Beilage zur Fuldaer Zeitung
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3. Mai
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Nr. 102
er Sonntag nach Oste s. Lingangslied Vs. 97, 1 und 2.
Cantate domino canticum novum.
Singet dem Herrn ein neues Lied, allelujo.; Lj in der Herr hat Wunder getan, alleluia. Vor den Augen der Heiden hat er seine Gerechtigkeit enthüllt, alleluja, alleluja, alleluja. (Ps. ebb. 1.) Ihm half seine Rechte, sein heiliger Arm.
Epistel (Jak. 1, 17—21.)
Geliebteste! Jede gute Gabe und jedes voll- kommens Geschenk kommt von oben, vom Vater des Lichtes, bei dem es keine Veränderung und keinen Schalten von Veränderlichkeit gibt. Aus freiem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt, damit wir gewissermaßen die Erstlinge seiner Schöpfung seien. Ihr wißt das, meine geliebtesten Brüder. Es sei darum jeder Mensch schnell bereit zum Hören, langsam aber zum Reden und zum Zürnen. Denn der Zorn tut nicht, was vor Gott gerecht ist. Legt darum allen Schmutz und allen Auswuchs der Bosheit ab und nehmt mit Sanftmut das Wort an, das eust eingepflanzt wurde und das eure Seelen retten kann.
Dom Geist der Wahrheit.
Wir könnten einmal zusammen überlegen, wie es heute mit diesem Geiste im öffentlichen Leben steht, in der Politik und anderswo, auch im Leben und Verkehr der Menschen untereinander. Du meinst, das würde eine betrüblich« Betrachtung werden, denn von diesem Geiste sei nicht viel zu spüren. Da magst du recht haben; und wenn wir beide wollten, könnten wir jetzt ein gemeinsames Klagelied anstimmen über die Verderbtheit der Zeit.
Wir wollen es aber lieber nicht tun, denn es hat keinen Wert und würde auch kaum etwas bessern. Drum wollen wir einmal Nachschau nach diesem Geiste halten dort, wo es auf uns ankommt, also zu allererst bei uns selbst.
Freund, du weißt gewiß, daß dieser und jener ein verschlagener und falscher Mensch ist. Was weißt du von dir? Denn im Grunde geht es dich gar nichts an, was und wie die Anderen sind. Also, was weißt du von dir?
„Du fragst sonderbar, hältst mich gar für einen Lügner?"
Nein, das tue ich nicht. Ich weiß, daß es Menschen gibt, die man Lügner nennt, zu denen wirst du wohl nicht gehören wollen. Aber ich möchte gern wissen, ob du echt bist.
„Was soll das heißen, echt sein?"
Du weißt doch, wenn ein Ring echt ist, von Gold ober Silber. Der ist dann eben durch und durch Gold ober Silber, und es ist weder Kupfer noch sonst ein Metall in ihm. Freilich gibt es auch unechte Ringe, die sind von Messing ober irgend einem ähnlichen Metall und möchten uns gern weis machen, sie wären aus Gold. Ist es nicht atich bei den Menschen so? Dag Gold ist bei ihnen das Leben im Geist der Wahrheit. Wenn fSc „Ja" sagen, dann ist eben „Ja" gemeint, und wenn sie lachen, dann lacht nicht nur ihr Gesicht, sondern auch ihre Seele, und wenn sie sagen: „Das tut mir leid", dann tut es ihnen wirklich leib. Siehst du. das sind echte Menschen. Denken, Reden und Handeln ist ihnen eins, und die Wahrheit ist ihnen Selbstverständlichkeit. Daß es euch genug Menschen gibt, die uns gerne weis machten, sie seien echt, das heißt aus dem Geiste der Wahrheit, das brauche ich nicht zu sagen.
Wenndu Kinder hast, dann bedenke, daß das Le- den im Geiste der Wahrheit für dich eine ernste
Forderung ist. Denn deine Kinder werden den Geist der Wahrheit nur dann und nur so weit kennen lernen, als er in dir lebendig ist. Dein Ermahnen und Strafen nutzen nichts, wenn du nicht selber ein lebendiges Beispiel bist. Und glaube ja nicht, daß du Kinder täuschen kannst.
