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NH
2k. April
Beilage zur Fuldaer Zeitung
Ile. 96
immer mutige Menschen
Auf Deutschlands höchstem Gipfel
Ge-
,Davon weiß
Weiter! Wei-
Bitte ihn, mit dir zu sprechen!"
.Bleib' hier, Marie!
gleiten. Dann wollen wir sehen, ob Vriesmans Porträt I
da ist." 1
der auf
trägt, aber nicht ganz jenen her brachte . .
„Vriesmans Porträt?" sagte Reynold. ich nichts."
„Er sagt ... es sei noch da . . ."
„Auf Jägarö?" wisperte Drakenborch.
ter!"
Der erste Kurgast
Bon K. Kretz schm er.
„Ich kämpfe nicht gegen die Wahrheit," versetzte Hugo Reynold und stand auf, „aber ich will ihr ins Auge sehen. In diesem Fall ist es leicht festzustellen, wie es damit steht. Ich schlage den Anwesenden vor, mich heimzube-
Rocseler.
eine Welle über den Menschen herein. Einen Augenblick muß man sich besinnen . . .
Wir stehen in der großen Halle des Schneefernerhauses, wir sind 2650 Meter hoch, und nur noch einige Schritte trennen uns von einem der grandiosesten Ausblicke, die das Hochgebirge kennt. Der 7 Quadratkilo- meter große Plattferner liegt glitzernd zu unseren Füßen, ein riesiges Schneefeld, aus dem sich die Skifahrer noch im Juni tummeln, dahinter erhebt sich in schweigende Einsamkeit die Gipfelwelt der Arider ge und Tiroler Alpen. Strahlende Höhensonne brennt vom wolkenlosen Himmel herab.
Wandern wir durch die Räume des fünfstöckigen Hotels, das wie ein großes Vogelnest am Felsen klebt, das 1500 Personen faßt und dessen breit« Fensterfront nach Süden gerichtet ist, so wollen wir es fast nicht mehr glauben, daß wir uns hier dicht unterhalb des 3000 Meter hohen Gipfels des höchsten deutschen Berges befinden. Die lange Sonnenterrasse des herrlichen Hotels ist mit Liegestühlen dicht besetzt, Touristen und Skiläufer durcheilen in ununterbrochenem Strom die Halle.
Gedränge an der rückwärts gelegenen Absahrtsstation der Seilschwebebahn, die hinauf zum Gipfel führt. D>e 24 Personen fassende Kabine nimmt auch uns auf, und in unmerklich sanftem Fluge schweben wir bergan. In wenigen Minuten sind die letzten 300 Meter überwunden, die uns vom Gipfel trennten, und nun stehen wir aus dem Grat zwischen West, und Ostgipfel. Da ist auch das Münchener $>aus, das wir vom Tal aus ange- rufen hatten. Der Weg zu ihm ist nicht mehr beschwer- lich, seitdem man den Grat mit festen Laufseilen gesichert hat. Nach allen Seiten ist hier oben der Blick frei. Im Süden recken sich die Fels- und Eistürme der Dreitausender des Alpen-Gipfelmeeres ins Sonnenlicht, nach Norden zu verliert sich der Blick im Dunst der weiten Ebene Süddeutschlands. Umfassend und grandios ist das schweigende Landschaftsbild, das sich hier dem rastenden Touristen bietet.
Nach langer sonniger Gipfelrast schweben wir mit der Kabine zum Schneefernerhaus zurück. Jetzt werden — was hier selbst im Frühjahr noch möglich ist! — die
hat", sagte der Journalist.
„O nein, sogar die Regal» JM nicht so alt," erwiderte Reynold, „aber wie Sie setze» ist es einer von den
Skier herausgeholt, und in halbstündigem Anstieg geht es auf den Brettern über ein sanft steigendes Schneefeld zum Schneefernerkops. Der Schnee ist schon firntg, die Sonne hat ihn ausgelaugt. Da lacht des Skiläufers Herz. Kaum lassen wir uns noch Zeit, die Felle von den Laufflächen zu lösen, dann gleiten wir in rauchenden Schwüngen hinab zum Platt, vorbei am Schneefernerhaus, das jetzt links liegen bleibt, und weiter abwärts — Richtung Gatterl. Fast 2000 Meter Skiabfahrt >n das Tal krönen diesen Tag, der uns vom frühen Morgen bis zum späten Abend eine ununterbrochene Kerle von Erlebnissen beschert hat.
