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Beilage zur Fuldaer Zeitung
Itr. 108
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10. Mal
Position aus die scharfen Worte immer nur gegen den Katholizismus finden. Das verletzendste ist das Wort von der ..Legende vom Arbeiterpapst", womit Heinrich Mertens in der sozialdemokratischen „Rheinischen Zeitung" sich bei seinen Genossen Liebkind machen will. Heinrich Scharp hat in der „Rhein- Mainischen Volkszeitung", die wahrlich niemand der Voreingenommenheit gegen die katholischen Sozialisten bezichtigen kann, das Nötige zu dieser Auslassung getagt: „Was man da lesen muß, trägt die bezeichnende ileberschrift ,Die Legende vom Arbeiterpapst" und ist eine einzige, im Sachlichen maßlos arrogante und im Ton schlechthin unerträgliche Kritik, die auch vor den billigsten de- magogilchen Effekten (wie etwa der Aufzählung der adligen Namen, die an den Vorarbeiten der Enzyklika mitgewirkt haben) nicht zurückschreckt."
Schule und KolleMv in Merukluud.
Die Dilwe Lenins über das Schicksal der Kinder von politisch enterbten nichtkommuniftiichen Eltern.
Auf der Konferenz der kollektivierten Land- lchuljugend, die vom „Kommunistischen Jugend- verband" am 30. 3. 31 in Moskau einberufen war, berichtete Frau Krupskaja-Lenin über Schulungsfragen der kollektivierten Landjugend. Sie sagte u. a.: „Gegen Ende des Fünfjahresplans, wird die Gesamtkollektivierung der Landwirtschaft vollzogen sein, die individuellen Betriebe werden nicht mehr existieren und man wird nur noch mit grasten landwirtschaftlichen Einheiten rechnen müssen. Die herkömmliche Bauernarbeit wird mechanisierte Formen annehmen, die Spezialisten voraussetzen, und Ausgabe der Landschulen ist es, Kollektivarbeiter-Spezialisten heranzubilden, die sich einem bestimmten Fach widmen, dessen Beherrschung gründlich erlernt sein will. Neben dieser Fach- und allgemeinen Schulbildung ist es aber auch erforderlich, politisch geschult zu sein, denn wir benötigen nickt allein tüchtige Arbeitshände, sondern politische Pioniere, die bewußt den Sozialismus weiter verpflanzen." Der Ton lag auf der notwendigen Frühpolitisierung der Schulkinder, die ober nur bann durchgeführt werden kann, wenn eine völlige Loslösung von Elternhaus und Familie stattfindet. Das ist das Hauptziel der neu- gegründeten Kollektivschulen.
Auf die Frage eines Kongreßteilnehmers, wie man sich in den Landschulen zu den Kindern nicht- kommunistischer Eltern zu verhalten habe, erklärte Frau Krupskaja-Lenin: „Es kommt bei uns des öfteren vor, daß Kinder nv.r deswegen aus unseren Schulen verwiesen werden, meil z. B. ihr Onkel Priester gewesen sei. Obschon wir im Klas- senkamvk stehen, darf sich dennoch so etwas nicht wiederholen. Gewiß, es gibt ,Kulakenkind->r'. die durchtränkt sind vom .Kulakengeist' ihrer Eltern; sie kommen in unsere Schulen, schmähen die kollektivierte Landjugend, verteidigen oft sogar die Sowjetregierung, agitieren aber insgeheim gegen uns. Diese Kinder müssen wir umerziehen urb nicht bei jeher Gelegenheit in den Vordergrunb stellen, es seien eben .Kulakenkinder' ober Wehe von politisch enterbten Nichtkommunisten. Jeder Fall muß individuell behandelt werden, wobei sorgfältig darauf zu achten ist, daß das betref- fenbe Kinb seine im Elternhaus erworbene Heben zeugung nicht in bie Schule hineinträgt. Dann ist zu prüfen, ob bas betreffende Kind der Sowjetregierung freundlich gegenüber steht, ehrlich von der Idee der Kollektivierung überzeugt ist und die zukünftigen Pflichten ernst nimmt. Wird
MuttergottesUed.
