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Sonntag. 31. Mal 1931
Mrs. 58
DieumfangreicheIlolverordnung
l.
Gehaltskürzung und Krisen-Skeuer.
2 Dutzend Gesetze
Die Landwirtschaft in Rußland
Fläche
sonstige landw. genutzte Flächen 40 131 000 ha —
184 209000
36 072 000
63 930000
595 844000
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Acker» und Gartenland natürliche Wiesen Dauerweiden Wälder
C. N.B. Berlin, 30. Mai. (Eig. Meld.) Don unterrichteter Seite wird die in der Press« auf- getauchte Behauptung, Reichsfinanzminister Dr. Dietrich beabsichtige zu demissionieren als haltloses Gerücht bezeichnet. Ebenso unzutreffend sind auch die Meldungen über Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Kabinetts, die anläßlich der Besprechungen der Sanierungsmaßnahmen entstanden sein sollen.
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landwirtschaftlich genutzt. Diese verteilt sich folgendermaßen:
Der schleichende Bürgerkrieg.
(Ein Toter und mehrere Verletzte in Berlin.
Freitag abend wurden Stahlhelmangehörige, die sich am Senefelder Platz in Berlin angesammelt hatten, um sich dann zum Görlitzer Bahnhof zu begeben, von Kommunisten beschossen. Durch die Schüsse wurden zwei Polizeibeamte sowie ein unbeteiligter Passant erheblich verletzt. Der Zustand des einen schwerverletzten Hauptwachtmeisters ist sehr ernst.
Zu schweren Ausschreitungen kam es in der Skalitzer Straße. Gegen 22.45 Uhr wurden zwei P o l i z e i b e a m t e bei Auflösung einer kommunistischen Ansammlung angegriffen. Hierbei wurde ein Hauptwachtmeister durch Mesierstiche am Kopfe erheblich verletzt. Der 62 Jahre alte Maurer August Hahn, Mitglied des Stahlhelms, wurde von bisher unbekannten Tätern durch einen Kopfschuß getötet.
Unter der Hochbahn in der Skalitzer Straße sammelten sich gegen 23 Uhr mehrere Trupps von Kommunisten, etwa 200 Personen, an, die 'n Rufe ausbrachen und Steine auf die Polizeibeamten warfen. Die Polizei konnte die Ansammlung zerstreuen. Bei diesen Ausschreitungen trug der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete An
ker sich die Gegnerschaft der Industrie und der Landwirtschaft zugezogen habe, die „Deutsche Tageszeitung" wiederum von einer „Preisgabe der Landwirtschaft", während natürlich die Hugenberg- Preffe den Bogel abschießen muß und entsprechend den Artikeln des Parteiamtlichen Deutschnationalen Pressedienstes davon schreibt, daß der Kanzler „unter dem Druck der Sozialdemokratie" stehe.
Das ist politische Unehrlichkeit in höchstem Maße, zumal wenn noch davon gefaselt wird, daß die Reichsregrerung gar nicht daran denke, weitere Etatseinsparungen vorzunehmen, auch di« Reparationsfrage nicht anschneiden wolle. Das ist aber schon mehr Frivolität.
Aber auch die Sozialdemokratische Presse sollte sich trotz der verständlichen Rücksichtnahme auf den bevorstehenden Parteitag einer besonnereren Haltung befleißigen. Denn auch sie weiß keine anderen Wege vorzuschlagen und ist auch selbst davon überzeugt, daß dieses Kabinett auf keinen Fall an eine Sonderbelastung irgendwelcher Berufsschichten denkt, sondern eine gerechte Lastenverteilung erstrebt, immer in dem Bemühen, zu gleicher Zeit eine Sanierung der Wirtschaft herbeizufüh-
Carol und Frau Loupescu während des Exils Carols die Ehe miteinander eingegangen seien. Sollte sich diese Nachricht bestätigen, dann würden die politischen Folgen äußerst ernst sein. Frau Loupescu sei Jüdin, und es mache sich eine starke antisemitische Bewegung fühlbar, während Prinzessin Helene große Popularität genieße. — Aurel Obrescu ist seit einigen Tagen spurlos verschwunden. Man vermutet, daß er von politischen Gegnern während der Zeit der Wahlen festgehalten wird.
