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Fuldaer Land und Aachbargeblek

— Diekershousen (Krs. Fulda). Am 22. April wa­ren 35 Jahrs verflossen, seitdem unser allverehrier Herr Clemens Schneider als Bürgermeister von Dieters- Hausen verpflichtet wurde. Herr Landrat Frhr. v. Ea­gern nahm Veranlassung, in einem besonderen Schre.>en der pflichttreuen Arbeit, die der Jubilar während dieser so langen Zeit der Gemeinde, dem Kreis und dem Staat geleistet hat, herzlich zu gedenken und hn Namen der Kreisverwaltung aufrichtige Anerkennung auszusprechen. Möge es Herrn Schneider, der, im 7 4. Lebensjahre stehend, sich einer ausgezeichneten körperlichen und gei­stigen Gesundheit erfreut, beschieden fein, noch viele Jahre zu wirken!

= Großenlüder (Krs. Fulda). Man schreibt uns: Im Saal des Gasthauses zum Adler fand Samstag­abend ein Lichtbild-Filmoortrag statt, der guten Zu­spruch gefunden hatte. Dipl.-Jng. Gewerbeoberlehrer Ocheaux aus Frankfurt a. M. behandelte das Ge­biet technischer Einrichtungen in Haushalt und Land­wirtschaft in einem mehrstündigen aufklärenden Vor­trag. Eine kleine Wanderausstellung, die u. a. elek­trisch« und nährstosfsparende Kochgeräte, einen Hochfre­quenz Apparat und Modelle von landwirtschaftlichen Betriebseinrichtungen auswies, vervollständigte die sehr anschauliche Veranstaltung in wirksamer Weise. Auch der Film war in den Dienst der Aufklärung eingereiht worden. Er führte die Zuhörer durch die moderne Milchwirtschaft. Welchen hohen technischen Stand die Fabrikation von Beleuchtungskörpern aufweist, zeigte ein Werkfilm über Holzbeleuchtungskörper, deren Zweck­mäßigkeit und Schönheit ebenso nützlich wie kulturför­dernd sind.

— Eileresld (Krs. Hünfeld). Eine hohe Ehrung ist dem Hauptlehrer Röhrig in Eiterfeld zu teil gewor­den. Auf Vorschlag des Vorstandes des Fulda- Rhön-Sänger-Gaues hat auf feiner letz­ten Generalversammlung der Gau beschlossen, Herrn Röhrig in Anbetracht seiner Verdienste um das Chor­wesen zum Ehrenmitglieds des Gaues zu ernennen. Am letzten Sonntag wurde ihm in feiner Wohnung vom Vorsitzenden des Gaues, Herrn Zirkenbach aus Fulda, mit Worten der Anerkennung und des Dankes die Ehren­urkunde überreicht, sodaß der Gau außer dem Herrn Oberbürgermeister i. R. Dr. Antoni nunmehr auch Herrn Hauptlehrer Röhrig als Ehrenmitglied führt. Wenn er nach 35jähriger Tätigekit als Chorleiter — eine Zeit reich an Arbeit, aber auch reich an Erfolgen und Ehrun­gen — den Dirigentenstab niedergelegt hat, so freuen wir uns, daß er durch die Ehrenmitgliedschaft noch zu den Unsrigen zählt und hoffen in diesem Sinne, an den Hochfesten des Gaues unser neues Ehrenmitglied begrü­ßen zu können. Möge der erfolgreiche Komponist der unserm Gau im Jahre 1925 den Rhön-Sängergruß be- scherte, uns noch mit manch schönem Lied erfreuen. Ihm pnd seiner Familie die besten Wünsche auf dem ferneren Lebenswege.

Die Arzeller bauen eine neue Kirche.

= Arzell (Kreis Hünfeld). In der altehrwürdigen Kapelle wurde am Montag dieser Woche zum letzten Male Gottesdienst gehalten. Darauf ist sie abgebro­chen worden und soll einem größeren Neubau Platz ma­chen. Die Arbeiten werden von Einheimischen ausge­führt. Sämtliche Maurer und Poliere stellen sich zur Verfügung, tüchtige Zimmerleute und Schreiner am Orte erledigen die Holzarbeiten, die Bauern werden dieFuhren besorgen und die übrigen Handlangerdienste verrichten. So ist bei dem erfreulichen Gemeinschaftssinn der Arzel­ler anzunehmen, daß der Bau, den sie zur Ehre des Allerhöchsten jetzt für sich und ihre Nachkommen errichten, rüstig voranschreitet, so daß im schönen Eitratale ein Kirchlein entsteht, worauf nicht nur Arzell, sondern die ganze Pfarrgemeinde stolz sein kann. Mögen die Ar­beiten von Gottes Segen begleitet sein!

