Zuckerrüben! . . .
nach
sich auf, stürmen
Ilm hie pfingslzeil 1916 in Wien
,Wir haben heute kein
Welt erobert hatte, widmete er sich in London in Hauptfach« elektromagnetischen UnterfÜbungen. Er
leuchten. Scharf späht Migesehen passieren mir
der ertt-
Petroleum überbehatten.
Ich begleite chn, um
mit nur. Wir Kar-
Seit Wochen werden keine neuen Gasleitungen mehr ine Haus gelegt. Gott sei Dank, wir hatten es gerade
Sah ich duftenden süßen Refedenftrrmß. Die Butzenscheiben glühten blutrot. Wie von verzehrendem Feuer durchloht.
Augenblick drängen die ersten Reihen zusammen, mit weil ausgehaltenen Taschen. Einen Augenblick dann tönen schrille, empörte Rufe: „Kartoffeln!
Ich
Die Im
der Schwachstromtechnik, der zur Wett kam.
Köchin vor der Kontrolle: Fleisch!"
unser Anführer. Seine Augen er nach Gendarmen aus. Aber glücklich die Stadtgrenze.
Hans Hanak hat eine Kann« nun will er nochmals zurück.
näher zum Und dann Markthütte, Rachtmaffe:
Ueber'm Zwiedelturmknauf starb tief roter Glanz.
Im Abendlicht webte der Mückentanz. Am braunen Zaun, wo der Holder blüht. Kam von Kinderüppen ein Marienlied. Kein Echo — Schweigen — Levkvyenduft — Schwalbengezwitscher in müder Lust . . .
vor 100 Jahren in London D erstro ff.
wollen Kartoffeln! . . . Keine löffeln!"
Die hintersten Reihen lösen
tengasse kommt ein anderer Trupp. Je Markt, desto dichter werden die Gruppen, klebt der dunkle Schwarm an irgend einer hier und dort, eine schwarze, murmelnde
Der erste Typen-Ferndrucker.
| Zum 100jährigen Geburtstag David Edwin Hughes.
Er wurde am 16. Mai 1831 in London geboren, also vor 100 Jahren; er starb im ersten Monat des neuen 20. Jahrhunderts, weiches ihm viel zu verdanken hat. Professor David Edwin Hughes, der als Siebenjähriger mit feinen Eltern nach den Vereinigten Staaten aus- wanderte, studierte zunächst Musik und Naturwissenschaft. Der 19jährige bekam auf Anraten des berühmten deutschen Pianisten Hast einen Lehrauftrag für Musik an dem Dardstow College in Kentucky. Wäre er Musiker geblieben, so wüßten wir wahrscheinlich heute nicht mehr' viel von ihm, und der 100. Jcchrestag seiner Geburt würde jetzt nicht in Mer Welt gefeiert werden. Aber schon ein Jahr nach dem Lehrauftrag für Musik übernahm Hughes den Unterricht in Physik und Mechanik an dem gleichen College.
Hier entstand in Hughes der Gedanke, von einem sich schnell drehenden Typenrad die Buchstaben sozusagen im Fluge abzunehmen und sie elektrisch über einen Draht geschickt an einem fernen Ort auf einem Papierstreifen sichtbar zu drucken. Bereits nach fünf Jahren war der Typendrucktelegraph so durchkonstruiert, daß er praktisch braubar war und sich die Wett eroberte. Dieser Apparat dient zugleich als Geber und Empfänger. Das wichtigste Problem, welches zu lösen war, bestand darin, daß die Typenräder auf beiden Stationen, der Geber- wie der Empfängerstation, vollkommen synchron laufen, d. h. daß jedesmal und in jedem Augenblick, sowohl beim Geber wie beim Empfänger, der gleiche Buchstabe dem Papierstreifen gegenübersteht. Wird bann auf der Geberseite eine Buchstabentaste gedrückt, so löst sie auf der
Knapp vor Mitternacht. Heutig trinke «h em paar Schluck« vom hackbwarmen teerftubenem Weißkßchner Kaffee. Bind« mir zwei Säcke, die unter uns gewaltig hoch im Kurs stehen, um die Füße, rolle ein Tuch zu einem Muss und geh« leise hinaus. Nasser Schnee fällt vom Himmel, vertreibt die Schlafschwere. Haustüren knarren. Hier leise ein Zuruf, dort ein kurzer Gruß. Frauen und Kinder, Kinder und Frauen. Aus der Sei-
Ernpfängersette einen Stromimpuls in dem Augenblick aus, in dem der gewünschte Buchstabe über dem Papierstreifen stehl, und die Type wird abgedruckt.
