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Beilage zur Fuldaer Zeitung

Von -er Schulbank ins Berufsleben.

Eg. Post.

Wird nicht mancher Vater, der diese Ueberschrift liest, und wird da nicht manche Mutter seufzen: Ja, wäre es bpä) nur so, daß Ostern unsere Kinder gleich von der schule in einen Beruf gelangen könnten! Und wenn es gelingt: werden sie nicht nach der Lehrzeit das Heer der Arbeitslosen vermehren und gerade in den ent­scheidenden Reifejahren auf die Straße fliegen? Ich Ambe fast, manche Eltern hätten nichts gegen das in Plänen austauchende neunte Schuljahr eingewendet, weil e- ihnen wenigstens noch ein Jahr Sorge um den Schulentlassenen erspart haben würde.

Wie es immer sei: die Berufsfrage ist eine so be­deutungsvolle Angelegenheit, besonders in dieser be­kümmerten Zeit, daß mir die Schriftleitung nicht ver- icheln darf, wenn ich den zugebilligten Raum ein biß­chen überschreite.

Der Sprachgebrauch hat, wie so manches andere, auch dsts Wort Beruf verflacht und eine zweite Bedeutung nseben die ursprüngliche gesetzt. Beruf kommt von rufen, Ad darnach ist Beruf die Aufgabe, zu der ein Mensch gprufen, bestimmt wird. Von wem gerufen? Der gläu­bige Mensch antwortet darauf umfassend: von Gott. Andere mögen sagen: vom Schicksal. Denken wir z. B. an Moses beim brennenden Dornbusch.

So offenkundig wie hier ergeht aber der Ruf nur wenige Menschen. So wird begreiflich, daß wir heute miter Beruf durchgängig an die Tätigkeit denken, die dssm Menschen seinen Lebensunterhalt abwirst. Dem fol- Mnden sei diese letztere Bedeutung zugrunde gelegt.

Wer seine Kinder nicht gerade im eigenen Hause oder Betrieb nötig hat, zerbricht sich den Kopf, was er Am nach der Schulentlassung mit ihnen ansangen soll. Hus der Ferne kann einer natürlich nur allgemeinen Hatschlag erteilen, den der freundliche Leser auf seinen (Anzekfall anwenden möge.

Da sei nun als erstes gesagt, daß der Schulentlas- fKre wieder mehr als bisher „g e w a g t" werden muß. Was zweierlei besagen will: Jungen und Mädchen kän- n^n nicht mehr so verhältnismäßig leicht wie früher m gefichertes Brot oder gar in ein gemachtes Bett kom­men. Das ist Nummer eins. Und weiter, was daraus folgt: der einzelne muß sich mehr als bisher durchzu- Wen bemühen, wenn er dazwischen gelangen und blei- tn will. Das kann natürlich zu allerlei Auswüchsen r Rücksichtslosigkeit oder der Kriecherei führen, es Mfan aber auch dem Berufsnachwuchs zum Segen ge­rochen. Es stellt den Eltern gewiß ein gutes Zeugnis As, wenn sie nach Möglichkeit Schwankungen und , Schwierigkeiten aus der Lebensbahn ihrer Kinder weg- räumen mochten. Ob es jedoch, im ganzen gesehen, ge­sundes Streben ist, möglichst allen Kindern so eine Art Be a m t e n st e l l u n g und damit vermeintliche Si­cherheit zu verschaffen? Wer selbst Beamter ist, kennt neben den unleugbaren Vorzügen auch tiefe Schatten­seiten der Beamtenlaufbahn, abgesehen davon, daß heute s^ ziemlich jeder in ihnen die bösen Nutznießer einer Erbenden Allgemeinheit erblickt und dementsprechend Mfallig über die Beamten zu urteilen sich berechtigt glaubt. Wozu eigentlich das manchmal krankhafte Stre­ben nach solchen Stellungen schlecht paßt.

