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uldaerZertung

Anzeiger für die Stadk Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt

Zahrg. 58

Mittwoch, 27. Mai 1931

Ilr. 120

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in der Stand­anderer Verein-

LrlcheintAechsmai wöchentlich. Wochenbeilagen: »Die Welt im Bild^und »Buchenblätter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Lctiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152. Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

und nie«

rüftung". Und diese Thesen schufen die andauern­den Aufrüstungen, vermehrten das Mißtrauen aller gegen alle, ja sie verminderten überhaupt erst die Sicherheit, weil sie den militärischen Macht- standpunkt in den Vordergrurch rückten, die Frie­densbürgschaften außer Acht ließen.

Wenn wir ehrlich sein wollen, müssen wir nach dem Genfer Abschluß feststellen, daß in der Ab­rüstungsfrage so gut wie nichts erreicht wurde. Allerdings nicht durch deutsche Schuld. Denn wir haben als erste Voraussetzung aller Abrüstungs­arbeit dieOffenlegung" der in allen Staaten vor­handenen Wehrmittel verlangt und haben dafür auch praktische Vorarbeit durch die Aufstellung von Tabellen" geleistet. Man lehnte Deutschlands Antrag ab, stimmte dafür dem englischen zu, der nichts anderes bezwecken kann, als weiterhin die Rüstungen geheim zu halten. Und nun stehen wir vor großen und größten Aufgaben in der weiteren Vorbereitung für die Abrüstungskonferenz. Wir kämpfen um unser durch Verträge verbrieftes Recht, kämpfen darum in der Vorbereitung wie bei den Endentscheidungen.

Berrmgerung dos spanischen Heeres.

Aus Madrid wird gemeldet: Der Kriegs­minister hat dem Ministerrat einen Heeresreform- entwurf vorgelegt, über den alsbald endgültig entschieden werden soll. Dieser Entwurf sieht die Auflösung vieler Regimenter und die Verkleine­rung des Dffizierkorps vor. Es sollen von den bisherigen 76 Infanterie-Regimentern künftig nur 39 bestehen bleiben, von 27 Kavallerie-Regimentern nur zehn; statt bisher 22 000 Offiziere sämtlicher Grade sieht der Reformentwurf nur 7000 vor, statt 280 Generalen nur 48. Die Heeresaus gaben sollen von 700 Millionen Peseten jährlich auf 500 Millionen herabgesetzt werden.

Plan zustandegebracht werden sollte, sei Theorie die bessere und vom politischen punkt aus vorzuziehen, aber das von Seite befürwortete System, regionale barungen zu treffen, sei p r a k t i s ch er.

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zukommen lassen.

Auch das ist hier zu beachten, daß diese hei­lige Dienerin Gottes bei der Hingabe an ihre so vielseitige Lisbestätigkeit niemals erlahmte im Geiste jener Herzensinnigkeit, die sie stets mit Gott vereinigte. Darin besonders sollen ihr alle folgen, die in der Förderung der katholischen Interessen arbeiten in frommen Vereinen und verschiedenen religiösen Unternehmungen. Denn während sie für bie Kirche Gottes emsig arbeiten, dürfen sie die tiefe Liebe zur Verehrung Gottes nicht vernachläs­sigen, aus der die Katholische Aktion, gleichsam wie aus ihrer Quelle, hervorgehen muß. Je inniger das geistige Leben, desto erfolgreicher wird die Ar­beit werden.

Aus diesen Unseren kurzen Andeutungen über das ruhmvolle Leben der heiligen Frau erhellt klar, welche Fülle himmlischer Güter dem deutschen Volke zu teil würde, wenn diesem vollendeten Vor­bild aller Tugenden die Gläubigen aller Stände und Kläffen nacheifern würden, besonders die Mit­glieder des Elisabethvereins, der die Liebestätig- keit der heiligen Patronin zu üben strebt. War doch Elisabeth keuscheste Jungfrau und zartliebende Mutter, reich und arm, in Niedrigkeit und im Adel, adelig mehr durch Tugend als durch Macht. Daher ist es nicht zu verwundern, wenn Deutsch­lands hervorragendste Männer den Glanz aller Künste ihrer Verherrlichung widmeten: Maler in herrlichen Tafelbildern, Dichter und Musiker in er­lesenen Liedern und Tonwerken, Architekten in Baudenkmälern von unvergänglichem Werte. Da­rum wollen auch Wir selbst, Geliebte Söhne und Ehrwürdige Brüder, bei dieser Säkularfeier ge­meinsam mit dem gesamten deutschen Volke die Huldigung des Lobpreises der heiligen Elisabeth barbringen, die ihr ganzes Leben wie eine Mutter aller dem Wohltun widmete. Lebt sie doch selbst nach Verlaus so vieler Jahrhunderte noch fort, in aller Herzen mehr als in der Geschichte, und scheint sie doch uns eine Mahnung zu sein, daß einzig aus der Liebe Christi das Heil der Völker zu erwarten ist. Wir beten, daß ball» der ersehnte Tag uns leuchte, an dem alle Völker nach Wiederherstellung des öffentlichen Friedens in der Liebe Christi wie­dergeboren werden und Eine Herde und Ein Hirt werde.

