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FuldaerZertung

t Anzeiger für die Stabt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

irr. 85

Erscheint sechsmal wöchentlich Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Dienstag, 14. April 1931.

Monatlich 1.80 einfchließl. Postgebühr <48 Psgn ohne Zustellg Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col.s lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt Postschecks Frank, a M 4051.

Zahrg. 58.

Sadikalismus als Heimsuchung des Volkes.

Stahlhelm und Andersdenkende liefern sich eine Schlacht. Mißbrauch des christlichen Sonntags durch parteipolitische Pro­vokation und nachfolgende Roheitskaten. Selbst der «Weitze Konntag^ ist in Aorddeutfchland vor blutiger Fehde nicht sicher.

. «tb. Neumünster, 13. April. (Eig. Meld.) n«ber schwere politische Zusammen- MKe, die sich am gestrigen Sonntag anläß- des Stahlhelm-Aufmarsches hier ^^Meten, gibt die Polizei folgenden amtlichen jSyjt heraus: Ecke Mühlhof und Klein-Flecken Mes zu Auseinandersetzungen zwischen abzie- jytben Stahlhelmleuten und politisch Andersden- M Nach den bisherigen Feststellungen sind da­bei auf beiden Seiten 5 Personen verletzt wor- ben, durch Oberschenkelschuß, Kniöschuß, Messer- M in den Nacken, schwere Stirnverletzung und Stockschläge über Kopf und Rücken. Zwei Per­sonen wurden einem Krankenhaus zugesührt. Die Polizei mußte große Menschenansammlungen un­ter Anwendung des Gummiknüppels zerstreuen.

Im Laufe der Nacht wurde ein Arbeiter festgenom­men, der beschuldigt wird, die Schüsse abgegeben zu haben. Die Staatsanwaltschaft und Landeskri­minalpolizei stellen zur Zeit weitere Ermittlungen an. Bei der Abfahrt d er Lastkraftwagen nach Kiel gegen 21 Uhr wurde von einem Wagen herab eine Bierflasche in die Menschenmenge ge­schleudert, wodurch ein Arbeiter verletzt wurde.

Es scheinen demnach auch wieder Lastwagen- Transporte zu diesen Höch st überflüssigen Sonntagsausflügen verwandt worden zu fein. Das in anderen Landesteilen durchgeführte Verbot solcher Transporte sollte auch in Schleswig mit seinen hemmungslosen Gegensätzen zwischen Rechts und Links zur Anwendung kommen.

Sie Soll-Union und der Völkerbund.

Vie englische Roke über die deutsch-österreichische Zollangleichung in Genf eingetrosten.

wtb. Genf, 13. April. (Eig. Meldg.). Die an- gekändigte Note der britischen Regierung, worin Liese in ihrer Eigenschaft als Mitglied des Völker­bundes den Generalsekretär bittet, die Frage der deutsch-österreichischen Zollangleichung auf die Ta­gesordnung der Ratstagung im Mai zu setzen, ist im Völkerbundssekretäriat eingetroffen. Die Note ist etwa dreiviertel Schreibma-schinenseiten lang, und. nicht von Henderson selbst, sondern von einem Beamten des Foreign Office unterzeichnet. Sie wird voraussichtlich morgen veröffentlicht, nach­dem sie vorher den Ratsmitgliedern zugestellt wor­den ist. Wie verlautet, ist die Mitteilung der eng­lischen. Regierung ganz allgemein gehal­ten. Ohne selbst einen bestimmten Standpunkt einzunehmen, beantragt die englische Regierung lediglich, der Rat möge nach juristischem ßesichtspunkte prüfen, ob sich die deutsch­österreichische Zollvereinbarung mit der vom 4. 10. 1922 vereinen lasse. In der Note wird jede Be­zugnahme auf irgendeinen bestimmten Artikel der Lölkerbundssatzung vermieden.

Ende der politischen Osterpause.

