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| Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Ilr. 80
Erfcheinl sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Silb* und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
Mittwoch, 8. April 1931.
Monatlich 1.80 einschliehl. Postgebühr (48 Pfgh ohne Zustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckk Franki. a. M. 4051
Zchrg. 58,
Die Reichsfinanzen Im Februar.
Größerer Fehlbetrag gegenüber Januar. Sinken der schwebenden Schuld.
wtb. Berlin, 7. April. (Eig. Meld.) Nach Mit- teikuuq des Reichsfinanzministeriums betrugen im «etzWar 1931 (Angaben in Millionen Mark)
ordentlichen Haushalt die Einnahmen 711,7 und M die Zeit vom 1. 4. 1930 bis Ende Februar W 9745,6. während sich die Ausgaben auf 867,8 tato. 10 431,4 stellten. Es ergibt sich mithin für Kbmar eine Mehrausgabe von 156,1 und fflr die Zeit seit Beginn des Rechnungsjahres bis Ende Februar eine Mehrausgabe von 883,8.
Im außerordentlichen Haushalt beliefen sich die Einnahmen im Februar auf 48,3 und seit Beginn des Rechnungsjahres auf 845,6, während sich die Ausgaben auf 9,3 bezw. 286,0 stellten. Mithin ergibt sich für Februar eine Mehreinnahme von 39,0 und für die Zeit vom 1. 4. 1930 bis Ende Februar 1931 eine Mehreinnahme von 559,6.
Der Abschluß stellt sich wie folgt: Für den ordentlichen Haushalt ergibt sich unter Berück
sichtigung des Fehlbetrages aus den Vorjahren von 465,0 nach Abzug der außerordentlichen Tilgung der schwebenden Schuld in Höhe von 465,0, bet der erwähnten Mehrausgabe aus den Monaten April 1930 bis Februar 1931 von 883,8 ein Fehlbetrag am Ende des Berichtsmonats von 883,8. Für den außerordentlichen Haushalt stellt sich der Fehlbetrag Ende Februar nach Verrechnung des Fehlbetrags aus dem Vorjahre von 771,7 und der Mehreinnahme seit Beginn des Berichtsjahres von 559,6 auf 212,1. Insgesamt ergibt sich mithin ein Fehlbetrag von 1095,9 gegen 993,8 Ende Januar 1931. Der Kassensollbestand am 28. 2. 1931 betrug 1561,0, wovon 1536,0 verwendet worden sind, so daß ein Restbestand bei der Reichshauptkasse und den Auhenkassen von 25,0 vorhanden war gegen 211,0 Ende Januar 1931. Die schwebende Schuld hat sich auf 1580,4 (gegen 1662,4 am Ende des Vormonats) ermäßigt.
Eine Einladung aus London.
„Times" meldet, die britische Regierung habe vor einigen Wochen durch Vermittlung der deutschen Botschaft in London an Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsaußenminister Dr. Curtius die Einladung ergehen lassen, int April in London einen privaten, freundschaftlichen Besuch abzustatten. Der Zeitpunkt habe indessen Schwierigkeiten gemacht, da die Zeit des Kanzlers und des Reichsaußenministers int April sehr stark beansprucht ist. Es verlaute, daß die Einladung grundsätzlich für Mat angenommen wurde. Die Regierung hoffe, daß Briand ebenfalls an der Zusammenkunft teil- nehmen werde.
Dazu erfährt das Conti-Nachrichtenbüro: Die Meldung der „Times" ist zutreffend. Die englische Regierung beabsichfigt, demnächst eine offizielle Einladung nach Cheguers ergehen zu lassen. Der Gedanke ist von deuffcher Seite begrüßt worden, und Dr. Brüning und Dr. Curtius werden sich gerne nach England begeben. Es handelt sich bei dieser Zusammenkunft, deren genauer Termin noch nicht fesffteht, um eine intime und freundschaftliche allgemeine Aussprache über alle Fragen, die die beiden Länder gemeinschaftlich interessieren. - -
Die neuen französisch-italienischen Schwierigkeiten in de« Flottenfrage. — Em polemischer Artikel des „Teuere".