Der schnellen Einführung dieses Hughes-Apparvtes 'm Amerika fern ein sehr glücklicher Umstand zu Hilfe: das Telegraphenmonopol war damals im Besitz der American Telegraph Company, die für die Benutzung ihrer Morsetelegraphen, weiche im Punkt-Strich-Systern die Nachrichten übermitteln, sehr hohe Gebühren nahm, unter denen besonders die Presse zu leiden hatte. Hughes wurde von der American Asiociated Preß nach Newyork berufen, dort wurde im Zusammenschluß mehrerer kleinerer Unternehmungen die Western Union Telegraph Company gegründet, welche den Bertrieb der Hughes-Appa- rate übernahm. In den nächsten Jahren fanden die Typenferndrucker Eingang in di« europäischen Land r und bereits 1868 wurden die Hughes-Apparat« auf dem Internationalen Telegraphen-Kongreß in Wien für die wichtigsten internationalen Telegraphenlinien angenommen.
Interessant ist, daß di« Fähigkeit zum Bedienen dos Hughes-Telegraphen heute einem Beamten der Deutschen Reichspost erst dann zuerkannt wird, wenn er in einer halben Stunde 600 Worte fehlerfrei telegraphieren kann.
Nachdem Hughes mit feinem Typentelegraphen die
Pfingstsonntag: Blattern sind ausgebrochen . . <—
Es gibt eine Statistik, die angibt, daß der Weltkrieg an der Front zehn Mittionen Menschen das Leden als Tribut nahm. Zehn Millionen gefaMener Bruder.
Es gibt keine Statistik, die auf die Millionen gestorbener Menschen im Hinterland hinweist. Frauen und Kinder, die langsam der Unterernährung zum Opfer fielen: Besonders in Oesterreich. Dörrgemüse, Tee und Tabak, bas war der gleiche Sack Lebens- und Genußmittel; Rohzucker und Leim war der zweite Sack; vom Milcherfotz, Trockenmilch, bis zur Kalkmilch war kein großer Schritt: vom Kornfeld zur Baumrinde nur ein kleiner Sprung. Daran haben wir den Krieg verloren.
Pfingsten, 1916. — Ich begreife nur nicht: Wie leicht der Mensch vergef sen kann!
Wilhelm Huffermann. \
Vergessene Stabt
Von Marie Jonghaus.
kam in eine vergessene Stadt, enge Gassen und Winkel hat. Erker, am grauen Patrizierhaus.
wickelte ein Kohlenftabmtkrophon, verzichtete aber auf ein Patent. Ein anderes recht interessantes Instrument hat er in der Induktionswaag« erfunden, mit deren Hilfe z. B. die Entdeckung von Fasschrnünzen leicht gemocht ist, weil diese empfindliche Vorrichtung auf jede geringfügige Beeinflussung eines induzierten Stromes durch äußere Einwirkungen sofort onspricht, so auch, wenn man ihr Münzen nähert, die nach ihrer Masse oder nach ihrer metallischen Zusammensetzung voneinander abweichen.
