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Donnerstag, 1. Mal 1931

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Abt. 5.

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Der freiwMge Heimat-Dienst.

CNB. Berlin, 6. Mai. (Eig. Meldg.). Wie wir erfahren, war die gestrige Konferenz der ver­schiedenen Verbände bei Reichsminister Trevira­nus, in der das Problem des freiwilligen Heimat­dienstes behandelt wurde, bereits vor einer Reihe von Wochen angesetzt worden. Sie geht auf den Gedanken eines Heimatdienstes diese Bezeich­nung wird auch für die Zukunft angewandt wer­den für den Osten zurück. Reichsminister Treviranus wurde bereits seiner Zeit, als das Kabinett sich mit der Osthilfe beschäftigte, ermäch­tigt, ihn weiter zu verfolgen. Dabei hat sich sehr bald gezeigt, daß es praktischer ist, den Ge­danken räumlich auf d as ganze R e i ch zu er­weitern und direkte Verhandlungen mit den zen­tralen Stellen der Verbände aufzunehmen. Das ist nun geschehen. Mit dieser Erweiterung rückt das Problem aber in die Zuständigkeit des R e i chs- , Lk b e i t s m i n i st e r s hinein und die Verhand­lungen werden deshalb unter seinem Vorsitz vor­aussichtlich in etwa 14 Tagen weiter gehen, nach­dem der Eindruck und die Erfahrungen der ge­strigen Konferenz von' den zuständigen Stellen verarbeitet sein werden. Der Kern des Problems liegt darin, daß arbeitslose Mitglieder der betref­fenden Verbände, in örtliche Gemein­schaften zusammengefaßt, bei freiwilliger Mel­dung zu Arbeiten angesetzt werden sollen, die bei normaler Bezahlung unterbleiben müßten, weil das notwendige Geld nicht vorhanden ist. Man denkt z. B. an die Aufbesserung und Ver­besserung des Straßennetzes, aber nicht an großartige Neuanlagen, die Riesensummen ver­schlingen würden, sondern will sich von vornherein im Rahmen des Möglichen halten. In der gestri­gen Besprechung haben sich auch die Schwierig­keiten des Problems gezeigt, die zum Teil in der Idee selbst, zum Teil darin liegen, daß bei der großen Zahl der beteiligten Verbände natür­lich verschiedene Ansichten auftreten. Man glaubt aber trotzdem, daß hier ein Weg gefunden wird, auf dem man eine ganze Menge Arbeits­loser wieder an die Arbeit führen fann., Da die beteiligten Verbände vorwiegend' aus jungen Menschen bestehen, ergibt sich von selbst, daß auch die moralische Bedeutung dieser Bemü­hungen nicht zu unterschätzen ist.

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in seinen Forderungen gemäßigt bleibt, so daß sie für beide Teile erträglich sind.

Hoffentlich werden diese Ausführungen eines Berufenen nicht nur in Deutschland gelesen und beachtet, sondern auch in Frankreich gewürdigt. Es steht hinter ihnen sowohl der deutsche Patriot wie der gute Europäer.

* Der Preußische Landtag schloßam Diens­tag nach einer Etatsrede des Ministerpräsidenten die z w e i t e Lesung des Haushalts des Staats­ministeriums bis auf später erfolgenden Abstim­mungen. Die zweite Lesung des Haushalts des Finanzministeriums, des sogenannten Beamten­etats, wurde begonnen und eine Reihe von Ab­stimmungen durchgeführt.

* Unterzeichnung des Kirchenvertrages am 11. Mai. Die Unterzeichnung des Evangelischen Kirchenvertrages durch die Vertreter des Staates und der 8" Evangelischen Landeskirchen Preußens findet am Montag, den 11. Mai, vorm. 11 Uhr, im Sitzungssaal des Staats­ministeriums statt.

Das Ergebnis in Bukarest.

Abschluß der Konferenz der Kleinen Entente.