Ich war da. Man wartete aus mich seit sechs Mo- naten; kein Wunder, daß die Freude groß war. Freuen wir uns nicht auch über jede Frühlingsblume, und ist ein Kurbad ohne Gäste nicht wie ein Garten ohne Blumen? Die Leute hatten also Ursache, sich zu freuen. Da ich meine Kur noch nicht begonnen hatte, fragte ich erst einmal, wo es das beste Pilsner gäbe. Der Omnibusführer muß es mir angesehen haben, daß ich Durst hatte, denn er hielt mitten in der Fahrt an und nahm mich auf. Und er war sogar so aufmerksam, dem erster» Kurgast gegenüber, daß er ihm verriet, es sei praktisch, nur bis zur Kirche mitzufahren, bis dahin koste es einfache Taxe, hinter der Kirche aber schon doppelte. Hat man so etwas schon jemals erlebt?
Das Pilsner war ideal, es hatte eine fabelhafte Schaumkrone wie Schlagsahne, und das Lokal war voller Einheimischer, die vergnügt aussahen und lachten, denn die Saison hatte ja begonnen! Eine Wolke der Geborgenheit hüllte mich ein.
Am nächsten Morgen hatte auch der Himmel ein Einsehen mit dem ersten Kurgast, er war bugolank, und 6:e Frühlingssonne schien geradezu unverschämt warm herab; so beschloß ich gleich am ersten Morgen, mein Frühstück kurgemäß erst nach einem Spaziergang einzunehmen, und die verführerische Sonne lockte mich dabei auf den höchsten Berg, dessen ich habhaft werden konnte. Dort aber waren zu meinem Empfang, so schien es, wenigstens zehn schmucke Mädels als Ehrenjungfrauen aufgebaut, die bei meinem Anblick geradezu in Ekstase gerieten: er ist da, der erste Kurgast! Seine Schritte schweben über den gelben Kies, den noch kein Kurgast betreten, seine Augen wählen unter hundert Plätzen den besten in der Sonne, aus dem ganz frisch gestrichenen Stuhl, an dem Tisch mit der Decke, die eben aus dem Laden kommt. Die Kellnerin strahlt, schleppt warme Decken herbei und sagt: „Heuer sind Sie der erste." Ich nicke befriedigt und lasse mich nieder. Ich eröffne die Saison auf dem Berge Die Finken zwitschern, und die grünen Triebe der Sträucher schielen neugierig aus dem Geäst. Ich hatte das Gefühl, kein König hat es besser; und das ist bekanntlich schon ein ganz wesentliches
einmal ein hübsches kleines Vogellied hören. So zum Beispiel in Brasilien die Stimmen einiger Drosselarten und im australischen Buschland den Gesang eines Neun- töters, der so lieblich klingt, daß jeder ihm gerne zuhört.
Unter den vielen Dogelarten, welche die Erde beleben, gibt es nun auch einige ganz besonders wunderliche Käuze, die Spoltvögel nämlich, die sich statt mit den eigenen lieber mit fremden Stimmen hören lassen. Auch unser Star und der Eichelhäher sind geschickte Nachahmungskünstler; aber von der nordamerikanilchen Spottdrossel werden sie weit überflügelt, denn dieser sonderbare Vogel kann wie ein Kanarienhahn rollen, gleich einer Krähe krächzen oder wie eine Eule schnarchen. Doch auch diese Stimmkünstlerin findet ihren Meister, und zwar im Vogel Beo, der auf den malaiischen Inseln heimisch ist, zu den Staren gehört und einfach alles nachahmt, was er hört. Er gackert wie die Henne, kräht wie der Hahn, pfeift wie der Mensch, ja er lernt auch, — so beobachtete Dr. Carthaus auf Java — sich genau so zu räuspern und so zu hüsteln wie fein Herr. Wenn der Vogel einen Menschen lachen, niesen, gähnen oder ausspucken hört, bemüht er sich mit Erfolg, diese Töne nachzuachmen. Daß man diesen kleinen Künstler auch sprechen lehren kann, versteht sich von selbst, und dann übertrifft er denn wirklich den gelehrigsten Papagei, weil er Worte nicht nur leicht lernt, sondern sich auch — übt, sie zu behalten und auszusprechen, eine Erscheinung, die unter allen Vögeln einzig dasteht. Er wäre aber nicht der Talentvollste aller stimmbegabten Vögel, wenn er nicht auch singen könnte. Er wiederholt Melodien, die man ihm vorsingt, so richtig, daß man sie sogleich wiedererkennt. Und sogar ebenso wie der Mensch mit den Silben „Sa, la, la".
