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NILS

29. Mai

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Jlt. 122

P. Norbert Köstner O. F. M.

Padua.

Wrreitag der 6t ZiseuhsOrrei, Fulda

Das Weljahr -es hl.Anlonlus von Padua

700jühriger Gedenkkag feines Todes und feiner Heiligsprechung.

sorgsr und Pädagogen haben diese Lager be» sucht und über ihren erzieherischen Wert heftig de. dattiert. Nachdem man lange «ine sehr abwar­tende Stellung gegenüber der Zeltlagerbewegung cinnahm, scheint sich ihre Grundidee, aus der al» les Unkatholische sz. B. Koedukation) entfernt wurde, durchzusetzen.

Von 30. Juli bis zum 6. August unternimmt der Schülerbund Neudeutschland einen Versuch großen Stiles durch Errichtung eines Bun« deszeltlagers bei Schloß Oranienburg an der Lahn. Mit dem Zeltlager wird der Bundestag der Or­ganisation verbunden. Als Anngebung des Zelt­lagers wird betont:Grade in der mannigfachen Entbehrung, di« ein Zeltlager mit sich bringt, wol. len wir geloben, unserem armen Volke zu dienen."

Katholische Zeltlagerbeweguug.

Man erinnert sich des Siegeslaufs der sozia- listischen Zeltlagerbewegung in den letzten Jah­ren und weiß noch, wieviel Aufsehen das Lager auf der Insel Namedy bei Andernach erregte. Seel-

Iefi -er allerheiligsten Dreisalkigkeik.

(Erster Sonntag nach Pfingsten.) Eingangslied: Tob. 12. 6.

Gepriesen sei die heilige Dreifaltigkeit und um «teilte Einheit. Laßt sie uns preisen, weil sie ihre Barmherzigkeit an uns erwiesen hat (Ps. 8, 2). fierr du unser fierr. wie wunderbar zeigt sich dein Name auf der ganzen Erdei

Epistel: Röm. 11. 3S-36.

D Tiefe der überreichen Weisheit und Erkennt­nis Gottes! Wie unerforfchlich sind feine Ge­richte und wie unbegreiflich feine Wege! Wer har die Gedanken des Herrn erkannt? Oder wer :lt fein Ratgeber gewesen? Oder wer gibt ihm Zuerst etwas, daß er es ihm wieder vergelten müßte? Denn von ihm und durch ihn und in ihm ist alles. Ihm sei Ehre in Ewigkeit. Amen.

EvangeNum: TIkatkh. 28, 1820.

Mir ist alle Gewalt gegeben.

Orleans-Feiern dahin erklärt hat:Die Stan- barte Johannes war das Symbol des Rechts, der Ordnung, der menschlichen und christlichen Wahrheit. Es verkörperte schon jenen Frieden in der Gerechtigkeit und Brüderlichkeit, Friede un­ter den Völkern, den in unseren Tagen endlich die ganze Welt auf festen Grundlagen ausbauen möchte".