Unterpfand himmlischer Güter und Zeugnis unse­res väterlichen Wohlwollens sei der Apostolische Segen, den Wir Euch und allen Eurer Hirtensorge Anvertrauten von ganzem Herzen erteilen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter am 10. Mai 1931, im zehnten Jahre Unseres Pontifikates.

Pius XI. Papst.

Ein Protest Aaleskis.

Der deutsche Außenminifier gibt die gebührende Antwort.

Der polnische Außenminister Zaleski hatte es für notwendig gehalten, an den deutschen Außen- minifter als Präsident des Völkerbundsrates ein Schreiben zu richten, worin er sich darüber be­schwert, daß Dr. Curtius bei der Aussprache über eie Danziger Frage am Freitagnachmittag eine Erklärung abgegeben habe, deren letzter Teil eine politisch« Stellungnahme enthalten habe, die ent« liegen einer Gepflogenheit des Völkerbundsrates mit der polnischen Delegation nicht vorher ver­einbart worden sei. Dr.' Curtius hat hierauf in feinem Schreiben an den polnischen Außenminister erwidert: Ich bin mir bewußt, in voller Unpartei­lichkeit so gehandelt zu haben, wie es dem Rat und Wnem Präsidenten obliegende Pflicht erfordern, deshalb kann ich Ihren Protest nicht zulassen. Ich werde Ihr Schreiben und meine Antwort den übrigen Mitgliedern des Rates zur Kenntnis bringen.

herging, täglich mehr zur Vollkommenheit Heiligkeit des Lebens emporstrebte und den drigsten Diensten in tiefster Herzensfrömmigkeit sich' widmete. Wie glühend sie aus freiem Herzens­drange die Armut liebte, das zeigte sich nament­lich damals, als sie nach dem Tode ihres frommen Gemahls ihr eigenes Haus gemeinsam mit ihren zarten Kindern verließ. Da hat sie nicht nur in hochherzigem Starkmut beim Verlust alles Reich­tums Gott dafür gedankt, daß sie nun Jesu Christo in seiner Armut ähnlicher geworden, sondern hat auch, als hernach viele ihrer Güter ihr wieder zu teil wurden, auch diese in ihrer unglaublich tiefen Liebe zur Armut in kurzer Zeit den Notleidenden

Meder daheim!

Reichsaußenminister Dr. Curtius ist am Sonn- nachmittag mit der deutschen Delegation aus genf wieder in Berlin eingetroffen.

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Kurz vor feiner Abreise aus Genf übergab der britische Außenminister H e n d e r s o n der Presse

Erklärung über die abgelaufene Ratstagung in der es u. ä. heißt:

'Ich bin mit den Ergebnissen unseres hiesigen Aufenthalts zufrieden; sowohl der Völker- bundsrat als auch der Europa-Ausschuß haben ehr Arbeit geleistet, als viele von uns vor zehn lagen zu hoffen wagten. Die Behandlung der schwierigen Rechts- und Auslegungsfragen, die durch den deutsch-österreichischen Plan einer Zoll­union aufgeworfen wurden, hat dem Völkerbunds­rat Gelegenheit gegeben, einen neuen Beweis für hie Dienste zu liefern, die der Völkerbundsrat hin­sichtlich dringender internationaler Fragen leisten kann. Das Werk des Europa-Ausschusses ist noch bedeutender gewesen und legt Zeugnis davon ab, welchen Scharfblick Briand besaß, als er den Aus­schuß ins Leben rief. Ich möchte annehmen, daß in kommenden Jahren das, was wir in der ver­gangenen Woche im Ausschuß geleistet haben, als her erste wirkliche Kollektivschritt der Nationen zur Beendigung der Weltwirtschafts­krise betrachtet werden wird."