ENB. Berlin, 13. April. (Eig. Meldg.). Die großen politischen Arbeiten werben noch nicht in dieser, sondern erst in der nächsten Woche ihren Anfang nehmen. Der Kanzler kommt am 23. ds. Mts. nach Berlin zurück, nachdem er zwei Tage vorher in Esten vor den Windthorstbünden gespro­chen haben wird. Dr. Curtius wird vielleicht einige Tage eher zurückkehren, da am nächsten Sonntag der Zentralvorstand der Deutschen Dolkspartei in Berlin zusammentritt. Frü­her werden auch Vizekanzler Dr. Dietrich und Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald nicht erwar­tet. Die erste Kabinettssitzung wird nach all dem also nicht vor Ende nächster Woche stattfinden. Man wird deshalb annehmen müssen, daß d i e große Notverordn u n g, die die erste Aus­gabe des Kabinetts nach den Osterferien sein wird, tidjt vor Mitte Mai fertig wird. Dafür spricht

auch die Tatsache, daß der Gutachtevausschuß unter dem Vorsitz von Dr. Brauns, der morgen wieder zusammentritt, die Reorganisation der Ar- beitslosenversicherung an den Schluß seiner Arbeiten gesetzt hat.

Zur Rede Doumergues.

wtb. Paris, 13. April. (Eig. Meld.) Die Rede, die Doumergue in Nizza gehalten hat, wird immer mehr zu einem innenpolitischen Zank­apfel zwischen rechts und links. Nur wenige Blätter versuchen, unabhängig von innen­politischen Erwägungen, diese Rede in ihren mög­lichen Folgen zu würdigen. Auf eine dieser Fol­gen macht heute Leon Blum imOeuvre"auf­merksam: Der Erfolg der Abrüstungskonferenz hänge, so sagt er, vor allem von Frankreich ab. Wenn man sich aber auf die letzten Worte Doumer­gues berufe, dann werde es alles ablehnen. Frankreich habe, so erklärte Doumergue, bereits zuviel getan. Es sei unmöglich, an eine neue Abrüstung zu denken, solange der Völkerbund nicht über eine hinreichend starke Stteitmacht verfüge, um den Frieden zu sichern. Der Tag aber, an dem der Völkerbund über stärkere Armeen als über die Armeen der einzelnen Nationen verfüge, liege noch in weiter Ferne. Ebensogut könne man von vornherein die Abrüstungskonferenz abjagen, denn es wäre immer noch besser, sie überhaupt nicht stattfinden zu lassen, als einen Mißerfolg zu buchen. Billigt, so fragt Leon Blum, derartige Erklärungen die verantwortliche Regie­rung, oder tragen sie sogar die Unterschrift des Ministeriums?

Die Kriegsschuld en.

wtb. Rewyork, 13. April. (Eig. Meldg.). In einem Briefe an Owen Poung tritt der bekannte Wirtschaftssachverständige Herbert Houston für eine Ueberprüfung des Kriegsschul­denproblems ein.

Die SSuberungsaktion.

Der Stahlhelm führt den Kampf gegen Preu- Ben, den er durch das Volksbegehren entfesselt hat, um sehr verschiedene Dinge, z. B. um die Wieder­kehr des alten kaiserlichen Heeres, um eine Er­höhung der nationalsozialistischen Mandate, um die «sfreiung vom Versailler Vertrag, um die Zer­reißung des Poungplanes und um andere zum preußischen Ressort gehörige Dinge, in der Haupt- mche aber um die Reinheit der politischen Sitten. Jawohl. Darum ist sein Bundesblatt von der preußischen Regierung verboten worden. Er hatte shr in den verschiedensten Floskeln Landesverrat, «abotierung der Reichspolitik, Liebäugeln mit den vranzosen und so manches andere vorgeworfen, suas man halt einem politischen Schwerverbrecher 1» Nachsegen kann. Er hatte nur, als er sein topfe«