Die Konferenz der Kleinen Entente in Bukarest hat ihre Arbeiten abgeschlossen. In dem über die Tagung ausgegebenen offiziellen Communique heißt es:

In ihrer Sitzung vom 4. Mai haben die Ver­treter der drei Länder in Anwesenheit des rumä­nischen Finanzministers und des Handelsministers den Plan einer deutsch-österreichischen Zollunion erörtert und vom juristischen, poli­tischen und wirtschaftlichen Standpunkt geprüft. Sie haben auch die ihnen von der französischen Regierung übermittelten Vorschläge sowie das Wirtschaftsproblem in seinem ganzen Umfang einer eingehenden Beratung unterzogen. Der Meinungs­austausch, der entsprechend der Tradition der Kon­ferenzen der Kleinen Entente denkbar herzlich war und auf der Tatsache der Gemeinsamkeit der Inter­essen der drei Länder beruhte, führte zu ein­mütigen Beschlüssen. Die drei Regierungen haben die völlige Uebereinstimmung ihrer Auffas­sungen über alle geprüften Fragen festgestellt und haben beschlossen, hierbei eine gemeinsame Haltung bei den bevorstehenden Verhandlungen vor dem Völkerbundsrat, im Europaausschutz und bei etwaigen sonstigen Verhandlungen zwischen den interessierten Staaten einzunehmen. Sie haben sich hinsichtlich der Agrarkrisis für die sofortige Durch­führung des Präferenzsystems zugunsten der land­wirtschaftlichen Erzeugnisse und für die baldige Prüfung weiterer Vorschläge ausgesprochen. Die drei Minister haben ihre gemeinsame Haltung in den die Abrüstungskonferenz und ihre Vorbereitung betreffenden Fragen festgelegt sowie in der Frage der Angleichung der Dölkerbündssatzung an den Kellogg-Pakt, des Vertragsentwurfes über die Ver­stärkung der kriegverhütenden Mittel und des Pa­riser Abkommens über die Ostreparationen.

Deutsch - rumänische Verhandlungen.

wtb. Wien, 5. Mai. (Eig. Meld.) Nach Auf- fassung Bukarester maßgebender Stellen ist noch keine endgültige Entscheidung darüber getroffen worden, ob die deutsch-rumänischen Han- delsvertragsverhandlungen als unterbrochen anzusehen sind. Man war noch gestern so sehr von der Aufnahme der Verhandlungen überzeugt, daß der rumänische Handelsminister dem Vertreter der Amtlichen Nachrichtenstelle erklärte, daß die Be­sprechungen mit Bestimmtheit am 7. Mai in Buka­rest beginnen werden. Der Beschluß der deutschen Reichsregierung, die Delegation, die nach Bukarest abgehen sollte, zurückzuhalten, sei dadurch hervorgerufen worden, daß die rumänische Regier rung in letzter Stunde den Wunsch ausgedrückt hat, daß die deutschen Delegierten nicht während der Konferenz der Kleinen Entente in Bukarest erntreffen sollten. Während des ganzen heutigen Tages wurden noch Versuche gemacht, die Wieder­aufnahme der Verhandlungen in Bukarest zu er­möglichen. Falls keine Einigung erzielt werden kann, würden die Besprechungen in nächster Woche in Berlin ausgenommen werden.

daß man nur zum Schein gegen die Auswüchse der Gottlosenpropaganda rede, in Wirklichkeit aber die gesamte Freidenkerbewegung treffen wolle. Wir empfehlen diesem Professor, sich mit E. G. Polis in Berbindung zu setzen, der erklärt, er könne Vorgänge, wie er sie im Freien Wort schil­dert, um Dutzende von Beispielen aus eigener An- schauung vermehren.

Ein wichtiger Zeuge.

Cs ist die Taktik der Kommunisten, die Not­verordnung des Reichspräsidenten bei ihren An­hängern dadurch zu diskreditieren, daß sie behaup­ten, sie wolle sich, in Wirklichkeit gar nicht gegen die Propaganda der Gottlosen wenden. Dies solle vielmehr nur einen Vorwand bieten, um die poli­tische Betätigung des Proletariats treffen zu kön­nen. Die Bestrebungen der Freidenkerverbände feien rein geistiger Natur, und wenn sie durch die Notverordnung bekämpft würden, so bedeute das einen Verfassungsbruch, denn irgendwelche Ausschreitungen der Art, wie der Reichsinnenmini, ster sie verschiedentlich geschildert hat, seien nie­mals vorgekommen.