Rur indem du selbst in ihm zu leben suchst, kannst bu dem Geist der Wahrheit und damit Gott zum Siege verhelfen.
Mannhafte Antwort ans
Kreidenker-Vropagauda.
Der Bund der Freidenker in Holland entfaltet seit längerer Zeit in Limburg, hauptsächlich durch die Presse, eine rege anti- kotholische Propaganda. Diese Herausfor- derung beantwortete die Gewerkschaft der katholischen Arbeiter Limburgs mit folgender Entschließung, die wir der bekannten Wochenschrift „Das Neue Reich", Tyrolia-Wien, entnehmen:
„Vor allem sind di« katholischen Arbeiter fest entschlossen, alle Blätter des Freidenkerbundes zu vernichten und sie dorthin zu werfen, wohin sie gehören: auf den Straßenkehricht. Wir werden aber noch ein weiteres tun. Die katholischen Arbeiter haben beschlossen, einen wahren katholischen Protest zu veranstalten. Sie werden Christus und ihrer Mutter, der Kirche, Sühne leisten für die ihnen zugefügten gemeinen und giftsprühenden Beschimpfungen seitens des Freidenkerbundes und für die seitens des kommunistischen Blattes „Tribüne" gemachten Angriffe auf die Enzyklika des Hl. Vaters Pius XL über die christliche Ehe. Die Sühne wird eine allgemeine fein. Alle Gruppen der Gewerkschaft der katholischen Arbeiter Limburgs werden Sonntag, 22. März, eine Sühnemesse lesen lassen. Die Tausende organisierten katholischen Arbeiter werden an diesem Tage an den Tisch des Herrn treten und, Christus im Herzen, ihren Treue- und Liebesschwur zu Christus und der Kirche erneuern. Wir werden aber noch einen weiteren Sühneakt Christus unserem König darbringen. Im selben Geiste der Sühne wollen wir unsere Anstrengungen für die Ausbreitung unserer katholischen Arbeiterbewegung verdoppeln. Heute zählen wir 20 000 Mitglieder, das Ideal, das wir uns für 1931 vorgenommen hatten. Von nun an müssen noch Tausende und aber Tausende gewonnen werden, die mit dem Eintritt in unsere Gewerkschaften zusammen mit uns bekennen wxrden, das Christus in untrem Limburg herrscht; Tausende, die mit den jetzigen 20 000 bereit sein werden, die Ehre Christi und der Kirche zu verteidigen. Das wollen wir tun. Und die Trabanten des Freidenkerbundes mögen es sich gesagt sein lassen: Auf jedes einzelne ihrer skandalösen Blätter werden wir mit der Einverleibung von tausend neu en Mitgliedern der Armee Christus des Arbeiters, Königs der Arbeit, antworten Die unwürdigen. Machenschaften des Freidenkerbundes haben die Löwen unter uns gereizt und die Schlafenden aufgerüttelt, er wird dies mit Schaden erkennen."
GM» die IttWt.
Wie so est in Notzeiten hat sich der Irrglaube erhoben und schreitet a u f den Krücken s o- ztaler Bedrängnisse zu kopflos gewordenen Volksgenossen.- In unseren deutschen Landen ist vor allem eine bestimmte Form der geistigen Verwirrung besonders hartnäckig und verfänglich. Es ist der nationalsozialistische Irrglaube, der es dazu liebt, im Gewände konservativ scheinender 'Redeweise aufzutreten. Diele sehen nicht klar in die Tiefen des nationalsozialistischen Irrglaubens. Er versteht es, die
Menschen zu täuschen, und tritt darum im messianischen Prunkgewcmd oder in der harmlosen Maske des Christenfreundes und Sozialisten- betämpfers auf. Aber die Kirch« läßt sich nicht beirren. Sie ist zu allen Zeiten, so auch heute dem volksoerwirrenden nationalsozialistischen Irrtum entgegengetreten. Deutschlands Bischöse haben gesprochen und den kulturkämpferischen Rationalismus verurteilt. Die Gegner suchen ihr Wort zu entkräften. Um so lauter muß das Wort der Bischöfe in jedes Haus, in jede Familie, zu jedem einzelnen bringen, um den Trommelwirbel des nationalsozialistischen Irrglaubens zu übertönen! ______
Dazu bedarf es geeigneter Wegeberei- t e r. Geistige Waffen müssen bereitet werden, mit deren Hilfe auch der einfache Mann den Nebel des verwirrenden Radikalismus zerteilen kann. Fehlt solche geistige Wehr im Volk, bann vermögen auch die beredteste Kanzel und der eifrigste Verein nicht jene umfassende und dauerhafte Klärung zu bringen, die in den Zeiten der Wirrnis allerorts nottut. Aus dieser Erkenntnis heraus sind zwei geistliche Sachkenner hingegangen und ha-
Die „W e l t b ü h n e", jene Wochenschrift des ausgeprägtefhen intellektuellen l'art pour fort- Radikalismus, beschäftigt sich in ihren letzten Nummern in auffallendem Maße mit katholischen Problemen. Der Hsrausgebar, Carl von Ossietzky, schreibt über „Katholische Diktatur" und „Kulturbolschewismu s", Kurt Hiller veröffentlicht einen Aufsatz mit der Ueberschrift „Papst contra Söwj et Union". Wenn auch der unmittelbare Einfluß all dieser Ausführungen selbst auf die linksorientierten Massen in einem umgekehrten Verhältnis zu dem Aufwand an Geist, ober besser: Esprit steht, mit dem diese Aussätze versaßt sind, so verlohnt sich doch ein Eingehen auf sie, weil sie für gewisse Einstellungen symptomatisch fein dürsten.
Kurt Hiller hat an sich den richtigen historischen Instinkt dafür, daß eine Auseinander? setzung mit dem Bolschewismus vom Abendland her nur von der Grundlage katholischer Weltanschauung aus überhaupt noch möglich sein kann ... In der Tat, all das, was man als Liberalismus noch heute bezeichnen könnte, vermag zu dieser Auseinandersetzung schon deshalb im wesentlichen nichts beizutragen, weil auch im Bolschewismus selbst liberale Strukturen sich auswirken und demnach die Unterschiede teilweise mehr graduell als prinzipiell sind. Trotzdem sieht Hiller die Antithese zwischen Rom und Moskau völlig falsch. Für ihn ist Marxismus „verwirklichte Philosophie, der Sozialismus hat nach feiner Auffassung die Tendenz zur „realen Erlösung der Menschen von schwerem Leid". Die Kirche soll nach Ansicht Hillers dem Leidenden lediglich suggerieren, daß er in Wahrheit gar nicht leiide, seine Wunden vermöge sie jedoch nicht zu schließen.
Liest man dies« Gegenüberstellungen Hillers, so wird man wieder einmal von der Feststellung überrascht, wie wenig klug manchmal intellektuell glänzende Ausführungen fein können. Hiller macht sich die Sache viel zu einfach, indem er das von dem Sozialismus zu überwindende „Leid" einfach demjenigen gleichstellt, mit dem sich die Kirche zu befassen hat. Der Sozialismus befaßt sich mit den Unausgeglichenheiten der m e n f ch l i ch e n G e- s e l lf ch a f t, die Kirche jedoch mit der Unausgeglichenheit, dem Crlöfungsbedürfnis der einzelnen Seele. Daß dies etwas völ-
ben das gesamte erreichbare Material zusammengetragen, um daraus in klarer Uebersicht uyd schlichter volkstümlicher Sprache ein Bild vom geistigen Zustand, von den Zielen, Strömungen, Zeugnissen und Persönlichkeiten, vor allem des Nationalsozialismus erstehen zu lassen. Demgegenüber werden in eindrucksvoller Form die Lehren und Ueberlieserungen des christkatholischerr Glaubens und die Erlasse der Bischöfe hingestellt« Alles ist berücksichtigt, das ganze weltanschauliche Gebäude des deutschen Nationalsozialismus ist wiedergegeben worden, angefangen von den programmatischen Grundsteinen bis zum letzten kulturpolitischen Teilstück. Nach mehrfacher Durchsicht ist es gelungen, den gewaltigen Stoff auf 64 Druckseiten unterzubringen.
