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NILS
17. Mai
Beilage zur Fuldaer Zeitung
in
schen Sieb' — im ErleberMsen des Siebes spürt das i unsere katholischen Kinder früh unb ganz zu erfassen.
Und das geschieht durch eine lebendige Teilnah-me de»
Kind den Reichtum, der darin verborgen liegt; darnach
Gib mir,
sollen die
des Königs.
J
nen Liedern und zu einem kleinen Heftchen das ein Bild von Huber-Sulzmaos schmückte: mein Kind, dein Herz"
Auch ihr gebt Zeugnis.
Velrachkung zum Sonntagsevangelium.
„Ja, das habe ich schon in der Schule gelernt, indem wir uns öffentlich zu Christus und der Kirche bekennen durch unsere Teilnahme am Gottesdienst, an Wallfahrten und Prozessionen."
das sollen wir. Aber wir wären im Irrtum, wenn wir glaubten, daß wir mit diesen Singen genug getan hätten.
„Du meinst, daß wir auch Andersdenkenden gegenüber, vielleicht sogar Spöttern und Gottesleugnern, uns frank und frei zu Christus bekennen. daß wir die Kirche und unseren Glauben ver- leidigen, wenn über diese Dinge gespottet wird."
Das meine ich auch, und ich habe Respekt vor
nehmen wir das, was wir als Kernpunkt für den Tag geben wollen, gleich in welcher Form, ob als Erzählung, Unterhaltung, Besprechung, oder durch Vorlefeo. Die übrig« Zeit bleibt für das frohe Spiel. Dabei muß man selbst mitmochen, Kind unter Kindern fein. Das Spiel ist deshalb wertvoll, weil es Auslösung und Abwechslung bringt und eine Entfaltung aller Kräfte bedeutet. Für den Schluß dos Nachmittags wählt man am besten noch ein entsprechendes Lied, dos gemeinsam oder auch allein zur Laute gesungen werden kann. Am Abend ergibt cs sich von selbst, daß man das Nachtgebet spricht, am Mittag läßt sich vielleicht ein Gebet zum hl. Schutzengel oder zur Mutter Gottes anfügen.
In diesen AusammenstMungen darf man sich nie aus ein Schema verlegen, man mutz sich umstellen können, wie es der Augenblick erfordert. Nichts herbeizichen oder zwingen wollen, lieber einmal auf das Gebet verzichten, um ein anderes Mal dann tieferes Leben zu wecken. Im Sommer vergnügen wir uns zuerst mit frohem Spiel und Reigen und nehmen zum Schluß etwas Ernsteres. Im Winter flnnen wir bei unfern Handarbeiten Lieder. Hier ist es ratsamer, während der Beschäftigung nicht zu lesen ober zu erzählen, sondern dafür vor Beginn der Arbeit eine halbe Stunde anzusetzen. Oftmals erfordern die Umstände rasche Umstellung und Cinfüh!ungsga>be in di« Bedürfnisse und Wünsche der Kinder, soll freies frohes Leben sich in den Gruppen entfalten können.
Nach viel Frohsinn und frischem, kernigem Leben hungern unsere Buben und Mädel. Frohe echt katholische Gotteskinder wollen wir sein. Deshalb trägt auch unser Wimpel auf der einen Seite die ausgehende Sonne, auf der anderen ein schmales weißes Kreuz auf blauem Grund. Im Anfang der Arbeit konnte ich das Religiöse nicht zu stark betonen, weil die Dorausletzungen dafür nicht gegeben waren. Die Seele der Kinder muß aufgeschlossen und bereit sein. Jetzt ist es am Platze, daß wir abends, unmittelbar zu Füßen des Tabernakels, unser Abendgebet sprechen, da unser Raum sich direkt an die Notkirche anschließt. Ich habe gemerkt, wie die Kleinen sich restlos einsetzen und hingeben und daß es wohl auch deshalb heute von großer Bedeutung ist,
„Respekt". Mißerfolg und Enttäuschun- gen fmb dafür um so sicherer. Aber dadurch wird der Bildner auch von der Ueberheblichkeit des 2chs erlöst, er wird Mensch unter fühlenden Menschen.