(Eigene Meldung.) „Tevere" in Rom erörtert in scharfem polemischem Ton die Schwierigkeiten, die bei der redaktionellen Abfassung des italienisch- französischen Flottenabkommens entstanden sind. Die anmaßende Forderung Frankreichs, heißt es in dem Blatt, von 1933 bis 1936 außer dem in Rom vereinbarten Flottenprogramm noch weitere achtzigtausend Tonnen neuer Kriegsschiffe zu bauen, die nach Ablauf der Flottenverständigung von Rom, also zu Beginn des Jahres 1937 bereits in Dienst gestellt werden könnten, wäre, wenn sie auf Wahrheit beruhe, ein seltsamer Beweis für die Aufrichtigkeit, mit der die französischen Unterhändler verhandeln. Das Blatt fragt, ob das die neue Atmosphäre zwischen Frankreich und Italien sein solle. Frankreich verlange, daß Italien gegenüber dem deutsch-österreichischen Plan den Anordnungen des Quai d'Orsay sich füge, und da das nicht geschehen sei, vergesse man die von Briand proklamierte Gleichberechtigung und Dankbarkeit gegenüber Italien. Man wolle also in Paris nicht ein« ehen, daß Italien sich nicht zum Fangball zwischen Frankreich und Deutschland hergebe, sondern »eiden Ländern gegenüber eine unabhängige Politik treibe. Wer mit Italien eine aktive Politik treiben wolle, müsse sich, so betont das Blatt, von der Bedeutung der neuen Lage des unabhängigen Italiens Rechnung ablegen.
K Schober über die Zollversländigung.
Eine Frage der gesamteuropäischen Wirtschaftspolitik.
Die Linzer „Tagespost" veröffentlicht in chrer Osternummer unter dem Titel „Neue Wege" einen Leitartikel des Vizekanzlers Dr. Schober, in bem zunächst betont wird, daß es sich bei der österreichisch-deutschen Zollverständigung entgegen der Betrachtungsweise eines großen Teiles der auswärtigen Presse nicht um eine politische Frage handele, sondern um den ersten Versuch, die wirtschaftliche Ordnung Europas auf neue Grundlagen zu stellen. Von einer Ueberrumpelung und Illoyalität könne keine Rede sein. Als liebet» raschung hätte man es bezeichnen können, wenn Deutschland und Oesterreich mit einer fertigen Zollunion auf den Plan getreten wären, als illoyal hätte vielleicht bezeichnet werden können, wenn die Tatsache eines solchen fertigen Vertrages bis zur jP'nute der Verlautbarung geheimgehalten worden wäre, sodaß den Interessenten keine Zeit zur Stellungnahme übrig geblieben wäre. Hier aber handele es sich um die Mitteilung des ernsten und "üschwssenen Willens zu Verhandlungen. Dr. Schober stellt ausdrücklich fest, daß die geplanten Vereinbarungen sich vollkommen im Rahmen der u>ternationalen Verträge und insbesondere des Genfer Protokolls vom Jahre 1922 halten. Aus dieser Ueberzeugung heraus sei kein Einwand dagegen zu machen, wenn die rechtliche Seite des siebereinkommens von den Unterzeichnern des Gen- fkr Protokolls überprüft werde, doch könne eine solche Überprüfung eines rein wirtschaftlich gedachten Übereinkommens nach politischen Gesichtspunkten
nicht in Betracht kommen. Hier handelt es sich, so schließt Dr. Schober, um mitteleuropäische und gesamteuropäische Wirtschaftspolitik. Die Wirtschaft hat noch immer den Sieg über reine Politik davongetragen, und deshalb bin ich überzeugt, daß die Bestrebungen, an deren Beginn wir setzt stehen, zu einem guten Endergebnis nicht nur für Deutschland und Oesterreich führen werden, sondern auch über kurz oder lang für die übrigen Mitglieder der europäischen Staatsfamilie beispielgebend fein werden.
