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Anzeiger für die Stadt Julda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Sie Welt im Bild' undBuchenblätter'. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actienüruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Donnerstag,

Keine Einberufung des Reichstags.

DDZ. Berlin, 8. April. (Eig. Bldbg.). 3m Aelieslenral des Reichslages wurden die Anträge au| Einberufung des Reichstages abgelehnt.

Für den sofortigen Zusammentritt des Reichs­tages traten nur die Vertreter Der drei «n trag st eilenden Fraktionen ein. Hin­ter diesen stehen jedoch nur 228 Mitglieder des Reichstages, wobei die drei dissentierenden Mit- -iieder des Landvolks bereits zur Opposition ze­ichnet sind. Denen stehen 319 Mitglieder der Sgen Parteien gegenüber. Der Antrag wurde nicht von einer Mehrheit des Reichstages un-

MMt.

Von den Antragstellern wurde auch auf Ar­tikel 24 der Reichsverfassung hingewiesen, der be­

stimmt, daß der Reichstag auf Verlangen eines Drittels seiner Mitglieder einberufen werden muß. Die Mehrheit des Aeltestenrates war jedoch der Auffassung, daß diese Bestimmung nur für die Zeit zwischen zwei Sessionen, also nur für den Fall gilt, daß der Reichstag sich vertagt hat, ohne einen Termin für seinen Wielderzüsammentritt festzusetzen.

Mit der Ablehnung des sofortigen Zusammen­trittes ist jedoch nicht ein für allemal entschieden, daß der Reichstag erst am 13. Oktober wieder Zu­sammentritt. Da die Regierung noch den Er­laß weiterer Notverordnungen be­absichtigt, so ist mit neuen Anträgen auf Ein­berufung des Reichstages während des Sommers zu rechnen, über die dann der Aeltestenrat von neuem beraten müßte.

Die Einladung nach Chequers.

Neue Wege in der europäischen Politik.

Zweckmäßigkeitserörterungen finden noch über den Termin des Kanzlerbesuchs in Eng­land statt. Ursprünglich stand der erste Sonntag des gitat im Vordergrund. Es stellte sich dann heraus, daß zwar Henderson zu diesem Zeitpunkt abkömm­lich sei, Macdonald dagegen nicht an der Zusam­menkunft teilnehmen können würde. Die englische Regierung schlug deshalb das folgende Wochenenoe vor. Dieser Zeitpunkt war-aber der deutschen Regie­rung aus mancherlei Gründen nicht genehm. Dabei mag mit eine Rolle gespielt haben, daß der Besuch dann etwas dicht an die Genfer Tagung heianrücke. Die englische Regierung hat darauf vor- geschlagen, die Zusammenkunft unter diesen Um­ständen doch lieber auf Ende Mai zu verschie­den. Aus dieser Entwicklung der Vorbesprechungen ergibt sich von selbst, daß alle Vermutungen irgend- wächer politischen Hintergründe des Verfchie- bungsvorschlages abwegig sind. Im Augenblick steht auch noch keineswegs fest, ob der Besuch mm tatsächlich erst Ende Mai erfolgt. Vielmehr dürfte die Reichsregierung jetzt zu entscheiden haben, ob sie nicht doch das zweite Wochenende für den Mckmäßigsten unter den möglichen Terminen hält. Zn politischen Kreisen neigt man der Auffassung zu, daß der Kanzler und der Außenminister, die in Baden-Baden unterrichtet worden sind, sich wahr­scheinlich für diesen Zeitpuntt entschließen werden.

Ein' französischer Korrespondent (Pertinax) mel­det demDaily Telegraph" aus Paris, die Nach­richt, daß Reichskanzler Brüning und Dr. Curtius auf Einladung Hendersons voraussichtlich nach London kommen werden, habe in Paris gro­ßes Erstaunen hervorgerufen. Amtliche Kreise seien zurückhaltend. Von vertrauenswürdiger Seite will Pertinax erfahren haben, daß Briand bereits mit Bedauern abgelehnt habe, da er nicht imstande sei, kurz vor der Wahl des neuen Präsi­denten der Republik nach London zu gehen.