Einen tiefen Einblick in die seelisch« Struktur dieses großen Mannes gewährt die Tatsache, daß Hughes bereits Versuche mit elektrischen Wellen anstellte, daß ihm z. B. auch als Erstem die Frittereigenschaften der Kohle, die später zur Entwicklung de« Kohäreres, de« ersten „Detritors", in der drahtlosen Telegraphie führten, bekannt war. Doch er hat die Ergebnisse feiner Versuche niemals veröffentlicht — aus Zurückhaltung und Bescheidenheit, weil damals namhafte englische Gelehrte der von ihm vertretenen Theorie der beobachteten Erscheinungen nicht beipflichten: dabei waren Beobachtung und Theorie, wie wir heute wissen, richtig. So war Hughes, der Mann, der Typen ferndruckte, der Pionier
noch rechtzeitig besorgen lassen. Petroleum ist daher Nir uns überflüssig und können wir abgeben. Die Landbauern haben kein Gas und fast so wenig Petroleum. Für eine Staune Petroleum bekommt man dreimal soviel Milch. Hamstern nennt das die Behörue und hat es verboten. Bei den Endstationen der Straßenbahn tft genaue Kontrolle. Die Milchkannen werden einem abgenommen, in große Bottiche entleert. Leer bekommt man die Kannen zurück. Aber wir Kinder lachen, brauchen keine Straßenbahn, gehen zu Fuß. Wir gehen einen halben Tag bis Stammersdorf, den restlichen halben Tag zurück und haben Milch. Richtig „Haben".
Heule ist es genau so Irgendwo halben mir uns alle wieder zusammengefunden und gehen nun nebeneinander mit langen Schritten der Stadt zu. Hans Hanak ist
Wach und scharf spähen die Augen der Männer durch die Küche. Stutzen: „Was ist denn das, ist das vielleicht keine Rindszung«?!"
Die Gnädige sinkt langsam in eine weich« dunkle Tief«: doch die treue breite Köchin stemmt beide Hände in die Seiten, wie ®rannten platzen ihre Worte: „Allerdings, und was für eine Zunge!" Und sie sckMelt den Stopf: „Aber leider erst für morgen." — Fünf Minuten später sitzen zwei Frauen nut zusammengekniffenen Augen nebeneinander, Herrin und Dienerin, reden nicht viel, kauen nur, tauen ....
Tag» daraus um dieselbe Zeit, plötzlich genau dieselben aufreizend lauten Schritte, hartes Klopfen gegen die Tür: „Fleischkontrvlle! Wir vollen Ihre Zunge sehen!" Die Köchin öffnet die Tür, streckt den Kopf vor: „Eeeh . . Und weit reckt sie ihre Zunge aus.
Einige Stunden später dröhnte die Stadt vom Hohngelächter aller braven Shausfrauen, und ein Kugelregen von Schmähworten platzte auf die Rücken der armen FieischkontrvNe.
„Morgen soll es Kartoffeln geben! — Wieviel Kilo? — (Erfroren? —" Ja, das sind wir. Wir Kinder und unsere Mütter. Als der Krieg begann, waren die Bäume grün, es war Sommer, wir gingen zur Schule. Zweieinhalb Jahre find vergangen, die Rächt ist feucht und falt Ja, und bei jedem Kartoffelstaud sondert sich ein Häuflein ab, ein schmutziges fahles Häuflein: Wir Kinder. Der Rest.
Der Hunger wühlt im leeren Magen. Ich beiße in ein Stück Brost innen krümmelig, außen knetig glatt, ein Gemisch von Maisgries unb was weiß der Teufel noch alles. Und doch schmeckt es köstlich, hätte man nur genug davon.
Anni Brink vom dritten Stock ist später gekommen als ich. Steht gut achtzig Reihen hinter mir.* Hat wenig an und friert erbärmlich.
Als ich sie besuchte, meinte sie, ich solle bald wieder kommen, dann hatte ich einen zweiten Platz und bekäme vielleicht zweimal Kartoffeln. Ich borge Amn
Das kreuz im D-Zug»
Von A. Lippmann.
Stöhnend und fauchend schiebt sich der D-Zug, dem der Fahrplan als Ziel seiner Fahrt Köln gegeben hast aus der Halle des Bahnhofs Zoo in eBrlin. Die grellen, bunten Lichter der Vergnügungsstätten um die Gedächtniskirche und das kreisende Scheimverferlicht des Funkturms am dunklen Nachthimmel werfen di« letzten Grüße der Reichshmiptftadt in das Abteil.
