Nr. 79
Beilage zur Fuldaer Zeitung
MS
5. April
nimmt in der heiligen Bereitschaft, es zu tragen als Gottes Willen, das ist der Ueberwinder.
Nicht tun, was wir wollen, sondern was Gott von uns will. Freunde, das laßt des Osterfestes Botschaft an uns alle fein, die wir vereint sind im Christentum und in der Freude über Len auferstandenen Heiland.
Das Auslanddeutschtum.
Der Weltkrieg, der die Völker durcheinanderwirbelte, wie wenige Ereignisse zuvor, brachte das Erwachen des Volkstums und die Besinnung auf seine Werte auch im deutschen Volke. Während wir früher in trügerischer Selbstsicherheit, unbekümmert um die Erhaltung des Deutschtums außerhalb der Reichsgrenzen dahinlebten, zeigten sich jetzt unerbittlich schmerzhaft die Wunden, welche tue Friedensverträge dem deutschen Volkstum geschlagen haben. Wir wurden uns bewußt, daß wir uns der in der Fremde lebenden Brüder in Nord und Süd, in Ost und West anzunehmen hatten.
Diedeutschen Katholikenhaben eine ganz besondere Pflicht, sich ihrer Aufgabe auf diesem Gebiete stets bewußt zu bleiben. Denn die überwiegende Mehrzahl der Ausland- deutschen ist ihres Glaubens. Und die Katholiken haben immer besser das Gebot der Zeit verstanden und sich ihrer Glaubensgenossen außerhalb der Reichsgrenze angenommen. Dafür zeugt eine mehr als zehnjährige von vielem Erfolg gekrönte Arbeit.
Zusammengefaßt sind alle diese Bestrebungen im Reichsver.ban d für die katholischen Aus land deutsch en. Er legt jetzt von neuem Rechenschaft ab in seinem Jahrbuch 1929-30, er
schienen bei der Aschendorffschen Verlagsbuchhandlung, Münster i. W. Es ist der dritte Bericht dieser Art und ein sehr stattlicher Band mit vielen äußerst wertvollen Beiträgen. Sie alle hier einzeln aufzuzählen und in ihrem reichen Inhalt auch nur einigermaßen apszuschöpfen, ist ganz unmöglich. Nur einige Leitgedanken seien hervorgehoben. Besonders wertvoll ist die in diesem Jahrbuch von neuem unterstrichene und belegte Feststellung, daß die Entwurzelung des Volkstums sich nicht auf körperlich-rassischer Grundlage vollzieht — wie man nach dem Rassenevan- gellum völkischer Kreise vermuten sollte —, sondern daß bte Bewahrung der angestammten Religion und die Pflege der Mutter- spräche in der Schule das Deutschtum innerlich festigen und in feinem Bestand erhalten. Es sind also rein geistjge Kräfte, die mit Rafsen- rnerkmalen an sich nichts zu tun haben, ent- fcheidend für die Erhaltung des Volkstums oder fein Ausgehen in Fremdvölkern. Dies ist das für den Augenblick wichtigste Ergebnis, das aus den drei einführenden Aufsätzen von Prof. Schreiber, P. Grentrup und Bischof Geyer über Religion und Volkstum, Entnationalisierung der Jugend und FamUienethos und Religiöse Gemeinschaft für die auslanddeutsche Seelsorge aufleuchtet und das in den Dutzenden von Berichten, die Einzekftagen des Auslanddeutschtums behandeln, immer wieder zwischen den Zeilen zu lesen ist.
So greift das Jahrbuch mit seinem an sich über die Grenzen des Reiches hinausweifenden Stoffgebiet auch in die innerdeutschen geistigen Auseinandersetzungen ein und wird zu deren Klärung gewiß einen wichtigen Beitrag liefern. H.H.
Vom Wesen der Osterbolschast.