Gleichzeitig gibt die englische Delegation ein Telegramm des amerikanischen Staatssekretärs Stinison an Henderson bekannt, worin Stimson dem englischen Staatssekretär seine herzlichen Wünsche anläßlich seiner Wiederwahl zum Präsi­denten der bevorstehenden Abrüstungskon- ferenz zum Ausdruck bringt.

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Aus London wird gemeldet:

Die am Pfingstsonntag erschienenen engli­schen Blätter bezeichnen die Schlußphase der Genfer Ratstagung einstimmig als einen Er­folg Hendersons, dessen Prestige merklich gewachsen sei durch die Art, wie er das deutsch­österreichische Problem behandelt habe, sowie durch seine entschiedene Stellungnahme zugunsten des deutschen Standpunktes in der Minderheitenfrage. Times" bezeichnet in ihrem Leitartikel das Pro­blem der Zollunion zwar nur als aufgeho­ben, sagt aber, daß der Vorteil daraus für die Ruhe Europas ungeheuer fei. Dr. Curtius habe in seiner Doppelrolle als Vorsitzender und Anwalt vollendeten Takt und richtiges Empfinden gezeigt. Zu den wirtschaftlichen Erörterungen meintTi­mes". die französische Ansicht, daß die wirtschaft­liche Einigung Europas durch einen allgemeinen

Die Abrüstung.

Von unserem außenpolitischen Mtarbeiter.

In all den Jahren des Völkerbundes kehrtc- immer wieder eine Frage in die internationale Diskussion zurück, die Frage der Abrüstung. Wir zählen eine Reihe von vorbereitenden Abrüstungs- konferenzen erlebten Kommissionsberatungen, schlossen den Locarno- und den Kellog-Pakt ab. Alles sollte dazu dienen, jene Abrüstung durchzu­führen, die einen wirklichen Friedenszustand tn Europa und auch in der Welt schafften.

Wir hörten Friedensreden ohne Zahl, tn Genf wurden erst in dielen Tagen letzte und keineswegs zu Hoffnungen berechtigende Beschlüsse zur Vor- bereitung der großen Abrüstungskonferenz gefaßt. In Washington wiesen die Wirtschaftsführer der oanzen Welt auf den Unsinn des militärischen Wettrüstens hin und schrieben ihm den wesent­lichsten Anteil an dem wirtschaftlichen Elend, das über Europa und die Welt hereinbrach, zu.

Wohin aber kommen wir? Wird die Furcht vor neuen Kriegen zu jenen Friedensmaßnahmen fuhren, die zunial von deutscher Seite mit allem Nachdruck stets gefordert wurden? Unsere Hoff­nungen sind nicht allzugroß. Gewiß ist ein Wille, vielleicht auch ein aufrichtiger Wunsch, das Wett­rüsten zu unterlassen und Abrüstungen durchzu­führen, vorhanden. Denn die Gründe sind zwingen­der Natur, die diesen Willen schufen. Aber bis­lang begnügte man sich doch aul allen Konferenzen, bei der Veröffentlichung von Vorschlägen, bei dem Abschluß von Verträgen, meist den anderen dte Schuld in die Schuhe zu schieben, heuchlerisch zu erklären, ja wir würden gern, aber die anderen tun nicht mit.

Niemals wurde mit der erforderlichen Klarhett auf jene zwingenden Bestimmungen der deutschen Abrüstung aus dem Zwangsdiktat von Versailles bei diesen Konferenzen, auch jetzt wieder nicht in Genf, hingewiesen, worin es heißt:Um die Ein­leitung einer allgemeinen Rüstungsbeschränkung aller Nationen zu ermöglichen, verpflichtet sich Deutschland . . ." Man sucht nach Ausflüchten, nachSicherheits"-Erklärungen, ließ so viele Be­mühungen scheitern, stellte unmöglichste Thesen auf, wie jene französische:Erst Sicherheit, dann Ab-

Brianb bleibt?

wtb. Paris, 26. Mai. (Eig. Meld.)Echo de Paris" will wissen, daß Briand auf dringendstes Ersuchen von Doumergue, Doumer und seinen Kollegen eingewWgt hat, auf feinem Posten zu bleihen. , I i

Der Papst zum Elisabeth-Jubiläum.