Streitroß zäumte, um damit die preußischen ^cmistersestel über den Haufen zu rennen, verges- daß selbst in der Hitze eines Kampfes um ein ^ocksbegehren die Wahrheit nicht ganz ausgeschal- let werden darf, so imponierend auch altherge­brachte Lügen etwa in gewissen Bezirken Pom - Merns einschlagen mögen. Das hatte der Stahl- nicht bedacht, als er den flammenden Artikel "sließ, dessentwegen nun sein Blatt auf drei Mo- ote verboten worden ist. Er hatte auch wohl »^glaubt, die Notverordnung des Reichspräsiden- A die Lüge und Hetze unter Strafe stellt, gelte Mt für die sogenannte nationale Opposition. Ihm M eg darauf an, in einigen Gegenden, in denen "'pater hell zu werden pflegt, Terrain zu ge- mnen, und darum ließ er die Scheinwerfer seiner wanten Lügen in Tätigkeit treten.

.. kämpft nun, da die Stahlhelm-Zeitung be« o n W- für die Reinheit des politiischen Le- Min, ^ber es gibt Gott sei Dank noch andere Man kann Flugblätter versenden. Der to wiehn verbreitet eines mit einem Aufruf dxs ts &er Volksbeauftragten vom 9.

bal . er 1918, und es leuchtet ohne weiteres ein, n?;vnr9ent>fflo die Sünden der preußischen Re- nn n°n 1931 besser, schlagkräftiger, ja gerade­

zu aktenmäßiger nachgewiesen werden konnten, als damals vor 12% Jahren. Die reine nationale Ge­sinnung, die aus der Lauterkeit eines frommen nationalen Herzens strahlt, sprüht nur so aus die­sem Flugblatt, und wenn es noch irgendwo üble Verräter am großen Stahlhelm-Gedanken gibt, für die politische Sauberkeit ein unbekannter Begriff ist, so wird ihnen durch dieses Flugblatt die teuf­lische Maske vom Gesicht gerissen. Leider hat der Stahlhelm auch, als er dieses Flugblatt mit zorni­gem Schmunzeln verschickte, vergessen, auf eine Grundvoraussetzung für seine Wirkung bedacht zu fein. Das Flugblatt ist nämlich gefälscht, und es ist nach einer Erklärung des Reichsinnenmini­steriums sogar ungewöhnlich plump gefälscht. Am 9. November 1918 gab es noch keinen Rat der Volksbeauftragten, der erste Aufruf dieser Revo­lutionsinstanz erschien erst drei Tage später und lautete ganz anders. Dagegen scheint das Flug­blatt des Stahlhelms sich bolschewistischer Mani­festationen aus dem November 1917 bedient zu haben. Kluge Leute, die Stahlhelmer. Nur ein bißchen unrein in der Wahl ihrer Mittel. Aber gerade darum wollen sie ja Preußen säubern.

Dr. Goebbels ist krank.

Lr erscheint wieder nicht vor Gericht.

ENB. Berlin, 13. April. (Eig. Meldg.). Im Prozeß gegen den Verleger desAngriffs", Druk- kereibesitzer Schulze, war der nationalsozialistische Abg. Dr. Goebbels, heute als Zeuge geladen. Der Verteidiger des Angeklagten überreichte der Strafkammer ein ärztliches Attest, nach welchem der Zeuge Goebbels in der vorigen Woche an schwerer Grippe erkrankt war und heute noch nicht verhandlungsfähig ist. Der an­geklagte Druckereibesitzer war im vorigen Jahre ge­meinsam mit Dr. Goebbels als verantwortlicher Redakteur wegen Beleidigung des Polizeivizeprä­sidenten Dr. Weiß, in verschiedenen Nummern des Angriffs" verurteilt worden. Während das Be­rufungsverfahren gegen Dr. Goebbels noch schwebt, sollte er in der Berufung des Druckers als Zeuge

auftreten. Infolge feiner Erkrankung dürfte auch der Prozeß vor dem Schöffengericht Charlotten- burg, vor dem sich Dr. Goebbels he u t e als A n- geklagter wegen Beleidigung verantworten sollte, aufgehoben werden.