Es gibt im Christentum Wahrheiten, die den Charakter eines heiligen Mysteriums tragen und die deshalb zwar niemandem vorenthalten, aber doch mit einer heiligen Vorsicht und Scheu sowohl von den Gläubigen wie von der Kirche selbst umgeben werden, damit sie nicht unnötigerweise der Gefahr einer Entweihung ausgesetzt werden. Niemand aber kann dem Christentum nachsagen, daß es die froheste und zugleich wunderbarste der Bot- fchaften, die es zu verkünden hat, die Osterbot- schaft, nicht laut und vernehmlich genug der Welt kund und zu wissen tue. Eine heilige 40 tägige Stille soll nach dem Willen der Kirche dem hohen Osterfest vorangehen und soll alle auf die Auferstehungsbotschaft vorbereiten. Am Ostertage selber läuten es die Glocken in alle Lande hinein, von allen Kanzeln und Altären erschallt das Allelujah, und die Gläubigen werden nicht müde, zu singen: Christ ist erstanden! Die Scharen der Kirchenbesucher, die festlichen Kleider, die frohen Gesichter sagen die Botschaft, und wer von dem allen nichts sieht, der spürt es an den beiden freien Festtagen, daß Ostern, das Fest der Auferstehung, da ist.
Aber für viele, sehr viele Menschen des Abendlandes gilt hinsichtlich der Osterbotschaft das Wort, das Goethe seinem Faust in den Mund legt: „D i e Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaub e." Für viele ist die Botschaft von dem auferstandenen Christus nur eine vage Legende aus alter Zeit, allenfalls ein Gleichnis für die Auferstehung der Natur nach langem Winterschlaf. So regt fich zwar auch in ihrem Herzen ein wenig Osterfreude, sie machen wie Faust ihren Osterspaziergang und sehen mit Freude, wie die Gräser grünen und die Blumen blühen, und hören die Vöglein singen, und vielleicht durchzittert sie sogar ein Ahnen, daß es über diese jährliche Auferstehung der Natur hinaus noch eine einstige große Weltauferstehung geben mag, — aber die tatsächliche wirkliche Todüberwindung durch Christus und die in Verbindung damit sich vollziehende eigene seelische Auferstehung als Vorbereitung der einstigen Endauferstehung zum Reiche
Gottes bleiben ihnen fremd. Sie kehren das wirkliche Verhältnis gerade um: Christus sei ihnen Gleichnis, und die Naturauferstehung ist ihnen Wirklichkeit, während tatsächlich doch Christi Auferstehung das Wirkliche und Wesentliche und die Natur nur ein Gleichnis, ein Vorbild der gesamten Weltauferstehung in Gott ist. Und auch bei vielen, die sich den Christenglaube^ bewahrt haben, bleibt der Auferstehungsglaube sch wach und wirkungslos, weil er auch ihnen nicht zu einem lebensgestaltenden Erlebnis wird, weil auch sie die Osterbotschaft zwar hören, aber nicht mit ihrem ganzen Glauben erfassen.
Der Grund hierfür liegt zum großen Teile darin, daß so viele das Wesen der Osterbotschaft nicht erkennen oder mißverstehen. Dieses Mißverstehen ist alt, — es ist so alt wie die Osterbotschaft felbst. Wie sagten doch die Jünger von Emmaus, als Christus sich unkenntlich zu ihnen gesellte? „Wir aber glaubten, er würde Israel erlösen." Sie hatten die Osterbotschaft bereits gehört; sie hatten von den Frauen vernommen, die am Grabe gewesen waren, von Petrus und Johannes, die deren Bericht bestätigt gefunden hatten, und trotzdem sagten, sie: „Wir aber glaubten, er würde Israel erlösen." Das war der Be- S, den die Jünger von der Sendung des Hei-
es hatten, und nicht nur die Jünger, sondern die ganze damalige Judenschaft, und der ja dann auch, als er enttäuscht wurde, die eigentliche Ursache der Kreuzigung war. Der Herr solle, so glaubte und wünschte man, die damals katastrophal zugespitzte politische, wirtschaftliche und kulturelle Lage der Welt ändern und ein neues Zeitalter herauf führen. Und die Osterbotschaft konnte für diese Jünger deshalb auch nur den Sinn haben, daß der Heiland nunmehr, nachdem er sie und das Volk auf die Probe gestellt habe, seine ganze Macht und Herrlichkeit entfalten und mit einem Machtspruch alles ändern werde. Da das nicht geschah, da er sich im Gegenteil dem Volke überhaupt nicht als Auferstandener offenbarte, sondern nur den
Ostersonntag.