Eine Anerkennung für Brüning!
Ein Oesterreicher stellt bem Reichskanzler 25 000 Mark zur besonderen Verwendung zu Verfügung.
wtb. Berlin. 7. April. (Eig Meld5 Ein in Berlin ansässiger Oesterreicher, dessen Name nicht genannt werden soll, hat in dankbarer Anerkennung der in bem abgelaufenen ersten Regierungsjahre vom Reichskabinett Brüning um die Wiederaufrichtung der deutschen Wirtschaft und die Wiedererweckung des Vertrauens im In- und Ausland geleisteten wertvollen politischen Arbeit dem Reichskanzler Dr. Brüning die Summe von 25000 Mark für Zwecke, deren Förderung dem Reichskanzler besonders am Herzen liege, zur Verfügung gestellt. Im Hinblick auf die große Arbeitslosigkeit und die in weiten Kreisen des deuffchen Volkes herrschende bittere Not hat der Reichskanzler von dieser Summe 5000 Rm. an die Berli - ner Winterhilfe, 10 000 Rm. an die Deutsche N o t h i l f e und 5000 Rm. an die Hinden bürg« spende überwiesen; die restlichen 5000 Rm. werden für Einzelunterstützungen in Fällen dringender Not bestimmt. Dem edlen deutschen Landsmann sei auch an dieser Stelle im Namen aller, die seiner Wohltaten teilhaftig werden, der herzlichste Dank ausgesprochen.
Hugenbergs neue Lockung.
Nachdem der frühere Deutschnationale Katholiken- Ausschuß im Zusammenhang mit den Verhandlungen über das preußische Konkordat ein unrühmliches Ende gefunden hat, soll jetzt ein neuer Versuch gemacht werden, um die deutschen Katholiken vor Hugenbergs Karren zu spannen. In Ratibor ist von einem Pelzwarenhändler Doms ein Ausschuß ins Leben gerufen worden, der sich mit einem Aufruf zu Gunsten der Hugenberg-Partei an die Katholiken wendet. Die Blätter, aus denen uns sonst die Stimme des „Evangelischen Bundes" entgegenschallt, veröffentlichen diesen Auftuf, der von den üblichen Beleidigungen gegen das Zentrum strotzt. Unterzeichnet ist der Aufruf u. a. von Herren, von bereit Leistungen für die deutschen Katholiken bislang im öffentlichen Leben nichts bekannt geworden ist. Der Schwerpunkt der neuen Aktion liegt im Oft en. Der Westen hat Hugenberg die Gefolgschaft diesmal versagt. Ehemals führende Persönlichkeiten aus. Rheinland und Westfalen finden sich jetzt nicht mehr unter dem Aufruf bis auf wenige Eigenbrödler, die es im Adel und anderwärts schon zu allen Zeiten gegeben hat. Es ist unschwer zu erkennen, warum Hugenberg gerade nach dem Osten geht: er will von hier aus die Bewegung unter den Katholiken aus politischen Gründen in Fluß bringen mit dem Ziel, den Reichskanzler Dr. Brüning, der ja auch schlesischer Abgeordneter ist, in seinem Wahlkreis sowohl wie in seiner Politik Schwierigkeiten zu machen. Die Tendenz des Aufrufs, der aus alten Phrasen zusammengesetzt ist und nicht einen einzigen leitenden Gedanken, der insbesondere kein kulturpolitisches Moment, wie es dem Wesen des Katholizismus entspräche, aufweist, ist damit schon ohne weiteres gekennzeichnet. Von den früheren führenden Persönlichkeiten sind sehr wenige unter den Unterzeichnern, mit Ausnahme des Martin Spahn, der ja nun auf andere Weise keine politische Rolle spielen kann. Und wenn in der deutschnationalen Presse hervorgehoben wird, daß der Staatsanwaltschaftsrat a. D. Windt- horst-Dortnrunb, ebenfalls den Aufruf unterzeichnet habe, mit dem Beifügen, daß sein Onkel die Politik des heutigen Zentrums nicht mitgemacht hätte, so muß man nur einmal die Frage stellen, ob denn Herr Staatsanwaltschaftsrat a. D. Windt- horst weiß, wie innerhalb der Deutschnationalen Volkspartei die Katholiken bisher behandelt worden sind, warum es zu diesem neuen Aufruf des
Katholikenausschusses kam, daß kacholische deutsch- nationale Abgeordnete, die für das Konkordat stimmten, «ms der Partei hinausgedrängt wurden, und ob er im besonderen nicht weiß, daß bei einer der Sitzungen, in denen sehr heftige Vorwürfe über die Behandlung der Katholiken bei den Deutschnationalen erhoben wurden, die Aeußerung gefallen ist, daß Geld übet die Gesinnung geht! Denn als in dieser Sitzung von katholischer Seite «ms dem Westen auf die Dissonanz zwischen den Worten von der Kultur und den Handlungen gewisser Hugenberg-Blätter in Berlin hingewiesen wurde, wurde erklärt, der „Lokalanzeiger" müsse Geld bringen, da könnte man nicht lange nach der Gesinnung fragen!