* Ende des Braunschweigischen Schulstreikes. Der zweitägige Proteststreik an den weltlichen Schulen in Braunschweig, Wolfenbüttel und Schö­ningen ist beendet. Die Kinder sind wieder überall vollzählich zum Unterricht erschienen und der ge­ordnete Schulbetrieb ist wieder ausgenommen wor­den. Gegen die Eltern und die Personen, die sich als Streikposten betätigt haben, soll gerichtlich vor­gegangen werden.

* Der schwedische Reichstag billigt das Abkom­men von Oslo. Aus Stockholm wird gemeldet: Beide Kammern des Reichstags billigten gestern die Regierungsvorlage über den Beitritt Schwe­dens zum Abkommen von Oslo, durch das eine wirtschaftliche Annäherung zwischen Schweden, Nor­wegen, Dänemark, Holland und Belgien herbei- gesührt wird.

* Rücktritt des albanischen Kabinetts. Nach einer Meldung der Agenzia Stefani aus Tirana hat der albanische Justizminister wegen Meinungsver­schiedenheiten mit dem Parlament feine Demission eingereicht. Die albanische Regierung Hat darauf hin die Eesamtdemission des Kabinetts beschlossen mit der Begründung, daß die gegenwärtigen Mei­nungsverschiedenheiten charakteristisch seien für die andauernde feindselige Haltung des Parlaments gegen die Regierung, der es dauernd ernste Schwierigkeiten bei der Ausführung ihrer Auf­gaben mache.

* Die Linksbewegung in Spanien. Bei den spanischen Gemeindewahlen scheinen die Linkspar­teien in zahlreichen Städten einen ausgesproche­nen Erfolg davongetragen zu haben, so in Guadalajara, wo die Linksparteien 13 Sitze gegen­über sechs Monarchisten erhielten, ferner in Valladolid und in Castellon de la Plana, wo 26 Mitglieder der republikanifch - sozialistischen Koali­

tion und vier Monarchisten gewählt wurden. I, Huelva sind 13 Republikaner, 10 Sozialisten und 10 Konstituionalisten, aber nur drei Monarchisten gewählt worden. Wie verlautet, hatten die Repu­blikaner sogar im Wahlbezirk, in dem das könig­liche Palais in Madrid liegt, den Vorsprung vor den Monarchisten, obwohl man glaubte, daß in die­sem Wahlbezirk die Monarchisten sämtliche fünf Sitze ohne weiteres erobern könnten. Wie das Journal" aus Madrid erfährt, ist die in Spa­nisch-Marokko in Garnison liegende Gen­darmerie nach Spanien übergeführt worden.. Die Wahlergebnisse haben in der spanischen Haupt­stadt groche Erregung hervorgerufen. Ein Regiment von Alcada bei Madrid soll sich erhoben hoben, um den König zu schützen. Man behauptet, daß der Belagerungszustand verhängt werde.

* Die Besserung im Befinden des Königs n»n England hält an. Der König hat längere Zeit im­mer das Bett hüten müssen.

* Der Prinz von Wales und sein Bruder haben ihre jüdamerikanische Besuchsreise be­endet und von Rio de Janeiro aus die Rückreise nach London angetreten.

* Das Kabinett hamaguischi in Japan ist zu­rückgetreten. Man erwartet, daß der frühere Mi­nisterpräsident Wakatsuki die Bildung des neuen Kabinetts übernehmen wird.

Aufstand auch in Angola?

wtb. London, 13. April. (Eig. Meld.) Der Korrespondent der Morning Post in Lissabon be­richtet, es verlaute, daß die Garnisonen der portu- gisischen Kolonie Angola an ber Ostküste Afrikas sich der Aufstandsbewegung angefchlos- sen hätten, doch liege eine Bestätigung dieses Ge­rüchtes noch nicht vor.

*

wtb. Lissabon, 13. April. (Eig. Meld.) Zahl- reiche Offiziere der Regierung Ponta Delgada, die sich geweigert hätten, der Aufstandsbewegung bei­zutreten, sollen von Aufständischen gefangen ge­halten werden.

Wer ist schuld am Verlust des Krieges?