Mehr als je erwarten manche Eltern das Heil von btt höheren Schule, die ihnen als eine Art Lebens­versicherung vorzuschweben scheint. Nach der Schul­entlassung bieten sich die Aufbauschulen an. Cs soll ja rckchts gegen sie oder andere gesagt werden. Früher ustd auch heute noch kann man auf die Meinung stoßen, kÄß die Begabung eines Kindes es „zu schade" für hand­werkliche, also „untergeordnete" Berufe erscheinen lasse. D.as hat man, wie ich gerade in einem Aufsatz des Dich­ters Joseph Ponten lese, auch von ihm gemeint, aber e<j hat diesem Manne nicht geschadet und seiner Be­rühmtheit keinen Abbruch getan, daß er schon früh Hand­werken mußte. Spielt doch vielfach die Minderachtung, bre man der körperlichen 2Tr bett entgegenbringt, eine große Rolle in dem Streben nach sog. Berechtigun­gen der höheren Schule. Dabei sollen wir „reinen" Geistesarbeiter und Federfuchser doch einmal ruhig ein- gestehen, wie uns die körperliche Anstrengung so sehr fehlt, daß wir irgend wie verkümmert sind. Buchstäb­lich. Was sagt ein so überragender Geistesmann wie der Priester Anton Heinen im letzten Heft der „Füh­rerkorrespondenz": „Als junger Kerl habe ich mehr als eiyrnal den väterlichen Garten gegraben und das väter­liche Getreide gedroschen. Als junger Kerl hatte ich allvierzehntägig das Schwarzbrot im Backofen, ehe ich zur Schule ging. Ich nehme für mich das Recht in Anspruch, von der Ehre der Handarbeit zu sprechen und den, der die Arbeit scheut, für sittlich minderwertig an­zusehen." Ich erinnere mich noch deutlich, wie der Rek­tor unserer Schule sich die Beine abgelaufen hat, meinen schulentlassenen Bruder vor dem Handwerk zu „bewah­ren" und ihn irgendwo in eine Schreibstube zu bringen. Wie die Volksschullehrerschaft nicht selten des Guten zuviel getan hat in der Zuführung zur höheren Schule, vielleicht nicht bedenkend, dadurch selber zu einer Min­

derachtung ihrer eigenen Leistung beigetragen zu haben.

Noch ein Wort zu den Mädchen. Versäumt doch nicht, sie sich gründlich im H a u s h a l t umtun zu lassen! Und zwar möglichst früh, ehe anbermeite Beschäftigung vielleicht schon Unlust erzeugt hat. Ich bin rückständig genug, die armen Dinger zu bedauern, die in dieser Hin­sicht zu wenig mitbekommen haben, und demnächst auch die Männer solcher Frauen, die nicht Ordnung, Aufge­räumtheit, Sauberkeit und Gediegenheit von unten bis oben gelernt haben. Denn es muß gelernt werden, es fällt keinem Mädchen in den Schoß. Heute gibt es manche Gelegenheit, außer in geeigneten Familien, in Heimen gegen geringes Entgelt oder gar ohne gegen­seitige Entschädigung gediegene Ausbildung zu erhalten, auch ohne an klösterliche Niederlassungen und an Pen- fionote zu denken

Die Ungunst der Zeit verhindert es heute oft, daß Jungen oder Mädchen in o-u Bem .itlu.-.yi 4u um Neigung und Eignung sie zu drängen ,cheuun .... ■ wir uns deshalb der gütigen Vorsehung, daß sie nur we­nigen Menschenkindern eine so ausschließliche Befähi­gung geschenkt hat, daß nur ein ganz bestimmter Senf für sie in Betracht tarne. Es ist Gott sei Dank doch so, daß man auch in anfänglich ungern angenommenen Be­rufen durchaus brauchbar und glücklich zu werden und im wahrsten und ursprünglichen Sinne des Wortes seinen Beruf zu finden vermag. Denn der höchste Be­ruf ist allenthalben dieser: an seiner Stelle dem Ganzen zu dienen und ein vollwertiger Ganzmensch zu werden. Daran hindert uns kein Beruf, über uns selbst hinauszuwachsen und sogar harter Notzeit einen Lichtschimmer abzugewinnen.

Das Lausbild tat Dienste derverussberalung

„Wohin wollen wir denn eigentlich?" so fragten ver­schiedene Schüler, als ich mit dem letzten Jahrgange durch die Straßen der Stadt nach der Mittelschule hinschritt. Allerlei Vermutungen wurden laut. Der eine dachte an einen Vortrag; der andere behauptete, es würden Licht­bilder gezeigt. „Hat euch denn euer Klassenlehrer nicht gesagt, um was es sich handelt?" — „Nein!" — „Es soll ein Film vorgeführt werden, der euch zeigt, wie es in den verschiedenen Berufen zugeht." — „Das ist fein — einen Film sehe ich immer gern — ich weiß schon, was ich werde — ich habe schon eine Lehrstelle!" — So schwirrte es nun durcheinander.