Die Koffer sind verstaut. Man schöpft Atem und betrachtet die Mitreisenden, die der Zufall für eine Nacht zu Weggenossen gemacht hat. Alle Augen aber bfeiben schließlich auf einer hohen schwarzen Gestatt hasten, die aus dem Lichtergeflimmer am Bahnhof Zoo ins Abteil getreten war, fast wie ein Wesen aus einer anderen Welt. . . Doch laßt uns unser« Reisegenossen der Reih« nach betrachten ....
Da fitzt still und bescheiden m einer Ecke ein junger Mensch, sauber gekleidet, mit sympathischem Gesichtsausdruck. Er verlaßt — wie er nachher im Lauf« der Unterhaltung erzählt — die Hauptstadt, in der er schon monatelang arbeitslos war und vom Stempelgeld und kleiner Gelegenheitsarbeit gelebt hat. Er will anderwärts Arbeit suchen, es könne doch nicht überall so schlimm sein wie in Berlin. Unterkriegen aber wolle er sich nicht lassen. Seine Wangen find schmal; aber feine Augen leuchten noch — noch! — in jugendlicher Kraft. Er hat im Westen einen Bruder in einer kleinen, aber sicheren Stellung. Der hat ihm geschrieben, er solle nur kommen. Zwar sei im Westen die Arbeitsnot groß und er wisse noch nichts Bestimmtes, aber er soll« nur fern-
Bei schwerer Geldstrafe wurde der Bevölkerung Der» - boten, Montag, Mittwoch und Freitag Fleisch zu essen. § Kriegsgewinner, Wucherer und derlei hiellen als be» I sonders gute Patrioten das Verbot, aßen knusperigen Fisch. Die übrige Stadtbevölkerung, das war der neun« undnsunzigste Prozentteil, aß mich Dienstag, Donnerstag und Samstag fein Fleisch. Nur Sonntag. Vielleicht pro Kopf zehn Dekagramm. Oder ein Ei urtl> noch eins und noch eins, dafür hatte dann irgendwo ein Schleichhändler Klavier und Teppich.requiriert. Auf schmale weiße Stadtgesichter tanzten rote Flecken. Die Diagnose lautete: Hunger.
Um zu meiner Geschichte zu kommen:
Es ist auf der Ringstraße. Pfmgstwoche. Und an einem Mittwoch. Eine breite, ehemals sicher runde Köchin, mit Augen wie Leberblümchen, reibt sich zufrieden die Hände. Sie hat von Landverwandten ihrer Herrschaft einen prallen Rucksack mitgebracht. Eine wunderbar geselcht« Rindszunge duftet nun auf dem Küchentisch. Die Augen der gnädigen Frau flackern. Ja. di« brave Köchin reibt sich zufrieden die Hände.
Da! Plötzlich aufreizend taufe Schritte. Hart Köpft es gegen die Tür: „Aufmachen! Ffeischkvntroke!" Die Hausfrau erbleicht. Aber wie ein Feldherr steht die
Mauer zu machen. Meine vollen Milchkannen hat seine Schwester mitgenommen.
Die Bauern wollen aber unser Petroleum nicht. Wollen schon, doch die Milch ist ihnen ausgegangen. Schließlich müssen wir unverrichteter Dinge abziehen. Die Füße brennen schon wie Feuer, wundgelaufen, wie bei alten Foidsoldaten. Wir werden ausnahmsweise mit der Straßenbahn fahren.
Beim Straßen-iibergang stehen richtig zwei stramme Gendarinen. 9teben den breiten Bottichen sehen sie aus. wie der Zeigefinger an der Faust.
„Da kommt schon der eine", warn« ich Hanak.
„Rein — doch, es kommt wirklich einer."
Di« Silhouette kommt schnauzig näher. Der zweite Gendarm folgt müde nach: „Laß die Kanne» sehen!" sagt er zu Hanak. „Oft Milch üriiut?!"
„Nein!"
„Anschauen lassen!"