Ein Bauernhof in Flammen.

— Reckrod (Kr. Hünfeld). Am Montag abend kurz vor 23 Uhr brach auf dem Anwesen des Landwirts Kohlmann Feuer aus. Dasselbe fand in den Scheu­nen reichliche Nahrung und verbreitete sich mit solcher Schnelligkeit, daß auch das Wohnhaus mit fast sämtlichem Inventar ein Raub der Flammen wurde. Ebenso sind die landwirtschaftlichen Maschinen, sowie Wagen und Acker­geräte mitoerbrannt. Das Vieh, außer einer Anzahl Hühner, konnte gerettet werden. Seit etwa 200 Jahren ist dieses der erste Brand in unserem kleinen Dörfchen.

Lastwagenzüge sperren die Straße.

-^Rasdorf (Krs. Hünfeld). Mittwoch morgen ereig­nete sich auf der Straße Rasdorf—Buttlar in der Nähe des Grüffelbacher Felsenkellers ein Derkehrsunfall. Ein Fernlastzug mußte eine Reparatur vornehmen. Dadurch wurde ein anderer Lastkraftwagen ebenfalls aufgehal- ten. Ein dritter von Rasdorf kommender Lastwagenzug fuhr in die haltenden Lastkraftwagen hinein und die Straße war für Stunden gesperrt. Personen kamen bei dem Zusammenstoß nicht zu Schaden. Der Sachschaden ist gering. Die später kommenden Fahrzeuge mußten einen Umweg machen.

= vberweihenbrunn (Rhön). Auf der Straße Oberweißenbrunn-Frankenhain fuhr das mit Wer- narzer Wasser beladene Lieferauto der Firma Wolf in Münnerstadt gegen einen Baum. Es entstand eine Explosion und im Nu stand der Kraftwagen in flammen. Chauffeur und Beifahrer konnten sich retten.

Vergebliche Fahndung nach den Räubern.

— Schlüchtern. Beamte der Frankfurter Landeskrimi­nalpolizei haben im Verein mit den Landjägern in der Umgebung von Steinau und Ulmbach mehrere Tage hindurch noch den beiden Räubern, die einen Vieh­händler überfallen haben, gefahndet, aber nir­gends eine Spur entdecken können. Der Tatort war von den Burschen so gewählt, daß man von hier aus auf etwa einen Kilometer Entfernung die Landstraße beobachten, aber ebenso rasch im angrenzenden Walde bei Gefahr ver­schwinden konnte. Der überfallene Viehhändler selbst kann sich nicht mehr entsinnen, wie die beiden Räuber ausgesehen haben. Die Hoffnung auf Erlangung einer Spur nach den Burschen ist deshalb außerordentlich ge­ring.

Schadenfeuer in der Rhön.

— Bischofsheim (Rhön). Im nahen Detzelbach verursachte ein nächtliches Feuer im Anwesen des Land­wirts Walter großen Schaden. Wohnhaus, Scheune und Stallungen brannten nieder. Mit Mühe gelang es den Bewohnern, sich zu retten. Der Schaden soll nahezu 40 000 Mk. betragen.

— Groß-Auheim (Kr. Hanau). Man schreibt uns: Einen schönen Abschluß fanden die diesjährigen Thea­terabende am Sonntag mit dem Märchenspiel des hiesigen Mar. Jungfrauen-Vereins „Die blaue Blume". Das schon an sich ansprechende Märchendrama war ganz seelisches Eigentum der Spielerinnen geworden, und so konnten sie es als originelles Erleben wiedergeben, ^ast konnte man bei der noch dazu kommenden Pracht der Gewänder nicht mehr an eine Dilettantenbühne glau­ben. Zu dem Erfolg des Abends trugen wesentlich bei die herrlichen Kulissen, deren plastische Wirkung den Märchen­zauber noch erhöhten. Das gute Gelingen dürfte wohl die Mitarbeiter für ihre viele und oft recht undankbare Arbeit in etwa entschädigen.