nen Akten ergeben also ein anderes Bild, als Ge­schichtsschreiber wie Michelet und Martin und neuerdings der Ire Shaw es gezeichnet haben. Ge­wiß, mit einer erstaunlichen Keckheit und Selb­ständigkeit trat das Mädchen ihren geistlichen Rich, lern gegenüber, ohne Verteidiger, im Gegenteils, den hohen Herrn ihre Verantwortung ins Ge- wissen rufend. Obwohl f« häufig beichtete, scheint fSe doch keinen eigentlichen Seelenführer gehabt zu haben: jahrelang verbarg sie das Geheimnis ihrer Berufung auch ihrem Beichtvater.Der ganze Klents von Reims oder Paris", so er­klärte sie,kann mich nicht verurteilen, trenn_er kein Recht dazu hat". Cs klingt unerhört: Sie war bereit, selbst auf die hl. Messe am Osterfest und auf ein christliches Begräbnis zu verzichten, ehe sie etwas gegen ihreStimmen" täte:Ich berufe mich auf Gott, der mich gesandt hat ... . Was Gott mich tun hieß, mir befahl und befehlen wird, das werde ich nicht unterlassen um eines Menschen willen. Cs ist mir unmöglich, meine Stimmen" zu widerrufen. Und in dem Falle, daß die Kirche mir beföhle zu handeln gegen das Gebot, das mir von Gott geworden, so werde ich es um keinen Preis tun ... . Ich habe einen guten Meister, nämlich Gott, auf den ich mich völlig verlasse, und nicht auf einen anderen". Diese Aussagen können auf den ersten Blick tat­sächlich so scheinen wie die Worte Luthers vor den Richtern in Worms. Aber die Prozeßakten wei­fen keine einzige Stelle auf, daß Johanna wie dieser wegen einer falschen Lehre verurteilt worden fei. Ist es doch, wie der Jesuitengelehrte Pribilla einmal sagt, durchaus katholische Auffas­sung, daß auch nach Stiftung der Kirche Gott noch ukimittelbar zu den Seelen sprechen kann; die Kirche habe weder Aufgabe noch Absicht, den un­mittelbaren Verkehr der Seele mit Gott zu beton, dem. Eine solche unmittelbare Offenbarung Got­tes ist vielmehr für die damit begnadet« Verspn einfachhin verpflichtend und in ihrer Gültigkeit weder an die vorherige Erlaubnis noch an die nachfolgende Bestätigung der Kirch« gebunden. Ja, in dem Seligsprechungsprozeß der Jungfrau von Orleans Hot nichts so viele Schwierigkeiten aemgcht wie ihre angeblich« Abschwörung, eine Tatsache, die deutlich beweist, wie sehr die Kirche ron einem Heiligen erwartet, daß er zu seinen Offenbarungen stehe trotz der Todesdrohung durch «in geistliches Gericht.Man wird eben nicht Protestant, wenn man auch für di« kirchliche Auto, rität Schranken behauptet und vor ihr die Rechte des Gewissens wahrt. Man wird Protestant, wenn man die kirchliche Autorität überhaupt leug­net und sich von ihr lossagt."

Gerade also wegen ihrer Unschuld war der Prozeß gegen die Jungfrau von Orleans so furcht­bar. Die wenigsten werden imstande sein, diesen grauenhaften Konflikt in seiner Tiefe zu erfassen: In reinster Absicht für Gott und seine Kirche wirken zu wollen und doch von den amtlichen Ver. tretern der Kirche verkannt und beargwöhnt zu werden, ist das Härteste, was einem Heiligen be­gegnen kann". Wir haben aber um so weniger Ursache, die Möglick^eit oder Tatsächlichkeit solcher Konflikte zu vertuschen, als im Mittelpunkt un­serer Heilslehre ein solcher Konflikt steht: Auch Christus ist von derrechtmäßigen, geistlichen Au. torität als Ketzer verurteilt und dem weltlichen Arm zur Hinrichtung übergeben worden".

Hat die Kirche aber nun nicht durch die Heilig­sprechung der Jungfrau von Orleans dem Natio­nalismus auf neue Weise Vorschub geleistet? Der zweite Sonntag im Mai ist doch nicht nur ein kirchlicher, sondern ein Nationalfeiertag, wo sich in den Klang der Glocken und in das Braustn der Orgel. Donner der Geschütze, dröhnender Pa­radeichritt bifitierenber Bataillone und der pa­thetische Wasserfall offizieller Festreden mischt". Gewiß. Aber man übersehe erstens nicht, daß das französische Volk sich keinen seiner großen Gene­rale oder Eroberer zum Sinnbild feiner militäri­schen Glorie erhoben hat. sondern ein einfaches Mädchen aus dem Volk. Und zweitens, daß dieses Mädchen nicht gekämpft hat nationalistisch, an der Spitze eines (Erobererheeres, sondern national, um die von Gott gegebene Ordnung wieder einzusetzen. Aus ihrer weißen Standarte sehen wir in der Mitte Christus, die Weltkugek haltend, ihm zur Seite zwei Engel in Anbetung. Auch wir Deutsche können darüber froh sein, daß mit die­sem Zeichen die Jungfrau von Orleans das an»

Eine heilige Hexe?

xum 500. Todestag bet Jungfrau von Orleans am 30. Mai.

Don Dr. Karl Bergmann.

Hexe, Ketzerin, Rückfällige, Abtrünnige, Götzen­dienerin" so lautete ein Urteilsspruch am 30. Mai vor 500 Jahren über ein Bauernmädchen aus den Vogesen. Was bewog den höchsten Ge­richtshof in Frankreich, mit solcher Hörte eine Acht­zehnjährige zum Tob auf dem Scheiterhaufen zu. verurteilen? Ein Todesurteil um so verwunder­licher, als zwei ober drei Jahre nachher diese Here" schon im Mittelpunkt eines Schauspiels steht, das sie als Retterin des Vaterlandes mit mehr als 20 000 Versen und 140 Darstellern auf einer Doppelbühne feiert. Ja, 25 Jahre später wird sie auch von Der Kirche als unschuldig er­klärt, 1909 sogar selig und endlich heilig gespro­chen am 16. Mai 1920. Wie ist so etwas mög­lich?

