Einzelbild herunterladen
 

Der Pfingstlümmel.

Von Heinz Steguweit.

Es gibt im Rheinland ein Dorf zwischen den Bergen, da» sich Lattich nennt und ein« Kirche hat, die mit ihrem Zwiebelturm so mollig über den Häusern hockt, al» habe sie diese alle ausgebrütet. Wer in die Kirche hineingeht, dem fällt das große Altarbild feiner Schön­heit wegen auf, besonders dann, wenn die Farben des Gemäldes von der Sonne verklärt werden, die an heitern Sommertagen mit Bündeln von Strahlen durch die bunten Heiligenfenster ins Gewölbe strömt. Fragt man den Küster, wer die Pracht dieses dreiflügeligen Altar­bildes geschaffen habe, dann lacht der Schelm, kratzt fich im Nacken und sagt: Fragt den Pastor!

Und macht man sich nebenan die Mühe, den Herrn Pfarrer ans Fenster zu rufen, dann lacht der ebenfalls und kratzt sich im Nacken: Fragt den Wirt in der Post!

Es ist verständlich, daß solche Geheimnistuerei jene böse Tugend heraufbeschwört, die man Neugür zu nen­nen geneigt ist; und es ist fernerhin nicht absonderlich, daß man sich beim Postwirt niederläßt, um mit dem dicken Ganymed ins Gespräch zu kommen. Doch der Postwirt ist wiederum ein Schalk, das ganze Dorf Lat­tich scheint ein Nest von Eulenspiegeln, — aber beginnen wir mit jenem lustigen Spuk, den das kostbare Altarbild, ein antikes Triptychon mit der Ausgießung des Heiligen Geistes, von Kennern als ein Werkwunder der Kölner Malerschule aus den Tagen Stephan Lochners aner­kannt, umgibt. Der dicke Postwirt soll selber erzählen:

Das war vor zehn Jahren, in Deutschland tobte der Hexensabbat der Inflation, allen Milliardären knurrte der Magen, da törichten im Rheinland gierige Rudel von Ausländern aus, die mit ihren Schillingen, Francs und Dollars die Kaufhäuser plünderten. Alles fraßen sie weg mit ihrem wertbeständigen Papier, das Teuerste war spottbillig für ihre Währung.

Nun, mochten sie Möbel, Kleider, Pelze und Porzellan über die Grenzen schleppen, mochten sie den Rachen ihrer Unersättlichkeit mit Tuchen, Teppichen und anderm Plunder verstopfen^ mochten sie endlich von den Bahn­höfen des Westens in Scharen wieder abflattern wie satte Dohlen vom gefallenen Bieh: Was wog schon ihr Ramsch, da man ihn alle Tage neu beschaffen konnte? Nein, ärger war unser Leid, daß die Fremden auch solche Dinge entführten, die sich nicht mehr ersetzen lie­ßen; alte Schätze meine ich, Hausrat der Urväter, auch kostbare Meisterstücke aus den Stuben solcher Leute, deren Wohlstand ein Wehestanü geworden war, gab es doch Rentner damals, die zwanzig Zinnteller verkauften, um Brot für zwei Tage zu erben. —

Nun, am Samstag vor Pfingsten war es, genau im Jahre 1922, alle Leute, die Sophia und Johannes Nepo­muk hießen, hatten Namenstag, da bremste vor meiner Tür ein Autowagen mit kochendem Kühler. Am Steuer faß ein Frauenzimmer aus Amerika, aber drüben sagt man wohl Miß. Diese Miß trat auf wie ein Mannsbild von der Kavallerie. Lederne Schaftstiefel hatte sie an, dazu eine Hornbrille im Gesicht und Haare auf der Zunge. Sie forderte Benzin für den Motor, Luft für die Räder und ein Schlafzimmer für sich selbst.

Da ich als armer Postwirt scharf auf Dollars war, lieh ich mich geduldig kommandieren. Gabriela, die meine Tochter ist, mußte sofort ihre Kammer räumen, weil die Miß ins Bett wollte, —'wie aber konnte ich ahnen, daß...