Der Ankergang der Selbstverwalkung.

Die erneute Beratung de, Hanauer Etats abgelehnk.__

Regierungspräsident Dr. Friedensburg vermittelt.

0 Hanau. Am vorigen Donnerstag hat in Hanau eine Besprechung des KommunaDezernenten der Kasseler Regierung, dem Regierungsrat Dr. Heinrichs, mit den Führern der in der Stadtverordnetenversammlung oertre- tenen Fraktionen stattgefunden, um die Lage zu bespre­chen, die sich durch die Ablehnung des städtischen Etats für 1931 ergeben hat. Regierungsrat Dr. Heinrichs emp­fahl, erneut in die Beratung des Etats einzutreten und

betonte dabei, daß die in dem abgelehnten Etat u. a. ent­haltene 400prozentige Bürgersteuer wohl kaum die Geneh­migung des Regierungspräsidenten finden würde, da der­selbe nicht über 200 Prozent hinausgehen wolle. Es war also für die Neuberatung des Etats ein Fingerzeig gegeben worden. Schließlich wurde mit den Fraktions­führern vereinbart, bis Dienstag vormittag 10 Uhr ihre Stellungnahme mitzuteilen, Nichtbeantwortung sollte als Ablehnung betrachtet werden. Wie man hört, hat die s o- zialdemokratische Fraktion mitgeteilt, daß sie bei Einsetzung der Bürgersteuer in Höhe von 150 Proz. und bei einem Mittelschulgeld von 84 Mk. anstatt 108 Mk. dem Etat zuzustimmen bereit sei. Die anderen Fraktio­nen haben nicht geantwortet, so daß also eine Neubera­tung des Etats abgelehnt ist.

Neues aus Frankfurt.

— Von einem Eifenstück gelötet. Der 41jährige La­gerarbeiter Friedrich K u g e r aus der Burgstraße wurde am Montag nachmittag in einer Maschinenfabrik des Ost­hafengebietes von einem herabfallenden schweren Eisen­stück so unglücklich getroffen, daß er außer zahlreichen Rippenbrüchen und zwei Ärmbrüchen auch schwere innere Quetschungen erlitt. Kuger starb kurz nach der Einliefe­rung in das Heiliggeisthospital.

Wilddieberei im Taunus.

— Idstein. In dem Stadtwald Idstein und den be­nachbarten Waldungen wurde von den zuständigen Forst­beamten festgestellt, daß stark gewildert wurde. Verschie­dentlich wurden gestellte Schlingen und verendete Rehe und Hasen, die Schußverletzungen aufwiesen, gefunden. Durch verstärkten Jagdschutz wurden einige verdächtige Leute ständig beobachtet. Den Forstbeamten war bekannt, daß die Leute Waffen mit sich führten und auch gegebe­nenfalls von ihrer Waffe Gebrauch machen würden, falls sie von den Forstbeämten gestellt würden. Am Samstag wurden zwei der Wilddieberei verdächtige Personen aus Idstein im Bermbacher Wald von einem Forstbeamten festgenommen. Die vorgenommene Haussuchung brachte verschiedene Waffen zutage, die beschlagnahmt wurden.

Aus Oberhessen.

----- Amöneburg (Krs. Kirchhain). Am 1. Mai verläßt unser allseits beliebter Hauptlehrer Schneider Amöne­burg, da er wegen des Abbaues der hiesigen Hauptleh­rerstelle von der Regierung als Konrektor nach Volk­marsen versetzt worden ist. Die Schuldeputation veran­staltete aus diesem Grunde eine Abschiedsfeier, um Herrn Schneider, den man nur ungern scheiden sieht, den Dank der Stadt für seine aufopfernde, 8jährige Tätig­keit auszusprechen. Für die Stadt sprach Herr Bürger­meister Klien, für die Kirchengemeinde Herr Pfarrer Mans. Wir verlieren in unserem Hauptlehrer einen selten tüchtigen Lehrer und Erzieher, dem die Jugend stets in dankbarer Liebe und Achtung ein ehrendes Andenken bewahren wird. Wir vermissen fortan den Meister auf der Orgel, den eifrigen Förderer des Kirchen- gefanges. Unseren Gesangverein hat er als nimmer­müder feinfühliger Dirigent auf eine sehr beachtliche Höhe gebracht. Auch als Heimatdichter hat er sich ver­dient gemacht. Den Berg, mit dem er recht verwachsen war, befang er in dem „Lokalgedicht" dem sogenannten „Bergerlied", das zu seiner Ehre weiterklingen wird. Die gesamte Bürgerschaft unseres Städtchens ruft dem Abschiednehmenden ein herzliches „Vergelts Gott" zu. Eine öffentliche Ehrung veranstaltete die Bürgerschaft gegen den Willen des Scheidenden. Die Schulkinder der oberen Jahrgänge brachten ihm gemeinsam mit dem Ge­sangverein am Montag Abend einen Fackelzug. Ab­schiedslieder, gutgemeinte Abschiedsgedichte wechselten mit Ansprachen ab. Es folgte ein gemütliches Beisammen­sein. Gottes Segen begleite den neuen Konrektor in sein neues Wirkungsfeld nach Niederhessen!

