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Anzeiger für die Stabt Julda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatl

Mittwoch, 15. April 1931

Zahl«. 58

)kr. 86

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An­der Ta-

* Ruhlandreise polnischer Industrieller. Aus Warschau wird gemeldet: Die Abordnung polni­scher Industrieller, die ihre geplante Rußlandreisc wegen einiger fälschlich 'dem Volkskommissariat für Handel zugeschriebenen polenfeindlichen Com-

* Empfang des Reichsinnenministers Dr. Wirth beim Papst. Reichsinnenminifter Dr. Wirth ist in Rom vom Papst in längerer Privataudienz emp­fangen worden und hat anschließend dem Kardi­nalstaatssekretär Pacelli einen Besuch abgestattet. Der deutsche Botschafter beim Vatikan Dr. v. Ber­gen gab zu Ehren des Reichsinnenministers ein Frühstück, an dem u. a. der lateinische Patriarch von Alexandrien Graf Heyn und der Bischof von Ermeland teilnahmen.

* Dankschreiben Ministers hirlsiefer an den un­garischen Dohlfahrksminisler. Aus Budapest wird gemeldet: Der preußische Wahlfahrtsminister Dr. Hirtsiefer hat an den ungarischen Volkswohlfahrts- minister Dr. Ernezt anläßlich des 4jährigen Be­standes der deutsch-ungarischen Kinderaustausch- Aktion ein in warmen Worten gehaltenes Schrei­ben greichtet, in dem er sämtlichen ungarischen Mitwirkenden seine besondere Anerkennung und seinen aufrichtigen Dank für ihre zum Wohl der reichsdeutschen Kinder geleistete Arbeit ausspricht.

* Stahlhelmbeschwerde beim Reichskanzler. Rach einer Mitteilung des Bundesamtes des Stahl­helms hat der Leiter der Abteilung Volksbegeh­ren beim Bundesamt im Auftrage der Bundes­führung des Stahlhelms dem Reichskanzlerdie gröbsten Fälle der zahllosen bisher schon erfolgten Behinderungen des Volksbegehrens übermittelt und fein Eingreifen zum Schuhe der verfassungs­mäßigen Volksabstimmung in Preußen erbeten."

* Dienstenthebung an der Technischen Hochschule Braunschweig. Das braunschweigische Staatsmini­sterium hat, wie amtlich bekanntgeaeben wird, im Einvernehmen mit der Technischen Hochschule be­schlossen, den ordentlichen Professor für allgemeine Erziehungswissenschaft an der Abteilung für Kul­turwissenschaften der Technischen Hochschule, Dr. August R i e k e l, im Interesse des Dienstes zum 15. April 1931 von seinen amtlichen Verpflichtun­gen zu entbinden.

Manifestes vom Dezember gehört, erklärte Presse­vertretern, das Ergebnis der Wahlen zeige, daß es in Spanien keinen Kommunismus gebe. Es zeige ferner, daß die sozialistisch-republikanische Koalition über politische Kräfte verfüge, die das Regime in den Zustand der Krise bringen. Die Haltung der sozialistisch-republikanischen Partei werde davon abhängen, ob man logisch bleibe und der R e p u b l i k den Vortritt lasse. Wenn nicht, dann würden die Sozialisten und Republikaner sich nicht um die Früchte ihres Triumphes brin­gen lassen. Eine Diktatur sei nicht mehr möglich. Um sie durchzuführen, müsse ein tatkräftiger Mann da sein und eine einheitliche Armee, und es dürfe nicht eine Opposition geben, die so geschlossen sei als die Republikaner und Sozialisten. Eine Dik­tatur sei nur 1923 möglich gewesen, heute nicht mehr. Ich glaube nicht, daß die Soldaten so un­vernünftig wären, sich zu einem solchen Diktatur­plan herzugeben. Außerdem bewiesen die Wahlen, daß das politische Bewußtsein des spanischen Vol­kes erwacht sei.

Rach unbestätigten Meldungen soll sich der Kö­nig mit Rücktritts-Absichten tragen.