Langsam, ich darf das Schönste nicht oorwegnehrn a. Wo hinaus wollte ich eigentlich? Richtig, zum wunder­baren Altarbild in der Kirche. Hört genau zu: Auch die Dame aus Amerika hatte das Rheinland ausgepowert, hatte sogar für ihre fetten Dollars ein altes, meister­haftes Heiligenbild irgendwo bei notdürftigen Leuten >N Köln oder Aachen erobert, ah, ein Werk, das wohl Tau­sende wert war, links und rechts mit Engeln auf golde­nem Grund, in der Mitte aber mit den frommen Apo­

steln, von denen jeder die Flamme des Heiligen Geistes auf dem Scheitel trug.

Bedenkt: Ausgerechnet am Abend vor Pfingsten mürbe das Bild in Gabrielas Kammer getragen und sorgfältig in den Schrank gestellt. Wie aber konnte ich ahnen, daß hier im Dorf ein junger Bursch den Pfingst­lümmel für meine Tochter heimlich bekränzte? — Was ein Pfingstlümmel ist? Eine mannsgroße Puppe aus Stroh, scheußlich maskiert wie eine Vogelscheuche, sonst ober mit Maiblumen über und über besteckt! Wer ein Mädchen lieb hat und fein Bräutigam werden möchte, der stößt am ersten Pfingsttag in aller Herrgottsfrüh seinem Schatz das Fenster auf, wirst den blumigen Pfingstlümmel in die Kammer, schreit dreimal feinen Namen und rennt dann spornstreichs zur Kirche, um der erste zu fein beim Beten und Singen.

Aber der Gottlieb, der heute Gabrielas Mann und also mein Schwiegersohn ist, hört, der Gottlieb wußte nicht, daß die Miß in der Kammer schlief. Unb als er das Fenster aufstieß in aller Früh, den Pfingstlümmel in die Stube zu werfen, dazu seinen Namen dreimal wie ein Besessener zu schreien, da hat die Person aus Ame­rika das eisige Fürchten vor dem Gespenst bekommen, das mit seinen Lumpen, Blumen und Strohbeinen mitten auf die Bettstatt stürzte. Der Küster war Augenzeuge, wie die Miß ungewaschen und mit zerzaustem Kopf aus dem Fenster floh, ins Auto kletterte und hastewaskannste aus dem Dors raste, um nie mehr wiederzukommenl — Die Zeche blieb sie mir schuldig, das Benzin auch, ferner ging eine Wafchkanne aus gutem Porzellan in hundert Trümmer, denn die Miß muß wie eine Tobsüchtige auf die Puppe eingeschlagen haben. Ausregung macht blind, vielleicht ist es die Angst vor dem hohen Gericht, die das Fräulein aus Amerika schweigen läßt bis zum jüngsten Tag? Ich ließ auf alle Fälle die Husarenstiesel pfänden, dazu die Hornbrille und das alte Meisterbild von der Ausgießung des Heiligen Geistes. Und da ich jahrelang

nig^ng zu gelangen, haben zweifellos die Amtsinu- digkeit Slaveks gesteigert.

Als vermutlicher Nachfolger Slaveks gilt der bisherige Handelsminister Oberst P r y st o r, der ebenso wie der zurückgetretene Ministerpräsident zum Kreise der engsten Vertrauten des Marschalls Pilsudski zählt. Oberst Prystor, der in früheren Regierungen das Portefeuille für soziale Fürsorge inne hatte, hat nach dem Maiumsturz bei der Neu­organisierung der Armee dem Marschall Pilsudski als Personalreferent des Heeres hilfreich zur Seite gestanden. ________________________

* Zwischenfall an einer amerikanischen Univer­sität. Drei Studenten der Cornell-Universität wurden wegen „disorderly conöuct" verhaftet. Die Studenten hatten an dem Flaggenmast des am Sonntag eingeweihten Denkmals zur Erinnerung an die im Weltkriege gefallenen Cornell-Studenten eine rote Flagge aufgezogen, auf der die deut - s ch e Aufschrift „Z u r E r i n n e r u n g a n H a n s Wagner" angebracht war. Die sollte ein Pro­test dagegen sein, daß der Name des auf deutscher Seite gefallenen Cornell-Studenten Hans Wagner, nicht auf der Ehrentafel des Denkmals angenom­men worden war.