Zwangsweise Skenererhöhnng In Marburg?

Die neuen städtischen Bäder erfordern einen jährlichen Zuschuß von 50 000 Mark.--122 000 Mark des Mar­

burger Etat» ungedeckt. — Die Deckungsvorschläge abgelehnt.

X Marburg. Die Beratung des Matburger Etats 1931 durch die Stadtverordneten am Dienstag nahm 5% Stunden in Anspruch. Der Etat sieht Ausgaben in Höhe von 190 000 Mark vor, gegen das Vorjahr ein Weniger von 63 000 Mark. Zu Beginn der Sitzung teilte Oberbürgermeister Müller mit, daß sich der unge­deckte Betrag, den man anfänglich auf 150 000 Mark schätzte, infolge weiterer Steuerausfälle auf 165 000 Mk. erhöht habe. Aus der Abteilung Bäderverwal­tung ist hervorzuheben, daß sich aus dem Betrieb der neu erbauten städtischen Bäder (Hallen- und Sommer­schwimmbad) wohl 23 000 Mark Betriebsüberschuß er­geben haben, daß aber der Zinsendien st 73000 M k. erfordert: die Stadt mußalso jährlich 50000 Mk. zuschießen. Der Magistrat hatte zur Deckung des Etatdefizits Erhöhung der Bürger­st e u e r u m 100 P r o z., sowie Erhöhung der Ta­rife der gewerblichen Betriebe und zwar Erhöhung des Lichtpreises um 2 Pfg. pro Kilowatt­stunde, Gas 2 Pfg. und Wasser 5 Pfg. pro Kubikmeter vorgeschlagen. Es wurden eine Reihe von Deckungsvor» schlagen, wie Einführung einer erhöhten Biersteuer, ei­ner Schankverzehrsteuer und einer Lohnsummensteuer gemacht, die sämtlich der Ablehnung verfielen. Geneh­migt wurde nur die Erhöhung des Gaspreises um 2 Pfg. und des Lichtpreises um 2 Pfg. Damit waren je­doch nur 43 000 Mark gedeckt. Zur Deckung der rest­lichen 122 000 Mark wurde vom Magistrat Erhöhung der Bürgersteuer um 150 Prozent beantragt, was man je­doch mit großer Mehrheit ablehnte. Damit war die (Etatsberatuitg erledigt, mit der Deckung der restlichen 122000 Mark wird sich nunmehr der Bezirksaus­schuß zu beschäftigen haben.

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Der neue Telefonie-Sender „Elbe Weser Radio" bei Cuxhaven

dient der Vermittlung von drahtlosen Telefon­gesprächen an Schiffe auf hoher See. Besonders für Reedereien ist diese Neneinrichtung von großer Wichtigkeit.

Eine Dauersitzung des Schlüchlerner Kreistages.

Der Voranschlag des Sreifes für 1931 genehmigt. — Wird die Satztalbahn gebaut? Aach den Erklärungen des Vertreters der v. Kühlmannfchen Verwaltung steht ih» Rentabilität außer Zweifel. — Der Kreistag will sich mit 100 000 Mark an öen Baukosten beteiligen. — Wann wird es möglich fein, den wertvollen Bad Sodener Sprudel wirtschaftlich auszunutzen?

„Preisend mit viel schönen Reden, saßen Männer in dem Saal" — so könnte man in Anlehnung an das be­kannte Lied beginnen, wenn man ein etwas boshaftes Gedicht auf die am Montag, den 27. April im Kreishaus zu Schlüchtern abgehaltene Sitzung des Kreistages Schlüchtern machen wollte. Die Kreistagsabgeordneten tagten nämlich, abgesehen von einer kleinen Mittagspause, von morgens 9 Uhr bis abends 7 Uhr, so daß sie ihre paar Mark „Diäten" sauer verdient haben. Zudem geht es im Schlüchterner Kreistag nicht immer friedlich zu. Man macht gern persönliche Bemerkungen und führt — meist auf feiten der Linken — hitzige Reden und stellt An­träge, die auf Widerhall bei den zahlreichen Zuhörern abgestellt sind. So ist der Schlüchterner Kreistag ganz ein Abbild der großen Parlamente in Berlin. Doch scheint man es in der Regel nicht allzu bös zu meinen, wenn man sich bei der allzu großen Langmut des Vor­sitzenden einmal „anpflaumt". Nur der Sozialdemokrat Mülle r-Steinau benimmt sich manchmal stark daneben und glaubt, er müsse radikaler sein als die beiden sehr ruhigen Vertreter der Kommunisten und Nationalsoziali­sten. Seine hämischen Bemerkungen gegen die Geistlichen beider Konfessionen sind schon beleidigender Natur und hätten einen Ordnungsruf verdient.

Nun zur Sache. Der kurz nach 9 Uhr durch Landrat Müller eröffneten Sitzung wohnte auch Regie­rungspräsident Dr. Friedensburg bei. Der Vorsitzende wies eingangs auf die Schwierigkeiten hin, die einer ordnungsgemäßen Aufstellung des Haushalts­planes gegenüber stehen. Die Ausgaben für die Wohlsahrtserwerbslofen steigen, während die Steuerguellen zurückgehen. Von einer Selbstverwaltung der Kreise könne man nicht mehr sprechen, da der Kreis keine Gelder nach freiem Ermessen ausgeben oder ein­nehmen kann. Wenn es dem Kreisausschuß möglich war, im Gegensatz zu anderen Kreisen den Etat für 1931 auszugleichen, so nur deshalb, weil die Einnahmen und Ausgaben auf Grund einer optimistischen Kalkula­tion eingesetzt worden sind. Der Kreisausschuß wollte von sich aus alles tun, was Voraussetzung für die Gesundung ist: daß nämlich

die Ausgaben den Einnahmen angepaßt werden.

Reglerungsprösidenk Dr. Ariedensburg

führte in einer kurzen Ansprache aus, daß d i e gegen­wärtige Belastung der Kreise und kreis­freien Städte durch die Wohlfahrtser­werbslosen auf die Dauer unerträglich s e i. Die volle Wirkung der Wirtschaftskrise auf die Finanzen zeige sich erst in diesem und im nächsten Jahr. Die Staatsregierung kann dieser Entwicklung nicht un­tätig zusehen. Ein Ausgleich der Lasten muß durchgeführt werden. Cs fei erfreulich, daß die Kreis- körperfchasten trotz der schwierigen Sage nicht den Mut verloren haben. Der Regierungspräsident fand anerken­nende Worte für den Willen der Verwaltung und der Körperschaften, die wirtschaftl. Kräfte des Kreises Schlüchtern zu verstärken. Diese zukunftsfrohe Haltung finde seinen Ausdruck in den bei­den ersten Punkten der Tagesordnung, die das Projett einer

Bah« durch den Hukken'schen Grund

im Vogelsberg und die Ausnutzung des Bad So­dener Sprudels betreffen.

Wie bekannt ist, plant man

bett Hutten fchen Grund und insbesondere die bei Kerbersdorf liegenden Steinbrüche der Freiherr von Kühlmann-Slumm'schen Verwaltung und des Ve- zirksverbandes durch eine normalspurige Kleinbahn zu erschließen.

schastlichen Wertes, wie ihn der Bad Sodener eDn,h„, darstellt, nicht aus Kleinmut unmöglich machen. pcuo”