Die Darstellung ist bald anschaulich und temperamentvoll, bald herzlich und gewinnend. Die Schrift ist unter dem Titel: „C h r i st e n k r e u z ober Hakenkreuz? — Tatsachen und Bilder aus der nationalsozialistischen Geistesbewegung" im katholischen Tat-Verlag (Auslieferung Gilde- Verlag, Köln, Neumarkt 18b) erschienen und kostet im Einzelexemplar 40 Pfg.
lig anderes ist, kann nur leugnen, wer zugleich behauptet, daß die seelischen Zustände ^unbedingt der adäquate Ausdruck soziologischer Strukturen feien, der also die krasseste Form des primitiven Materialismus vertritt, der sonst von Hiller selbst abgelehnt wird. Nur so ist auch der unsinnige Satz erflärlid), daß bei einem Siege des Sozialismus die Kirche entbehrlich werde. Als ob durch ökonomische Kategorien die überzeitlichen Kategorien des Religiösen jemals aufgehoben werden könnten!
Im übrigen aber ist die von Hiller konstruierte Antithese zwischen Rom und Moskau nicht diejenige, die wirklich besteht. Die Kirche stellt sich nicht gegen den Bolschewismus, weil sie in ihm, um mit Hiller zu reden, „den heraufsteigenden Weltsieg des geistigen Prinzips über das Geistliche" sieht. Sie kämpft auch nicht gegen ihn als Sachwalterin irgendeines bestehenden Wirtschaftssystems, da die Kirche ihrer Natur nach von al. len Systemen differenziert ist, sondern weil der Bolschewismus über feine ökonomischen Verwirklichungen hinaus heute der lauteste Rufer im Streit gegen das Christentum ist. Aber es ist nicht so, wie Hiller meint, daß es sich hierbei um die historische Auseinandersetzung zweier selbständiger Prinzipien handelt. Geistig genommen ist vielmehr der Bolschewismus nur Negation, also nichts wesentlich Selbständiges, sondern innerlich an das Negierte gebunden, allerdings mit dem Willen, di« Verneinung über die Bejahung siegen zu lassen.
Di« Auseinandersetzung mit dem Bolschewismus steht geistig eigentlich nochbevor. Sie wird sich bestimmt, sofern sie geschichtliche Bedeutung hat, abseits von jener intellektuellen Sphäre abspielen, für die die „Weltbühne" repräsentativ ist. Kulturell gefeiert, bedeutet diele Auseinandersetzung für die abendländische Welt den Kampf um ihre geistigen Grundlagen überhaupt, um all bas, was in ihrer tausendjährigen Geschichte Wirklichkeit geworden ist. Ein Kampf von so grundsätzlichem Gewicht aber kann nur aus den letzten Quellen heraus befruchtet werden, die in der abendländischen Welt vorhanden sind, und und das ist das p o f i t i v e C h r i st e n t u m. Es ist dies ein Kampf, der jenseits aller Politik steht, an dem aber die Politik nicht achtlos vor- iibergehen darf.
Znlellekkueller Linksradikalismus und katholische Kirche.
Von Dr. Friedrich B a e r w a l d.
Vlaria-Maienkömgin.
Frühling ist draußen in der freien (Bottes- natur. Neues Leben erwacht. Gebrochen ist die Macht des griesgrämigen Alten. Warmer Sonnenschein glänzt, glänzst über Berg und Tal, über Feld und Wald, über Strom und Au, über Kirchturm und Hütte, glänzt über das Antlitz froher Menschenkinder und leuchtet hinein in ihrer Herzen stilles Kämmerlein.
Wie Alpdruck weicht es von der Brust; wie Glockenklang und Orgelton geht es durch unser Gemüt, und reißt »ns empor mit geheimnisvoller Kraft, heraus aus der Trübfeliokeit vergangener Wochen, heraus aus jeglichem kalten Sinn.
Maienzeit bannet Leid;
Fröhlichkeit ist gebreit über Berg und Tal und grünende Auen.
Und mitten hinein in diese Frühlingspracht und -freude stellt das gläubige Volk die ewig blühende, allzeit herrlich« Himmelsrose, die rosa mystica, sie als seine Maienkönigin zu feiern Tag für Tag.