Aposkoliches Handschreiben zum Säkular-Fubiläum der hl. Elisabeth, gerichtet die kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe Deutschlands.

Monatlich 1.80 einschließl. Postgebühr (48 Psg.) ohne Zusteltg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RAi. Bei Wiederholungen Rabatt Postschecks Frankl a M 4051.

politische Not.

Es ist das Schicksal einer Minderheitsregierung, dauernd lavieren zu müssen. Sie kann zwar einen Kurs mehr oder weniger bestimmt vor sich sehen, aber sie kann nicht wissen, ob sie ihm in gerader Linie folgen darf. Nun wäre das solange kein Unglück, wie die Möglichkeit besteht, daß eine andere Regierung die gegenwärtige ersetzt. Aber in der besonderen Situation, in der das deutsche Parteiwesen sich zurzeit befindet, wagt niemand, der überhaupt Verantwortlichkeitsgefühl besitzt, an einen Kabinettswechsel auch nur zu denken. Ja, im Grunde darf man wohl annehmen, daß selbst die Hitler-Bewegung sich im Ernst von solchen Erwägungen ängstlich sernhält. Nicht nur darum, weil, wenn sie einmal in die Verantwortung ein» gespannt würbe, das schöne Leben mit lärmenden S. A.-Trupps und hemmungslos triumphierenden Leitartikeln bann vorbei wäre, sondern auch darum, weil sie ja bann irgendetwas tun, irgendetwas leisten und schließlich das Reich doch irgendwie st e u e r n müßte. Man stelle sich nur einmal vor, die Hünfelder Herren Nationalsozialisten, die sich imFuldaer Beobachter" in Beschimp­fungen des Zentrums austdben, sollten positive Arbeit leisten. Statt auf dem umgekehrten leeren Römer" zu ftötenwie die Mickimaus":

Hameln liegt an her Weser;

Berlin liegt an der Spree.

Wohlauf denn, ihr Knaben von Kleinkram, Wir stechen morgen in See."

Vorläufig geht es auf der Welt noch sehr prosaisch zu. An dasDritte Reich" der Na­tionalsozialisten, das heißt an bas Schlaraffen­land, in dem zum mindesten allen, die auf Hitler schwören, gebratene Tauben in den Mund fliegen, können wir nicht glauben.

Bei den anderen Parteien, wenn wir vom Kommunismus absehen, der wohl wirklich das Chaos herbeisehnt, liegen die Dinge natür­lich anders. Sie lieben diese Regierung nicht wer liebt sie denn? aber sie erkennen sie als die bestmögliche an und wüßten nicht, wie sie in diesen Zeiten sich anders zusammensetzen sollte. Eines freilich erleichtett ihnen das Geradestehenr Der Kanzler zum mindesten ist eine Persönlichkeit, die sie alle anerkennen, weil er tüchtig, fleißig, energisch und uneigennützig ist. Aber auch er muß manches tun, was ihm nicht gerade von Herzen kommt. Das Elend ist überall gleich groß, aber vielleicht brennt es in der Landwirtschaft am gefährlichsten. Der Kanzler muß auch von Fall zu Fall sehen, wie er seine Minister und dis hinter i^nen stehenden Gruppen bei der Stange hält. Außerdem ist er von der Duldung durch bie Sozialdemokratie abhängig. Ein schweres Stück Arbeit, in solcher Zeit eine solche Regierung leben« big .unb wirksam zu erhalten. Denn natürlich hat jebe Partei noch ihre besonderen Sorgen.

Die Sozialdemokratie, bie in Oldenburg wie­der unangenehme Erfahrungen gemacht hat, spürt in vielleicht noch stärkerem Maße als andere das Murren der Massen gegen die teuren Lebens­mittelpreise, vor allem gegen den Brotpreis. Ein führender Mann der Sozialdemokraten, Herr Lobe, hat bemerkenswerte Worte gesprochen von einer Neuorientierung der Sozialisten: Abmarsch aus der Verantwortung! Darum hat ihre Reich stags- fraftion auch dem Kanzler zu verstehen gegeben, daß in Richtung Brotpreis etwas geschehen muß. Das spuren auch wir, unb es schadet natürlich nichts, wenn die Regierung immer daran erinnert bleibt, baß sie ihr Werk nur durchführen kann, wenn sie ihre Anhängerschaft, bie zustimmende und die wenigstens nicht ablehnende, behält. Jetzt wird es ihre Ausgabe sein, einen handgreiflichen Beweis dafür zu liefern, baß ihr auch die Not der städtischen Bevölkerung nicht unbekannt ist. ES wird etwas getan werden müssen.