Echo de Paris" läßt sich aus London melden: In gewissen politischen englischen Kreisin ist man der Ansicht, daß die englische Regierung einiger­maßen unklug gegenüber Briand gehandelt hat, als sie ihn einlud, an der Besprechung mit den deutschen Ministern teilzunehmen. Man kann sich vorstellen, daß der Chef des Ouai d'Orsay nicht freudigen Herzens sich zu einer derartigen Reise bereitfinden würde. Sein Besuch in London droht in demütigender Weise den Mißerfolg sei­ner Politik zu bestätigen. Aber Henderson -räumt davon, zwischen Briand und Curtius zu vermitteln, um seine eigene Wahl für den Präsi­dentenposten der allgemeinen Abrüstungskonferenz vorzubereiten.

Die Einladung Macdonalds an Reichskanzler ^rüning und Reichsaußenminister Curtius zu einer Aussprache in Chequers wird in den Berliner Klottern, insbesondere in der der Regierung nahe- l-ehenden Presse als eine gute Gelegenheit bespro­chen die europäische Verständigung zu fördern.

DerAbend" bezeichnet solche Zusammenkünfte vfreigentlich etwas Selbstverständliches". Die urags der Freunde einer deutsch-französischen Ver- weshalb nicht eine ähnliche Einladung nach Frankreich möglich gewesen sei, werde von oey, Teil der Pariser Presse beantwortet, der fr ungünstig beurteile. Aus ihm

wreche eine Stimmung der verkniffenen Gehässig- eit' d'e sich von der großzügig g e l a s s e- ,en « r t der en glischen Arbeiterregie- ung aufs Peinlich st e abhebe.

ofr "Germania" begrüßt die Einladung 6 5 den Ausdruck der freundnachbarlichen Bezie- zwischen England und Deutschland, nicht lat deshalb, weil sich in den vergangenen Mo- Di-? ^vvilänge ereignet hätten, die Anlaß zu ^Verständnissen hätten geben können. Die eng- bpi-h^Eik und öffentliche Meinung habe wie-

bewiesen, daß sie den Kriegsgeist sch-n d a u t habe und einem angemessenen deut- t>pr.e.p Wiederaufstieg keine unübersteiglichen S)in= 'üe in den Weg legen wolle.

"Berliner Tageblatt" weist darauf hin, 3?flVtn Gedankenaustausch in einem zwangloseren tomr»611 aIs dies in Genf möglich wäre, zustande- igfiu?enerbe. Unter Bezugnahme aus die fran- fos % .Äußerungen zu der Einladung schreibt Dock""' 65 ständen immer noch drei bis vier ZAiick" n!r Verfügung, um eine Verständigung zu ^London, Paris und Berlin in die Wege ftni?*e "Dossische Zeitung" schreibt, es wäre leicht- chvnaö ° ^u große Hofsnungen auf die Bespre- n<Uin\'tu ^en und anzunehmen, daß Macdo- " urio Henderson jetzt Sachverwalter der deut­

schen und der österreichischen Interessen Frankreich gegenüber sein werden. Es sei englisches Inter­esse, nicht im Schlepptau Frankreichs die Politik einer europäischen Verständigung durch die Neu­bildung gegnerischer Koalitionen abzulöfen.

Nach Ansicht derDeutschen Allgemeinen Zei­tung" werde für den Erfolg der Besprechungen entscheidend sein, daß der Kreis der zu behan­delnden Fragen weder zu eng noch zu weit gezogen werde. Deutschland betrachte die Abrü­stung, auf die es ein vertragliches Recht ljabe, im Eesamtrahmen der internationalen Politik. Aus der Teilnahme des Reichskanzlers an den Bespre­chungen entnimmt das Blatt, daß er beabsichtige, in einem freundschaftlichen Gedankenaustausch all die wichtigen Probleme zur Sprache zu bringen, die das deutsche Volk bedrücken: neben der Abrüstung die Frage der deutschen Tribute und der wirt­schaftlichen Beziehungen zwischen den europäischen Staaten sowie die Weltwirtschaftskrise und ihre Folgen für Europa.