Die Vorführung sollte gerade beginnen, als wir in den abgedunkelten Saal eintraten. Ein Herr von der städti­schen Berufsberatungsstelle sprach einige einleitende Worte. Er wies darauf hin, wie wichtig es fei, daß je­der Schulentlassene den seiner Natur gemäßen Beruf er­greife, weil er sich sonst nie ganz zufrieden fühlen werde. Gerade jetzt fei es aber oft recht schwer, den einzelnen an den richtigen Platz zu bringen. Daran sei vor allem die Ueberfüllung in den meisten Berufen schuld. Für die Großstadt komme noch hinzu, daß sich die Arbeit heute in sehr vielen Fällen hinter Werkmauern abspiele, so daß die Schüler häufig keine Gelegenheit fänden, die ver­schiedenen Arten der Betriebe früh genug kennen zu fer­nen. Hier wolle die städttsche Berufsberatung helfend eingreifen. Sie vermittele nicht nur den Verkehr zwischen Stellungsuchenden und Arbeitgebern, sondern versuche auch, dem Jugendlichen die Wahl zu erleichtern, indem sie ihm Einblicke in das Berufsleben gewähre. Diesen Zweck verfolge auch die heutige Vorführung. Besser als der vorzüglichste Film sei natürlich ein persönlicher Auf­enthalt in den Arbeitsräumen. Da aber die meisten Fir­men wegen der bestehenden Gefahr für Besichtigungen oder gar längeren Aufenthalt äußerst selten einmal zu ge­winnen seien, so habe man versucht, das Laufbild in den Dienst der Sache zu stellen. Die Kinder sollten nun gut aufpassen. Wenn ihnen einer der gezeigten Berufe zu­sage und sie noch keine Lehrstelle hätten, so mochten sie in den nächsten Tagen im Rathause vorsprechen. Die anwe­senden Lehrer aber bitte er, einige Tage später schriftlich ihr Urteil über die Eignung des Films mit Vorschlägen zu seiner Verbesserung einzureichen.

Nun beginnt vorn auf der Leinwand das Licht sein wechselvolles Spiel. Große Maschinen schwingen und drehen im Takt ihre blinkenden Glieder. Dazwischen ver­sehen ernste, schlichte Männer ruhig und aufmerksam ihren Dienst: Schlosser, Fräser, Dreher, Former, Modellschrei­ner, Gießer, Schleifer, Kranführer und Lackierer. Auto­schlosser bemühen sich um einen beschädigten Kraftwagen, nehmen dabei die unmöglichsten Stellungen ein und sehen

aus wie Kohlenbrenner. Optiker und Goldschmiede be­dienen feingebaute und feinarbeitende Maschinen, deren Handhabung angestrengte Aufmerksamkeit erfordert. Ar­beiter in chemischen Fabriken schützen sich vor der schäd­lichen Wirkung der Gifte durch Masken. Auf sicherem Gerüst walten Maler und Dekorateure ihres schmücken­den Tuns. Maurer, Zimmerleute und Klempner bewe­gen sich schwindelfrei in luftiger Höhe, stolz auf die ge­wöhnlichen Sterblichen herabschauend. Sonnverbrannt und leichtgewandet schafft der Gärtner an feinem ge­sunden, aber auch anstrengenden Tagewerk. So ziehen sie alle an uns vorüber, die fleißigen Männer vom Hand­werk und der Industrie.