heißen so, weil sie gewöhnlich zu zwölft zufammenfl'e- gen — leise und traurig pfeifen, daß es sich anhört wie Flötentöne aus der Ferne. Brasilien besitzt wieder ganz andere Stimmkünstler. So die „Seele der Katze", einen elsterähnlichen Vogel, der miaut, dann ein paar „Schmiede", deren Stimmen so klingen, als ob man einen eisernen Hammer stark auf eine Schiene aufschlüge, was indes manchen Menschen so gut gefällt, daß sie die Schmiede gern als Singvögel im Käfig halten. Auch die Stimmen der mit den Schmieden verwandten „Scherenschleifer" lasfen an Eigenart nichts zu wünschen übrig, da ihr Ruf laut und getreu das Geräusch raschen Scherenschleifens nachahmt. Im argentinischen Gran Chaco ruft der Schlangenstorch unermüdlich Tonleitern, worin ihn aber der brasilianische Schreivogel noch übertrumpft, weil er sogar die chromatische Tonleiter und noch lmzu mehrere Oktaven hindurch pfeift. Eine ganz besondere Bedeutung besitzt jedoch der Ruf des afrikanischen Honigkuckucks. Nicht daß es irgendwie schön klänge, wenn er zu schnarren anfängt; aber wenn die Neger durch den Buschwald wandern und der Honigkuk- kuck schnarrt, hören und sehen sie nichts mehr als den kleinen/ grauen Vogel. Denn sie wissen, daß er sie zu einem honiggefüllten Nest wilder Bienen führen wird; und tatsächlich fliegt der Vogel von Baurn zu Baurn, wartet, daß man ihm nachfolgt, fliegt dann wieder weiter und hält endlich da, wo die Bienen nisten. Die Eingeborenen Boliviens haben einen ähnlichen Wegweiser in ihrem Kautschukvogel, der „Chu-chu-chu" ruft, wenn er in die Nähe von Kautschukbäumen kommt.
Mit dem Gesang unserer einheimischen gefiederten Freunde können sich also die Stimmen der Tropenvö- gel sicherlich nicht messen, aber inmitten des so seltsam klingenden „Konzertes" kann man bisweilen doch auch
am Hotel vorfuhr! Das Man hatte also nicht um- Alles war blitzblank, Zim-
FrühNngsftimmen.
Don M. A. v. Lütgendor ff-München.
Laut und leise, lieblich und kraftvoll jubeln ungezählte Dogelstimmen durch die frühlingsgrüne Natur Ein Massenlied im harmonischen Zusarnrnenklang der Stimmen und doch geschieden in so vielfältig verschiedene Einzelgesänge, daß sie das Ohr kaum fassen kann. Da ein leises Locken, kaum vernehmbar, dort ein flö- tenier Kunstgesang von bezaubernder Klangschänheit. Dann wieder schurrt, klappert und knarrt es, tönen geb lenbe oder sanfte Pfiffe oder Laute, die schwirren u.id klirren. Aber alle, wie sie auch klingen, sind Frühlings- stimmen, die schönsten, die uns die Natur hören läßt.