DieKreuzzeitung" begrüßt auch die Gele­genheit, außerhalb von Genf die schwebenden euro­päischen Probleme zu besprechen. Es müsse aber der Hoffnung Ausdruck gegeben werden, daß sich die deutschen Minister durch die englische Cour- toisie nicht einfangen lassen werden. Der Besuch könne erstaunliche Wirkungen auslösen, wenn die deutschen . Staatsmänner sich nicht einwickeln ließen und wenn England wirklich als ehrlicher Makler auftreten werde.

Aehnlich äußert sich dieDeutsche Tageszei­tung". Es sei keineswegs ausgeschlossen, so schreibt das Blatt, daß in der Frage der Flottenrüstungen eine Pression auf Deutschland mit Hinblick auf seine neuen Panzerschiffe erfolgen solle. Das Blatt unterstreicht die große Verantwortung der deut­schen Staatsmänner bei der Annahme der Einla­dung.

DieNachtckusgabe" fordert, daß deutscherseits als Hauptthema der Besprechungen die Frage des Poung-Planes und einer neuen Reparationskonfe­renz aufgestellt werde.

*

wtb. London, 8. April. (Eig. Meldg.). Amt­lich wird erklärt, daß niemals die Absicht bestanden habe, Briand gleichzeitig mit den deutschen Ministern einzuladen, und daß anderslau­tende Darstellungen auf einem Mißverständnis be­ruhen.

Ein deutbarer Besuch.

wtb. Washington, 8. April. (Eig. Meld.) Der Washingtoner Besuch des Gouverneurs der Bank von England, Montagu Normans, erregt hier all­gemeine Aufmerksamkeit und veranlaßt allerhand Vermutungen, die aber, wie Washington Star aus guter Quelle erfährt, zu weitgehend seien. Norman sei hergekommen, um den neuen Chef des Federal Reserve System, Eugen Meyer, kennen zu lernen, und auch deshalb, weil nach dem Ableben des Präsidenten der New Parker Bundes­reservebank, Strong, die Finanzpolitik der amerikanischen Zentralbanken wieder vorwiegend in Washington bestimmt werde. Sicher seien bei Normans Besuch alle internationa­len Finanzfragen gesprächsweise erwähnt worden, dies bedeute jedoch nicht, daß in anderen Dingen als in den Fragen der Goldbewegung und der Be­teiligung an auswärtigen Anleihen konkrete Pläne erörtert worden seien. Norman wurde heute vom Präsidenten Hoover empfangen, der aber nur einige Minute sich mit ihm unterhielt. Norman wohnt nicht, wie anfänglich geplant, beim Finanzminister Mellon, sondern bei dem langjähri­gen Leibarzt des verstorbenen Präsidenten Wilson.

Gründung einer polnischen Propaganda- Organisation in Paris geplant.

wtb. Kattowih. 8. April. (Eig. Meldg.). Die polnische Presse meldet, daß eine neue Propa­ganda-Organisation für Polen in Paris gegrün­det werden soll. Diese soll einen Teil der Auf­gaben der Presse- und Propaganda-Abteilung des polnischen Außenministeriums übernehmen. Dem Leiter des Unternehmens ist der Fliegermajor Kwieczinski ausevsehen.

* Untersuchung gegen die Wiener Attentäter. Die Wiener Presse meldet, daß sich die gerichtliche Untersuchung wegen des Attentats auf König Zogu von Albanien gegen sieben albanische Staatsbürger, richtet. Unter diesen sind zwei ehemalige Minister. Da auch Ermittlungen auf diplomatischem Wege notwendig sein werden, bte Untersuchung demnach mindestens zwei Monate beanspruchen dürste, kann der Prozeß nicht vor Mltte Ju ni erwartet werden.

S. April 1931.

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Zahrg. 58.

Kommunismus in lljeorie und Praxis.

Von einem besonderen Mitarbeiter.