Diejenigen Katholiken, die sich, sei es aus Unwissenheit, sei es aus anderen Gründen, dem neuen Deutschnationalen Katholikenausschuß verschreiben würden, werden bald die Erfahrung machen, daß man sie nicht um ihrer Gesinnung wegen schätzt, sondern daß man sie um der Parteiziele der Deutsch nationalen willen gröblich mißbraucht.
Unter dem Datum des 4. April veröffentlicht die ,MilNische Volkszeitung" einen Aufruf, der von dem Vorsitzenden Dr. Heß und sämtlichen Mit- gftebem des preußischen Parteivorstandes unterzeichnet ist. In dem Ausruf heißt es u. a.: Der Stahlhelm hat in Preußen zu einem Volksbegehren aufgerufen, durch das ein Volksentscheid über die vorzeitige Auflösung des Preußischen Landtags herbeigeführt werden soll. Auf dem Wege über Preußen wollen die Desperadopolitiker das im Reich vergeblich erstrebte politische Machtziel erreichen. Mit der Losung „Gegen Marxismus und'die Schwarze Internationale" wird jetzt zum Vollsbegehren auf gerufen. Dem Zentrum wird dabei aus der erfolgreichen Zusammenarbeit mit der Sozialdemokratie ein besonderer Vorwurf gemacht. Diese Koalition war nach dem Verhalten der Opposition zwangsläufig; jeder Vorurteilslose weiß, daß eine Koalition noch lange kerne Gesinnungsgemeinschaft bedeutet. Uns trennt von der Sozialdemokratie wie auch von dem Liberalismus weltanschaulich eine tiefe Kluft. Durch ein Volksbegehren, das übrigens Millionen kostet, wird unsere ohnehin schon schwergeprüfte Volksgemeinschaft in leidenschaftlichen Kämpfen erneut aufs schwerste erschüttert. Wenn der Stahlhelm, der angeblich „überparteiliche" Bund der Frontsoldaten mit Unterstützung der Rechts
radikalen und auch solcher Parteien, die im Reiche mit in der Verantwortung stehen, zum Kampfe um die politische ' Vorherrschaft in Preußen aufruft, kann es für uns und unsere Freunde im Lande nur eine Losung geben: Keine Unterstützung des Volksbegehrens, keine Anteilnahme am Volksentscheid.
* Reichsminister o. Guerard beim Papst. Aus Rom wird gemeldet: Reichsverkehrsminister von Guerard ist vom Papst in halbstündiger Privataudienz empfangen worden. Hierauf stellte der Reichsverkehrsminister seine beiden Begleüer, Mi» nisterialdingent Brandenburg und Direktor Wronski, Seiner Heiligkeit vor. Der deutsche Botschafter beim Heiligen Stuhl, Dr. von Bergen, veranstal» tete zu Ehren des Reichsverkehrsministers am Ostermontagabend ein Diner, an dem auch Kardinalstaatssekretär Pacelli und andere Würben« träger des Vatikans teilnahmen.