Ich will einen offenen
Dorfabend
wiedergeben. Wir saßen in den Schulbänken, der Leiter mitten darunter. Die Teilnahme stand den Erwachsenen des ganzen Dorfes offen. An diesem Abend waren junge Männer, meist zwischen zwanzig und dreißig Jahren, gekommen: denn wir wollten über „Du und sie" (Schriftchen von Schilgen S. I.) sprechen. Die Wahl dieses Themas hatte sich aus dem vorigen Abend ergeben, wo wir einen Aufsatz aus der Woche: Ist Begabung vererbbar, gelesen hatten. Als nach der Aussprache Witze erzählt wurden, war ich erschrocken. Es waren solche Zoten darunter, daß mir die ganze Art dieser jungen Menschen dadurch klar wurde. Eines freute mich dabei doch, daß sie dies so unbefangen taten. Ich sah in die Wirklichkeit ihrer Seelen. Am nächsten und übernächsten Abend luchte ich nun an Hand des genannten Schriftchens eine gesunde Aufklärung über dos Lebenswunder zu geben, dessen Wunder auch durch unseren Leib geht, der in der Ehe Teil an der Schöpfung haben soll. Die Darbietung mar ständig durch Gedankenaustausch unterbrochen, so- daß die Anteilnahme gleich blieb. Damit ist noch nicht viel erreicht, aber die Menschen werden zum Nachdenken gebracht. Mehr können wir von uns aus nicht tun.
Die natürliche Art solcher Abende halte ich für wesentlich. Eine Führung muß freilich da sein, ober der Gegenstand der Aussprache muß aus dem Anspruch der Geführten kommen, oder wenigstens auf ihre lebendige Frage stoßen. Viel Leben wird hier erdrosselt. Und die langen Lichtbildserie n sind oft e i n U n g l ü ck f ü r d i e r e ch t e Bildungsarbeit, weil sie einen Stoff an den Hörer herantragen, der vom Dörfler bestimmt nicht gewünscht ward. Oder glaubt jemand, daß die kunstgeschichtliche Anteilnahme für „Dürerbildniffe groß ist? Ich glaube, die Trockenfäule der Kartoffel beschäftigt sie mehr. Weil wir die Menschen lanaweilen, deshalb kommen sie nicht gerne in Lichtbildervorträge und ähnliche Veranstaltungen. Statt in den Zuhörern die Schuld für den Mißerfolg zu suchen, sollte sie der Bildner in seinem Mißgriff und dem schlechten Verstehen der Volksseele suchen.
Die technischen Errungenschaften wie Lichtbild, Film und Radio an sich sind natürlich gute Helfer der Volksbildungsarbeit. Aber auf den vorgeführten Inhalt kommt es an.
Wenn ein Kaliarbeiter des Dorfes an einem Lichtbildstreifen die Gewinnung des Kalisalzes zeigt und dabei aus seinem persönlichen Arbeitsleben berichtet, so ist das doppelt bildsam. Wir brauchen nur noch die Entlohnungsfrage hinzuzufügen und ein paar prächtige Direktionsgebäude daneben zu zeigen, so sind wir mitten drin in der Fragwürdigkeit der heutigen Gesellschaft. Roch erträgt der Dörfler nicht gerne, daß irgend ein Glied des Dorfes den anderen einen Vortrag hält, aber in der Aussprache ebnet sich auch dieser Weg. An das Leben selbst müssen wir uns halten. Sind politische Gegner da, gut, lo sprechen sie eben von ihrem Standpunkt. Auch religiös Andersdenkende können sehr wertvoll für die Aussprache sein. Berufsgegensätze werden ge- geneinander gestellt. Der Bauer sieht eben bann ein, warum der Arbeiter für Aushebung der Weizenzölle ist. Er will auch ein billiges Stück Brot haben.