Gesamte landw. genutzte Fläche 920 265 000 ha — 42,2 ’/o
Nur V12 der Gesamtfläche oder XU der landwirtschaftlich genutzten Fläche wird demnach als A ckerland genutzt. In erster Linie kommt für den Ackerbau das Schwarzerdegebiet in Frage, das sich in ungeheurer Ausdehnung von Kiew bis Wladiwostok erstreckt und ungefähr 2Va Millionen km2 umfaßt, wovon bisher etwa IV- Millionen km2 bebaut sind. Der Ackerbau auf diesem hervorragenden Boden, dessen Kultivierung nur geringe Aufwendungen erfordert, ist also noch einer starken Ausdehnung fähig. Jedoch leidet ein Teil des Schwarzerdegebiets stark unter der Trockenheit, die häufig Mißernten zur Folge hat. Eine weitere Möglichkeit zur Steigerung des Ackerbaues siegt in der Tatsache, daß in großen Teilen des Reiches noch die Dreifelderwirtschaft vorherrscht und durch Einführung einer verbesserten Fruchtfolge ein erheblicher Teil des jetzt ungefähr 30 Prozent der Ackerfläche ausmachenden Brachlandes für den Ackerbau gewonnen werden kann. Immerhin ist das Ackerland gegenwärtig ausgedehnter als vor dem Kriege, weil neue Ländereien in Bewirtschaftung genommen worden sind.
Die ZahlderlandwirtschaftlichenBe- triebe ist von 18,8 Millionen im Jahre 1914, auf 25,6 Millionen im Jahre 1928 gestiegen. Besonders stark war die Zunahme in der Ukraine und in Weißrußland. Auch seit 1928 hat trotz der Einführung der Kollektivwirtschaft die Zahl der Einzelbetriebe weiter erheblich zugenommen, besonders weil begüterte Bauern ihren Besitz unter ihre erwachsenen Söhne aufteilten, um der den kleineren Besitzern gewährten Steuererleichterungen und sonssigen Vorrechte teilhaftig zu werden. Daneben findet eine wachsende Abwanderung der überschüssigen Bevölkerung aus dem europäischen Rußland, besonders aus der Ukraine, Weißrußland und einigen Gebieten Zentralrußlands, nach Sibirien statt.
ton Reißner erhebliche Arm- und Kopfverletzungen davon.
Sin Todesopfer und 10 Verletzte in Hagen.
Bei einem Zusammenstoß zwischen Nationalsozialisten und politischen Gegnern in Hagen wurde ein Nationalsozialist durch einen Schuß ge t ö t e t. Außerdem wurden zehn Schwer- und Leichtverletzte in das Krankenhaus eingeliefert. Der Zustand eines der Schwerverletzten, der Mei Brustfchüfse erhielt, ist sehrbe- denklich.
wtb. Hagen, 30. Mai. (Eig. Meld.) Die politischen Zusammenstöße, die sich hier am Donnerstag ereigneten, haben zwei weitere Todesopfer gefordert, da zwei Schwerverletzte im Krankenhaus gestorben sind. Auf die Ermittlung der Täter hat der Regierungspräsident von Arnsberg eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. __________
♦ Prinzessin Helene aus Rmnänien ausgewiesen? Der Londoner Berichterstatter des Echo de Paris verzeichnet eine Meldung aus Bukarest, wonach Prinzessin Helene, die frühere Gemahlin des Königs Karl, Anweisung erhalten habe, das Land binnen 24 Stunden zu verlassen, und daß die Spannung innerhalb der königlichen Familie einen unerträglichen Zustand geschaffen habe. Der gleiche Berichterstatter verzeichnet das Gerücht, daß Frau Loupescu, die in Rumänien weilt, offensichtlich den. König beeinflußt, und man behauptet sogar, daß ein Dokument besteht, aus dem hervorgehe, daß König
C.N.B. Berlin, 30 Mai. (Eig. Meld.) Das Reichskabinett setzte die Beratungen der neuen Notverordnung heute fort. Es wird bis zu ihrer Fertigstellung tagen. Nach dem Verlauf der gestrigen Sitzung läßt sich jetzt feststellen, daß die Beratungen keinesfalls vor Mitt» rroch abend zum Abschluß kommen können. Dann wird der Kanzler, ehe er nach Cheguers verreist, die Verordnung gegenzeichnen und der Staatssekretär der Reichskanzlei wird sie dem Reichsprä- frbenten vorlegen, der sich zur Erholung auf feinem Gut aufhält und dem die letzte Entscheidung zusteht. Zum Schluß ergibt sich, daß mit der Ber- öffentlichung vor Ende der nächsten Woche unter keinen Umständen zu rechnen ist.