Eingangslied: Ps. 138, 18, 5—6.
Auferstanden bin ich und noch bei dir, alle« luja. Schützend lag deine Hand auf mir, alle- luja. So ward ein Wunder, deine Weisheit kund, alleluja, alleluja. (Ps. ebb. 1—2.) Herr, du prüfest mich unb kennest mich; du kennst mein Ruhen und mein Auferstehen.
Epistel: 1. Kor. 5, 7-8.
Brüder! Schafft den alten Sauerteig hinaus, damit ihr ein neuer Teig seid. Ihr seid ja ungesäuert; denn unser Osterlamm ist bereits geschlachtet, Christus. Drum laßt uns Festmahl halten, nicht mit dem alten Sauerteig, dem Sauerteig der Bosheit unb Schlechtigkeit, sondern mit dem ungesäuerten Brote der Lauterkeit und Wahrheit.
Der Aeberwinder.
Morgen feiern wir Christi Auferstehung. Es ist etwas Frohes in diesem Fest, und du freust dich vielleicht heute schon auf das Lied morgen im Hochamt: Der Heiland ist erstanden, so, wie du dich Weihnachten auf das Lied freutest: Aus, Christen, singt festliche Lieder! Und doch ist in dem Osterlied wieder etwas anderes als in dem Weihnachtslied, vielleicht weil sich alles draußen mit uns freut, weil die ganze Natur einftimmt in den Jubel über den auferstandenen Gottessohn, die Sonne und der blaue Frühlingshimmel und die Lerchen, die Über braunen Feldern ihre Loblieder singen.
Jedes unserer Feste ist für uns eine Freude und ein Gleichnis, auch das Osterfest, liebet die Freude an der Auferstehung des Heilandes hinaus hat es jedem von uns etwas Besonderes zu sagen.
Die Auferstehung Christi ist in ihrem tieferen Sinne Ueberwindung, Sieg über die dunklen Mächte, die sich feindselig und hindernd unserem besseren Leben entgegenstellen: Anfeindung, Mutlosigkeit, Leiden und Tod. Durch sie alle ist der Heiland hindurchgegangen, er hat sie überwunden,' indem er sie freiwillig auf sich nahm, getreu dem Willen des Vaters, und seine Auferstehung ist die Krönung seines Werkes und seines Sieges. —
Brüder, wir sind noch lange keine Christen, wenn wir uns am Ostertage im Glanze der Auferstehungsfreude sonnen und damit glauben, unsere Pflicht getan zu haben. Nein. Auch wir müssen nach Christi Beispiel und Willen den Kampf auf- nehmen mit den dunklen Mächten des Lebens, ich brauche sie nicht zu nennen. Wir müssen das Schwere und Bittere auf uns nehmen, nicht feindselig oder ängstlich oder widerstrebend, nein, mit der gleichen heiligen Bereitschaft, mit der Christus den göttlichen Vaterwillen auf sich nahm.
„Wie soll ich das machen?"