Selbstverständlich die

Die katholischen Zeitungen Bayerns sehen sich zu folgender Abwehr veranlaßt:

Zahllose Bücher sind über den Verlaus des Weltkrieges schon geschrieben worden und speziell aus deutscher Seite haben viele Fachleute von unbe­strittener Autorität Untersuchungen vor allem darüber angestellt, ob nicht in besonders entschei­dungsvollen" Stunden, wie z. B. die erste Marne­schlacht war, Unzulänglichkeit oder gar Unvermögen verhängnisvoll sich auswirkte. Dabei bleibt natür­lich immer die Frage offen, wie es tatsächlich wei­ter gegangen wäre, wenn dieser oder jener Ent­schluß anders ausgefallen wäre. All diese Unter­suchungen sind aber letzten Endes doch nur die Beurteilung von einzelnen Ausschnitten. Die allerberufenste" Autorität auf militärischem Ge­biete hat nun ein zusammenfafsendes Urteil über den einzig Schuldigen am deutschen Zusammen­bruch formuliert und diese oberste aller Autoritäten ist--der verantwortliche Schriftleiter der

evanaelibündlerischenFränkischen Wacht", Herr Dr. Fränkel-Frenzel. Man braucht diese Ober­autorität nur zu nennen und man weiß auch schon seinen Spruch: Die Katholiken sind wie an allem so gerade auch am Verlust der Marneschlacht und überhaupt des Weltkrieges schuld. Herr Fren- zel-Fränkel beschäftigt sich nämlich in feiner Art in Nr. 15 vom 9. April 1931 derFränkischen Wacht" mit Windthorst anläßlich des 40. Todestages (14. März) dieses großen Katholikenführers. Der Ar­tikel erinnert auch an die vekamtte Ludendorfffche Forderung der Aufstellung 3 neuer Armeekorps anläßlich der großen Hee'resvorlage im Jahre 1913, die damals nicht erfüllt worden war und ge­gen die sich auch das Zentrum gewendet hatte. Der Artikel sagt dazu:

Die drei Armeekorps fehlten uns dann in der Marneschlacht und aus dem Mißerfolg an der Marne hat sich alles Weitere zwangsläufig ent-, wickelt. Im Grunde genommen war Windthorsts Geist, war der deutschfeindliche Ultramontanis- mus der Sieger in der Marneschlacht, in Ver­sailles, in Gens, in Locarno, im Haag usw. Im NamenWindthorst" sind die Mächte verkörpert, denen wir unser schweres Schicksal verdanken. Die­jenigen also, die jenen verhängnisvollen Menschen feiern, sich zu ihm bekennen, seine nolksverräterische Arbeit fortsetzen, müssen in erster Linie um Deutschlands willen bekämpft werden. Soll unser Vaterland uns erhalten bleiben, so ist es vor allem notwendig, den Nachbetern und Nachtretern Windtho^ts das Handwerk zu legen . . "

An sich sind ja solche Ausbrüche fanatischer Ver­blendung und unversöhnlichsten Hasses nichts Neues, nichts Ueberrafchendes gerade von ocr Seite des Herrn Fränkel-Frenzel, der trotz feiner (in der Presse wiederholt behaupteten) jüdischen Abstammung den besonderen Beruf in sich fühlt, deutsch-völkischer Rufer im Streite gegen die katho­lische Kirche zu sein.

Erlaubt sei aber trotzdem die Feststellung, daß es an der Regie dieser evangeli-bündlerisch-deutsch- nationalen-nationalfozialistischen Buschklepperei er­heblich fehlt.

So erinnerte die deutschnationaleMünchen- Augsburger Abendzeitung" (Nr. 92-93 vom 2.-3. April 1931) an die Spannungen zwischen Bismarck und dem großen Generalstab im Krieg 1870=71 und sogt dazu:

Im Weltkrieg ist ja leider dieser Gegensatz zwischen politischer und militärischer Leitung ein Dauerzustand gewesen und die Hauptursache für die deutsche Niederlage."