Hanak gibt chm die Kannen, und der Gendarm fühlt an der Schwere der einen, daß sie gefüllt ist. Erst als die Kanne wagerecht Über dem Bottich schwebt, zieht er den Deckel ab und erkennt zu spät den Inhalt: — Zwei Liter stinkendes Pettvleum ergießen sich in die aufschäumende biütemveiße Mtlch.
Wir flüchten, flüchten.
Atemlos bfeiben wir endlich stehen. Hans Hanak sagt triumpbierenb: „Das war einen Liter Petroleum wert!"
Ich kann mich nicht entschließen, mitzulachen. Meine Mutter hatte mir erst gestern erzählt, daß die Säuglinge wegen der Milchnvt wie Fliegen sterben. Das mit den Bottichen ist ein« bodenlose Unsinnigkeit gewesen.
vorne. Frauen: Kartoffeln, sonst schlagen wir die Lud« e>n!"
Es dauert lange, bis die Polizei mit uns fertig wird. Lchwvhl es uns klar ist, daß auch sie aus Zuckerrüben feine Kartoffeln machen kann.
Anni Brink legt die Hand über di« Augen, wie zum Schutz gegen die Sonne, die gar nicht da tft Ich glaube, sie beult,' obwohl ich ihr die ganze Nacht meinen Muff geborgt habe und keinen Finger mehr fühle.
Das sind wir Kinder . . . Wir Kinder mit Köpfen wie Greife, aber mit Herzen wie die Soldaten an der Front. Damals waren die Säume grün und wir gingen zur Schake, jetzt stich wir «in fahler Rest mit hohlen Arrgen, und doch gesünder als unsere Mutter. Unser Kamps ist schwer, schwerer als der Kan-vf an der Front.
Brink meinen Muff, obwohl es fraglich ist, ob die Kartoffeln für soviel Lerne ausreichen wenden
Sechs Uhr morgens. Ein jä'xr Wind fegt an. Schimpfend spähen die Frauen nach vorn«, ein altes Weiblein wollte sich in die ersten Reihen einschmuggeln. Man sieht das sofort. Denn vorne stehen nur wir Kircher. Sind gesünder als unsere Mütter, die für uns hungern, können früher und länger stehen.
Wachleute sind da. Endlich wird aufgesperrt. Einen
mein Dor-
Sie waren
glückt fein, aber es gelang meinem Kameraden, ihm klar zu machen, daß der Tausch vorteilhaft fei, weil er Zeit sparte. Es stcllte sich nämlich heraus, daß Iourdain nichts von der durch Delplac« ermittelten Identität von Cravell und Colt wußte. Dclplace war nicht mehr dazu gekommen, einen Bericht einzusenden, und Lang hob
hervor, daß es dieser Punkt war, worin sich sprung gellend mache."
„Unb Iourdain?" fragte Erik gespannt.
längst draußen auf offener See.
„Aho!" rief Erik aus. „Da mach ich mit."
Das Boot glitt rotiter und weiter. Oben rauschte der Wind in den Bäumen, als sie in Lee aitieflten und das Boot an einen Stein vertäuten.
„Es ist eine etwas gewagte Sache," bemerkte Wallion. „Ich meine nicht im Hinblick auf die Gewaltsamkeiten, obwohl der Mulatte wohl feinen Mann stehen würde, sondern deshalb, well sie uns unter keiner Bedingung entdecken dürfen. Die geringste Kleinigkeit würde hin- reichen, um wenigstens Colt zu bewegen, das Weit« zu suchen."
„Das wäre ja ein Segen!" meinte Erik.
„Rein," jagte Wallion. der feinen Gedanken erriet, „das wäre nicht gut. ' Wenn Coll morgen früh nicht mehr hier sein sollte, würde deine Lage um soviel bedenklicher sein." Er bettachtete Erik prüfend von Kopf bis zu Fuß." „Schon, daß du ein Khakihemd anhast und braun wie ein Indianer bist. Kein einziger weißer Fleck an dir, wenn du nicht die Augen rollst. Hatte dich hinter mir. Ich bin so etwas gewöhnt."
„Wir haben den Wind ins Gesicht," bemerkt« Erik, Indem sie durch den stark gelichteten Wald hinaufgingen. „Ich glaube, wir könnten ruhig laut sprechen."
