uldaerZerlung
Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.
Ilr. 83
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter'. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
Samstag, 11. April 1931.
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Mr,. 58.
Vas Gutachten der Brauns-Kommission.
Interessante Zahlen.
' Der erste Teil des Gutachtens zur Arbeitslosenfrage der Gutachterkommission ist am Frei- A ols Sonderveröffentlichung des Rcichsarbeits- ^attes erschienen.
In der Einleitung der Veröffentlichung wird Ur den Umfang der Arbeitslosigkeit ausgeführt.
Ende Februar 1931 von der in den G e- «»rkschaften o r g a ni^l ort e n Arbei- Mschaft 34,5 v. H. arbeitslos waren, 19,5 Fjy verkürzt arbeiteten und nur 46 v. H. volle »fchäftigung hatten. Bei der Behandlung der -rkämpfung der Arbeitslosigkeit durch Verkürzung Zr Arbeitszeit wird ausdrücklich darauf hingewie- ssi, daß n i ch t angenommen werden könnte, daß & Arbeitsstunden, die nach einer zahlenmäßigen zerechnung bei einer Herabsetzung der jetzigen längeren Arbeitszeit auf wöchentlich 40 Stunden jon den wöchentlich beschäftigten Arbeiter nicht mef)r geleistet werden, in gleicher oder ähnlicher flöije von neu einzustellenden Arbeitern zu übernehmen wären.
Die Hauptgrundsätze des Gutachtens der Kommission, die unter dem Vorsitz des früheren Reichsarbeitsministers Dr. Brauns über die Erwerbslosenfragen getagt hat, smd zwar bereits bekanntgegeben worden; das Gutachten enthält aber in seinen Einzelheiten noch sehr viel interessantes Material, so vor allem über die Auswirkungen, die von der Abschaffung des Do ppelVerdienstes und der Verkürzung der Arbeitszeit erwartet werden. Durch die Regelung des erstgenannten Problems glaubt man, im Laufe der Zeit über 300000 Arbeitslose wieder in den Arbeitsprozeß eingliedern zu können. Erheblicher noch ist die Zahl, die bei der Verkürzung der Arbeitszeit herauskommen dürfte. Die Schätzungen maßgebender Stellen weihen stark von einander ab. Am optimistischsten "mb offenbar die des Instituts für K o n j u n k t ur- 'orschung, das bei fester Durchführung der Maßnahmen mit 1,5 Millionen rechnet, am nieö- rigffen die des Reichsarbeitsministeriums, das die Zahl auf etwa 600 000 veranschlagt. Das Gutachten der Brauns-Kommission macht sich die Berechnung der Reichsanstalt für Arbeitslosenversiche- nma zu eigen, die a u f 750 000 hinausläuft. Zusammen würde also durch die geplanten Maßnahmen auf diesen beiden Gebieten immerhin eine Verringerung der Arbeitslosigkeit u m e i n e M i l- lion Personen zu erwarten sein. Das ilt doch sehr viel mehr, als man in der Oeffenk- lichkeit bisher geglaubt hatte. Die Brauns-Kommission wird ihre Arbeiten in der nächsten Zeit sehr energisch fortsetzen.
Sie wird in der kommenden Woche wieder zusammentreten, um zunächst das Problem der Arbeitsbeschaffung zu beraten. Sobald
das Gutachten hierüber fertiggestellt ist, soll die Frage der Sicherung der Arbeitslosenfürsorge nach der finanziellen Seite hin in Angriff genommen werden. Unter dieses Gebiet fällt auch die Krisen- und die Wohlfahrtsfürsorge. Die Vorschläge des Deutschen Städtetages werden zweifellos nicht in die Erörterungen einbezogen werden, die zu einer Reform des Arbeitslosenversicherungswesens führen sollen.
Zur Krise des Wirtschaftslebens
Forderungen der christlichen Gewerkschaften.