Europäische Zukunstsprobleme.

Vas der ungarische Ministerpräsident sagt. Vor der Genfer Tagung. Unruhige Tage in Spanien.

*Der Minister als Soldat Hitlers". Wir lesen imAngriff" Nr. 74 einen Bericht über eine Dort­munder Nazi-Versammlung. Es sprach Rechts­anwalt Frank II. aus München Er verstieg sich zu folgender Ueberheblichkeit:Wir haben die Brücken der deutschen Zukunft besetzt, und nie» man wird sie passieren, der nicht unseren Paß hat." Dann sprach der Nazi-Minister Dr. Franzen, dem das Braunschweigische Gericht sagte, daß er die Polizei belogen habe:Ein national« sozialistischer Minister ist weiter nichts, als ein Soldat in der Freiheitsarmee Adolf Hitlers . . ." Nun wissen wir es. Kein Nationalsozialist als Minister fühlt sich oder darf sichalsDienerdes ganzen Volkes fühlen und betätigen, weil er ja nurein Soldat Adolf Hitlers" ist, dessen Wil­len auszuführen hat. Und dabei schimpfen die Nazis über Parteiwillkür, über Parteiminister, über Parteibuchbeamte.

wtb. London, 14. April. (Eig. Meld.) Gestern ist von Madrid ein Zusammenstoß gemeldet wor­den, bei dem durch Schüsse der Polizei zwei Per­sonen schwer und 'füyf Personen leicht verletzt wurden. In einigen Teilen der Stadt ver­prügelten sich die Polizisten mit der Menschenmenge, die Hoch-Rufe auf die Republik ausbrachte.

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wtb. Madrid, 14. April. (Eig. Meld.) In den 49 Provinzhauptstädten, einschließlich Madrid und Barcelona, wurden gewählt 595 monarchistische Kandidaten gegen 972 Kandidaten der republika- nisch-isozialistischen Koalition.

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wtb. Madrid, 14. April. (Eig. Meld.) In einer von den spanischen Republikanern veröffentlichten Erklärung heißt es u. a.: Im Namen Spaniens, das wir vertreteten, da wir die Mehrheit besitzen, er, klären wir, daß wir energisch vorgehen werden, um dem Wunsche der Nation durch Errichtung der Republik Genugtuung zu geben. "

gemerzt werden könnten.

Zollunion und Genf.

Der Wortlaut des englischen Antrages.

wtb. Genf, 14. April. (Eig. Meld.) Der ftag der englischen Regierung, die Frage deutsch-österreichischen Zollangleichung auf die

d« spanischen Liberalen, die in eitifr wurden: Alcala Zamorra bei

Wahlrede. Unten rechts: Miguel Maura. panischen Gemeindewahlen haben den Re- brach- .und Sozialisten große Erfolge ge- purteiö sc Städten haben die Oppositions- Esns li?, oie Mehrheit erringen können. Unter den tieaen x n befinden sftch viele Persönlichkeiten, die ch«n ra Tt^emberrevolte bis vor wenigen Wo- ,m G«langnis saßen.

«sordimng der Ratstagung im Mai zu setzen, ist heute gleichzeitig in London und Genf veröffent­licht worden. Das Schreiben lautet:

,$er Staatssekretär für die Auswärtigen An­gelegenheiten, Henderson, beauftragt mich, sie zu bitten, auf die Tagesordnung der 63. Rats­tagung folgende Frage zu setzen:Das deutsch- östeneichische Protokoll für die Errichtung einer Zoknilion." Die Mitglieder des Rates, deren Aufmttksamkeit gewiß auf dieses Protokoll ge­lenkt worden ist, wissen wahrscheinlich, daß Zwei­fel aüsgedrückt worden sind hinsichtlich der Verein­barkeit des durch dieses Protokoll vorgesehenen Regimes mit Verpflichtungen, die die österreichische Regierung durch das Protokoll vom 4. Oktober 1922 auf sich genommen hat. Da über dieses Protokoll zuletzt unter den Auspizien des Rates verhandelt worden ist, ist die engllsche Regierung der Meinung, daß es von der größten Wichtigkeit sei, zu einem möglichst stühen Zeitpunkt alle Zsveifel in dieser Beziehung zu zerstreuen und sie hält es für angebracht, daß zu diesem Zweck die Frage durch den Rat selbst geprüft werde. (Un- terschrist): Orme Sargent.