Der konsequente Sozialismus, dessen paten­tierter Vertreter der B o l s ch e w i s m u s sich zu fein rühmt, müßte an sich, wenn Theorie und Praxis übereinstimmten, für dieEnterbten des Glücks" korrigieren, was das Glück ihnen vor­enthalten hat. Leider aber lassen sich die imma­nenten Gesetze der Gesellschafts- und Wirtschafts­ordnung durch Theorien, und mögen sie noch so klug ausgetüftelt sein und noch so verheißungsvoll aussehen, nicht ins Wanken bringen. Es ist wohl möglich, sie ab und zu ein wenig zu vergewaltigen. Die Strafe bleibt aber nicht aus. Und es ist gar nicht so sonderbar, daß in Wirklichkeit das Gegen­teil von dem erreicht wird, was man in der Idee durch die Korrektur der Gesetze bezwecken wollte. Man braucht nur die ,,Segnungen", die der Bol­schewismus den russischen Arbeitern zugedacht und verheißen hatte, mit denen zu vergleichen, die sich eingestellt haben, und man wird feststellen müssen, daß nichts besser, aber alles schlechter geworden ist, und daß der russische Arbeiter vom verspro­chenenParadies auf Erden" weiter entfernt ist denn je.

Die Entwicklung des bolschewistischen Systems war mit Fehlschlägen der verschiedensten Art ver­knüpft. Schon sehr früh mußte man es aufgeben, den Kurs der geraden Linie, wie er sich im Pro­gramm in lapidarer Einfachheit präsentierte, zu steuern. Gar manche gefährliche Klippe war zu umschiffen. Die ganze Route geriet in Unordnung. Im Zickzack ging es weiter und noch ist nicht ab­zusehen, wo man landen wird. Im Januar 1918 dekretierte man in derErklärung der Grund­rechte des arbeitenden und ausgebeuteten Volkes" die Abschaffung des Privateigentums an Grund und Boden. Kurz darauf aber sah man sich ge­nötigt, Einschränkungen zu machen und den mitt­leren und kleineren Besitz unangetastet zu lassen.

Lenin drückte das in den Worten aus:Die bäuerliche Bewegung kann man nicht kommandie­ren." Auch die Sozialisierung der Industrie' stieß auf die größten Schwierigkeiten. Die Produktion ging erheblich zurück. Es blieb den Machthabern nichts pbrig, als Zwangsmaßnahmen anzukün­digen. Lenin verstieg sich sogar zu der Drohung, zu den sonst vom Sozialismus auf das schärfste bekämpften, kapitalistischen Methoden des Akkord- und Taylorsystems zu greifen. In der Tat wurde auchdie Freiheit und Selbstverantwortung der Arbeiter kn den Fabriken auf das äußerste be­schränkt". Ja, die Arbeiter mußten sich sogar ge­fallen lassen, daß ihren Gewerkschaften das Streik­recht entzogen wurde.

Ohne Protest wurden diese drakonischen Maß­nahmen, die sich kein kapitalistischer Staat ohne schwere Erschütterungen erlauben dürfte, hinge- nommen. Der Popanz, das siezum Besten der Arbeiterklasse" notwendig seien, brachte Wider­spruch zum Schweigen.

Inzwischen hat sich die Lage nicht verbessert. Auf Lenin folgte Stalin, der seinem Vorgänger nichts nachgibt, ja, ihn noch übertrumpft. Man suchte neue Wege und fand den sogenannten Fünf-Iahresplan", durch den der Welt das Wunder des Bolschewismus" vor Augen geführt werden soll. Ganz gleichgültig, ob dieser gran­diose Plan nun verwirklicht werden kann oder zum Scheitern kommt, auf jeden Fall wird er das Los des russischen Arbeiters nicht ändern. So oder so, wird er nur erhöhtes Opfer fordern, ohne Aequivalente zu geben. Bis jetzt hat er lediglich zur Folge, daß der Konsum der Volksmassen fort­während gedrosselt werden muß, daß Hunger und Not Einkehr gehalten haben, daß die Rechte der Arbeiter immer mehr eingeschnürt werden, und daß jede Opposition durch einen grausamen Ter­ror niedergehalten wird. Es besteht nicht die ge­ringste Aussicht, daß dieser Zustand sich ändern wird. Denn der Sozialismus mit seinen schönen Ideen ist über diesen Experimenten zugrundege­gangen.

