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Fuldaer Zelkung (AmMches Rreisblakl).

Sonntag, den 12. April 1931

es notwendig machte, ihn nach Hause zu trans­portieren. Die herbeigerufenen Aerzte konstatier­ten eine Fleischvergiftung.

* Kommunistische Demonstrationen in Bewyork gegen Prinz Takamatsu. Bei der Ankunft des ja­panischen Prinzen Takamatsu und Gemahlin in Newyork veranstaltete eine Anzahl Kommunisten eine Demonstration. Einige Kommunisten ver­suchten, unter den Rufen „Nieder mit den japa­nischen Mördern und Henkern" zu dem Auto des Prinzen vorzudringen. Die Polizei griff sofort ein und vertrieb die Demonstranten, ehe es die­sen möglich war, in die Nähe des Autos zu ge­langen. _______________

* Das Verveisverfahrea im warschauer Vombenleger- prozeß abgeschlossen. (Eig. Meld.) Das Beweisverfah­ren in dem Prozeß wegen des im Vorjahre versuchten Bombenanschlages auf die Warschauer Sowjet-Gesandt­schaft neigt sich seinem Ende zu. Es kann nun als sicher gelten, daß der Angeklagte Polanski nicht ohne Kom­plizen gearbeitet hat. So konnte er über die Herkunft des für den Bombenankauf notwendigen Geldes keinen glaubwürdigen Aufschluß geben. Auch erscheint es mehr als fraglich, ob ein einzelner Mann überhaupt imstande war, die zu dem Anschlagsversuch verwendeten überaus schweren Gegenstände auf das Dach eines Hauses zu bringen, lieber alle diese wichtigen Fragen hat der Prozeß keine Aufklärung gebracht. Das Urteil wird für heute abend erwartet.

Beim Wildern erschossen.

wtb. Jülich, 11. April. (Eig. Meldg.). Der Jagdaufseher Peters von der Gräflich Hoens- broechschen Gutverwaltung erschoß in der letzten Nacht den Arbeiter Hermann und verletzte den Arbeiter Meisen schwer, aber nicht lebensgefähr­lich. Der Forstbeamte gibt an, er habe die bei­den Genannten zusammen mit einem Dritten beim Wildern überrascht und auf f?e geschossen, da sie auf seinen Anrus nicht stehen geblieben und seinen Befehl, die Hände hochzuheben, nicht nach­gekommen wären, zumal sie bewaffnet gewesen wären. __________

Ein Bankskandal in Lodz.

Der Generaldirektor sowie drei virektionsmitglieder verhaftet.

wtb. Warschau, 11. April. (Eig. Meld.) Der Zu­sammenbruch der Lodzer Handelsbank, eines kleineren Unternehmens, das über ein Kapital von 5 Millionen Zloti verfügt, weitet sich zu einem kriminellen Ereignis aus. Der Generaldirektor der Bank vnd drei Direktionsmitglieder find gestern verhaftet worden, weil in der Geschäftsführung eine Reihe von Mißbräu­chen aufgedeckt worden ist. Die Untersuchungen über die dort aufgedeckten Betrügereien werden vorläufig noch geheim gehalten. Die H ö h e d e r P a f s i v e n soll sich auf etwa 30 Millionen Zloty belaufen, während der Wert der meist aus Immobilien bestehenden Aktiven noch nicht feststeht. Der Zusammenbruch der Bank, der eine Reihe von Lodzer Firmen schwer trifft, hat in Lod­zer Wirtschaftskreisen große Beunruhigung hervorgeru- fen.

Dertzülfensberg des Eichsfel-es

in allgermanischer Vorzeit.

Aus dunklem Waldesfrieden reckte der Hülfensberg sich aus der Tiefe des Eichsfelder empor. Seine Bronnen hüpften talwärts und erzählten den int Abendwinde träumenden Baumwipfeln von neuen Zei­ten. Die Bäume hatten von des Berges Höhe Um­schau in die Talrunde gehalten und hatten schier fremde Wesen beobachtet, wie sie Männer und Frauen und Kin­der mit riesigen Herden aus fernen Osten kommend öfters ihren Wohnsitz wechselten und nach Westen wei­ter drängten. Von Menschen hatte der Singschwan er­zählt, der auf reißendem Strome talabwärts die neuen Ankömmlinge geschaut. Und wirklich — sie kamen; im breiten Tale der schäumenden Wisera (Weser) trieben sie vorwärts.