Nehmen wir an, du seiest eine Mutter. Du hast dein vollgemessenes Maß von Last und Mühe mit deiner Arbeit und mit deinen Kindern. Du Hast wohl, schon manchesmal darüber geseufzt und bist vielleicht schon ganz kleinmütig unb verzagt geworden im Gedanken an dein schweres Los. Siehe, du trägst das alles mühselig wie eine Last. Wenn nun in dir wie ein göttliches Licht der Gedanke aufkeimt, daß das alles dir von Gott gesandt sei, daß dies die Aufgabe ist, welche dir Gott gestellt hat; und mit dieser Erkenntnis wächst in dir auf der freudige Wille, Gott gehorsam zu fein in deinem Mutterdienste siehe, dann ist eine Last von dir genommen, du hast das menschlich Kleinmütige in dir überwunden, indem du den Willen Gottes freubtg auf dich nahmst. Da ist es, als ständen wir int göttlichen Licht, als seien wir befreit, als seien wir auferstanden aus dem graüen Nebel menschlicher Verzagtheit zu den Höhen göttllcher Freude. Nicht der, welcher gegen das Dunkle und Widrige ankämpft mit wütender Verbissenheit, wird es besiegen. Auch nicht der, welcher feig entflieht oder eä von sich wirft, sondern der, welcher es aus sich
Die Vorgänge in Canfanaro.
Katholische Zeitungen und Zeitschrisien haben in letzter Zeit geschrieben, daß der Bischof von P a - renzo eine kirchliche Kommission eingesetzt hat, die eine kanonische Untersuchung über die „Vorgänge von Canfarno" durchführen soll. Worin diese aber bestehen, ist wenig bekannt, und was darüber verbreitet wurde, ist allzu wenig, um ein Privaturteil zu ermöglichen. Wir geben daher auf Grund unserer an zuständiger Stelle eingezogenen Erkundigungen nachstehend das wichtigste davon wieder. Canfanaro ist ein kleiner Ort in Istrien an der Bahnlinie nach Rovigno. Seine Bevölkerung besteht größtenteils aus Südslaven, also Kroaten und Slowenen, der Ort liegt aber innerhalb der italienischen Grenze und zwar in jenem Gebiete, wo die Italiener jene gehässige Politik gegen das Slaoentum führen, über die sich soeben der jugoslavische Episkopat vor der Oes- fentlichkeit so bitter beschwert hat.
Es war beim Jahresschlußgottesdienst in dem kleinen Kirchlein, das eben dem hl. Silvester geweiht ist Das nicht geräumige Gotteshaus war voll von Gläubigen. Auf dem Altar war das Allerheiligste ausgesetzt. Als nun der Pfarrer, der vor dem Altar kniete, während der Litanei zur hl. Hostie in der Monstranz aufblickte, sah er an ihrer Stelle das hl. Antlitz Christi. Er war im Augenblick ganz erschüttert, faßte sich.aber wieder und dachte an eine Sinnestäuschung. Er meinte, es könne durch die Reflexe des Lichtes von Kerzen und Glühlampen eine täuschende Spiegelung hervorgerufen sein. „Ich wischte", berichtet er, „meine Brille ab und sah zum zweiten Mal zur hl. Hostie hinauf. In der Tat, die Vision war lebendig und wirklich, das Antlitz des Heilands hob sich an Stelle der Hostie deutlich vom Sttahlenkranz der Monstranz ab. Es war mit der Dornenkrone gekrönt, die die Haare umschloß und das traurige Antlitz des Herrn noch mehr hervortreten ließ. Das Weiße desselben war mit roten Blutstropfen gezeichnet, das Gesicht war bewegt und die Augen wandten sich mir zu. Mir war. als wollte es aus der Monstranz hervortreten. Der Blick des Heilandes war mild, so daß ich vor Rührung übermannt wurde. Ich wandte mich an den Kleriker Stephancic, der aus dem Seminar von Capodisttia in Ferien hier weilte unb mir assistierte:
„Sichst du die Monstranz?" fragte ich ihn. Der Kleriker sah nun mit mir zur hl. Hostie auf und erblickte eben» falls das hl. Antlitz, das sich scharf von den Weihrauchwolken abhob. während der Ehor weiter fang. Indessen hatte auch der Kleriker Buric das hl. Antlitz erblickt Er rief aus- „Sieh, der Frater bewegt die Augen!" Er hatte nämlich im ersten Augenblick die von der Dornenkrone umgebenen Haare für eine Kapuze angesehen. Auch der Ministrant Hugo Uttini hatte zugleich mit uns die Erscheinung bemerkt. Run rief ich durch Kopfnicken die beiden Meßner Stephan Buric und Kal Kolica aus der Presbyteriumbank herbei. Auch sie sahen das hl. Antlitz des Erlösers. Auch als ich das Tantum Ergo sang, dauerte die Vision an. Als ich dann die Altar- stusen hinanstieg. uht den Segen zu erteilen, erreichte meine Ergriffenheit den Höhepunkt-, das mystische Antlitz des Herrn war nach wie vor voll Milde und Ernst liebevoll den Gläubigen zugewandt. Ich machte die "Kniebeugung, erhob die Hände zur Monstranz und ergriff diese, als die Vision verschwand. Mit zitternden Händen erteilte ich den Segen. Rach der Uhr stellte ch fest, daß die Erscheinung fünfzehn Minuten gedauert hatte. Und nun bemerkte ich auch, daß viele Gläubige tief ergriffen waren."