Auch aus politischen Gründen, denn Oldenburg hat doch wohl gezeigt, bstß die Radikalisierung der polltisch Ungeschulten in dem gleichen Maße fortschreitet, wie bie wirtschaftliche Not wächst ober auch nur anhält. Trotzdem werben die Parteien ebensoviel Aufmerksamkeit darauf verwenden müs­sen, baß nicht im Kabinett ein Unglücksfall einttitt, dessen Folgen sich in diesem Augenblick doch wohl jeder auszudenken vermöchte.

Ein Schritt der Gewerkschaften.

Um die Sozialversicherung.

Die Arbeiterorganisationen der drei Gewerk- schastsrichtungen haben dem Reichsarbeitsministe­rium eine Eingabe zugestellt, die auch dem Reichs­kanzler und dem Reichspräsidenten zugeleitet wird. In dieser Eingabe bringen die Verbände ihre großeSorge um die gesamte So, zialversicherung zum Ausdruck. Beson­ders befaßt sich bie Eingabe mit der Unfall- uns Invalidenversicherung.

Die Arbeitslosenversicherung ist deshalb in die­ser Eingabe nicht Gegenstand besonderer Ausfüh­rungen, weil der Deutsche Gewerkschaftsbundschon vor längerer Zeit der Regierung eine Eingabe zur Arbeitslosenversicherung unterbreitet hat.

In der gemeinlamen Eingabe wird das An­wachsen der Soziallasten zugegeben. Gerade dieses Anwachsen sei aber Beweis für das Anwachsen der großen Not. Dieser Hinweis erfolgt zweifellos zu recht. Selbst Reichsbankpräfident Luther wies lürzlich in einer öffentlichen Rede darauf hin, daß die steigenden Soziallasten nicht Ausdruck der Ver. schwendung und Leichtfertiakeit feien, sondern nur unsere große Armut beweisen. Die hohe Gesamt­ziffer der Summe für soziale Zwecke dürfe, so wird in der Eingabe gesagt, nicht irreführen. So hoch sie auch insgesamt fei, so gering wären die Leistungen für den einzelnen Empfänger. Zudem dürfe nicht unberücksichtigt bleiben, daß die Lei­stungen der Sozialversicherung schon teilweise er­heblich eingeschränkt worden sind, so daß die Exi­stenz vieler Volksgenossen nicht nur beeinträchtigt, sondern sogar in Frage gestellt worden ist. Sie Not und das Elend der Renten- und Mterstüt-

Die 64. Tagung des Dölkerbundsrates ist in der Schlußsitzung des Rates auf den 1. September ds. Js. festgesetzt worden.

Vertretung des Dölkerbundsrales bei der Ein­weihung des Slrefemann-Denkmals.

Bei der Einweihung des Stresemann-Denkmals in Mainz am 5. Juli wird der Völkerbundsrat durch den bis zur nächsten Tagung amtierenden Ratspräsidenten, dem deutschen Außenminister Dr. Cuttius, vertreten fein.

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In Budapest wurde am Sonntag die 15. Voll­versammlung der Internationalen Union der Völ- ierbunbsltga eröffnet.

Eine amerikanische Stimme für die Schulden- regulierung.

Der Finanzsachverständige Thomas Woodlock be­handelt in einem Artikel imWall Street Jour­nal" das Kriegsschuldenproblem unb schreibt da­zu u. a.:

Deutschlands Zahlungen an bie Alliierten bil­deten ben Kernpunkt bet ganzen Frage. Die tat­sächliche Last ber Deutschland auferlegten Zah­lungen fei derartig, daß der Lebensstandard bis zum Gefahrenpunkt herab gedrückt fei. Nichts würde mehr dazu beitragen, bie Welt­wirtschaft anzukurbeln, als ein wirklicher Friede öwisch en Deutschland und Frankreich sowie Maßnahmen, die deutsche Reparationslast wenigstens erträglich zu gestalten. Amerika könnte es sich wohl leisten, die Zahlungen im gleichen Verhältnis, wie Deutschlands Lasten modifiziert wurden, ebenfalls zu modifizieren. Eine solche Lösung müßte vor der Abrüstungskonferenz und den Wahlen in Preußen im nächsten Jahre er­folgen.