Da bleibt ihr Blick auf dem einzig schönen, stattli- chen Bergkegel hängen. Das war ein Berg, wie ihn die Götter geschaffen; Stouffo nannten sie ihn, d. h. Berg. Und wie die stammverwandten Brüder, die sich unterwegs von ihnen getrennt, den Blocksberg oder den Wißner (Meißner) oder den Eichsfelder Sonnenstein als Göttertempel erwählten, so bestimmten sie unter Iu- belrufen den Stouffo zum Götterberg und weihten ihn zu Ehren ihres höchsten Gottes Donar. Wie herr­lich hatten die Götter alles vorbereitet; in Wolken- fchleiern, die sich majestätisch über der Kuppe lager­ten, offenbarten sie sich den Priestern. Im hl. Hain, der sich rings um den Berg zog, wohnte Donar oder Tor in der hl. Eiche. Am herrlichen Götterteiche am Bergeshang faß die greise Waldfrau und war Mittle­rin zwischen den Göttern und Menschen.

Schnell waren Steine zum Opfertisch herbeigebracht, und Jubelfeste zu Ehren der Gottheit setzten ein. Zwei­mal im Jahre sind die Hauptfeste der Gottheit, die Sonnenwendseiern. In des Dezembers Winterkälte und in der Glut des Juni sollen die Opferbrände auf hl. Höhe zu Donars Ruhm und Ehre lodern. Und so geschah es. Dankgebete stiegen nach blutiger Schlacht

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Auf der Suche nach -em Grabe Gutenbergs.

Ein vorläufiger Bericht.

Die Dersuchsausgrabungen in dem Raume der ehe­maligen Mainzer Franziskanerkirche, in der auch Johan­nes Gutenberg seine letzte Ruhestätte gesunden, mußten Zu einem vorläufigen Abschluß gebracht werden, weil die Zur Verfügung gestellten Mittel zu Ende gingen.

Der Zweck der Versuchsgrabungen war, festzustellen:

1. wie der vor kurzem aufgefundene Grundriß der im Jahre 1742 abgebrochenen Franziskanerkirche in den heutigen Bebouungszustand einzutragen fei und inwie­weit die 1742/46 auf demselben Gelände neu erbaute (unb 1793/1810 zerstörte) Iesuitenkirche auf den Funda­menten der ehemaligen Franziskanerkirche ruhte;

2. ob im Raume der ehemaligen Franziskanerkirche noch Bestattungen zu finden wären;

3. ob der Fußboden der Franziskanerkirche bei dem Neubau der Iesuitenkirche unversehrt gelassen wurde und j>b bei den evtl, aufzufindenden Bestattungen noch die Grabplatten an ihren alten Stellen ober sonstige Er­kennungszeichen bei den Leichen zu finden seien, die auf die Persönlichkeit der Bestatteten Rückschlüsse zu- Ueßen. Damit wäre nämlich die Sicherheit gewonnen, bei größeren Grabungen auch die Gebeine Gutenbergs ZU finden.

Die. Grabungsarbeiten haben die beiden ersten Fra- gen positiv, die dritte Frage negativ gelöst. Auch bas negative Resultat ist wissenschaftlich wichtig und für ’Patere Arbeiten wertvoll. Außerdem konnten eine An-

Beobachtungen gemacht werden, die nicht im Zwecke °er Grabungen lagen, die aber ebenfalls der Wissenschaft nur erwünscht sein können.

1. Meine Vorausberechnung der Sage des Grundrisses Per Kirche im heutigen Bebauungszustande hat sich als 10 genau erwiesen, daß wenige Minuten nach dem Be­ginn der Grabungen die Südmauer der Kirche in ihrer ooUen Breite von 2.45 Meter, sowie die innere Süd- ®sfWe unb bamit bie Richtung ber ersten Westmauer ?.et Kirche gefunden waren. IJch spreche von einer er- n .Westmauer, da der Plan der Franziskanerkirche ne im Westen vorgelagerte Vorhalle zeigte, so daß es 10 'm Westen zwei Mauern gab, eine die das Kir­