So könnte es auf dem Dorf sein. Es i st a b e r m e i st n i ch t s o. Ich bin einen Augen- blick aus der Wirklichkeit herausgetreten, aber gar nicht sehr weit. Denn dieser Art unterhalten sich die gesellschaftlich vevschiedenen Dörfler auf der
Kindes an her ganzen Religion, ihrem Inhalt Christus, dem König ihrer Herzen. Denn heute besteht die Gefahr, daß unsere Kinder, wenn wir sie turnt Heiland fernhalten, mit 10—12 Jahren religiös erkaltet sind. Wir haben solche Beispiele bei uns. Die Krönung unserer Arbeit wirb immer fein, Christus im Herzen her Kinder eine Wohnung finden zu lassen.
Wie freuen sich die Kleinen aus den Heiland! Ich habe bas selbst miterlebt, als ich zur Frühkommu« n i o n vovbereiten durste. Die Feier des Gottesdienste» am Ehrentag der Kinder durften wir selber g e st al» t e n. Dor allem ist eines so besonders schön und wertvoll bei der Frühkommunion: Die Kinder werden durch nichts abgelenkt. Sie sind sonntäglich gekleidet wie sonst auch. Um so größer ist die Andacht und innere Sammlung dieser Kommunikanten. Bei unfern wildesten Du»
(Dergl. Ar. 108 der „Fuldaer
Die Ausgabe.
Wenn viele der berufenen Träger der ländlichen Bildungsarbeit noch abseits stehen oder in ihren Bemühungen nicht ins Wesentliche vorstoßen, so ist das gewiß nicht mangelnder guter Wille, sondern es erklärt sich daher, daß sie selbst noch nicht von der entscheidenden Aufgabe ersaßt sind
Der Inhalt der Aufgabe ist uralt. „Die ganze Kunst ihrer Lösung besteht darin, den Menschen zu helfen, sich in ihrer Leb em s- Wirklichkeit zurecht zu finden" (Heinen). Etwa in ein Beispiel umgesetzt will das besagen, daß by Bauer von der Wut über den niedrigen Roggenpreis zu dem Bewußtsein hinzuführen ist, daß Gott ihn durch seine säende Hand oder seine Sämaschine an dem Wunder der Weltschöpfung und der Brotvermehrung teilnehmen läßt. Auch für seine Klagen über den niedrigen Preis wird der Bildner Verständnis haben, auch für das Genossenschaftswesen, das die wirtschaftlichen Per-. hältnisse bessern will. Aber in der Unterhaltung
ben. Sie bekamen Kaffee und Kuchen am festlich ge- heckten Tisch. Am Abend versammelten wir uns noch einmal in her Kirche vor dem Tabernakel. — In her folgenden Zeit gilt es vor allem, die flammende Begeisterung, die sich in der Gewohnheit wieder verliere» möchte, immer wieder von Zeit zu Zeit zu entfachen, bis Fünklein Gottesliebe zu nähren unb zu pflegen. Unö so wollen bte Kommunionkinder nach ein paar Wochen wieder gesammelt sein, um in Erzählung, Liedern unb frohem Spiel zu spüren, baß sie zusammen gehören, aber auch bewußt zur Weiterarbeit an ihrer unö her anderen Seelen angeeifert werden. Der apostolisch« Gedanke soll sie beseelen, sie — bas Jungvolk Christi.
Zeugnis zu geben für Jesus, dazu waren erster Linie die Apostel und Jünger berufen, d>e den Herrn während seines Lebens gekannt hatten. Sie hatte darum auch der Herr bestimmt, Zeugnis von ihm zu geben in der Welt.