Wir fragen die uns vorliegenden sechs Bände Prozeßakten. Daraus ergibt sich zunächst, daß das Leben dieses Mädchens von Orleans tatsächlich iellsom gewesen ist, mehr noch: wunderbar. Eben 18 Jahre, besteigt es in Ritterrüstung ein Kriegs­pferd, zieht mit nur sechs Begleitern durch das feindliche Gebiet stracks ins französisch« Haupt- raartier, wo man sich mit dem Gedanken der Ueberaabe trägt. Rast ganz Frankreich ist ja in den Händen der Engländer. Widerstand scheint sinnlos. Das Mädchen aber redet den Generälen alle Feigheit und Hadersucht aus den Herzen und gibt das Signal zur Erhebung. Hinter einem Altar läßt es sich von den Geistlichen ein altes Schwert ausgraben, von dem kein Mensch etwas wußte, und damit setzt es sich an die Stotze des unterlegenen Heeres, befreit mit einer Strategie, die auch moderne Generale bemunberungsroürbio finden. Orleans, die Schlüsielfestung des Landes, wirft die Engländer in einer Schlacht nach der an­dern und verschafft endlich dem Könige wie durch ein Gottesurteil in feierlich"r Krönung die An­erkennung seines Volkes. Es sind also geschicht­liche Tatsachen, keine frommen Legenden: sie ha­ben die französische Geschichtsschreibung neben Na. poleon am meisten beschäftigt.

Noch unerklärlicher als die klare Tatsache die­ser Militär. Erfolge sie sind eben Wunder ist aber die widerspruchsvolle Haltung der Kirche. Hexenverbrennung und Heiligenverehrung: Das ist eben kein Wunder, sondern ein Rätsel. Indes nur so lange, als man die geschichtlichen Zusam­menhänge nickt kennt. Auf Grund abgeschlossener Forschung wissen wir heute, daß die Jungfrau von Orleans nicht aus kirchlichen Motiven ver­urteilt worden ist, sondern aus rein politi­schen Der französische König hatte fanatische ®egner unter seinen Landsleuten wie unter den Engländern, in deren Hand die Siegerin schließ­lich geraten war. Um ihre nicht wegzuleugnenden Erfolge im Kern zu vernichten, wählte man das Mittel, das noch damaliger Auffassung am mei­sten verfing: Man stellte des Königs mächtigste Verbündete alsHexe" hin, d. h. ihre ausschlag­gebenden Siege als Werke des Teufels. Hohe kirchlich« Würdenträger ließen sich unter dem Druck der englischen Waffen dazu mißbrauchen, dem unschuldigen Mädchen zu politischen Zwecken den kirchlichen Prozeß zu machen. Die vorhande-

Donnerstag, den 4. Juni 193t (Fronleichnam), nachmittags 4 Uhr im Garten des RestaurantsDeutscher Kaiser"

Pfarrei-Gartenfest

verbunden mit Konzert, Gesangvorträgen und Kinderbelustigung. Es ladet ein

Bub, Kuratus.

kaum noch steigern.

Aber das Jubiläum ist doch eine Ehrung für ihn, eine Gelegenheit, in besonderer Weise und in Gemeinschaft, vor aller Welt, der Verehrung Aus­druck zu geben. Und viel« können doch noch auf den Heiligen hingewiesen werden. Auch sein Bild kann wieder voller vor Augen geführt, manches weniger Bekannte ins Licht gerückt werden.

St. AntoniuS hat in den wenigen Jahren seines Lebens 36 Jahre ist er alt geworden als Prediger, als Lehrer der GotteSgelehrfamkeit, als Oberer, als heiliger Ordensmann manches gewirtt. Das Volk, das Antonius liebt und ver­ehrt, daS zu ihm seine Zuflucht nimmt, weiß von alledem wenig ober nichts. Antonius gehört zu den Heiligen, bei denen die Person ganz zurückftitt, die nur in ihrem Werk, in ihrem Geist,

Mit dem Monat Juni beginnt die Kirche die Jubelfeier deS heiligen Antonius. Eine Eigenart dieses Jubiläumsjahres liegt darin, daß in ihm das Gedächtnis des Todes sowohl wie der Heilig- sprechung des Heiligen begangen werden kann, da Antonius auf die Altäre erhoben wurde, noch ehe ein Jahr seit seinem Tode, dem 13. Juni 1231, verstrichen war.