Ihnen folgen die Vertreter der weiblichen Berufe. Die Hausangestellte macht die Zimmer nett und sauber. Prü­fend kostet die rundliche Köchin das anscheinend gutgera­tene Gericht. Mit gewinnendem Lächeln empfehlen sorg­fältig gekleidete Verkäuferinnen Stoffe und Gewänder, geduldig die Launen der wählerischen Kundschaft ertra­gend. Mit geschickten Händen formen die Friseusen die mehr oder weniger lockige Hauptzier ihrer Geschlechts­genossinnen. Kinderpflegerinnen baden und füttern strampelnde Säuglinge. Hortnerinnen beschäftigen ihre schon etwas größeren Pflegebefohlenen mit Basteleien und Singspielen. Arbeiterinnen bedienen, in langen Reihen sitzend, gleichmäßig geformte Maschinen. Mit flinkem Finger übertragen vornehm aussehende Steno­typistinnen das gesprochene ober geschriebene Wort säu­berlich auf das Papier usw. Es ist erstaunlich, wieviel Betätigungsmöglichkeiten das weibliche Geschlecht im Laufe der Zeit gesunden hat.

Von der Menge des Gesehenen etwas benommen, tre­ten wir den Rückweg an. Der heutige Film hat uns Eindrücke vermittelt, die uns z. T. sonst unbekannt ge­blieben wären. Zwei Jungen sind auch durch ihn ver­anlaßt' worden, sich nach bestimmten Berufen näher zu erkundigen. Doch stellt der hier begangene Weg erst einen hoffnungsvollen Anfang dar. Einmal wird der beim Film so naheliegende Fehler begangen, daß zu viel auf einmal geboten wird, so daß ein Eindruck den anderen verdrängt. In diesem Falle müßten m. E. die männlichen, bezw. die weiblichen Berufe für sich allein behandelt wer­den. Ferner war bei einigen Berufsarten der gebotene Einblick noch nicht tief genug. Man hätte hier und da gern etwas mehr erfahren von dem Gefühlsbetonten, von dem, was man des Berufes Lust und Leid nennt.

Immerhin hat man den Eindruck, daß der hier be­tretene Weg gangbar und entwickelungsfähig ist. Wir müssen ihn weiteroerfolgen, weil die Not der Gegenwart die Anwendung aller verfügbaren Mittel gebieterisch er­fordert. A. S ch e r p.

welchen Verns soll das Mädchen wählen?

Von M.

Für unsere Mädchen ist die Einstellung auf den künf­tigen Beruf vielfach noch schwerer als für die Knaben. Das liegt zumeist an der Einstellung des Etternhaufes, vor allem der Mutter. „Das Mädchen heiratet ja doch! Also bleibt es zu Hause." Das ist ein törichtes Wort. Wir wissen alle, daß heute sehr viele Mädchen nicht zur Ehe kommen. Spricht nicht die Tatsache, daß es in Deutschland elfeinhalb Millionen erwerbstätiger Frauen gibt, eine eindringliche Sprache?" Wenn unser Mäd­chen nicht zur Ehe kommt, dann bleibt es im Haushalt der verheirateten Geschwister als Helferin," so denkt und spricht manche Mutter. Das konnte zwar ein sehr edler Beruf sein, in steter Opferbereitschaft und Anspruchs­losigkeit den anderen zu dienen, aber wir vergessen, daß ein solches Dienen ein ganz außerordentlich hohes Maß von Selbstlosigkeit voraussetzt. Dieses dienende- Leben wird in der Regel diesen Mädchen noch erschwert durch die Tatsache, daß die Geschwister oft wenig ober gar

Steifer.

I keine Anerkennung für die geleisteten Dienste haben. Sie nehmen ihre mühsame Arbeit als Selbstverständlich­keit hin, ja sie belohnen den Betreffenden, namentlich, wenn diese alt oder krank sind, damit, daß sie dieselben deutlich fühlen lassen, ihr seid überflüssig. Solche Mäd­chen essen ein bitteres Gnadenbrot. Wenn wir uns mit offenem Auge Umsehen, finden wir sehr wenige von ihnen, die zufrieden sind. Darum möchte ich aus mei­nen Erfahrungen heraus, jedem Mädchen, das nicht aus wichtigen Gründen zu Haufe bleiben muß, empfehlen, sich jetzt oder später einen Beruf zu schaffen.

Welchen Beruf soll denn das junge Mädchen wählen? Das hängt in erster Linie von Veranlagung und Neigung ab, ferner vom Elternhaufe.

