Sonntag nahmen etwa 150 000 Stahlhelmer teil. Die Zahl ber Zuschauer wird auf etwa 80—100 000 geschätzt. Einer Ehrung der Gefallenen folgte die Weihe von 25 neuen Fahnen durch den zweiten Bundesführer Stifter« berg. Auch Seldte hielt eine Rede, in der er an= knüpfend an das Volksbegehren sagte: Unser Kampf um Preußen, den wir mit bem Volksbegehren begonnen haben unb ben wir mit bem Volksentscheid durchführen werden, ist eine wirksamere Osthilfe als all die Pflästerchen, mit denen man bisher die Nöte der Ostmark zu verkleistern versucht hat. (Bekanntlich kostet bie „Osthilfe" viele Millionen. D. Schrift!.).
Dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes, mit dem bie Reben abgeschlossen wurden, tilgte das Abschreiten der Front durch die Bun- lesführer. Dann folgte der Vorbeimarsch des Stahlhelms. Lebhaft begrüßt wurden die oberschlesischen Abteilungen, die zum Teil in Vergknappentracht marschierten. Viel bemerk* wurde, daß im Landesverband Groß-Berlin auch der ehemalige Chef ber Heeresleitung, General Heye, am Zuge teilnahm. Der Vorbeimarsch dauerte mehrere Stunden. Zu Zwi- chenfällen ist es bei der Kundgebung nicht gekommen.
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Leipzig und Breslau.
Sozialdemokratischer Parteitag und Stahlhelm- Kundgebung.
Aus Leipzig wird gemeldet:
Die Eröffnungsfeierlichkeiten des Sozialdemokratischen Parteitages begannen mit einer großen Massenkundgebung auf bem Meß-Platz. An- unb Abmarsch nahmen viele Stunden in Anspruch. Die Zahl 'ber Teilnehmer wird auf 100 000 geschätzt Reichstagsabgeordneter Lipinski eröffnete bie Kunbgebung. Bouguet (Paris) erklärte unter lebhaftem Beifall, daß, wenn die Abrüstungskonferenz die Befriedung der Welt nicht bringen sollte, diese Frage der Hauptgegenstand bei den nächsten Wahlen in Frankreich bilden werde. Der Präsident der Sozialistischen Arbeiter-Internationale Dandervelde (Brüssel) bekundete das Verständnis der JnternatilMle für die gegenwärtige Politik ber Sozialdemokratie. Weiterhin trat er für eine gerechte Lösung der Reparationsfrage ein. Nach ihm sprachen Austerlitz (Oesterreich) unb Vertreter der tschechoslowakischen Sozialdemokratie. Abends fand die feierliche Eröffnung des Parteitages statt.
Derbandsvorsitzender Wels behandelte nach einer Gedächtniskundgebung für Hermann Müller das Hauptthema des Parteitages, den Kampf gegen den Faschismus. Wenn der Nationalsozialismus versuchen sollte, die von ihm verkündete reaktionäre Gewaltherrschaft über das deutsche Volk zu errichten, dann werde bie deutsche Arbeiterklasse ben Kampf zu führen wissen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln. Es war nicht etwa Furcht vor den Prahlereien der Nationalsozialisten, so fuhr Wels fort, die unsere taktische Haltung nach bem 14. September veranlaßten, sondern es entsprach durchaus ben Grundsätzen ber Sozialdemokratischen Partei, daß jeder Versuch unternommen werden muß, um bie schweren wirtschaftlichen unb politischen Probleme auf frieblidje Weise zu lösen. Die Politik ber Regierung Brüning ist nicht unsere Politik. Wir haben niemals einen Zweifel darüber gelassen, daß wir jede Verantwortung für ihre Handlungen ablehnen müssen. Es ist das Verdienst der Sozialdemokratie, wenn es gelungen ist, die Angriffe des Unternehmertums auf die Sozialgesetzgebung im allgemeinen bisher ab- zuschlagen.