Die Apostel und Junger sind tot, aber Christus lebt weiter in seiner Kirche, zu der auch wir gehören. Und wir alle, die wir in der Kirche vereinigt sind zum geheimnisvollen Leibe Christi, mir alle sind berufen, Zeugnis zu geben für ihn.
wo wir. Katholiken unter kommunistischen Arbeiterfamilien leben, wo von den verschiedensten Seiten um bas Kind gekämpst wird, schlimmer als in der Großstadt, weil in der kleinen Siedlung sich vor aller Augen alles abspielt, mutz bas Kind persönlich erfaßt werben. Und bas ist nur in Meinem Kreis möglich.
Die Kinder kommen zu uns mit großer Freude Einzelne haben schwer zu kämpfen um ihr Kommen, besonders diejenigen, welche vorher bei der „Jugend" waren (gemeint ist die „Sozialistische Arbeiterju» g e n b"). Viele unserer Kinder kommen aus Mischehen ober leben in einer Umgebung, bie auf religiösem Gebiet erkaltet ist. Doch stille, treue Kleinarbeit, persönliche Fühlungnahme mit Kindern unb Eltern, rasches Einfühlungsvermögen, nicht zuletzt Gebet unb Kommunion werben wertvolle Hilfen fein, solche Kinder wieder zurückzugewinnen.
Wesentlich für unsere Arbeit ist bie Raumfrage Wir waren zuerst in der Kinderschule, einem mehr faalartigen Raum. Seit einigen Wochen hat uns die Mutter zweier Kinder, bie bei mir sind, ein Zimmer in einem Bahn- wartshäuschen zur Verfügung gestellt, bas schön unb füll für sich im Freien liegt. Der Vater eines Kindes hat uns bas Licht hinaufgelegt in bas Stimmer, eine Frau brachte einen Tisch unö Stühle, wieder eine andere bie Lampe, eine nicht katholische Frau schenkte uns Blumenstöcke. Einige Familien haben uns Werkzeug zum Sägen für die Knaben zur Verfügung gestellt. Es ist bei uns in der Siedlung nicht sehr schwer, mit den Eltern aus natürliche ungezwungene Weise Fühlung zu nehmen. Den Müttern der Kinder konnte ich auch im Mütteradend einmal von unserem Tun unö Treiben erzählen.
So halfen wir uns gegenseitig, daß wir bei unserer großen Armut und bei dem Platzmangel nun doch unser Meines Reich für uns Haden, wenn es bis jetzt auch nur ganz einfach ausgestattet ist. Aber bie Kinder suhlen sich in einem Wohnzimmer viel wo hier. Si« brauchen Wärme und Gemütlichkeit, bas, was sie an bie Familie erinnert, wenn sie sich bei uns heimisch fühlen sotten. Deshalb möglichst keine Schulräume, sondern kleinere Raume, die wohnlich und samilienhast ausgeftaltet sind.
Für unser Gruppenleben ergibt sich der Aufbau praktisch solgendermahen: Wir beginnen mit einem fri»
ben herrschte eine Stille und Andacht, die für jedermann eine Erbauung war. lind bie ganze Gemeinde ist da, wenn wir Frühkommunion halten. Für die Feier de» Gottesdienstes hatten wir eigens Meine kindliche Gebete zusammengesteltt, unterbrochen von passenden allgemei» ' "' gebunden.
Nach der kirchlichen Feier am Morgen
Kinder auch eine kleine weltliche Freude ha«
Die äinbetgtuppenatbeif!
Don Johann Feigenbutz.