Mutter voller Himmelsgnaden, zeige mir den Weg, den graben. Last dein Lächeln ihn erhellen, wenn Gefahren ihn umstellen.
Laß es wie ein Mondstrahl gleiten, laß es meine Schritte leiten bis zum Ende meiner Tage, wenn den letzten Schritt ich wage.
Margaret Hohmann.
nichts Nachteiliges beobachtet, bann darf diesen .Kulakenkindern' der Weg zur Kollektivschule nicht versperrt bleiben.“
Es wäre irrig, anzunehmen, daß diese Erklärung der Witwe Lenins etwa als Konzession an die „Feinde der Sowjets" gewertet werden muß. Vielmehr sollen die .Kulaken" und post- tisch Enterbten gezwungen werden, ihre Kinder der eigenen politischen und religiösen Weitem» sckauung fernnchalten. damit ihnen nicht das Recht auf Einschulung verloren geht. Die Erklärung der Witwe Lenins kann nur als eine neue Terrormethode berSowjetregierung angesprochen werden. die die nichtkommunistischen Eltern (unter Androhung der Aufrechterhaltung des Schulvex- bots für Kinder nichtproletarischer Herkunft) zwmgt, ih-re Kinder der staatlichen Erzie- hung anziivertrauen, da im entgegengesetzten Falle'ihnen keinerlei Bildungsmöglichkeiten gegeben sind.
geliglprechungsprszetz zwelerFabrikherren
Auf Veranlasiung der Ritenkongregation soll der von der biscköfl. Behörde in Lille geführte Einleitungsprozeß zur Seligsprechung der beiden Fabrikherrn Philibert Stau und Camillus F e - ron in Rom weitergeführt werden. Philibert Vrau wurde am 19. November 1829 in Lille geboren. Er wollte zuerst in den Ordensstand eintreten, wurde aber durch die Verhältnisse genötigt, die väterliche Textilfabrik zu übernehmen. 1866 wurde fein bester Freund, der am 23. Juli 1831 in Toureoing geborene Dr. med. (Tamiflus Feron fein Teilhaber. Durch vereinte rastlose Bemühun- gen gelang es ihnen, das schon ziemlich heruntergekommene Unternehmen wieder in die Höhe zu bringen. In großartiger Weise sorgten sie für bas leibliche und feeMche Wohl ihrer zahlreichen Arbeiter. Cs ist bezeichnend, daß im Laufe von einigen Jahrzehnten nicht weniger als 52 in irgend einen Orden eingetreten sind. Die in der Enzyklika Rerum novarum von Leo XIII. aufgestellten Grundsätze zur Lösung der sozialen Frage wurden von ihnen in mustergültiger Weise durchgeführt. Unermüdlich waren sie auch im Sinne der katholischen Aktion tätig. Besonders stellten sie zur Gründung der katholischen Universität in Lille große Summen zur Ver. fügung. Nach einem arbeitsreichen und heiligmä. ßigen Leben starb Philibert am 19. März 1906 im 76. Lebensjahr, Camillus am 30. März 1908, 78 Jahre alt. ___
heiligste selber — Heiligenbilder mit, der dabei gesungenen Allerheiligen-Litanei entsprechend.
Der Städter— macht er den Umgang auch noch mit — hat natürlich wenig Sinn für diese „Hiekgendracht", ursprünglich über blumen- und grünbestreute Wege, vorbei an aufgepslanzten Birken und Maien durch tannenumwundene Bögen. Ja, wir Asphaltmenschen, Kinder einer an ^Aufzügen" so reichen Zeit, verstehen unter diesen Bittprozessionen bann leicht oft nur eine Art von „Demonstrationszug". Ach lassen wir doch alle Anti-Gefühle, wenn es darum geht, das Brot auch für diejenigen zu erflehen, die irregeführt, Erleichterung von ihrer Rot nur auf der Straße und durch die Straße zu bekommen wähnen.