; 't'' Die Schwierigkeiten der Beratung liegen einmal in der Materie selbst. Das zeigt sich schon an dem Umfang der neuen Notverordnung. Sie wird etwa zwei Dutzend Gesetzentwürfe enthalten, also ein ebenso starker Band werden wie der vom letzten Dezember. Auch in den Kreisen der Reichsregierung ist man sich darüber klar, daß es darauf ankommt, die zum Teil harten Maßnahmen, die die Situation erfordert, so zu gestalten und ouszugleichen, daß sie psychologisch tragbar sind. Die Reichsregierung hat das Bestreben, die Saften und Opfer möglichst g e- r echt zu verteilen. Daraus erklärt sich zum Teil die Fassung in der neuen Kürzung der Be- amten-Gehälter und in der Krisensteuer. Wenn die Sätze auch int einzelnen noch nicht festliegen, , so läßt sich doch mit Sicherheit sagen, daß die Kürzung der Beamtengehälter sich praktisch mit etwa 4—5 Prozent auswirken wird, die Krisensteuer mit einem Prozentsatz von 1—3 Prozent. Aus diesen Angaben geht hervor, daß die vielfachen Mutmaßungen, die in der Oeffentlichkeit angestellt werden, zum großen Teil übertrieben sind. Die höchsten Stufen der Kürzungs-Staffelung, die ■■ bis 8 Prozent hinaufsteigt, finden nur auf die wenigen Beamten der obersten Gehaltsgruppe Anwendung. Die Krisensteuer beginnt mit 1
, Prozent bei wahrscheinlich 3 600 Mark, wird zum Beispiel bei einem Einkommen von etwa 8 000 Mark 1% Prozent ausmachen und bis zu 5 Pro- , zent bei dem größeren anfteigen. Sie wird deshalb verhältnismäßig niedrig sein, da auch das Reichskabinett sich darüber klar ist, daß die G e - Hölter der Privat-Ange st eilten zum größten Teil bereits- empfindlich ‘ab» gebaut sind. Jedenfalls läßt sich feststellen, daß die Reichsregierung so ausgleichend und schonend wie möglich vorgehen will. Das erscheint ihr um so notwendiger, als die erforderlichen Einsparungen auch auf sozialem Gebiete manche Härten mit sich bringen, die ebenso nur aus der Rot der Zeit zu erklären sind. Es ist anzunehmen, daß die Mit- glie'ber des Reichskabinetts nach dem Erscheinen der Notverordnung im Sinne der Verordnung die Schwierigkeiten und den Ernst der gegenwärtigen Situation und den Zwang zu den verschiedenen Maßnahmen vor Augen führen werden. Daran werden hauptsächlich Reichskanzler Dr. Brüning, Reichsfinanzminister Dr. Dietrich und Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald den Hauptanteil haben. (Wir möchten aber hof- ■ fen, daß auch die anderen Minister, die auf die Führung des Kabinetts nicht ohne Einfluß find, Z. B. der Landwirtfchaftsminister Schiele und der Reichswehrminister @roener sich um die Aufklärung lebhaft bemühen.)
In Kreisen, die der Reichsregierung nahe- stehen, zweifelt man nicht daran, daß die Oeffentlichkeit auf Grund der Lage der Notverordnung das notwchtdige Verständnis entgegenbringen wird.