Starke, weltanschaulich anders gerichtete Gruppen kämpfen um die Seele unserer Kinder, so daß einem di« bange Frag« kommen könnte, ob mir diese Kräfte unö Bewegungen noch aushalten können. Doch bloßes Bangen u n d H c> s- f«n ist wertlos: Der Arbeit der Anderen, gegenüber gilt es, uns auf unsere eigene Arbeit am Kinde zu besinnen, uns daran zu erinnern, baß der göttliche Kinberfreuud, als erster und größter Kinderfreunb Zweijahrtausenbe vor ben sozialistischen „Äinberfreunöen" durch seine heil Kirche wirkte, unb uns zu überlegen, ob wir nicht aus Liebe zum Kinde eine eigene große katholische Bewegung entfachen können. — In dieser Hinsicht gewinnt die katholische Kinderaruppenar- beit eine täglich wachsende Bedeutung, so baß wir uns freuen, an Hand eines Beispiels (cs handelt sich um eine kleine Siedlung in der Nähe einer mittelgr. Stadt) einmal auf die allen Pfarrgemeinden obliegende Gruppenarbeit am Kinde hinzuweifen und zu zeigen, wie und mit welchem Erfolg man an die Kinder heranzukommen sucht.
Im Juni 1930 begannen wir mit der Kinbergrup- Penarbeit. Don Seiten der sozialistischen „Kinber- treunbe" war bis dahin schon manches geschehen. Manche von unseren Kindern waren bei ihnen, bie Kna- 6e|t angeregt durch Wanderungen, Umzüge mit Musik einheitlicher blauer Kleidung, die Mädchen hauptsäck- iich durch Handarbeitsstunden. Die Tatsache, daß sonst keine Gelegenheit für bie Mädchen zur Handarbeit geboten war, nehmen manche Eltern als Grund, ihre Sin» ber dorthin zu schicken.
Nachdem in der Kirche auf unsere Arbeit auf» Erksam gemacht war, kamen die Kinder bald zur ^chwesternwohnung: denn sie waren sehr neugierig auf bos, was kommen würde. Wir nerftänbigten uns bann gegenseitig durch bas Fenster, an welchen Nachmittagen ^e einzelnen Klassen frei hatten, um in bie Gruppe zu kommen — bas war bie erste Anmeldung.
Wir haben kleine Gruppen von 12—15 Kim dem , Das ist in unserer Siedlung notwendig. Hier,
Sonntag in der Oktan von Christi Himmelfahrt.
Soaulagslied: Pf. 26, 7, 8 unb 9.
Erhöre, Herr, mein Flehen, ich rufe so laut ... dir, atteluja. Zu dir spricht mein Herz: ich ‘udK dein Antlitz; dein Antlitz, o Herr, will ich ß LZpir v ende deinen Blick nickt weg von mir, alle» Ijujo alleluja. (Ps. ebb. 1.) Der Herr ist mein ojcht, mein Heil, wen soll ich fürchten?
Epistel: 1. Petri, 4. 7—11.
Geliebteste! Seid klug unb wachsam im Gebet, «gr allem liebet einanber allezeit; beim bte Liebe reift alle Sünden zu. Seid gastfreundlich gegeneinander ohne Murren. Dienet einander, jeder aiit Der Gnadengabe, bie er empfangen hat, als i aute Verwalter ber mannigfachen Gnabe Gottes. Wer die Gabe ber Rebe hat, rede Gottes Wort. " Wer ein Amt hak, verwalte es mit ber Kraft, bi« 0Ott gibt, bannt in allen Dingen Gott verherr- licht werbe burch Jesus Christus, unfern Herrn. Lvangelinm: wenn ber Tröster kommt: (3of). 15, 26—27 und 16. 1—4.)
Zeitung" vom 10. Mai 1931.)
wird er auch den Sinn auf die Gegenseite lenken, auf den Arbeiter, der mit seinem geringen Lohn sich über jedes billige Stück Brot freut. An diesem Roggenkorn ist also zugleich ber Beweis für die Wahrhaftigkeit seiner Nächstenliebe fällig.
Ein Einwand wird hier al? Selbstverständlichkeit erhoben: diesen Sinnzusammenhang schafft doch bie ’ religiöse Unterweisung ber Predigt. --- Tut sie es wirklich? — Die Lehre auch ber schlechtesten Prebigt ist freilich immer gut, aber auf die Form kommt es ebenso an, sie ergreift ben Menschen — oder sie ergreift ihn nicht.