Der Ausschuß des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften trat in Essen am 8. und 9. April zu einer Tagung zusammen, der am Mittwoch auch Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald beiwohnte. Zur Eindämmung der Krise des deutschen Wirtschaftslebens und der deraus entspringenden Gefahren forderte der Ausschuß, daß in erster Linie die katastrophale Arbeitslosigkeit beseitigt wird. Die Wiederbelebung der Wirtschaft setzt weiter eine entschiedene und rasche Senkung der Preise voraus.
Sobald diese von einer Verminderung der Gestehungskosten abhängt, müssen Unternehmenverbände und Gewerkschaften gemeinschaftlich nach wirklich aussichtsreichen Wegen suchen. Das einseitige Vorgehen im Sinne eines Lohnabbaues erschließt keine solchen Wege. Wir fordern daher mit größter Entschiedenheit: Schluß mit dem Abbau der Löhne.
Ebenso entschieden wenden wir uns gegen eine Verschlechterung des deutschen Knappschastsgedan- kens und Sozialgesetzgebung sowie gegen jede Störung der tarifvertraglichen Entwicklung.
Die gemeinsame Anstrengung von Unternehmenverbänden und Gewerkschaften soll dem unablässigen Bemühen gewidmet sein, die Kosten der öffentlichen Verwaltung auf jenes Mintz e st m a ß z'urückzuführen, das Deutschlands schwieriger Lage entspricht.
Von der Reichsregierung fordern wir, daß sie auf Grund der ihr vom Reichstag erteilten Ermächtigung alle Schichten des Volkes ohne Ausnahme, nicht zuletzt die Landwirtschaft, zu gesunder Selbsthilfe anhält.
Eine endgültige Bereinigung der fast unlöslich scheinenden Verwicklungen und ein fruchtbarer Ausbau der Weltwirtschaft ist undenkbar ohne eine Gestaltung des Reparationsproblems, die das deutsche Volk bei Aufbietung seiner besten Kraft kulturwürdig leben läßt. Die christlichen Gewerkschaften erklären sich nach wie vor zu jeder ehrlichen Gemeinschaftsarbeit, die das Gemeinwohl zum Ziele hat, bereit.
* Reichstagspräsident Lobe in Genf. Reichstagspräsitzent Löbe ist mit einigen anderen Abgeordneten des deutschen Reichstages zur Teilnahme an einer Sitzung des Verwaltungsrates der interparlamentarischen Union in Genf eingetroffen.
DoumergueüberFmnkreichsFrie-eusllebe.
Der Präsident der Republik Frankreich hielt in Nizza bei einem Empfang, der anläßlich feines Besuches von den Behörden veranstaltet wurde, «ne Rede, in deren Verlauf er auch auf politische Fragen einging. Der französische Patriotismus, so sühne er aus, sei nicht aggressiv. Er sei für niemanden gefährlich. Er strebe nicht danach, Frankreich über alle Länder emporzuheben und den anderen Ländern die Hegemonie Frankreichs aufzu- zwingen. Er wolle Frankreich nur den Platz sichern, auf den es ein Anrecht habe. Er wolle die Unabhängigkeit Frankreichs aufrechterhalten, auf die es wcht verzichten könne, und er wolle die volle Sicherheit, die Frankreich unbedingt brauche, um M arbeiten, sich im Frieden zu entwickeln und in größtmöglichem Maße an dem Fortschritt und
Glück der Menschheit mitzuwirken. Frankreich habe zu sehr unter dem Kriege gelitten, als daß nicht den Wert des wohltuenden Friedens Mtze. Ein dauerhafter Frieden sei aber nur mög- ««ji wenn die Sicherheit der Grenzen völlig gewährleistet sei. Frankreich habe also das Recht, anzunehmen, daß, solange der Völ kerbund -eine ausreichende militärische Macht »u seiner Verfügung habe, um für die Durchführung seiner Entscheidungen zu sorgen, falls wan sich ihnen nicht freiwillig beuge, es selbst fachen, achtgeben und sich nur auf sich selbst ver- *wn müsse. In dieser Annahme werde Franksch noch bestärkt, weit es sich plötzlich einem unvorhergesehenen Ereignis gegen« ersehe, dessen Bedeutung in der Gegenwart und dessen Folgen für die Zukunft nicht verkannt cherden durften, weil die Geschichte des Landes, dieses Ereignis eingetreten sei, einen Prä- «^enzfall aufweise, der lehrreich sei und den zu °«gessen gefährlich wäre.