Der Generalsekretär des Völkerbundes hat die­ses Schreiben der brittschen Regierung den Mit- gtiebem des Rates übermittelt.

Die Lage in Spanien.

Aach den spanischen Gemeinderatswahlen. Was wird der König tun?

Das Gesamtergebnis der Wahlen wird erst in einigen Tagen bekanntgegeben werden. Wahr- Ainlich hat in zahlreichen kleineren Städten und Doffern die monarchistische Koalition Er­folge zu verzeichnen. Der Erfolg der Republikaner «den Provinzstädten hat sogar in repu- vukanifchen Kreisen Ueberraschung hervorgerufen. Wenn in Madrid die republikanisch - sozialistische Koalition mehr Kandidaten aufgestellt hätte, wurde sie wahrscheinlich alle 50 Stadtratssitze hg- «n, denn ihre Kandidaten erhielten dreimal so «el Stimmen wie ihre Gegner. Der Führer -der sozialistisch-republikanischen Partei Albernoz, der den kürzlich freigelassenen Unterzeichnern des

- wtb. Budapest, 14. April. (Eig. Meld.) Der «iidapester Korrespondenz der Chicago-Tribüne anläßlich der 10. Wiederkehr des Tages, an Ministerpräsident Graf Beth len sein Amt 2rgt, eine Unterredung mit dem ungarischen Wnisterpräsidenten, in deren Verlauf sich Graf Sgtat u. a. über das Problem der euro- When Union äußerte und darauf hinwies, Li hie ungarische Regierung seinerzeit den Aiand'schen Plan mit Freuden begrüßt «abe, jedoch mit dem Vorbehalt, daß Ungarn feine Lösung annehmen könne, die eine Abände- gmg der gegenwärtigen Lage in Europa unmög­lich machen würde. Zur Königsfrage erkläffe der Ministerpräsident, die Staatsform Ungarns werde auch in der Zukunft eine monarchische bleiben, jach könne die Frage der Thronbesetzung nur bann gMt werden, wenn dies ganz frei und unab- jjfcngig geschehen könne. Was die Friedens- Verträge angehe, so gewinne immer mehr die Erkenntnis Raum, daß diese Verträge nicht auf die Dauer aufrecht erhaltenwerden könn­en. Es sei zu hoffen, daß diese Erkenntnis eine Atmosphäre schaffen werde, in der die in den xriedensverträgen enthaltenen Ungerechtigkeiten uröb unhaltbaren Grenzen ohne Erschütterung aus-

muniques verschoben hatte, hat sich nun doch ent­schlossen, die Reise nach Sowjet-Rußland anzu­treten, da von russischer Seite mitgeteilt wurde, daß das von der polnischen Presse stark kommen­tierte russische Kommunique nicht von amtlicher Seite stammte. Wie sich herausstellt, hat nur das in Minsk erscheinende amtliche Blatt der weißrussi­schen Kommunisten die verletzende Notiz veröffent­licht. '

Zur Werkspionage bei 3» G. Farben.

Das Ergebnis der bisherigen Untersuchung. Eine über ganz Deutschland verbreitete kommuni­stische Spionageorganisalion.