„Daß du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest!" So beten können wir zu keinem Parteimann, zu keinem Bankier, zu keinem Diplo- maten-Kongreß. Wenn doch, dann könnten wir am Ende mit diesen hohen Herren auch das tun, was. man im „finsteren Mittelalter am 25. Mai beim sogenannten „Urbanreiten" mit dem Urban, einem sagenhaften SBeingott, tat: „Wollte er die Wünsche der Menschen nicht erfüllen und ließ er statt. die Sonne scheinen, regnen, „so wird der Reuter, der sich den Urban nennet, uf den Stbenbt in einen Troa mit Wasser geworfen, denn man meinet, der Wein werde denselben Herbst nit wol geraten . . . Der Urban wird aber von oben miß den Häusern herab mit Wasser begossen, daß er und sein Pferdtle.in triefnaß werden." Nichts anderes machen mir alle, erfüllen sie unsere Hoffnungen nickt, mit unseren modernen Schutzgöttern. den Diplomaten. Und nennen das dann wie?
Gucklöcher nach Rußland.
Im allgemeinen muß man gegen Rußlandbücher, die von Nicht-Russen geschrieben sind, sehr skeptisch sein, denn vielfach kennt der Nichtrusse weder das alte noch das neue Rußland, noch ver
steht er überhaupt etwas vom Bolschewismus und feinen Zielen. Es überrascht fast, wenn man auf ein Buch stößt, bas Rußland erschließt und den Bolschewismus nicht nur aufzeigt, sondern auch sachlich und ohne Voreingenommenheit zu diesem wichtigsten aller Probleme Stellung nimmt. Das trifft z. B. auf Theodor S e i b e r t’s „Das Rote Rußland" zu (Verlag Knorr u. Hirth, München 1931, 300 S-, Mk. 4.50). Seibert, der bie ruffifebe Sprache vollstänbig beherrscht, war seit 1925 russischer Berichterstatter breier großer deutscher Zeitungen und kehrte 1929 auf eigenen Wunsch nach Deutschland zurück. Wer nicht mit engstirnigem europäischem Geist, dazu noch einseitig beeinflußt von Dostojewski und Tolstoi ober gar westlichen Klubsessel-Spartakisten nach Rußland geht, sondern mit einem gesunden Programm, bas Raum läßt für ein großes und fühlendes Herz, das Rußland mit russischen Maßstäben mißt und wer bas ganze bann in eine Form zu kleiden vermag, der sieht, erkennt und erlebt in vier Jahren mehr, als mancher andere in einem Meisichen- alter! Seibert gehört zu den sehr wenigen Ausländern, die den russischen Menschen so schildern, wie er in Wirklichkeit ist: bedingt durch bie Ebene und Gerichte bes Landes, nicht aber durch bas soziale Milieu! Beninnenb mit der Schilderung des alten heiligen Rußlands (denn für die Russen war es heilig), bes russischen Vorkriegsmen- schen, her Intelligenz — die dem Bolschewismus Vorspanndienste leistete — führt uns der Verfasser zum Bolichewikischen Staat und seinem Aut- bau- dann vom Sutturnrogramm der Kremlleute zu her! tatsächlichen Leistungen, von der Züchtung der»Massenmenschen — zur ausübenden (Bemal' des Rätestaates mit feinem Maffenterror und schließt fein Werk mit der fehr geschickten Darstellung der bolschewikischen Wirtickaft und der ..Mission" des Bolschewismus. bie wohl ein Ziel ist, ober fein konkreter Begriff! Daraus schließt der Verfasser, haß das aegenmärtige System sich nicht behaupten kann. Diese Schlußfolgerung ist
richtig, denn wo keine vitalen Kräfte vorhanden sind, "ba gibt es auch keine erreichbaren Ziele. Der Bolschewismus hat es nicht fertig gebracht, feine Zukunft bilblich zu formen, er weiß noch nicht, was er will. Der russische Mensch aber braucht konkrete Begriffe! Besonders hervorzuheben ist, baß Religionsverfolgung unb Terror unvoreingenommen aufgezeigt werben. Zusammengefaßt: selten ist ein Buch, auch vom religiös-ssttlicken Standpunkt, so ehrlich geschrieben wie dieses. Nur einem Punkt des Verfassers kann man nicht bet- stimmen: feiner Ansicht über die wirtschaftliche Ein- stellung Europas zu-den Sowjets.