a« Frankreich brauche nur sich vom gesunden l'^lchenverstantz leiten zu lassen, und dieser ge- i -e Menschenverstand rate ihm zweierlei an: 9 ^ber den guten Zustand der Finanzen zu wachen, p'i'59 bon dem Gedanken leiten zu lassen, daß ein 2 solange es keine starke internationale Streit« gebe, nicht zulassen dürfe, daß man seine "Sene materielle Streitkraft unter das Niveau £tatW, das die Sicherheit und Unantastbarkeit Lr Landes erhalte. Die jetzt lebenden Genera- Su.611 trügen vor den künftigen Generattonen die ^rantwottung' hierfür.
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. tot6. Paris, 10. April. (Eig. Meld.) Die Rede Präsidenten der Republik in Nizza wird in den lten Blättern groß aufgemacht und von ihnen,
so weit sie Stellung nehmen, vollauf gebilligt.
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wtb. Paris, 10. April. (Eig. Meld.) Die gesttige Unterredung zwischen dem englischen Botschafter Lord Tyrrell und Briand hat sich auf die in Aussicht genommene Begegnung vonChequers bezogen. Der englische Botschafter habe den französischen Außenminister über die verschiedenen Gründe der ursprünglichen Jnitia- ttve Hendersons unterrichtet.
Große Politik.
Aus Berlin wird uns geschrieben:
Handelt es sich in diesem Augenblick darum? Wird, um mit Wallenstein zu reden, um der Menschheit große Gegenstände, um Freiheit und um Gleichheit gerungen? Es fällt einem nicht immer leicht, eine solche Frage ohne ein Gefühl von Bitterkeit zu beantworten. Wo ist die Menschheit, trenn Staatsmänner Politik machen? Wo ist die M e n s ch h e i t, wenn etwa Frankreich Politik macht? Man hat das Empfinden, als gingen wir politischen Methoden entgegen, die einer hoffnungslosen Vergreisung näherkommen als einer lebendigen Jugend. Gewiß fordern wir nicht, daß die Jugend oder gar die Jugendlichkeit die Geschicke der Völker lenke. Jugend ist ein Zustand, ober keine Errungenschaft und kein Verdienst. Die Greisenhaftigkeit aber ist ein Verschulden, und es sieht so aus, als ob in einigen Ländern diese Sünde mit besonderer Boshaftigkeit am Werke märe. .
Die mit soviel Plötzlichkeit aufgetauchte Nachricht von der englischen Einladung an deutsche Minister mutz allerhand Wandlungen sich gefallen lassen. Während zuerst der 1. Mai festzuliegen ftfüen, und man sich nachher angeblich auf den 8. Mai einigte, wurde dann verbreitet, die Zusammenkunft könne nicht vor Ende Mai stattfinden. Das wäre eine sehr sonderbare Regelung. Denn vorher, am 15. und 18. Mai, sollen die europäische Studienkommission und der Dölkerbundsrat tagen, und es liegt auf der Hand, daß bei diesen Beratungen im wesentlichen die gleichen Gegenstände erörtert werden sollen, über die auch MacDonald und Henderson sich Mit Brüning und Eurtius unterhalten möchten. Nun muß man aber bedenken, daß, wenn namentlich Frankreich recht behält, Deutschland und Oesterreich vor dem Völkerbundsrat gewissermaßen als Ange--
klagte erscheinen sollen. Der deutsch-österreichische Zollvertrag soll auf seine juristische Stichhaltigkeit hin geprüft werden. Die Franzosen und wohl auch noch einige andere Staaten sind davon überzeugt, daß diese Zollunion früheren, für Oesterreich bindenden Abmachungen widerspricht. Wahrscheinlich ist dabei nur derWunsch der Vater des Gedankens, aber dieser Wunsch ist so stark, daß er schon etwas ausrichten kann. Und wenn es den Franzosen gelingt, ihre Meinungen auch anderen zu suggerieren, bann besteht die Gefahr, daß in der Tat der Völkerbur.dsrat die deutsch- österreichischen Zollpläne für unzulässig erklärt. Wie es dann weitergeht, ist eine Frage für sich. Ob allerdings ein Besuch deutscher Minister auf dem Sommersitz MacDonalds dann viel ausrichten würde, darf man wohl bezweifeln.