Weitere Zeugen sind der Stationsvorsteher Mala- roda, Frau Florentin und der achtzehnjährige Metzger-' gehilfe Andrea Daltreppo. Dieser beschrieb die Vision sofort ausführlich. ohne die Aussage des Pfarrers, ge- hört zu haben. Er stand in der Nähe des Altars an der rechten Seite, nahe bei der Sakristeitür. Er sah an Stelle der Hostie ein Menschenantlitz. Anfangs glaubte er fest, sich zu täuschen, bei genauerem Zusehen aber stellte er fest, daß es wirklich ein Menschenantlitz war. Er war darob sehr betroffen. Ebenso erging es Frau Florentin, die in der vordersten Bank kniete. Der Stationsvorstand Malaroda aber sah ganz deutlich das Antlitz des Heilandes. Er hatte sich zuerst links von den ersten Bänken auf ein Knie niedergelassen. „Auf einmal während der Litanei," erzählte er sofort nach Beendigung der Andacht in der Sakristei, wo sich sofort alles um den Pfarrer versammelte, „als ich meine Augen zufällig zur Monstranz erhoben hatte, sah ich das Antlitz des Heilandes. Instinktiv beugte ich auch mein zweites Knie und blickte nun unverwandt zum Herrn hinauf. Obwohl ich sehr ergriffen war, glaubte ich doch
noch immer an eine Sinnestäuschung und machte mir sofort folgende Theorie zurecht: die Lichtstrahlen haben irgendwie die Buchstaben IHS aus der hl. Hostie um- gestaltet oder aber die Hostie trägt das Antlitz Christi eingeprägt und so erscheint es mir infolge des Spiels der Lichter plastischer in Licht und Schatten. Aber bald mußte ich mich überzeugen, daß dies ganz unmöglich war, denn das Antlitz war lebend, die Blutstropfen waren rot, die Augen wandten sich uns zu wie die eines Lebenden." Malaroda eilte sofort nach Schluß der Andacht in die Sakristei und rief: „Habt ihr auch das Antlitz des Herrn gesehen?" Auch die anderen die herbeigceilt waren, sagten das Gleiche aus. Einer der Zeugen, Baumeister Giovanni Turcini, hatte das hl. Antlitz von der Kirchentür aus gesehen. — Soweit unser Bericht. v. L a m a.
Alle Weihen in den Ozean!