Für ein Mädchen kommt im allgemeinen zuerst der hausfrauliche Beruf in Betracht. Dieser Beruf bietet mehr als viele andere unserer Jugend die Möglichkeit, I in die zukünftigen Frauen- und Mutteraufgaben hinein- |

zuwachsen. Die Hausangestellte, die in enqfkTs^r-' -ung mit der Familie lebt, hilft Werte schaffen, die v ' unser Familien- und Bolts* leben find. Zudem ist |d?on seit Jahren ein füblbaJr Mangel an geeigneten, gut vorgebildeten Hauswirtschaft lichen Berufskräften zu verzeichnen. Als Hauswirt chatt lichen Berufe kommen in betracht: Alleinmädchen ag chenmädchen. Stütze, Wirtschafterin, Haushaltpfle'aerin Die Ausbildung für diese Berufe gewinnt man wo« am besten unter der Führung einer einsichtigen, gefä^, ten Hausfrau. Zudem gibt cs eine ganze Reihe von Schulen, die in sachkundige Weise in alle Hauswirtschaft, lichen Arbeiten einführen.

Jungen Mädchen, die sich besonders für den Umgana mit kleinen Kindern eignen, die Liebe und Interesse für sie haben, ist es zu empfehlen, Kinderpflegerin, Kinder- gärtnerin oder Kinderhortnerin zu werden. Sie üben entweder in Familien, in privaten oder öffentlichen Kin­dergärten, Horten, Erziehungs- und Erholungsheimen ihre Tätigkeit aus. Selbst wenn diese Berufe nicht als Lebensberufe in Betracht kommen, so sind sie doch eine gute Vorbereitung für den späteren Mutter- und Haus- frauenberuf oder für eine in Frage kommende weitere Ausbildung in der Krankenpflege ober Fürsorge.

Heute, wo die gesundheitlichen, seelischen und sittlichen Schäden im Volkskörper sich inehr und mehr ausbreiten bedürfen mir immer mehr helfender und heilen­der Frauenhände, um Not und Elend zu lindern und zu mildern. Das ist der Beruf der Kranken-, Säug­lings- und Wochenpflegerin, der Fürsorgerin, der Ge­meinde- und Landpflegeschwester, der Seelsorgshelferin. ' Für die Erlernung dieser Berufe ist ein reifes Alter er­forderlich. Zumeist gibt es ganz genaue Vorschriften da­für. Die Berufe erfordern, wie schon ersichtlich ist, ein ganz großes Maß von Opferbereitschaft, von Hingabe und Anpassungsfähigkeit, von Feinhörigkeit und Taktge­fühl. Mehr als sonst muß die ganze Persönlichkeit in den Dienst der Ausgabe gestellt werden. Aber dieser Beruf kann auch wie kaum ein anderer, dem tiefsten Sehnen des Frauenherzens, sich andern in selbstloser Hingabe zu schenken, Genüge tun und so ein Menschenleben aus­füllen.

Sehr oft, wenn man die Mädchen fragt, was sie denn werden machten, bekommt man zur Antwort: „Zch werde Näherin". „Ich werde Putzmacherin". Oder aber: „Ich gehe ins Geschäft". Daß die Mädchen gerade in dieser Zeit die handwerklichen Berufe mit Vorliebe wählen, kann man verstehen. Wo sie aber gewählt werden, sollte eine einsichtige Mutte Sorge dafür tragen, daß ihre Toch­ter auch etwas Ganzes lernt, daß sie nicht bei Schwierig­keiten versagt, denn soll einer dieser kaufmännischen ober handwerklichen Berufe auch wirklich ein Broterwerb fein und in der heutigen schweren Zeit auch bleiben, so muß sorgfältige Arbeit geleistet werden, nichts Halbes. Als kaufmännische Berufe kommen in Frage: Kontoristin, Verkäuferin, Bankgehilfin. Als handwerkliche find zu nennen: Schneiderei, Putzmacherei, Stickerei, Weißnähe­rei, Bhimenbinberet und Frisieren.