Jede Vogelstimme zeigt uns um diese Zeit den Gipfel ihrer Kraft, und keine ist unter ihnen, die nicht ihre Eigenart hätte. Ja felbst am Hahnenschrei läßt sich manche hübsche Beobachtung machen. Kräht doch, wie eg sich im Verlauf von vergleichenden Untersuchungen herausstellte, der Hahn der deutschen Hühnerrassen viel klangschöner als etwa der englische. Der Anfang des Hahnenschreies wird gewöhnlich in Dur ausgeführt, und zwar oft als Dreiklang, während dem lang ausgehaltenen Endruf mitunter eine kleine, kunstreiche Schleife angehängt wird, die dann etwas tiefer abtlingenb, zum Schluß führt. Was aber dem Hahnenruf das befon* ders Kennzeichnende verleiht, ist sein Sechsachteltakt. Es gibt als sehr seltene Ausnahmen zwar auch Hähne, die im Zwei- oder Viervierteltakt krähen; aber dieser Hahnenruf klingt dann so sonderbar, daß die Hähne selbst ihn nur ungern beantworten. Auch in den zwei lieblichen Locktönen des Kuckuckruss liegt der altvertraute Klang nur im genau eingehaltenen Viervierteltakt und in der starken Betonung der zweiten Rufsilbe Wenig bekannt, ober reizvoll zu beobachten ist es, daß der Kuckuck zur Zeit seines Liebesfrühlings seinem Ruf oft eine leise, fast tonlos klingende Vorstrovhe vora.i- gehen läßt, wie er ferner zu den wenigen Vögeln zählt, bei denen auch die Weibchen ihre Stimmen hören lassen. Hat nämlich ein Kuckucksweibchen den Ehegatten eerloren, so versucht es, sich mit leisen, kickernden Lauten bemerkbar zu machen. Sonst sind die Dogelweib- chen aber ganz und gar nicht sangeslustig, und es ist bei den Kanarien, den Rotkehlchen, Lerchen, Grasmücken und Gimpeln, den wenigen Vögeln, bei denen man es beobachtet, eigentlich nur eine Ausnahme, wenn die Veilchen die Lockrufe der Männchen mit leisen, zwit- schernden Bauten beantworten. Bisweilen kommt es auch beim Grauspecht vor, daß die Weibchen zarte Sing- töne vernehmen lassen, so daß man dann sogar kleine Duete von den Pärchen hort, aber das sind seltene Fälle.
Wie unendlich mannigfaltig und seltsam Vogelft'm- men klingen können, lernt aber erst der kennen, der die Tropen bereift. Mehrstrophige Kunstgesänge, wie sie bei uns Singdrossel, Amsel, Nachtigall und Sprosser aus- führen, mit rhythmisch und harmonisch gegliederten Ton- folgen und vielfach wechselnder Klangstärke hört man im tropischen Urwald freilich nicht, aber dafür eine solche Fülle verschiedener Stimmlaute, daß selbst das geschulte Ohr sie nur schwer als Dogelstimmen erkennt. Da haust im australischen Busch ein Vogel, der wild und heiser lacht, merkwürdigerweise besonders bann, wenn er sieht, daß einem Menschen etwas Unangenehmes zustößt, weshalb denn auch der „lachende Esel", wie man den Spötter nennt, bei den Eingeborenen nicht sehr beliebt ist. Der australische Stockvogel läßt dagegen einen Ruf ertönen, der wie der Zoologe Puxley angibt, einer der seltsamsten Dogelrufe der Erde ist, weil er genau so wie das laute Knallen einer Peitsche klingt, wäb- renb die in Queensland einheimischen Apostelvögel — sie
„Das wollte ich gerade auch vorschlagen", sagte Dra- kenborch. „Und wenn wir's finden, amigo . . . Werden Sie das als Beweis dafür anerkennen ,daß Vriesman selbst gesprochen hat?"
Reynold stützte sich mit der Hand gegen den Tischrand.
„In dem Fall werde ich zugeben, daß es ein bindender Beweis ist", erwiderte er matt. „Vollkommen bindend, so weit ich es beurteilen kann. Keiner von uns allen konnte etwas von dem Porträt ahnen. In unfern Familienpapieren steht nirgends ein Wort davon. Ja, es wäre wirklich ein zwingender Beweis. Gehen wir also!"
