Beilage zur Fuldaer Zeitung
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Pfingstsonntag.
Eingangslied (Weish. 1,7).
Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis, alle- ;a:a. Er, der das All zusammenhält, kennt jede Sprache, alleluja, alleluja, alleluja. (Pf. 67,2) Gott, steh auf, und. die Feinde stieben davon: es fliehen, die ihn Haffen, vor seinem Angesicht. V. Ehre sei.
Lesung: (Apg. 2,1—11).
Der Tag des Pfingstfestes war gekommen und alle Jünger waren beisammen an einem Ort. Plötzlich entstand vom Himmel her ein Brausen, gleich dem eines daherfahrenden gewaltigen Sturmes, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Dann erschienen ihnen Zungen Nsie von Feuer, die sich verteilten und auf einen jeden von ihnen sich niederließen. Alle wurden des Heiligen Geistes voll und fingen an, in verschiedenen Sprachen zu reden, wie es ihnen der Heilige Geist verlieh. Zu Jerusalem weilten aber damals Juden, gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als das Brausen be- Sann, strömte die Menge zusammen und wurde «stürzt: denn ein jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Alle staunten und sprachen voll Verwunderung: Sind nicht alle, die da reden, Galiläer? Wie kommt es, daß ein jeder von uns sie in seiner Muttersprache hört? Wir Parther, Meder, Aelamiter und Bewohner von Mesopotamien, von Judäa, Kappadozien, Pintus und Asia, von Phrygien und Pamphilien, von Aegypten und den Gegenden Libyens bei Cyrene, wir Pilger aus Rom, wir Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir alle hören sie in unfern Sprachen die Großtaten Gottes verkünden.
Vochenendbewegung und Katholizismus.
Für den Katholizismus tut sich immer dringli- ' cher als neues Aufgabengebiet die Wochenend« bewegung auf. Für das Ziel dieses Ausbaues der wöchentlichen Ruhepause, für intensivere Entspannung und Erholung einzustehen, hat der Katholik nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht. „Wir erstreben den starken, gesunden, schönen und geschickten Körper", sagen die bischöflichen Leitsätze. Das eigentliche Problem stößt uns erst auf, wenn wir die Art und Weife in Erwägung ziehen, wie sich das Wochenendleben darstellt.
Zunächst hat die Stadtflucht einschneidende Folgen. Das Mitfeiern des Gottesdienstes in der Heimatpfarrei ist den Wochenendlern unmöglich, den Sonntagsau-flüglern bestenfalls auf eine kurze Frühmesse beschränkt. Das kirchliche (3 e • meindebewußtsein ist damit schwer gefährdet. Noch intensiver wird oft die Familie gelockert, und dadurch auch von innen her bedroht, daß man sich jetzt nur noch werktags trifft, wo der Blick trübe und die Stimme hart
pfingstgeist
Pfingstgeist und Erdgeist liegen miteinander in Fehde. Und heute ist ihr Ringen heftiger denn je. Ein Zittern geht durch die Welt. Wir spüren das Wehen des Geistes, der ein neues Weltalter heraufführen will. Langsam begreifen die Menschen, daß seine Eeburtsstunde gekommen ist. Das Echo wird in den Hirnen der Armen dumpf gefühlt. Sie wissen, daß auch diese unsere Zeit mit chren Zuständen zum Himmel um Rache schreit. Und wir missen nicht, ob nicht die Vorsehung durch das Aufbäumen erregter Massen zu uns spricht, um unseren Beitrag zur Gerechtigkeit einer menschlicheren Zeit zu fordern. Und langsam wird mich von den Sprechern des Volkes das Werden einer anderen Zeit erfühlt. Sie werden ergriffen vom Wehen des neuen Geistes. Er zieht hinein in die Tagungen, er macht die Grundlagen der Alten Lehrgebäude erzittern. Er hat feinen Weg bu den Kan-eln gefunden. Und hier mischt er sich mit uraltem Heilswort, aber feine Sprache bleibt jung und frisch. Doch der Christ, der sein Wehen vernommen hat, er ist ein anderer gewor- <*n, er trägt mit an der Sendung deswelt» erneuernden Gei st es.