Jedes Kind in Deutschland weiß, daß diese Be­hauptungen der kommunistischen Presse unwahr sind. Cs ist aber gut, daß sich dafür jetzt auch ein Sozialist, der sich zu den sozialdemo­

kratischen Freidenkern rechnet, als Zeuge meldet. In dem sozialdemokratischen Dis- kussionsorganDas Freie Wort" (3. Iahrg. 19. 4. 1931) ,das von dem preußischen Landtagsabge­ordneten Ernst Heilmann geleitet wird, schreibt (Seite 25 und 26) E. G. Polis, Essen, unter der UeberschriftGab es Ausschreitungen der Gott­losenpropaganda?" unter anderem:Das deutsche Volk ist in seiner Mehrheit religiös eingestellt. Religion bedeutet aber für den Religiösen das H ö ch st e. Kann man sich da wundern, daß sich die Mehrheit des Volkes, gestützt auf ihre Vertretung in Parlament und Regierung gegen die ebenso dumme, wie gemeine Verhöhnung ihrer Weltanschauung zur Wehr setzt?" Polis schildert eine Reihe von Vorgängen, die er in kommunisti­schen Gottlosenversammlungen des Ruhrgebiets, be. obachtet hat und die zum Teil so unflätig sind, daß sie an dieser Stelle nicht wiedergegeben wer­den können. Es ist bezeichnend, daß ein kom­munistischer Redner Tillmann Blum in öffentlicher Stadtverordnetensitzung eine geradezu scheußliche Blasphemie aussprach. Eine Propagandatruppe Blaue Blusen" stellt mit Vorliebe evangelische und katholische Geistliche dar. Polis sagt von einem kleinen Mädchen, das in dieser Gruppe mit auftrat, es fei unbeschreiblich widerlich gewe­sen und habe an Schamlosigkeit jede Dime der Etappenbordelle übertroffen. In jeder kommuni- stischen Propagandatruvve "ebe es mindestens eine Szene,in der einige Geistliche herumtanzen oder von Kommunisten verhauen und herausgeschmissen werden". Zu diesen geistlichen Karrikaturen seien neuerdings ein religiöser Sozialist und ein Ver­treter des Deutschen Freidenkerbundes hinzuge­kommen. Auch das ist bezeichnend, daß sie alle schwarz-rot-goldene Fahnen tragen. In einem kommunistischen Rundschreiben der letzten Zeit heißt es denn auch wörtlich:Unsere Gottlosen­aktion ist ein Teil unserer Volksaktion gegen den Faschismus, gegen die Brüning-Regierung und Preußen-Koalition."

Und dabei findet es Prof. Herrmann, der Vor­sitzende des Deutschen Monistenbundes, richtig, die Notverordnung anzugreifen und zu behaupten,

sinnen erein.

unfers 'sephine i, d. 6.5. i neuen . Die bekannt

katholische Ariedensarbeit.

In Berlin hat am Donnerstag die Deutsch- Französische Gesellschaft im Hotel Esplanade eine Versammlung möglich gemacht, der eine tie­fere Bedeutung zukommt. Es sprachen ein fran­zösischer Geistlicher, Abbe Desgranges, und der Bi­schof von Berlin, Dr. Christian Schreiber. Es war bedeutsam, daß der Franzose in seiner hin­reißenden Beredtsamkeit die praktische Friedens- arbeit des deutschen Katholizismus anerkennen und sich vor ihren Erfolgen verneigen konnte. Die vorbildliche Geschlossenheit der deutschen Katholi­ken habe mit noch größerer Wirksamkeit, als es in Frankreich bisher möglich war, die Forderungen praktischen Christentums der Welt verkündet. Aber auch in Frankreich sei eine Wandlung vor sich ge­gangen, an die vor 50 Jahren noch niemand ge­dacht habe. Der französische Katholizismus sei heute nicht nur zahlenmäßig stärker als damals. Der Bischof von Berlin macht; eine Reihe von tiefschürfenden Bemerkungen, die auch ckre poli­tische Bedeutung haben. Die Päpste hätten schon seit mehr als drei Jahrzehnten Wege zur Ab­rüstung und zum Völkerfrieden ge­zeigt. Aber die Nationen müßten untereinander gleichberechtigt sein. In diesem Sinne strecke er den französischen Katholiken die Hand entgegen. Aber es komme nicht nur auf den Frie­den im Völkerleben an. Auch im Innern müsse man sich verständigen, es dürfe kein Krieg scheu Parteien, Bekenntnissen und Rassen geführt werden. , , , ..