Gedächtnisfeiern sind der Kirche nicht fremd. Jedes Jahr begeht sie an bestimmten Tagen das Gedächtnis ihrer Heiligen, vieler wenigstens, und vielfach an ihrem Todestag, der für sie ja den Beginn ihrer himmlischen Glorie bedeutet. Da ist es nicht zu verwundern, wenn aus der Zahl dieser Gedächtnistage im Laus des Kirchenjahres hier und da einer besonders herausgehoben wird, wenn etwa seit dem Todestag nicht nur wieder- ein Jahr, sondern ein Jahrhundert verstrichen ist. Die Kirche will da den Blick der Gläubigen auf einen Stern des Himmels konzentrieren, meist ist es einer der großen Sterne, einer der Heiligen, deren Bedeutung im Sauf der Jahrhunderte nicht ge- funken ist, die noch und gerade den Menschen unsrer Tage etwas zu sagen, eine Mission zu erfüllen haben.

Daß St. AntoniuS ein solches Gedenken ver- dient, braucht nicht bewiesen zu werden. Sein Jubi­läum wird gefeiert werden über alle Grenzen hinweg. Wie es vor einigen Jahren bei Franziskus von Assisi war, dessen Orden Antonius angehörte. Alle Welt hat damals Anteil genommen, auch die nichtkatholische. Weil Franziskus unsrer Zeit viel zu sagen hat, weil seine Zeit in vielem der unsren glich, weil fein Geist auch uns retten könnte aus unsrer Not.

Am Antoniusjubiläum werden die Nichtkatho- liken im Großen und Ganzen schweigend vorüber­gehen, aber umso größer wird die Anteilnahme innerhalb der Kirche fein. Ist ja kaum ein Heiliger dem katholischen Volk so bekannt.wie Antonius, dessen Bild oder Statue in wenig Kirchen und Kapellen auf Erden fehlen wirb.

An Antonius zeigt sich, wie vielleicht bei kei­nem andern Heiligen, daß er mit seinem Tode der Welt nicht gestorben ist, daß er weiterlebt und wirft, reicher und unbegrenzter als vorher, bis in unsere Zeit hinein. Eine lebendige Beziehung hat das katholische Volk zu ihm, die oft und oft wirksam wird bis in die kleinen und kleinsten Dinge. Darum tritt hier die Bedeutung, die Ju­biläen sonst haben, daß sie auf einen Heiligen den Blick hinlenken, daß sie die Beziehung zu ihm lebendiger gestalten sollen, zurück. Bei , Antonius läßt sich das in weiten Kreisen wenigstens

Be: AntoniuS ist es die Kraft, die Helferkraft, die fortlebt und fortwirkt, und die beim gläubigen Volk ein Vertrauen hervorgerufen hat, das nir- gendwoanders feinesgleichen findet. Das ist daS Große, das Wertvolle an ihm, daß er einen solch starken Strom gläubigen Vertrauens entspringen ließ, daß er so viel übernatürliche Kräfte anregte und zur Entfaltung brachte. Und darin liegt auch eine Mission des Heiligen in unserer Zeit, daß er ein Gegengewicht schafft gegen die Erkaltung des GlaubenSgeistes, gegen die zu geringe Einschätzung und Ausnutzung der übernatürlichen Kräfte.

Die Helferkraft deS heiligen AntoniuS kommt auch noch in etwas anderem zum Ausdruck, das sich an seinen Namen knüpft: im Antoniusbrot. Dadurch wird Anwnius zum Karitas-Heiligen. Wieviel KaritaS, verborgene Karitas wird geübt in dieser Form, die die schönste Antoniusverehrung darstellt, daß der, dem St. Antonius in irgend­einem Anliegen hilft, eS dadurch lohnt, daß er andren Gutes tut.