wtb. Ludwigshafen, 14. April. (Eig. Meld.) Zu den Veröffentlichungen über die Werkspionage bei der I. G. Farben-Industrie-Aktiengesellschaft und anderen deutschen Betrieben, wurden von der Un­tersuchungsbehörde Pressevertretern folgende Mit­teilungen gemacht: Schon seit längerer Zeit ist den zuständigen Behörden bekannt, daß Angehörige der kommunistischen Partei Deutschlands mit Ange­stellten und Arbeitern größerer Betriebe in ver­schiedenen deutschen Städten unter dem Vorwande der Beschaffung günstiger Arbeitsgelegenheit in Rußland in Verbindung traten. Die wahre Ab­sicht war aber die, durch die Angestellten und Ar­beiter in den Besitz wertvoller Be- triebsgeheimnise zu kommen. Die Erhebungen führten zunächst zur Verhaftung eines früheren Weffarbeiters der I. G. Farben, Lud­wigshafen, namens Hans Schmidt, der mit ver­schiedenen kommunistischen Führern in Verbindung stand, um ihnen gegen reichliche Zuwendungen wertvolle Betriebsgeheimnisse preiszugeben. Im Zusammenhang damit konnten am 22. März Erich S t e f f e n-Berlin und Karl D i e n st b a ch-Frank- furt a. M. in Ludwigshafen festgenommen wer­den, die durch das bei ihnen vorgefundene schrift­liche Material schwer belastet sind. Die bisherigen Ermittlungen ergeben einen erheblichen Anhalt dafür, daß es sich hier um eine über ganz Deutschland verbreitete Organisa. tion handelt, die dem Zwecke dient, Wirt­schafts-Spionage zu treiben. Als deren Haupt erscheint Erich Steffen-Berlin, einer der maßgebendsten Führer der revolutionären Ge­werkschaftsopposition. Für Südwest - Deutschland bediente er sich dabei der Vermittlung des Karl Dienstbach, der von seiner früheren Tätigkeit im Werk Höchst a. M. der I. G. Farben persönliche Anziehungen zu Chemie-Arbeitern und Angestell­ten hatte. Inwieweit Steffen, dessen Frau als Privatsekretärin bei der ruf- sischen Handelsdelegation in Berlin ongestellt ist, die von seinen Mitarbeitern erlang­ten Berichte und Betriebsgeheimnisse verwertet hat, konnte bisher noch nicht mit genügender Si­cherheit aufgeklärt werden. Die an der Wirtschafts­spionage beteiligten Personen, insbesondere Stef­fen und Dienstbach verfügten über reichliche Geldmittel Am 10. April wurde noch der Sekretär der kommunistischen Partei der Pfalz, Eugen Herbst, festgenommen. Weitere Verhaf­tungen sind bisher noch nicht erfolgt.

Dr. Goebbels vor Gericht.

Jehl ist er auf einmal gesund.

C.N.B Berlin. 14. April. (Eig. Meld.) Der na­tionalsozialistische Reichstags - Abgeordnete Dr. Goebbels erschien heute in Moabit, um sich in 2 Prozessen vor dem Schöffengericht Berlin - Mitte zu verantworten. Goebbels, der gestern noch nicht verhandlungsfähig war, hatte feine Wiederherstel­lung von der Grippeerkrankung und sein Erschei­nen vor Gericht gestern imAngriff" angekün- d i g t, so daß sich auf diese Mitteilung hi« große Anhängerscharen in und vor dem Gericht aufhiel­ten. Gegen Dr. Goebbels sind Anklagen erhoben wegen Vergehens gegen § 110 des Reichsstrafge­setzbuches (Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Anordnungen einer Behörde) und wegen Be­leidigung des Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß.

Staatsanwaltschaftsrat Dr. Fischer erklärte, die Strafe müsse dem Angeklagten fühlbar ma­chen, daß er sich gegen die Strafgesetze vergangen habe. Er beantrage daher eine Geldstrafe von 500 Mark oder 50 Tage Gefängnis.

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Nach längerer Beratung verurteilte heute das Schöffengericht Berlin-Mitte den Angeklagten Dr. Goebbels wegen Vergehens gegen Paragraph 210 zu 2 00 Rm. Geldstrafe bezw. zu 20 Ta­gen Gefängnis. In der Urteilsbegründung be­faßte sich das Gericht mit dem Uniformverbot, zu dessen Nichtbefolgung Goebbels aufgefordert hatte.

Der sogenannte Aorman-Ptan.