PiusXI. Papst.

Geliebte Söhne und Ehrwürdige Brüder, Gruß und Apostolischen Segen.

Ein glückliches und günstiges Ereignis wird als­bald in Deutschland in festlicher Feier begangen: die Vollendung des siebten Jahrhunderts seit jenem Tage, an welchem die hl. Frau Elisabeth, des Ungari­schen Königs Andreas Tochter, zum ewigen Leben eingegangen ist. Mit vollem Recht wird diese Feier bei Euch begangen. Denn Deutschlands Ruhm ist St. Elisabeth. Da sie einstarkes Weib" ist, ähnlich jenem Weibe, dem Salomon im Gleichnis so hohes Lob spendet, so ist es wahrhaft geziemend und ein Gebot der Stunde, daß ihre Kinder sich erheben zu ihrem Lobe und ihre herrlichen Tugenden preisen. Zu weit würde es führen, hier aufzuführen all das, was jene edle Frau, folgend frommem pnd re­ligiösem Herzensdrange, in der kurzen Zeit ihres Erdenwandels Großes getan hat; aber jene strah­lenden Herzenseigenschaften und jene Werke wol­len wir nicht schweigend übergeben, in denen sie besonders als unser Vorbild hervorleuchtet. Das ist ja allen bekannt, welche Werke in so reicher Fülle sie, entzündet von der Liebe zu Christus, auf dem Arbeitsfelde der Karitas zu üben pflegte. Hat sie doch schon von ihrer Kindheit an, wie die Ge­schichte meldet, ihre Freude darin gefunden, der Elenden mit jeder Art von Hilfeleistung sich anzu­nehmen. Und als sie dann zu jenem Alter gelangt war, in dem sie über die Verwendung ihres Reich­tums frei verfügen konnte, da sah man, wie sie in dem von ihr selbst gegründeten Krankenhause den Kranken diente, die Aussätzigen mit eigener Hand pflegte; wie sie Waisen und Witwen aufsuchte; und wie sie als Engel des Trostes von der Höhe ihres herrlichen Schlaffes herabstieg in die umlie­genden Orte, um Linderung zu bringen all den Leiden der Armen und Bedrängten.

Nichr nur in eigener Person pflegte sie diese Liebeswerke zu üben; nein, sie ermahnte auch an­dere, der Not des Nächsten hilfreich sich anzuneh­men; so besonders ihren Gemahl Ludwig, der, den Fußspuren seiner heiligen Gattin folgend, hernach gewürdigt wurde, im heiligen Kriege gegen die schlimmsten Feinde des christlichen Namens zu Otranto das Opfer feines Lebens Gott darzu- bringen. ,.

Möchte gerade jetzt, Geliebte Söhne und Ehr­würdige Brüder das wunderbare Beispiel der Lie­bestätigkeit, derentwegen Elisabeth die Mutter der Armen hieß, in Euerem Lande allgemeine Nach­ahmung finden, jetzt, da Euer Vaterland, wie jo auch der ganze Erdkreis, von so zahlreichen Be- drängnissen und Schwierigkeiten heimgesucht ist, Denn einzig und allein die Liebe Christi, die im Herzen aller Guten erblüht, nicht aber Klasfenhaß und Parteihader, gibt Hoffnung auf das ersehnte Dölkerglück und schafft die Ruhe dauernden Frie­dens. Wenn die Lenker der Staaten dieser Fülle drückender Notstände mit aller Kraft zu begegnen suchen, so würden ihre Bemühungen wenig Erfolg haben, wenn sie nicht auf demselben Fundamente der Liebe Christi gegründet werden.

Doch noch andere Geistestugenden leuchten hell hervor bei jener heiligen Frau. Die christliche De­mut nämlich war in ihr so tief, daß sie, eingetreten als erste deutsche Frau in den Dritten Orden des seraphischen Heiligen Franziskus, alle Kleider welt­licher Pracht ablegte, in scbll^tem Gewände ein-