Dieser Anteil an der Sendung ist eigener Prägung. Er erschüttert und belebt zugleich Es ist für den Christen kein Rausch wie für die Welterneuerer ohne Gott. Auch der Christ trägt Hoffnung in sich. Er bedarf nicht des Traumes, für
ist, daß man im Familienkreise Freude und Erholung zu suchen sich abgewohnt, und ihn avs- schließlich als Kost, und Schlafgelegenheit erlebt. Dieser Angriff auf die Familienethik gefährdet auch die Moral des Einzelnen. Nicht nur, daß die Kinder frühzeitig den natürlichen Erziehern ^entzogen und uns z. T. noch unbekannten Einflüssen ausgesetzt werden — der Aufenthalt draußen als solcher ist, besonders mit seiner Freizügigkeit, Un- behütetheit und Kulturlosigkeit, unstreitig in manchen Fällen ein Herd von Versuchungen. Es wächst schließlich eine ganz neue Generation heran, die mit den Mitteln der bisherigen Sonntagsseelsorge gar nicht mehr erreichbar ist: daß diese Generation, von innen her zu einem religiös-kirchlichen Enthusiasmus kommt, verhindert die wo- chenendlerische Gewöhnung zur Tändelei während eines langen, äußerlich oft abwechslungsarmen Ta. ges, zur Geistlosigkeit der meisten Liegekuren ufro.
Schließlich ist noch zu bedenken, daß das Landvolk durch die Wochenendbewegung schweren Schaden erleiden kann. Daß dies einen falschen Begriff vom Stadtleben bekommt, dieses für einen ewigen Jubel hält und sich wirtschaftlich ober seelisch von der gesunden Dorfkultur abwendet, wird gewiß auch heute noch viel Vorkommen. Auch das ist erwiesen, daß die Städter positiv gewisse moderne Anschauungen, Praktiken und Manieren hinaustragen, die besonders an dem Familienleben und an der Dorfjugend nicht spurlos vorübergehen. Es ist nicht zu verwundern, wenn so viele Landpfarrer die Invasion ihrer Gemeinde durch fahrende, marschierende, kampierende oder sich anbauende Großstädter nicht gerade begrüßen.
Wenn sich der Katholizismus mit der Wochenendbewegung auseinandersetzen will, dann darf unser Ziel nicht bloß das sein, daß wir allen Wanderern das Anhören einer hl. Messe ermöglichen und zur Pflichtgewohnheit werden kaffen, sondern wir müssen den Sonntag als Ganzes, auch in seinen menschlichen, sittlichen und sozialen Beziehungen und Auswirkungen bedroht sehen. Mit der staatlichen Gesetzgebung und mit kommunalen Eingriffen z. B. ist weder viel zu rechnen noch zu erreichen. In der Zeitschrift „Die Seelsorge" (VII, 3; VHI, 2; IX, 2; herausg. von der Freien Vereinigung für Seelsorgehilfe, Freiburg i. Br.) sind die entsprechenden Möglichkeiten sowie die bisherigen Versuche der katholischen Seelsorge, der Aufgaben und Schwierigkeiten Herr zu werden, zwar stets fortlaufend und übersichtlich zusammengestellt, die eigentliche Lösung aber wird bei den Wochenendlern selber einsetzen müssen. D«e ka- tholisckie Auffassung vom innern Körpergefühl und der Körperkultur, vom Wochenendleben und persönlicher Heiligung, die gerade hier weithin auch der reinen Menschennatur dient, ist in den wesentlichen Bestandteilen festzustellen, modern zu begründen und zum allgemeinen Bewußtsein zu bringen. Es gilt wieder einmal, das „Angesicht" der sommerlich leuchtenden Erde im Hl. Geiste zu erneuern. P. Rob. Svoboda,
in der Zett.
ihn gilt, di- Wirklichkeit feder Zukunft zugleich mit der Schwäche des Menscben zu sehen.
Zukunft fragen heißt, Menschen groß und stark machen.
groß.in der Bereitschaft zum Wirken und stark im Glauben an die Verwirklichung des Reiches ' Christi. Und diese Verwirklichung des Reiches Christi gilt für den Einzelnen in feiner Zeit. Hier liegt die Berufung eines jeden. Klein und nüchtern, beinahe dürftig, erscheint diele Berufung: denn sie ist nichts anderes als die Stimme des Alltags mit reinen kleinen Ansprüchen. Der Anteil an einer neuen Welt liegt in deiner Seele, so hörte ich dieser Tage einen Dominikaner in einer Festansprache sagen, der die großen Bewegungen unserer Tage mit dem Brodeln der Völkerwanderung verglich. Das Gesicht der neuen Zeit kennen wir nicht, aber daß d e r Einzelne reif für j i e werden muß, das fühlen wir.