* Die Gemeindewahlen in Spanien. Nach den bisher vorliegenden Wahlergebnissen für die Gemeindewahlen haben die Monarchisten 1160 und di« Linksparteien 194 Delegierte erhalten.
• Fast die Hälfte aller sowjetrussischem Bauer«« wirtschaften kollektiviert. Wie die Telegraphenagentur der Sowjetunion meldet, sind in den letzten zehn Märztagen 647000 Bauernwirtschaften gegen 507 000 der vorhergegangenen zehn Tage Kollektiv» wirtschaften geworden. Insgesamt waren am 1. d. Mts. 10514500 kollektivierte Bauernwirtschaften vorhanden = 42 Prozent aller Bauernwirtschaften der Sowjetunion.
* Ein Dreijahrplan nach Sowjetmuster in Reu« Südwales. Aus Sydney wird gemeldet: Sie Öfter» konferenz der Arbeiterpartei von Neu-Südwales hat im Anschluß an eine Rede des Premierministers Lang, in der die Sozialisierung her Industrie als Lösung der Schwierigkeiten in Australien empfohlen wurde, mit 57 gegen 44 Stimmen einen Dreijahrplan nach den Richllinien des Fünfjahrplanes der Sowjetunion angenommen. Nach diesem Plan ist beabsichttgt, alle Eigentums- und Kontrollrechte über bestimmtes Eigentum und die Verwaltung bestimmter Industrien und Bankunternehmungen in die Hände der „Dolksregierung" zu legen.
Der Nazi-Skrett vor Gericht.
, mb. Berlin, 7. April. (Eig. Meld.) In dem (Streit zwischen Stennes, Dr. Goebbels und Hitler sind heute vormittag bei zwei Berliner Gerichten Verfahren anhängig gemacht worden. In dem einen Falle handelt es sich darum, Hauptmann a. D. Stennes aus der von ihm okkupierten Wohnung in her Matthaei- Ktrchsttaße 16 wieder zu entfernen. Die Räumungsklage gegen Stennes ist heute früh beim Amtsgericht Berlin-Mitte eingereicht worden. Die Klage gründet sich auf arglistige Täusch ung. Die in der zweiten und dritten Etage des Hauses liegenden Räume sind von der Groß- deutschen Handelsgesellschaft gemietet worden. Es war ausdrücklich betont worden, daß es sich um einen Bürobetrieb handele, durch dessen Abwicklung die übrigen Mieter des Hauses nicht gestört werden. Nun ist aber anstelle der Handelsgesellschaft Hauptmann a. D. Stennes mit seiner Gefolgschaft eingezogen, wodurch die Ruhe des Hauses aufs schwerste gefährdet worden ist. In einzelnen Zimmern ist ein kasernenmäßiger Betrieb eingerichtet worden. Es kommt hinzu, daß das Haus in her geschützten Bannmeile liegt.
Die großdeutsche Handelsgesellschaft beliefert die Nationalsozialisten mit den Uniformen. Hauptmann Stennes hat sie ausdrücklich gebeten, die 8 Zimmerwohnung für die Partei zu mieten. In der Nacht hat er dann plötzlich die Wohnung durch einen Sturmtrupp besetzen lassen. In dem Verfahren gegen Dr. Goebels, das heute vormittag beim Landgericht HI anhängig gemacht wurde, handelt es sich um einen am Samstag im „Angriff" erschienenen Artikel, in dem gegen Stennes der Vorwurf erhoben wird, dem Polizeipräsidenten verraten zu haben, daß ein Poli- zeiWachtmeister der NSDAP, an geh ö re und ans Mitteln der SA. - Hilfe Dar- lehn erhalten habe.
Das „Staune Haus".