Die Vermehrung der landwirtschaftlichen Betrieb« und die vielfach zu weit getriebene Teilung des Bodens hat zur Entstehung einer großen Zahl von Betrieben mit einer für eine rationelle Bewirtschaftung ungenügenden Fläche geführt; hinzu- kommt, daß die Mehrzahl der Betriebe mit lebendem und totem Inventar nur unzureichend aus- gestattet ist:
Ein Bild be<, wirtschaftlichen und sozialen Struktur der russischen landwirtschaftlichen Bevölkerung gibt eine vom Volkskommissariat der Finanzen im Jahre 1929 veröffentlichte Statistik über die Ergebnisse der Agrarbesteuerung im Jahre 1926/27, Danach gehört die große Mässe der landwirtschaftlichen Bevölkerung zu den Mittelbauc-rn (durchschn. Anbaufläche 4,35 Hektar, durchschn. Viehbestand 2,56 Stück), auf die 61,6 Prozent der Betriebe, 66,4 Prozent der Bevölkerung, 74,8 Prozent der Anbaufläche und 71,7 Prozent des Viehbestandes entfallen. Auf die Gruppe der armen Bauern (durchschn. Anbaufläche 1,39 Hektar, durchschn. Viehbestand 1,32 Stück) entfallen 34,6 Prozent der Betriebe, 30,3 Prozent der Bevölkerung, 13,4 Prozent der Anbaufläche und 20,8 Prozent des Viehbestandes. Die Gruppe der Großbauern (durchschn. Anbaufläche 11,14 Hektar, durchschn. Viehbestand 4,34 Stück) umfaßt nur 3,8 Prozent der Betriebe und 3,3 Prozent der Bevölkerung, dagegen 11,8 Prozent der Anbaufläche und 7,5 Prozent des Viehbestandes. Auf diesen Betrieben leben im Durchschnitt 4,33 Personen gegen 5,38 bei den Mittelbetrieben und 4,37 bei den Kleinbauernbetrieben.
Neben diesen Einzelbetrieben sind in den letzten Jahren zahlreiche sozialisiert« Betrieb« entstanden.' Diese zerfallen in reine Staatsbetriebe (Sovchosen) und Kollektivbetriebe (Kolchosen). Von den Staatsbetrieben rührt ein Teil davon her, daß bei der Enteignung des Großgrundbesitzes während der Revolution eine Anzahl von Gütern nicht aufgeteilt worden ist; ein anderer Teil ist von der Regierung neu geschaffen worden, besonders in der Form der sogenannten „Getreidefabriken".
Im Jahre 1928 gab es 3318 Staatsbetriebe mit einer Anbaufläche von 1395 000 Hektar und rund 100 000 Arbeitern und Verwaltungsbeamten. Die Zahl der Kollektivwirtschaften betrug im gleichen Jahre rund 33 000; ihre Fläche belief sich auf nahezu 1400 000 Hektar und die Zahl der auf chnen lebenden Personen auf rund 2 Mill. Die sozialisierten Betriebe machten also im Jahre 1928 nur einen bescheidenen Teil der gesamten Landwirtschaft Sowjetrußlands aus.
Der seitdem in Angriff genommene Fünf- jahresplan hat jedoch auch auf diesem Gebiet eine erhebliche Umwälzung gebracht. Er erstrebt in der Landwirtschaft eine Steigerung des Hektarertrages in fünf Jahren um 35 Prozent, vor allem durch stärkere Verwendung von Maschinen und verbessertem Saatgut und von künstlichen Düngemitteln.