IV.
So wanderten denn alle, bis auf Dolores, zu den Booten hinunter.
„Meine Tochter bittet, sie entschuldigen zu wollen « sagte Drakenborch. „Sie ist müde."
„Das begreife ich!" erklärte Wallion. „Hoffentlich ver- anstalten Sie nicht oft solche Sitzungen?"
„Nein, und so stark wie heute sind die Kräfte nicht oft. Das merkten Sie wohl auch, Dr. Wauritz?"
„Qa, ich war ganz verwundert über die Kräfte, die hier ihr Spiel treiben."
„Ah, Sie sind also bekehrt?" e !
„O nein, ich zweifelte schon vorh.er nicht daran."
Die beiden Motorboote glitten nebeneinander, von Colt und Wallion geführt, nach Jägarö hinüber.
„Bringt Lampen nach der Bibliothek!" rief Reynold dem alten Tobias zu, als sie das Haus betraten. Der alte Diener gehorchte mit erschrockener Miene, und allerAugen richteten sich sofort auf die Ecke hinterm Schreidtifch, wo sich zwei breite und hohe Regale an der Fensterwand und im rechten Winkel dazu befanden. Sie waren voll von altertümlichen Büchern, aber mitten auf einem Bord standen gleich stummen Zeugen zwölf große, braune Bände.
„Mir scheint, das spricht sehr für den Beweis", bemerkte Drakenborch.
Der Schrank unterm Regal war tiefer als die Borde, und als Erik ihn hastig öffnete, zeigte es sich, daß er mit den verschiedensten Sachen angefüllt war.
„Man darf doch wohl annehmen, daß alles das dort nicht feit zwei Jahrhundert« unberührt daringelegen
Von Otto
Wie oft schon haben wir Deutschlands höchstem Berg unsere besondere Aufmerksamkeit gewidmet! Immer wieder intereffieren uns Schilderungen oder Abbildungen dieses stolzen Gipfels, der mehr als sonst das Ziel begeisterter Naturfreunde wurde, seitdem die Zugspitz- bahn auch dem weniger geübten Bergsteiger den Aufenthalt in rund dreitausend Meter Höhe ermöglicht. Man darf sagen, daß fett Bestehen dieser von der AEG erbauten Zahnradbahn der bekannte Sammelplatz Garmisch-Partenkirchen — wohin die zahllosen Ferienrei- senden mit dem Kanvendel-Expreß von München aus in anderthalb Stunden gelangen — einen neuen Sport Hot. Ist das breite Tal einmal bedeckt, verschleiern tiefhängende Wolken die Alpengipfel ringsum, so steht bas Telephon im Münchener Haus, dem einsamen Observatorium auf dem Zugspitzgipfel, nicht still. „Wie ist das Wetter oben?" — so lautet die ständige Frage, die der Draht hinaufträgt. Und während man in seiner Telephonzelle steht und der Regen von den Scheiben tropft, sieht man den Wetterwart in Gedanken schon über den Wolken thronen — von Sonnenlicht umflutet, den blit
zenden Telephonhörer vor dem rotbraun gebrannten sicht ...
Ja, so ist es. „Kommen's nur hernauf", hat Wetterwart gesagt, und sogleich beginnt der „Run"
Sind Sie schon einmal erster Kurgast gewesen? Ich sage Ihnen, es ist etwas Reizendes. Noch nie im Lehen sind Sie so gut behandelt worden; weder Mussolini noch Eckener ober sagen wir Ford, könnte aufmerksamer be- bient werden. Ich wünsche es Ihnen wirklich van Herzen, einmal erster Kurgast zu fein. Sie sind wie der Prinz, der das Dornröschen wachküßt, ober, um einen modernen Vergleich zu gebrauchen, wie der Mann, der den Film ins Rollen bringt. Allerdings gehört ein bissel Mut dazu, Pioniere müssen sein.
Nein, der Eifer, als ich ganze Haus wurde lebendig.