chenschiff von der Vorhalle trennte und eine, die die Kirche im 'Westen abschloß.) Später konnte auch die Nordmauer, die etwa parallel zum ehemaligen Univer- fitätsgebäube läuft, an drei Stellen freigelegt werden. Ferner wurde die äußere Südwestecke der Iesuitenkirche in einer Entfernung von 6.30 Meter vom Stadttheater freigelegt und damit auch die Richtung ber äußeren West­mauer festgestellt. Diese läuft so, baß sie die Nordost­ecke des Stadttheaters soeben berühren und bis zur Einbuchtung der alten Universitätsstraße an dieser Stelle führen dürfte. Dort ist also die Nordwestecke der Ie­suitenkirche zu suchen. Damit war der Grundriß des Schiffes der Kirche genau festgestellt.

Da die aufgefundenen Mauern nicht aus dem Mit­telalter, sondern aus dem 18. Jahrhundert stammten und da bei dem durch die ganze Kirche geführten Gra­ben weder eine zweite Südmauer, noch eine zweite Nord­mauer gefunden wurde, war es klar, daß die Jesuiten die Grundmauern der Franziskanerkirche bis zur Fun­damentsohle abgebrochen und ihre eigenen Fundamente in die gleiche Baugrube eingebaut hatten, wobei sie offen­bar die Baugrube tiefer ausschachteten, als es die Fran­ziskaner getan hatten. Bei 5.40 Meter T'?fe unter der Oberkante des Pflasters (— weniger als 3 Meter über dem Mainzer Pegel) war die Fundamentsohle der Ie­suitenkirche noch nicht gesunden. Vielmehr zeigte hier ein Gewölbe unter der Südmauer, daß die Sohle noch tiefer liegen mußte. Die erste Westwand der Franzis­kanerkirche haben die Jesuiten nicht vollständig heraus- geriffen, weil sie nicht auf ihr weiterbauten, sondern ihre Abschlußmauer weiter nach dem Stadttheater zu schoben. Um aber an der Schnittstelle für ihre Südmauer feine verschiedenen Senkungsverhältnisse zu bekommen, wurde die Westwand der Franziskanerkirche nicht überbaut, sondern durch einen Bogen von 0.85 Meter Höhe unb 2.30 Meter innerer Spannweite. überbrückt. Das niebrige Gewölbe, besten Scheitel in einer Tiefe von 4.40 Meter unter ber Oberkante bes Pflasters lag, war leer; es hatte also lediglich den genannten technischen Zweck. Die Verlängerung ber Iesuitenkirche nach dem Stadttheater

Aus aller Welt

* Schulstreik in Braunschweig. Aus Braun- c^meia wird gemeldet: Die kürzlich erfolgte Ent- nlütna von 26 diffidentischen Lehrern hat den Weltlichen Elternbund" zu einem Protest veran- r’X der in einem Schulstreik an den weltlichen «ch,''len leinen Ausdruck finden soll. Der Streik n Braunschweig, Wolfenbüttel und Schönin- ° begonnen. In Wolfenbüttel wurden verschie- Personen festgenommen, die Kinder auf der Straße am Schulbesuch hindern wollten. — In Braunschweig sind von etwa 3000 Kindern 120 Unterricht erschienen, in Wolfenbüttel sind 282 Kindern etwa 10 zur Schule gekommen, in Schöningen wird vollständig gestreikt. Zu Zwi­schenfällen ist es bisher nicht gekommen; Polizei . brauchte nicht einzuschreiten.

« Kürzung der polnischen Beamkengehäller. Aus Warschau wird gemeldet: Wie der jüdische Nasz Prezeglond erfährt, hat der polnische Ministerrat beschlossen, die Beamtengehälter um 13 Pro­zent zu kürzen. Weiter soll in den Staats­banken das sogenannte 13. Monatsgehalt gestri- cheri werden. Wie das Blatt mitteilt, wird diese Maßnahme schon am 1. Mai in Kraft treten.

* Plötzliche Erkrankung des rumänischen In­nenministers. Aus Bukarest wird gemeldet: Der rumänische Innenminister Michalahe ist mit­ten in einer Parteikonferenz über die Frage der Regierungsbildung plötzlich von einem schwe­ren Unwohlsein befallen worden, das

Bilder vom Tage.