Es ist also wirklich schon fast eine Zumutung, wenn die Engländer meinen, es sei gleichgültig, ob deutsche Staatsmänner vor oder nach so wichtigen Beratungen, wie sie in Gens bevorstehen, nach London kommen. Man könnte dahinter allerlei tückische Nebengedanken vermuten. Aber es ist ja auch denkbar, daß den Engländern die ganze Zollangelegenheit nicht so wichtig ist. Aber dann dürften sie doch nicht übe:sehen, daß Frankreich wegen dieser Frage sich sehr beleidigt zeigt und sie ganz gern zu einer Staatsaktion machen möchte. Das ist die vergreiste Politik kleiner Empfindlichkeiten. Eine große Nation sollte sich wirklich nicht damit befassen. Wenn schon Briand der Meinung ist, er allein dürfe in Europa Initiative zeigen, so sollte er eine solche arrogante Haltung wenigstens nicht merken lassen.
Aber es gibt noch einige andere Gleise, auf denen zurzeit große Politik gemacht wird. Im Hintergrund der geplanten Londoner Besprechungen steht der F l o 11 e n p a k t zwischen England, Frankreich und Italien. Man hat erzählt, England habe diese Abmachungen so verschwiegen oder zurückhaltend behandelt, daß Deutschland darüber verstimmt gewesen sei, und nun wolle Henderson durch eine möglichst freundschaftliche Einladung nach London diese Sache wieder in Ordnung bringen. Aber es scheinen noch andere Dinge im Spiel zu sein. Man hört, daß Italien sowohl wie England an diesem Flottenpakt schon keine rechte Freude mehr hätten. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. England und Italien sind zugunsten Frankreichs benachrichtigt worden, und England möchte zum mindesten die Bestimmungen, die'sich aus die U-Boote beziehen, rückgängig machen. Wenn das so ist, und es dürste wohl so fein, dann können die Engländer sich auf ein hartnäckiges Feilschen mit den Franzosen gefaßt machen. Möglicherweise läßt Frankreich sich seinen Vorrang im Unterseebootsbestand wieder abhandeln, aber es wird dafür Zugeständnisse bei seinen Forderungen in der Landrüstung verlangen. Henderson, der als Außenpolitiker in England auch außerhalb feiner Partei einen guten Ruf genießt, möchte die Abrüstungskonferenz gern zu einem wirklichen Erfolg oder wenigstens zu einem erheblichen Anfangserfolg führen. Wenn nun Frankreich in der Landabrüstungsfrage intran« signiert bleibt und sich dabei gor noch der englischen Hilfe versichern will, dann sind die Aussichten für die Abrüstungskonferenz von vornherein sehr trübe. , t
Hierzu kommt die Haltung Deutschlands. Wir verlangen, daß wirklich abgerüstet wird,nicht aber, was Frankreich möchte, daß der jetzige Rüstungszustand garantiert wird. Es ist nicht ausgeschlossen, daß England sich jetzt unserer Hilfe für die Konferenz im nächsten Winter sichern möchte, und es wird ihrer ohne weiteres sicher fein, wenn es ehrlich auf Abrüstung sinnt und gewillt ist, sich durch die französischen Fallenleger nicht aus der Fassung bringen zu lassen. Hat Henderson aufrichtig diesen Willen? Sicher ist nur, daß Frankreich mit allen Mitteln bemüht ist, seiner eigenen Auffassung zum Siege zu verhelfen, nämlich nicht abzurüsten. Das sind wahrscheinlich die letzten Gründe auch dafür, daß es gegenwärtig Deutschland mit seinem hoheitsoollen Zorn straft und die Beziehungen zum deutschen Außenministerium, wenn nicht gerade abgebrochen hat, so doch mindestens nicht pflegt. Man nennt das große Politik.