Die bis jetzt genannten Berufe erfordern alle eine mehr ober minder lange Ausbildungszeit. Und wenn es den Eltern irgendwie möglich ist, sollen sie diese Berufe den ungelernten in den Fabriken vorziehen. Gewiß, das Mädchen verdient in einem gelernten Beruf später Geld, es hat aber auch größere Aussicht, später besser entlohnt zu werden, selbständig zu werden, vor allem ist die Mög­lichkeit größer, daß es in seinem Berufe Zufriedenheit, vielleicht sogar Lebensunterhalt findet. Darum wird es stets den Eltern dankbar fein, wenn sie ihm dazu verhal­fen haben. Oftmals aber zwingt die Not die Eltern da­zu, ihre Kinder sofort nach der Schulentlassung Geld ver­dienen zu lassen. Aber auch für die Arbeit in den Fabriken gilt, was für alle frauliche Arbeit gilt: Wer feine Arbeit mit Ausdauer, Sauberkeit, Aufmerksamkeit und Sorgfalt verrichtet, wird einen entsprechend höheren Verdienst er­zielen und mehr Ausstiegsmöglichkeiten haben.

In allen Berufen, die nicht aus sich heraus zum Haus­frauen- oder Mutterberuf vorbereiten, muß einetreu- forgende Mütter trotzdem auf Mittel und Wege sinnen, um auch diese Veranlagung im Mädchen herzen auszuprägen.

Heileres aus der Schule.

Bei der Prüfung ist die Rede von'der Taufe, und der Prüfende fragt: „Kann man denn auch mehrmals getauft werden?" Da alles schweigt, fragt er nochmals: „Kann ich denn noch mal getauft werden?" — Da meldet sich einer: „Nein, Sie sind zu schwer dazu."

*

„Na, Fritz, wie weit kannst du denn zählen?" —

„Och, ich kann es soweit, bis Muller sagt: Nun halt aber endlich den Mund! Soweit kann ichs!" —

Die Kleinen malen. Der Lehrer geht umher und schaut sich die Kunstwerke an. Franz zeichnet ein Haus.

„Warum machst du keine Fenster daran?" — #

„Du scheinst auch kein Abwarten gelernt zu haben!

Was ich über meinen spökeren Verns denke. (Schülerarbeiken der zur Entlassung kommenden Schüler.)

Die Stunde kommt immer näher, da ich aus der Schule entlassen werde und den Schrill hinaus ins Leben mache. Da ist es höchste Zeit, daß sich jeder überlegt, was er werden will. Ich habe die Wahl getroffen und mich entschlossen, das Bäckerhandwerk zu erlernen, weil ich hoffe, darin mein Glück zu machen. Ostern trete ich gleich in meine Lehrstelle ein. Wie wird es mir ergehen? Zu­nächst muß ich morgens früh aufstehen, was ganz schön ist, da bin ich abends auch früh fertig. Arbeit wird es wAl genug geben. Die Maschinen machen heute auch viel in der Bäckerei. Der Hebel wird herumgedreht, und fix läuft die Teigmaschine. Gutes Essen werde ich auch kriegen. Die paar Lehrjahre werden bald herum fein. Wenn ich ausgelernt habe, gehe ich erst noch einige Jahre als Gesell, dann mache ich imch selbständig, denn da wird viel mehr Geld verdient.

Bald werde ich aus der Schule entlassen. Als Mäd­chen brauche ich mir aber über meinen späteren Beruf nicht solche Gedanken zu machen wie ein Junge. Die Hauptsache ist, daß wir Mädchen bas Waschen, Nähen, Flicken, Bügeln und Putzen verstehen, dann können wir schon einen Haushalt besorgen. All diese Arbeiten kann ich zu Hause bei meiner Mutter lernen. Ich bleibe daher 1—2 Jahre nach meiner Schulentlassung bei meinen Eltern, bann gehe ich in Stellung, um Geld zu verdienen. I

Lieber möchte ich ja studieren, aber dazu haben wir kein Geld. So muß ich mich halt mit meinem Los zufrieden geben.

Wie bald wird Ostern da fein, da muß ich ins Le­ben hinaus und einen Beruf ergreifen. Nach langer Uebertegung habe ich mich entfchloffen, Schreiber zu werden. Wenn ich in die Lehre komme, werde ich sehr auf paff en müssen, damit ich nichts falsch mache; auch muß ich olles fein sauber schreiben. Das lange Sitzen wird mir schwer fallen. In meinen freien Stunden will ich fleißig Sport treiben. Wenn ich dann Geld ver­diene, werde ich mir es sparen.