„Jawohl, aber man kann nicht wissen, wie vorsichtig sie sind. Die Zellungen haben doch gemeldet, daß aus Anlaß des Ensta-Rät'sels ein belgischer Polizist erwartet wird. Wenn ich an Lotts Stelle wäre würde ich dafür sorgen, daß bei Nacht kein lebendes Wesen ans Haus heran könnte. Ueberdies glaube ich nicht, daß jemand von ihnen da oben schläft. , ."
Er blieb stehen. Aus der Ferne glänzten erleuchtet« Fenster zwischen den Bäumen herüber.
„Meinst du, daß mir Aussicht haben, etwas Besonderes zu entdecken:" flüsterte Erik.
„Ja," erwiderte der Journalist ebenso leise. „Es sollte mich wundern, wenn wir nicht den Mann vom Meer zu sehen bekämen."
Erik nickte. Er befand sich in höchst gespannter Stimmung.
nach alten Papieren, die jetzt aktuell geworden zu sein scheinen . . . Nein, nicht im Arbeitszimmer! In irgendeinem Schrank auf dem Flur zwischen andern Kartons ist einer mit der Aufschrift „Reynoldsche Milliarde" oder so etwas . . , Ja, mit der Untersuchung hab' ich mich 'schon vor zehn Jahren besaßt. Mso, zwischen den Pa- pieren wirst du eins mit der Rubrik „Leibeserben in Guyana" finden. Es sind vielleicht nur einige Dogen. Aber bring' sie jedenfalls morgen mit . . . Ja, danke! . . . Wie? . .. Darüber werden wir morgen sprechen ... Nein, weiter nichts. Gute Nacht!"
Er hängte ab und zündete eine Zigarette an. Erik war ganz außer sich vor Neugier. Aber Wallion hakte ihn ein und sagte, während sie zum Motorboot zurückkehrten, nichts weiter als: „Fein hat Lang das gemacht!" Erst auf der Heimfahrt begann er zu sprechen, und Erik mußte sich vorbeugen, um ihn bei dem Sturm zu verstehen.
„Na, du wirst wohl das meiste gehört haben, was?" „Nur die eine Hälfte. Und gerade auf die andere bin ich neugierig. Daß Iourdain eingetroffen ist, und Lang ihn gesprochen hat, weiß ich — aber was weiter?"
„Lang war auf dein Bahnhof und erkannte Iourdain mit Hilfe der Photographie, die ich ihm gegeben hatte. Aber auch Kommisiar Aspeland war da, um den Belgier zu empfangen, und deshalb wartete Lang «ine günstigere Gelegenheit ab, um sich zu erkennen zu geben. Iourdain und Aspelang unterhielten sich eifrig, wahrend sie nach dem Hotel hinübergingen, wo das von Del place bewohnte Zimmer für ihn reserviert war. Als Afpeland nach einer halben Stunde fortging, begab Lang sich nach oben, um sich Iourdain vorzustellen. Er überreichte ihm eine Karte von mir, auf der ich ihm geschrieben hatte, ich sei bereit, ihm alle erforderlichen Aufschlüsse über den Fall Delplace zu geben, wenn er Lang nur einige Fragen in Bezug auf Perissets Tod beantworten wolle. Lana bericytete wahrheitsgemäß, daß ich keine Zest gehabt hätte, um in Stockholm zu bleiben, daß ich aber entweder selbst kommen oder ihm die Ausschlüsse am Sonntag morgen schriftlich zustellen lasten würde. Ra, Iourdain erklärte natürlich, daß er seine Ermittlungen ausliefern würde, sobald er meine in Händen habe. Wenn er mich nicht so gut kennt, würde die Sache wohl miß
III.
Maurice Wallion saß am Telephon.