Das klingt erheblich anders und entspringt auch

deutschen Katholiken.

dem tatsächlichen Hergang der Ereignisse hundert­prozentig mehr als die Frenzelsche Darstellung.

Was im übrigen diese berühmten drei Armee­korps anlangt, sei ebenfalls eine kleine (Erinnerung erlaubt:

Die Heerespolitik der Deutschen Zentrumspar­tei war immer getragen von der Windthorstschen Formulierung: Der letzte Mann und der letzte Groschen wird bewilligt, der für die Sicherheit des deutschen Volkes notwendig ist. Aber zwischen Sicherheit des deutschen Volkes und starrköpfigen Liebhabereien gewisser Militärkreise war eben ein himmelweiter Unterschied. Das Zentrum hat bei Ablehnung einzelner Positionen in Heeresvorlagen immer einen vollwertigen Ersatz geben wollen und der nach den Erfahrungen des Weltkrieges voll­wertigste Ersatz wäre die immer und immer wie­der verlangte Ausbildung der Ersatzreserve gewe­sen. Diese alte Forderung der Zentrumspartei formulierte General Häusler am 9. April 1913 als Vertreter des unterfränkifchen Walkreises Neustadt a. S. im Reichstag also:

Ebenso wichtig wie die möglichst hohe Anzahl von Friedenskaders und Neuformationen und wich­tiger als die verlangten Etatserhöhungen sind Re­serven, welche es ermöglichen, alle ausgestellten Kaders während der Dauer eines auf dem Soll­stand der Mannschaften zu erhalten und für diese essekte Erhaltung aller unserer Formationen er­scheint eine dreimonatliche Ausbildung der Ersatz­reserve vollständig genügend."

Herr Frenzel-Fränkel braucht ia nicht zu wissen, daß eine Hauptschwäche der deutschen Truppen an der Marne erschre cklicher Mannschasts- m a n g ei war. Marsch- und Kampfverluste hatten bei dem ungestümen Vordringen die Formationen um zwei Drittel und mehr ihres Sollbestandes ge­schwächt. Ersatz war zunächst nicht gegeben. Will man im Ernste glaubhaft machen, daß eine pein­lichste Schwäche der Marnekorps auch dann gegeben gewesen wäre, wenn wir eine dreimonatlich aus­gebildete Ersatzreserve schon gehabt hätten, statt daß wir sie in sechswöchentlicher Schnellschusterei erst ausbilden mußten und auf den Abschluß selbst dieser primitiven Ausbildung erst warten mußten?

Wenn man schon glaubt, die elementarsten Exi­stenzfragen des deutschen Volkes mit konfessionellen Verdächtigungen vergiften zu müssen, so sollte man der Wahrheit doch wenigstens soweit die Ehre ge­ben, daß während des ganzen Weltkrieges dis katholischen Volksteile genau so ihre vaterländische Pflicht erfüllten rote die protestantischen und daß sowohl die militärische wie die politische Gesaml- leitung ausschließlich oder doch wenigstens so gut wie ausschließlich von Angehörigen des protestantl- Volksteils gestellt war. Warum denn also bte|e fortgefefcten Beschimpfungen der Katholiken?

Es sei in diesem Zusammenhang an die päpstL Friedensvermitttung im Frühsommsr 1917 er« innert. Wir begnügen uns dazu mit der Feststel­lung derMünchen-Augsburger Abendzeitung" (Nr. 297 vom 30. Juli 1919):Michaelis (der da­malige Reichskanzler) hat in einer Sage, in der man nichts unversucht lassen darf, die ihm durch den Vatikan gebotene Gelegenheit nicht umsichtig und entschieden genug ausgenützt . . . Die vati­kanische Vermittlung wurde in der Tat nicht ernst genug behandelt."

Man möge also zunächst einmal gefälligst vor anderen Türen kehren und die Katholiken mit. den unwahrhaftigsten aller Vorwürfe, dem der natio­nalen Minderwertigkeit verschonen. Wäre man überall in deutschen Landen so selb st- los national gewesen wie im katho­lischen Lager, so wäre manches be­stimmt anders gekommen.