Aus seinen Resten hat sich, wie Phöbus aus der Asche, der Staatskapitalismus erhoben. Die­ser Staatskapitalismus ist aber der schärfste Feind jedes individuellen Wohlergehens. Er schneidet dem einzelnen von vornherein jede Möglichkeit des sozialen Aufftiegs ab. Seine letzte Konsequenz ist die Tatsache, daß der Staat alles, aber auch alles besitzt und der einzelne Bürger und Arbeiter arm, bettelarm und jeder Habe entblößt ist. Seine Sta­bilisierung ist die unerhörteste Ausbeutung und Vergewaltigung des arbeitenden Volkes und seine Merkmale sind die einer Sklaverei, wie sie die Welt noch nie gekannt hat. Das privatkapitali­stische System mit all seinen Schwächen und Un­zulänglichkeiten ist dagegen der Garten Eden.

Auch der Arbeiter hat in sich die Sehnsucht nach Eigenem, nach Wohlstand und Besitztum. Aus dieser Sehnsucht ist ja sein Interesse an jenen Ideen geboten, die ihm das Recht zusprechen wol­len, von den Gütern der Welt für seine persön­lichen Zwecke den auf ihn treffenden Teil zu be­anspruchen. Daß niemand etwas haben soll, wie es der Staatskapitalismus zum System macht, wird ihn nie und nimmer befriedigen.

Da der deutsche Kommunismus auf die Ziel­setzungen Moskaus eingeschworen ist, muß der deutsche Arbeiter sich beizeiten darüber klar wer­den, daß er von dieser Beglückungsmethode nichts zu erwarten hat. Das Los, Sklave des Staates zu fein, kann doch für ihn nichts Beglückendes ha­ben.

Anklage gegen Seldte und Düsterberg. Der Generalstaatsanwalt beim Landgericht l in Berlin hat, dem Lokalanzeiger zufolge, gegen die Vor­sitzenden des Stahlhelms, Seldte und Düsterberg, wegen eines Aufrufes, den die ZeitungDer Stahlhelm" am 18. Januar 1931 veröffentlichte, Anklage aufgrund des § 5, Absatz 1 des Republik- jchutzgesetzes erhoben.

Verwirrte köpfe.

Aus dem nationalsozialistischen Lager.

Einer der Geldgeber des nationalsozialistischen Westdeutschen Beobachters" in Köln, Prinz Friedrich Christian zu Schaumburg- Lippe, veröffentlicht folgende Erklärung: ,<Ich habe mich veranlaßt gesehen, Meine geschäftlichen Beziehungen zu dem derzeitigen Gauleiter der N. S. D. A. P., Herrn Dr. Robert Ley, mit dem heutigen Tage zu lösen. Dr. Ley hat von heute ab keinen Anteil mehr weder an dem Köl­ner Parteihaus, noch an den Druckereien in Köln und Koblenz. Ich andererseits bin an den Zei­tungen des Westmarkverlages ab heute nicht mehr beteiligt. Es bestehen zwischen Dr. L-y und mir keinerlei Bindungen mehr."

*

DieSäuberungsaktion", die zur Zeit von den Nationalsozialisten in den Reihen der S.-A. durch­geführt wird, bringt manche überraschenden Auf­schlüsse über Personalfragen, die man bis­her mit Fleiß in der Oeffentlichkeit möglichst ver­dunkelt hatte. So geben die Nationalsozialisten in Liegnitz bekannt, daß der dortigeStandarten­führer" Rittmeister a. D. Nickisch von R o s e n e g k mit neun anderen S.-A.-Führern aus der Partei ausgeschlossen wurde. Damit wird ein bisher sorgsam gehütetes Geheimnis preisgegeben. Herr Nickisch von Rosenegk ist näm­lich der Turnlehrer des Staatlichen Gymnasiums Iohanneum in Liegnitz, der ehemaligen Ritter-Akademie. Er hat seit län­gerer Zeit das Amt desSt and art en füh­re r s" innegehabt, ohne daß fein Name in der Oeffentlichkeit genannt werden durfte, da er ja Staatsbeamter ist und Jugenderzieher, der ein Dis­ziplinarverfahren zu gewärtigen gehabt hätte.

Dieser Herr Nickisch von Rosenegk ist von den Anhängern Hitlers wegen seiner Stellungnahme für Stennes ausgeschlossen worden.

Pjakakoff In Berlin.

ERB. Berlin, 8. April. (Eig. Meldg.). Das Präsidialmitglied des russischen obersten Volks- wirtschaftsrates, Herr Pjatakoff, ist in Berlin ein- getroffen, um die in Moskau mit den deutschen Industriellen geführten Besprechungen in den von den zuständigen Reichsressorts gebilligten Rahmen zum Abschluß zu bringen. Die übrigen Mitglie­der der Sowjet-Delegation werden im Laufe dieser Woche ermattet

65jiihriges Militärjubiläum des Reichspräsi­denten. (Eigene Meldung.) Reichspräsident von Hindenburg konnte am 7. April den Tag seines 65jährigen Militärjubiläums feiern. Aus diesem Anlaß sind ihm zahlreiche Glückwünsche zugegangrn.

* Vertagung der polnisch-russischen Industriellen- Besprechungen. Aus Kattowitz wird gemeldet: Die polnische Presse meldet aus Warschau, daß die für diese Woche in Moskau anberaumte Sitzung pol­nischer Industrieller mit Vertretern des Svwpoltorg für unbestimmte Zeit verta gt wurde.

* Bet den gestrigen Bürgermeisterwahlen in Chikago, bei denen sich der bisherige Bürgermeister Thompson (Republikaner) und der Kandidat der Demokraten (Cermak) gegenüber standen, ist Thompson unterlegen.

Persien und Türkei»

Streit um den Ararat.

wtb. London, 8. April. (Eig. Meld.)Times" berichtet aus Konstantinopel, daß Persien sich bereit erklärt habe, der Türkei den kleinen Ara- rat abzutreten, aber als Ersatz dafür einen großen Gebietsstreifen weiter südlich verlange, den die Türkei nicht hergeben wolle. In den türkisch- persischen Beziehungen sei infolgedessen wieder eine Spannung eingetreten.

* Hauptmann v. Maltitz aus Oesterreich aus­gewiesen. Aus Innsbruck wird gemeldet: Der 60jährige rcichsdeuffche Hauptmann a. D. Ludwig von Maltitz aus Wesel am Rhein wurde für immer aus Oester reich ausgewiesen. Von Maltitz war seinerzeit unter der Beschuldigung festgenommen worden, Nationalsozialisten, die wegen Tötung von zwei Reichsbannerleuten in der Hufelandstraße in Berlin über die öster­reichische Grenze geflüchtet waren, Vorschub geleistet zu haben.

* Eine hilsserpedition für den deutschen Grön­landforscher Wegener. (Eig. Meld.) Der Eouver- neur von Grönland Dougaard Jensen erklärte der Kopenhagener ZeitungPolitiken" gegenüber, daß augenblicklich von der westgrönländischen Station Karmarujuk eine Hilfsexpedition vorbe- reitet wird, die Nachforschungen nach dem deut, schen Gelehrten Prosessor Wegener anstellen wird. Die Expedition wird, sobald das Wetter milder geworden ist, aufbrechen.

* Aus dem Erdbebengebiet in Nikaragua. Wie aus Managua gemeldet wird, ist der nigaragua» nifche Nationalkongreß zujammengetreten, um über die Möglichkeit des Wiederaufbaues der Hauptstadt zu beraten. Nach einer Mel. düng desTimes"-Korrespondenten sind bisher 9 7 5 Todesopfer des Erdbebens bestat­tet worden. Am Ostermontag wurden aus den Trümmern eines Hauses zwei klein« Kna­ben noch lebend hervorgezogen. Sie wa­ren eine volle Woche lebendig begraben. Ein er­neuter Erdstoß von mäßiger Stärke verursachte Dienstag nachmittag den Einsturz einiger weniger noch stehender Gebäude. Menschenverluste sind vicht zu bellagen.