Manchester Guardian", das bekannte Londoner Blatt, veröffentlicht in einem ausführlichen Ar­tikel Einzelheiten über den sogenannten Norman- Plan, an dem außer dem Gouverneur der Bank von England, Sir Charles Addis, ehemaliger englischer Vertreter im Reichsbankdirettorium und Sir Robert Kindersley, der engllsche Hauptver­treter im Dawes-Ausschuß, hervorragend beteiligt sind. Der Plan, der Mitte d. Mts. in Basel an­läßlich der Aufsichtsratssitzung der B. I. Z. von den Führern der Notenbanken besprochen wird, habe ein dreifaches Ziel:

1. Mittelbeschaffung für kreditbe­dürftige Länder; 2. Garantien für die Zah­lungsfäh igkeit der Kreditnehmer; 3. schnellster Transfer der Gelder von den Kreditgebern zu den Kreditnehmern.

Der Verfasser des Artikels zählt zu den kredit- bebürftrgen Nationen, deren Solvenz für England wichtig sei, u. a. Deutschland, die osteuro­päischen Staaten und die Rohstoff erzeugenden Länder, wie Australien, Argentinien, Brasilien

usw. Die Sicherheit für die Solvenz der Kredit­nehmer liege darin, daß die führenden Finanz­leute gemeinsam an der Aufrechterhaltung der Solvenz interessiert seien. Der Norman-Plan solle darauf hinwirken, daß sich die berühmtesten Jndu» strieunternehmungen zur Zusammenarbeit bereit­finden. Es sei daran gedacht, daß Firmen von erstklassigem finanziellen Ruf, die Unilevers. I. G. Farben, Sofina usw. das Stammkapital für die zu gründende internationale Gesellschaft in Höhe von 20 Millionen Pfund aufbringen, von denen wohl nur 5 Millionen einzuzahlen seien. Später würde das Publikum zur Zeichnung von Schuld­verschreibungen in Höhe von etwa 100 Millionen Pfund eingeladen werden. Der Plan sei bereits zweimal erörtert worden, und man habe ihm allgemein sympathisch gegenübergestanden. Die deutschen Bankiers gingen sogar noch bedeutend weiter. Sie forderten es als ihr ihnen unter dem Poung-Plan zustehendes Recht, daß ein Plan, wie der Norrnan-Plan, unverzüglich in Kraft ge­setzt werde. Die französische Seite sei etwas fkep- ffscher. _____________________________

Gesammelte Kapitalkraft.

Der Prozeß der Kapitalkonzentration schreitet unaufhaltsam fort. Auch im Krisenjahr 1930 ist er untrügliche Anzeichen sprechen dafür nicht zum Stillstand gekommen. Weniger an der Ober­fläche wirtschaftlichen Geschehens gelegen, in unse­rer an Sorgen und Nöten überreichen Zeit auch weniger beachtet, kommt diesem Vorgang doch we­sentliche Bedeutung zu. Riesige Kapitalmassen haben sich im Laufe der letzten Jahre unter ein­heitlicher Leitung zusammengeballt. Zahl und durchschnittliche Kapitalkraft der Großunternehmen sind bis in die jüngste Zeit hinein gewachsen. Mag man nun in dieser Erscheinung ein international gültiges Grundgesetz des heutigen Wirtschafts­systems überhaupt erblicken, oder ihre Wurzeln vor allem in besonders gelagerten Wirtschaftsverhält­nissen Deutschlands suchen unbestreitbar ist je­denfalls: von diesem Konzentrationsprozeß strah­len vielfältige Auswirkungen auf das Gefüge un­serer Volkswirtschaft und unseres sozialen Auf­baues aus.