Gleichzeitig fei auf ein zweites sehr wichtiges Rußlondbuch aufmerksam gemacht: „Welt vor demAbgrund" (Eckart-Verlag, Berlin-Steglitz, 576 S 20 Mk.), das nach amtlichen Quellen von Dr Iwan Iljin, weil. Professor an der Uni- rerfität Moskau, unter Mitarbeit namhafter russischer Gelehrten herausgegeben ist. Das Werk umfaßt Politik, ffiirtfchaft und Kultur im kam- munistiscken Staate, stützt sich auf amtliche bol- sckewistsiche Quellen unb stellt eine wahre En- zyklovädie über ben Bolschewismus dar. Mit unbestechlicher Sachlichkeit und wissenschaftlicher Genauigkeit wird hier Zeugnis abgelebt über das tatsächliche Antlitz des Bolschewismus, seine Taten und Ziele, die einen Weltbrand heraufbefchwö- ren. Was an Material überhaupt zufammenge- tragen werden konnte, ist hier vereint, unb jeher, dem nicht das Schicksal des Abendlandes und seiner Religion gleichgültig ist. wird zu diesem Buche gret« fen müssen, denn es ist ein letzter Appell nicht nur zur Rettung Rußlands sondern der ganzen Welt. Dor allem finden die Fragen der Kultur, Religion. Ethik und Politik eine Herrn, ragende erschöpfende Behandlung, und wer sich vor allem öffentlich mit dem Problem des Bolschewismus ausein"nderruletzen hat. wird dieses Werk als wahre Fundgrube begrüßen.
W. Zwetow-Dolina.
,Die Legende vomArbeikerpapst*
Die ganze katholische Welt und darüber hinaus alle, denen die sozialen Probleme her Zeit zur persönlichen Not geworden sind, gedenken in diesen Tagen her Enzyklika „Rerum novaru m“ unb ihres begnabeten Autors. Man hätte erwarten können, baß auch jene, die sich „ka t h o l i s ch e Sozialisten" nennen, sich in die überparteiliche Front einreihen würden. Diese Leute haben ja immer wieder von ihrer besonderen „Position" in der katholischen Aktion im Hinblick auf die sozialistischen Massen gesprochen, haben so offen über die Verbürgerlichung bes Katholizismus gerebet unb über ihre Sendung, diesen dem Proletarischen zu öffnen. Gerade von ihnen hätte man ein unbedingtes Bekenntnis zur Ideenwelt her „Rerum novarum" erwarten müssen und das umsomehr, als bei deren Erscheinen bie sozialistische Presse selbst in zahlreichen Aussätzen die epochale Led.'u- tung dieses Rundschreibens zu würdigen wußte. Aber wie schon öfter wollen die katholischen Sozialisten sozialistischer sein als ihre nicht katholischen Genossen und man erlebt das merkwürdige Schauspiel, daß die kathosifchen Sozialisten von ihrer
Vittel, auf datz euere Freude vollkommen werde.
Betrachtung zum DittfonntagsEvangelium.
Nun kommt die Bitt wo ch e. Da du ihr mit ihrer vermehrten (Bebetsforberung hoch nicht entgehen kannst, wappnest bu bich vielleicht mit Gleichmut. Du läßt sie über dich ergehen und machst mit wie so viele andere. Vielleicht gehst du auch hinaus aufs Feld. Du stehst auf dem Standpunkt, daß ein fleißiges Bearbeiten der Scholle sicherer zu einem Ernteertrag führt, als eine Wallfahrt mit Singen und Beten.