,Er sagt, daß einer unter euch ist, der seinen Namen . Hier ist auch ein anderer, der
sonst geputzt und geschrubbt. ----- _ . _
mer in jeder Höhe, Lage, Preis: bitt schön, küß die Hand, wie Euer Gnaden befehlen, hab die Ehre.
Der Mann vom Meer.
Von Julius Regis.
Uebertragen aus bem Schwedischen. @. Müller-Verlag, München
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„Es ist schwer! Er nennt feinen Namen immerfort, aber ich verstehe ihn nicht."
„Bitte ihn, selbst zu uns zu sprechen!"
„Dolores kann es nicht. Wenn ich Dolores verließe, würbe es sie erschrecken. Auch Wasser ist da . . ."
„Ja, auf Jägarö in einem Zimmer mit vielen Büchern. Dort befindet sich bas Porträt."
„Das genügt nicht. Er muß sogen, wo?"
Dolores bewegte sich krampfhaft, ihr schneeweißes Gesicht verzerrte sich.
„Unter den Bücherborben finb tiefe Schränke . . . Nein, ich kann nicht mehr ... In einer Ecke am letzten Fenster . . . acht, zehn, zwölf Bände in einer Reihe . . . bas Bord ... im Schrank darunter . . . liegt bas Miniaturbild. Es hat einen schmalen Goldrand . . . aus Elfenbein ... auf der Rückseite sind die Buchstaben E. V. R. eingeritzt. . . Sucht im Schrank, wie er euch gebietet. . . Da liegt . . . der Beweis .. ."
Dolores schrie laut auf. Drakenborch sprang empor und beugte sich über seine Tochter . Er schlug sie sachte auf die Hände und strich ihr über die Stirn.
„Wach' auf! Es ist nicht gefährlich. So . . . so! Es ist zu Ende, mir fragen nicht weiter. Nein, Dr. Mauritz, es ist nicht nötig . .. Nur ein wenig Wasser, Eoli! Sie schlägt schon die Augen auf . . . efta buenol"
Das schlaff über die Stuhllehne gesunkene Mädchen richtete sich auf und sah sich verwundert im Kreise um. Sie schien nicht gleich zu begreifen, was geschehen war. Dann aber lächelte sie.
„Wie ging es?" fragte sie mit ihrer natürlichen Stimme.
„Eine famofe Seance!" rief ihr Vater begeistert aus, verstummte dann aber jäh, als fein Blick auf den ganz allein am Tisch sitzenden Reynold fiel. „Ach, Herr Reynold, ich möchte dennoch wünschen, es wäre nie geschehen. Die Wahrheit ist nicht immer unsere Freundin. Sie kann uns auch mit Schwertern schlagen."
KAFFEE HAG
RM 0.81 das kleine Paket
jetzt nur noch rm 1.S2 das große Paket * RM 1.71 die Vakuumdose
„Ah!" wisperte Drakenborch. „Und nun — Marie, kannst du seinen Nomen nennen?"
„Sag’ es uns, Marie! Sprich ihn aus!"
„Es ist . . . Erik . . . Nein, komm mir nicht näher, ich will nicht . . ."
Die klagende Stimme brach. Dos Medium regte sich, und die Stimme ertönte näher und ruhiger.
„Worte! Sprich jetzt nicht. Er ist nicht böse, ober sehr ungeduldig. Erik Vriesman Reynold. Dos ist es, was er sagt, dos ist der Nome. Erik Vriesman Reynold."
Drakenborch atmete laut und keuchend.
„Aber das ist nicht alles, Marie! Er will, daß du uns einen Gruß und eine Botschaft überbringen sollst."
„3a, ja ... er sagt, eine Botschaft für die beiden, die feinen Namen tragen."
,„Sinb sie hier."
„Er sagt, daß fein Schiff hier — draußen — im Herbststurm untergegangen ist. . . Er sagt, daß er starb, bevor er feinen Bruder zu sprechen vermochte ... Er lagt, daß ein Unrecht geschah, weil er sich nicht sterbend feinem Bruder anzuvertrauen vermochte, oder einem ankern Menschen."