Ostern werde ich aus der Schule entlassen. Dann ist die schöne Zett vorüber. Dann geht es ins Leben hin­aus, und das fordert viel von uns Menschen. Wie froh bin ich daher, daß ich erst noch ein paar Jahre zu Hause bei meinen Ellern bleiben kann. In dieser Zeit werde ich das Nähen und Kochen, sowie die andern Hausarbei­ten erlernen, damit ich später einmal eine tüchtige Haus­frau gebe. Wenn meine kleine Schwester größer ist und in der Landwirtschaft helfen tarnt, dann gehe ich in die Stadt in Stellung, um noch etwas zu lernen und Geld zu verdienen.

Schon oft habe ich darüber nachgedacht, was ich spä­ter einmal werden will. Ich bin mir noch nicht ganz

klar darüber, ob ich zur Schupo oder zur Reichswehr gehe, beides ist sehr, schön. Wenn man seine 12 Jahre gedient hat, bekommt man eine kleine Beamtenstelle oder eine Abfindungssumme, womit man ein Geschäft anfangen kann. Gleich werde ich nicht genommen. Ich werde daher erst zu Hause bleiben, in der Landwirt­schaft helfen und viel Sport treiben.

Früher hatte ich immer gedacht, die Sache wäre so leicht. Jetzt sehe ich immer mehr ein, wie schwer es ist, in dieser schweren Zeit eine passende Stelle zu finden. Meine Brüder gehen als Maurer in die Welt, da werde ich auch erst ein paar Jahre mitgehen, daß ich das Maurerhandwerk erlerne und Geld verdiene. Das Geld wird gespart. Mein Bruder macht in zwei Jahren nach Amerika. Vielleicht kann er mir dort auch eine Stelle ausmachen, bann reife ich auch hinüber.

Nur noch wenige Wochen und ich werde aus der Schule entlassen. Da muß ich einen Beruf ergreifen. Ich habe mich entschlossen, Verkäuferin zu-werden. Mei­nen Bekannten in der Stadt habe ich geschrieben, sie soll­ten sich einmal um eine Lehrstelle in einem großen Ge­schäft bemühen. Meine Eltern sind mit meinem gewähl­ten Beruf einverstanden. Verkäuferin zu fein, ist ganz schön. Ich muß stets freundlich und zuvorkommend gegen die Kunden fern. Ich muß auch unverdrossen sein, denn viele Leute fragen, suchen Sachen aus und kaufen bann doch nichts. Natürlich muß ich auch alle Stoffarten und Preise kennen, damit mein Chef zufrieden mit mir ist. Anfangs werbe ich nicht viel Lohn bekommen. Auch

wrde ich in die Handelsschule müssen. Wenn ich aus- gelernt habe, suche ich mir eine Stelle als Kassiererin. Da muß ich gut aufpajfen, daß es keinen Irrtum gibt, sonst muß ich bas fehlende Gelb drauflegen.

Schon oft habe ich mir die Frage vorgelegt, was ich werden will. An Autoschlosfer hätte ich am meisten Spaß. Mein Vater hat sich auch schon um eine Lehr­stelle für mich bemüht. Autoschlosfer werden fo leicht nicht arbeitslos, denn es werden jetzt immer mehr Autos gemacht und da gibt es viele Reparaturen. Wenn ich was Tüchtiges gelernt habe, fange ich in unferm Dors eine Werkstätte an. Weil die Autos Benzin brauchen, werde ich mir auch einen Tank anlegen.

Wie schnell roerben bie paar Wochen bis Öfter« herum fein, bann komme ich aus der Schule und mutz in Stellung gehen. .Am liebsten mochte ich als Kinder­mädchen gehen. Dieser Beruf hat viele Vortelle, aoer auch Nachteile. Wenn man jeden Tag mit den Lindem spazieren gehen kann, ist nicht zu verachten. Als Km» derrnädchen muß ich mich bemühen, gegen die Kinde lieb zu sein. Für die Kinder muß gewaschen, gebugei und geflickt werden, damit sie immer sauber angezoge sind. Darauf will ich besonders achten. Nachts uwtz ich im Kinberzirnrner schlafen, damit den Kindern mch passiert. Oft muß man nachts nach den Kindern sehe- am allerschlimmsten ist es, wenn ein Kind krank U • Aber ich will gern die Kinder verpflegen und gut am sie aufpassen. Vielleicht kann ich später noch eine hohe» Schule besuchen und bann Kindergärtnerin werden.