Du weißt daß bu mit dieser Ansicht nicht allein stehst, unb ich weiß es auch. Der Mensch bes zwanzigsten Jahrhunderts glaubt in vielen Dingen auf. räumen zu müssen. Auch mit hem (Bebetseifer vergangener Jahrhunderte.
| • Ich mürbe mich auch nicht unterfangen, gegen dich einen Vorwurf wegen deiner Lauheit zu erheben. Der Heiland selbst lädt dich zum Nachdenken ein. Er sagt zu seinen Jüngern: „Bittet, datz eure Freude vollkommen werde." Unb das weißt du so gut rote ich, baß diese Heilandsworte „bitte n" einen bitteren Beigeschmack. Es ist -» gleid bebeutenb mit „betteln". Unb weil fie ben ■Bettler verachten, mögen sie auch nicht zu bie er Menschenklasse gehören. Auch Gott gegenüber nickt
Es gibt Menschen, für bie hat bas Wor' einen bitteren Beigeschmack Es ist gleichbedeutend mit „betteln" Unb weil fie ben Bettler verachten. mögen fie auch nicht zu biefer Menschenflassr gehören. Auch Gott gegenüber nicht.
Es ist dir sofort klar, was diesen Menschen fehlt. Sie haben nicht die rechte Demut, keine Selbstbefcheidung. Unb ihr Gebet ist auch leicht zu erkennen. Sie stellen sich unter Beten nur ein Betteln um hie Güter biefer Welt vor. Aber ihr Besitz freut sie viel mehr, wenn baneden her stolze Gedanke steht: Das habe ich selbst geschasst. Schau bir das Heilandswort noch einmal an. Db es nichts anderes sogen wollte? Freilich sagt der Heilanb: „bittet", aber er fügt hinzu, „auf baß eure Freude vollkommen werbe". Merkst bu, daß
Fünfter Sonntag nach Ostern.
Eingangslied. (3f. 48, 20).
Den Ruf her Freube laßt erschallen, baß man ihn höre, alleluja; oerkünbet es bis an ben Ranb her Erde: Der Herr hat sein Volk befreit, alleluja, alleluja. (Ps. 65, 1—2.) Preiset Gott in Jubelliedern, alle Lande-, singt Psalmen seinem Namen. gebt dem Liede festlichen Klang.
Epistel: (Jak. 1, 22—27).
Geliebteste! Seid Befolger bes Wortes und nicht bloßHörer, sonst betrügt ihr euch selbst. Denn wer nur ein Hörer bes Wortes unb fein Befolget: ist, der gleicht einem Manne, der sein natürliches Aussehen im Spiegel betrachtet-, er betrachtet sich, geht weg und vergißt sogleich wie er aussah. Wer aber aufmerksam in bas vollkommene Gesetz der Freiheit hineingeschaut hat, daran sesthält und kein vergeßlicher Hörer, sondern ein Vollbringer bes Werkes ist, her wirb bunti seinTun selig werben. Wenn jemanb meint, er sei fromm, hält aber seine Zunge nicht im Zaume und betrügt sich selbst, so ist eitel seine Frömmig- feit. Eine reine und unbefleckte Frömmigkeit vor Gott bem Vater ist bie: Waisen unb Witwen in ihrer Trübsal besuchen unb sich unbefleckt bewahren von dieser Welt.
bomit das Beten unb Bitten einen ganz anberen Sinn bekommt? Denn was anbers kann uns vollkommen erfreuen, als allein bas Bewußtsein unserer Zugehörigkeit zu Gott.
Also meint auch her Heilanb mit dem Beten nicht nur das Bitten, sondern ben Verkehr mit Gott. Schau, wie oft am Tage kommt ein Kind zu dir gelaufen. Hat es immer eine Bitte? Will cs immer etwas haben, wenn es zu bir kommt? Bei weitem nicht. Wenn es etwas gefunden hat, du mußt es fetzen. Hat es eine Frage, bu mußt fie beantworten. Ist es in Not, bu sollst helfen. Unb hat es eine Bitte, bu sollst fie erfüllen Ja, auch mit feinen Kinderbitten kommt es zu bir, ober es kommt sich dabei nicht als Bettler vor. Es ist ja gewohnt, mit allem zu dir zu kommen.