Inzwischen war 11 Uhr vorbei. Regierungspräftb«». Dr. Friedensburg mußte abreifen. Eine Anfr^ Mülle r-Steinau (Soz.), warum an den Kreissekretn» Wieschrnann, gegen den feit Jahren ein Dil ziplinarverfahren schwebt, immer noch 2250 Mk Wartegeld gezahlt wird, gibt noch Gelegenheit, auf bi» schweren Schäden für die Verwaltung hinzuweisen bi» durch die

Verschleppungspolilik des Oberoerroalfungsqeridx« bei Disziplinarverfahren

entstehen. Der Kreisausschuß wird beauftragt, beim Oberverwaltungsgericht das Befremden der Körperschaft über die lange Dauer des Verfahrens zum Ausdruck zu bringen. Das führe zu unhaltbaren Zuständen, für die der Fall Wieschrnann ein typisches Beispiel sei. '

Die Versammlung tritt bann in eine stundenlange

Beratung des Kreishaushaltes

ein. Es wurden Anträge auf Erhöhung der Ausgaben gestellt, ohne daß die Antragsteller der Linken bie Deckungsfrage auch nur mit einem Wort streiften. Man tat das, obwohl alle Parteien an den Etatberatungen int Ausschuß teilgenommen hatten. Die Anträge der Lin­ken, die fetzt im Plenum gestellt wurden, entsprangen demnach lediglich dem Agitationsbedürfnis. Dem gegenüber stellten sich die Vertreter der Zentrums­partei auf den Standpunkt, daß der Etat so genehmigt werden müsse, wie er vom Kreisausschuß mit Mühe ausbalanziert worden ist.

Bei der Beratung des Kapitels Allgemeine Verwal­tung und Polizeiangelegenheiten werden die bisher ge, zahlten Entschädigungen von 6 bezw. 9 Mark an die Kreisausschuß- und Kreistagsmitglieder gegen den Na­tionalsozialisten wieder festgesetzt.

Unter dem Kapitel: Förderung von Landwirtschaft und Gewerbe wurden die

Ausgaben für den kreisobslgarlen

auf den Antrag von Wegmann (Hesi. Arbeitsgem.) von 3000 auf 2000 Mark herabgesetzt. Die Anträge auf Erhöhung des

Zuschusses zur Lateinschule In Schlüchtern

von 6500 auf 8000 Mark wurde abgelehnt. KuratuS Kind vertrat den Standpunkt, daß der Zuschuß zu bet Lateinschule in Schlüchtern und der Privatreale schule in Salmünster in ihrem Verhältnis zuein, ander sich nach der Schülerzahl richten müsse. Dieser Gesichtspunkt sei für den Kreisausschuß _ maß» gebend gewesen, wenn er den Zuschuß für Schlüchtern auf 6500 Mk. und für Salmünster auf 3000 Mk. fest­legte. Die Anträge der Sozialdemokraten auf Strei­chung dieser Zuschüsse wurden abgelehnt.

Bei der Beratung des Etats der Kreiswohl» fahrtspflege forderte Sreistogsabg. Hohmann (Komm.) eine Erhöhung der

Fürsorge-Richtsätze

um 50 Prozent über die Sätze der Vorlage hinaus, wäh­ren Müller-Steinau (Soz.) bie generelle Hebe» nähme der Wohnungsmiete der Fürsorgebedürftigen burch bas Wohlfahrtsamt forberte. ' Kuratus K i n b-Marborn kennzeichnete ben Stanbpunkt bes Zentrums bahin, daß es wisst, baß die Unterstützung unzulänglich fei Man könne aber dem Antrag der Linken, bie bem Kreis bis 30000 Mk. Mehrausgaben verursachten, nur zu« stimmen, wenn geeignete Deckungsvorschläge ge­macht würden. Landrat Müller betonte, daß bie Woh» nungsmiete schon seither vom Kreise getragen werde, wenn Bedürftigkeit nachgewiesen werde. Die Anträge der Linken wurden darauf trotz ihrer Drohungen abge»

Die Durchführung bes Projektes fordert ein Kapital von 1 Million Mark. Dieses soll so aufgebracht werben, baß sich bas Reich, Preußen unb der Bezirks­verb anb mit je 250000 Mk. beteiligen, währenb ber Rest von ben Interessenten, nämlich ber v. Kühlmannfchen Verwaltung, bem Kreis unb den Gemeinben des Hut- tenfchen Grundes getragen werden müßte. Die Ge­meinden Romsthal, Kerbersdorf, Wahlert und Eckardroth haben sich entschlossen, den auf sie entfallenden Kostenanteil zu übernehmen, während die Städte Sa l m ü n ft e r und Bad Soden noch keine Erklärung abgegeben haben unb bie Gemeinbe Sar­rod eine Beteiligung ab gelehnt hat. Der Kreisausschuß hatte nun eine Vorlage eingebracht, nach der sich der Kreis bis zu 100000 Mark an dem Unternehmen beteiligen soll.