Dieser Brauch der Spendung deS AntoniuS- brotes ist noch nicht alt, aber seine Beziehung zum heiligen Antonius ist nicht bloß äußerlich. Kari- taSgeist und Karitastat waren dem Heiligen nicht fremd. Er hatte ein Herz für die Armen. Ein neuer Biograph (Karl Wilk) sagt von ihm:Un­nachgiebig in den christlichen Grundsätzen, uner­bittlich und ausdauernd in ihrer Durchführung sah er in der Unterdrückung der Armen eine Sünde, die zum Himmel um Rache schreit. Anwnius ist ein erfolgreicher Beschützer und Anwalt des ein­fachen Volkes. Das Gebot der Gottes- und Räch- stenliebe, das verlangt er mit allem Nachdruck, soll und muß im öffentlichen Leben zur Geltung kom­men. Seiner Ueberzeugung gab er laut Ausdruck. Beständig handelt er, wirft er als Redner, wirft in der Öffentlichkeit und vermittelt bei den Be­hörden ..Wir dürfen glauben, daß es nicht ohne tiefen Sinn, ohne besondere Fügung der göttlichen Vorsehung geschah, daß gerade an den Namen und an die Verehrung des heiligen Anw­nius, sich ein so großes Werk der Karitas an- schloß, von dem Leo XIII. schrieb:Es scheint, als habe in diesen an Elend so reichen Zeiten der heilige Anwnius von Padua sich durch einen Liebeskontrakt mit dem heiligen Vinzenz von Paul zusammengetan, um die Sorgen und Kümmernisse des armen Volkes zu beseitigen oder doch zu lin­dern, indem Anwnius durch seine Gebetserhorun- gen das Brot beschafft, Vinzenz aber es verteilt."

Gerade hier könnte das JubiläumSjahr schöne Früchte hervorbringen. Wie das Elisabethjubiläum uns zum Helfen, zur Karitas, zur Nachahmung dieser Tugend so eindringlich aufrust, könnte es auch das Anwniusjubikäum tun. St. Anwnius wird jede Tat nach dieser Richtung sicherlich auf seine Weife belohnen, wird mit dieser Frucht auch andere Jubiläumsfrüchte in uns aufgehen lassen, wird mit dem Geist der KaritaS auch den Geist des Glaubens und der Gottesliebe, eines innigen Gottvertrauens in uns beleben. Er, der in zeit­lichen Dingen so gerne hilft, wird viel lieber noch geistige und übernatürliche Gaben austeilen an alle, die sein Jubiläumsjahr frommen Herzens mitfeiern, die oft im Laufe des Jahres ihren Blick aus ihn hsnrichten und hinrichten lassen. in den mancherler Veranstaltungen, die das Jubeljahr mit sich bringen Wird, die ein wenig in die Schule des Heiligen, des großen Weltheiligen gehen sollen.

bere Symbol Frankreichs verdrängt hat: La France mit der Jakobinermütze. Wie denn ber Bischof Courour vor zwei Jahren den Sinn dieser in ihrer Kraft fortleben.

Zu den Tränen der hl. Monika".

Lacrimis Sanctae Monicae." Diesen Titel trägt die Franziskanerkapelle auf dem roten Felsvorsprung Dpn St. Monique bei Karthago. Nahe dabei liegen

Ruinen der siebenschiffigen Basilika des hl. Cyprian. Wahrend unser Augevon dem goldenen Uederfluß der trinkt das durchsichtig blaue Meer; die bren­nend rote Küste: Sidi Bou Said: das leuchtend weiße Araberdorf auf purpurnem Grund: Sidi-Dris: die Villa ^ss Kardinals öaoigerie, zwischen Eukalyptus und Pi- toen hervorleuchtend, steht vor unserem geistigen «lick die Szene, die Anlaß zu jener merkwürdigen In- Ichrist gegeben hat.

Augustinus, der feiner Mutter in denBekenntnissen" e,n so wunderbares Denkmal gesetzt hat, erzählt sie. Ab- Lfttoßen von dem unwürdigen Leben in Karthago, n er doch selbst verstrickt war, beschließt er, i h Aom zu gehen, um dort den ersehnten Ruhm zu fin.x . Alanika ist tiefbetrübt; Rom erscheint ihr wie ein zweites «abtjion; dort wird ihr Schmerzenskind ganz in den Abgrund sinken Vergebens bittet, meint und fleht sie, Urt1 ihn zurückzuhalten. Sie will ihn doch behüten, ihn