Wenn die Versammlung im Hotel Esplanade, die wahrhaftig keine Parteiversammlung, sondern eine Zusammenkunft von Köpfen aus allen gei­stigen Lagern war, diese bischöflichen Forderungen durch lauten Beifall zu den ihren machte, so be­deutet das eine Hoffnung. Wir haben ja täglich das Schauspiel vor uns, wie ein obskurer Fana­tismus gerade durch eine unchristliche Betonung von Rasienaegensätzen den Frieden zwischen Par­teien und Konfessionen stört. Alle deutschen Bi­schöfe haben sich in den letzten Monaten ver­urteilend zu diesen Erscheinungen geäußert. Wenn jetzt der Bischof von Berlin in der Reichshauptstadt in einer Versammlung, der Führer aus allen Be­zirken beiwohnten, dieselben Forderungen vertrat, so mußte das einen ganz besonderen Eindruck ma­nchen und kann, da die Rede Dr. Schreibers das

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6. Mal,

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Teil, llttwoch Kinder-

Reffe- :n.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:2)ie Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152. Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Kurz und gut, man habe nur noch ein Ziel: das Kabinett Brüning zu vernichten . . . Das alles muß einmal gesagt werden, jetzt, nachdem dieser krisen­reiche Winter wie durch ein Wunder überstanden wurde, Und ich . . . komme zu dem Schluß, daß es schon ein sehr tüchtiger Reichskanzler gewesen sein muß, der bei diesem Kampf von allen Seiten unbeirrbar, ruhig und sicher seinen Weg gegangen ist, der sämtliche durch die sozialistischen Parteien und infolge Fehlens der Rechtsopposition ange­nommenen verhängnisvollen Reichstagsbeschlüjse wieder im Reichsrat durch geschickte Beeinflussung der Länder null und nichtig gemacht hat, kurz und gut sich in allem als ein tüchtiger Feldherr mit geradezu fabelhaften Nerven erwiesen hat ... . Ich glaube, es wäre an der Zeit, einzusehen, daß ein wirklich tüchtiger Reichskanzler, mag er auch einer Partei angehören, mit der man nicht einver­standen ist, es verdient, sachlich gewertet zu werden, zumindesten, in Zeiten, wo tüchtige Männer, die noch Nerven und Mut haben, verflucht knapp ge­worden sind".

30 Uhr ihligkeit I I mit» D. V.

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Die Arbeitgeberverbande beim Kanzler

Gemeinsame Sorgen.

CNB. Berlin, 6. Mai. (Eig. Meldg.) Wie wir erfahren, empfing Reichskanzler Dr. Brüning heute vormittag in Gegenwart des Reichsarbeits­ministers Dr. Stegerwald den Präsidenten und den Geschäftsführer der Vereinigung Deutscher Arbeit­geberverbände, Dr. von Borsiq und Dr. Brgu- weiler zu einer Besprechung über die wirkst öst­liche Lage.

R eichskags-Einberufuno abgelehnl.

VDZ. lin, 6. Mai. (Eig. Meld ) Der eite« stenrat des Reichstages hielt am Mittwoch unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten von Kardorff eine Sitzung ab, um zu dem kommunistischen Antrag auf sofortige Einberufung des Reichstages Stellung zu nehmen. In der Sitzung waren alle Parteien mit Ausnahme der Deutschnationalen und Natio­nalsozialisten vertreten. Für die Reichsregierung war Staatssekretär Pünder erschienen. Der kom­munistische Antrag auf Reichstagseinberufung wurde gegen die Antragsteller ab gelehnt-

Brüning und die Rechts-Opposition".

Unter dieser Ueberschrift lesen wir imBerliner Börsenkourier" Nr. 201 sehr beachtenswerte Aus­führungen des früheren Reichsernährungsministers Grafen K a n i tz über den Wandel in den staatspo­litischen Auffassungen, besonders bei den Deutsch­nationalen, wobei er vor allem die Leistungen und den Erfolg des Kanzlers Brüning eingehend wür­digt:

Wir lesen u. a.:

Fest steht, daff der Reichskanzler Dr. Brüning es verstanden hat, sich unter schwierigsten Umstän­den mit großer Geschicklichkeit Respekt, Autorität und eine tatsächliche Staatsgewalt, die es seit der Revolution kaum mehr gab, zu schaffen. Sie Rechtsopposition hat alles versucht, um den Kanz­ler im vergangenen Winter zu Fall zu bringen. Es ist ihr nicht gelungen. Mag man es begrüßen oder nicht: Sieger geblieben ist nicht die Rechtsopposi­tion, sondern Brüning. Er hat die Führung des Reiches in den furchtbarsten aller Winter, 'als Reichs- und Staatsgewalt aufs höchste gefährdet waren, fest in der Hand behalten; alle offenen An­griffe, alle Unterwasserschüsse find an seiner selbst­verständlichen Ruhe abgeprallt. Das gute Gewis­sen der erfüllten Pflicht gegen sein Vaterland hat ihn stark gemacht, so stark sogar, daß selbst seins politischen Gegner von rechts ihn anerkennen als einen wirklichen Staatsmann nicht geringen For­mats.

Es dämmert heute auch in den Reihen der Rechtsopposition die Einsicht, daß ihr Auszug aus dem Reichstag nicht nur keinen praktischen Er- ölg gehabt hat, sondern von vornherein ein Ex- )erim ent war . . . Es ist doch nicht ganz kon- equent, erst einen Wahlkampf mit großem Auf­wand an Propaganda zu treiben, sich in das Par­lament wählen zu lassen und dann hinterher zu sagen, man könne nickt mitarbeiten, bloß weil man sich nicht durchgesetzt hat. Das alles haben sicher­lich die deutschnationalen Abgeordneten auch emp­funden; sie mußten sich aber wohl, um nicht die Fühlung mit dem überstarken nationalsozialistischen Bruder zu verlieren, dem Vorgehen des letzteren anschließen. . . Nun hat die Rechtsopposition im vergangenen Winter, weiß der Himmel, 011.5 ver­sucht, um Brüning und sein Kabinett unmöglich zu machen. Jede seinerMaßnahmen wurde mit Spott und Hohn begleitet . . . .

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Anzeiger für die Staöf Julda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

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Einer von damals.

Ms im Sommer 1917 die deutsche Kriegspoli- « anfing, schwankend zu werden und die ersten tarten Gegenstöße zwischen denen von der schim­mernden Wehr und denen ,die nüchtern die Wirklichkeit schauten, auftauchten und nicht berei­st werden konnten, übernahm die Leitung der auswärtigen Politik Staatssekretär von Mhfwann, ein sehr gebildeter, kluger und ^voller Herr. Er hatte viel von der Welt ge- ' Met und sich ein eigenes Urteil verschafft. An kM Spitze des Auswärtigen Amtes trat er mit jem Willen und der Hoffnung, den Krieg zu einer i C Deutschland mindestens erträglichen Wendung « führen. Daß ihm das nicht gelungen ist, ist i Mt feine Schuld. Man erinnert sich, daß er Fjjyjn ein Jahr nach feinem Amtsantritt im Reichs- I w eine etwas unglückliche, jedenfalls dem Par- | (gment und dem Militär nicht genehme Rede hielt Md zurücktreten mußte, und eg ging damals das I gort um, diese Rede, die die Siegesaussichten [ Deutschlands nicht mehr günstig beurteilte, sei nur I hie Folge davon, daß Kühlmann an diesem Tage I zufällig schlecht gefrühstückt hätte. Ein bitterer I xcherz. aber Kühlmann mußte gehen. Er ist aber | bezeichnender Weise einer der wenigen Staatsmän- I ner von damals geblieben, die später nicht arge« I griffen, man kann auch sagen, nicht angepöbelt | gorben sind. Man erkannte seinen reinen Willen, l feine menschlich tadellose Haltung, seinen sch iei- I senden Verzicht an.

Jetzt hat Kühlmann, Ser nicht wie andere von I bemale Memoiren veröffentlichte, die auf oft nicht i iebr stabile Rechtfertigungsversuche hinauszulaufen I pflegen, ein Buch geschrieben, das er schlichtGe- | danken über Deutschland" nennt. Es sind poli- I fische Betrachtungen eines deutschen Mannes, der I viel erlebt hat, viel weiß und für den es keine I andere Sorge gibt als die Wiedererstar- I (un g des Reiches. Cs gibt in diesem Buche I feine Polemik gegen Andersdenkende und noch I weniger eine eitle Selbstbespiegelung. Kühlmann I trägt lediglich seine Meinungen und Ueberlegun- I gen vor, ruhig, gut begründet, und er läßt über« | all erkennen, daß ihm nichts ferner liegt als eine I Desperado-Politik, daß er vielmehr das Heil,un- I feres Landes von einer geduldige ft, zähen | auf bem Glauben an unsere Volkskraft beruhen- k ben Arbeit erwartet.

Kuhlmann ist also feine Hoffnung unserer sd- H Wannten nationalen Opposition, man kann viel- «chr erwarten, daß' sie über sein Buch mit wil- WM'Fanatismus herfallen wird, um es schlecht »machen. Denn es stehen darin allerlei Sätze, üt gar nicht in die Hugenberg-Rezepts hinein- ftifsen, z. B.: Es gibt für uns nur ein Heilmit- |»: auf dem Wege, der uns in wenigen Jahren W dem schlimmsten Moraste auf festeres Land ge- ®irt hat, tapfer und unbeirrt weitergehen wie Dürers Ritter, der unentwegt und entschlossen füir« M reitet, ohne sich um Tod und Teufel zu küm­mern." Das ist ein anderer Glaube, als er uns in der Rechtspresse täglich gepredigt roirb. Wöh- Rnb der Stahlhelm mit einem gefälschten Flug- Mi nachweisen wollte, daß die Zustände in Preu- M schlimmer seien als das Chaos des Herbstes 1818, wird hier von einem Beobachter, der seine politische Begabung erwiesen bat, der Aufstieg OSS Volkes aus dem Morast auf festeres Land be­scheinigt. Ja, Kühlmann gebt noch weiter und kebt unter den Anfbaupolitikern, denen Deutsch- M Dank schuldet, auch Otto Braun hervor, auf kn sich ein Großteil des nationalistischen Hasses konzentriert. Und von Brüning gar, gegen "En sich der vereinte Ansturm des Kommunismus r de- Nationalismus richt-t. fiat Kühlmann: £5 ist merkwürdig zu fehen und als glückliches svWptom zu werten, daß das Auftreten einer lei« ffarfen .selbstlosen, in sich ruhenden Fübrer- rMonlichkeit unmerklick wie ein magisches Flui- By* weite Kreise durchdringt" Das ist eine an«

Sprache, als die Schreier von rechts und ,n'5 üe zu führen pflegen.

Ü-.^ber wichtiger als diese uns erfreuenden in» \ j^Eifchen Bemerkungen sind ung die Aussich- öie der ehemalige Leiter unterer A u ß en-

' i t i f ffir Deutschlands Zukunft eröffnet. ^Uhlmann hat feine Beziehungen >i, gufferdeutfchen Mm 5-m°nnern "iomals abreißen lassen und ist - be» ker Sage, das deutsche Schicksal auch mit rtSI» u?ert $es Ausländers zu sehen. Und da ' ei .ein starkes Wort, das behauptet, daß kein teuf»t9er ^kaatsmcmn am vollen Wieder- ' e a Deutschlands zum Range einer euro-

i ne.z"11 Großmacht zweifeln kann. Das ist Kühl- kUsr/ Glaube, und es ist auch der untere. Aber Eh r t ?r *u Frankreich? Die östlichen Fra- Er Kühlmann als verhältnismäßig leickt lös- et zwar gegenwärtig, und

Bh,.fpet er aus der ganzen Entwicklung her be- Hitff * Mst Polen verbündet, aber dieser fei .^önne nicht ewig dauern. Rußland h. Je ^«Stigere Macht, mit der die Franzosen sich

. n hätten. Auch die Saarfrage hält er für b8(rneI beide Teile befriedigenden Welfe lösbar, diese Lösung um den vergiftenden Ab- Wnzs^bs'Epf zu vermeiden, vor 1935 ersol« heu .pflegen glaubt Kühlmann nicht, daß Frank-

'n°Uf ^eirten Kampf gegen das Aufkommen I tfcrt)., ta£^en Zentralmacht in Europa verzichten

Deshalb wolle es sich wohl mit uns ver- I Heg ?Ks <^er nicht die volle Freiheit gön-

| Bq* dieser Haltung der Franzosen liegt auch

hfe m Mmanns Meinung eine Kurzsichtigkeit, die fabren für den europäischen Frieden nicht ~?erri vielleicht sogar verschärfen. Bibern!r/5 ®^r^it liege, so sagt er, darin, daß Wlkwz^.oewaligen Gegner lebensmögliche Zustände WvEew m j~c Franzosen müssen ihre Furcht vor | tWco[(en Deutschland der Zukunft aufge« 1 bag können sie nur wenn Deuttckland

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