Kreistagsabg. Weißbecker-Romsthal (Ztr.) führte als Vertreter der Bevölkerung im Huttenschen Grunde aus, bah der Bau der Bahn eine

Lebensfrage für die dortige Arbeiterbevölkerung

fei, die heute nicht mehr wie früher nach Frankfurt oder nach Westfalen gehen könne, sondern versuchen müsse, sich auf bem kargen Boben der Heimat zu erhal­ten. Er bat bie Vorlage anzunehmen. Bürgermeister Heil-Ulmbach (Ztr.) und Kreistagsabg. Berthold (Soz.) machten darauf aufmerksam, daß es zweckmäßig fei, bie Bahn nicht als Sackbahn, fonbern als

Durchgangsbahn durch den Vogelsberg zu projek­tieren und sie in Fulda wieder die Strecke Bebra- Frankfurt erreichen zu lasten.

Während Keistagsabg. W e g m a n n (Hess. Arbeitsgem.) sogar 80 000 Mk. als -verlorenen Zuschuß bes Kreises zu ber Bahn geben wollte, erklärte sich sein Frak- tionsgenofse C r e ß-Elm gegen bie Vorlage, da bie Ren­tabilität nicht gesichert sei. Dem gegenüber gab aber Ober­förster Augustin als Vertreter ber von Kühlmann- schen Verwaltung bie Erklärung ab, daß die von Kühl- mannsche Verwaltung Verträge abgeschlossen habe, nach denen sie 20 Jahre lang große Mengen Säulen- bafalt an bie Zuibersee-G e s ell s ch aft in Hollanb liefern könne. Auch brauche man eine Er­schöpfung ber Basaltsteinlager in ben nächsten 100 Jah­ren nicht zu befürchten. Durch ben Bahnbau könne auch bas Ouarzitvorkommen im bärtigen Gebiet wie­der rentabel ausgebeutet werden. Die von Kühlmannsche Verwaltung werde sich mit demselben Betrag wie der Kreis an den Kosten der Bahn beteiligen.

Nach'diesen Erklärungen faßt ber Kreistag gegen eine Stimme bei brei Enthaltungen (Hess. Arbeitsgem.) ben Entschluß, sich mit einem Kostenanteil bis zum Höchst­betrag von 100 000 Mk. an bem Bahnbau zu beteiligen unter ber Bebingung, daß sich ber Bezirksverband mit mindestens 250 000 RM. unb bie Kühlmannsche Ver­waltung mit bem gleichen Betrag wie der Kreis beteiligt

Der Bezirksverband hat feine Beteiligung zugesagt, wenn die Rentabilität gesichert ist. Hoffentlich gelingt es nun, bie Beteiligung bes Reiches, Preußens unb des Be- zirksverbanbes zu erreichen.

Der neue Sprudel in Vad Soden

ist bas Sorgentinb von Bürgermeister Radke. Er ver­körpert einen großen Wert, da er hinsichtlich feiner Qua­lität unb Störte in Deutschlanb seinesgleichen sucht. 700 Zentner Mineralsalze könnten täglich gewonnen werben. Bis jetzt war es aber noch nicht möglich, den Sprudel wirtschaftlich zu verwerten. Bürgermeister Radke be­richtet über die Bemühungen der Stadtverwaltung von Bad Soden, hier dem Ziel langsam näher zu kommen. Es handelt sich dabei einmal um die bademäßige und dann um die industrielle Auswertung. Bei der heutigen Sage am Kapitalmarkt war eine abwarten de Haltung der Stadtverwaltung am Platze. Die Ver­wirklichung eines großen Projektes erforderte einen Ka­pitalaufwand von 1% bis 2 Millionen Mark. Augen- blicklich schweben Verhandlungen über ein kleineres Pro­jekt Bürgermeister Radke bittet die Körperschaft, ihn wie bisher im entscheidenden Augenblick zu unterstützen. Man dürfe die Nutzbarmachung eines wirt«

lehnt Der

Voranschlag des kreiswohlsahrlsamkes. der mit 379 590 Mk. in Ausgabe und 256 555 Mk. in Ein­nahme schließt, wurde darauf angenommen.