/• (Eröffnung der Interparlamentarischen Han­delskonferenz. In Anwesenheit von über 100 De­legierten aus 25 Ländern wurde am Dienstag in Prag im Sitzungssaal des Aboeordnetenhaufes die 17. Interparlamentarische Handelskonferenz unter dem Vorsitz des Präsidenten des tschechoslo­wakischen Konferenzausschusses Senator Stodola eröffnet. Außenminister Dr. Benesch, der die Kon­ferenz im Namen der Regierung begrüßte, betonte in feiner Rede u. a, daß im Kampf gegen die herrschende Weltwirtschaftskrise der Weg zu einer internationalen Kooperation oder wenigstens einer europäischen Kooperation gesunden werden müsse. Aks Führer der reichsdeutschen Delegation nimmt Finanzminister a. D. Dr. Hilferding an der Tagung teil. ________

Russisches A-Vool gesunken.

Bisher vergebliche Rettungsversuche.

wtb. Moskau. 27. Mai. (Eig. Meld.) Beim Uebungstauchen im Finnischen Meerbusen ist am Freitag ein russisches Unterseeboot gesunken. Nach Feststellung der Unglücksstelle versuchten Schiffe, das Unterseeboot zu heben. Doch gestalten sich die Rettungsmaßnahmen wegen der großen Wassertiefe sehr schwierig und blieben bis­her ohne Erfolg.

Mokor-Zachk mit acht Insassen untergegangen?

wtb. New 3orf. 27. Mai. (Eig. Meld.) Es wird befürchte^, daß bei New Island die ameri­kanische Yacht „Sea Fox" mit acht In­sassen an Bord untergegangen ist. Die Leiche einer jungen Frau, die sich an Bord der Nacht befunden haben soll, ist in Danen ans Ufer gespült worden.

Aus Neu-Byzanz.

Nationalsozialisten feiern Jubiläen.

Im „Angriff" des nationalsozialistischen Pro- pagandaHefs Dr. Goebbels lesen wir von beijt denkwürdigen Jubiläum einiger Führer der Hitler- Partei:

„Unbemerkt von der großen Oeffent- l i ch k e i t, selbst von der Parteibewegung, konn­ten die bekannten Kämpfer für die Idee Adolf Hitlers, die Abgeordneten Dr. Wilhelm Frick, Franz Stöhr, Gottfried Feder, Wilhelm Kube, Graf E. zu Reventlvw am 4. Mai auf eine siebenjährige Parlamentstäligkeit im Kampfe um die Weltanschauung des National­sozialismus zurückblicken... Die Abgeordneten Gre­gor Strasser und Heinz Haake haben Ende dieses Jahres denselben Zeitabschnitt des parlamentari­schen Eroßkampses für die Idee Adolf Hitlers aufzuweisen."

Wenn dieser Mitteilung der Titel „Sieben­jähriger Krieg" gegeben und wenn dann noch gerührt versichert wird, „nur wenige Treue wuß­ten von diesem Siebenjährigen Krieg, den die Parteigenossen gegen alle parlamentarischen Par­teien im Reichs- und Landtage führen mußten", dann gewinnt man den Eindruck, daß in demselben Maße wie bei den Nationalsozialisten die „Lega­lität" zunimmt, die Geringschätzung gegenüber der Einrichtung des Parlamentarismus abnimmt. Ja, di« bisherige Antipathie scheint in einen wahren Respekt umgeschlagen zu sein. Wir haben jedenfalls noch bei reiner anderen Partei feststellen können, daß sie die Einrichtung des parlamentari­schen „Sieben-Jahres-Jubiläums" kennt.