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Besonders deutlich wird die wachsende Kapital, zusammenballung bei den Aktiengesellschaften. Ueberblickt man die Entwicklung im letzten Jahr­fünft, so zeigt sich eine geradezu charakteristische Doppelbewegung: die Zahl der Aktiengesellschaften nimmt von Jahr zu Jahr ab; ihr gesamtes Romi- nalkapitgl hingegen steigt mit der gleichen Regel­mäßigkeit. Ende 1925 gab es in Deutschland 13 010 Aktiengesellschaften; Ende 1929: 11 344; Ende 1930: 10 970. Das gesamte Nominalkapital die­ser Gesellschaften stieg in der gleichen Zeitspanne von 19,1 Milliarden, über 23,7 auf 24,2 Miliar- den. Das bedeutet also: das Durchschnittskapital der deutschen Aktiengesellschaften hat sich in fünf Jahren um rund die Hälfte erhöht.

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Das Bild rundet sich ab, wenn man die Ent­wicklung der kleinen (mit einem Kapital unter 500 000 Mark), der mittelgroßen (von 500 000 bis unter 5 Millionen Rm.) und der großen Gesell- fchasten (5 Millionen Rrn. und darüber) gesondert betrachtet. Die kleinen Gesellschaften verminderten sich sowohl der Anzahl wie dem Kapital nach. Die mittelgroßen Gesellschaften haben ebenfalls Ein­bußen zu verzeichnen. Zugenommen hingegen ha­ben einzig und allein die großen Aktiengesellschaften. Um das an Hand einiger Ziffern zu beleuchten: Ende 1927 entfielen auf die kleinen Gesellschaften noch 5 Prozent des gesamten Kapitals aller Ak- tiengesellschasten, Ende 1930 hingegen nur noch 4 Prozent. Bei den mittelgroßen Gesellschaften ist ein entsprechender Rückgang von 27 auf 23 Proz., 'eingetreten. Und die großen Gesellschaften? Ihr Anteil hat sich von 68 auf 73 Prozent erhöht.

Mit aller Deutlichkeit zeigt fidj also, welch be­trächtliche Fortschritte die Konzentration des Kapi- tals und der Unternehmen in den letzten Jahren gemacht hat. Mit elementarer Gewalt hat sie sich in den meisten Gewerbezweigen durchgesetzt, in Bergbau und Schwerindustrie sowohl wie in den verarbeitenden Industriegruppen, im Bankbetrieb sowohl wie im Verkehrswesen. Zahlreiche Gesell­schaften geringerer Kapitalkraft mußten das Feld räumen, oder ihre Selbständigkeit aufgeben und sich miteinander verschmelzen. Große Gesellichif- ten wiederum haben andere in sich ausgenommen, bilden mit ihnen zusammen Riefenuntern-hmcn von weitem Aktionsbereich und großer Stoßkraft. Gewaltige Wirtschaftskörper sind auf diese Weise entstanden. In Deutschland arbeiten zur Zeit nicht weniger als 30 Aktiengesellschaften mit einem Ka­pital von mehr als 100 Millionen Rm.

Warum einVausparkassengeseh?

Gedanke. Braxis und Gefahren der Baufparkaffen.

Von Karl A. Langende ck.

Durch ein Reichsgesetz ist das Bausparkassenwe- sen in Deutschland nach schwierigen Vorarbeiten der Sachberater der Regierung und des volkswirt­schaftlichen Ausschusses geregelt worden. Das Ge. setz wird erst am 1. Oktober 1931 in Kraft tre­ten. Bis dahin ist den bestehenden Bausparkassen Gelegenheit gegeben, ihre Satzungen und Ge­schäftspläne dem Gesetz anzupassen. Manche von ihnen werden diesen Zeitpunkt nicht abwarten.

Bereits vor 7 Jahren entftanb in Ludwigsburg dieSparkasse der Gemeinschaft der Freunde in Wüstenrot GmbH." Damals war bas Depot- und Depositengesetz noch in Kraft, das es den Be­hörden ermöglichte, der neuen Einrichtung Vor­schriften zu machen. Nachdem aber mit dem Jahre 1929 dieses Gesetz abgelaufen war, stieg die Zahl der Neugründungen von Bausparkassen so schnell, daß es deren jetzt schon 240 gibt. Aber auch Zu­sammenbrüche folgten sich schnell. Der Reichsver-