Maria, Maienkönigin, Dich will der Mai begrüßen;
D, segne chn mit holdem Sinn und uns ( Deinen Füßen.
Und die ganze Pracht und Herrlichkeit legt es vor ihr nieder, auf daß alles gar wundersam überglänzt werde von dem Bilde der reinsten, heiligsten Frau auf der Erden, auf daß sie selbst die Freude segne und als Geschenk entgegen nehme.
Maria, Dir befehlen wir, was grünt und blüht auf Erden;
2, laß es eine Himmelszier in Gottes Garten werden.
Und mit fünften Füßen geht die Mutter der schönen Liebe über den bunten Blumenteppich en fachender Frühlingsnatur, schaut mit lieblichen Grüßen nieder zu den Menschenkindern, und ihre Mütterlichen Hände zeigen ihnen den Sohn.
Ihr, der Gottesmutter, ist bar Wonnemonat ™ai geweiht; ihr zum Gruße, ihr zur Ehre halten ro>r dis Maienfeier.
. Draußen, in der Welt haben sie die M a i - 'eier als einen Symboltag b er Idee
des Klassenkampfes und des Klassen- basses und des Bruderhasies. Ufere Maienfeier ist als Marienfeier Mutter Christi- Feier. Da handelt es sich nicht nur um eine vielleicht wohlgepflegte Idee, um ein hochgestelltes Symbol, um eine vergangene Tote die der Geschichte angehört, da ist letaiöiae Wirklichkeit, da ist verklärtes Leben, da ist ein für alle schlagendes ^utterherz und blühende Iunafrauschast. da ilt des 'immels und der Erde Königin', die mit Christus, Irem Sohne, regiert in alle Ewigkeit.
Maria, sieh. Dich nennet Dein Name Herrscherin;
Die ganze Welt erkennet in Dir die Königin.
Königin nicht in dem Sinne irdisch-weltlicher Machtstellung, Königin ob der überragenden Hoheit und Würde. Mutter Gottes fein zu dürfen und Jungfrau und Mutter zugleich in der nur einmaligen wunderbaren Verbindung von Jungfrau und Mutter in der Jungfrau-Mutter, wodurch sie wie kein anderes geschaffenes Wefen der sichtbaren und unsichtbaren Welt mit dem Dreifältigen Gott verknüpft und verbunden ist und darum höchstes Geschöpf im Himmel droben und hier unten auf Erden; Königin im Reiche der Gnade wegen all der unvergleichlichen Vorzüge, die ihr von Gott gegeben wurden zu ihrem Berufe und in ihrem Berufe, Mutter des Erlösers zu sein.
„Du bist voll der Gnade", so grüßte der Engel die Jungfrau. — „Du bist voll der Gnade" — welche UeberfiAle, welche Unsumme von Gnade muß dort vorhanden sein, wo Gott der Herr selbst durch seinen Engel solchen Gruß übermitteln läßt! Unbefleckt empfangen, frei von der Makel der Erbsünde, frei von jeder persönlichen Sünde und aller Lust zur Sünde, allzeit reine Jungfrau, vor der Geburt, in der Geburt, nach der Geburt, wundersame Mutter und Jungfrau zugleich, ausgestattet mit dem Höchstmaß' alter Tugenden, Gaben und Frücht« des Heiligen Geistes.
Ganz schön bist Du, Maria, und keine Make! ist an Dir.
Du bist die Glorie Jerusalems, Du bist die Zierde Israels.
All das ist dem gläubigen Volk« Grund genug, am Altäre Mariens sich einzufinden als an den Stufen ihres Thrones, der Königin zu huldigen und sich vor ihr zu neigen.
Alle Tage sing und sage Lob der Himmelskönigin! Ihre Gnaden, ihre Taten ehre treu mit Herz und
Sinn!
Der Mensch draußen, außerhalb der Kirche, versteht solch begeisterte Marienfeier nicht; sie erscheint ihm als ein naives Anbeten von Statuen und Bildchen. Er kann sie nicht verstehen; Maria und Marienverehrung wird nur im Glauben begriffen. Der gläubige Mensch muß der Königin huldigen, fein Innerstes drängt ihn.