Letzte Nachrichten der .Fuldaer Zeitung

In der Stratosphäre.

wtb. Augsburg, 27. Mai. (Eig. Meld.) Don den Vertretern der Neuen Augsburger Zeitung, die den Flug Piccards im Kraftwagen verfolgten, erhalten wir um 11.50 Uhr folgenden Bericht:

Unsere Fahrt ging von Augsburg zunächst nach Krumbach. Hier wurde der Ballon um 6 Uhr gesichtet. Um 7 Uhr erschien er über Kauf­beuren, zwischen 8 und 8.30 Uhr über Kemp­ten. Dann schlug er westliche Richtung ein. Es ist anzunehmen, daß er in der langen Zeit zwischen 7 und 8.30 Uhr, die der Ballon zur Zurücklegung der kurzen Strecke zwischen Kaufbeuren und Kemp­ten brauchte, in die Stratosphäre auf» gestiegen ist. Dann ging der Flug über Mem­mingen, Leutkirch, Ravensburg und F r i e d r i chs- Hafen. Man nimmt an, daß der Ballon nun­mehr die Wolkenschicht, die sich jetzt nach Schatzung Sachverständiger in einer Höhe von 10—15 000 Meter befindet, durchstoßen hat. Zur Zeit ist der Ballon außer Sicht. Er treibt vermutlich i n westlicher Richtung auf das Rheintal z u, so daß man annehmen kann, daß die Lan­dung entweder dort oder in den Ausläufern der Vogesen stattsinden wird.

Nach Angaben Piccards wollte er zwischen 11 und 12 Uhr landen, doch erklärte er kurz vor dem Aufstieg, daß er, wenn die Derhästnisse günstig seien, sich in der Stratosphäre aushalten wolle.

*

Als Stratosphäre bezeichnet man die über den Eir- rusmolten (8—10 000 Meter) liegende Luftregion.

plus — minus — Jltifl.

C.N B. Berlin, 27. Mai. (Eig. Meld.) Nach Ab­schluß der Tagung des Völkerbundsrates und des Europaausschuffes ergibt ein Ueberblick über den Gesamtverlauf der Verhandlungen etwa folgendes Bild:

In der Frage der Zollunion war es die Frage von Deutschland und Oesterreich, die Stel­lung zu halten, die beide Länder im Frühjahr ein­genommen hatten. Man war von Anfang an der Auffassung, daß eine völkerrechtliche Prüfung der Zollunion zuzulassen, aber jede politische oder

wirtschaftliche Erörterung und Entscheidung durch den Völkerbundsrat abzulehnen sei. Dieser Stand­punkt ist nach Auffassung politischer Kreise rest­los gewahrt. Eine Prognose für die Zu­kunft läßt sich nicht stellen. Die Deutsche Regie­rung ist aber ebenso wie die österreichische von ihrem guten Recht überzeugt und enrprtet, vor dem Haager Schiedsgericht Recht zu bekommen.

Bezüglich der Generalakte ist Deutsch­lands Stellung ebenfalls nicht beeinträchtigt. Die angekündigte feierliche Niederlegung der Ratifi­kationsurkunden durch Frankreich, England und Italien ist nicht erfolgt, und der deutsche Außen­minister hat als Ratsvorfitzender festgestellt. daß die von Deutschland bevorzugten bilateralen Schiedsverträge zur Generalakte völlig gleichwer­tig find.

Was die Abrüstungsfragen betrifft, so kann Deutschland von der Betrauung des briti­schen Außenministers Henderson mft dem Vorsitz der Abrüstungskonferenz befriedigt sein. Bei dem deutschen Antrag auf Offenlegung des Rüftunas- standes handelt es sich in der Hauptsache darum, erneut von dem Konventionsentwurf des Vor­bereitungsausschusses abzurücken. Um die Offen­legung der Rüstungen überhaupt nicht zu ver­hindern, hat Deutschland bei dem englischen Vor­schläge, b$r nach Auffassung politischer Kreise ein „plus -minus-Null" darstellt, Stimmenthal­tung geübt.

Die Böschung hlnunkergestürzt.

Ein Toter, zwei Schwarv ersetzte.

Dienstag vormittag fuhr in Hameln ein Trekker der Wesermühke, der einen mit Mehl­säcken beladenen Wagen zog, aus noch nicht ge­klärter Ursache auf den Fußweg und stieß dabei gegen einen Prellstein, der durch die Wucht des Anpralls aus der Erde gerissen wurde. Der Trekker st ürzteda nn dieetwa 25 Meter tiefe Böschung hinab, wobei er sich zweimal überschlug. Der Führer wurde unter dem Wagen begraben und war sofort tot. Die beiden Mit­fahrer wurden schwer verletzt.