Und die Erschütterung unterer Tage kommt von Gott. Er erneuert das Angesicht der Erde, wenn es der Erneuerung bedarf. Dies zu erkennen ist bester, als mit dem Zeitgeist zu hadern. Denn Gott hat auch ihn gewollt, zum mindesten hat er ihn zuqelafsen. Vielleicht steht Satan mit der Christenheit jetzt vor dem Herrn wie einst mit Job. Und ein jeder Christ, der wider die Prüfung
Gottes und ihre Verkörperung im Weltgeist sich hadernd auflehnt, tut es Jobs Weib gleich, das Murren bester als Ergebung fand. Gott sprichst den Christen im Geschehen der Zeit an, wie er ihn im geringsten Bettelbruder oder Arbeitslosen ankpricht. Man kann nicht die Geschichte von Job bewundern und sich zugleich gegen die eigene Prüfung auflehnen. Der Christ ist zum Mittragen und Mitleiden in der Zeit berufen. Seine Berufung ist erfüllt, wenn in seinem Leben das Christentum der Jahrtausendekultur und des Wortes dem christlichen Handeln gewichen ist, einem Handeln, das in die
kleinste Tal des Alltags greift.
Wenn Gott dem Erdgeist Gewalt gibt, ist das dann nicht eine Mahnung für den Christen, sich zu entscheiden zwischen Hadern und Erfüllen? Trotz der Millionen Christen ist die Welt in eine innere Fäulnis geraten. Und gerade das christliche Abendland ist Hauptherd der Erschütterungen. Gilt das Wort des Herrn: Dies Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit von mir — nicht in beängstigender Weise von uns Christen? Sind wir nicht mitschuldig? Nur allzu sehr sind wir es: denn unser Leben unterscheidet sich in keinerlei wesentlicher Gestaltung von dem der Ungläubigen. Hier entscheiden nicht Worte, sondern Taten.
Ein Freidenker fragte mich einmal, was für ein Unterschied zwischen einem christ- lichen Dorf und einer Freidenker- fiedlung außer der gemauerten Kirche sei. Di« Beschwerden — es war ein höherer Verwaltungsbeamter — seien die gleichen, die Gerichtsverhandlungen seien die gleichen, nur habe er die lieber« zeugung, der Haß gegeneinander sei in den christlichen Dörfern etwas größer als in den durch den Freigeist geeinten Arbeitersiedlungen. Dieser Vorwurf war nicht erbittert gesprochen, sondern von der Gewißheit getragen, daß das Christentum in seinen Antrieben zu einer Welterneuerung zu alt sei, weil es die Menschen in der Gestaltung ihres Alltag nicht mehr beherrsche. Diese Menschen werten das Christentum als geschichtliche Entwicklungsstufe, die für den Fortgeschrittenen als überaltert zurückgelaffen wird. Und wir Christen liefern solchen Menschen das Material für ihren Unglauben. Wir sollten endlich das Märchen vom sittlichen Unwert der Gottlosen abtuen. Es sind geradezu sittlich vollwertige Menschen darunter. Ob Gott nicht denen von ihnen, die in der rechten Gesinnung von ihrer Haltung aus zu wirken streben, die Gnade gibt, die Christen zu ihrer Lebens- gestaltung verschmähen? Nicht das Taufwort allein macht den Christen, sondern fein Leben im Geiste Christi.
Wir dürfen auch den meisten Führern des Bolschewismus sittlichen Ernst zutrauen. Daß ihre Voraussetzung zu einer allseitigen Welterneuerung nicht gegeben ist, das wisfen zwar wir Christen, aber jene glauben an ihre Berufung ebenso sicher. Gott behält sich das Endgericht vor, aber auch über uns Christen wird er richten, ob wir die Zeichen der Zeit zu unserem Heile und zur Mehrung des Reiches Christi werden ließen. Schein und Wirklichkeit stehen hier zur Entscheidung.
Unser Anteil an der Gott-losigkeit ist durch das mangelnde Mil-Gott-fein gegeben.
Und die Sendung des hl. Geistes ergeht an uns in der Berufung zur Mitarbeit einer gott= erfüllten Welt; denn würde man uns wirklich an der Liebe zueinander erkennen können, dann könnte man unsere Welt nicht als die einer geschichtlichen Vergangenheit abzutun versuchen.