Zur Reparationsfrage erklärte der Redner, es müsse alles getan werden, um eine weitere Herabsetzung unb schließliche Beseitigung der Reparationslasten herbeizuführen.
Der Parteitag wählte bann zu Dorsitzenben des Parteitages ben Parteivorsitzenben Wels unb ben Abgeordneten Lipinski, ferner unter stürmischem Beifall zum Ehrenvorsitzenden ben Senior ber Partei Bock-Gotha. *
Aus Breslau wird gemelbet:
Die Bundesleitung des Stahlhelm veranstaltete einen Empfand ber Ehrengäste im Savoy-Hotel.
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Anzeiger für die Stadl Fulda und denOandkreis Fulda
das Landgut des jeweiligen englischen Premierministers, in dem sich Neichskangler Dr. Brüning und Reichsaußenmimster Dr. Curtius am 6. und 7. Ium zu einer persönlichen Aussprache tm Rahmen eines Wochenendes treffen werben. Trotz des inoffiziellen Charakters der Zusammenkunft erwartet man mit größter Spannung das Ergebnis der Aussprache.____________
Antoniusfesten abgesagt und den Römischen Eucharistischen Kongreß aufgehoben. >
Der „Osservatore Romano" enthalt wiederum eine zweieinhalb Spalten lange Liste von Gewalt» taten gegen katholische Studenten und kirchliche Einrichtungen. * •
Der „Osservatore Romano" veröffentlicht folgende Mitteilung: In Anbetracht der immer be- deutlicheren und heftigeren Formen, in denen sich die Vorgänge gegen die katholische Aktion M Italien abspielen, hat der Heilige Stuhl beschossen: 1. Die Bischöfe, von denen die katholische Aktion abhängt, übernehmen sofort persön- lich den Schutz und die Leitung im Einklang mit den Anweisungen des Heiligen Stuhles. 2. Die Leiter der katholischen Aktion, denen deü Heilige Vater seinen Segen zukommen läßt, unter- stehen in allem den zuständigen Bischöfen.
Diese Maßnahme ist veranlaßt durch den indirekten Versuch Mussolinis, die Katholische Aktion zu verbieten.
wtb. Rom, 1. Juni. (Eig. Meldg). Der Präsident ber katholischen Aktion in Italien erklärte in einem Interview, bie Befürchtung, bie katholische Aktion könne zum Mittelpunkt regimes- feindlicher Betätigung werben, für unbegrün. bet. Sie katholische Aktion werbe sich immer nach ben Richtlinien jbe 5 H l. Stufe« les unb in Uebereinftimmung mit ben Bestimmungen des Konkorbates außerhalb jeber politischen Partei unb jeder politischen Betätigung halten.
Der erste Tag ist den Wirtschaftsfra gen gewidmet. Reichstagsabgeordneter Tarnow sprach über das Thema: „Kapitalistische Wirtschafts- Anarchie und Arbeiterklasse". Er hat zu seinem Vortrage eine Entschließung vorgelegt, die alle wesentlichen Punkte seines Referates enthält und bereits vom Parteiausschuß dem Parteitage zur Annahme empfohlen worden ist. In der Entschließung heißt es:
Die gegenwärtige ökonomische Krise liefert einen neuen furchtbaren Beweis für die zunehmend« Unfähigkeit des kapitalistischen Systems, die Ver- sorgung der Gesellschaft mit den vorhandenen Versorgungsmöglichkeiten in Uebereinstimmung zu bringen. Eine gewaltige Steigerung bet produktiven Leistungsfähigkeit in allen Wirtschaftskreisen und in aller Welt ist die unmittelbare Ursache der Massenverelendung, die sich in alle n kapitalistischen Ländern ausgebreitet hat. Den überquerten« den Reichtum an Lebensmitteln, Rohstoffen und verarbeitenden Kräften verwandslt die kapitalistische Oekonomie in grausame Hungersnöte und unerhörte Vermehrung der Armut. Aus diesen wahnsinnigen Widersprächen der geltenden Wirtschaftsordnung kann die Menschheit nur durch bte Ueberwindung des kapitalistischen Systems und die Verwirklichung des Sozialismus befreit werden. Diesen Befreiungskampf zu führen und dafür die Arbeiterklasse zu organisieren, ist die Aufgabe der sozialdemokratischen Partei unb her mit ihr verbundenen Gewerkschaften. Da bei ist sich der Parteitag bewußt, daß der Stürz des Kapitalismus nicht ein einmaliger kurzer Akt fein kann. Er vollzieht sich als ein Umwandlungsprozeß m stetem Kampf zwischen der organisiert«! Arbeiterklasse und den großkapitalistischen Wirt- schastsmächten.