Die Zerrissenheit des ländlichen Menschen ist trotz der gefüllten Kirchen gegeben. Es gibt eben Fragen, die sich erst in her Unter. Haltung Hären lassen. Hier setzt bie Bil- dungsarbeit als solche ein. Nicht um die religiöse Beeinslitssung durck ben Gottesdienst zu ersetzen, sondern sie zu vertiefen. Der gleichbleibende Wechsel im Iahreslauf zwängt bas Leben auf dem Land in die Fessel der Gewohnheit. Da kommen
nun bie Einflüsse ber Stabt burch Menschen, Presse unb Verkehr. Unb ber Mensch des Dorfes — nicht jeder, vor allem aber der junge Mann, dem fein religiöses Leben in der Macht der Gewohnheit zur Schablone geworden ist — zeigt sich ebenso haltlos wie der Städter. Mit einem klugen Blinzeln spricht er mit seinen Käme- raben über feine Zweifel unb bann sprechen sie auch vom Lehrer unb selbst vom Geistlichen, der nach ihrer Meinung „auch bloß so tut". Gewiß ist das nur ein Teil der Dörfler, aber sie gehören zu der Wirklichkeit des Dorfes.
Die Menschen geraten innerlich in Widerstreit. Aber damit erwacht auch ihre Empfänglichkeit für geistige Dinge. Der Bildner wirb in ben Ausspracheabenden um so sicherer fein, se ähnlicher er sich von toten Formen zu lebendigem Inhalt burckgerungen hat. Das haben wir ja alle getan. Mancher ist im Zweifel stecken geblieben oder erkaltet und in Zerrissenheit geraten. Hier — also in ber Religion — liegt der Wesenskern aller Bildung. Für den Katholiken ist daher bie Frage müßig, wie bie Zusammenhänge zwischen Erziehung unb Bildung liegen, für ihn ist rechte Bildung zugleich
Erziehung zur Verantwortung vor Golk.
Hier findet auch ber Wiberspruch von Ich und Gemeinschaft seine Lötung. Es gibt keine Bildungsfrage ohne Weltanschauung. Auf bie letzte Einheit in ber Religion führt jeder Sinnzusam- menhang. mag der Ungläubige auch bei dem „Welträtsel" als Fragezeichen stehen bleiben.
Ihr Ziel erhält also bie Bildungsarbeit aus dem Ewigen. Aber in ihrer zeitlich bedingten Farm ist ihrs besondere Aufgabe gegeben. Gott spricht durch diese gegenwärtige Zeit zu uns, den Lebenden, ihm sind wir in ihr verbunden; schon ein Habern mit der Gegenwart und ihren Menschen ist eine Flucht vor der Derantwortung und ein Auflehnen gegen Gotte, Aufgabe. Vor Gott steht das ältere Geschleckt ebenso vsie bas iunge, beide haben an ben Menschen ber Gegenwart zu wirken unb sich daher um gegenseitiges Verstehen zu mühen.
Aber Gott geht auch burch bie Reiben der Ungläubigen und politischen Gegner. Und wir allein van allen Menschen haben als Christen die große Pflicht der Feinbesliebe. Alles Zetern unb Habern ist auch hier Auflehnung, weil wir bie Berufung haben, jener Welt durch bte größere Liebe entgegen zu wirken. So gibt es für ben verantwortlichen Dolksbildner auch keine Flucht vor ben Fragen, die ihm aus bem Dorf über jene- Welt gestellt werben. Er darf ihnen nicht ausweichen. Und wieder ist die Unterhaltung im Erwachfenenabend die rechte Form dazu. Erst aeaen ben Einwand der Einzelnen läßt sich bie F'ülle ber christlichen Welt bis in die klein- sten Dinge des Alltags stellen. Daß wir sie schleckt leben, wird habet nicht nerboraen bleiben. Freilich kann man bieder Rrbeit bie BeiHwm- sichkeit her Studierstnbe norüesisn. Aber bie Berufung Gastes in bieser Zeit ist bann wohl nicht richtig verstanden.