Hat die Menschheit Anteil daran? Sicherlich dann, wenn dem unsinnigen Rüsten ein Ende gemacht und dadurch der Friede der Welt gesichert wird, nicht aber bann, wenn eine Auffassung siegt, die nur das eigene Land anerkennt. Gegenwärtig hat diese letztere politische Haltung zweifellos in Europa die Oberhand. England könnte sie beseitigen, und Deutschland würde dabei an seiner Seite stehen. Es scheint wirklich notwendig, daß an die Stelle greisenhaften Denkens die lieber,Beugung einer Generation neuer Politiker tritt, die an die Menschheit und ihre Zukunft glauben.
Wtb. Nenyork, 10, April. (Eig. Meld.) Maßgebende Kreise in Wallstteet betonen nachdrücklich, daß der Besuch des Gouverneurs der Bank von England in keiner Weise mit einer, vorläufigen oder endgültigen Vereinbarung über die Frage der Schuldenzahlungen zusa.nmenhänge.
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Die Russen-Aufträge.
ERB. Berlin, 10. April. (Eig. Meldg.). Heute haben in den Räumen der hiesigen Handelsvertretung der USSR. die Besprechungen zwischen der Wirtschaftsdelegation der Sowjet-Union und den Vertretern der deutschen In- d u ft r i e begonnen. Auf deutscher Seite sind u. a. beteiligt der' Vorsitzende des Rußland-Ausschusses beim Reichsverband der deutschen Industrie, Direktor Craemer, ferner Generaldirektor Reuter von der Demag, Generaldirektor Dr. K ö 1t- g e n von Siemens. Die Dauer der Verhandlungen läßt fick noch nicht übersehen. Sie erstrecken sich auf die Durchführung der zusätzlichen russischen Aufträge, die seinerzeit bei den Moskauer Bespre
chungen in Aussicht genommen worden find und betreffen in erster Linie die Klärung der Lieferbedingungen. Die russische Wirtschaftsdelegation wird übrigens Gelegenheit haben, eine Reihe bedeutender Werke der Montan-, Maschinen- und Elektroindustrie zu besuchen, wie ja auch die deutschen Industriellen sich bei ihrem Besuch über die dortigen industriellen Verhältnisse orientiert hoben.
Das erstrebenswerte Ziel.
Wtb. London, 10. April. (Eig. Meld.) „Finan- cial-Times" sagt, daß die Zollunion zwischen Deutschland und Oesterreich noch weit von ihrer Verwirklichung entfernt sei. Da aber andere Länder zur Teilnahme aufgeforbert seien, so bleibt abzuwarten, ob dieser erste entschlossene Schritt den notwendigen A n st oß in Richtung auf das Ziel geben werbe, bas beinahe allgemein als erstrebenswett anerkannt worben sei.
Ein gefälschtes Atugbtatt.
In verschiebenen Teilen Preußens wirb gegenwärtig in der Agitation für bas Volksbegehren des Stahlhelms ein Flugblatt verbreitet, in dem im Wortlaut ein angeblicher Aufruf des Rats bet Volksbeauftragfen vom 9. November 1918 „An Alle!" wiedergegeben wirb. Dieser Ausruf wendet sich an die „Arbeiter, Soldaten, Bauern!" und ist in 19 Punkte gegliedert.
Wie der Amtl. Preuß. Pressedienst mitteilt, stellt dieser Aufruf des Rats der Volksbeauftragten nach einer Erklärung des Reichsinnenministeriums vom 21. Februar 1931 „eine ungewöhnlich plumpe Fälschung" bar. Am 9. November 1918 gab es einen Rat ber Volksbeauftragten noch nicht. Der erste von ihm bekannt geworbene Aufruf batiert vom 12. November 1918 und hat ganz anderen Inhalt.