(Fortsetzung am Schluß des redaktionellen Teils).
Gegen Schuldenstreichung.
Aus Chicago wird gemeldet: 1
Eine Wiederaufrollung des Schuldenproblems würde schlimmer als nutzlos fein unb nur böses Blut verursachen", erklärt der Abteilungschef tm Schatzamt der Vereinigten Staaten Woods. Die, amerikanische öffentliche Meinung würde eine Nea« erwägung der Schuldenabkommen nicht zulassen. Eine Verzichtleistung auf die Schuldenzahlungen seitens Amerika würde die Last der Knegsschul- bett dem amerikanischen Bürger ausbürden. Di« Bürger der Vereinigten Staaten, so schloß er, würden eine Regierung, die eine Streichung der Verpflichtungen der Schuldner gestattet«, nicht un-
Seft Freitag abenb würben in Berlin wieder « .jjtmal Gerächte kolportiert, bie von einer Krfte W im Kabinett Brüning munkelten. Man kennt bas.
Von Zeit zu Zeit heißt es, bie Minister könnten «ch über diese oder jene Maßnahmen nicht einigen, fte vertrügen sich nicht mehr, unb ber ober der yerbe mehr ober weniger freiwillig abtreten. Sies- _______ ____________ ___.
mal sollte der Reichsfinanzminister Sr. Sietrich sich noch nicht überblicken. Jedenfalls soll am M Mtsniübe fein. Seine Politik könne sich nicht -■ “ ‘ " *" ' ' '—
durchsetzen, weil sie im Grund nur auf Mehrbelastung ber Bevölkerung hinauslaufe unb hierin einmal eine Grenze erreicht werben müsse, bie sich nicht mehr überschreiten lasse. An sich könnte man es begreifen, wenn D iekrich, ber mit bem Kanzler unb bem Arbeitsmini st er vor- wiegenb bie Last ber Unpopularität dieses Kabinetts zu tragen hat, bereit wäre, sich einmal von einem anderen ablösen zu lassen. Ob diese Neigung bei ihm in ber Tat besteht, wissen wir nicht, vir möchten es allerbings auch kaum glauben, denn Sietrich ist ein energischer Mann, der seine
tatsächlichen Pläne ber Regierung unb bte Notwendigkeit ihrer Durchführung.
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Einzig der Marinewachtkompagnie durchs Brandenburger Tor.
Alljährlich wird vom 30. bis 31. Mai, dem Tag der Skagerrakschlacht, die Reichswehrwachtkompag- nie vor d«n Reichspräsidentenpaiais in Berlin von ettwr Martnekompagme abgelost.
veutschland von innen und nutzen bedrängt zähes Ringen um die Gestattung der Notverordnung. — Wer I führt? — Schmer-Industrie oder Reichsregierung?
wtb. Leipzig, 1. Juni. (Eig. Meld.) Die etgeni- Uchen Arbeiten des sozialderno k ratischen Rei ch s p ar t e i tag e s haben heute begonnen, terstutzen.