Glauben führen und sie will ihn bei sich haben "naä) Weise der Mütter". Sie begleitet ihn bis ans Meer ub ist entschlossen, mit chm zu fahren. Augustinus

täuscht sie. Angeblich wird er die Abreise verschieben. Mit Mühe überredete ich sie, an einem Ort, der ganz nahe bei unserem Schisse war, der Gedächtnisstätte des hl. Cyprian, die Nacht zu verbringen. In derselben Nacht aber reifte ich heimlich ab ohne.sie; sie blieb zurück, betend und weinend. Was anders aber erflehte sie mit so reichlichen Tränen von dir, o Gott, als daß du mich nicht reifen lassen mögest? Du aber kümmerst dich nicht um das, worum sie damals bat, um aus mir zu machen, worum sie jederzeit bat. Der Wind wehte und schwellte unser Segel und entzog unseren Blicken den Strand, wo am atoteren Morgen die Mutter außer sich vor Schmerz mit Klagen und Seufzen deine Ohren erfüllte, die taub dafür waren ... in ihrem Schmerze traf sie die ge­rechte Strafe für ihre fleischliche Sehnsucht .... Sie wußte nicht, war für eine- Freude du ihr durch meine Abwesenheit bereiten würdest. Darum weinte sie und wehklagte, und in diesen Schmerzen verriet sich in ihr das Erbteil Evas. Mit Seufzen suchte sie das Kind, das sie mit Schmerzen geboren hatte. Und doch, nach­dem sie sich über meine Treulosigkeit und Grausamkeit beklagt hatte, kehrte sie wieder dazu zurück, dich für mich anzuflehen, und ging alsdann allein an ihr gewohntes Tagewerk; ich aber ging nach Rom" (Bek. V, 8).

Schon zweimal hatte Gott die Mutter, die leiden­schaftlich um das Hell ihres Sohnes rang, wissen lassen:

nicht mit Ungestüm, nicht mit Gewalt, sondern mit Trä­nen, mit Gebet, mit geduldigem Warten auf meine Barmherzigkeit sollst du dein Kind für mich gewinnen.

Das erstemal: Monika hatteaus Widerwillen und Abscheu vor den gotteslästerlichen Irrtümern" ihres Sohnes ihm die Gemeinschaft des Tisches und Hauses versagt. Dabei weinte sie zu Gott,mehr als Mütter über leibliche Tote zu weinen pflegen*. Im Traume wurde ihr gezeigt, daß sie den Sahn nicht von sich ent­fernen dürfe, da er dort stände, wo auch sie wäre. Aber es sollten noch neun Jahre vergehen, während denen Augustinussich im Schlamme der Tiefe und den Fm- fterniffen des Irrtums wälzte*, bis das Traumgesicht er­füllt war.Don Hoffnung ermutigt, aber darum nicht träger im Flehen und Seufzen", ließ Monika nicht ab in ihren Gebeten zu Gott zu weinen (Bek. III, 11). Ein anderes Mal bat sie einen Bischof, er möge doch mit ihrem Sohne reden, um seine Irrtümer zu widerlegen und chn zum Guten hinzulenken. Er aber hielt die Zeit noch nicht für gekommen und gab der verzweiflungsvoll Weinenden und Flehenden die berühmte Antwort:So wahr du lebst, es ist unmöglich, daß der Sohn solcher Tränen verlorengeht.* (Bek. III, 12).

Achtzehn Jahre lang hat Monika gebetet, gemeint und gewartet ein hartes Los für diese aktive, Gott und den Sohn so glühend liebende Seele. Aber durch

ihrefrommen Tränen*, Tränen, die wohl tiefster Trauer entstammten, aber nicht gegen Gott haderten, hat sie ihr Kind dem Tod entrissen, wie die Mutter des Jünglings von Naim, von dem das Evangelium ihres Festes erzählt. Ob Monika, die, wie das Brevier sagt, des hl. Augustinus zwiefache Mutter" war, Freuden- tränen vergossen hat bei der endlichen Bekehrung des Sohnes? Er berichtet nichts davon. Eine tiefe, tiefe Ruhe war über sie gekommen, da sie nun mit ihmauf dem gleichen Richtscheit des Glaubens" stand, wie sie es ei^t im Traum gesehen.In weit reicherem Maße wurde ihre Trauer in Freude verwandelt, als sie es selbst gewolll hatte." Ihr Lebensziel war erfüllt.Was tue ich noch hier?" sagte sie in dem ewigkeitstiefen Nacht­gespräch am Meeresstrand von Ostia, in dem das Gins­tern von Mutter und Sohn so unbeschreiblich schön zum Ausdruck kommt. War Monika früherzwar dem Zen­trum Babylons entflohen, aber nicht feinem Umkreise", so hatte sie durch ihre Tränen allmählich die höchste Stufe der Läuterung und Weltabgekehrtheit erreicht, und zum Lohne für die mit Seufzern erflehte Bekehrung ihres Sohnes eypfing sie von ihm eine wundervolle Vertie­fung ihres religiösen Lebens. .

Dr. Maria Faßbinder."""