Wir müssen im
Ringen des weligeisles mit dem Pfingstgeist nur auf das rechte Rauschen des hl. Geistes lauschen. Jede Bewegung, die Gott zuläßt ober will, kann zur Erneuerung werden. Vielleicht ist manche nur dazu bestimmt, daß wir zur Erkenntnis unserer Ausgabe kommen, jener Ausgabe, die in Gottes- und Nächstenliebe alles umschließt. In dieser roeltoffenen Haltung liegt die Bereitschaft zur Empfängnis des hl. Geistes. In der Lehre Iöfu ist uns für alle Ewigkeit der Weg gegeben. Aber er darf nicht nur in den Rundschreiben des Hl. Vaters die Linien aufzeichnen, er muß in das Leden des Einzelnen geschrieben sein. In den Zeiten einer hl. Elisabeth von Thüringen wirkte eine Einzelpersönlichkeit weithin als Bei- fpiel. Heute steht der Ungläubige neben dem einzelnen Christen und dieser ist für jenen ein Beweis für oder gegen Christus. Die Gottesbeweise
Freude und hehrste Begeisterung für das Wirken in, mit und für Sott. Welch ein Augenblick! Die Wände halten die Jünger nicht mehr, sie eilen hinaus zu dem zufam- mengeftrömten Volk, sie reden und predigen, und, o Wunder, ein jeder hört sie in seiner Sprache reden. Sturm und Feuer sind die Symbole dieses Festes. Und in einem gewaltigen Triumph bricht es sich in dem Menfchenherzen zum ersten Male Bahn: 30 000 Seelen bekennen sich zu der erstehenden Kirche Gottes.
Das ist Pfingstereignis, das ist Pfingstgeist! Mit diesen Tagen beginnt der Triumphzug des Reiches Christi auf Erden, insoweit als die Verhältnisse dieser Erde nach Gottes Willen eine triumphale Haltung der Kirche zulassen. Mit diesem Feste beginnt die Klarheit und die Freiheit der Kinder Gottes, beginnt die Uner- schrockenheit der Bekenner, beginnt der Wagemut der Apostel, der Opfermut der Missionare. Ist nicht alles Kraft und Macht, Größe und Stärke an diesem Fest? Sind nicht wahrlich Sturm und Feuer seine Symbole?
So muß es auch im Menschenherzen fein. Nicht liebliche Träume, holde Schwärmereien und poetische Sstophen tun diesem Fest Genüge, nein, reinigen« der Sturm muß daherbrausen, und begeister- tes Feuer muß im Herzen lodern. Und bewähren muß sich die Frucht des Pfingsttages in Bekenner« und Opfermut, beide, hervorgehend aus der Liebe, die sich mit elementarer Gewalt am Pfingsttage die Herzen erobert bat. Wohl fordert das Pfingstfest zu einem Naturver- gleich heraus. Wie sich in der Natur das neue Leben mit Gewalt Bahn bnchi, so wie die Sonne alle Kräfte
Pfingft-Gebek.
Atme in mir, Du heiliger Geist
Daß ich Heiliges denke;
Treibe mich. Du heiliger Geist, Daß ich Heiliges tue;
Locke mich. Du heiliger Geist, Daß ich Heiliges liebe;
Stärke mich, du heiliger Geist, Daß ich das Heilige behüte;
Tüte nvch. Du heiliger Geist, Daß ich es nimmer verliere.
St. Augustinus.
£ um und Feuer.
Gedanken zum hl. Pfingstfest.
, iigften, das liebliche Fest, war gekommen; es ß-unten und blühten Feld und Wald; auf Hügeln und Höhen, in Büschen und Hecken übten ein fröhliches Lied die neu ermunterten Vögel; jede Wiese sproßte von Blumen in duftenden Gründen, festlich heiter glänzte der Himmel und die farbige Erde." Mit diesen viel zitierten Versen hat Goethe den Stimmungsgehalt des Pfingst- feftes für viele, vielleicht die meisten Menschen umschrieben. Pfingsten ist für sie das „liebliche" Fest, eine Hochfeier der Natur, ein Hochglanz des Lebens. Und selbst religiöse Menschen betkn ihre Psingstfeier gern
ein wenig in liebliches Maiengrün und Fliederdust. Es war schon von altersher fo. Die uralten Gebräuche des Maibaumes, der Pfingstbirke, die ehemals üblichen Vermummungen und Umzüge weisen daraus hin.