Die Welt ehrt die Mütter' ihrer Helden, jubelt ihnen zu und feiert sie. Und wir sollten die Mutter unseres Erlösers, des Siegers über Hölle. Tod und Teufel, auch nur übersehen können? Blind muß man sein, wenn man sie nicht sieht, und töricht, wenn man sie nicht sehen will; schnöder Undank wäre es, wolle man sie nicht beachten; durch ihr Ja-Wort erst wurde die Erklärung möglich. In Jubel und Lod und Preis dankt ihr das freudig das christliche Volk:
Ave, Maria zor' Du edler Rofengart, lilienweiß, ganz ohne Dornen,
Ich grüße Dich zur Stund mit Gabriels Mund: Ave, Du bist voll der Gnaden!
Zum Dienste weiht e« sich ihr, gibt sich ihr hin, schenkt ihr Leben und Lieben und Gut und Blut, um in Siebe ihr zu dienen und dienend sie zu lieben, wie auch sie in Liebe dem Herrn gebient und im Dienste ihn geliebt.
Maria, Du. mild«, Du siiße Jungfrau,
Nimm auf meine Siebe, so wie ich vertrau;
Du bist ja die Mutter, Dein Kind will ich sein, Im Leben und Sterben Dir einzig allein.
Von der Mutter geht das Geborgensein aus und das liebevolle Verstehen. Bei der Mutter sucht das Kind Schutz und Hilfe und Beistand; zu ihr eilt es in Not und Leid; zu ihr flieht es vor dem Verfolger und vor dem Feind; bei ihr ist es wohl geborgen. Die Mutter nimmt es auf und weiß es liebreich zu trösten, zu schirmen und zu schützen Gilt bas schon von jeber irbischen Mutter, um wie- vielmehr von unserer Himmelsmutter, der ewigen Fürditterin ihres Geschlechts, der Zuflucht der Sünder, der Trösterin der Betrübten, der Helferin der Christen! „Unsere liebe Frau von der immerwährenden Hilfe" nannte sie das sinnig-innig- kindliche Mittelalter, und mittelalterliche Fröm
migkeit erfand das Bild von Mariens Mantelschaft:
Maria, breit den Mantel aus,
mach uns ein Schild und Schirm daraus, Laß uns darunter sicher stehn, bis alle Feind vorübergehn.
Dein Mantel ist so schön und weit, bedeckt die ganze Christenheit, Bedeckt die ganze weite Welt, ist aller Zuflucht und Gezelt.
Einzig ist das Vertrauen der Marienkinder zu ihrer Mutter; enttäuscht wurde noch niemand. Bittende Allmacht nennen wir sie mit Recht; und jubelnd fünbet der singende Mund:
Daß Du, Mutter voll der Güte, Deinen Kindern eine Bitte nicht gewährt, ist unerhört, unerhört in Ewigkeit!
Es ist auch nicht anders denkbar. Wenn Gott will, daß alle Menschen selig werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen, bann kann dis Mutter unseres Erlösers, die Ursache unseres Heiles, die Pforte des Himmels nicht anders wollen, nichts anderes wünschen; und der gute Sohn, der „Erstgeborene unter vielen", wird die Mutter für die Brüder hören, wenn sie für uns bittet, und den Sohn hört der Vater. Deshalb Heil dir, du Christenheit, daß du eine solche Mittlerin hast beim ewigen Throne des Gerechten, die in Straft ihrer Vermittlung das Menschengeschlecht durch das Meer dieser Zeitlichkeit zum Hafen der Ewigkeit leitet vermittels ihres Beispiels, ihrer Fürbitte und ihrer Verdienste. Von ihr ablaffen sollen, das ist wirklich zuviel verlangt. Mögen sie draußen, vor den Toren der Kirche, die Ehre Mariens verdächtigen, mögen sie glauben, wir würden ihr zuviel Verehrung erweisen, wir werden nicht müde, in Jubel und Freude und in Not und Leid ihr Lob zu fingen, ihre Fürbitte anzurufen:
Mutter Christi, hoch erhoben, in dem schönen Himmel droben,
aller Engel Königin, unsere Frau und Mittlerin!
Deinen Segen uns mitteile, uns zu helfen, nicht verweile;
D Maria, steh uns bei, daß uns Gott barmherzig sei! nd