* Zur Dergrverkskakastrophe in Hinkerindien. Die Zahl der bei dem Brande des Goldbergwerkes in S o l a r (Maifsur) ums Geben Gekommenen hat sich nach den letzten Meldungen auf 47 er­höht. 30 Personen werde» noch vermißt. Die Bergungsarbeiten werden mit allen Kräften fort­gesetzt. An der Unglücksstätte spielen sich erschüt­ternde Szenen ab.

von wltelUngsvereuei^AWWW Jedenfalls, je früher der Zahnarzt und bet sucht wird, um so ehe können wir schnellen Erfolg bei unseren Heilungsmaßnahmen Dei

* Todessturz eines bekannten ifalienii*,- sohrers. Der bekannte italienische Hetuu

cangeli ist beim Training zum ')r„,"a^rcr Ar. um den Großen Preis von Italien am ft?°bi!rcnnen «ch verunglückt. Er überschlug sich ,°™5ta3 Romeo auf der Monzabahn, wurde heraü^ ^, und war auf der Stelle tot. 9erausgejd)[el£^

Tagungen.

= proDinjialoerbanb Hessen-Nassauischer Am Samstag, den 30. und Sonntag, den 31 Mai unter dem Vorsitze von Rechtsanwalt Dr. Gu'mb-l Frankfurt a. M., die ordentliche Delegiertentaquno h« Prooinziawerbandes Hessen-Nassauischer Mieter in Stadthalle (dem Paulinenschlößchen) zu Wiesbaden statt. Diese Tagung gewinnt eine besondere Bedeutunn dadurch, daß am Samstag abends 8 Uhr in einer in der

Aeues in kürze.

Beim Spielen am Neckar sind in am Dienstag zwei Kinder ertrunte^0™1

*

Sn derSpnagoge des oftaalhifoen Nowosiolka wurde nachts eine ©ran« Explosion gebracht. Der Altar und ein <&r der Einrichtung wurden zerstört. Die brei Ta, — es soll sich um Kommunisten handeln —Tf flüchtig. ____________

Fuldaer Vuttermarkk.

== Fulda 27. Mai. Am heutigen Buttermarkt be« zahlte man für bas Pfund Landbutter 1.20—1.30 RM. und darüber. Die Eier kosteten 6% Pfg. pro Stück.

Achtung!

Das Lust- und Strandbad der Stadt Fulda in der Rosenau soll am

Samstag, den 30. Mai 1931, 17 Uhr (nachm. 5 Uhr) eröffnet werden. y

Einer sehr dankenswerten Anregung des Schwimm« Vereins zufolge soll zur Verschönerung der Einweihung durch schwimmerische Vorführungen beige» tragen werden.

Falls sich noch andere Vereinigungen be­teiligen wollen, mögen sie sich mit dem Gauschwimm. wart des Schwirnmoereins, Herrn Kleingünther, ins Benehmen fetzen und sich um 6 Uhr heute (Mitt­woch) abend an der Badeanstalt einfinden.

Dom Holzmarkt.

Grubenholzversteigerungen in den kurhessischen Staats« Waldungen.

Die St.-O. F. Neuhof-Ost (Kreis Fulda) ver» steigerte 1727 frn Kieferngrubenholz in ganzen Langen zu 9 RM. und 85 frn Kiesern-Grubenstempel I. bis III. Klasse gemischt zu 10 RM. je 1 sm ab Wald bei 2 bis 2,25 RM. Abfuhrkosten für je 1 fm, die Staatsobersör- fterei Wetter-Ost (Kreis Marburg-Lahn) 1985 fm Kieferngrubenholz, geschält, in ganzen Längen, zu 10,50 RM. für je 1 fm ab Wald bei 2,50—3 RM. Abfuhr­kosten, die St.-O. F. Friedewald (Kreis Hersfeld) 850 fm Kieferngrubenholz in ganzen Längen zu 8 RM, bei 1,50 RM. Abfuhrkosten, die St.-O. F. Hessisch- Licht e n a u (Kreis Witzenhausen) 158 sm Fichten- arubenholz in ganzen Längen zu 8,75 RM. bei 2 RM. Abfuhrkosten und die St.-O. F. Spangenberg (Krs. Melsungen) 162 fm Fichtengrubenholz in ganzen Län­gen zu 9 RM. und Fichtengrubenholz in Stempeln 3. Klasse bis zu 10 Zentimeter Zopfstärke zu 6 RM. bei 2 RM. Abfuhrkosten. Die Nachfrage nach Grubenholz ist bei allen Staatsoberförstereien im Regierungsbezirk Kassel feit einiger Zeit recht gering. §§