Hierzu dient vor allem di« Kollektivierung des Landwirtschaftsbetriebes, deren Grundgedanke in der Zusammenfassung des Bodens, des Viehbestandes, der Maschinen und anderer Produktionsmittel der Bauern zu Großbetrieben besteht, die nach einheitlichem Plan und mit der modernsten landwirtschaftlichen Technik bewirtschaftet werden können. Zugleich wird damit der soziale Zweck der Besserung der Lage der Kleinbauern auf Kosten betl Großbauern erstrebt, um so die Kulaken, die letzte Festung der kapitalistischen Organisation in der Landwirtschaft, zu vernichten. Die Entwicklung der Kollektivwirtschaften wird mit allen Mitteln der politischen Propaganda, der Kreditgewährung, Steuererleichterung usw. sowie mit Hilfe zahlreicher landwirtschaftlicher Fachleute gefördert.
(Fortfetzung folgt)
be- die
8,4 %
1,7 %
2,9 %
27,3 %
1,9 °/e
ren und etappenweise die Arbeitslosigkeit zu festigen. „Arbeit und Brot" bleiben dabei Leitgedanken.
■ Falsche Gerüchte.
Zur Lage.
Von unserem besonderen Mitarbeiter.
Je näher die Entslbeidung des Reichskabinetts über die neue Notverordnung rückt, umso gespannter gestalten sich die innerpolitischen Verhältnisse. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, daß man in diesem Sanierung?- und Rettungsbemühen des Kabinetts Brüning nicht die große innen- und außenpolitische Zielsetzung ertemten will, sondern sehr vieles, wenn nicht alles, lediglich durch die Partei- oder Interefsentenbrille betrachtet. Dabei haben wir von keiner Seite bislang gangbare Wege aufgezeigt gesehen, die zu dem gleichen Ziele führen könnten. Man begnügt sich in den Gruppen der Kritiker mit abfälligen Beurteilungen, machte zum Teil sehr unsachliche Beanstandungen, ohne aber überhaupt zu wissen, was im Grunde genommen eigentlich die neue Notverordnung enthalten wird.
Was die Reichsregierung will, braucht nicht noch einmal betont zu werden. Dagegen muß eines sehr scharf harausgestellt werden, schon mit Rücksicht auf die bestimmt einsetzende vielfache Kritik an der fommenben Notverordnung, daß, wer in unserer 'erlisten Notzeit, von der doch so viel gesprochen und über die soviel geschrieben wird, sich der Mitarbeit an der Sanierung und dem Aufbau entziehen, Partei- ober interessenten- politische Rücksichten nimmt, wo es um die Rettung des ganzen Volkes geht, weder national noch verantwortungsbewußt handelt.
Wir müssen eine klare Linie haben und an •br festhalten, sonst werden wir keine Ziele erlichen. Was soll darum das törichte Gerede Nahezu der gesamten Rechtspresse, daß der Reichskanzler, weil er auch mit den Vertretern der fo- ölaldemokratischen Partei Besprechungen führte, unklug und schädlich gehandelt habe. Die „Deutsche Zeitung" spricht von einer „Kapitulation", die ' Aich rechtsstehende „Berliner Börsenzeitung" inem .Kompromiß", durch welches der Kanz-
Aus Anlaß der vor einiger Zett in Rom abgehaltenen Weltgetreidekonferenz hat das International« Landwirtschafts-Institut auf Grund der Sowjetveröffentlichungen eine Darstellung der russischen Landwirtschaft vorgelegt, aus der wir im Folgenden die wichttgsten Angaben zusammenfassen.
Im fetzigen Gebiet der Sowjet-Union lebten am 1. April 1930 158 Millionen Einwohner. Nach dem durch die Revolution, den Bürgerkrieg und die Hungersnot von 1921 verursachten Rückgang der Bevölkerung in den Jahren 1917—1922 ist seitdem wieder eine sehr erhebliche Vermehrung eingetre» ten, so daß sie jetzt um 18 Millionen größer ist als vor dem Kriege. Die jährliche Bevölkerungszunahme ist ungefähr 2—2Vs mal so stark wie im übrigen Europa. Eine Hauptursache dieses schnellen Wachstums ist die im Vergleich zur Vorkriegszeit erheblich zurückgegangene Sterblichkeit: im Jahre 1928 starben auf 1000 Einwohner nur 18,3 gegenüber 28,6 im Durchschnitt der Jahre 1911 bis 1913.