Bei der Beratung des Etats der Kreis kranken- und S i e ch e n h ä u f e r, der mit einem Ueberfchuß von 20 000 Mk. abfchließt, trug Kreistagsabg. Weißbecker» Romsthal ben Plan ber Schwestern bes Kreisstechen« Hanfes in Eckarbtroth vor, ihrer vorbilblich geführten Anstalt ein

Kinder- und Jugendheim für Lckarbiroth anzugliedern. Die zu erledigenden baulichen Arbeiten sollen sich nach einem Vorschläge bes Kreisbaumeisters auf runb 14 000 Mk. stellen. Das Fulbaer Mutterhaus hat sich bereit erklärt, 5000 Mk. dieser Kosten zu übernehmen» 4000 Mk. erwartet man vom Bezirksverband bezw. der Jugendpflege, während die restlichen 5000 Mk. vom Kreise aufzubringen wären. Da die Angelegenheit m diefer Sitzung natürlich nicht erledigt werden kann, steul Abg. Weißbecker den grundsätzlichen Antrag auf Mttyufe bes Kreises. Man darf sich nicht wundern, wenn Avg. Berthold (Soz.) gege nben Antrag ist. Landrar Dr. Müller will jedoch die Vorlage bem KreisausschUv als Material unterbreitet haben. .

Der Etat würbe schließlich, wie vorgelegt, verabschieden Als Endziffer nennt er 1020 700 RM. (gegen 1016 54V RM. im Vorjahre). _

Dann kommen endlich die übrigen Punkte der Tages­ordnung zur Erledigung:

In den Gewerbesteuerausschuß wurde anstelle von Martin Büttner-Salmünster ber Müller Joseph Harnisch ^^KreEpark'assenbilanz unb Kreiskommunalkassenrech« nunq 1929 wurden abgehört unb gebilligt.

Die anderweitige Tilgung des 1929 bei ber Fulda» Kreissparkasse zum Ausbau von Altwohnungen aufgenom­menen Darlehens wurde gemäß ber Kreistagsvorlage gut« geheißen. . <«,

Die Bürgschaft für ein Darlehen bes Krersobtt bauoereins Schlüchtern, mittels besten er l«? eine

Obstlagerhalle zu errichten gebentt, wurde gegen bie Stimmen ber Heft fischen Arbeitsgemeinschaft bewilligt.

Für bie wohlfahrtserwerbslofe« werben die Krankenversicherungsbeiträge unb bie Beiträge zur Aufrechterhaltung ber Anwartschaft aus ber *5 liden- unb Angestelltenversicherung übernommen

Ein Antrag ber neugegründeten Molkereigenossenscha Hintersteinau auf Gewährung eines verlorenen Zusch von 4000 RM. durch den Kreis ruft -ine lebhafte mM uninteressante Debatte über die noch sehr zwe f 9 künftige

Gestaltung des Molkereiwesens im kreise Schlüchtern hervor. Der Antrag wird bem Kreisausschuß als M rial überwiesen.

Die Wildschäden im kreise Schlüchtern sind ein Kapitel, das dringende Abhilfe^verlangt. «er

Otto-Marjoß (H. A. G.) und Harn,schseger-Salmu konnten mit beweiskräftigem Material äufn»

Salmünster

habe man im letzten Jahre 2500 RM. an erung genommen, aber 3500 Mark für Schadensr g ausgeben müssen. Gleiche Klagen kommen 6 i6all5« berg, Jossa, Ahl. Dem Kreistag, bezw. Kr ^ schuß wurde vorgeschlagen, bei den maßgeblich vorstellig zu werden. batten

Der Kreistag schloß gegen 18.45 Uhr. auf*

die Vertreter der Linken noch mit einem M tzch gewartet. Sie behaupteten auf einmal, der v hen" rechtmäßig verabschiedet. Das traf aber nicht Landrat Dr. Müller, dessen Gründlichkeit eine_ fi1( ten schnelleren Abwickelung der Dinge rnanw . „ als gut im Wege stand, hat dies in aller Deutlich zogen.