Nicholas Longrvorih,

der Präsident des amerikanischen Repräsentanten­hauses, starb in Aiken (Südkarolina) an einer Lungenentzündung. Longworth war mit der Toch­ter des verstorbenen Präsidenten Roosevelt ver­heiratet.

Pjakakow,

der Direktor der sowjetrussischen Staatsbank, Lei­ter der russischen Delegation. Im Kreis: General­direktor Hans Krämer (deutsches Tiefdrucksyndikat), Leiter der deutschen Delegation.

y In Berlin finden jetzt die Abschlußverhandlun- gen für die russischen Millionen - Aufträge an Deutschland statt, die von russischer Seite von dem Direktor der fowjetrussischen Staatsbank Pjata- kow und von deutscher Seite von Generaldirektor Krämer geführt werden.

ju Donar auf, und ber Toten Afche versenkte man im Schatten bes Heiligtums in kühle Felsengräber.

Durch feine insulare Sage im Kranze waldgekrön- ter Gebirgszüge mit wundervoller Aussicht in viele Tä­ler und Schluchten war ber Stouffo wirklich geeignet, ben Menschen mit Ehrfurcht vor ber Majestät bes Schöpfers unb mit Vertrauen zu feiner Allmacht unb Güte zu erfüllen. Gegen feindliche Angriffe würbe er durch eine Wallburg geschützt. (Reste heute noch zu sehen); für bie Verfolgten war er eine Freistätte, ein Asyl; Priester wachten beim Opfersteine und bie Wald- frau am hl. Bronnen, baß kein Unberufener ben Göt- terfrieben bes hl. Haines störe. Wehe, wer ein Blatt vom Baume abbrach —; bie Todesstrafe harrte feiner.

So war bei unseren Vorfahren, ben Germanen, ber Stouffo ein Götterberg. Einzelne ber angekommenen Germanensippen errichteten ihre Sieblungen im Wie- feragrunbe, während andere Stammesgenossen noma­disierend weiterzogen. Am Rordabhange des Stousfen-

berges auf fruchtbarem Wiesengrunbe hatten sich die 'Ziegenhirten angefiebelt, bie bie Opfertiere zu züchten unb zu weiden hatten. Gaesmere nannte man ihre Sie« delung. Nach Westen im Friedagrunde waren Herdstät­ten gelegen, die durch den Ton des Feldes angeregt, Urnen brannten, das sind Tongefäße, die später bie Asche ber verbrannten Opfertiere und der Menschen

Sei« haus ohne.Zuldaer Zeitung'.

beherbergen fällten. (Bei Ausgrabungen in ben 60er Jahren bes vergangenen Jahrhunderts wurden noch Ueberrefte von Urnen gefunden). Töpfern hieß diese Siedlung.

Weit und breit hörten die Stammesgenossen von dem erhabenen Göttertempel, unb Tausenbe kamen unb ju­belten beim Opfermahl am Sonnenwendfeste unter Do­nars hl. Eiche. Röhrig.

Graf Zeppelin am Nil.

25 000 begeisterte Zuschauer wohnen der Landung in Kairo bei.

tobt. Kairo, 11. April. (Eig. Meld.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" landete um 7.20 Uhr morgens im Flughafen von Almaza, wo sich trotz der frühen Mor­genstunde etwa 25000 Menschen eingefunden hat­ten, um der Landung beizuwohnen. Das Luftschiff hatte kaum den Boden berührt, als bie Menge bie polizeiliche Absperrung burchbrach unb sich enthusiastisch um bas Flugschifs brängte. Als Dr. Eckener an der Tür der Gondel sichtbar wurde, war dies das Zeichen zu einer großen Kundgebung der Menge. 150 Soldaten waren von ben britischen Luststreitkräften, weitere 200 von ben britischen Besatzungstruppen zur Verfügung gestellt, um bas Luftschiff während seines Aufenthaltes auf dem Flugplatz zu halten.