Aula des Lyzeums 2 am Boseplatze der Bundesvor­sitzende Fritz D z i e y k-Berlin über das wichtige Thema: Abbau der Miete für Wohn- und Gewerberäume spre­chen wird. In der am Sonntag stattfindenden Tagung erfolgt nach Legung des Jahres- und Rechenschaftsbe- richtes die Wahl des Vorstandes. Sodann soll in einer umfassenden Aussprache die mieterpolitische Sage behan­delt werden und zwar insbesondere die Entwürfe zum sozialen Miet- und Wohnrecht und die mieterrecht­lichen Bestimmungen der Notverordnung des Reichs­präsidenten vom 1. Dezember 1930. Ferner wird ein Referat über die Praxis bei den Mietschöffengerichten und Mieteinigungsämtern erstattet werden.

nichts hörte von dem komischen FrÄflingsgast, ließ ich die Stiefel für Gabriela passend machen, die Brille ver­wahre ich für mein hohes Alter ttni> das prächtige Altar­bild mit den Engeln auf goldenem Grund und mit den Flammen über dem Scheitet der frommen Apostel — " Wer nach Lattich kommt, dem Dorf in den rheini­schen Bergen, der weiß jetzt, warum sich der Küster, der Pastor und alle anderen Leute im Ort nicht einholen können vor Lachen, wenn man sie fragt, wie das kostbare Bild in die Kirche kam. Sie alle wissen, wenn sie 61 auch nicht so wörtlich sagen können, daß sich der Heilig* Geist diesmal durch einen Schabernak offenbaren wollte, wie man ihn am Rhein so ganz in der Ordnung findet. Denn wo dürste das bunte Meisterbild aus den Tage» Stephan Lochners mit all feiner Würde und Demut, ins­besondere mit seinem pfingstlichen Sinn in besserer Ob­hut sein: In der Dorfkirche zu Lattich oder irgenbtt» irt einer Villa im Dollarland, dessen Menschen zwar atie* mit nacktem Geld abfertigen zu können meinen, vor nem rheinischen Pfingstlümmel aber in bebender Angst die Flucht ergreifen?

Humboldt über das Pfingstfest.

In einem Briefe schreibt Wilhelm von Humboldt, bekannte Gelehrte und Staatsmann, über das Pfmgstft"- „Mir ist Pfingsten eigentlich das liebfte unter den gro­ßen Festen. Seine heilige Bedeutung, das HerabsteO" göttlicher Kraft auf menschliche Wesen, hat zugleich 6* was Tröstendes und Erhebendes, und liegt dennoch über der Fassungskraft unseres Geistes, da man zu begreifen vermag, wie Geistig-Göttliches und Mew^' liches sich mischen. Auch irdisch genommen, ist es es gar liebliches Fest, weil es den Winter recht eigento°» beschließt und man nun dem heiteren Sommer «-E gensieht." :1

Lockere Zähne.

Von Dr. med. dent. Ludwig S a u l s o h n.