Die am dichtesten bevölkerten Teile des Reiches sind di« Ukraine »mit 67,2, Weißrußland mit 40,8 und Transkaukasien mit 33,2 Einwohnern pro km2, während die durchschnittliche Bevölkerungsdichte für ganz Rußland nur 7,3 Einwohner pro km2 beträgt.
Wie vor dem' Kriege entfallen mehr als 80 Proz. der Bevölkerung auf die Landwirtschaft.
Don der fast 22 Millionen km2 betragenden Gesamtfläche sind 9,2 Millionen km2 =- 42,2 Proz.
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Diellordpolreise des »Nautilus*.
wtb. New London (Connecticut), 30. Mai. (Eig. Meld.) Das Unterseeboot Nautilus, das unter Führung von Herbert Wilkens den Nordpol zu erreichen sucht, wird demnächst den ersten Teil der Reise, die Durchquerung des Atlantischen Ozeans, ausführen. Das Boot wird heute Tauchversuche mit den neuen Maschinen machen. Dop der enbgültigen Abfahtl, die wahrscheinlich heut« nacht oder morgen mittag erfolgen wird, werden 400 hl. Brennstoff und 50 hl. Schmieröl an Bord gebracht werden.
Freitag vormittag stieß auf der Hochheimer Straße ein mit Stahlhelmern besetzter Schnellastkraftwagen mit einem Erfurter Lastwagen zusammen. Bei dem Zusammenstoß wurde der Stahlhelmwagen umgeworfen. Vier Insassen erlitten Arm-, Kopf- und Beinverletzun- gen.
* Montag Empfang der Beamten beim Reichskanzler. Reichskanzler Dr. Brüning wird, dem „Tageblatt" zufolge, die Führer sämtlicher Spitzenverbände der Beamtenschaft am Montagvormittag empfangen.
• Dr. Brauns Vorsitzender bet Kohlenkommission in Genf. Die von der Internationalen Arbeitskonferenz eingesetzte Kommission für die Stege» hing der Arbeitszeit in den Kohlenbergwerken (Kohlenkommission) hat den früheren deutschen Reichsarbeitsminister Dr. Brauns einftimmig zum Vorsitzenden gewählt. Auch di« Arbeit- geber gruppe hat für Dr. Brauns gestimmt. Berichterstatter des Ausschusses ist der englische Regierungsvertteter Shinwell.
(fttoeint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt 444 im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag JlU« der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift»
:: leltung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
* 62 Stimmen Mehrheit für die französische Regierung. In der französischen Kammer wurde über bie Tagesordnung Drouot nach Ablehnung der Priorität der radikalen Tagesordnung getrennt abgestimmt. Der erste Teil der Tagesordnung Drouot, der lautet „Die Kammer billigt die Erklärungen der Regierung", wurde mit 298 gegen 263 Stimmen angenommen. Bei der Abstimmung über ben restlichen Teil der Tagesordnung Drouot, in der der Regierung das Vertrauen zur Fortsetzung ihrer Friedenspolittk abgesprochen wird, die schon durch die von bet Kammer am 8. Mai 1931 angenommene Tagesordnung bestätigt wurde, stellte der Ministerpräsident für die Annahme dieses Teiles der Tagesordnung bie Vertrauensfrage. Der betreffende Teil der Tagesordnung wurde darauf hin mit 319 Stimmen gegen 257 Stimmen angenommen. Die Regierung hat also eine Mehrheit von 62 Stimmen erhalten.
* Demission des österreichischen Iustizministers. Aus Wien wird gemeldet: Justizminister Dr. Schürff bot dem Bundeskanzler seine Demission an. Der Bundeskanzler ersuchte den Minister, die Entscheidung zu verschieben. Die Demission des Justizministers ist offenbar auf das von der Regierung Ender eingebrachte Gehaltskürzungs- und Besoldungssteuergesetz zurückzuführen, gegen welches sich die Großdeutschen, als deren Vertreter Dr. Schürff in der Regierung ist, ausgesprochen haben. _______________________
FuldaerZeitung
Anzeiger für die Staöf Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblalt.