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" „Radikal-sozialWsch-.

Ohne jeden Kommentar geben mir nachstehen- n Auszug aus einem Artikel der nationalfoziali- schen „Niedersächsischen Tageszeitung^, Hanno­ver Nr. 64 wieder:

Im Volk wächst ein« revolutionäre tmb m Der- .«e'islung zu allem bereite Bewegung, die sich g e g e n »je Stützen des Kapitalismus, gegen den Bürgerblock von der SPD. bis zu dm sogenannten Rechtsparteien wendet. Der Wille, dies System »er unverantwortlichen Teilhaberschaft, der Kompromiß- koalitionen, der „parlamentarischen Arbeit" zu zer­schlagen — der Wille, das Staatsganze allein und I «naeteilt zu erobern, den Staat und die Wirt­schaft radikal-sozialistischzu ge st alten — Kiefer Wille macht den Nationalsozialismus aus."

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Dabei laufen in nicht katholischen Gegenden immer noch zahlreiche Bauern, die wohl in er­ster Linie am Prioat-Besitz interessiert sind, den Nationalsozialisten nach. In Schaumburg-Lippe hat sich das jetzt wieder gezeigt. „Nur die aller­größten Kälber wählen ihre Metzger selber!"

preußischer Landtag.

Der Preußische Landtag beendete am Mittwoch tie Aussprache zur zweiten Lesung des Haushalts des Finanzministeriums. Abgestimmt wird am Donnerstag. Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff setzte sich ausführlich mit der Kritik am Beamten- daushalt auseinander und erklärte dabei, daß das Anwachsen der Pensionslasten auch Sorge bereite. Der Minister beklagte die Angriffe, die gegen das Beamtentum gerichtet würden, und lchnte eine Auffassung ab, die davon ausgehe, daß die Beamtenschaft eine unproduktive Bevölkerungs- schicht darstelle. Er richte gerade an die Wirtschaft die dringende Bitte, der Beamtenhetze entgegenzu­treten, da ein gesunder Staat ein gutes Beamten­tum auch im Interesse der Wirtschaft nötig habe. Das Gesetz über die Kürzung der Abgeordneten­diäten aus monatlich 600 Rm. wurde debattelos euch in dritter Lesung angenommen, ebenso die Aenderung des preußischen Wohnnungsgesetzes, die die Enteignung im Interesse gesunder Wohnviertel regelt. Schließlich begann das Haus noch die 2. Lesung des neuen Polizeiverwaltungsgesetzes, wo­nach u. a. anstelle der bisherigen Geldstrafen ein polizeiliches Zwangsgeld eingeführt wird, das nicht mehr als Vorstrafe gilt und wonach nur noch Ge­meinden mit mehr als 5000 Einwohnern Polizei­verordnungen erlassen dürfen. Gegen 18 Uhr ver­tagte das Haus die Weiterberatung auf Donners­tag. __

* Die rumänischen wünsche aus Wieder- nahme der handelsveriragsverhandlungen. Zu den Bukarester Meldungen über die Unterbrechung der deutsch-rumänischen Handelsvertpagsverhand- lungen, in denen zum Ausdruck kommt, wie u n- an genehm Rumänien die Unterbrechung ist, erfahren wir von unterrichteter Seite, daß von einem Wunsche der rumänischen Regierung, die Verhandlungen jetzt in Berlin wieder äufzu- nehmen, an Berliner amtlicher Stelle bisher nichts bekannt ist. Nachdem Rumänien die Wiederauf­nahme der Verhandlungen in Bukarest solange verschoben hat, ist Deutschland außerstande, vor der Genfer Ratstagung die Verhandlungen wie­der aufzunehmen, da die Mehrheit der für dieix Verhandlungen in Frage kommenden Sachbear­beiter auch an den Genfer Beratungen teilnehmen muß und zur Zeit mit Vorbesprechungen für die Ratstagung beschäftigt ist.

Theater und Musik.

J = Großer Erfolg Furtwänglers in Paris. Dienstag «end fand das erste der beiden Konzerte des Philhar- mnifchen Orchesters von Berlin in der Großen Oper Paris statt,-die bis auf den letzten Platz besetzt war.

As Furtwängler am Dirigentenpult erschien, wurde er mit Begeisterung begrüßt und konnte im Laufe des Abends durch feine Darbietungen feine internationalen Dhörer zu Beifallsstürmen hinreißen, wie sie wohl noch ' wn zu verzeichnen waren. Zuerst spielte das Orchester

3. Brandenburgische Konzert von Bach und hierauf Strawinskis „Der Feuervogel" und zwar in einer tech- »>>ch so vollendeten und poetisch abgestimmten Wieder- 9™e, wie sie kaum von irgend einem anderen Tonkörper überboten werden kann. Den Schluß des Programms bildete die „Eroica" von Beethoven. Als die letzten Töne Ce* Finale verklungen waren, erhob sich das Publikum und brachte den Berliner Künstlern eine Ovation dar.

Handel und Wirtschaft.

Berliner Donnerstags-Börse.

Slimmungsmäßig eher etwas schwächer, kursmäßig behauptet.

wtb. Berlin, 7. Mai. (Eig. Meld.) Die Börse er­öffnete in enttäuschender Haltung, obwohl die Kurse größtenteils über dem Vortagsschluß lagen. Gegenüber den vormitags und an der Vorbörse genannten Taxen waren jedoch durchweg Abschwächungen festzustellen. Während man vor der Eröffnung die Hoffnungen auf eine Newyorker Diskontsenkung, die durch die Ermäßi­gungen in Boston und Philadelphia verstärkt worden waren, in den Vordergrund stellte und auch die Nach­richt von der Ankunft des Präsidenten der B. I. Z., Mc. Garrah, stärker beachtete, neigte die Börse später dazu, sich mehr von den weniger günstigen Nachrichten beein­flussen zu lassen. Die Betrachtungen über die Zukunft des Geldmarktes im Wochenbericht des Instituts für Kon­junkturforschung, in denen für die nächsten Monate eine starke Verknappung vorausgesagt wird, da vom Reich und von der Reichsbahn ca. % Milliarde Kredite benötigt werden dürften, lösten Verstimmung aus. Auch die Mit­teilung eines Mittagsblattes, nach der schon jetzt 50 Mil­lionen Reichsschätze per 15. November und 15. März mit 6 Prozent Verzinsung aufgelegt werden sollen, da die Steuereingänge recht schleppend seien, mahnte zur Zurückhaltung. Ferner verwies man auf den weiter rückgängigen Ruhrkohlen-Absatz, das damit zusammen­hängende Anwachsen der Halden und die schlechte Be­schäftigung der Eisen- und Stahlwarenindustrie im April. Die Kundschaft hatte in Erwartung einer festeren Börse kleine Verkaufsorders aufgegeben, denen die Spekulation nur wenig Aufnahmeneigung entgegenbrachte. Im all- gemeinen waren die Kurse nur wenig verän­dert, die Schwankungen betrugen bis zu 2 Proz. nach beiden Seiten. Stärker gebessert wa­ren Rheinisch-Braunkohlen, Dessauer Gas, Eonti-Gummi, Ilse und Thüringer Gas, die bis 4 Proz. gewannen und Berger, die um 5 Proz. anzogen. Orenstein und Koppel gingen auf Dividendenausfallbefürchtungen nach anfäng­licher --Notiz um 4 Proz. zurück. Im Verlaufe

bröckelten die Kurse bei minimalem Geschäft um 1—2 Proz. ab. Nur Holzmann konnten 1 Proz. anziehen, während Karstadt die 50 Proz.-Grenze wieder unterschrit­ten. Am Farbenmarkt verstimmte der Rückgang der I. G. Chemie Basel in der Schweiz um 10 Schweizer Fran­ken. Anleihen gut behauptet, Ausländer ruhig, aber ge-

Stand: (1. 5. 31, 1. 4. 31, 1. 5. 30), Winterweizen 2.9, 3.0, 2.3; Winterroggen 3.0, 3.0, 2.4; Wintergerste 2.9, 2.9, 2.5; Raps imd Rübsen 3.0, 3.1, 2.7, Klee: 3.2, 3.2, 2.7,; Wiesen 3.3, 3.3, 2.7; Viehweiden 3.2, 3.3, 2.6. Die Auswinterungsschäden sind größer als im Vor­jahre. Die Bestellungsarbeiten kamen nur schlecht vor­wärts. Die Sommersaaten laufen infolge der Kälte schlecht auf.

— Herabsetzung des Rediskonts in Amerika. Die Federal Reserve Bank of Boston hat ihre Rediskontrate von 2% auf 2 Prozent herabgesetzt,ff Die Federal Reserve Bank of Philadelphia hat ihre Rediskontrate ebenfalls um V» Prozent herabgesetzt, und zwar von 3% auf 3 Prozent. _______________

Fuldaer Viehmarkt.

— Fulda, 7. Mai. Auf dem heute hier abgehaltenen Viehmarkt waren 385 Stück Vieh aufgetrieben. Der Gattung nach waren es: 8 Bullen, 14 Ochsen, 79 Stiere, 120 Kühe, 98 Rinder, 62 Kälber und 4 Pferde. Es kostete das Stück Bullen 200—275 RM., Ochsen 375 bis 475 RM., Fahrstiere 300—400 RM., Iungstiere 100 bis 175 RM., frischmelkende Kühe 300—400 RM., ältere trächtige Kühe 200—250 RM., hochträchtige Rinder 250 bis 300 RM., Iungrinder 120—180 RM., Kälber je Pfd. Lebendgewicht 48—52 Pf. Der Handel war schleppend, es verblieb ziemlich Ueberstand. Gesucht wurden frisch­melkende Kühe und hochträchtige Rinder. Gutes Vieh erster Klasse wurde über Notiz bezahlt. Der nächste Markt findet am 28. Mai d. I. statt.

Frankfurter Viehmarkt.

ND. Frankfurt, 7. Mai. (Eig. Drahtb.) Es wurden bezahlt für 1 Zentner Lebendgewicht: Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 62—65, mittl. Mast- und Saug­kälber 57—61, geringe Kälber 50—56. Auftrieb: Kälber 788, Schafe 77, Schweine 454. Marktverlauf: Kälber und Schafe mittelmäßig, geräumt. Schweine bei ruhi­gem, zum Schluß abflauenden Geschäft ausverkauft.

§§ Scharfer Preisabschlag für Ferkel und Läufer- schweine. Auf dem in Kassel abgehaltenen Zuchtschweine­markt erfuhren die Preise für Ferkel und Läuferfchweine gegen den vorhergehenden Zuchtschweinemarkt vom 15.

April Abschläge von durchweg 5—S RM. für da» Stück. Es waren 1688 (am 15. April 1175) Ferkel und 340 (160) Läuferfchweine aufgetrieben. Bezahlt wurden für F e r k e l von 3—6 Wochen 7—13 RM. (am 15. April 12—18), von 6—8 Wochen 13—18 (18—24) RM. und von 8—13 Wochen 18-26 (24—34) RM., für Läufer« fd) meine von 3—4 Monate 26—32 (34—40) RM., von 4—5 Monate 32—38 (40—46) RM. und für Läu­ferfchweine von 5 Monaten und darüber alt 38 (46) RM. und mehr, alles für das Stück. Die große Unsicherheit des Marktes gegen Schluß wurde vom Viehhandel damit erklärt, daß die Geschäftslage für Schlachtschwei ne für die nächste Zeit noch nicht zu übersehen fei und hier noch ein weiteres Abgleiten der Preise befürchtet würde. Der Markt schloß stark ermattet und es verblieb großer Ueberstand. Nächster Kasseler Zuchtschweinemarkt am 20. Mai.

Versich erungswes en.

„Leo" Dolksversicherungsbank a. G. — Köln. Nach dem vorliegenden endgültigen Abschluß hat die Leobank in ihrem 35. Geschäftsjahr die allgemeine Wirtschafts­krise verhältnismäßig gut überstanden und zeigt das Bild einer, zwar durch die derzeitigen traurigen Wirt» schaftsverhällnisse ungünstig beeinflußten, aber dennoch erfreulichen, durchaus gesunden Weiterentwicklung. Die Einnahme an Beiträgen stieg von Rm. 3 159 639 tm Jahre 1929 auf Rm. 4 432 930 im Jahre 1930, die Ka- pitalerträge von Rm. 104 222 aus Rm. 206 899, die Jah- resgefamteinnahme von Rm. 3 357.420.— aus Rm. 4811.250.—, sodaß eine Mehr e in nah me von R m. 1 453830.— erzielt ist. Die Ausgaben weifen nach: für 3189 Sterbefälle Rm. 842 993 (1929: 731471), Gewinnanteile Rm. 6175 (1929 Rm. 3682), Abschreibun­gen Rm. 61 139 (1929: Rm. 73 526). Rückversicherungn Prämien Rm. 32.137 (1929: Rm. 18 804), Abschluß-, In- kasso- und Verwaltungskosten Rm. 1 610 779 (1929: Rm. 1 457192). Der erzielte Reingewinn beziffert sich auf Rm. 465 978 (1929: Rm. 304 782), welcher in der Weise verteilt werden soll, daß die Sicherheits­reserve Rm. 167 702, der Extrareserve Rm. 65 342 und der Rest von Rm. 232 934 dem Gewinnfonds der Mit­glieder überwiesen werden Der diesjährigen orbeni* lichen Generalversammlung, welche am Sonntag, den 7. Juni d. Js., in Köln stattsindet, wird u. a. vorge» schlagen, den Gewinnanteil der versicherten Mitglieder auf je 15 Proz. des Jahresbei­trages für den Gewinnverband A u. B. und auf 5 Proz. für den Gewinnverband C fest- z u s e tz e n. An Reinzugang verzeichnet der Jahresbe­richt 43774 Versicherungen über Rm. 18 581 578 und da­mit einen Gesamtbestand von 256538 Versicherungen über Rm. 100 043157. — Seit 1924 wurden für ins­gesamt 9571 Sterbefälle Rm. 2246 602 vergütet.

halten. Pfandbriefe bei kleinem Geschäft uneinheitlich. Reichsschuldbuchforderungen bis y4 Proz. anziehend. De­visen kaum verändert. Amsterdam eher schwächer, Schweiz etwas fester. Am Geldmarkt erleichterte sich Tagesgeld auf 4—6 Proz., während die übrigen Sätze unverändert blieben.

Konkurse und Versteigerungen.

— Konkurs Färberei und Bleicherei Fulda G. m. b. H. In dem Konkursverfahren der Firma Färberei und Blei­cherei Fulda G. m. b. H. in Fulda fand am Mittwoch im Amtsgericht Fulda der Schlußtermin statt. Ein­wendungen gegen das Schlußverzeichnis erfolgten nicht. Die bevorrechtigten Forderungen sind inzwischen voll be- riedigt worden. Auf die nicht bevorrechtigten Forderun­gen von 20 000 Mk. kommen 200 Mk. zur Verteilung. Nach beendeter Verteilung wirb das Verfahren aufge­hoben.

— Vergleichsverfahren der Firma Rudolf fieerl In Hilders (Rhön). Zur Abwendung des Konkurses war über das Vermögen der Firma Rudolf Keerl (Inhaber Ludwig Keerl) in Hilders (Rhön) das Vergleichsverfah­ren eröffnet. Der Gemeinschuldner hatte einen Vergleichs- Vorschlag von 60 Prozent, zahlbar in 5 Raten innerhalb eines Jahres, eingereicht. In dem am Mittwoch im Amtsgericht Hilders stattgefundenen Vergleichstermin timmten von den am Verfahren beteiligten 180 Gläu­bigern 115 mit 80 Prozent der Gefamtforderungen dem Vergleich zu. Hiermit sind die gesetzlichen Bedingungen erfüllt. Die Entscheidung über den Vergleich wird am Samstag vom Gericht verkündet.

— Velriebsaufnahme bei den Kölner Ford-Fabriken. Das neue deutsche Werk der Deutschen Ford Motor Co. in Köln.hat den Betrieb vorläufig ausgenommen. Der Betrieb in Köln wird von den nächsten Wochen ab in vollem Umfange laufen.

Der Saatenstand in Preußen.

Nach dem amtlichen Bericht war das Wetter im April in Men Gebieten des Freistaates Preußen durch­weg kalt und naß. Am Verlauf der ersten beiden Mo­natsdrittel traten nicht unerhebliche Nachtfröste auf. Das Wintergetreide konnte sich nur schlecht entwickeln. Wenn die Begutachtungsziffern 2 gleich gut, 3 gleich mittel, 4 gleich gering bedeuten, so ergibt sich folgender

Aus der Thüringischen Rhön«

Aus Geisa und Umgebung.

kommt Reichskanzler Brüning nach Eisenach?

— Eisenach. Reichskanzler Dr. Brüning, der wie zahlreiche andere namhaften Persönlich­keiten Deutschlands eine Einladung zur Elisabeth- feier in Eisenach erhalten hat, hat sein Erscheinen zu­gesagt, wenn nicht besondere politische Ereignisse ihn abhalten sollten. Es steht noch nicht fest, ob er schon zur Feier auf der Wartburg am nächsten Sonntag eintrifft, dagegen wird seine Anwesen­heit zum Katholikentag umso sicherer er­wartet.

Ruhiger verlauf der Thüringer Ekalberakungen.

Die Beratung des Etats !des In­nenministeriums am Dienstag ging, wie bereits gestern vermutet, nicht ohne Kritik am F r i ck s y st e m ab. Man kritisierte auf der Lin­ken besonders die Entziehung der Polizeigewalt des Altenburger Bürgermeisters und die Tätigkeit des nach Altenburg entsandten Polizeihauptmanns Witte und verlor sich in lange Auseinander­setzungen. In der Nachmittagssitzung wurde der Haushalt des Innenministeriums, allerdings ohne Abstimmungen, zu Ende besprochen.

Beim Ressort des Finanzministers Baum debattierte man lebhaft um die von der Regierung vorgeschlagene Ermäßigung der Pacht­gelder für Jagden um etwa 12 Prozent. Von Seiten der Nationalsozialisten macht« man Ein­wendungen, die aber bei der Uebereinstimmung der übrigen Parteien wirkungslos waren. Im weiteren Verlauf nahmen die Sozialdemokraten Stellung gegen die Sondersteuer für Warenhäu­er und Konsumvereine. Diesbezügliche Anträge wurden jeldoch auf die dringenden Bitten des Finanzministers nicht mehr gestellt, da der Etat doch nicht mehr verändert werden könne. Im

übrigen wurde der Finanzhaushalt schnell zu Ende beraten.

Der Haushalt des Justizministeriums gab An!aß zu Vorwürfen gegen die mutmaßliche Beeinflussung der Richter von Minister Frick und dessen Mangel an Unabhängigkeit in der Der« Wendung von Assessoren in Richterstellungen. Mi-! Nister K ä st n e r wandte sich gegen diese Besorg­nisse u. sprach den Richtern, die sich in schwerster und politisch verworrener Zeit in besonders schwerer! Lage befinden, für die trotzdem unverdrossene Ver­waltung ihrer Aemter Dank und Anerkennung aus. __________

kleine Nachrichten.

In Dadra bei Bad Frankenhaufen er­schoß sich eine 31jährige Witwe. Sie glaubte den Tod ihres Mannes, der Kriegsteilnehmer war und im Januar starb, nicht überwinden zu fön* nen. Sie hinterläßt 2 Kinder.

Ein Patient der Geraer Ortskrankenkasse, der im Heim in Cab arz zur Erholung weilte, wurde am Fuße des Aschenbergsteins tot aufgefunden. Man vermutet, daß er feine Brille verlor, danach greifen wollte und dabei die fast 100 Meter hohe, steile Felswand hinabstürzte.

Im Verlaufe eines Streites, in den ein Land« wirt aus Heringen mit seinem Knechte gera­ten war, ichlug letzterer seinen Brotherrn mit der Mistgabel mit solcher Wucht auf den Kopf, daß er auf der Stelle tot zusammenbrach. Der Täte« konnte auf der Flucht verhaftet werden.

Ein Schüler aus Barchfeld fiel auf dem Heimweg von der Schule in die Tem und er* trank in einem Strudel.

Ein Motorradfahrer fuhr in Stockhausen gegen eine Brücke und zog sich schwere Verletzun­gen zu, so daß er ins Landeskrankenhaus gebracht werden mußte. i

I Strandgut

deutscher Küstenroman von Alfred Manns.

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Beta Onken hatte sich zu einem echten, vollschlanken vnesenrnädchen entwickelt, mit aschblondem Haar und 'Cel geschnittenen Zügen, aus denen Zuverlässigkeit und Selbstbeherrschung sprach. Ihre Artzgen hatten einen sin- 'iben, träumerischen, ernsten Ausdruck. Ganz anders, »arum aber nicht geringer, war der Eindruck, den Do- auf Gerhard machte.

Beim Anblick des dunkelblonden, fast klassisch schönen »dchens mit den Leben sprühenden, vertrauenden 9en durchzuckte es den jungen Mann eigenartig warm. |L ,ücs das empfang und bemerkte Gerhard innerhalb n,9er Sekunden, bis Uwe Folkert feinen Namen sagte. nj. "®etc Onken, dies ist dein Schwestersohn, Gerhard ‘ ■ der hier Einsamkeit und Wattenwürmer sucht,

bc- "en es in Konstantinopel oder so eingefallen ist, n ® ^er draußen eine Tante und ein paar Kusinen woh- in !' ""d der dir wohl erzählen wird, warum feine Leute ^^«^übmarfd) die vielen Jahre nicht nach dir gefragt

®er ’un0e Gelehrte reichte Eeke die Hand. „Die Ent- den r^n8 la9 an der friesischen Dickköpfigkeit auf bei- t>ethäe,ten' Tante, du weißt, daß Großvater mit dem . immten Napoleonsspielen — na, laß nur. Vater ba, Leiter Sohn, und als ihm ausbezahlt wurde, langte Wäre C für eine kleine Stelle. Aber meine Eltern Stu-» tr r trotzdem beigesprungen, damals, nach der «in yn x dach du brauchtest sie nicht und du kamst wie leu*7Uk • in die Höhe, während Vater durch eine Vieh- Wen Iina^e ins Elend geriet. Aber bei dir anzu- ■ fier' h- U roar er nun nieder zu stolz. Als uns das if* u an den Hals ging, machten wir die große und nun bitt ich hier und frage: Sollen nicht er°„v^"w"dtschaftliche Beziehungen herrschen zwischen $ , beiden Familien?"

brüdte die bargebotene Hand bes Neffen. „So L 'bin, Gerharb, und du bist uns willkommen, so

lange es dir hier gefällt. Da stehen deine Kusinen, ich denke, ihr werdet euch vertragen."

Gerhard trat auf die Mädchen zu. In Betas Augen leuchtete es auf, als ihr der Vetter die Hand reichte, aber die Mienen blieben unbewegt. Donates Gesicht überzog eine heiße Röte. Als Gerhard ihre Hand faßte, mußte sie zu Boden sehen.

Mutter Eeke hatte die drei jungen Menschenkinder scharf beobachtet, sie ahnte und fühlte, daß wieder einmal das Schicksal beim Onkenhofe anklopfte, aber sie wußte auch, jedes gesprochene Wort würde das, was kam, nur sicherer, plötzlicher, unabwendbarer machen.

„Mädchen, zeigt dem Vetter den Onkenhof," sagte sie. Gerhard nickte freubig, aus feinen Zügen war alle Welt- mübigteit verschwunden, bie auch von feiner unver­brauchten Kraft Lügen gestraft wurde. In Betas Augen leuchtete es freudig auf, während Sonate vor Vergnügen einen kleinen Sprung machte. „O ja, fein!"

„Ohm Uwe, hast du mir heute etwas Gutes ober Schlimmes ins Haus gebracht? Etwas Gleichgültiges ist es nicht."

„Ja, meine Deem, ich war auch erschrocken, als ich hörte, daß der Fant hierher wollte, habe ihm auch erst mein Haus angeboten, aber er wollte nicht. Na ja, tanns ihm nicht Übelnehmen, daß er zwei junge Kusinen einem achtzigjährigen Deichvogt vorzieht. Da hab ich mir denn den jungen Mann ganz dicht vor meine Augen genommen, und weil ich ba nichts Schlechtes zu sehen kriegte, bachte ich schließlich, baß einmal doch ein Mann in das Leben der Deerns eintreten wird. Ich konnte mir schließlich nicht vorstellen, daß es meine Pflicht fei, just diesen wegzuscheuchen, der mir ein ganz ehrlicher Kerl zu fein scheint."

Eeke legte die ineinander verschlungenen Hände auf den Tisch und starrte eine Weile vor sich hin. „Er sieht nicht unrecht aus, der Gerhard, und unferm Herrgott müs­sen wir auch was überlassen, — doch eine Mutter sorgt sich, das ist nun einmal nicht anders. Aber, Ohm Uwe, es liegt noch etwas auf mir, heute schwerer als sonst — es ist das Strandgut von damals."

Wütend ballte Folkert die Faust. „Ich meine, du hast jetzt an etwas anderes zu denken, als an diese alte

Sache. Die entnommene Summe hast du ja mit allen . Zinsen wieder aufgefüllt und alles vom Eigentum ge­nommen für die Erziehung der Dona."

„5a, ich habe mir immer gedacht, daß Dona, wenn sie einmal heiratet, das Strandgut unversehrt mitbe- kommt, während Betas Mitgift aus der Scholle kom­men muß. So war das und fo ist das auch heute."

Der Greis schüttelle den Kopf. „Wozu machst du dir denn noch Gedanken? Ich glaube, auf die Art kommt das bald dahin, daß Betas Heiratsgut nicht kleiner ist als Donates."

Eeke machte ein ernstes Gesicht. „Wenn ich jetzt alles verkaufen könnte, was mir gehört, möchte das wohl stim­men — nur eine Sturmflut wie damals darf nicht über den Deich springen. Dann sieht es schlimm aus.“

„Eeke, wer wird denn gleich an das Schlimmste den­ken?"

„Ich denke gar nicht daran, Ohm Uwe, nur hier und da einmal. Man muß sich doch alles vorstellen, was kommen kann. Aber das Schlimmste für den Onkenhof wäre auch eine Springflut noch nicht."

„Sondern?"

„Das wäre ein Deichbruch."

Folkert schüttelte lächelnd den Kopf.

„Heutzutage gibts so leicht keinen Deichbruch mehr. Während meiner Amtszeit habe ich einmal einen er­lebt, doch das ist lange her, er ereignete sich, als die Deiche noch nicht so fest waren. Das gab Lehrgeld, und seitdem ist der Deich heil geblieben."

„Weil du Deichvogt warst, Ohm Uwe. Du bist es jetzt nicht mehr, und zu deinem Nachfolger habe ich kein rechtes Vertrauen."

„ßm, weiß nicht, es steht mir nicht an, über meinen Nachfolger zu urteilen. Aber wenn er auch nicht die Er­fahrung hat tiüe ich, mußt du doch nicht an Deichbruch —"

„Du verstehst nicht, was ich sagen wollte, kannst das auch nicht. Alles das sind Dinge, die einem gesunden Menschen nicht ans Herz gehn. Kommt die Sturmflut über die Wegrinne hinaus und versalzt mir die Beete, nun, dann graben wir und düngen neu und buchen ein paar Arbeitsjahre ab. Kommt ein Deichbruch, so werden

wir vielleicht ganz arm, doch das darf einen Menschen nicht entmutigen, fo lange Gott ihm die Kraft zum Ar­beiten und Aufbauen gibt |

Aber da ist das Strandgut. Ich mußte es damals nehmen, das war wohl richtig, jedoch muh ich mich immer noch fragen, ob es recht roar."

„Eeke, fo liefere es doch morgen ab, das verfluchte Geld. Es ist wahrhaftig nicht wert, daß du dir jetzt noch eine Stunde damit verbitterst."

„Das Geld, nein, das kümmert mich nicht, das gehör. Donate." •

Folkert sah die Frau verständnislos an.

„Es handelt sich um Dona selbst, und ich wollte, ich könnte sagen, sie ist mit allen Rechten mein, bis jemand kommt, der noch ein größeres, wenn auch kein erwor­benes Anrecht auf Dona hat und dem ich sie mit gutem Gewissen zu treuen Händen übergeben kann. Meinst du, daß das recht ist?"

„Aber, meine Deem was bringt dich auf solche Ge­danken, fein Mensch will dir dein Kind nehmen."

„Vielleicht nicht," entgegnete die noch immer jugend­liche Frau, indem sie den Kopf in die Hände stützte, „aber ich weiß nicht, ob ich das Recht habe, zu schweigen." Mit diesen Worten trat sie an einen Schrank und zog ein Stück Segeltuch hervor.

„Ohm Uwe, in dieses Segeltuch war Donate ge­wickelt und auf dem Floß befestigt. Es hatte keine Merkmale damals. Vor einiger Zeit besah ich es noch­mals, nun roar die gelbe Farbe gebleicht, und jetzt find nicht sehr deutlich, einige Buchstaben zu erkennen, der erste ist bestimmt ein H und der letzte ein a. Wäre es nun nicht meine Pflicht, wenigstens in Amerika nach» forschen zu lassen, ob vor 18 Jahren eine Jacht, auf die der Name paßt, als verschollen gemeldet wurde, lieber» lege dir, was du mir jetzt antwortest, und frage vorher gründlich dein Gewissen, denke diesmal nicht an das alte friesische Strandrecht."

Der greife Deichvogt war bestürzt und er fand nicht gleich Worte. Eine geraume Weile blickte er sinnend vor sich hin. Endlich straffte sich fein Körper.

(Fortsetzung folgt)