Im allgemeinen wird die Beobachtung einer Locke­rung der Zähne recht spät gemacht, da diese Erscheinung fast oder ganz schmerzlos eintritt. Wer natürlich schon als Kind an geordnete und entsprechende Pflege seiner Zähne gewöhnt ist, wird frühzeitiger auch leichtere Ver­änderungen des Zahnfleisches beobachten können. Bis vor zehn Jahren etwa war man sich über die Ursachen der Lockerung der Zähne noch vollkommen im unklaren und bezeichnete unter dem Namen Aloeolarpyorr- h ö e (Zahnfteischtascheneiterung) einen Komplex von Er­scheinungen, der hauptsächlich durch Zahnsteinansatz, Bil­dung von Zahnfleischtaschen und Eiterung aus diesen be­dingt war. Man nahm allerdings damals schon an, daß auch Stoffwechselkrankheiten, wie Zucker, Gicht, Blut- erkrankungen usw. nicht selten mit diesen Erscheinungen im Munde vergesellschaftet waren. Durch mühevolle Un­tersuchungen der letzten Jahre und intensive Zusammen­arbeit mit der Allgemein-Medizin sind wir heute zu viel weiter gehenden Ergebnissen gekommen. Die Symp­tome sind natürlich dieselben geblieben; neben einer mehr ober weniger schweren Entzündungen des Zahnfleisches sehen wir die Zahnfleischtaschen besonders an den oberen und unteren sechs Vorderzähnen meistens durch Zahn­steinansatz abgehoben, bei Druck entleert sich dünnflüssi­ger Eiter. Schmerzen bestehen im Anfangsstadium kaum. Bei weiterem Fortschreiten wird der Knochen des Zahnfaches entsprechend zerstört, so daß die Befestigungs­möglichkeiten der Zähne stark beeinträchtigt werden. Wir unterscheiden je nach dem Grad der Lockerung drei Arten, bei der letzten sind die Zähne durch die Zunge jederzeit aus ihrer Stellung zu verändern, der Patient wird dann durch Schmerzen meistens veranlaßt, den Zahnarzt auf- zusuchen. In fast allen Fällen konnte festgestellt werden, daß diese Erkrankung des Mundes, die nunmehr den wissenschaftlichen Namen Paradentose erhalten hat, mit irgendwelchen allgemeinen Störungen des Körpers ver­bunden war. Stoffwechselerkrankungen im weitesten Sinne Drüsenstörungen, Frauenleiden usw. bedingen in jedem

Falle die entsprechende Untersuchung durch einen Fach­arzt. Nur in engster Zusammenarbeit mit den Aerzten kann ein Erfolg erreicht werden. Neben der Umstellung des ganzen Körpers bezüglich der Heilung des bestehen­den Grundleidens können wir durch unsere Maßnahmen im Munde Besserung und Heilung erreichen. Bisweilen sind auch durch größere Zahnlücken übermäßige Belastun­gen der noch stehenden Zähne veranlaßt, die auch zur Lockerung beitragen. Die Behandlung besteht zunächst in peinlichster Entfernung des Zahnsteins, die sich oft über Wochen erschrecken kann. Die Zahnfteischtaschen werde geätzt . . . Selbstverständlich müssen alle nicht mehr zu erhaltenden Zähne und Wurzeln entfernt, evtl. Lücken durch Ersatz ausgefüllt, notwendige Füllungen ge­legt werden. Sind einzelne Zähne stark gelockert, wird nach vorheriger Röntgenaufnahme des ganzen Mundes eine Befestigungsschiene angefertigt. Wenn tiefergehende Veränderungen am Knochen vorhanden sind, wird zweck­mäßig durch eine Operation, die die gesamten kranken Stellen am Knochen und Zahnfleisch freilegt und fort­nimmt, Heilung erreicht. Zur Unterstützung der Allge­meinbehandlung tritt nachher eine tägliche Massage des Zahnfleisches mit entsprechenden Medikamenten und Sal­ben hinzu, die dann längere Zeit vom Patienten ein- bis zweimal täglich mindestens fünf Minuten auszuführen ist. Neben der Behandlung des Allgemeinleidens ist eine allgemeine körperliche Kräftigung anzustreben, damit die Blutversorgung in den entfernteren Teilen des Kör­pers, also auch im- Munde geregelt und normal wird. In geeigneten Fällen ist neuerdings auch zu einer Kur in einem unserer Jodbäder anzuraten, in einzelnen Orten kann gleichzeitig die zahnärztliche Behandlung durch einen spezialistisch geschulten Zahnarzt ausgeführt werden.

Die Lockerung der Zähne, die im Alter auftritt, kenn­zeichnet sich durch Rückbildung der Kiefer und zahntragen- den Teile, ein Naturgesetz, dem wir nicht in den Arm fallen töpnen. Allerdings wird sich auch hier durch weitgehende Zahnpflege und Massage ein immerhin lang­samerer Rückschritt erzielen lassen. Wie bei vielen Krank­heiten spielt auch hier die Vererbungstheorie eine große Rolle, wir können bisweilen in einzelnen Familien ganze