Die Ansötzs.
Wo bie Aufgabe in ihrem tiefsten Sinn erfaßt ist, werden sich die Ansätze von selbst erneben. Ob sie nun von ber Schule aus in ber Form der Elternabende einsetzen, ob sie von I u- gendvereinen ausgehen ober die Form offener Erwachkenenabenbe finben, das alles ist für das Wesen her Sache gleich. Wenn nur angefengen wird. Freilich tritt, ber Dilbner, ob er Seelsorger ober Lehrer ist, äußerlich zunächst verlieren; denn die Aufaabe fordert einen vollen Einsatz des Menschen. Auf der Stufe des Gleichen unter Gleichen — nur fo erwächst wahres Vertrauen — schwinden Amtswürde und äußerer
Sie volksbildungsarbeil auf dem Lande
Von Joseph M. Wilhelm.
dir, wenn du das alles tust. Aber trotzdem ist auch bas noch nicht bas Zeugnis für Christus, bas wir in erster Linie für ihn geben sollen. Was du da eben nanntest, bas find nur Worte, wenn Fe sicher auch gut gemeint finb. Unser Zeugnis für Christus aber sollen Taten sein. Gewiß, auch Teilnahme am Gottesdienst, an Prozessionen, an Versammlungen finb Taten, aber noch nicht bie, welche ich meine.
„Ich wüßte weiter nichts mehr, drum sage, was du meinst."
Ich meine, daß dein ganzes Leben ein Zeugnis für Christus fein soll. Richt nur dein Kirchenbesuch und dein Sokramenten- empfang. sondern vor allem auch dein Alltagsleben, sei es am Arbeitsplatz, sei es in deinem Heim, sei es in ber Oeffentlichkeit.
„Wie soll ich bas machen? Soll ich vielleicht mit meinen Arbeitskollegen fromme Gespräche führen?"
Da würden sie dich wahrscheinlich auslacken, Was hu sprichst, ist überhaupt nicht so wichtig, wohl ober das, was d u tu st und wie du es tust. Jeder Mensch gibt burch sein Leben Zeugnis vom Geist, ber ihn beseelt. Das kann gewiß ein böser Geist fein. Wer aber innerlich von Christus erfüllt ist, wird auch durch jede Tat unb in jeder Stunde seines Lebens Zeugnis von Christus geben, ohne besondere Absicht. So wie das Licht leuchtet, wird ein gotterfüUter Mensch für Gott zeugen, ohne daß er es weiß unb ohne daß er daran denkt, er mag fein, wo er will. Er wird vielleicht kein Wort reden von göttlichen Dingen, unb doch wird seder, der in feine Nähe kommt, dies Zeugnis spüren, wenn er sich vielleicht auch nicht darüber klar wird. Siebe, so kannst du auch auf deinem Arbeitsplatz ein lebendiger Zeuge Christi sein, wenn du wahrhaft von Christi Geist beseelt bist.
Wir all« denken bei diesen Dingen zu sehr an das rein Kirchlich« und vergessen gar zu leicht, daß unser Leben im Alltoa bie Probe darauf ist, wie wir in Wahrheit zu Christus stehen. Wie du zu deinem Nächsten stehst, das ist der Maßstab bafür. wie du zu Gott stehst. Unb was für ein Christ du bist, das zeigt sich nicht in erster Linie darin, wie fromm du dich in der Kirche benimmst, sondern darin, wie christlich du im Alltag bist.
NoclMals: auch wir beide, du und ich, geben Zeugnis für Christus. Und wir wollen einmal in einer stillen Stunde unser Gewissen fragen, ob wir nicht falsche Zeugen sind.