Und nichts ist gegen diese pfingstliche Freude an der neugeschaffenen Natur zu sagen, wenn nur nicht der eigentliche, tiefere Gehalt des Pfingstfestes darunter leidet Mitnichten ist Pfingsten in der Liturgie ein Fest, das auf das Freundliche und Liebliche abgestimmt wäre, j Im Gegenteil ist es das gewaltigste, triumphalste, hehrste und ernsteste Fe ft des Kirchenjahres .In schlichter Gestalt ist der Heiland durch fein Erdendasein gegangen. Verborgen, fast heimlich geschah seine Geburt, 30 Jahre lebte er im stillen Heim zu Nazareth; zwar lenkte er bann durch feine Wundertaten die Aufmerksamkeit auf sich: aber alles wurde wie ausgelöscht durch seinen schmachvollen Tod. Die Auferstehung war kein öffentlicher Triumph: denn er offenbarte sich dem Volke nicht. Die Himmelfahrt geschah nur vrr seinen Jüngern.
Dann aber tarn das Pfingstfest. Wen ergreift es nicht heute noch, wenn er in der Apostelgeschichte den Bericht von diesem Tage lieft. Es war an einem hohen Feiertag. Menschen aus allen Gegenden der Erde waren in Jerusalem zusammengeströmt. Und da geschah nun das Wunder: ein Brausen vom Himmel her wie das eines daherfahrenden Sturmes, Jungen wie von Feuer, Erfülltsein vom Heiligen Geiste, so daß alle Schwäche, alles Gedrücktsein, alle Unklarheit schwand; beseligende Gewißheit des Heiless Klarheit der Erkenntnis, heilige
verblüffen für die meisten neben diesen lebendigen Zeugnissen.
Aus dem Einzelnen muß der lebendige Gvttesbeweis lesbar sein. Der Ungläubige wird in feiner Zukunftszuversicht allzu oft durch die Enttäuschungen der Mitmenschen erschüttert. Ein letzter Zweifel steht wie ein Schatten hinter ihm. Er ist oft traurig in seinem Herzen. Der Mensch ohne Gott ist unruhig; denn die Ruhe ist nur in Gott. Dies ist der Grund unseres Zukunftsglaubens, daß eine Zeit der inneren Unruhe kommt, dl« nach Gott schreit. Und dort, wo wir aus der 3er- riffenheit der Welt den Ruf vernehmen, dort begegnet uns die Sendung des hl. Geistes. Eine Trauer erfaßt dann den Christen, daß Gott den weiten Weg über die Gottferne zulassen mußte, weil wir Christen erst auf solchem Umweg unsere Aufgabe erkennen mußten, daß Gott wegen unserer eigenen Eottferne nicht stärker durch uns wirken konnte. Und wir begreifen dis
Schickung Gottes int Weltgeschehen, auch im Kommunismus Rußlands. Wir urteilen und verurteilen nicht mehr, sondern wir erfassen die Aufgabe, die uns im Namen Christi nunmehr gestellt ist. Sie bleibt wach, solange Millionen hungern, derweil sie das Geld der Erde ernähren könnte, sie bleibt wach, solange Millionen über den Zweck eines Erdendaseins grübeln, weil aus uns nicht Gott-erfüllt-sein spricht.
In der Stunde, da wie diese Aufgabe begreifen und in die Wirklichkeit umzusetzen suchen, ist unsere Pfingststunde gekommen. Denn dann trennen sich Pfingstgeist und Erdgeist voneinander. Der Weg unseres Wirkens wird freilich dann auch dem der Apostel nach dem Pfingstfest ähnlich sein: er wird schwer und mühsam sein; denn die Aufgabe liegt ja in unserem Alltag und in den Nöten und Fragen unserer Zeit. Und die Trauer des Heilands um die Menschheit wird uns manchmal überschatten, weil ber Weg zur Erlösung der vielen noch zu gehen ist. Aber die Hoffnung auf eine wahre Welterneuerung lebt dann in uns, weil wir sie in der kleinen Welt unseres Ichs erleben. Denn die dazu erforderliche Kraft von oben wird dann dazu gegeben werden.
Die Hamburger Tagung des Vonifaiiusvereins.