Denk einmal an deine Jugend zurück. Wann wurde es bir erst schwer, von deinen Eltern etwas anzunehmen oder gar um Hilfe zu bitten? Doch erst da, als bu bich innerlich von ihnen gelöst hattest. Als bu nicht mehr mit all deinen Fragen unb Plänen zu ihnen kamst, ba empfandest bu ihre (Babe als Almosen.
Unb nun lege den Maßstab an dein Gebet. Stammelst bu nur Bittgebete zu (Bott, bamit die Ernte gedeiht, bie Arbeit gelingt, bas Unglück weicht? Und du hast doch das Gefühl, daß du ein Bettler bist. Du magst dich nicht zum Bettler erniedrigen, nur bie größte Not zwingt dich bazu.
Du weißt, woran bein Gebet krankt. Du bist innerlich losgelöst non (Sott. Er ist bir nicht mehr Vater. Und du fühlst dich nicht mehr als Kind. Beten heißt nicht bitten, sondern mit Gott verkehren.
Hast bu bas kinbliche Verhältnis zu Gott verloren, so mußt bu dich wieder an ihn gewöhnen. Nicht nur mit deinen Bitten mußt bu zu ihm gehen, sondern mit deinen Plänen, deinen Arbeiten, bem Erfolg oder Mißerfolg, von allem sollst du zu ihm sprechen. Glaube nicht, ich wollte her Frömmelei das Wort reden. Hinter ihr steht nicht der ganze Mensch. Der Heiland hat uns auch fein süßliches ober knechtisches Gebet gelehrt, da er das „Vaterunser" sprach. Er wollte das freie Stehen vor dem Vater. Machst du dich so frei für ihn, so wird bie vollkommene Freube, bie Freude des Kindes in .dir sein.
Vittwoche.
Von Paul I. von Sone.
. In diesem Jahre fällt — eigentlich ist es ja keine „Woche", wir meinen damit die drei „Bitt- Tage" vor Himmelfahrt — genau auf die Tage der drei „Eisheiligen", um derentwillen wir eben in der Bitt-Prozession um Mut und Schutz beten. „Mamertus (11.), Pankratius (12.), Servatius (13.), bringen oft Kälte unb viel Verdruß. So lautet der alte Spruch.
Mochten unsere Vorväter auch noch nicht so -fug sein wie wir, und den „eigentlichen Grund" für bie mertroiirbigen Kälterückfälle inmitten bes Wonnemonats nicht wissen: baß um biefe Zeit •Reift ein eigenartig verteilter Luftdruck herrscht, nämlich außergewöhnlich hoch im Westen unb nied- •fg im Osten Europas, unb baß bazu noch bie Frühlinasschmelze der Eismassen in ben norbatlan» -ifchcn Meeren bie so gefürchteten Norbwinbe unb bomit bie Temperaturstürze Hervorrufen. Was vützt uns aber bies „Wissen" her Tßetterfunbigen? Wettergewaltig fmb wir damit noch nicht gewor- ven. Um feinet. Deut mehr, als unsere Altvordela Deshalb haben die Bitt-Tage benn auch heute noch Genau so ihren Sinn wie damals um das Iahe 470, als der hl. Mamertus, eben der erste her “fei „Eisheiligen", zu Vienne in <5übfranfreich bte Bittprozefsionen an ben brei Tagen vor Christi Himmelfahrt einführte mit bem Erfolge, baß diesi "<'taniae" (vom griechischen „lite“, d. h. Flehen) vuch bei uns in Deutschland Eingang fanhen und ourd) die Synode von Mainz im Jahre 813 ein Off allemal festgesetzt wurden. Sie waren in ge« “pfier Hinsicht ja nicht gerade etwas Neues. In Weicher Gesinnung hatten schon die naturfrommen plrmanen "uf feierlichen Feldumgängen um I.-Utz von Feld und Flur gebetet. Nun nach . - '"gang des Christentums führte man bann statt er Qften Götzenbilder — wenn nicht das Aller