Von einem deutschen Missionar aus Oudtshoorn (Südafrika) wird Iber Fides-Korrespondenz geschrieben:
Wir haben in der südafrikanischen Union 6 038 646 Nichteuropäer. Nationalismus unb Bolschewismus werben um ihre Seelen. Sobald unter diesen Farbigen irgendein Hetzer auftritt, gerät die Bevölkerung in die größte Aufregung. Die Leute lassen sich in die ver'chieden- sten revolutionär-n Gruppen aufnehmen unb bezahlen auch ihren ersten Beitrag. Ob die Begeisterung anhält, ist natürlich fraglich. Der Mariannhiller Pater Huß unterscheidet im fReger» denken^wei Richtungen. Die eine Gruppe will alles Bestehende vernichten, die Gemäßigten erstreben Verbesserung des Bestehe nben. Daß auch die allerschlimmsten Draufgänger in Südafrika zu Wort kommen können, zeigen die Anhänger des Markus G a r- v ey, eines Negers aus Hawaii, die bitten und beten, daß bald der große Tag ihres gottgefanbten Moses kommen möge, der mit einer Unmcnse von Flugzeugen alle Weißen in den Ozean treiben wird. JnOudtshoorn und Umgebung trat jüngst ein gewisser Tonjeni auf, ein nettes, feinfrisierles
schwarzes Kerlchen. Er forderte gänzliche Trennung von den Europäern, Güterentziehung und Vertreibung der Weißen, schwarze Re- publik Zerstörung des Kapitalismus und Koope- 1 rativherrschaft der Arbeiter. Bei der Feier 3U ~ Ehren Dingans, der die ersten Burevtreker meuchlings hatte ermorden lassen, sollten ’n sem Jahre die geknechteten Farbigen ihre Kraft und Macht zeigen. Man plante große Aufzuge, Verbrennen der Pässe (jeder Neger muß einen "8 J, haben!) auf öffentlichen Plätzen usw. Die Aufregung stieg auf höchste- Die alten Leute, welche die Zulukriege noch miterlebt hatten, verbrachten ; schlaflose Nächte. Autos und berittene Ponzer belebten die Straßen der Stadt, wenn irgenbent Negerführer redete. Die Polizei machte dis Reo' ner jedesmal darauf aufmerksam, sie wllten der -j ihren Worten vorsichtig sein. Nach einigen Tagen mußte sich Tonjeni angesichts der drohenden Haltung der jungen Weißen bei der Polizei inSchutz- haft begeben. . ,
Der Dinganstag verlief im allgemeinen
ganz Südafrika ruhig. Die große Masse blK träge. Die weiße Bevölkerung hatte nicht Ern fteres zu befürchten. Ihre Lage ist dennoch mm angenehm. Den 6038646 Farbtger W nur 1738 937 Europäer gegenüber. Anaenmi» dieser Zahlen kann man es Tonjeni nicht oe denken, wenn er bei einer Rede sagte er W eigentlich das Recht, Ministerpräsident der Unw zu sein. Interessant ist, daß nach der letzten zung Farbige und Europäer je etwa die?'et ’ Anzahl Vieh besitzen, nämlich 5,25 Million - Beide Rassen haben ein gewisses Interesse an ei Versöhnung, da sie gegenseitig ihre ßanbesp butte austauschen. Am meisten leiden unter Verhältnissen bte alten $ u r e n.. ,, „ a
ihnen wollen deshalb keine V e r f o b n u „ zwischen Weiß und Schwarz. Nur zahlen Einkommensteuer. 24 443 Buren vtt nen weniger gls 500 Pfund und 12 43? «t«“ Plund im Jahr. In ganz Südafrika W" 1861000 farbige Arbeiter 532 000 weißen Arve - f fern gegenüber.
Jüngern im engsten Kreise erschien und nur in dem entlegenen Galiläa, also verborgener blieb gier es während seines Lebens und Wirkens gewesen war, ttat immer wieder der Zweifel hervor und die bange Frage, ob die ganze Osterbotschaft mehr als eine Täuschung sei. Daß der Heiland nicht gekommen war, um die Welt in der Struktur ihre- Seins zu ändern, sondern nur um d ie Men. scheu zu befähigen, ihrerseits die Struktur der Welt in g öttlichem Sinne zu ändern und durch diese Arbeit an sich selber und der West zugleich zu Ebenbildern Gottes zq machen, der Gedanke war in ihnen damals noch nicht lebendig.