Auf Wunsch des Hochw. Herrn Bischofs Dr. Berning-Osnabrück verband der Bonifatiusverein seine diesjährige Generalversammlung mit der Ansgarfeier in Hamburg. Daraus erklärt sich auch die auffallend starke Teilnahme kirchlicher Wur« denträger und führender katholischer Laien an dem Ansgar-Jubiläum. An den Verhandlungen der Generalversammlung nahmen außer dem Diözesanbischof der H. H. Erzbischof von Paderborn, die H. H Bischöfe von Hildesheim und Ermland, per H H. Prälat von Schneidemühl, ferner als Gaste die drei nordischen Bischöfe (von Dänemark, Schweden und Norwegen) teil. Leider hatten die H. H. Bischöfe von Berlin und Meißen ihren schon angemeldeten Besuch in letzter Stunde aufsagen muffen An die 70 Teilnehmer aus allen deutschen Dio. zesen wies die Generalversammlung des Bonifa- tiusvereins auf. Wenn der Bonifatiusverein feine alljährlichen Tagungen aus naheliegenden Gründen auch lieber in das katholische Stammland verlegt, so folgte er doch der Einladung des H. H. Bischofs nach Osnabrück in die Metropole des ehemaligen norddeutschen Missionen, weil dieser Diasporaabschnitt in stärkstem Maße die Wohltaten des Bonifatiusvereins empfangen hat. So wurde in den verflossenen Jahrzehnten Hamburg-Stadt mit 1,4 Millionen Mark unterstützt, die übrigen ehemaligen norddeutschen Missionen mit 5 Millionen dazu die nordische Auslandsdiaspora mit 800 000 Mark. Im ganzen hat die norddeutsche -und nordische Diaspora vom Bonifatiusverein bisher 7,3 Millionen Mark erhalten.
Bereits am Samstag abend traten der Bonifatiusverein für Höhere Schulen und die Diaspora» priesterhilfe zu Beratungen zusammen. Der Sonn- tag gehörte der Ansgarfeier. In der gewaltigen Kundgebung am Nachmittag feierte der Erzbischof von Paderborn die engen Beziehungen Pader- borns zu den Norddeutschen Missionen. Wie im 17. Jahrhundert der Paderborner Fürstbischof Fer. dinand v. Fürstenberg die großartige Missionsstiftung, die Ferdinandea, machte, welche mehr als 100 Jahre lang einen großen Teil der norddeutschen Miffionsstationen unterhielt, so sollte im 19. Jahrhundert ein ungleich größerer Nothelfer der nordischen Diaspora durch den Bonifatiusverein derHtürHrvörlockt und zur Entfaltung treibt) so bricht sich die Uebernatur im Menfchenherzen Bahn, überflutet es mit den Strahlen der Erkenntnis und weckt die schlafenden übernatürlichen Kräfte. „Fest der Vollendung", so nannten es mitunter die Alten, fo wie sie ja auch das Sakrament des Heiligen Geistes, die Firmung, das Sakrament der „Vollendung" nannten. Vollendung in dem Sinne, daß nunmehr die Gnade vollständig über die Menschheit ausgegossen ist; Gottes Werk an der Menschheit ist getan, vollendet; seitdem wohnt der Heilige Geist in ihr, und damit hat die Erlösung ihren höchsten Grad erreicht. Daß der einzelne diese Vollendung sich selber aneigne und sich zum ©liebe der vom Heiligen Geist erfüllten Gemeinschaft mache, das ist die Ausgabe, die das Pfingstfest ihm stellt.
Und doch ist auch für den ernsten Christen das Pfingst- fest eines lieblichen Charakters nicht bar. „Die Frucht des ©elftes aber sind Liebe, Freude, Friede", wie der Apostel jagt. Diese Dreiheit ist die heilige innere Sonne, die den Christen wärmt, die fein Inneres in ein-n prangenden Garten verwandelt, in Seligkeit in fein Herz eingießt und einen heiligen lieblichen Frühling darin schafft. Und wenn auf den Bergen die Pfingstfeuer brennen, — im Herzen der Gottgeweihten brennt das Pfingstfeuer der Liebe zu Gott und den Menschen. Die Pfingstfeuer auf den Bergen erlöschen, das Feuer im Herzen aber bleibt und brennt in Ewigkeit. Schön fügt sich in diesen Zu- I sammenhang die Bemerkung Schells: „Der Pfingsttag kennt keinen Abend, denn feine Sonne, die Liebe, kennt * keinen Untergang." H-