In der Hafenheide in Merlin fand Samstag spät abends eine Versammlung der Gefolgschaft um Stennes statt, auf der mehrere Unterführer, die Stennes Gefolgschaft leisten, zu Worte kamen. Auch bitiertreue S. A. waren zugegen. Sehr scharfe Worte fielen gegen die Errichtung des Braunen Hauses in München in einer Zeit, in der die einzelnen S. 21.« Leute kaum Geld aufbringen könnten, um ihren Sehens.unterhalt zu frist e n. Zum Schluß ergriff Hauptmann Stennes das Wort. Er gab die Erklärung ab, er fei von den Oberführern der S. A. Nord zu feinem Verhalten gezwungen worden und mußte schon am nächsten Tage die Erfahrung machen, daß ein großer Teil der S. A. ihm nicht mehr die Treue hielt. Er gab seinen Anhängern eine Frist bis Dienstag abend zu überlegen, ob sie ihrem alten
Führer Stennes die Treue bewahren, ober sich unterwerfen wollten. Dis Dienstag abend müßte entweder die ganze S. A. auf seiner Seite fein oder den anderen Weg gehen. Er für seine Per* fon wisse, was er zu tun habe.
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Dem „8 Uhr Abendblatt" zufolge hat der gA genmärtig auf der Festung Gollnow befindliche ehemalige Reichswehroberleutnant Wendt, der Kamerad Scheringers, an die Berliner S. 21. ein Schreiben gerichtet, in bem es heißt: „S. A.-Kameraden, bie Verräter fit« zen in München. Sie fchiebm uns Putschabsichten unter, weil wir die revolutionär^ Schwungkraft behalten haben. Wir haben kein In« teresse daran, uns provozieren und vorzeitigen Verzweiflungstaten hinreißen zu lassen, aber wir gehören dahin, wo die Revolution des werktätigen deutschen Volkes vorwärtsgetrieben wird. Ich sage mich daher, ebenso mein Kamerad Scheringer, von Hitler und seinem Faschismus los." i
KommimWche Oslerpropaganda.
Zahlreiche Zusammenstöße mit der Polizei.
187 Sistierungen in Berlin.
Trotz des polizeilichen Verbots her Osterprv- paganba her KPD. und her Freidenker-Organisationen sind am 1. Osterfeiertag und in her Nacht zum Ostermontag in zahlreichen Fällen Versuchs unternommen worben, dieses Verbot zu sabotieren. In allen Gegenden her Stabt würben Demonstrationszüge gebildet. Kleinere ober größerq Trupps zogen von Haus zu Hans, um Hetz« reden gegen bie Religion zu halten, unÄ ebenso versuchten — besonders nachts — Klebekolonnen durch Anschläge an Häusern, Mauern und Bäumen Stimmung für bie KPD. unb das Freidenkertum zu machen. Dabei ist es vielfach zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen, bereit Patrouillendienst durch besondere Streifen erheblich verstärkt worden war. Fast in allen Fällen mußte vom Gummiknüppel Gebrauch gemacht werden, wobei man insgescmrt 187 Personen wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt, Auf« reizung und tätticher Beleidigung sistierte.
Zu wiederholten Zusammenrottungen von Kommunisten kam es u. a. nachmittags in der Köslinerstratze, bie von den Maiunruhen des Jahres 1929 her noch in Erinnerung ist, sowie in der Schererund Togostraße. In der letztgenannten Straß« wurde bie Polizei mit (steinen bombar* btett. 14 Personen wurden hier festgenommen, bet einem her Sistierten fand man einen Dolch, bei zwei anderen große Messer. — Auch in der Turmstraße in Moabit mußten wiederholt Demo-n« sttationszüge aufgelöst werden. Eine Gruppe von 150 Personen wurde gegen die Polizei« beamten tätlich. Dabei wurden ein Polizei« Wachtmeister und drei Straßenpassanten von den Demonstranten niedergeschlagen, kamen jedoch mit leichten Verletzungen davon. 11 bei Ruhestörer wurden zwangsgestellt.
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Zu der über Ostern geplanten Tagung der Kommunistischen Jugend und der Gottlosen-Ver- bände in Brauns chweig, für bie im Stabt- bezirk Kundgebungs- und Verjammlungsverbot be-