„Ein Unrecht! Hier?" rief der alte Reynold aus, und Drakenborch wiederholte die Worte.
»Nein, nicht hier . . . Jenseits des Meeres."
„Ah, in Demerara? Ein Unrecht gegen feine Erben >n Schweden?"
Die Lerche grüßt de» ersten Strahl.
Die Lerche grüßt den ersten Strahl, Daß er die Brust ihr zünde, Wenn träge Nacht noch überall Durchschleicht die tiefen Gründe.
Und du willst, Menschenkind, der Zeit Verzagend unterliegen?
Was ist dein kleines Erdenleid?
Du mußt es überfliegen!
Eichendorfs.
-e llau-weism Wogen der bayerischen Zugspitzbahr die im Bahnhof Garmisch holten. Nicht ganz zwei Stunden dauert die Fahrt, die über Riessersee, Grainau. Cibsee hinauftührt und reich an großartigen Ausblicken, an ständig wechselnden Bildern ist — bis der Zahnrod- zug in den großen Tunnel taucht. Dann ist für 55 Minuten überhaupt nichts zu sehen.
Aber der Kontrast, wenn man oben anlangt! Noch ein wenig verschlafen tappst du aus dem Abteil, siehst dich um, glaubst auf einem Berliner Untergrundbahnhof zu stehen, fchleichst melancholisch durch die „heimische" Sperre, biegst mit dem Menschenstrom durch einen Gang nach links — und plötzlich schlägt dir grellweißes Sonnenlicht in die noch an den Dämmerschein des Tunn-ls gewöhnten Augen. Diese Lichtflut bricht tatsächlich wie
„Er sagt, es wäre ein großer 3rrtum gewesen. Er sagt, daß er keine Erben in Schweden Hai."
Reynold fuhr zusammen.
„Still!" flüsterte Drakenborch. „Wieso, Marie? Keine Erben in Schweden?"
„Er lagt, er habe eine Tochter gehabt ... in Demerara . . . Eine Tochter . . . Miriam . . . Als er umkam, mar sie sechzehn Jahre alt."
„Eine Tochter?" Erik, den diese Worte auch überragt und erschüttert hatten, sah, daß fein Vater eine Hand wie geblendet vor die Augen hielt. Die Stimme fuhr fort:
„3a, eine Tochter . . . Miriam . ••. Er fagt, als er nicht wiedergekommen fei, habe das Erbfchoftsgericht Vormünder ernannt. Aus Holland kam die Meldung, daß sein Schiff mit der ganzen Mannschaft und Ladung verschwunden märe. Diese Vormünder waren Schurken, und die Plantagen gingen für Miriam verloren. Sie erhielt nichts . . . Er sagt, er könne keinen Frieden finden, weil er fort mußte, ohne feinen Bruder etwas von Miriam Zu sagen..."
„Bitte ihn, mehr von ihr zu erzählen!
„Er fagt . . . Miriam heiratete mit neunzehn Jahren, und nur ihre Nachkommen hätten ein Recht auf die Erbschaft."
Es blieb lange still. Reynold hielt die Augen immer noch mit der Hand verdeckt, aber plötzlich blickte er bas Medium und bann Drakenborch an.
„Wie soll ich wissen, ob das die Wahrheit ist?" fragte er barsch.
Drakenborch machte eine Handbewegung, als ob er sogen wollte, daß er auf eine solche Frage keine Antwort zu geben vermöchte. Gleichzeitig wand Dolores sich krampfhaft in ihrem Sessel, und die Stimme sprach:
„Es gibt hier Seelen, die zweifeln, weil sie von bitterer Enttäuschung erfüllt sind. Ist es ein Beweis, nach dem sie verlangen? Er fagt, ihnen werde ein Beweis dafür gegeben werden, daß es Erik Vriesman Reynold ist, der durch mich . .,. durch Marie gesprochen hat---"
„3a," murmelte Drakenborch, „das ist es, was wir wünschen."
„Er sagt... ein Jahr vor seinem Tode habe er Bernhard Reynold eine kleine Malerei auf Elfenbein geschickt,
I ein Porträt, bas ihn darstellt.. ."