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wtb. Berlin, 10. April. (Eig. Meld.) Der Berliner Polizeipräsident hat die Zeitschrift des Bundes der Frontsoldaten „Der Stahlhelm" von heute ab auf die Dauer von 3 Monaten verboten. Die Gründe dafür werden noch bekannt gegeben. ___________________
SA.-Konserenz in München.
In München fand eine nationalsozialistische Versammlung statt, die in erster Linie als Kundgebung des Saalschutzes und der Sturmabteilungen (S. S. und S. Ä.) gedacht war. Aus diesem Grunde waren die Führer dieser Abteilungen aus dem ganzen Reich und auch aus Oesterreich nach München gekommen. Vom Stabschef der S. 21-, Hauptmann a. D. Röhm, von General a. D. v. Epp und von Adolf Hitler wurden Ansprachen gehalten.
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Zwei neue Tatsachen geben dem Konflikt in der Nationalsozialistischen Partei ein neues Aussehen. Zunächst der offene Ausbruch des schon bisher vermuteten, aber von den Nationalsozialisten lei, denschaftlich bestrittenen Konfliktes zwischen Hitler und Goebbels. Sodann das Erscheinen der ersten Nummer der von Steines angekündigten Zeitung, die den Namen „Arbeiter, Bauern, Soldaten!" trägt und halb- wöchentlich herauskommen loll.
Der Konflikt Mischen Hitler und Goebbels, der bisher mühsam verschleiert worden ist, ist dadurch offenkundig geworden, daß Hauptmann Goehring, den Hitler mit weitgehenden Vollmachten nach' Berlin entsandt hat, hier eine Untersuchung abhielt und dabei feststellte, daß Goebbels b e- reite seit langem geaen Hitler gearbeitet und dessen Ansehen in der Berliner Partei herabzusetzen versucht hat. Goehring hat darüber einen Bericht an Hitler abgesandt und dieser Bericht konnte in München offensichtlich nicht geheim gehalten werden, lo daß zuerst die „Mün, ebener Post" darüber Mitteilung machen konnte. Doch wird nunmehr auch in unterrichteten nationalsozialistischen Kreisen in Berlin die Tatsache dieses Konfliktes nicht mehr ernstlich bestritten.
Landsknechte.
„Bei den Wachenden herrschte eine un glaub'« lich kriegerische Stimmung. Die anfängliche Empörung über den Meutererklüngel wich bald jener Landknechtsstimmung, die zu einem normalen Lagerbetrieb der SA gehört. Die Skatkliquen hatten sich nach einer halben Stunde gefunden. In einer anderen Ecke erwachte der unsterbliche M i k o s ch. Es herrscht ein rauher, aber herrlicher Ton . . . Nur eins wissen sie sehr genau: wenn einer kommt, der Hitler beschimpft, der kann sich gratulieren. Eine sehr einfache und probate Lösung des ganzen Poblems". , ,
Das lesen wir in Nr. 72 des „21 n g r t f f", dem Organ der Berliner Landsknechte bei einer Schilderung über das „Feldlager in der Hedemannstr.", dem Hauptquartier der Nationalsozialisten. Wir haben nichts hinzuzufügen.
* Keine Einreisisteschränkungen für Deulsche nach Neu-Guinea. Nach einer amtlichen Mitteilung des deutschen Generalkonsulates in Sydney sind die bisher noch gegen Deutsche, die vor 1919 im früheren Deutsch-Neü-Guinea ansässig waren, bestehenden Einreisebeschränkungen in das Mandatsgebiet Neu-Guinea nunmehr fortgefallen.
* Der Präsident des amerikanischen Repräsentantenhauses gestorben. Aus Newyork wird gemeldet: Nicholas Longworth, der Präsident des Repräsentantenhauses, ist in Asien (Süd-Karolina) nach kurzer Krankheit infolge einer Lungentent- zündung gestorben. Longworth war mit der ältesten Tochter des verstorbenen Präsidenten Roosevelt verheiratet.