Die Rolle, die Christus damals spielte, führt heute der mystische Christus, d. i. die Kirche, wei- ter. Wie Christus, so hat jetzt die Kirche die Aufgabe, die Menschen durch ihre Gnadenmittel mit Gott zu verbinden, sie mit seinem Geiste zu erfüllen, ihre Seelen gottähnlich zu machen. Aber sie hat zunächst
nicht die Aufgabe, die Struktur der Welt durch Machtspruch zu ändern,
wo diese Struftur als mangelhaft und schlecht erkannt wird. Die politischen, sozialen und kulturellen Verhältnisse werden von den Menschen geschaffen; diese haben und behalten ihren freien Willen, sie schaffen also auch die Verhältnisse, unter denen sie leben, sie haben die Aufgabe, sie so zu gestalten, daß sie dem Willen Gottes entsprechen, und dieser schließt auch die irdische Wohlfahrt mit ein. Aber die Kirche hat zunächst und bireft nur die Aufgabe, ihnen den Willen Gottes kundzutun und ihnen die Gnadenmittel, ihn zu , erfüllen, zu geben; sie hat die Seelen zu erlösen. . Wenn sich also so viele von der Kirche abwenden und ihr ihre göttliche Sendung absprechen, weil sie nicht imstande gewesen sei, die West vollkommen zu machen, so befinden sie sichern demselben Irrtum, in dem sich damals die Jünger befanden, auch sie sprechen dann gewissermaßen, enttäuscht: „Und wir dachten, sie, d. i. die Kirchs würde die West erlösen." Nein, die Welt ist nun einmal zufolge der Erbsünde nicht ein Paradies, sie ist auch durch Christus nicht ein Paradies geworden, und kann es auch nicht durch die Kirche werden.
Die Botschaft von der Auferstehung bedeutet nur, daß Christus als Gottmensch uns durch lein Leben und Leiden ein Vorbild gewiesen hat, daß er uns den Weg und die Wahrheit gezeigt hat, daß er sich sühnend Gott dargebracht hat und daß er uns Kraft und Gnade verdient und geschentt hat, wie wir uns trotz aller Ungunst der Verhältnisse zur eigenen Auferstehung durchringen können und müssen. Allerdings muß, wenn es den Menschen Ernst' mit ihrer eigenen innerlichen Auferstehung aus Sünde und Unvollkommenheit ist, auch
das Antlitz der Welt umgeftaltet werden. Not und Armut und Unglück werden bleiben, — die wird niemand gänzlich aus der West schaffen können, aber die Osterbotschaft enthält auch die frohe Botschaft, wie sie gemildert werden können unb sollen. Nicht ber Umstanb, baß bte Osterbotschaft nicht bie West zum Paradies gemacht habe, sollte schuld daran sein, daß so manche fich von ihr wenden, sondern der Umstand, daß sie sich von ihr wenden, ist schuld daran, daß die West so im argen liegt, daß Elend, Unterdrückung, Kampf und Streit in ihr herrschen. Der freie Wille ist ein unantastbares Gut, das Gott den Menschen gegeben hat. Nie rührt Gott daran; der Menfch wäre nicht fein Ebenbild, er wäre ein Knecht, wenn er nicht frei wäre. Aber mit biefent freien Willen hat ber Mensch auch die ganze Der- antroortung für sich und die Welt erhalten. Was er daraus macht, ist seine Sache. Inwieweit Gott ihn bei seinen Handlungen stützt und leitet, mit feiner Gnade begleitet, das ist uns, solange wir auf Erden weilen, ungewiß und undurchsichtig; wir , I spüren seine Hilfe, aber wir erkennen nicht den Grad. Erst im Jenseits werden wir begreifen, wie wohlabgewogen die Freiheit, die er dem Men« fchen läßt, und die Hilfe, mit der er ihn begleitet, ist -,