Einzelheiten von der Landung.

wtb. Kairo, 11. April. (Eig. Meld.) Bei der Lan­dung bes Luftschiffes „Graf Zeppelin" auf dem hiesigen Flughafen wurde mit großem Interesse beobachtet, daß ein Mitglied ber Besatzung mit dem Fall­schirm aus dem Luftschiff abfprang, als dieses noch etwa 120 Fuß vom Erdboden entfernt war. Dieses Besatzungsmitglied hatte anscheinend ben Auf­trag, die erforderlichen Anweisungen beim Vor-Anker- Gehen an die Haltemannschaften zu erteilen. Die Lan-

dungsmanöver gingen unter Aufsicht des englischen Flie­gerleutnant Luck vor sich, der seiner Zeit zu dem be­sonderen Zweck nach Aegypten gekommen mar, die San- dungsmanöoer des verunglückten Suftschiffes R. 101 zu leiten. Luck wurde von Dr. Eckener eingeladen, ihn auf ber Rückfahrt nach Deutschland an Bord des „Graf Zep­pelin" zu begleiten.

Rundflug über Palästina.

Eine Stunde nach seiner Landung bei Kairo stieg bas Luftschiff erneut auf, um einen Rundflug über Palästina zu unternehmen. Gegen 11 Uhr vormit­tags erschien es über Jerusalem. Sein Erscheinen erweckte bei der Bevölkerung große Begeisterung.

Immer noch Winter.

wtb. hirschberg, 11. April. (Eig. Meld.) Seit Frei­tag vormittag hat es im Hochgebirge zeitweise wieder kräftig geschneit, so daß 10—20 Zentimeter Neuschnee gefallen sind.. Die Temperaturen betragen heute vor­mittag auf der Schneekoppe — 10 Grad, auf dem Kamm — 5 Grad.

Diese Herren wünschen neuen Vahlknmps. Das Volk dagegen ersehnt die Möglichkeit zur wirtschaftlichen Gesupdung und zur Verbesserung unserer durch abenteuerlichen Radikalismus erschwerten Lage.

Der Dorstandskisch des Berliner Stahlhelm im Berliner Sportpalast.

Bon links nach rechts: Exz. Walter, Prinz Oskar v. Preußen, Schneidler, stellvertretender Lan« desführer des Gaus Berlin, Exz. v. Ziethen, Prinz Eitel Friedrich v. Preußen.

Dr. Goebbels, der in Berlin an Grippe erkrankt ist, hat für kommenden Montag zwei Ge­richtsvorladungen erhalten, und zwar die erste Ladung als Zeuge gegen den Drucker des „Angriffs" Schulze wegen Beleidigung des Poli­zeivizepräsidenten Dr. Weiß. In dieser Sache ist Dr. Goebbels selber vor etwa einem Jahre ver­urteilt worden. Die Berufungsverhandlung hat

bisher nicht stattfinden können, da er mehrfach nicht erschienen war. Das Gericht hat daraufhin gegen ihn einen Beschluß auf Zwangsvorführung erlassen. Die zweite Ladung an Dr. Goebbels ist an ihn als Angeklagten gerichtet. Er soll sich, zu­sammen mit Dr. Junge wegen Beleidigung eine» Stadtrats durch einen Artikel im „Angriff" ver­antworten.

zu wurde zu einem unterirdischen Baum, ber eine Art Gruft bilbete, benutzt. Von der Treppe, die in der Süd- westecke der Kirche hinabführte, wurden noch 7 Stufen festgestellt; auch der Fußbodenbelag aus Sandsteinplat- ten war hier noch teilweise erhalten. An der Ecke, wo Süd- und Westwand sich trafen, lagen kreuz und quer bie Gebeine von etwa 40—50 Personen.

2. Um bie Sicherheit zu erhöhen, Gräber im Raume ber ehemaligen Franziskanerkirche zu finden, wurde von ber Südwestecke des Schiffes ein Diagonalgraben nach ber Mitte ber Nordmauer gezogen. Denn hätte man ben Graben senkrecht an ben ßängsroänben der Kirche geführt, so hätte man zufällig mitten zwischen zwei Gräberreihen hindurch gelangen können, ohne die Grä­ber selbst zu finden. Tatsächlich bat sich die Anordnung ber diagonalen Grabung als richtig erwiesen; denn es wurden dabei eine ganze Anzahl Bestattungen festge­stellt. Diese Bestattungen befanden sich teilweise noch in ursprünglicher Lage, wie die Vollständigkeit der Ge­beine unb die Umrisse ber verfaulten Holzsärge deutlich zeigten; teils aber waren die Skelette offenbar aus früheren Gräbern in große Holzkasten gesammelt unb er­neut in der Kirche bestattet oder auch an bestimmten Stellen ber Iesuitenkirche zusammengeworfen worben. Die so gefundenen „Massengräber" enthielten zusam­men Gebeine von etwa 60—70 Personen. Die Cinzel- beftattungen lagen mit dem Kopf nach dem Stabttbeater unb mit den Füßen nach der Schöfferstraße zu, so baß sie mit dem Gesicht nach dem im Osten unter dem Haufe Heinemann befindlichen Chore schauten.