„Hallo! Verbinden Sie mich mit Lang Er wird wohl in meinem Zimmer sein . . . Wie? Er ist nicht gekommen? Dann muß er in der Redaktion fein. Wir hatten verabredet, daß ich jetzt anrufen würde . . . Ja . . Na, endlich, Sang! Hat cs Schwierigkeiten gegeben? . . Das kann ich mir denken. Wie stehts? Ist er mit dem 6.50-Zug angekommen Und allein? . . . Und du hast ihn gesprochen? .. . Famos! Was sagte er von meiner Karte? . . . Das kann ich mir lebhaft Dorftellen . . . Was? Das hat er gesagt? Aber das fft ja großartig — geradezu glänzend! ... Du glaubst es auch? . . . . 5a, natürlich, aber nur durch eine Ueberrumpelung . . . Na, und dann?"
Er lachte unb warf einen Blick auf den gespannt lau- sehenden Grit.
-. „Es ist natürlich schade, daß wir Jourdains Ge- duld so auf die Probe stellen müssen, aber es ging nicht anders. Ich kann nicht zugleich an zwei Orten [ein . . . Wenn mir unserer Sache ganz sicher wären, hätte man es natürlich vermeiden können, aber es ist ganz gut, daß er sich erst ausruht. Ich kann mir denken, daß er sehr schlechter Saune ist, aber jetzt ist es entschieden ratsam, daß wir an unserem Plan festhalten. Du befindest dich doch in meinem Zimmer, nicht wahr? Links in der obersten Schublade liegt bas P. M., darin habe ich ein paar Zeilen niedergeschrieben ... Ja, ganz recht! . . . Nein, das Konvolut steckt in der Aktenmappe • • - Hast du's? . . . Schön, bann bringe es ihm morgen srüh vor acht ins Hotel ... 3a, natürlich! Dann ist dir also alles klar. Aber warte einen Augenblick! Ich '"achte noch etwas hinzusetzen."
Er lehnte sich mit geschlossenen Augen zurück, als ob er sich bemühte, in seinem Gedächtnis zu suchen.
„Nein, noch nicht abdrechen, Fräulein! Hallo, Lang! Fahr' doch bitte nach meiner Wohnung und such bart’
„Iourdain ist ein ungemein vorsichtiger Kerl. Er willigte ein, stellte aber eine Bedingung. Worin diese bestand, darf ich dir leider nicht sagen. Grit, da Lang in meinem Namen Verschwiegenheit darüber gelobte. Ich kann nur sagen, daß die Mitteilungen des Belgiers uns bei der Entscheidung von großem Nutzen fein werden."
Erik atmete auf. „Weiter verlange ich vorläufig gar nichts zu misten," sagte er.
„Morgen wirst du alles erfahren," erwiderte Wallion. „Das Konvolut, das Iourdain am Sonntag morgen öffnen wird, enthält meinen Bericht über unsere Unterredung am Mittwoch samt einer Darstellung der Ergebnisse, zu denen ich bei näherem Nachdenken darüber gelangte. Ja, und noch eins — Colts Adresse."
„Dann kommt die Polizei alfv morgen früh?" fragte Erik erschrocken.
„Ja"
„Und du reist nicht ab, eh' sie da ist?"
„Nein, aber ich werde Iourdain antelephonieren, bevor er das Hotel verläßt. Heute abend ging es nicht mehr, weil er sich nach dem Gespräch mit Lang sofort nach dem Polizeiamt begab. Wahrscheinlich wird er morgen früh, wenn er meine Papiere erhalten hat, sofort 'die Kriminalabteilung anrufen."
Erik spähte angestrengt ins Dunkel hinein. „Iägarö liegt mehr nach Steuerbord zu," sagte er. „Dort drüben tft Blackholm."
„Ich weiß," erwidert« der Journalist. „Wenn wir nichts anderes zu besprechen gehabt hätten, würde ich dir schon gejagt haben, daß ich es für ratsam halte, Hamra mal aus einem andern Gesichtswinkel zu betrachten!"
IV.
Maurice Wallion regte kein Glied. Sie standen im tiefen Schatten einer Tannengruppe, und eine gute Dier-
Der Man« vom Meer
Von Julius 9tegt».
Beilage zur Fuldaer Zeikuug
bmmbmm—nmii rn imr» i—snam