Alle gefundenen Gebeine, insbesondere bie Einzelbe­stattungen wurden mit größter Sorgfalt gehoben unb dabei genau untersucht, ob den Toten Beigaben rntt- gegeben waren, aus denen man das Alter ber Bestat­tungen ober bie Persönlichkeit der Bestatteten hätte er­schließen können.' Die Gebeine einer auf einem beson­ders vorbereiteten Boden im Holzsarg bestatteten Per­son, die teilweise unter den Gleisen ber Straßenbahn lag. wurden von Prosektor Dr. Heinrich Müller vom Städt. Krankenhaus untersucht und als einer Person angehörig befunden, bie 30 Jahre nicht allzu viel über­schritten hatte.

3. Trotz des langen Grabens, ber durch eine ganze Anzahl Bestattungen führte, wurden auch bei ben Ein­zelbestattungen keine Grabplatten, mit benen ber Fuß­boden der Franziskanerkirche einst ganz bedeckt war,

mehr vorgefunden. Nur unter ber Maffenanfammilung von Gebeinen in ber Gruft ber Iesuitenkirche sand sich bas Bruchstück einer Grabplatte des am 7. April 1705 verstorbenen Jesuitenpaters Christian Hartman, ber am 17. Dezember 1657 in Limburg geboren würbe und Professor der Mainzer Universttät war; in seinem To­desjahr hatte er ein Büchlein „Aurea Moguntia" er­scheinen lassen, in dem er 10 Seiten der Erfindung ber Druckkunst widmete. .

Es ist anzunehmen, daß die Jesuiten bei der Bieber« legung der Franziskanerkirche im Jahre 1742 unb ber Errichtung ihrer eigenen Kirche die Grabplatten vom Fußboden abhoben und vermauerten. Da bie Jesuiten­kirche 1810 gänzlich niebergeleqt unb das wertvolle Steinmaterial zum Bau von Festungswerken in Mainz- Kastel benutzt wurde, dürften bie Grabsteine überhaupt nicht mehr in bem Raume ber ehemaligen Kirchen vor­handen fein. In den Grundmauern haben wir Zwar mehrere große Sanbfteinplatten vorgefunben, aber sie waren für Grabplatten nicht lang genug, nicht vollftan» big bearbeitet unb auch nicht beschriftet. Auch bei den Skeletten selbst, die mit peinlichster Sorgfalt gehoben wurden, sanden sich keinerlei Beigaben, nicht einmal ber Knopf eines Gewandes oder ein Fingerring, der Henkel eines Sarges oder dergleichen. Lediglich einige Sarg­nägel wurden gefunden, die zum Teil noch verfaulte Holzreste an sich trugen. ~ ,

Somit muß die Frage, ob bei weiteren Ausschach- tunasarbeiten Gutenbergs Grab aufgefunden unb iden» tifiziert werden könnte, nach den Ergebnissen der Ver­suchsgrabung als sehr zweifelhaft, aber doch nicht als absolut unmöatirf) bezeichnet werden.

Auf alle Fälle ist sestgestellt, daß auf bem Platz neben bem Stadttheater nacheinander zwei ehrwürdige Kirchen standen, in deren Boden noch heute bie Ge­beine zahlreicher angesehener Bürger der Stabt Mainz begraben liegen, barunter auch die sterblichen Ueberrefte Johannes Gutenbergs,

Mgn betrachte deshalb künftig biefen Platz als sa­kralen Bezirk unb entferne alles, was diesem Charakter widerspricht. Man deute den Grundriß der Kirche m dem dunklen Pflaster mit hellen Steinen an und lege eine Inschrift ein, daß in der so gekennzeichneten Kirche auch bie Gebeine des größten Sohnes dieser Stabt, des Erfinders ber Druckkunst, Johannes Gutenbergs, ruhen.

Dr. 21. Büppel